Der verrückte Wilhelm Reich

Daß Reich sich in den 1950er Jahren manchmal recht merkwürdig verhalten hat, wird auf die unterschiedlichste Weise erklärt.

Beispielsweise damit, daß es hier gar keinen Wandel gegeben hat. Er habe schon zu seiner Inhaftierung auf Ellis Island merkwürdig paranoid reagiert und wollte Absonderliches tun. Beispielsweise konnte ihn Theodore P. Wolfe davon abhalten, Leuten Mitteilungen zu schicken wie: „Sie sind ein Feind der Lebensenergie!“ In den 1950er Jahren ist Elsworth F. Baker diese Rolle zugefallen, aber er hatte weder die Autorität von Wolfe noch dessen Nähe zu Reich.

Man muß auch berücksichtigen, daß fast alle in seiner Umgebung extreme Atheisten waren, Linke und Mechanisten. Reich entwickelte sich zunehmend von ihnen weg, was ganz natürlich zu Spannungen führte. Er konnte schlichtweg seine Umgebung nicht mehr ausstehen. Beispielsweise beschrieb seine Sekretärin Lois Wyvell Reichs Enttäuschung und Wut, als er erfuhr, daß die Leute, die auf Orgonon tätig waren, abends einen Lehrgang bei einem der Orgonomen nahmen und dort an elektronischen Schaltkreisen bastelten. Leute, die tagsüber behaupteten mangels Vorbildung Reichs naturwissenschaftlichen und orgonometrischen Ausführungen nicht folgen zu können und ein demonstratives Desinteresse zur Schau trugen. Oder sitze mal mit pseudointellektuellen Arschgesichtern zusammen, die grundsätzlich nichts mit Religion anfangen können und ständig linksliberale Platitüden von sich geben!

Ilse Ollendorff hat den zeitweise exzessiven Alkoholkonsum ihres Ehemanns zu dieser Zeit angeführt. Reich hatte das Schicksal fast aller Emigranten, die es nach Skandinavien verschlug. Es war da fast unmöglich kein Alkoholiker zu werden. Man denke nur an „Weinbrandt Willy“, Willy Brandt!

Reichs Tochter Eva hat sich zu der merkwürdigen Theorie verstiegen, daß die Ölfarben, die sie ihm geschenkt hatte und die zum Hobby seiner letzten Jahre wurden, ihn mit ihren Gasen vergiftet hätten.

All das kann Reichs selbstzerstörerisches Verhalten erklären, seine Aggressivität, seine Ungerechtigkeiten gegenüber Leuten, die ihm nahestanden, etc. Die naheliegendste Erklärung hat m.W. aber noch niemand vorgebracht. Was auf den ersten Blick auffällt, ist, wie unglaublich schnell Reich gealtert ist. Mit Mitte 50 sah er schon aus wie Leute normalerweise erst mit Mitte 70 oder 80. Und das kann nicht nur an seinem aufreibenden Leben und Raubbau an der Gesundheit gelegen haben, sondern muß vor allem genetische Gründe gehabt haben. Man schau sich seine Tochter Eva an, die bereits in den 1980er Jahren, also in etwa dem gleichen Alter, erste Zeichen von Demenz zeigte, was bestimmte Leute gnadenlos ausgenutzt haben… Was im Alter generell als erstes flötengeht, ist das Urteilsvermögen. Zur Demenz gehört dann Aggressivität, Weinerlichkeit, Vergeßlichkeit, Ungeduld und Paranoia. Jeder kennt das von den eigenen Eltern.

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10 Antworten to “Der verrückte Wilhelm Reich”

  1. Robert (Berlin) Says:

    Wurde Reich schon in Skandinavien zum Alkoholiker?
    Hast du eine Quelle für Evas Theorie mit den Ölfarben?

    Sehr schöner Artikel, der endlich von jeglicher Hagiographie Abstand nimmt und Reich als menschliches Wesen ansieht.

    • Peter Nasselstein Says:

      Bitte, Elsa, laß mich genau wissen, was und wo und wie Du arbeitest. Trink nicht! Ich babe bier kaum Alkohol genommen, nur am Abend, bevor ich die Kinder treffen sollte. Ich freue mich, am Ende von den Norwegern doch nicht alkoholisiert worden zu sein. (JENSEITS DER PSYCHOLOGIE, S. 344)

      Was Eva betrifft müßte ich zu lange suchen…

  2. Renate Says:

    Hatte Reich ev. eine Stoffwechselkrankheit?
    Die Gene denke ich nicht. Warum die Kinder meist das gleiche haben wie die Eltern: gleiche Eßgewohnheiten.?

  3. Tzindaro Says:

    “And malt does more than Milton can to justify God’s ways to man“.
    ….A.E. Houseman

    It has nothing to do with genetics. Genetics is nothing but right-wing ideology.

    Every kilo of overweight adds one year to your biological age. Smoking adds years to physiological age too. Reich smoked and was overweight, so it is not surprising if he looked older than his chronological years.

    But it is entirely possible that his anti-communist ranting came out of a bottle. The same could be true for his religious preoccupations. But his scientific claims of orgone energy and the inventions of the cloudbuster and accumulator are testable and have been tested and confirmed by many others, so those claims can be regarded as correct regardless of ad hominums.

  4. Roman Schreiber Says:

    „Und das kann nicht nur an seinem aufreibenden Leben und Raubbau an der Gesundheit gelegen haben…“
    Stress fördert Demenz. Rauchen und Alkohol greifen das natürliche Immunsystem im Darm an. Alle drei Faktoren unterstützen chronische Entzündungen, die wiederum Einfluss auf Gehirn und innere Organe haben. Schlafmangel ist ein weiterer Faktor, der bei Reichs rastloser Tätigkeit vermutlich auch eine Rolle spielte.
    Die damaligen Zigaretten enthielten auch Mengen an Nikotin und Teer, die uns heute abenteuerlich vorkommen. Ich glaube, Reich lebte so ungesund wie viele andere Menschen damals.
    1950 betrug die durschscnittliche Lebenserwartung übrigens 65 Jahre für Männer. Heute sind es 76 (USA).

    • Renate Says:

      Interessant dazu auch durch schlechte Ernährung verursachter nitrosativer und oxidativer Stress.
      Siehe Reichs weiße Haare, etc.

  5. O. Says:

    Der fortschreitende körperliche Altersprozess fällt mit der Entdeckung der Orgonenergie zusammen. Das Tragen einer Radiumuhr wurde erst später ab 1951 von Reich als Problem erkannt. Die „Sapabione“ veränderten seine Haut rot – wie eine „Sonneneinstrahlung“. War dies Orgonenergie? Man bestrahle sich mit einem Orgon-Reagenzglas oder Shooter und warte ab, wann die Haut rot werde. Ohne einen Oranureffekt durch Radioaktivität wird nichts rot! Reich entdeckte wohl eher das Oranur nicht das Orgon. Die Augen röteten sich … etc. – was sonst noch im Labor rumlag. Orgon rötet keine Augen, es hilft chronisch entzündete Augen wieder zu lindern und bringt das Symptom schnell weg.

    Die Hypothese, dass Nikotin und Teer Reich so plötzlich geschädigt hätten, ist mehr als zweifelhaft und unserer phantastischen Dämonisierung unserer Zeit von Zigaretten geschuldet. Tabak wird heute mit allem möglichen Giften und mit radioaktiven Substanzen übersprüht, was die Strahlenwerte des Tabaks heute erhöhen. Die natürliche Aufnahme von Radiokatitivät der Tabakpflanze ist seit Tschnerobyl ein exorbitantes Problem. Die Messwerte, die Philip Morris 1986 gemessen hatte, waren so drastisch, dass er diese nicht veröffentlichen wollte. Das war lange vor Reichs Tod.
    Nicht zu erwähnen, dass unsere Nahrungsmittel nach Fukushima nicht auf Radioaktivität überprüft und gemessen werden und japanische Produkte hier auf den Tisch kommen ohne mit der Wimper zu zucken.

    Im übrigen waren die beginnende Welle der Atombombenexplosionen und die Atomwirtschaft (sog. Tests) in den USA der Gesundheit auch nicht zuträglich.

  6. Renate Says:

    Sand (Quarzsand, Brechsand) weisen radioaktive Strahlung auf,
    das könnte die Augenrötung erklären.
    Der Hinweis auf Radioaktivität fiel mir einmal auf dem Sack Quarzspielsand für Kindersandkisten auf!

    • Claus Says:

      Ich glaube, dass das nicht gemeint war. O nimmt Bezug auf den SAPA-Versuch (siehe „Der Krebs“), bei dem die (Orgon-)Strahlung besonders stark war. Und Reichs Labor war, was ORANUR angeht, damals sicher in einem schlimmen Zustand (Fotos zeigen Neonröhren, im Haus waren sicher Röhrenfernseher, Uhren mit Leuchtziffern …)
      „Der Hinweis auf Radioaktivität fiel mir einmal auf dem Sack Quarzspielsand für Kindersandkisten auf“ – huch! Muss ich mal googeln …

    • Claus Says:

      Ah, es ging um Tschernobyl (also lange nach Reich):
      http://www.oekotest.de/cgi/index.cgi?artnr=99791&bernr=07&seite=02

      Kann Spielsand radioaktiv belastet sein? Das wollten ÖKO-TEST-
      Leser wissen. Sie waren irritiert, weil auf der Verpackung eines Spielsandes bei Bauhaus auf eine Untersuchung auf Radioaktivität hingewiesen wird. Auf Anfrage erklärte der Anbieter Quarzwerke, man habe mit dieser Untersuchung in Österreich nach der Katastrophe von Tschernobyl 1986 begonnen. Obwohl zu keiner Zeit Belastungen festgestellt worden seien, wurde der Test beibehalten. Auch bei Sand aus Deutschland hat der Anbieter 2007 eine Untersuchung in Auftrag gegeben, bei der keine radioaktiven Nuklide festgestellt worden seien. Für die Zukunft plant er, auf den Verpackungshinweis zu verzichten. Christina Hacker, Referentin für Radioaktivität beim Umweltinstitut München, bestätigt, dass kein Grund zur Sorge besteht: „Im Spielsand ist bei uns inzwischen nicht mehr mit einer radioaktiven Belastung durch Tschernobyl zu rechnen“.

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