Wilhelm Reichs Jüdischheit (Teil 2)

Reich hat sich nie als Juden betrachtet, den er als Synagogengeher definierte, und „Reich hat oft angemerkt, daß jeder, der eine organisierte Religion praktiziert, kein Therapeut sein könne“ (Morton Herskowitz: „Recollections of Reich“, Journal of Orgonomy, 12(2), November 1978, S. 192).

Als Elsworth F. Baker ihm auf eine entsprechende Frage sagte, er, Reich, sei ein österreichischer Jude, wies Reich das vehement von sich und sagte er sei ein „Mischling“, die Behauptung, es gäbe eine „jüdische Rasse“, bestritt er. Ein Jude sei jemand, der in der jüdischen Religion aufgewachsen sei. Er sei das nicht und deshalb sei er kein Jude. Punkt (Baker: „My Eleven Years with Wilhelm Reich“, Journal of Orgonomy, Commemorative Issue, February 1986, S. 49).

In seinem letzten Brief an Ola Raknes aus dem Jahre 1957 hob Reich anläßlich eines Artikels von Raknes nochmals hervor, daß er trotz seiner Herkunft auf keinen Fall als Jude betrachtet werden wolle (Myron Sharaf: Fury on Earth, 1883, S. 463 ).

Reich hat zu Michael Silvert gesagt, Silvert würde weniger wie ein Jude aussehen, je mehr er er selbst werden würde (Lois Wyvell: „Orgone and You: 3. An Extraordinary Ordinary Man“, Offshoots of Orgonomy, No. 3, Autumn 1981, S. 4). Dies sagt, glaube ich, das wesentliche über Reich und seine Jüdischheit: Reich hat sich über den Holocaust hinaus vom Judentum losgesagt, um er selbst zu sein und nicht á la Woody Allen ständig die jüdische Neurose, den jüdischen Selbsthaß, mit sich rumtragen zu müssen.

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2 Antworten to “Wilhelm Reichs Jüdischheit (Teil 2)”

  1. Tzindaro Says:

    In a letter I have seen, written in 1948 to a Dutch anarchist group that had published one of his books in the Netherlands and incidentally referred to him as a Jew in the introduction, Reich went into considerable detail explaining why he was not a Jew and should not be considered one.

    His tone in that letter was that of a teacher, patiently explaining something to a student He made several well-reasoned points, and obviously had given the subject considerable thought. He said that if given the choice of upbringings, he would prefer to have been raised as a South Sea Islander.

  2. O. Says:

    Ob Jude oder nicht – das ist nicht die Frage!

    Warum hat Reich dies betont? In Diskussion mit Baker scheint, er wolle nicht – hierin einkategorisiert werden, keine Verpflichtungen nach religiösen Vorstellungen haben, kein Schwarz-Weiß-Denken und keine vorgegebene Haltung anderen gegenüber.

    „Reich hat oft angemerkt, daß jeder, der eine organisierte Religion praktiziert, kein Therapeut sein könne“ (Morton Herskowitz: „Recollections of Reich“, Journal of Orgonomy, 12(2), November 1978, S. 192)

    Ähnliche Ansichten gibt es auch in der Sozialpädagogik bezüglich islamisch denkender Sozialarbeiter und Therapeuten, die keine westlichen Werte vertreten bzw. nicht neutral urteilen.

    Und doch zeigt die Aussage, dass er sich hierzu Gedanken mache über die Herkunft und Religionsgemeinschaft, in der hineingeworfen wurde. Die Herkunft kann man sich nicht aussuchen, ob man dieser Gemeinschaft beiwohnt schon.

    Reich grenzt sich ab. Und betont, dass seine eigenes Denkne habe und nicht den Erwartungen anderer gerecht werden wolle. Er ist ein Freidenker im Sinne Max Stirners.

    Oder habe er eine andere Sicht gewonnen, eine die mit der kosmischen Energie verbunden sei und auf die er vertraue?

    Letztlich reduziert sich seine Aussagen auf einen Satz: „Ich bin kein Jude.“ Eine Erklärung liefert Reich nur auf Anfrage, ansonsten lässt er dies so stehen, als sei es das nebensächliste von der Welt. Religion sei für ihn ohne Bedeutung. Und jeder könne jetzt seine Interpretation hier hineinlegen und spekulieren, wie er es gemeint haben könnte. Und auch darüber könne wieder eine hitzige Diskussion entstehen und zu einem neuerlichen Meinungsdisput führen.

    Mich erinnert dies an die Diskussion, ob Reich Homossexualität als krank oder neurotisch ansehe. Eine Aussage von ihm und leidenschaftlich Diskusionen könnten geführt werden – oder auch nicht!

    Bezüglich der Orgonenergie ist Reich präziser und ausführlicher, doch auch hier stehen seine Thesen oft ohne tiefer erscheinende Argumentation. Der Leser kann an mancher Stelle froh sein, wenn ihm der Gedankengang Reichs mitgeteilt wird.
    Es gibt keine Versuchsprotokolle (evtl. verbrannt von der FDA), keine Herleitungen, keinen Ansatz für eine Diskussion seiner Interpretationen. Seinen Gedankensprüngen muss man folgen oder nicht. Das Bild er sei ein Adler und habe aus der Vogelperspektive das Lans der Orgonomie überflogen hilft dem Nachvollzug nicht.

    Immer wieder steht der Leser vor den Fragen nach den Details. nicht ein Experiment könnte man aus Reichs „wissenschaftlichen Biographien“ nachvollziehen ohne sich eigenes fachliches Wissen anzueignen. Seine theoretischen Diskussionen der Charakteranalyse sind ohne die Originaltexte (von Freud, Federn, Rank, Nunberg, Fenichel usw.) nicht einzuordnen.

    Nicht einen Orgonakkumulator konnte man richtig nachbauen, obwohl das Gerät über keine technischen Finessen verfügt.

    Die Methode des Cloudbusting ist ein Buch mit sieben Siegeln – den Göttern sei Dank! Und kein Blasband, Senf oder DeMeo haben dies je hinreichend erklärt, ob nicht willens oder nicht fähig sei dahingestellt – und ist nicht die Frage …

    Der Reichsche Bluttest, wenn man diesen durchführen kann und das Equipment hat, fehlt jede Möglichkeit einer verläßlichen Auswertung.

    All dies ist so typisch Reich wie die nicht zustellende Frage: War Reich ein Jude? Mit seiner definitiven Antwort „Nein.“

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