Fassade und Kern (Teil 3)

Beim Durchstöbern von YouTube bin ich auf die beiden folgenden Kommentare zum Film über Johnny Cash’ berühmtes Konzert in San Quentin gestoßen:

Wenn ich auf die Gesichter der damaligen Gefängnisinsassen blicke, sehe ich einen anderen Menschen als heute, 2007. Unsere Nation [Amerika] hat sich verwandelt. Schau sie dir an… Es ist nicht nur der Haarschnitt.

Darauf ein anderer Zuschauer:

Ich hatte ein ähnliches Gefühl. Sogar die Leute, die damals im Gefängnis saßen, wirken weitaus naiver als der Durchschnittsmensch von heute.

Ähnliches kann man anhand von Dokumentationen aus den 1960er Jahren über die deutsche „Unterwelt“ sehen.

Die Panzerungsstruktur der Massen in der westlichen Welt hat sich seit den 1960er Jahren grundlegend verändert, da sich das „CFP“ (das Gemeinsame Funktionsprinzip) der Gesellschaft gewandelt hat. Genauso wie die Produkte einer Fabrik wechseln, wenn beispielsweise von einer Fernglasproduktion auf die Herstellung von Mikroskopen umgerüstet wird, d.h. das CFP, das Common Functioning Principle der Fabrik ein anderes wird, – genauso haben sich die Massen verändert, als die Gesellschaft sich von einer autoritären in ihr Gegenteil, die antiautoritäre Gesellschaft verwandelte. Charles Konia beschreibt diesen Prozeß und seine Folgen in seinem Netztagebuch www.orgonomie.wordpress.com im einzelnen.

Zu Reichs Zeiten war die autoritäre Gesellschaft noch intakt, d.h. sekundäre Triebe wurden unterdrückt und primäre Triebe fristeten ein Nischendasein, das geduldet wurde, solange der gesellschaftliche Status Quo nicht gefährdet war. In der neuen, antiautoritären Gesellschaft überwuchern im Namen der Freiheit des Einzelnen die sekundären Triebe alles. Für die primären Triebe gibt es keinen Platz mehr. Gemeinheit und Niedertracht sind cool, Anständigkeit und Offenheit ist etwas für Trottel. In Filmen wie No Land For Old Men oder etwa in Batman werden psychopathische Killer zu coolen Helden, gegenüber denen die Spießer von vornherein keine Chance haben. Die oben beschriebenen Gefängnisinsassen mit ihren offenen Gesichtern würden heute keinen Tag überleben. Schon auf den Schulhöfen hätten sie gelernt, daß man alles Lebendige in sich abtöten muß, um nicht zum „Opfa“ zu werden.

Neulich betrete ich spätabends das Haus und ein etwa 15jähriger kommt mir im Eingangsbereich entgegen. Er schaute mich voller „Härte“ und Herablassung aggressiv an, dermaßen abwegig, weil ohne jede bioenergetische Ladung bzw. „Substanz“, daß ich mir ein leichtes Lachen nicht verkneifen konnte. Ein Gangsta im bürgerlichen Norden Hamburgs! Langenhorn ist voll das Ghetto, Altä! So überall: man denkt, man sei in eine billige Gangster-Klammotte hineingeraten.

Andere Jugendliche wirken wie Wesen von einem anderen Planeten: metrosexuelle Schaufensterpuppen, die bioenergetisch wirklich nur aus Fassade bestehen ohne irgendetwas dahinter. Ich komme beispielsweise nicht über dieses spindeldürre Etwas mit der Emo-Frisur, grüner Strähne im Gesicht und Lippenpiercing hinweg, das ich neulich während der Mittagspause im Imbiß gesehen habe. Der Bart wies auf einen jungen Mann hin, obwohl er sich wie eine magersüchtige Frau bewegte. Eine auffällige Aufmachung, aber ein Gehabe, als wolle er sagen: „Bitte keine Photos, ich bin hier privat.“ Was für seltsame Wesen doch meinen Alltag bevölkern.

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4 Antworten to “Fassade und Kern (Teil 3)”

  1. David Says:

    In der neuen, antiautoritären Gesellschaft überwuchern im Namen der Freiheit des Einzelnen die sekundären Triebe alles. Für die primären Triebe gibt es keinen Platz mehr. Gemeinheit und Niedertracht sind cool, Anständigkeit und Offenheit ist etwas für Trottel.

    Wie ich schon sagte: eine Gangster-Gesellschaft, die vor allem eins kennt: Härte gegenüber den Schwachen. Gegenüber ihnen ist man besonders autoritär, so dass „antiautoritäre“ Gesellschaft ein falsches Wort ist. Der Tatbestand selbst ist von Konia und anderen sehr genau beobachtet.

    Wie ein Krebs in einem Körper, so befindet sich eben das Patriarchat in der Menschheit im putriden Zerfall.

    Lösung? generell keine.

    Das Synanon-Programm scheint – später dazu mehr – bis zu einem gewissen Grad solche Menschen in mehr oder weniger soziale Wesen zurück verwandeln zu können.

  2. edmalek Says:

    Without knowing what the human machine (Kazzo) is saying, one feels he is a frustrated cripple who is desperate and angry for love. But his whole motif is to kill all these soft feelings and show he is „above“ that. This is seen objectively is his gang greetings, and never once approaching a woman.

    Meanwhile on the other side of the Atlantic, some young teenagers want to prove how they also do not need feelings:

    http://nypost.com/2016/10/06/special-needs-boy-set-on-fire-by-bullies-he-thought-were-friends/

    While at the same time, the antidote is here:

  3. edmalek Says:

    Pardon, I wanted to upload Cave’s „Distant Sky“

  4. Claus Says:

    Antiautoritäre Bedrohung:
    „Eine kleine Auseinandersetzungen in einer Gruppe von 50 Jugendlichen im Haupteingang des Ostbahnhofs eskaliert, als die Polizei Personalien feststellen will. Am Ende gehen die Jugendlichen auf die Beamten los, der Haupteingang muss gerräumt werden.

    ‚Dabei kam es zu einer Gruppenbildung, aus der heraus die Bundespolizisten verbal, u.a. mit ‚Fuck Police‘-Rufen, angegangen wurden. Polizeiliche Maßnahmen wurden konsequent missachtet und mussten stets mit Zwangsandrohungen durchgeführt werden‘, heißt es in der Pressemitteilung der Bundespolizei.“
    http://www.abendzeitung-muenchen.de/inhalt.personenkontrolle-eskaliert-ostbahnhof-50-jugendliche-gehen-auf-polizisten-los.178c0a46-e765-4e9c-891d-0ebfdb199457.html

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