Folter

Was ist das Wesen der Folter? Warum foltert man überhaupt? Wenn du Opfer der Folterknechte bist, wird dein eigener Körper zu deinem Feind. So wird deine Hoffnung auf ein Ende des Schmerzes zum Komplizen der Folterer, einfach weil du alles tust, nur um keine Schmerzen mehr erleiden zu müssen. Du wirst gespalten und der äußere Konflikt zwischen dir und der politischen Polizei wird zu einem internen inner-biopsychischen Konflikt zwischen deinem schmerzempfindlichen Körper und deinem Überlebensdrang, zwischen deinen ursprünglichen Überzeugungen und der Hoffnung, den Schmerzen zu entkommen. Das ist auch das Geheimnis aller autoritären Erziehung. Dein Körper also du selbst wirst zum Feind und all deine Träume, Hoffnungen und Visionen werden identisch mit den Träumen, Hoffnungen und Visionen jener, die deinen Körper malträtiert haben. Das eigene Herz, die eigene Seele wird in ein fremdes Herz, eine fremde Seele verwandelt. Aus dem „Lust-Ich“ wird das „Über-Ich“. Stalin hat das gewußt: je mehr du die Menschen erniedrigst, schlägst und peinigst, desto mehr werden sie dich lieben und sich mit deinen Gedanken identifizieren.

Es ist interessant, daß Leute, die durch die Folter nicht gebrochen worden sind, und Menschen, die trotz einer schlimmen Kindheit zu genitalen Erwachsenen wurden, durch einen gemeinsamen Wesenszug ausgezeichnet sind: die ungebrochenen Folteropfer hatten nie geglaubt, daß sie ihre Folter-Situation hätten ändern können, und bei den ungebrochenen Kindern gingen die Tiraden der Eltern zum einen Ohr rein und zum anderen wieder heraus. Bestimmte Menschen kann man nicht brechen.

Siehe dazu auch Max Stirner und die Kinder der Zukunft.

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3 Antworten to “Folter”

  1. David Says:

    Bestimmte Menschen kann man nicht brechen.

    Faszinierend.

    Stalin hat das gewußt: je mehr du die Menschen erniedrigst, schlägst und peinigst, desto mehr werden sie dich lieben und sich mit deinen Gedanken identifizieren.

    Lässt auch an das Stockholm-Syndrom denken.

    • David Says:

      Eine interessante, aus dem oben gesagten, folgende Frage, ist:

      kann man irgendwie Menschen helfen, betreffend Folter (inklusive sexuellem Missbrauch) zu einer Resilienz oder gar Antifragilität zu gelangen?

      Merkwürdig ist, dass die Resilienz eintrat, gerade nachdem der Betreffende aufgehört hat, zu hoffen, seine Situation selbst bestimmen zu können.

      Wir haben zugegeben, dass wir machtlos waren.

      Das ist die Kapitulation, wie die Anonymen Alkoholiker sie verstehen.

      Scheint mir zunächst im Widerspruch zur Orgonomie zu stehen; meines Wissens wird diese Kapitulation von adlerianischer und jungianischer Seite gut verstanden.

      Aber da irre ich mich hoffentlich.

    • Peter Nasselstein Says:

      Dazu kann ich nur zweierlei sagen: Erstens wissen die Orgonomen schlichtweg nicht, warum manche Kinder praktisch ohne Schaden durch Traumata gehen, während andere schon bei kleinsten Belastungen neurotisch abpanzern. Zweitens das Chaos, die Ungewißheit, die „Folter“ dieses an sich lebensfeindlichen Universums zu ertragen und trotzdem glücklich zu werden – http://resilienz.hypotheses.org/718 – erinnert an Reichs Darstellung des orgonomischen Funktionalismus: das Ungewissene, Offene, Chaotische der Funktionen.

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