Zum wissenschaftlichen Anspruch der orgonomischen Medizin

Wenn es wirklich wissenschaftlich zugehen würde, müßten ein Großteil der Medikamente vom Markt genommen werden und ein Großteil der Ärzte hätten gravierende Probleme, weil sie ständig unhaltbare Diagnosen stellen und unsinnige Therapien vorschlagen. Das ist so, weil die Medizin sozusagen haltlos in der Luft schwebt. Sie ist überhaupt keine Wissenschaft, ihr liegen keine grundlegenden Konzepte zugrunde, sondern sie ist eine ewige, elende Flickschusterei.

Man mag anführen, daß die Orgonomie sich als allerletztes als eine solche grundlegende Theorie für die Medizin eigne, da ihre Grundannahmen so „metaphysisch“ sind, daß sie empirisch weder zu verifizieren noch zu falsifizieren sind. Das erinnert mich an die Relativitätstheorie, die ebenfalls, da sie materielle Geschehnisse mit Veränderungen am „metaphysischen“ Raum-Zeit-Gefüge erklärt, in dieser Hinsicht ziemlich fragwürdig ist. Entsprechend wird denn ja auch immer wieder behauptet, daß es keine Experimente gäbe, die die Relativitätstheorie bewiesen. Dazu sagt Hubert Goenner, Professor für Theoretische Physik in Göttingen: „Aus den geschilderten verschiedenartigen Experimenten, mit denen die Spezielle Relativitätstheorie überprüft und mit hoher Genauigkeit als eine Naturvorgänge richtig beschreibende Theorie bestätigt wurde, sehen wir (…), daß die Rede vom experimentum crucis, als einem alles entscheidenden Experiment, in der Physik in der Regel unangebracht ist. Bis eine Theorie anerkannt ist, muß ein ganzes Netz von sich gegenseitig stützenden und die Theorie in verschiedener Weise testenden Beobachtungen und Experimenten aufgebaut worden sein“ (Goenner: Einsteins Relativitätstheorien. Raum, Zeit, Masse, Gravitation. München: C.H. Beck, 2005, S. 49).

In der wirklichen Wissenschaft (und es gibt keine „wissenschaftlichere“ Wissenschaft als die Physik!) geht es eben nicht so zu, wie Karl Popper und seine Nachbeter, etwa die Vertreter der „Evidence Based Medicine“, es uns weismachen wollen! Wie um alles in der Welt will man eine grundlegende Theorie wie die Relativitätstheorie oder die Orgontheorie oder die Quantentheorie „falsifizieren“?! Es kann einzig und allein darum gehen, ob das von Goenner beschrieben „Netz“ hält oder nicht hält und wie groß die Löcher im Gewebe des Netzwerkes sind!

Mag sein, daß im Sinne des Wissenschaftsverständnisses eines Pharmakologen die orgonomische Medizin „denselben Status wie die Fußreflexzonentherapie“ hat, aber aus genuin wissenschaftlicher Sicht stellt sie ein beeindruckend eng geknüpftes, man verzeihe den Ausdruck, „Goennersches Netz“ dar!

Jeder verantwortungsvolle Orgonom wird seinen Patienten sofort zu einem Darmspezialisten schicken, wenn es irgendwo im Bäuchlein zwickt und zwackt! Aber er würde sich ziemlich verarscht vorkommen, wenn der Darmspezialist aus seiner Maulwurfsperspektive heraus sich anmaßen würde, etwas über die umfassende Funktion, die das Darmsymptom im Gesamtgefüge des Krankheitsgeschehens hat, auszusagen.

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Eine Antwort to “Zum wissenschaftlichen Anspruch der orgonomischen Medizin”

  1. O. Says:

    1. Wollte man sich Ärger einhandeln, würde man die Wissenschaft als das Beschreiben, was sie ist und nicht was sie zu sein vorgibt. Wissenschaft ist Macht und Politik und nicht evidenz basiert, sondern auf einem Glauben, das bedeutet auf Nichtwissen basierend.
    Dies zu behaupten ist einfach, es zu belegen dauert mir zu lange.

    Gibt es eine evidenz basierte Medizin oder Psychotherapie? Wenn ja, welches seien die Belege?
    Betrachtet man die Wirkung von Placebo, so kann diese mit Psychopharmakatherapie und „wissenschaftlicher“ Psychotherapie mithalten. Zu deutsch „nichts“ wirkt genauso gut.
    Woran liegt, das? Der Versuchsleitereffekt oder die Suggestion des Arztes als auch der Glaube des Patienten an den weißen Kittel wirkt letztlich heilend. Warum also nicht wieder Suggestion und „Hypnose“ einführen? – Besser wäre noch der Mesmerismus.

    Die Verfahren, die als evidenzbasiert gelten sind beispielsweise Yoga, PMR, Autogenes Training, Achtsamkeitsübung usw. – die ganze Trickkiste der Esoterik.

    2. Ob Physik eine Wissenschaft sei, ließe sich diskutieren, wenn es nicht zu müßig wäre.

    3. Orgonthesen lassen sich mit wissenschaftlicher Methodik überprüfen, vorausgesetzt man habe die Zeit, Mittel und werde nicht bedroht oder geächtet wie es bspw. Reich und Mesmer ergangen ist.
    Da diese Voraussetzungen unter dem praktizierten System nicht gegeben sind, kann keine Orgonthese falsifiziert werden und müsste damit schon als gegeben und richtig gelten. – Nach meiner Logik jedenfalls, ist sie damit nicht widerlegt.
    Untersuchungen von „Reichianern“ scheitern nicht am Glauben oder Fleiß, sondern am Mangel am Umgang mit wissenschaftlichem Handwerkszeug.
    Ausgenomen sei hier die Diplomarbeit von Müschenich und Gebauer, die den derzeit besten Statistiker um Rat gefragt hatten. Jedoch beweist auch eine Studie nichts.

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