Nachtrag zu „Neo-Psychoanalyse“

Manche Kritiker Reichs bemängeln, daß Reich in alter Freudscher Tradition dermaßen auf die Sexualität fixiert war, daß er das, frei nach Viktor Frankl, entscheidende Element seelischer Gesundheit ganz unter den Tisch fallen ließ: die Sinnhaftigkeit. Jemand, der keinen Sinn in seiner Existenz sieht und keine Motivation hat, muß psychisch kollabieren, während ein zölibatär lebender Mensch, der diese Voraussetzung erfüllt, wie etwa der Papst, bis zuletzt glücklich und zufrieden sein kann.

Gut. Schauen wir uns dazu folgende grundlegende Funktionsgleichung an:

Lustangstschmerz7

Reich ging es darum die chronische ängstliche Kontraktion des Neurotikers (Sympathikotonie) aufzubrechen und eine von lustvoller Expansion bestimmte Existenz herzustellen. Diese leichte Parasympathikotonie ist der Normalzustand jedes Tieres und sollte auch bei uns vorherrschen.

Die Frage ist, wie man dort hinkommt. Die Antwort ist denkbar naheliegend: indem man lernt, die Angst zu ertragen (sich dem Leben stellt) und so nach und nach die Kontraktion überwindet. Die entscheidende Voraussetzung dazu ist ebenfalls offensichtlich: Motivation. Und die Motivation beruht auf der Aussicht auf zukünftige Lust.

Mystiker und etwa auch Kommunisten, die sich für den Wahn einer abstrakten „besseren Zukunft“ aufopfern, leben von dieser Hoffnung zukünftiger Lust. Sie sind bereit, dafür buchstäblich Hunderte von Millionen Menschen zu opfern! Dabei schwätzen sie von „Moral“ und davon, daß die Sexualität „nicht so wichtig“ ist!

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5 Antworten to “Nachtrag zu „Neo-Psychoanalyse“”

  1. Robert (Berlin) Says:

    Der Unterschied ist wie beim Fasten und Hungern. Während der Vorgang genau der Gleiche ist, besteht die Differenz in der Freiwilligkeit. Beim Fasten will ich keine Nahrung zu mir nehmen, beim Zölibat will ich keine sexuelle Aktivität. Das ändert die Sache um 180 Grad.

    • Jonas Says:

      Die Frage dabei ist, was mich dazu bringt, etwas zu „wollen“.

      Wenn ich aufgrund meiner neurotischen Struktur dazu gebracht werde, zu fasten oder zölibatär zu leben, kann man dann noch von Freiwilligkeit sprechen?

  2. Alexander Leibitz Says:

    Die Sexualität ist sogar sehr wichtig – das ist richtig. Nur ist „Sex haben“ nicht dasselbe wie „vögeln“, denn Sex (lat. sexus) heißt Geschlecht. Sex haben hieße also vielmehr soviel wie „Eier haben“.
    (Schon daran sieht man, dass eine sexuelle Aufklärung auch heute nicht verwirklicht ist).

    Ebenso gescheiht war aber schon Moses, denn nur deshalb stellte er die Geschlechtertrennung gleich an den Anfang der Bibel. Dort werden allerdings nicht Frau von Mann getrennt, sondern Geist von Leib unterschieden. Unterscheidung ist außerdem nicht dasselbe wie Scheidung, denn nur letztere von beiden ist sowohl tödlich wie auch „Todsünde“. Es ist noch keiner daran gestorben, dass er sich von seinem Ehepartner scheiden ließ, nämlich deshalb, weil Gott nicht Mann und Frau vemählt, sonder Adam’s zwei Hälften, also Geist und Leib (Adam und Eva). Alle „andere“ Liebe nährt sich allein aus der Liebe des Geistes zur „Mater“ (Materie / Leib). Die Liebe zwischen Mann und und Frau ist nur noch eine Ableitung davon.

    Um Fortpflanzung braucht sich also auch der Papst keine Gedanken machen, denn selbst die Evolution gründet nicht auf der Tatsache, dass „gevögelt“ wird. Ein Mensch wird immer dann geboren, wenn sich Mahne (Geist) zu Leib (Mater) bekennt.

    Analog: Dort wo die Erde entstand und ist, ist ein Massezentrum, aber zuvor waren an diesem Ort nicht auch nur 0,5g Masse! Genau dorthin, wo nichts war, hat es einen riesigen Haufen Masse hingezogen. Warum nur?!

    Liebe Grüße, Alex

  3. Claus Says:

    „Mystiker und etwa auch Kommunisten […] leben von dieser Hoffnung zukünftiger Lust. Sie sind bereit, dafür buchstäblich Hunderte von Millionen Menschen zu opfern!“
    Interessanterweise betrifft diese abstrahierende Ent-fernung nicht nur die Zeit, sondern auch den Raum: Man kümmert sich mächtig viel um Unterdrückung und Leid in Asien und Afrika.
    Das ist Teil des Liberal-Mitleids, wie es Konia bei Russell in typischer Form vorfindet: „Russell […] believed that the three most important activities in life were love, work, and pity (feeling sorry) for suffering humanity.“ (Konia: The Biophysical Basis of Sociopoloitical Thought)

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