Hallo!

Es ist immer dasselbe: Ruhestörung zu nachtschlafender Zeit oder laut plärrende Kopfhörer im Intercity. Soweit ich zurückblicken kann, von all den hunderten bzw. dutzenden Leittragenden bin ich immer der einzige, der sich beschwert. Nun, es ist nicht immer so und ich leide wie der Rest der tumben Schafherde und ob der Deppendisko steigt mein Blutdruck auf astronomische Höhen und mein Gehirn zerfließt zu einem Klump, in dem es nur noch weißes Rauschen gibt. Warum? Erstens, die Angst als Wüterich und Psychopath dazustehen, dem die Situation außer Kontrolle gerät – wegen einer Petitesse. Zweitens, der infantile Glaube, daß andere schon handeln würden – und jeder einzelne von denen glaubt natürlich jeweils dasselbe. Und drittens, die Idiotie konsistent handeln zu müssen: niemand beschwert sich sofort, denn das wäre seinerseits ziemlich unverschämt, weil kleinlich, doch wenn dann eine gewisse Zeit verstrichen ist, hat man quasi in die Ruhestörung eingewilligt und eine Art „Bann“ ist da (sozusagen ein informelles „Gewohnheitsrecht“), den man nicht mehr durchbrechen kann.

Es ist fast 1 Uhr nachts und ich schreibe das, nachdem ich natürlich wieder als einziger unter Hunderten Opfern die Polizei wegen nächtlicher Ruhestörung gerufen habe. Diese ganze Sache ist so bezeichnend für die Panzerung des Individuums und die gepanzerte Gesellschaft. Wir sind in der Falle gefangen, weil wir eine Todesangst davor haben hervorzutreten und Verantwortung für unser eigenes Leben zu übernehmen. Unsere Mitmenschen oder irgendeine andere Instanz (die Regierung, „Gott“, was auch immer) soll uns diese Verantwortung abnehmen – so als wären die nicht genauso erbärmlich wie wir! Und schließlich sind wir alle in ritualisierte Verhaltensmuster gebannt, letztendlich in unserer Charakterstruktur. Wir sind wie Roboter, die stupide einprogrammierten Verhaltensvorschriften folgen.

Ruhestörer können ganze Siedlungen tyrannisieren. Eine Merkel kann einen ganzen Kontinent zerstören. Wir leben unglückliche Leben, fressen den Gram in uns hinein und fallen schließlich erschöpft, enttäuscht und verbittert ins Grab. Hallo! Wäre es nicht so traurig, könnte man lachen. Was für ein Wahnsinn, was für ein Irrenhaus!

Auf w-reich.de mehr über die Conditio humana.

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2 Antworten to “Hallo!”

  1. David Says:

    Erstens mal sitzen die Fäuste von Menschen, die rücksichtslos sind – wie z.B. im Zug mit Schuhe auf gegenüberliegenden Sitz oder laute Kopfhörer etc. – oft recht locker. Da ist es ganz natürlich, sich kleinzumachen und den Ärger herunterzuschlucken.

    Zum anderen: kleinlich sein das geht heutzutage gar nicht.

    Aber in gewisser Weise ist das falsch, denn Menschen, die sich kriminiell und asozial verhalten und nicht in die Schranken gewiesen werden, verändern sich negativ: sie werden noch asozialer und rücksichtsloser.

    Und Verantwortung?

    Die haben viele Menschen, auch ich, in ganz falscher Weise beigebracht bekommen. Im Sinne von Gehorchen und Sich kleinmachen.

    Polizei?

    Die traut sich – etwa in London – nachts in viele Gegenden nicht mehr hinein. Straßengangs üben die Kontrolle aus.

    In Berlin pressen Menschen die die Kontrolle ausüben, Huren Geld ab für den Standplatz auf dem Gehweg an der Kurfürstenstraße.

    Das sind jedoch nicht die eigentlichen Zuhälter. An diese müssen die betroffenen Frauen außerdem zahlen.

    Es lebe die Gangster-Gesellschaft, sie hat sich bereits etabliert!

  2. Claus Says:

    Damit schlage ich mich seit Jahren herum. Inzwischen bin ich nicht mehr so wehrlos wie am Anfang. Ein paar praktische Ergebnisse:
    0) Vergiss Polizei. Die kommt immer zu spät und hat anderes zu tun.
    1) möglichst oben wohnen; dann – wenn Beschweren nichts nützt – Boxen auf den Boden, Decke drüber und mehr oder weniger aufdrehen; das ggf. in verschiedenen Graden auch nachts (geht auch mit anderen Geräuschen als Musik, wäre sogar besser) – aber immer nur Flexible Response, damit die merken, dass sie es in der Hand haben, die Sache zu beenden!
    2) Zeugengemeinschaften, deren Mitglieder potentiell als (echte) Zeugen bereit sind, wären nützlich (Netzwerke)

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