Das Wesen der Physik

Von „Reichianern“ wird häufig ausgeführt, daß Konzepte bildhaft anschaulich und kausal sein müssen, um sie gefühlsmäßig erfassen zu können. Das sei Reichs „funktionelle“ Herangehensweise. Es endet in der Vorstellung, daß das Universum sozusagen ein großer Suppentopf ist („kosmischer Orgonenergie-Ozean“), in dem alles und jedes durch Wirbel, Verdickung der Suppe zu Klumpen („Materie“) bzw. deren Auflösung erklärbar ist. Oberflächlich betrachtet, beschreibt Reich eine derartige Welt. Schaut man aber genauer hin, dann ist das nur sein Versuch sich möglichst allgemeinverständlich auszudrücken. Ähnlich wird die Allgemeine Relativitätstheorie, die komplexeste Theorie, die je entworfen wurde, mit dem berühmten denkbar simplen Gummiband-Gitter versinnbildlicht, über das Metallkugeln rollen.

Die Allgemeine Relativitätstheorie kann man nur verstehen, wenn man sich über viele Jahre in die Formelsprache eingelebt hat und sie anwenden kann, um konkrete physikalische Probleme zu lösen. Als Nichtphysiker war Reichs Ansatz zwar grundsätzlich anders, aber auch bei ihm sollte die allgemeinverständliche Darstellung nicht mit der wirklichen Theorie verwechselt werden.

Physik ist nicht bildhaft und nicht kausal. Beispielsweise soll man berechnen, wie viele Menschen in einen Saal passen. Dazu nimmt man nicht weiter definierte „Objekte“, die weder Farbe, Masse noch sonst etwas haben, sondern nur die durchschnittliche Breite und Dicke des Menschen, einen von anderer Seite vorgegeben Mindestabstand zwischen diesen „Objekten“, und rechnet. Will man diese Rechnung Schulkindern vermitteln, müssen diese Objekte eine bestimmte Form und Farbe haben, etwa Playmobil-Männchen, aber das widerspricht imgrunde dem Wesen der Physik. Beispielsweise wird man die Playmobil-Männchen in einem Lehrfilm nacheinander in den Saal stellen, während „sie“ für die Berechnung, also die echte Physik, sozusagen non-kausal einfach da sind, zumal sie weder Form noch Farbe, noch sonstwas außer den beiden Dimensionen Breite und Tiefe haben.

Genauso ist es mit der Orgonphysik. Wie man sich beispielsweise den Mechanismus bildhaft-kausal vorstellen soll, der die Temperatur im Orgonenergie-Akkumulator ansteigen läßt, ist letztendlich gleichgültig. Von praktischer Wichtigkeit ist, daß die Temperaturdifferenz To-T bei Kontraktion, in der Nacht und bei „schlechtem Wetter“ abnimmt, am Tag und bei „gutem Wetter“ zunimmt, also mit den Funktionen „Kontraktion“ und „Expansion“ verknüpft ist. Der entscheidende Unterschied zur üblichen Physik ist nicht nur das Konzept der orgonotischen Pulsation, sondern vor allem auch, daß die subjektiven Einschätzungen „schlechtes Wetter“ und „gutes Wetter“ besser mit dem Verlauf von To-T korrelieren, als etwa Messungen mit dem Barometer und Hygrometer. Hier bildhaft Anschauliches und mechanisch Kausales ins Spiel zu bringen, wie es das Hobby von „Reichianern“ zu sein scheint, lenkt nur von diesem entscheidenden Punkt ab: daß der (ungepanzerte) Organismus das beste Meßinstrument ist, – weil er nicht (primär) wie eine Maschine bildhaft-kausal nachvollziehbar (mechanisch) arbeitet, sondern als Funktionsgefüge. Entsprechend wird ein Physiker niemals verstehen, warum man einen Orgonenergie-Akkumulator sorgsam wie einen lebenden Organismus behandeln muß, will man vernünftige Meßergebnisse erzielen. Oder wenn man behauptet, daß Hamburg sich für Orgonforschung nur schlecht eignet, weil die Atmosphäre „zu feucht ist“, und daß etwa Bremen viel besser geeignet ist, was man sagen kann, kaum daß man eine halbe Stunde in dieser Stadt war. Ein Physiker ist so konditioniert, daß die Naturgesetze an allen Orten mechanisch gleich funktionieren und daß subjektive Einschätzungen irrelevant sind.

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Eine Antwort to “Das Wesen der Physik”

  1. O. Says:

    Wollte man allgemeingültige Aussagen über die Länge einer ORAC-Behandlung bei entsprechender Problemlage/ Symptomatik machen, würde man ins Schwimmen kommen. Selbst und gerade dann, wenn man die Voraussetzung hat, Orgon zu spüren – was den Reichianern in der Regel fehlt, Laien hingegen können dies besser spüren – kann man nur annähernd Hinweise geben. Überraschungen wird man mit Orgon immer erleben, so dass nachjustiert werden muss.
    Neben einem liebevollen Umgang mit dem ORAC sollte man mit sich als erstes liebevoll umgehen können und diesen auch mal benutzen. Er wirkt am besten prophylaktisch und nicht wenn Symptome und chronische Krankheiten schon da sind, dann geht es um Schadensbegrenzung.

    Wenn man Orgonomy für eine „Wissenschaft“ hält, geht man den Irrtum ein, dass man sie aus Büchern erlernen könnte. Orgon verhält sich nicht nach den Texten von … sondern folgt sich selbst.

    Ebenso wenig folgt die Orgonengergie dem „Cloudbusting-Plan“ von Bob Morris, Jim DeMeo, Bernd Senf oder anderen versponnenen Nachahmern. Mit Gewalt können diese ein Wetterchaos inszenieren, mit der Intension von Reich hat das nichts zu tun. Im übrigen hat Reich experimentiert, seine Gedanken und Schlüsse dazu formuliert und dieses dokumentiert, sonst nichts. Die Subjektitivität dieses Verfahrens fällt positiv ins Auge. Von einer „objektiven Erkenntnis“ oder „Wissenschaft“ zu sprechen, wäre kontraproduktiv. Es geht immer um die Sache, nicht um ein Glaubensbekenntnis oder ein Richtig versus Falsch.

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