Der linke Schwulinkski Wilhelm Reich

Bei Freud ist eine Sexualbetätigung dann pervers, wenn sie auf das Fortpflanzungsziel verzichtet, bzw. es noch nicht erfüllen kann (Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse, Frankfurt: Fischer Taschenbuch, 1992, S. 302). Dementsprechend muß Freud seinen Schüler Reich als ebenso pervers eingestuft haben, wie etwa einen Homosexuellen, jemand der sein „Steckenpferd reitet“ und die von der Fortpflanzung losgelöste Genitalität fetischisiert.

Die orgonomische Haltung zur Homosexualität hat Reich bereits 1932 in Der sexuelle Kampf der Jugend abschließend zusammengefaßt: Homosexualität ist eine Fehlentwicklung, die man, im Gegensatz zur Heterosexualität, behandeln kann. Der Krankheitswert zeigt sich auch daran, daß beim Homosexuellen die Befriedigung geringer ist als beim vergleichbaren Heterosexuellen. Doch solange die sexualfeindliche Erziehung Homosexualität erzeugt und die Betroffenen glücklich sind und nicht geheilt werden wollen, geht ihre Homosexualität niemanden etwas an.

Aus seiner großem psychoanalytischen Erfahrung heraus ist Reich zu dem Schluß gekommen, „daß die meisten ‚Homosexuellen‘ ihre Besonderheit einer Fehlentwicklung in ihrer Kindheit verdanken, und daß die Fixierung im allgemeinen um das vierte Lebensjahr herum erworben wird, weshalb ihr Ursprung den Betoffenen außerhalb des Bewußtseins bleibt. Reich konnte in zwölf Fällen eine Heilung erreichen, so daß zuvor Homosexuelle ein unwillkürliches Verlangen nach Frauen empfanden“ (Max Hodann: History of Modern Morals, S. 57, 1937 in England erschienen, 2013 von James DeMeo nachgedruckt).

Apropos Hodann: hier seine Beschreibung der Leunbach-Affäre, die das Ende der Sexpol markierte: Politischer Abtreibungsprozeß in Dänemark.

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4 Antworten to “Der linke Schwulinkski Wilhelm Reich”

  1. JanDavid Says:

    Aus seiner großem psychoanalytischen Erfahrung heraus ist Reich zu dem Schluß gekommen, „daß die meisten ‚Homosexuellen‘ ihre Besonderheit einer Fehlentwicklung in ihrer Kindheit verdanken,

    und daß die Fixierung im allgemeinen um das vierte Lebensjahr herum erworben wird, weshalb ihr Ursprung den Betoffenen außerhalb des Bewußtseins bleibt.

    Vierte Lebensjahr?

    Das ist – wenn ich mich nicht irre – anale Phase. Vielleicht schon der Übergang zur nächsten Phase.

    Außerhalb des Bewusstseins?

    Es gibt gewisse Anzeichen, dass gesamtgesellschaftlich die „Bewusstseinsmauer“ mit der Zeit zurückweicht.

    Mit Bewusstseinsmauer meine ich: die bewusste Kindheitserinnerung setzt ein mit einem Alter von vielleicht fünf Jahren. Was davor war, liegt im Dunkeln.

    Moderne (behaviouristische) Forscher sagen, traumatische Erinnerungen – beispielsweise aus dem zweiten Lebensjahr – seien „schwer zu verbalisieren“.

    Andere Berichte behaupten, dass etwa bei nicht gut verlaufenen Operationen oder ähnlichem, was im zweiten Lebensjahr oder so war, schon Erinnerungen da sein können.

    Allfällig wird behauptet, dass mit dem Spracherwerb – ab 2. und 3. Lebensjahr – auch die bewusste Kindheitserinnerung einsetzt, also auch früher, als in der Generation unserer Eltern.

    Das alles kann eine Folge davon sein, dass der Anteil der Menschen mit starker okularer Panzerung, mit „frühen“ Störungen, und dergleichen zunimmt.

    Bis zu einem gewissen Grad könnte aber auch eine gesamtgesellschaftliche Gesundung im Gange sein.

    OffTopic: Erinnerung beginnend mit Pubertät

    Bekanntermaßen gibt es nicht wenige Menschen, deren Erinnerung erst mit der Zeit etwa der gymnasialen Mittelstufe, also Klasse 8, also etwa der Pubertät einsetzt.

    Wie ich glaube, handelt es sich dabei um Schwertraumatisierte.

  2. JanDavid Says:

    Doch solange die sexualfeindliche Erziehung Homosexualität erzeugt …

    In diesem Punkt war vermutlich auch kein Unterschied beispielsweise zwischen BRD und DDR.

    Vielfach heißt es, der Statistik zufolge liebt ein Mann Männer, nicht etwa, wenn das Verhältnis zum Vater besonders gut war. Sondern die Betreffenden würden ein gestörtes bzw. schlechtes Verhältnis zum Vater angeben.

    Interessanter ist die Frage, welche gesamtgesellschaftlichen bzw. volkswirtschaftlichen Faktoren eine individuell entstandene Homosexualität aufrecht erhalten.

    Im Patriarchat ist bekanntermaßen für Männer immer der Zugang zu Frauen erschwert, in den Ländern Saharasias noch etwas extremer als bei uns.

    OffTopic: Dass die Regime dieser Länder da ziemlich stark gegensteuern, durch langjährige Haft und teils auch Todesstrafe (Beispiel: Iran) für offen schwules oder lesbisches Leben, ist unerfreulich, aber folgerichtig.

  3. Robert (Berlin) Says:

    Bei Hodann als „William Reich“ zitiert.
    Ha ha

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