Sex & Drugs & Rock ’n‘ Roll

Auf YouTube bin ich auf das Stück „Marching Powder“ von Tommy Bolin gestoßen. Schade, daß ich es nicht schon 1975 gehört habe. Damals wäre ich schier ausgerastet: geil! Es ist eine Tragödie, daß Tommy, der zeitweise auch Gitarrist von Deep Purple war, wenig später an Heroin verreckt ist.

Damals konnte man so etwas im Radio hören! Schaltet man es heutzutage ein, kommt nur neuronen-zerfressende „Hippel-di-Hop“-Musik (so nennt sie meine Mutter) oder zwar technisch perfekt, aber ohne Gefühl gespielte klassische Musik aus den Lautsprechern. Musik, wie die von Tommy Bolin: das ist die klassische Musik des 20sten Jahrhunderts. Man denke nur an seine Zusammenarbeit mit Billy Cobham auf dessen Erstling Spectrum.

Gleichzeitig stimmt mich dieses Stück sehr traurig, den marching powder ist Slang für „Kokain“. Tommy Bolin verkörpert wie sonst kaum jemand die schicksalshafte Dichotomie, die den „Aufbruch“ der 1960er und 70er Jahre kennzeichnete: ein bisher unbekannter (und ungehörter) Schwung auf der einen Seite, gepaart mit einem unbedingten Willen zur Selbstvernichtung auf der anderen Seite (etwa durch Drogen). Im individuellen Bereich nennt sich das „Orgasmusangst“, im sozialen „Freiheitsangst“. Tatsächlich ist das, was wir gegenwärtig in der westlichen Welt beobachten, am ehesten mit einer „Adoleszentenkrise“ zu vergleichen: die panische Angst vor der ungewohnten Freiheit, die mit einem entsprechenden Verantwortungsdruck einhergeht, treibt uns geradezu in den kollektiven Selbstmord.

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Eine Antwort to “Sex & Drugs & Rock ’n‘ Roll”

  1. Robert (Berlin) Says:

    Sein Heroin Tod ist allerdings unsicher:

    „Die damals publizierte Todesursache, eine Überdosis Heroin in Verbindung mit Alkohol, wurde nie offiziell bestätigt. Einige Musiker seiner Band sprachen sogar davon, Tommy sei seit der Trennung von seiner langjährigen Freundin Karen drogenfrei gewesen.“
    Wikipedia

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