Peters Abstieg in die Hölle

Die hier beschriebene Szene ist zwar einige Jahre her, aber immer noch berichtenswert: Ich steige ins Souterrain hinab, in den Buchladen, wo ich früher immer meine „Reich-Bücher“ kaufte. Eine neue Einführung in die „Orgontherapie“ – mit dem „Orgonstrahler“. Das Buch strotzt von Bibelzitaten und mystischem Schmu. Daneben ein Buch, das die fünf Lowenschen Körpertypen erläutert. Unglaublich wie dieser pseudowissenschaftliche Unsinn ellenlang ausgewalzt wird – im Namen Reichs.

Angeboten wird u.a. eine Audiokassette vom „Auditorium aus der Münsterschwarzach Abtei“ mit einem Vortrag von Alexander Lowen über Reich und die Bioenergetik. Entsprechend „abteimäßig“ ist das Gesamtangebot: C.G. Jung, meditierende Pfaffen, Dürckheim, Rühdiger Dahlke, Bert Hellinger, Buddhisten-Mönche. Prominent zwischen all dem stiert der „Reichianer“ Wolf Büntig hervor, der zum 100 Geburtstag von Karlfried Graf Dürckheim „in enger Anlehnung an C.G. Jung“ spricht. Natürlich orientiert sich Büntig auch an Hellinger. Büntig, dessen Aufsatz über Reich* so überragend war, das ich wiederholt aufgefordert wurde ihn zu lesen, was ich nie getan habe, bekennt sich nun zu Hellinger, weil dieser intuitiv arbeitet, jede rationale Diagnostik ablehnt und aus dem „Sein“ heraus wirkt. Das „substantielle Leben“ ist das höchste Gut.

Für den Familientherapeuten Bernd Hellinger, einem ehemaligen Priester und Missionar, der sich auf Martin Heidegger beziehend vom „Offenbarungsgott“ ab und dem „Schöpfungsgott“ zugewandt hat, stehen die Gesetze des ontologisch aufgefaßten Lebens im Sinne Heideggers im Mittelpunkt: das, was zuerst da war, hat den höheren Wert und alles spätere muß sich ihm unterwerfen. Dementsprechend beruht die Therapie darauf, daß sich der Klient im nachhinein seinem Vater unterwirft und z.B. die sexuell mißbrauchte Tochter vor ihrer Mutter niederkniet und ihr sagt: „Liebe Mama, ich habe es für Dich getan!“

* Büntig, Wolf E.: Das Werk von Wilhelm Reich und seinen Nachfolgern. Die Psychologie des XX. Jahrhunderts. Bd. 3: Freud und die Folgen, Hrsg. von D. Eicke, Zürich 1977

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Eine Antwort to “Peters Abstieg in die Hölle”

  1. Jonas Says:

    Büntigs genannten Artikel habe ich vor Jahren gelesen. „Überragend“ habe ich ihn nicht in Erinnerung, aber als weitgehend sachlich und ohne die üblichen Pejorative gegenüber Reich, allerdings vielleicht schon mit einem Anflug an Sektierertum und irrationaler Reich-Verehrung.

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