Wilhelm, rette mich vor der Häßlichkeit!

Ich rätselte bei einer Fahrradtour durch Hamburg weiter über meine alte Marotte: warum mir die Wilhelminische Architektur so überaus gut gefällt, gerade enthusiasmiert, und warum mich alles derartig anwidert, was in den letzten 100 Jahren gebaut wurde. Ein physischer Widerwille, abgrundtiefer Haß und purer Ekel!

Mein Fehler war bisher, daß ich a la Rudolf Steiner von steinzeitlichen Höhlen ausgegangen bin und daß heute diese natürlichen Formen durch mechanische Formen ersetzt wurden. Doch dieser Ansatz ist nicht zielführend. Man muß Häuser anders betrachten, nämlich frei nach Hans Hass (Energontheorie) als zusätzliches Organ, das funktionell dem Federkleid der Vögel, dem Fell der Säugetiere und der Kleidung der Menschen entspricht.

Das Federkleid eines Pfaus oder eines Enterichs, das überbordende Geweih eines Hirsches oder die imposante Mähne eines muskelbepackten Pavian-Paschas sind vollkommen überflüssiger Schnickschnack ohne jede Funktion. Dieser absurde Luxus der Sexprotze signalisiert nur eins: eine überbordende Gesundheit, eine überschwellende Energie, gutes Erbmaterial. Und genau das signalisierte die verschnörkelte, sich in abstruse Einzelheiten verlierende Architektur des imperialen Deutschlands, das vor wirtschaftlicher Kraft schier barst, warum denn auch die Emotionelle Pest alles tat, um das Deutsche Reich wieder zu zerstören.

Die Architektur unter Kaiser Wilhelm läßt mein Herz höher schlagen, weil sie eine hohe orgonotische Ladung signalisiert, Optimismus und Lebendigkeit. Alles was danach kam, ausnahmslos alles, ist eine Architektur des Niedergangs, des Verfalls, des Todes. Die heutigen Städte sind steingewordene Anorgonie. Ausspuck!

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21 Antworten to “Wilhelm, rette mich vor der Häßlichkeit!”

  1. Claus Says:

    Ich berücksichtige an Architektur auch, wie sie sich jeweils verändert, und zwar durch ihren Gebrauch verändert – wie sie Teil des Wachstums war und ist.

  2. Robert (Berlin) Says:

    Schöne These, aber widersprüchlich. Überall im Feudalismus baute man Prunkbauten oder sehr ästhetische Gebäude. Grund war vermutlich, dass Ästhetik ein Markenzeichen des Adels war (siehe Schiller, Erziehung zur Ästhetik). Auch in wirtschaftlich schlechten Zeiten baute der Adel wunderschöne Gebäude (und das einfache Volk darbte).

  3. Peter Nasselstein Says:

    Eine Kathedrale soll gebaut werden. 200 000 000 US-Dollar stehen zur Verfügung. Was wird gebaut? Diese Kirche der Hölle:

    https://de.wikipedia.org/wiki/Kathedrale_Unserer_Lieben_Frau_von_den_Engeln

  4. Peter Nasselstein Says:

    Fischarchitektur:

    Unbedingt anschauen! Als ich das eben gesehen habe, habe ich buchstäblich mit offenem Mund auf den Bildschirm gestarrt! Bewunderung!

    • Claus Says:

      „When the circles are finished, females come to inspect them. If they like what they see, they reproduce with the males, said Hiroshi Kawase, the curator of the Coastal Branch of Natural History Museum and Institute in Chiba, Japan. But nobody knows exactly what the females are looking for in these circles or what traits they find desirable, Kawase told LiveScience.“
      http://www.livescience.com/40132-underwater-mystery-circles.html
      Mich wundert dabei, wie die Wahrnehmung des Weibchens offenbar auf diese ‚Sandburgen‘ ‚abgestimmt‘ ist.

    • Markus Says:

      …sooo schöööön! :-))

  5. Claus Says:

    Klappt hier bei mir wieder nicht. Vielleicht jetzt:

    Ich sehe das doch auch aus anderen Gründen anders:
    Die moderne Architektur mit ihrer Abkehr von Ornament i.e.S. und bildlicher Darstellung am Bau wurde zwar von manchen ideologisch vorangetrieben, mit oft recht spinnerten Phrasen („Ornament ein Verbrechen“, „rechter Winkel als universelles Prinzip“ u.a.). Doch war es auch eine Frage der wirtschaftlichen Rationalität angesichts mehr industrieller Fertigungsweisen und weniger Handwerk. Darauf MUSSTE ästhetisch reagiert werden, wenn Bauen – gerade Bauen für viele – bezahlbar sein sollte. Daher finde ich viele ästhetische Lösungen der Moderne gerade bewundernswert, v.a. dann, wenn sie mit jeweils zukünftigem Wachsen und Sich-Verändern vereinbar waren. Ich schätze zum Beispiel, wie die Gärten der Mieter hier individuelle Spielwiesen sind, für die die Wohnbauten den erschwinglichen Ausgangspunkt bilden:
    http://www.fotocommunity.de/photo/otto-haesler-blumlaeger-feld-susihoppenstedt/26448264

    https://www.google.de/search?q=haesler+bluml%C3%A4ger+feld&source=lnms&tbm=isch&sa=X&ved=0ahUKEwiz48eR8L3TAhVFVhQKHaM0DvkQ_AUIBygC&biw=1440&bih=775&dpr=1#imgrc=emQ8lfd0wMtwTM:&spf=196

    Natürlich ist es hirnrissig, wie gebildete Damen und Herren der Kunstgeschichte und des Denkmalschutzes ein Zwanzigerjahreprodukt konservieren oder meistens eher rekonstruieren wollen.

  6. Christian Abrelia Says:

    Genau das denke ich täglich: Warum sind wir von einer solchen baulichen Hässlichkeit umgeben?
    Die Zeit des wilhelminischen Klassizismus und des Jugendstils strahlt eine lebendige Ästhetik aus. Was nach 1945 gebaut wurde, ist ohne Abstriche abruchreif. Wie sehnt man sich den nächsten
    Krieg herbei, das reinigende Feuer…

    Ekel und Brechreiz vor diesem Zeitalter!

  7. Frank Says:

    Von Peter wieder so treffend auf den Punkt gebracht – danke!
    Trotzdem stellt sich mir die Frage nach einem „Zuviel des Guten“.
    Nach einer Phase der Begeisterung für „Wilhelminische Architektur“ bin ich wieder etwas „schlichter“ und funktionaler geworden.
    Nur ein Problem meiner biologischen Alterung, von nachlassender Vitalität?
    Auch fühle ich mich inzwischen mehr zu „organischer“ (runder) Gestaltung hingezogen, angelehnt an die weichen unregelmäßigen Formen der Natur, Naturholzstämme, Lehm, Josep Maria Jujol, Gaudi).
    Eine Weiter-, Höherentwicklung?

  8. Peter Nasselstein Says:

    Mal abgesehen vom Thema: das Drucken. Man kann Sraßen DRUCKEN! Vorne kommen Steine etc. rein und hinten liegt die komplette Straße zur Benutzung bereit. Bei Häusern ist das im Primitivstadium, aber in wenigen Jahren… So bald mit allen Gütern. Wo soll das nur enden? Selbst Pflegeberufe: die Japaner tun wirklich alles, um Pflegeroboter zu bauen. verkäufer? Schon heute überflüssig. Und so in fast allen Berufen.

    • Claus Says:

      Und damit geht auch in der Architektur aus meiner Sicht eine große ‚Künstlichkeit‘ einher. Man betrachte mal die seit Langem gängigen Isolierklinker, die schlechte Abbildungen von Ziegelsteinen sind, und die Sprossenfenster aus Kunststoff, die auch im Grunde Bilder sind, sofern die Sprossen so gar nicht mehr nützlich sind. Die Neubauten stecken voller Abbildung, weil man es nicht allzu schlicht haben will. Ich komme mir dabei mehr oder weniger vor wie in einer Filmkulisse. Daher wäre mir mehr Verzicht auf diesen Simulier-Kitsch lieber. Man wird die bewundernswerten Jugendstildekos nicht mehr in überzeugender Weise bekommen. Ich hoffe eher auf Formen, die im Laufe des Gebrauchs der Industriearchitektur entstehen, also wachsen (wenn ‚Denkmalschutz‘ dabei nicht allzu viel verhindert).

  9. Peter Nasselstein Says:

    Dieser Scheißhaufen von „Staat“, in dem wir leben müssen. Die Ästhetik paßt zu diesen „demokratischen“ Witzfiguren:

    https://www.pi-news.net/2017/04/deutsche-bank-kuendigt-konto-von-akif-pirincci/

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