Die Massenpsychologie des Putinismus

Am vergangenen Donnerstag in der „Internationalen Presseschau“ des Deutschlandfunks:

Nach Ansicht der ukrainischen Zeitung Den geht es der russischen Bevölkerung heute wirtschaftlich nicht viel besser als vor gut hundert Jahren: „Natürlich ist es schwierig, die Kaufkraft in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg mit der im Rußland von heute zu vergleichen. Doch nachwievor fließt ein Großteil der Gehälter in Grundbedürfnisse wie Wohnen und Lebensmittel. 70 Jahre Kommunismus und die Zeit danach haben, global betrachtet, die Lebensverhältnisse nicht wirklich verbessert.“

Leere Großmachtträume für den Kleinen Mann in der Masse. Ein Land das nichts produziert außer Rohstoffe. Aber was weitaus schwerer wiegt nach zig Millionen Toten für – nichts und wieder nichts: charakter-strukturell hat sich nichts verbessert, vielleicht sogar einiges verschlechtert. Nach der Revolution hat der infantilisierende Stalin-Kult selbst den Hitlerismus in den Schatten gestellt. Und heute: eine „gelenkte Demokratie“ mit einem Mussolini für Arme. Primitivster Chauvinismus. Der lächerliche Bombast 2014 in Sotschi und das staatliche Doping mit Unterstützung des Geheimdienstes. Kampf gegen den „Kosmopolitismus“ wie unter dem Zaren und wie unter Stalin. Statt, daß die Arbeitenden zu bewußten Produzenten wurden, die sich ihre Produktionsmittel aneignen, Sklavenmentalität wohin man sieht. Oligarchen, die von der Unselbständigkeit der Massen leben. Alkoholismus wo man hinschaut. Zerfall und Hoffnungslosigkeit. Seit 100 Jahren triumphiert statt der Befreiung von Unterdrückung und Hilflosigkeit nur eins: die Emotionelle Pest.

In der Sowjetunion wurde die Sprache und das Alltagsverhalten der Menschen grundlegend verändert. Begriffe wie „Barmherzigkeit“ verschwanden ganz oder erhielten eine negative Konnotation, das entsprechende Verhalten wurde geächtet. Alles wurde getan, um organisch gewachsene Gemeinschaften zu zerstören und die Menschen zu vereinzeln. Es galt unter allen Umständen „Fraktionsbildungen“ zu verhindern! Oder man schaue nach China! Eine Kultur, die einst von Höflichkeit und Rücksichtnahme gekennzeichnet war, wurde systematisch „proletarisiert“, d.h. bis heute herrscht eine unglaubliche, teilweise schlichtweg mörderische Rücksichtslosigkeit und Kälte gegenüber dem Mitmenschen vor. Auslands-Chinesen sind regelmäßig fassungslos.

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13 Antworten to “Die Massenpsychologie des Putinismus”

  1. Robert (Berlin) Says:

    Eine anti-russische Zeitung der ukrainischen Rechten ist keine objektive Quelle. Russland hatte 1998 einen Staatsbankrott. Die Menschen hungerten! Was Putin aus dem Land gemacht hat, ist ein wahres Wunder. Aus „Obervolta mit Atomwaffen“ (Helmut Schmidt) hat er wieder ein mächtiges Land gemacht.
    Wie sieht es bei uns aus?
    Die Massenarmut wird in Deutschland immer schlimmer. Hier fast nur Untertanentum gegenüber den Kartellparteien. Immer mehr sehr Arme und sehr Reiche. Eine zerfallene Infrastruktur.
    Die Bildung der Kinder wird immer schlechter. Das ganze Land von Invasoren tyrannisiert.

  2. Peter Nasselstein Says:

    Ich fürchte, die beiden zentralen Punkte werden nicht gesehen:

    1. Das Leben des russischen Werktätigen hat sich in den letzten 100 Jahren, d.h. nach unendlichen Opfern, um kein Deut gebessert, eher verschlechtert. (Wobei es natürlich schwierig ist, die Lebensverhältnisse von 1914 mit denen von 2016 zu vergleichen!)

    2. Man hätte doch annehmen sollen, daß in einem kommunistischen Land die Massen lernen, die Produktionsmittel selbst in die Hand zu nehmen. Stattdessen das genaue Gegenteil: die hilflose Kinder hat man die Massen ausgeplündert, ihnen alles genommen und das Land ist endgültig in die Hand von Gangstern wie Putin gefallen.

  3. dostoi Says:

    „eine „gelenkte Demokratie“ mit einem Mussolini für Arme.“

    Dieser Blogeintrag hat mich etwas betroffen gemacht. Im negativen Sinne. Putin als Gangster, oder so ähnlich, zu bezeichnen ist in meinen Augen lächerlich.
    Warum? Nun, Die Berichterstattung im Westen über Russland und deren Politik -und über Putin im besonderen- sind weit von dem entfernt, was den Namen „Berichterstattung“ verdient. Dreckschleudern.
    Ich habe kürzlich einen Youtubekanal entdeckt von einer zweisprachigen Russin, die Ausschitte verschiedener Äusserungen Putins, ins englische übersetzt.
    Gold wert. Sieht man sonst nirgends: https://www.youtube.com/channel/UCeix8jbmQnS6FprsJIsjVyQ

  4. Peter Nasselstein Says:

    Hier ein Interview mit einem Russen, der in die USA übergesiedelt ist. Wie die USA immer mehr zu einer Sowjetunion wird und was für ein Schwein Putin ist:

  5. Robert (Berlin) Says:

    Hier ein Beitrag des russischen Fernsehens

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