Über den Krieg

Der lebenslange Stubenhocker Freud räsonierte angesichts des Ersten Weltkrieges über die tiefsitzende Grausamkeit der menschlichen Natur. Der Krieg ließe „den Urmenschen in uns wieder zum Vorschein kommen“. Reich, der als Leutnant jahrelang an der besonders grausamen italienischen Front stand und ständig damit beschäftigt war, arme Bauernburschen in den sicheren Tod zu schicken, imponierte etwas ganz anderes: die abgrundtiefe Stupidität der Kriegsmaschinerie, in die sich er und andere willenlos einpaßten. Für Reich war der Krieg nichts „Urmenschliches“, sondern der Höhepunkt der „Maschinenzivilisation“.

Freuds Schlußfolgerung aus der hohlen Hand war, daß der Mensch seine „bösen Trieb“ kontrollieren und ständig auf der Hut vor seiner „(un)menschlichen Natur“ sein müsse. Reichs aus dem Leben gegriffene Antwort auf den Krieg bzw. eine Gesellschaft, die solche Kriege möglich machte, war das genaue Gegenteil: durch Aufklärung, Therapie, vor allem aber durch Kindererziehung Menschen heranzubilden, die lebendig sind und sich nicht mehr zu willenlosen Anhängseln von fleischzerfetzenden und knochenzermahlenden Maschinen machen lassen. Letztendlich steht Sexualverneinung („Lebenstriebverneinung“) gegen Sexualbejahung („Lebenstriebejahung“).

Siehe dazu meine Kinder der Zukunft-Seite.

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3 Antworten to “Über den Krieg”

  1. Claus Says:

    „Aufklärung, Therapie, […]“ – ja, dieses alte Element steckt in Reich und mit ‚Aufklärung‘ das Wissen-Wollen

    https://cellediefreieseite.wordpress.com/2016/09/04/mit-vollem-mund-spricht-man-nicht-begegnungen/comment-page-1/#comment-12

  2. Robert (Berlin) Says:

    Was so nicht stimmt: Freud war auch Soldat und musste als Arzt ausrücken* und zweitens kämpfte er gegen die Elektrofolter, die gegen Kriegsneurotiker im ersten Weltkrieg angewandt wurde**

    * http://www.dhm.de/lemo/biografie/sigmund-freud

    ** http://www.universum.co.at/?id=150599

  3. Robert (Berlin) Says:

    Hat am Rande mit dem Thema zu tun:
    Bruno Bettelheim räsonierte, als er im KZ Buchenwald war, dass dort von der Psychoanalyse und ihrem Menschenbild wenig stimmte.

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