Schicksalsgläubigkeit

2005 erschien eine Studie der University of Leicester, der zufolge indigene Briten hochsignifikant besser mit einer Krebserkrankung umgehen als asiatische Einwanderer. Das scheint damit zusammenzuhängen, daß die letzteren sich eher hilflos fühlen und davon ausgehen, daß das Leben vom „Schicksal“ (Astrologie, Karma, Kismet) bestimmt wird.

Lebensüberdruß, Depression und Angst sind in „Religionen“ wie Buddhismus (vgl. Die Massenpsychologie des Buddhismus) und Islam (vgl. Der politische Irrationalismus aus Sicht der Orgonomie) organisiert. Sie nehmen aber auch im christlichen Westen zu.

Ihr wolltet euch vom Christentum befreien und seit wieder in der gleichen finsteren, engen Welt des Aberglaubens versunken, in dem die germanischen Stämme vegetierten.

Habe gerade ein paar Esoterik-Zeitungen durchgeblättert und frage mich erstaunt: Wie können diese „Esoteriker“ eigentlich atmen? Aus allen Ecken und Kanten werden sie von Dämonen attackiert. Aus „Chemtrails“ rieseln toxische Chemikalien und alle möglichen Krankheitserreger auf sie herab, die Medien sind von „Mind Control“ durch freimaurerische Symbole durchdrungen, „Zionisten“ ziehen die Fäden in Wirtschaft und Politik. Die Gestirne und Angst vor Schwarzer Magie bestimmen das Leben der „Esoteriker“, Engel und Dämonen umschwirren sie in dichten Schwaden, alles, was ihnen widerfährt, hat eine Bedeutung, es gibt keine Zufälle. Kurz: das Leben als paranoider Alptraum.

Man könnte auch sagen, daß das Leben ganz offensichtlich nicht durch „Karma“, „den Stand der Planeten“, „das Schicksal“ oder irgendwelche anderen Surrogate für einen allmächtigen „Gott“ bestimmt wird, sondern die „wertfreien“ und schuldfreien autonomen Funktionen einfach ablaufen. Aber selbst so mancher „Reichianer“, der über „Funktionalismus“ quatscht, verpestet das Leben mit moralinsaurem mystischen, bzw. natürlich „spirituellen“, und vermeintlich „esoterischen“ Unsinn.

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4 Antworten to “Schicksalsgläubigkeit”

  1. Frank Says:

    „… sondern die „wertfreien“ und schuldfreien autonomen Funktionen einfach ablaufen.“
    Wie erklärt sich in diesem „System“ das Leid in der Welt, der beständige Stress und die beständige Bedrohung der ungeschützen, unbehausten Lebewesen (der heutige Mensch hat es geschafft, sich dem zu entziehen!), das unaufhörliche und brutale Fressen und Gefressen werden? Ist „Leid“ nur eine Frage der Betrachtungsweise („die Empfindung entsteht im Kopf“), wie der Buddhist sagt? Kann das von mir als solches betrachtete Leid bei anderer Programmierung Freud sein?

    • Peter Nasselstein Says:

      Hier gibt es zwei Ebenen: Leben und Leid und wie man unnötiges Leiden vermeidet. Es ging immer darum, wie die Menschen ihre „Geworfenheit in die Welt“ bewältigen. Ausnahmslos alle (!) haben dazu eine Religion. Die einen Religionen immobilisieren sie weiter (ähnlich der Panzerung , die schützen soll, uns aber tatsächlich nur behindert). während die andere Religion (das Christentum, insbesondere das protestantische) sie dazu bringt, aktiv etwas zu tun und das Leid frontal anzugehen.

  2. Frank Says:

    Danke für die Antwort.
    Leid ist also immer leiden – und nicht nur eine Frage der „Empfindungsweise“.
    Welchen Zweck und Sinn hat das Leid in der Welt? Stetige Fortentwicklung? Ginge das nicht auch ohne Leid?

    • Peter Nasselstein Says:

      Welchen Sinn das Leid hat? Das is ein lebensfeindlihes Universum. Leben, jedenfalls höheres Leben, kann sich gerade mal auf der Erdkruste gerade mal so eben durchschlagen. Leidosigkeit gäbe es nur, wenn wir uns ganz und gar dem Nichtlebenden anpassen, also zu Computern und Robotern werden. Die Panzerung ist der erste Schritt in die Rchtung.

      Die Orgonomie hat zwei Haltungen zum Leiden: der eindeutig links angehauchte Reich (etwa bis 1947) legte Wert darauf, UNNÖTIGES Leid so weit wie möglich aus dem menschlichen Leben zu verdammen. Das ist letztendlich der sozialistische Traum: Rundumversorgung für alle von der Wiege bis zur Bahre. Baker zitiert hingegen im Sinne des späten Reich aus Nietzsches JENSEITS VON GUT UND BÖSE:

      In allen Ländern Europas und ebenso in Amerika gibt es jetzt etwas, das Mißbrauch mit diesem Namen („freie Geister“) treibt, eine sehr enge, eingefangene, an Ketten gelegte Art von Geistern, welche ungefähr das Gegenteil von dem wollen, was in unsern Absichten und Instinkten liegt (…). Sie gehören, kurz und schlimm, unter die Nivellierer, diese fälschlich genannten „freien Geister“ – als beredte und schreibfingrige Sklaven des demokratischen Geschmacks und seiner „modernen Ideen“; allesamt Menschen ohne Einsamkeit, ohne eigne Einsamkeit, plumpe brave Burschen, welchen weder Mut noch achtbare Sitte abgesprochen werden soll, nur daß sie eben unfrei und zum Lachen oberflächlich sind, vor allem mit ihrem Grundhange, in den Formen der bisherigen alten Gesellschaft ungefähr die Ursache für alles menschliche Elend und Mißraten zu sehn: wobei die Wahrheit glücklich auf den Kopf zu stehn kommt! Was sie mit allen Kräften erstreben möchten, ist das allgemeine grüne Weide-Glück der Herde, mit Sicherheit, Ungefährlichkeit, Behagen, Erleichterung des Lebens für jedermann; ihre beiden am reichlichsten abgesungnen Lieder und Lehren heißen „Gleichheit der Rechte“ und „Mitgefühl für alles Leidende“ – und das Leiden selbst wird von ihnen als etwas genommen, das man abschaffen muß. Wir Umgekehrten, die wir uns ein Auge und ein Gewissen für die Frage aufgemacht haben, wo und wie bisher die Pflanze „Mensch“ am kräftigsten in die Höhe gewachsen ist, vermeinen, daß dies jedesmal unter den umgekehrten Bedingungen geschehn ist, daß dazu die Gefährlichkeit seiner Lage erst ins Ungeheure wachsen, seine Erfindungs- und Verstellungskraft (sein „Geist“ –) unter langem Druck und Zwang sich ins Feine und Verwegne entwickeln, sein Lebens-Wille bis zum unbedingten Macht-Willen gesteigert werden mußte – wir vermeinen, daß Härte, Gewaltsamkeit, Sklaverei, Gefahr auf der Gasse und im Herzen, Verborgenheit, Stoizismus, Versucherkunst und Teufelei jeder Art, daß alles Böse, Furchtbare, Tyrannische, Raubtier- und Schlangenhafte am Menschen so gut zur Erhöhung der Spezies „Mensch“ dient, als sein Gegensatz – wir sagen sogar nicht einmal genug, wenn wir nur so viel sagen, und befinden uns jedenfalls, mit unserm Reden und Schweigen an dieser Stelle, am andern Ende aller modernen Ideologie und Herden-Wünschbarkeit: als deren Antipoden vielleicht?

      Das gemeinsame Funktionsprinzip dieses Gegensatzes habe ich im ersten Absatz formuliert.

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