Der Rote Faden: Die Leninistische Organisation (Teil 1)

Walter Löwenheim alias Miles war Gründer der Widerstandsgruppe Neu Beginnen. Jahrgang 1896 war Löwenheim nach dem Ersten Weltkrieg zunächst in der „Freien Sozialistischen Jugend“ tätig, danach in der KPD. Er war Schüler des legendären Kommunisten Paul Levi. Aufgrund von Stalins desaströser linksextremer und sektiererischer Politik verließ er die KPD, schloß sich jedoch nicht, wie es Levi bereits 1922 getan hatte, der SPD an (Kurt Klotzbach [Hrsg]: Drei Schriften aus dem Exil, Berlin 1974 und Hartmut Soell: Fritz Erler, Berlin 1976).

1928/29 kam Löwenheim zu dem Schluß, daß Stalins Planwirtschaft, die die „Neue Wirtschaftspolitik“ Lenins ersetzte, eine Katastrophe für die gesamte sozialistische Bewegung darstellte. Eine Erneuerung der Arbeiterbewegung betrachtete er nur als möglich durch Überwindung einerseits des linksextremistischen Sektierertums der Kommunisten und andererseits der reformistischen Politik der Sozialdemokraten. Diese Erneuerung sollte von einer konspirativen Gruppe von Berufsrevolutionären ausgehen.

Löwenheim sammelte eine kleine Gruppe von jungen KPD-Mitgliedern, Leuten der KPD(O), d.h. Kommunisten vom rechten Flügel, und revolutionären SPD-Mitgliedern vom linken Flügel um sich. Mit Beginn der Weltwirtschaftskrise formte diese Gruppe „die Organisation“ (kurz „Org.“).

Hinter der Org. (auch als „Leninistische Organisation“ oder „O“ bekannt) stand die Theorie, daß

  1. es nichts bringt eine sektiererische Splitterpartei nach der anderen zu gründen;
  2. die quasi-revolutionäre faschistische Bewegung der Hauptfeind ist, nicht die „Sozialfaschisten“ und nicht einmal die Großindustrie; und
  3. die alten Methoden der illegalen Arbeit wertlos sind, stattdessen müssen längerfristige Strategien ausgearbeitet werden.

Die organisatorische Struktur der Org. gestaltete Löwenheim nach Lenins Konzept einer Kaderpartei. Das bedeutete strikter Zentralismus, das Zentrum hat die Autorität Direktiven auszugeben und die Arbeit erfolgt nach den Gesetzen der Konspiration. Löwenheim war „der deutsche Lenin“.

Die Org. weigerte sich, einen Namen anzunehmen, der ihr den Charakter einer Partei verliehen hätte. Sie betrachtete sich als den „subjektiven Faktor“ innerhalb der Arbeiterbewegung, als eine bewußt handelnde Minderheit, die in den vorhandenen Parteien arbeitet, um den Graben innerhalb der Arbeiterbewegung zu schließen. Deshalb war die Existenz der Org. streng geheimzuhalten. Lokale Zentren waren Berlin und Frankfurt.

1931 füllten zwei Gruppen die Ränge der Org.: zunächst die „Kommunistische Studentenfraktion“ („Kostrufa“) in Deutschland (mit der Österreichischen Kostrufa haben wir uns bereits befaßt), die 1929 aus der KPD ausgeschlossen worden war (Leute wie Richard Löwenthal [alias Paul Sering] und Stefan Eliasberg), und zweitens der Berliner Regionalvorstand der Sozialistischen Arbeiterjugend (SAJ). (Das waren so ziemlich jene Gruppen, deren Wiener Entsprechungen sich für die Ideen Reichs begeistern konnten: potentiell Reichsches Klientel.)

Anfang 1933 hatte die Org. vielleicht 100 Kader, während etwa 200 Personen der Peripherie der Org. zugeordnet werden konnten. Die einzige Organisation, die bis dahin von der Org. erfolgreich „erobert“ worden war, war die SAJ. Als die Nationalsozialisten die Macht übernahen, mußte die Org. einsehen, daß ihr langfristig angelegter Plan die beiden großen Arbeiterparteien SPD und KPD zu unterwandern und schließlich zu übernehmen, zunächst ad acta gelegt werden mußte. Die Org. ging in den Untergrund und versuchte eine eigene unabhängige Identität in der internationalen Öffentlichkeit anzunehmen. Beispielsweise warb sie um Anerkennung bei der Sozialistischen Arbeiter-Internationale (der Nachfolgerin der Zweiten Internationale). In Prag wurde ein Auslandsbüro eingerichtet, das seit Mai 1933 von Dr. Karl Frank geleitet wurde.

Im Frühsommer 1933 schrieb Löwenheim das Programm der Org., die bald „Neu Beginnen“ genannt wurde, als Löwenheims Broschüre September 1933 unter dem Titel Neu Beginnen von der SPD in Prag veröffentlicht wurde (Miles: Neu beginnen! Faschismus oder Sozialismus. Als Diskussionsgrundlage der Sozialisten Deutschlands, Karlsbad 1933. In: Probleme des Sozialismus, Sozialdemokratische Schriftenreihe, Heft 2). Die Schrift wurde viel beachtet.

Im Unterschied zu allen anderen sozialdemokratischen und kommunistischen Theorien der Zeit betrachtete Löwenheim den Faschismus nicht als ein instabiles Phänomen, das schnell verschwinden würde. Stattdessen war für ihn der Faschismus eine politische Revolution, die aus tiefreichenden sozialen Ursachen und Kräften hervorgegangen sei. Der faschistische Staat sei ein durchorganisiertes System, so daß der antifaschistische Kampf ein langfristiges Projekt sein müsse. Da der Faschismus ein monolithischer Block sei und jede Möglichkeit dagegenzuhalten verunmögliche (keine freie Presse, keine Gewerkschaften, etc.), wäre mit der Verschärfung der ökonomischen Krise die gesamte Zivilisation gefährdet, weil in der ökonomischen Krise die Massen ihren bourgeoisen Führern folgten!

Diese Analyse war einzigartig, wenn man von Reichs Faschismus-Theorie absieht, die der von Löwenheim, jedenfalls oberflächlich betrachtet, ziemlich ähnlich ist. Soell deutet übrigens an, direkt sagen tut er es nicht, daß der Name „Neu Beginnen“ tatsächlich von Reich inspiriert sein könnte. Siehe Charakteranalyse (KiWi, S. 267), wo Reich über den intensiven Wunsch des Zwangscharakters spricht, das Leben „neu zu beginnen“.

Die Ereignisse in Deutschland seien, so Löwenheim weiter, unvermeidlich, wenn man sie aus machtpolitischer Warte aus betrachte. Sie seien das Ergebnis der universellen Tendenz zu einem zentralistischen Parteistaat. Löwenheim vergleicht die Sowjetunion sogar mit Hitler-Deutschland und dem faschistischen Italien: alle drei seien zentralisierte Parteistaaten. Solch ein Staat sei unvermeidlich, aber seine sozialistische Natur sollte sichergestellt werden.

Löwenheim lehnt den traditionellen Determinismus der sozialistischen Bewegung ab, d. h. daß der Sozialismus historisch unvermeidlich ist. Während die bürgerliche Revolution ein natürlicher sozialer Prozeß war, sei die proletarische Revolution nur eine historische Chance. Die proletarische Revolution müsse durch die historische schöpferische Kraft des fortgeschrittensten Teils der Gesellschaft bewußt geplant werden; durch den historisch bewußten Kopf der Arbeiterklasse (d. h. durch bürgerliche Intellektuelle wie Löwenheim!). Am Ende des langen Kampfes müsse der sozialistische Staat stehen mit der gesamten Staatsmacht in den Händen der Sozialistischen Partei.

Unmittelbares Ziel ist ein enges Zusammengehen aller sozialistischen Kräfte unter der Schirmherrschaft der Sozialistischen Arbeiter-Internationale (SAI) und die Zerschlagung der Komintern, da die Komintern Illusionen über die spontane revolutionäre Kraft des Proletariats verbreite. Auch habe die Komintern den Graben, der die Arbeiterbewegung spaltet, verbreitert. Natürlich kritisiert Löwenheim auch die Sozialdemokraten. Weil diese nicht mehr auf eine Marxistische Revolution ausgerichtet seien, fordert er, daß seine eigene Organisation die Führung der sozialistischen Bewegung auf der Grundlage dieser Druckschrift übernimmt.

Löwenheim forderte die Einheitsfront mit allen antifaschistischen Kräften innerhalb der Bourgeoisie. Seit Ende 1933 unternahm Neu Beginnen Anläufe in diese Richtung mit der Bildung „gesellschaftlicher Arbeitsgemeinschaften“ (Gesag). Schon vor 1933 hatten einige Mitglieder der Org. Kontakte mit dem Management der Großindustrie geknüpft.

Die meisten emigrierten Führer der Arbeiterparteien reagierten negativ auf Löwenheims Forderungen. Die stärkste Reaktion kam von der KPD, da sie im Gefolge ihrer „Sozialfaschismus“-Kampagne insbesondere den linken Flügel der Sozialdemokratie bekämpfte. Entsprechend war für sie Neu Beginnen das Böse schlechthin. Für die SPD in Prag wies der alte Karl Kautsky offiziell fast alles zurück, was Löwenheim geschrieben hatte, insbesondere dessen Ablehnung des historischen Determinismus und dessen Plädoyer für eine zentralisierte Parteidiktatur. Kautsky bezeichnete dieses Konzept als „faschistisches Kuckucksei“ im sozialistischen Nest. 1934 wurde Miles‘ Pamphlet übersetzt und in England, Frankreich, und den USA veröffentlicht.

Im Sommer 1935 versuchte das Auslandsbüro von Neu Beginnen eine bessere Beziehung zur Exil-SPD herzustellen. Dies führte zum Beispiel zu einer Zusammenarbeit mit der von der Exil-SPD herausgegebenen Zeitschrift für Sozialismus. Möglich wurde das wegen der Revision von Hauptpunkten im Programm von Löwenheim, die den Anspruch auf die Führung und die zentralistische Parteidiktatur betrafen. Diese Annäherung fand ein Ende, als sich Neu Beginnen im März 1941 der „Vereinigung deutscher sozialistischer Organisationen“ in Großbritannien anschloß. Nach dem Krieg traten viele Mitglieder von Neu Beginnen der SPD bei.

In der Ende Juli 1934 erschienenen Broschüre Was ist Klassenbewußtsein? (S. 9f) schrieb Reich:

In der vor kurzem erschienenen Broschüre Neu beginnen wird sehr richtig die Forderung nach einer „revolutionären Partei“, nach einer im vollen Sinne des Wortes revolutionären Führung gestellt, das Vorhandensein von Klassenbewußtsein im Proletariat jedoch geleugnet:

„Die Grundlage aller ihrer (der II und III. Internationale) Einsichten und Handlungen bildet der Glaube an eine dem Proletariat innewohnende revolutionäre Spontaneität … Wie aber, wenn eine solche revolutionäre Spontaneität nur in den Köpfen der sozialistischen Parteien, aber nicht in der Wirklichkeit existierte? — Wenn das Proletariat von sich aus, also von natürlichen gesellschaftlichen Kräften, gar nicht zum ‚sozialistischen Endkampf‘ getrieben würde … Unfähig anders zu denken als in ihren Dogmen und Thesen, glauben sie mit geradezu religiöser Inbrunst an spontane Revolutionskräfte…“ (S. 6)

Der beispiellos heroische Kampf der österreichischen Arbeiter vom 12.— 16. Februar 1934 beweist, daß es sehr wohl revolutionäre Spontaneität ohne ein Bewußtsein vom „sozialistischen Endkampf“ geben kann. Revolutionäre Spontaneität und Bewußtsein vom „Endkampf“ sind zwei verschiedene Dinge.

Die Führung muß also, so lautet die Konsequenz, das revolutionäre Bewußtsein in die Masse tragen. Zweifellos muß sie das! Aber wie, fragen wir nun, wenn wir noch gar nicht genau Bescheid wüßten über das, was wir revolutionäres Bewußtsein nennen?

Man sieht, daß bei Löwenheim einige Elemente des Reichschen Denkens anklingen – und wie gleichzeitig dessen auf den Staat fixierte Vorstellungen und dessen Konzept einer Konspiration einer Kaderorganisation, die wie ein Nachrichtendienst organisiert ist, all dem zuwiderläufen, wofür Reichs sich damals zu entwickeln beginnendes Konzept der Arbeitsdemokratie steht. Es ist nicht übertrieben Löwenheim als „Roten Faschisten“ zu bezeichnen!

Und das ist mehr als bloße Theorie, denn Nachkriegsdeutschland wurde in entscheidenden Bereichen von der Ideologie und sogar den Kadern Neu Beginnens geprägt, wie bereits in Der Rote Faden: William S. Schlamm (Teil 3) erläutert. Heute, wo „Wissenschaft“, Medien und Politik flächendeckend vom linken Geist durchdrungen sind, leben wir mehr in einer „Neu-Beginnen-Welt“ als je zuvor. Es ist eine zutiefst totalitäre Welt, die instinktiv Reich-feindlich ist.

Reich war von sozialistischen Geheimorganisationen nach Art von Neu Beginnen geradezu eingekreist. Er selbst war nie Mitglied eines dieser Kulte, wenn man mal von der sektiererischen KPÖ absieht. Mit der genannten kurzzeitigen Ausnahme hat Reich nie einen Hehl aus seinen Ansichten gemacht, während er von Leuten umgeben war, die fast durchweg eine Maske aufgesetzt hatten und geheimen Agenden folgten. Den Grundunterschied zwischen der Orgonomie und der „Neu-Beginnen-Mimikry“ hat Theodore P. Wolfe in einem ganz anderen Zusammenhang beschrieben:

Auch hört man oft das Argument, daß Theorie und Praxis nicht notwendigerweise miteinander verbunden sind; daß man die eine Art von theoretischem Konzept und eine andere Art von Praxis haben kann. Das ist ein gefährlicher Irrtum und Selbstbetrug. (Translator’s Preface to Second Edition, Character-Analysis, New York 1949, S. XIV)

Reich hätte niemals ein Mitglied dieser Politkulte sein können, aber seine damaligen Anhänger waren es, zumindest Sympathisanten. Betrachten wir Willy Brandt als Beispiel:

Während des Zweiten Weltkriegs hielt sich das SAP-Mitglied Jacob Walcher in den USA auf, wo aus ihm ein Kommunist wurde. Nach Ende des Krieges ging er in die sowjetisch besetzte Zone und war dort Herausgeber einer Gewerkschaftszeitung. Einige Jahre später fiel er in Ungnade. Schon 1931 war Walcher als „Rechtsabweichler” aus der KPD ausgeschlossen worden. 1932 trat er der Führungsriege der SAP bei und leitete die Auslandsabteilung der Partei. Aber bereits aus seiner Zusammenarbeit mit kommunistischen Gruppen, die sich in Opposition zu Moskau befanden („Kommunistische Opposition“), kannte Walcher die norwegische Gruppe „Mot Dag“.

Mot Dag war ein Unikum. Die ordensartige Organisation entstand kurz nach dem Ersten Weltkrieg als eine Gruppe von Studenten und jungen Akademikern, die Mitglied der Norwegischen Arbeiterpartei waren. 1923 verließ Mot Dag die Komintern zusammen mit der Mehrheit der Norwegischen Arbeiterpartei. Zwei Jahre später wurde Mot Dag jedoch von der Norwegischen Arbeiterpartei ausgeschlossen und schloß sich für einige Zeit der KP an. Im Sommer 1933, also gleich nach seiner Ankunft in Norwegen, brachte Walcher Brandt mit Erling Falk in Kontakt, dem Leiter von Mot Dag (Willy Brandt: Mein Weg nach Berlin, München 1960).

Brandt war bei Mot Dag sehr aktiv und ab Juni 1934 gehörte er sogar dem Vorstand an, wurde u.a. Vorsitzender und Verkaufsleiter. Er hatte viele Funktionen in den Unterorganisationen von Mot Dag inne. Außerdem gehörte er der Redaktion der Zeitschrift Mot Dag an. Falk und sein innerer Zirkel hatte den Willen und die Fähigkeit Leute an sich zu binden. Brandt brauchte mehr als ein Jahr, um sich wieder zu befreien. Er hatte der Mot Dag mitzuteilen, was im Jugendverband der Norwegischen Arbeiterpartei vor sich ging. Dergestalt wurde er in etwas verstrickt, was ihm zuwider war, vor allem, weil sie aus allem ein so großes Geheimnis machten, auch wußte er nicht, was Sinn und Zweck des ganzen sein sollte (Willy Brandt: Links und Frei. Mein Weg 1930-1950, Hamburg 1982).

Von allen Organisationen in Norwegen kam Mot Dag einer Kaderorganisation am nächsten. Die elitäre Gruppe war wie eine Sekte organisiert. Sie hatte in Oslo etwa 100 Mitglieder, einige Dutzend in Trondheim und einige andere in anderen Städten. Die Mitglieder waren Intellektuelle, die fast durchweg aus bürgerlichen Familien stammten. Es waren Rechtsanwälte, Ärzte, Architekten, Gymnasiallehrer, wissenschaftliche Mitarbeiter, etc. Ursprünglich war Mot Dag eine reine Männergruppe, erst später traten ein paar Frauen bei. Einen nicht geringen Anteil ihres Einkommens hatten die Mitglieder abzutreten. Wer zusätzliches Geld benötigte, mußte einen entsprechenden Antrag stellen. Es war eine Selbstverständlichkeit sein Erbe zu überschreiben und Mitglieder mußten sich in fragwürdigen Wirtschaftsaktivitäten von Mot Dag engagieren. Brandt war ein Sonderfall, da er aus der Arbeiterklasse kam. Aus diesem Grund fiel er nicht lange auf den Elitismus und die Losgelöstheit Mot Dags von der gesellschaftlichen Realität herein. Im Frühjahr 1935 trennte er sich von der Gruppe. Brandt vergleicht ihren Elitismus mit dem der Bolschewisten und ihrer französischen Vorgänger und auch so manchen Ideologen der Neuen Linken Ende der 1960er Jahre (ebd.).

Es wurde auf strikte Disziplin gehalten. Jeder hatte seine spezielle Aufgabe. Führende Mitglieder hatten Schlüsselpositionen in Frontorganisationen inne. Mot Dag hatte eine Büroetage mit einer Bibliothek und einer Küche, wo viele Mot Dagisten aßen, sogar frühstückten. Die Freizeit wurde gemeinsam verbracht. Unter Falks autoritärer aber auch inspirierender Führung konnte eine verhältnismäßig kleine Gruppe sehr viel erreichen. Sie gab die bereits erwähnte Zeitschrift Mot Dag heraus (1933-1936), führte ein Verlagshaus, stellte eine sechsbändige „Arbeiter-Enzyklopädie“ zusammen, beherrschte wichtige Studentenbünde, hielt eine Abendschule aufrecht. Pionierarbeit wurde geleistet mit einer Zeitschrift für Sexualerziehung. (ebd.) (Wahrscheinleich meint Brandt die Populärt tidsskrift for seksuell oplysning.)

Mot Dag hatte großen Einfluß auf das akademische Leben Norwegens, weniger auf die Politik. Das änderte sich erst als ihre Mitglieder der norwegischen Arbeiterpartei beitraten und in höchste Positionen aufstiegen.

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8 Antworten to “Der Rote Faden: Die Leninistische Organisation (Teil 1)”

  1. Robert (Berlin) Says:

    Wie schon mal erwähnt, hat Reich Miles Schrift in seiner Massenpsychologie zitiert (der Begriff „subjektiver Idealismus“).
    „Löwenheim vergleicht die Sowjetunion sogar mit Hitler-Deutschland und dem faschistischen Italien: alle drei seien zentralisierte Parteistaaten.“
    Dies war damals eine gängige Ansicht. Auch Roosevelts New Deal wurde häufig dazugezählt. Wie Mussolini meinte, Faschismus ist ein Bürgerlicher Staat ohne bürgerliche Freiheiten und dazu zählte man auch die Planwirtschaft des New Deal, sein Verbot des Privateigentums von Gold etc.

  2. Robert (Berlin) Says:

    Der Einfluss einer so kleinen Gruppe ist natürlich nur in einem Agrarland wie Norwegen möglich gewesen, das nur wenige mio. Einwohner hat. Da Norwegen heute rund 5 mio. Einwohner hat, dürften es damals vermutlich 3-4 Mio. gewesen sein.

    Tidsskriftet Mot Dag (1921-1936)

    http://www.marxists.org/norsk/reference/Mot%20Dag/index.html

  3. Der Rote Faden: Exil in Norwegen « Nachrichtenbrief Says:

    […] Hoel, der ursprünglich Mot Dag nahestand, war 2 1/2 Jahre bei Reich in Behandlung. Zum Kreis um Reich gehörten Hoel, Arnulf […]

  4. Robert (Berlin) Says:

    Deckname “Willy Brandt”: Die Deutschen gedenken einem mysteriösen Agenten ohne Wurzeln

    http://recentr.com/2013/12/deckname-willy-brandt-die-deutschen-gedenken-einem-mysteriosen-agenten-ohne-wurzeln/

  5. Robert (Berlin) Says:

    Willy Brandt: Ein Leben, ein Jahrhundert.
    Hans-Joachim Noack, Rowohlt Berlin (2013)

    Zitate:
    Mit Genossen zu paktieren, die einen von Kompromisslosigkeit gekennzeichneten proletarischen Weltherrschaftsanspruch vertreten, hält er jedenfalls in den ersten beiden Jahren seiner Emigration für dringend vonnöten. Neben Walcher und dessen Gefährten, dem «Mot-Dag-Oberguru» Erling Falk, fasziniert ihn vor allem der nach Norwegen geflüchtete Analytiker und Marxist Wilhelm Reich, ein Schüler Sigmund Freuds, mit dem er bald einen intensiven Umgang pflegt. Dem Autor der «Massenpsychologie des Faschismus» verdankt der von Kindheitsproblemen beladene Arbeiterjunge aus Lübeck nicht nur einen deutlich erweiterten Politikbegriff, sondern auch Einblicke «in die Dunkelkammer der Seele».

    Einen maßgeblichen Anteil daran, dass es ihm trotz der politischen Wirren «so gut wie selten» geht, haben auch tiefgreifende Einschnitte in seinem Privatleben. Im Frühling 1939 verlässt Gertrude Meyer, seine treue Gefährtin und «Ehefrau» Gunnar Gaaslands, die bis dahin gemeinsame Wohnung. Bei allem weltanschaulichen Gleichklang ist man privat mehr und mehr getrennte Wege gegangen, und die Lübecker Jugendfreundin zieht es nun in die USA: Sie folgt dem Sexualwissenschaftler Wilhelm Reich, für den sie bereits seit längerem arbeitet, an die New Yorker Columbia-Universität.

    Wann immer Willy Brandt einen Einblick in sein Innenleben gewährt – was selten genug geschieht –, beschränkt er sich auf einige kärgliche Sätze wie jenen, wonach er in seiner Jugend zwar viele Freunde gehabt habe, nur genau genommen nie einen richtigen. In Norwegen ist er dann schon erwachsen, als er 1934 auf den Analytiker Wilhelm Reich trifft, dessen Lehren ihn offenbar beschäftigen. Der Exilant beginnt zu erahnen, dass der Mensch nicht allein ein Produkt der Gesellschaft ist, sondern zumindest ebenso sehr von Erbanlagen abhängig, doch um seine Psyche näher durchleuchten zu lassen, fehlt es ihm letztlich schlicht an Neugier.

    Willy Brandt selber öffnet dagegen zu seiner schwierigen Innenwelt nur selten einen Spalt weit die Tür. In «Links und frei» entsinnt sich der Autor, der als ehemaliger Journalist eitel genug ist, jeden der von ihm entwickelten politischen Gedankengänge für die Nachwelt sorgsam zu archivieren, seiner Bekanntschaft mit dem ebenfalls nach Skandinavien emigrierten berühmten Psychiater Wilhelm Reich und deutet in einigen oberflächlichen Sätzen sein zeitweiliges Interesse an einer professionellen «Seelenforschung» an. Das sei dann allerdings rasch wieder erlahmt. Auf solche Weise «die Entwirrung von Kindheitsproblemen zu versuchen», hakt er die Episode kurzerhand ab, habe er in seinem Fall nicht für angebracht gehalten.

    Zitate Seiten 67, 82, 97, 329

  6. Peter Nasselstein Says:

    Schlag der Linken aufs Maul, wenn immer du kannst!

    http://antaios.de/detail/index/sArticle/32512

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