Der Rote Faden: Die Anfangsjahre

Reich, Jahrgang 1897, wuchs in einer Welt auf, in der sich das Dreieck aufzuspannen begann, das sein Leben bestimmen sollte: Psychoanalyse (Freud, Adler, Jung), Roter Faschismus (Lenin, Trotzki, Stalin), Atomzeitalter (Planck, Einstein, die Curies, Rutherford). Tatsächlich handelt es sich um mehr als um ein bloßes „Dreieck“. Aus bioenergetischer Sicht zeichnet sich ein Bild, das dem mechanistischen Geist zwar absurd erscheinen muß, jedoch aus Sicht von Reichs Erläuterungen zum ORANUR-Experiment sinnhaft ist:

Das im Roten Faden erwähnte Zusammentreffen der drei Freudo-Marxisten Bernfeld, Fenichel und Oppenheimer hat eine tiefere Bedeutung als es oberflächlich erscheinen mag!

1897: Der erste zionistische Kongreß in Basel. William James‘ The Will to Believe begründet die amerikanische Philosophie des Pragmatismus. Alfred Jarrys König Ubu ist das erste radikal moderne Bühnenstück. Der erste Comic erscheint: Rudolph Dirks‘ The Katzenjammer Kids. Die Beziehung zwischen Ladung und Masse des Elektrons wird bestimmt.

1898: Bismarck stirbt. Die Sozialdemokratische Partei Rußlands wird gegründet. Bert Brecht und Ernest Hemingway werden geboren. Kathodenstrahlröhre von Karl Ferdinand Braun. Die Curies entdecken Radium und Polonium. Verflüssigung von Wasserstoff durch James Dewar. Entdeckung des neunten Mondes des Saturns durch William H. Pickering.

1899: Friedenskonferenz von Den Haag. Eduard Bernstein begründet die anti-revolutionäre „revisionistische Bewegung” innerhalb der Sozialdemokratie. Karl Kraus gibt die einflußreiche Wiener Kulturzeitschrift Die Fackel heraus. Mit dem Aspirin führt Heinrich Dreser das erste synthetisch hergestellte Medikament ein. Julius Elster und Hans Geitel zeigen, daß Radioaktivität auf den Zerfall von Atomen zurückgeht und begründen so die Kernphysik. Ernest Rutherford entdeckt die Alpha- und die Beta-Strahlung. David Hilbert legt die mathematischen Grundlagen der späteren Quantenmechanik.

1900: Freuds Traumdeutung. Die schwedische Schriftstellerin, Erzieherin, Sozialreformerin und Feministin Ellen Key (1849-1926) proklamiert in ihrem gleichnamigen Buch Das Jahrhundert des Kindes. In der Erziehung solle man die Motivation des Kindes berücksichtigen. Kinder sollten nicht bestraft werden, sondern ihr Lernwille sollte durch gutes Zureden gestärkt werden. Reich bezieht sich darauf Ende der 1940er Jahre in „The Biological Revolution from Homo Normalis to the Child of the Future“ (Orgonomic Functionalism, Vol. I, Spring 1990, S. 36). Mendels Vererbungsgesetze werden wiederentdeckt. Planck begründet die Quantenphysik.

1901: „Nihilistische“ Terrorwelle in Rußland. Lenin und Plechanow gründen die Zeitschrift Iskra. Thomas Manns Roman Die Buddenbrooks erscheint. Rudolf Steiner begründet die Anthroposophie. Wilhelm Ostwald stellt seine „Energetik” vor. Pawlow beginnt mit seinen Tierexperimenten. Röntgen erhält den Nobelpreis für seine Entdeckung der „X-Strahlen”. Enrico Fermi wird geboren.

1902: Lenins Was tun?, die theoretischen Grundlagen des Kommunismus. Leo Trotzki flüchtet aus seiner ostsibirischen Verbannung nach London. Theodor Herzl veröffentlicht seinen Roman Altneuland, der Plan für ein utopisches „Israel“. Das Copyright wird eingeführt. In Davos ist das Sonnenbaden eine Behandlungsmethode.

1903: Die USA kreieren Panama. In Rußland wird die agrar-sozialistische Partei der Sozialrevolutionäre gegründet. Schwere Pogrome in Rußland. Otto Weiningers Geschlecht und Charakter erscheint. Weininger (Jahrgang 1880!) begeht Selbstmord. Arthur Schnitzlers berühmtes erotisches Schauspiel Der Reigen. Wilhelm Einthoven, der ein Faden-Galvanometer benutzt, begründet die Elektrokardiographie. Erster Flug mit einem motorisierten Flugzeug der Gebrüder Wright. Antoine Becquerel und die Curies erhalten den Nobelpreis für ihre Erforschung der Radioaktivität. Es werden Alpha-, Beta- und Gamma-Strahlen unterschieden. Henry Ford gründet die Ford-Motorenwerke.

1904: Rosa Luxemburg kritisiert Lenins Konzept einer zentralistischen Partei. Freuds Psychopathologie des Alltagslebens. Frank Wedekinds Die Büchse der Pandora.

1905: Japans Sieg über Rußland. Aufstand in Rußland. Der Zar sieht sich gezwungen eine Verfassung einzurichten. Lenin formuliert die bolschewistische Taktik. In Deutschland erscheint Geschlecht und Gesellschaft , eine Zeitschrift über Sexualreform. Fritz Schaudinn entdeckt den Organismus, der Syphilis verursacht. Einsteins drei Aufsätze über Brownsche Bewegung, den photoelektrischen Effekt (Photonen) und die Spezielle Relativität. Unbemannter Ballon erreicht eine Höhe von 25 800 Metern.

1906: Utah tritt den USA bei. In Frankreich wird Alfred Dreyfus rehabilitiert. In Rußland versucht Premierminister Peter A. Stolypin die Revolution durch eine Agrarreform zu verhindern. Upton Sinclair gründet die kommunistische Gemeinschaft Helicon Hall. In Deutschland gründet Gustav Wyneken die „Freie Schulgemeinde Wickersdorf“. Henrik Ibsen stirbt. In Heidelberg und Frankfurt die erste Internationale Konferenz für Krebsforschung. Pierre Curie stirbt bei einem Unfall. Einstein stellt das Gesetz von der Äquivalenz von Masse und Energie auf (E = m c2). Walter Nernst formuliert das dritte Gesetz der Thermodynamik. Robert von Lieben erfindet das Kathodenstrahlrelais, das erstmals die Verstärkung von Übertragungssignalen ermöglicht. Der Anfang der Elektronik.

1907: Lenin flieht aus Rußland. Für die Kassen der Bolschewistischen Partei überfällt Stalin einen russischen Geldtransporter in Tiflis, Georgien. Rasputin beginnt mit seiner Tätigkeit am kaiserlichen Hof in Sankt Petersburg. Maria Montessori öffnet ihren ersten Kindergarten. Erste Untersuchungen über die Auswirkungen von radioaktiven und Röntgenstrahlen auf biologische Objekte. Otto Hahn entdeckt die radioaktiven Elemente Radiothorium, Radioaktinium, Mesothor 1 und 2. United Press gegründet.

1908: Tel Aviv wird von Zionisten gegründet. Die „Sozialistische Arbeiterjugend Deutschlands“. Freuds Charakter und Analerotik, die ersten Anfänge einer psychoanalytischen Charaktertheorie. Freud gründet die Internationale Psychoanalytische Vereinigung. Henri Becquerel, der Entdecker der Radioaktivität, stirbt. Verflüssigung von Helium durch Heike Kamerlingh Onnes. Ein großer Komet schlägt in Sibirien ein. General Motors Company in Detroit.

1909: Lenins Materialismus und Empiriokritizismus, Dialektischer Materialismus gegen Positivismus. Hans Drieschs Philosophie des Organischen, Philosophie des Vitalismus. Frederick Soddy führt das Konzept von Elementen mit unterschiedlicher Masse ein (Isotope). John Rockefeller richtet seinen Fund ein, um wissenschaftliche Forschung zu finanzieren. Ford spezialisiert sich auf das Model T.

1910: J.J. Thomson entdeckt das Prinzip der Massenspektroskopie. Erster Dieselmotor für Wagen. Reichs Mutter begeht Selbstmord.

1911: Winston Churchill wird „First Lord of Admirality”. Der russische Premierminister Stolypin wird ermordet. Rutherfords Atommodell: der Kern wird von Elektronen umrundet. Heike Kamerlingh Onnes entdeckt die Supraleitung.

1912: Lenin wird Chefredakteur der Prawda. Alfred Adlers Über den nervösen Charakter. C.G. Jungs Wandlungen und Symbole der Libido. Rudolf Steiner gründet die Anthroposophische Gesellschaft. Erster Fallschirmsprung aus einem Flugzeug. Wernher von Braun wird geboren. Die „Titanic“ sinkt. „Woolworth“ in New York.

1913: Woodrow Wilson wird Präsident der USA. August Bebel, Führer der deutschen Sozialdemokratie, stirbt. Stalins Marxismus und die nationale Frage. Der „Wandervogel” trifft sich auf dem Meißner. Siegfried Bernfeld in einer führenden Rolle. Karl Frank beginnt an der Universität zu studieren. Willy Brandt wird geboren. Freuds Totem und Tabu. Niels Bohrs Atommodell (der Beginn der Quantenmechanik). Der Geigerzähler wird erfunden. Mit der Gründung einer Notenbank und der Einführung einer landesweiten Einkommenssteuer beginnt der Weg der USA in die sozialistische Knechtschaft. J.P. Morgan stirbt. Charly Chaplin wird Filmstar.

1914: Ausbruch des Ersten Weltkrieges. John B. Watsons Buch Behavior. Reichs Vater stirbt.

1915: Italien erklärt Österreich-Ungarn den Krieg. Die Russen überfallen die Bukowina. A.S. Neill’s erstes Buch A Dominie’s Log. Reich besteht Notabitur. Infanterie-Ausbildung.

1916: Lenins Der Imperialismus als höchste Stufe des Kapitalismus. Einsteins Allgemeine Relativitätstheorie. Reich in Offiziersschule in Schlesien. Sein bester Freund Sabinski fällt in dessen erstem Gefecht. Erster Fronteinsatz Reichs nördlich von Triest.

1917: Mit deutscher Unterstützung kehren Lenin und Trotzki nach Rußland zurück. Hungersnot in Deutschland. USA erklären Deutschland den Krieg. John F. Kennedy geboren. Freuds Einführung in die Psychoanalyse. Wagner von Jaureggs Behandlung der syphilitischen Paralyse mit Malariaerregern.

1918: Das Österreichische Imperium kollabiert. In Deutschland erklärt Karl Liebknecht die „Räterepublik“, Philipp Scheidemann die „Republik“. In Wien findet während der Proklamation der Republik ein links-extremistischer Putschversuch statt. Die Kommunistische Partei Deutschlands (der „Spartakusbund“) wird gegründet. Trotzki ruft die Rote Armee ins Leben. Alfred Adlers Praxis und Theorie der Individualpsychologie. Planck erhält Nobelpreis für die Entdeckung des Quantenprinzips. Otto Hahn und Lise Meitner entdecken das radioaktive Element Protactinium.

Eine Verschlimmerung von Reichs Hautleiden erfordert Behandlung im Allgemeinen Krankenhaus in Wien. Bekommt dreimonatigen Studienurlaub bewilligt und schreibt sich Ende August in Wien an der juristischen Fakultät ein, für einen „Einpaukkurs“ zur ersten Staatsprüfung. Doch zwei Wochen vor der Prüfung wechselt Reich zur medizinischen Fakultät. Bis Oktober erhält er seinen Offizierssold weiter und wird dann mit Kriegsende demobilisiert. Lebt zusammen mit seinem Bruder Robert und einem Mitstudenten, der später Psychoanalytiker wird (er wurde m.W. nie identifiziert). Reich schließt sich einem nichtnationalen (also weder explizit deutschen noch jüdischen) Studentenverein an, dem „Wiener Medizinerverein“.

1919: Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht von rechtsgerichteten Offizieren ermordet. Die Komintern wird gegründet, ihr Kopf ist Sinowjew. Lenins Staat und Revolution. Kurzlebige Räterepublik in Ungarn unter Béla Kun. Deutsche Arbeiterpartei (aus der später die NSDAP wird) wird gegründet, Hitler wird ihr siebtes Mitglied. Die Sozialdemokratische Arbeiterpartei ist die stärkste Partei in Österreich. Sie stellt den Kanzler Karl Renner und den Präsidenten Karl Seitz. William Crookes, Erfinder des Radiometers, stirbt. Das erste Mal überhaupt gelingt Rutherford die Umwandlung von einem Element (Stickstoff) in ein anderes (Sauerstoff). Prohibition in Amerika. Radio Corporation of America.

Reichs Hauptlehrer an der Universität ist Julius Tandler, über den ich mich bereits an anderer Stelle ausgelassen habe. Reich und Otto Fenichel gründen ihr Studentenseminar über Sexologie.

Reich nimmt an einem Kurs von Isidor Sadger über Psychoanalyse teil, der im Studentenseminar für Sexologie auch oft Vorträge über „Psychopathia sexualis“ hält. Kurze Lehranalyse bei Sadger. (Lehranalysen waren erst seit 1918 Grundbedingung der Psychoanalyse-Ausbildung.) Reich bittet Sadger die Therapie auszusetzen und statt seiner Lia Laszky, eine Freundin Reichs, zu behandeln. Sadger ist der „Michael Silvert“ der Psychoanalyse, d.h. ein perverse Modju, den niemand mochte, ein wirklicher Pestträger, der von bizarren Sexualpraktiken fasziniert war. Dergestalt waren beide Lehranalytiker Reichs (Sadger und ein Jahr später Federn) pestilente Charaktere.

Sadgers Pestilenz wird beispielsweise am Fall von Hermine Hug-Hellmut deutlich. Er war der Vormund des Neffen von Hug-Hellmut. Ihr Neffe sollte diese psychoanalytische Hexe 1924 ermorden, weil sie ihn mit ihren ewigen Analysen seelisch und materiell zerstört hatte. Immer wenn er Taschengeld benötigte, „analysierte“ sie dies weg, sodaß er weder sein Essen noch seine Schule bezahlen konnte. Nachdem er ihr etwas gestohlen hatte, um eine Schulgebühr bezahlen zu können, nahm ihn Sadger kraft seines Amtes als Vormund von der Berufsschule, obwohl die Schulleitung nichts dagegen hatte, daß der Junge in der Schule verblieb. Sadger zerstörte so die berufliche Zukunft des jungen Mannes, aus moralistischen Gründen: er war ein uneheliches und deshalb von vornherein moralisch geschädigtes Kind, daß, nach Sadgers Meinung, die er nach dem Mordfall auch dem Gericht kundgab, sowieso nur menschlicher Abfall war (Angela Graf-Nold: Der Fall Hermine Hug-Hellmuth, München 1988).

Sadger gilt als erster, der grundlegende Beiträge zum Verständnis der Homosexualität beisteuerte. Er hat den Begriff „Sadomasochismus“ geprägt und versuchte um 1919 herum die Sexualwissenschaft auf psychoanalytische Grundlagen zu stellen. Dabei hatte er festgefahrene moralische Grundsätze, die funktionell identisch waren mit der pornographischen Faszination, die er für alles Perverse empfand. Seine detaillierten Fallgeschichten, in denen er genüßlich bis in die kleinsten Einzelheiten die Sexualpraktiken seiner Patienten ausmalte, riefen bei seinen Kollegen Widerwillen und Ekel hervor. Die allgemeine Einschätzung der Psychoanalytiker war: „Sadger ist ein Schwein!“ Unappetitliche Perversionen schienen ihn zu faszinierten, wobei er gleichzeitig moralistisch über seine Patienten herzog, die darüber berichteten. Er war so ungefähr der Gegenpol Reichs, d.h. extrem moralistisch, z.B. behauptete er, daß sich eine uneheliche Geburt moralisch negativ auf das Kind auswirke. Innerhalb der Psychoanalytischen Vereinigung war er verhaßt wegen seiner boshaften, bissigen Art; alle anderen machte er runter, während er selber extrem eingebildet war. Selbst Freud war ihm gegenüber sehr ambivalent.

Federn war kaum besser, denn er betrachtete den Menschen als ein von Natur aus „sadomasochistisches Tier“. In den 1890er Jahren hatte er das Gerücht gestreut, daß Nietzsche sich seine Syphilis als passiver Homosexueller durch Analverkehr in einem Italienischen Bordel für Schwule zugezogen hatte (Joachim Köhler: Zarathustras Geheimnis. Friedrich Nietzsche und seine verschlüsselte Botschaft, Nördlingen 1989). Später versuchte dieser moralistische Perverse hinter den Kulissen Reichs Ruf zu zerstören.

Während dieser Zeit war Reich mit verschiedenen Kommunisten befreundet. Am 15. Juni 1919 gab es den Versuch eines kommunistischen Putsches, dessen Zentrum die Universität Wien war. Zu dieser Zeit war die KPÖ mehr oder weniger eine „Studentenpartei“. Zu Reichs kommunistischen Freunden gehörte der Schüler William S. Schlamm. Am Ende des Krieges war Schlamm zum Kommunismus gekommen, weil die Kommunisten gegen den Krieg waren. 1919, mit 15, erhielt Schlamm das Mitgliedsbuch der Kommunistischen Jugend-Internationale (KJI).

Wie bereits an anderer Stelle beschrieben löste sich Schlamm 1928 vom Kommunismus. Zehn Jahre nach dem Bruch, also 1938 traf Schlamm in New York mit dem vorherigen Leiter der GPU in West Europa zusammen, General Walter Kriwitzki. Kriwitzki hatte 1937 mit der Partei gebrochen und schrieb damals an seinem großen Enthüllungsbuch (Walter Krivitsky: In Stalin’s Secret Service. An exposé of Russia’s secret policies by the former chief of the soviet intelligence in Europe, London/New York 1939). Schlamm war überrascht, über dessen unglaubliche Detailkenntnisse und sein noch erstaunlicheres Gedächtnis. Er konnte sich an die persönlichsten Einzelheiten von Schlamms Leben 1919 erinnern. (Sogar Details, die Schlamm selbst mittlerweile vergessen hatte.) Und das, obwohl Schlamm Kriwitzki vor 1938 nie begegnet war. Kriwitzki antwortete zu Schlamms großer Verwunderung, daß er, Kriwitzki, 1919 Leiter des Wiener Geheimbüros der GPU war. Dann könne Kriwitzki ihm sicherlich sagen, warum die Russen ihn nie in den Abgrund befohlen hätten, d.h. die Untergrundarbeit. Kriwitzki lachte und antwortete, daß sie Schlamm nie recht getraut hätten. Als er 1919 zur Partei gekommen sei, habe er sich zwei Abende in der Woche für Konzertbesuche ausbedungen. Man habe ihm nicht vertraut, weil ihm Mozart offensichtlich wichtiger war als die Partei.

Ein anderer von Reichs Freunden war der bereits erwähnte Karl Borromäus Frank (1893-1969), der an der Universität Wien Psychologie, Biologie und Philosophie studiert hatte. 1918 war er einer der Gründer der „Mittelschülerbewegung” und Vertreter der Universität Wien im revolutionären Arbeiterrat Wiens. Als eines der Leitfiguren des Linksextremismus in Wien trat er 1919 der KPÖ bei und gehörte zeitweise der Redaktion der Roten Fahne an. Seit Dezember 1919 im Zentralkomitee der KPÖ, ging er Ende 1920 nach Berlin.

Franks erste Frau Alice Herdan, damals 18, erinnert sich, daß sie Frank im April 1919 in Wien traf. Er sei damals eine der leitenden Figuren der Jugendbewegung gewesen. Die männliche Jugend hätte ihn verehrt, während ihn Mädchen und Frauen wegen seiner schieren Schönheit liebten. Sehr bald heirateten Alice und „Karli“. Sie lebten mit Franks bestem Freund zusammen, Gerhart Eisler (1897-1968). Gerhart führte Alice in den Marxismus ein. Sie erinnert sich, daß er klein und häßlich gewesen sei. Später wurde er „Aufräumer“, d.h. er reiste in Länder, die für den Kommunismus reif waren und schaltete Leute aus, die der Partei im Wege standen (Alice Herdan-Zuckmayer: Genies sind im Lehrplan nicht vorgesehen, Frankfurt 1981).

Frank, ein Nichtjude, ging aus dem fast ausschließlich jüdischen jugendbewegten Kreis um Siegried Bernfeld und Otto Fenichel hervor. Bereits vor dem Ersten Weltkrieg hatte sich die protestierende Jugend um Bernfeld gesammelt: Rudolf Dreikurs, die berühmten Brüder Gerhart und Hanns Eisler, Otto Fenichel, Karl Frank, Paul Friedländer, Hilda Geiringer, Ernst Krenek, Paul Lazarsfeld.

Als Reich aus dem Krieg zurückkehrte, schloß er sich dem Jungwandervogel an. Zu dieser Zeit siehe auch William S. Schlamm (Teil 2).

Wie in Leidenschaft der Jugend deutlich wird, flirtete Reich bereits damals mit dem Kommunismus. Zu dieser Zeit war er jedoch zu sehr vom Psychologismus Freuds und dem radikalen Individualismus Max Stirners (1806-1856) beeinflußt. Obwohl Reich mit der „Weltrevolution“ sympathisierte, fühlte er sich mehr zu Stirner hingezogen und glaubte, daß nur das freie Individuum eine freie Gesellschaft begründen kann. Solch ein freies Individuum ist frei vom Ödipuskomplex. Als sich Reich acht Jahre später doch den Kommunisten anschließen sollte, war er schnell einer Opposition ausgesetzt, die verblüffend an Marx’ Tiraden gegen Max Stirner in Die deutsche Ideologie erinnerten. Es ging nicht nur um politische Fragen und philosophische Unterschiede, sondern um grundlegende Differenzen in der anthropologischen Sichtweise. Glaubst du an das selbstbestimmte Individuum oder vertraust du einem göttlichen „Weltgeist“, den Hegelianischen Gott namens „Geschichte”? Im Krieg hatte Reich unmittelbar und brutal erfahren, daß unsere „Kultur” Menschen in Maschinen verwandelt und was es für die Menschen „da unten“ bedeutet, für eine vermeintlich „höhere Sache“ geopfert zu werden.

Man muß sich immer wieder vergegenwärtigen, zwischen was für Leuten sich das Leben Reichs abgespielt hat: Sohn eines brutalen tyrannischen Vaters, alles drehte sich nur um Geld und Status; entsprechend wurde die Familie Reich fallengelassen, nachdem sich sein Vater verspekuliert hatte. Im Krieg mußte Reich als Offizier einfache Menschen in den Tod schicken, die nicht die geringste Ahnung hatten, worum es überhaupt ging – wenn das denn überhaupt jemand sagen konnte. Nach dem Krieg wurde Reich und sein Bruder um ihr gesamtes Erbe betrogen. Als Student und angehender Psychoanalytiker fand er sich zwischen Leuten wider, bei denen sich alles um „Kultur“ drehte und die ein verbildetes, durch und durch pornographisches Verhältnis zur Sexualität hatten. Er war von Anfang an „ein Fremder“.

Wäre Reich Mitte der 1920er Jahre seiner Tuberkulose erlegen, wären seine bis dahin verfaßten Schriften kaum eine Fußnote in der Geschichte der Psychoanalyse wert. Ab wann „zählen“ dann seine Schriften? Für Reich selbst war diese Wasserscheide ungefähr 1940 erreicht, als er sich der Entdeckung des Orgons sicher wurde und sich an das Verfassen seiner „wissenschaftlichen Autobiographie“ Die Entdeckung des Orgons: Die Funktion des Orgasmus machte. Mit dieser Entdeckung hatte er endgültig den Bereich bloßen Theoretisierens und „Philosophierens“ verlassen. Er war nicht mehr ein Psychoanalytiker neben zahllosen anderen mit jeweils ihren eigenen „Schulen“, sondern hatte einen objektiven, nachprüfbaren Standpunkt gefunden. Erst von „der Entdeckung“ aus betrachtet, machen die früheren Arbeiten Reichs Sinn.

Als einziger der damaligen Psychoanalytiker gab sich Reich nicht mit dem Bekunden des Patienten zufrieden, er habe Geschlechtsverkehr oder masturbiere, sondern insistierte darauf zu erfahren, was der Patient dabei jeweils konkret mache und empfinde.

1920 wird Reich Mitglied der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung. Reich legt seine erste psychoanalytische Arbeit vor: „Über einen Fall von Durchbruch der Inzestschranke in der Pubertät“. Hier beschreibt er sein Jugenddrama: den Selbstmord seiner Mutter und deren Umstände.

Im Juni begegnet Reich seiner späteren Frau Annie Pink zum ersten Mal. Sie ist eine Freundin von Lore Kahn. Die 19 Jahre alte Kindergärtnerin Lore war im Winter Reichs erste Patientin gewesen und wurde später zu seiner Geliebten. Sie erkrankt und stirbt. Karl Frank, Lores vorangegangener Geliebter, wegen dem sie zu Reich in Therapie gekommen war, verläßt Wien und geht nach Berlin, um für das neue Büro der Komintern unter Thomas Rubinstein („Genosse Thomas”) zu arbeiten.

Reich liest Paul Kammerer’s in diesem Jahr veröffentlichtes Opus magnum Allgemeine Biologie. Auf Wilhelm Rouxs zum gleichen Thema erschienenem Buch fußend, führt Kammerer den Begriff „Selbstregulation” ein, die als Fähigkeit des Organismus definiert wird, die unterschiedlichsten Eingriffe durch die Umwelt aufzufangen. Es ist der Erwähnung wert, daß 1881 Roux die Hauptquelle für Nietzsches Naturphilosophie des „Willens zur Macht“ war.

1919 war Reichs Universitätslehrer Julius Tandler Unterstaatssekretär für Gesundheit in der Bundesregierung Renner und Leiter des Volksgesundheitsamtes. 1920 wird er in Wien Stadtrat für das Wohlfahrts- und Gesundheitswesen. Auf Bundesebene kommt die Christlich-soziale Partei an die Macht. Michael Mayr wird Kanzler, Michael Hainisch Präsident. Otto Bauer formuliert die Theorie des „Austromarxismus“. Albert Einstein propagiert den Zionismus. In Den Haag wird der Internationale Gerichtshof eingerichtet. Mahatma Gandhi beginnt mit seinem Befreiungskampf in Indien.

1921: Während er immer noch Medizin studiert, trägt Reich einige Arbeiten vor der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung vor. Vor dem Wiener Studentenseminar für Sexuologie spricht er über „Der Koitus und die Geschlechter“. Reich ist bereits weniger psychoanalytisch als vielmehr bioenergetisch orientiert.

Reich selbst ist von der gesellschaftlich hervorgerufenen Spaltung zwischen zärtlichen und sinnlichen Strebungen betroffen. Seine große platonische Liebe Lia Laszky, Jahrgang 1894, heiratet den Dirigenten Johann Swarowsky. Über seine gesamte wissenschaftliche Karriere hinweg schreibt Reich immer über sich selbst. Sein Werk ist gewisserweise seine „Selbstanalyse“. Das ist entscheidend, um Teile seiner späteren Arbeit (etwa „Am I a Spaceman?“) richtig beurteilen zu können.

Schober, ein Unabhängiger, wird Kanzler Österreichs. Ein kommunistischer Aufstand im Mansfeld wird von der Reichswehr niedergeschlagen. Die SA formiert sich. Kämpfe zwischen deutschen und polnischen Milizen in Oberschlesien. Nach einem Referendum Teilung Oberschlesiens zwischen Deutschland und Polen. Der Aufstand von Kronstadt wird von Trotzkis Roter Armee zerschlagen. Der 10. Parteitag der russischen Kommunisten stimmt für eine strikte ideologische „Einheit der Partei“. Lenin ruft die „Neue Ökonomische Politik” (NÖP) ins Leben. Kommunistische Gewerkschafts-Internationale in Moskau. Gorkis Immigration aus Rußland. In Berlin wird die „Internationale Arbeiterhilfe“ gegründet, um dem unter einer Hungersnot leidenden Rußland zu helfen. Die Kommunistische Partei Chinas wird gegründet.

Ernst Kretschmer stellt seine psychiatrische Einteilung in Körpertypen vor. Der psychiatrische Rorschach-Test. A. S. Neill gründet in Dresden seine erste eigene Schule für den „schöpferischen Selbstausdruck” von Kindern. Einstein erhält den Nobelpreis. Armstrong präsentiert seinen Radioempfänger „Superhet“. Die erste Radiounterhaltung in Amerika. Der Bubikopf wird modern. D.H. Lawrences Women in Love.

1922: Reich heiratet Annie Pink. Er erhält seinen „Dr. med.”. Seine klinische Facharztausbildung beginnt unter Paul Schilder (1886-1940). Gründung des Psychoanalytischen Ambulatoriums und, auf Reichs Anregung hin, des Seminars für Psychoanalytische Therapie. Reichs Aufsatz über „Zwei narzißtische Typen“ stellt seine erste Arbeit zur Charakteranalyse dar. Otto Fenichel geht nach Berlin.

Reichs ehemaliger Universitätslehrer Julius Tandler arbeitet mit unermüdlicher Energie für den Ausbau der Fürsorge der Stadt. Unter vielen anderen Einrichtungen gründet er 1922 ein Eheberatungszentrum, „Gesundheitliche Beratungsstelle für Ehewerber“, das von Karl Kautsky jr. geleitet wird.

Der jüdische Außenminister Deutschlands, Walter Rathenau, wird von einem Nationalisten ermordet. Mussolini wird Ministerpräsident Italiens. Die Sowjetunion wird gegründet. Aus der Tscheka wird die GPU. Niels Bohr erhält den Nobelpreis. Oswald Spenglers Der Untergang des Abendlandes, Hermann Hesses Siddhartha und James Joyces Ulysses erscheinen.

1923: Mit Freuds Das Ich und das Es endet die alte „libidinös orientierte“ Psychoanalyse mit ihrem Gegensatz von Sexualität und Angst. Im gleichen Jahre erscheint Reichs Aufsatz „Über Genitalität vom Standpunkt der psychoanalytischen Prognose und Therapie“, der den Beginn der Orgasmustheorie signalisiert. Am Wiener Psychoanalytischen Ambulatorium wird Reich im November als erster Hilfsarzt eingestellt. Durch die Umstände gezwungen, versucht er die langwierige psychoanalytische Behandlung durch Suggestion abzukürzen. Diese verkürzte Analyse paßt zu seiner Theorie von der heilenden Funktion der freigelegten Genitallibido.

Kommunistischer Aufstand Hamburg. Hitler-Putsch in München. Die Inflation in Deutschland erreicht ihren katastrophalen Höhepunkt: 1 US-Dollar gleich 4,2 Trillionen Reichsmark. Kalinin wird Präsident der UdSSR. Compton entdeckt den nach ihm benannten Effekt. Hermann Oberth begründet mit seinem Buch Die Rakete zu den Planetenräumen die wissenschaftliche Theorie der Weltraumfahrt. Röntgen, der Entdecker der nach ihm benannten Strahlen, stirbt.

1924: Reichs erstes Kind, Eva. Die kleine Familie zieht in eine größere Wohnung, Blindengasse 46a. Reichs in Rumänien tätiger Bruder Robert erkrankt an Tuberkulose und geht mit seiner Familie (1923 wurde seine Tochter Sigrid geboren) in ein Sanatorium in Norditalien. Reich wird zum Leiter des Wiener Seminars für psychoanalytische Therapie gewählt. Im Manuskript seines Buches Der triebhafte Charakter zeigt er, daß die Symptomanalyse zur Charakteranalyse ausgeweitet werden muß. Von der neuen Ich-Psychologie aus gesehen (siehe Freuds Das Ich und das Es) ist die Beziehung zwischen dem Ich und dem sich entwickelnden Über-Ich die Grundlage der Charakterologie.

Der erste Band von Freuds Gesammelten Schriften erscheint. Auf dem Psychoanalytischen Kongreß in Salzburg führt Reich den Begriff “orgastische Potenz” ein, die er von der erektiven und der ejakulativen Potenz unterscheidet. Reich spezifiziert Freuds Theorie, daß es keine Neurose ohne sexuellen Konflikt gäbe, dahingehend, daß es keine Neurose ohne Störung der Genitalfunktion gäbe.

Nach 1923 verlor Sowjetrußland ein Gutteil, wenn nicht den Großteil ihrer Anziehungskraft für die Intellektuellen Europas. Um 1924 herum war sogar Trotski von der Frage geplant, wie es möglich sei, daß je höher eine kapitalistische Gesellschaft entwickelt ist, desto schwächer dort die Kommunistische Partei wird. Seine Antwort war, daß die europäische Sozialdemokratie sich zu einer Agentur der kapitalistischen Interessen Amerikas entwickelt habe. Während dieser kritischen Phase tritt Reich ca. 1924 (m.W. kann niemand den genauen Zeitpunkt angeben) der SDAP bei, der sozialdemokratischen Partei Österreichs, und engagiert sich in der Jugendarbeit.

Bei einem Attentatsversuch wird Österreichs Kanzler Ignaz Seipel schwer verletzt. Hitler wird frühzeitig aus der Haft entlassen. Nach Lenins Tod bilden Sinowjew und Kamenew eine Allianz gegen Trotski. In Georgien wird ein antisowjetischer Aufstand niedergerungen. Woodrow Wilson stirbt. Louis de Broglies Theorie der „Materiewellen“. Max Hartmanns Allgemeine Biologie. Ein Werk, von dem Reich sehr beeinflußt wird. Man denke etwa an Hartmanns Experiment über „relative Sexualität“. O.H. Warburgs Krebs-Theorie. Joseph Conrad und Franz Kafka sterben. Der Bubikopf wird zur allgemeingültigen Mode.

1925: Neugründung der NSDAP. Die SS formiert sich. Mein Kampf wird veröffentlicht. Stalins „Sozialismus in einem Land“ gegen Trotskis Konzept einer Weltrevolution. Heisenberg, Born und Jordan formulieren die Quantenmechanik. Wolfgang Pauli erklärt das Periodensystem. Internationale Übereinkunft zum Kampf gegen Drogen. Rudolf Steiner stirbt an Magenkrebs. Dos Passos‘ Manhattan Transfer.

Siegfried Bernfeld geht nach Berlin. Reich veröffentlicht:

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7 Antworten to “Der Rote Faden: Die Anfangsjahre”

  1. Robert (Berlin) Says:

    Lebt zusammen mit seinem Bruder Robert und einem Mitstudenten, der später Psychoanalytiker wird (er wurde m.W. nie identifiziert)
    Könnte es Edward Bibring gewesen sein?

  2. O. Says:

    Was mit dem Bruder Robert passierte wird immer nur am Rande erwähnt oder mal in einem Gerücht ausgeschmückt, vielleicht gibt es dazu ja noch differenzierte Informationen. Um es mal einfach anzusprechen, angeblich hätte es einen Identitästausch zw. Robert u. Wilhelm gegeben, nach dem Tod eines der beiden (wie man es dann sehen möchte). Das klingt nach totalem Schwachsinn, soll aber mal intern benannt worden sein. – Das mal so als Hinweis, in welche Richtung man auch mal schauen könnte, wenn da was dran wäre.

    • Peter Nasselstein Says:

      1922 hat Robert Ottilie Heifetz geheiratet. Mit der hat Myron Sharaf noch Anfang der 70er Jahre gesprochen. Es ist schlichtweg kein Raum für irgendein „Szenario“. BTW: Ich habe noch nie ein Photo von Robert gesehen. Kennt jemand eins?

  3. O. Says:

    @ Christian: Mich würde interssieren, was an der OT denn so „high“ macht und wie es sich anfühlt. Nicht das ich ähnliches nicht kennen würde (aus der Therapie, für alle, die was anderes denken), aber ich denke jede Anwendung hat so ihre eigene Charakteristik.

    Nebenbei angemerkt: Bei Blasbands „psychiatrischer Orgontherapie“ hatte ich mich nach der ersten Stunde keineswergs high, sondern eher „down“ gefühlt, weil dies so ernüchternd mechanistisch war, wie beim Allgmeinmedziner, dei eine Tabletten verschreibt und zweimal die Hand schüttelt. In der „Geistheilungsstunde“ ging es mir dann noch bedeutend schlechter über 2-3 Tage, was angeblich „normal“ sei und ein Art wirksam Krise aufzeige, das mir gerade geholfen worden sei. Mir war richtig übel, wenn ich mich erinnere.

    Bei einem anderen Heiler, ich machte ja so diverse Erfahrungen aus Neugier, gab es spürbare positive Gefühle nach der Behandlung, auch wenn ich etwas benommen war und Zeit brauchte, um wieder normal durch die Straße zu gehen. Es gab hier auch einen nachhaltigen Effekt, der langfistig gewirkt hat (nach nur einer Stunde).

    Ansonsten gebe ich allen Skeptikern Recht, das meiste in der BRD ist Hokupokus, eben Esoterik.

  4. O. Says:

    Geistheilung schützt (mich) auch nicht vor Tippfehlern😉

  5. Jonas Says:

    „Auf Wilhelm Rouxs zum gleichen Thema erschienenem Buch fußend, führt Kammerer den Begriff „Selbstregulation” ein, die als Fähigkeit des Organismus definiert wird, die unterschiedlichsten Eingriffe durch die Umwelt aufzufangen.“

    Evt. lohnt es sich, Reichs späteres Verständnis von „Selbstregulation“ mit anderen Konzepten zu vergleichen, die sich direkt oder indirekt von Roux/Kammerer herleiten. Ich denke da z.B. an die Affekt-Theorie von Silvan Tomkins, in der auch gelegentlich die Orgasmusfunktion gestreift wird.

    http://atheoryofmind.wordpress.com/2011/06/15/affect-week-part-2-silvan-tomkinss-affects/

  6. Pierre Says:

    „Ab wann „zählen“ dann seine Schriften? Für Reich selbst war diese Wasserscheide ungefähr 1940 erreicht, als er sich der Entdeckung des Orgons sicher wurde und sich an das Verfassen seiner „wissenschaftlichen Autobiographie“ Die Entdeckung des Orgons: Die Funktion des Orgasmus machte.“

    Dort lesen wir gleich zu Beginn, datiert Nov. 1940,
    was so ganz anders klingt:
    „Es ist nützlich, wissenschaftliche Biographien in jungen Jahren zu schreiben … Auch ich könnte nachgeben und ableugnen, was in jungen Kampfjahren ehrliche wissenschaftliche Überzeugung war.“

    Wenig später, am 2. April 1941 schrieb er an Neill:
    „1. Ich verfüge über die Orgonstrahlung … und niemand außer mir weiß, wie man mit ihr umgeht.
    2. …
    3. …
    4. …
    5. …
    Mein lieber Neill, das bedeutet MACHT, und Du kannst sicher sein, ich werde sie gegen jeden gebrauchen, der …“

    Was kann diesen Umschlag bewirkt haben? Das zwischenzeitliche Treffen mit Einstein?

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