Orgonometrie (Teil 2): Kapitel VI.16.

orgonometrieteil12

I. Zusammenfassung

II. Die Hauptgleichung

III. Reichs „Freudo-Marxismus“

IV. Reichs Beitrag zur Psychosomatik

V. Reichs Biophysik

VI. Äther, Gott und Teufel

1. Der modern-liberale (pseudo-liberale) Charakter

2. Spiritualität und die sensationelle Pest

3. Die Biologie zwischen links und rechts

4. Der bioenergetische Hintergrund der Klassenstruktur

5. Die Illusion vom Paradies und die zwei Arten von „Magie“

6. Die gesellschaftlichen Tabus

7. Animismus, Polytheismus, Monotheismus

8. Dreifaltigkeit

9. „Ätherströme“, Überlagerung und gleichzeitige Wirkung

10. Die Schöpfungsfunktion

11. Die Rechtslastigkeit der Naturwissenschaft

12. Bewegung und Bezugssystem

13. Der Geist in der Maschine

14. Orgonomie ist Wissenschaft, keine Naturphilosophie!

15. Die Identitätsphilosophie

16. Das Wesen des Marxismus

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17 Antworten to “Orgonometrie (Teil 2): Kapitel VI.16.”

  1. Sebastian Says:

    Was sagen Sie dazu, dass es in einem Eigentumssystem primär darum geht Kreditverträge zu erfüllen und – wenn überhaupt – nur sekundär um die Befriedigung von Bedürfnissen?

    Was sagen Sie dazu, dass der Kredit als Ausgangspunkt des Wirtschaftens eine Mangelstruktur ist, weil am Ende der Frist mehr zurückgezahlt werden muss als man erhalten hat?

    Wie passen diese strukturellen Zwänge zum natürlichen, selbstregulatorischen Prinzip?

    • Peter Nasselstein Says:

      Die Ökonomie wird durch die Aufnahme von Kredit (Ladung mit etwas, das durch Arbeit geschaffen wurde) und Begleichung der Kreditschuld (Entladung durch Arbeit) angetrieben. Beide Seiten sind von „Gewinnstreben“ getrieben, denn sonst würden sie weder einen Kredit geben noch „Schulden machen“. Wo ist also das Problem?

  2. Sebastian Says:

    Nein, Kredit wird aufgenommen, wenn man Eigentum belasten kann. Durch Arbeit wurde Eigentum nicht geschaffen, sondern durch Rechtsakt. Eigentum ist keine Sache, sondern ein Recht und kann man nur verstehen, wenn man den Unterschied zwischen Eigentum und Besitz kennt. Das kann leider, außer die Eigentumstheorie von Heinsohn/Steiger sowie der Debitismus von Paul C. Martin, keine Wirtschaftstheorie.

    Das Problem ist, dass es um Geld geht, statt um Bedürfnisse, das man zu einem bestimmten Zeitpunkt + Zins zurückzahlen muss. Alles ist willkürlich festgelegt und wenn man die Kreditschuld nicht fristgerecht leisten kann, weil es einem möglicherweise gerade schlecht geht, wird man entweder Schuldknecht (Antike, frühe Neuzeit), muss in den Schuldturm (Neuzeit) oder es wird gepfändet (heute). Zwang, wohin man schaut.

    Gewinnstreben ist eine psychologische Kategorie und will ich gar nicht in Frage stellen. Dadurch kann aber nicht die Dynamik eines Eigentumsystems erklären, weil in einem feudalen oder stammesgesellschaftlichen System auch Menschen sind. Wieso sind diese Systeme nicht so dynamisch? Als ich Volkswirtschaft studiert habe, habe ich mich vor allem auf die ökonomischen Tatsachen konzentriert. Gewinnstreben hin oder her. Es muss immer Zins geleistet werden, auf Gedeih und Verderb. Bei Nichtleistung drohen existenzielle Sanktionen. Dieser Zwang muss auch den genitalen Charakter als Kreditnehmer in Notsituationen erfindungsreich machen. ZB werden künstliche Bedürfnisse hervorgerufen (durch Werbung) oder im schlimmsten Fall Menschen durch Produkte abhängig gemacht.

    Es geht primär immer um Geld. Das ist das Problem.

  3. Robert (Berlin) Says:

    Kredit (Ladung mit etwas, das durch Arbeit geschaffen wurde

    Nein, der Kredit wird im Gegenteil nicht durch Arbeit geschaffen. Er ist auch nicht durch einen Wert gedeckt. Kredit wird von der Bank gegeben, ohne dass sie ihn real hat, sie arbeitet mit Buchgeld (Giralgeld) und hat nur 5-10% ihrer Finanzen (je nach Land) als Realvermögen.

    • Sebastian Says:

      Ja, bei Kreditvergabe wird nichts weitergegeben, was vorher da war. Das ist eine dingliche Vorstellung und deutet darauf hin, dass man nicht weiß, was Geld ist. Auch Marx wusste es nicht und fabulierte die Entstehung des Geldes aus dem Tausch. Es ist zwar eine einfache und verständliche Erklärung, sie hat nur nichts mit der Realität zu tun. Die historische und anthropologische Forschung hat fieberhaft nach Belegen für ihre Schreibtischtheorien gesucht und nichts gefunden. Es ist nach Heinsohn/Steiger „wirtschaftswissenschaftliche Folklore“.

      Aber was meinen Sie mit Realvermögen? Man muss da ganz genau hingucken, was die Geschäftsbank wirklich braucht, um Kredite zu vergeben. Sie hat in Europa Mindestreservepflichten (Mindestreserven sind Kredite von der ZB, die die GB durch befristete Weggabe eines Aktivums bekommt) zu erfüllen, die über einen bestimmten Zeitraum durchschnittlich erfüllt sein müssen. Dh, dass bei Kreditvergabe keine Mindestreserve vorliegen muss.

      Außerdem hat sie gesetzliche Eigenkapitalgrundsätze zu beachten. Was ist Eigenkapital? Realvermögen? Meinen Sie damit Reinvermögen? Eigenkapital ist das, was nach Abzug der Schulden übrig bleibt. Das muss nicht notwendigerweise Realvermögen iSv Dingen sein, sondern können auch Forderungen sein.

      Was heißt das jetzt? Es geht hier nur um eine Begrenzung des Kreditangebots, nicht darum, ob vorher etwas da sein muss, was dann weitergereicht wird. Das ist eine wissenschaftlich nicht haltbare Aussage. Buchungstechnisch stellt sich die Vergabe eines Kredites folgendermaßen dar: Bilanzverlängerung. Nicht mehr, nicht weniger. Aus den Buchungssätzen wird ganz deutlich, was bei Kreditvergabe geschieht und zeigt, dass da nichts weitergegeben wird, was vorher da war.

      Der Vollständigkeit halber sei noch gesagt, dass auch nachfrageseitig Begrenzungen der Kreditsumme bestehen. Einmal durch den Willen potentieller Kreditnehmer, obwohl das in Notzeiten auch wieder anders aussieht (Zwangsanleihe), und durch das unbelastete Eigentum.

      http://eigentumsoekonomik.de/docs/AP-2-Enghofer-Knospe-formatiert.pdf

      • Peter Nasselstein Says:

        Moment mal, Heinsohn und Steiger vertreten einen rein kulturtheoretischen Ansatz, in dem Tausch nicht quasi evolutionstheoretisch von einem biologischen Grundbedürfnis heraus erklärt wird, sondern aus plötzlichen revolutionären Umbrüchen, bei denen willkürlich („aus Machtvollkommenheit“) Recht gesetzt wurde.

        Eine solche Theorie mag richtig sein, widerspricht aber auf fundamentaler Weise der Orgonomie („Physik → Biologie → Kultur“). Diese grundlegende Unvereinbarkeit wird dadurch verschleiert, daß Heinsohn und Steiger natürlich teilweise Recht haben: es gab einen „Einbruch der sexuellen Zwangsmoral“, der weitgehend dem entspricht was Heinsohn und Steiger annehmen (na, jedenfalls könnte man ihre Theorie entsprechend umgestalten).

        • Peter Nasselstein Says:

          Heinsohn ist (wenn man so sagen kann) auf metatheoretischer Ebene ein Katastrophist. Nichts entwickelt sich organisch: Bumm und vor gerade mal 5000 Jahren (sic!) tritt der Mensch auf den Plan, Bumm, Bumm, Bumm eine Gesellschaftsformation löst die andere ab, Bumm die Wirtschaft (Eigentumswirtschaft) tritt auf den Plan. Ich kann mir kaum eine Weltsicht vorstellen, die einer bioenergetischen Anschauung ferner ist. Wobei Heinsohn natürlich in den meisten isolierten Einzelfragen durchaus Recht hat, etwa in seinen Auslassungen über die „überschüssigen Söhne“.

      • Robert (Berlin) Says:

        Aber was meinen Sie mit Realvermögen?
        Barreserve und Mindestreserve.

      • Sebastian Says:

        Ja, richtig, Heinsohn ist ein Katastrophist. Ein Katastrophist ist aber nicht jemand, der organische Entwicklung leugnet. Jedenfalls habe ich das bei Heinsohn/Steiger nie gelesen. Sie untersuchen die Bedeutung von Katastrophen, in denen die Entwicklung kurzzeitig beschleunigt wird. Eine Revolution ist keine Katastrophe im H/Sschen Sinne, wie Sie zu glauben scheinen. Sie ist Folge einer (Hungers-)Katastrophe (oder Epidemie). Sie gehen von verschiedenen kulturellen Systemen aus und sie beschreiben sogar die Stammesgesellschaft (also auch das Matriarchat) als Zwangssystem. Das sehe ich überhaupt nicht so. Ihre Freiheitsdefinition halte ich für absurd (diese würde wahrsch. Ihnen wieder besser gefallen). In ihrem Hexen-Buch schreiben sie auch etwas über Reich. Das ist extreme irrationale Krittelei und unerträglich.

        Nichts desto trotz haben sie die wirtschaftswissenschaftlichen Schreibtischkonstruktionen mit dem aktuellen Stand der Forschung widerlegt, was man nicht mit dem Hinweis „Ist kein evolutionärer Ansatz, deshalb abgelehnt!“ wegwischen kann. Es ist auch nicht richtig, dass Tausch aus plötzlichen revolutionären Umbrüchen erklärt wird. Wenn sie etwas aus revolutionären Umbrüchen erklären, dann ist das Eigentum. Weiterhin ist es nicht richtig, dass die Eigentumstheorie eine bloße Kulturtheorie ist. Sie ist Ökonomie im strengen Sinne des Wortes: „Das stammesgriechische und auch das feudalmykenische Haus (=oikus), das lediglich genutzt wurde, wird – wie zu zeigen – in der polis als >Eigentum< einem Netz von Vertragsrechten (=nomoi) unterworfen, das nun jene Wirtschaft herbeizwingt, die der Öko-Nomie ihr Thema stellt." (Eigentum, Zins und Geld, 5. Aufl., S. 92)

        Tausch nennt sich in der anthropologischen Forschung "Reziprozität", was etwas ganz anderes ist als der ökonomische Tausch der Wirtschaftswissenschaften, aus dem die Phantasten das Geld hervorgehen lassen. Diese Reziprozität gibt es auch heute noch, nur hat sie nichts mit Geld zu tun. Zb schenken wir uns gegenseitig etwas zu Weihnachten, wobei die Tauschverhältnisse vollkommen unbestimmt sind. Das Eigentumssystem hat in seinen Prinzipien nichts mit einem Äquivalenten-Tausch (Marx) zu tun.

        Natürlich ist das Eigentumssystem nicht bioenergetisch gesund, es ist eine Institution von Biopathen. Es gibt eine strukturelle Geldknappheit (siehe Link), wie soll man diese Mangelstruktur bioenergetisch erklären? Wie soll man den durch den Zins hervorgerufenen Wachstumszwang anders erklären als eine chronische Expansion, die seit Jahrhunderten immer wieder zum Zusammenbruch führt, wenn sie nicht aufrecht erhalten wird (siehe Realität)? Normalerweise erlebt man den Orgasmus doch als tiefe Befriedigung und nicht als elendigen Zusammenbruch.

        Heinsohn/Steiger halten das Eigentumssystem übrigens für das beste, was es bisher gegeben hat. Da würden Sie, denke ich, auch zusammenfinden.😉

        Die Orgonomie hat sich Ihrer Aussage zu Folge auf die österreichische Nationalökonomie eingeschossen. Ich kenne nicht genau deren Definition von Geld, habe nur Carl Menger ein wenig gelesen, der auch das Tauschmärchen erzählt. Diese psychologischen Wirtschaftstheorien sind Theorien über den Menschen ganz allgemein und erklären mir nicht, warum es kein Eigentum, kein Kredit, kein Zins, kein Geld, kein Kauf, kein Verkauf, kein Kapital, kein Wert, keinen Preis, keine Wirtschaftskrisen und keine exponentielle Wachstumsdynamik, also keine ökonomischen Kategorien in feudalen oder stammesgesellschaftlichen Systemen gibt. Vllt wäre das ein gutes Thema für meine Diplom-Arbeit. Mir ist nur in Diskussionen mit Anhängern aufgefallen, dass sie ahnungslos bezüglich der Grundlagen des Geldes sind und am liebsten über Inflation und Deflation reden.

        • Sebastian Says:

          Tippfehler: Es muss „oikos“ heißen.

        • Peter Nasselstein Says:

          Bei Hayek & Co. dreht sich sich alles zentral um die Wahrung von Eigentumsrecht und Privatsphäre. Alle Vorgaben dienen ausschließlich der Sicherung dieser Grundvoraussetzungen einer „komplexen spontanen Ordnung“ (= Reichs Arbeitsdemokratie). Die folgenden Stichworte erklären, warum die Orgonomie so von Hayek begeistert ist:

          http://www.soz.ganymed.org/lva/freiheit/hayek.html

          Daß es etwa bei den Trobriandern kein Eigentum und keine Privatsphäre gab, hat Malinowski bestritten. Behauptungen in andere Richtung halte ich für ein Mißverständnis ähnlich dem, daß „Primitive“ keine sexuelle Scham kennen. Völliger Unsinn. Ob das auch für Eigentum, etc. gilt – ich glaube schon.

          Das ist aber schon die Grenze dessen, was zu dem ganzen noch sagen kann.

        • Sebastian Says:

          Man muss da genau hingucken, wie etwas definiert wird. Malinowski war kein Jurist und die alltägliche Vorstellung von Eigentum weicht von dem juristischen Begriff erheblich ab.

          Zb sprachen Marx und Co. von Privateigentum und meinten damit alle Sachen, die privat genutzt (sic!) werden. Die Produktionsmittel (Sachen!!) sollten nun vergesellschaftet werden. Ohne es zu merken, sprachen sie von Besitz. Sie benutzen die Begriffe Besitz und Eigentum synonym.

          Den zweiten Fehler, den man machen kann, ist, wenn man meint, dass die Existenz einer Vorstellung im Denken von „Mein“ und „Dein“ beweisen würde, dass Eigentum schon bei den Trobriandern rudimentär entwickelt war. Denn damit blendet man den fundamentalen Unterschied zwischen Recht und Moral aus.

          Das möchte ich hier mal ausführen, weil die Orgonomie mMn hiervon erkenntnismäßig sehr profitieren könnte.

          Eigentum ist ein umfassendes HERRSCHAFTSRECHT. Es setzt also Herrschaft und Recht voraus. Die Wirkungsweise des Rechts ist seinem Wesen nach mit Zwang verbunden, alle Rechtssätze sind letztendlich Befehle. Recht leitet sich ab von rectum, regere, rex, und bedeutet lenken, beherrschen, regieren. Herrschaft ist eine dauerhafte und institutionalisierte Form von Über- und Unterordnung. Sie ist statisch, dh sie pulsiert nicht und ist damit unlebendig. Das Recht ist dazu da Herrschaft zu stabilisieren. Im Gegensatz zur sexualökonomischen Moral, die selbstregulatorisch wirkt, beruht das Recht seinem Wesen nach also auf Unbeweglichkeit und Zwang. Eine Rechtsordnung ist das absolute Gegenteil einer spontanen Ordnung.

          Vergleichen Sie moralische mit rechtlichen Normen. Welche halten Sie für flexibler? Selbst unsere Zwangsmoral ist noch flexibler als das Recht. Es gibt keine unbeweglicheren Normen als rechtliche und sie breiten sich aus wie Krebs! Gehen Sie in eine juristische Fakultät und gucken Sie sich die Studenten und Professoren an. Vergleichen Sie das zB mit Studenten und Professoren der Sozialwissenschaften. Bei den Juristen glauben Sie Reichs leibhaftigen homo normalis (Rede an den kleinen Mann, S.87) und lauter kleiner Männer (ebd, S.12) vor Augen zu haben. Ich bin selbst mit vielen Juristen befreundet. Depressionen, Zwänge, Tumore, Migräne, körperliche Versteifungen sind da Gang und Gebe. Teilweise sehen die aus wie Untote!! Als ich Reichs Rede an den kleinen Mann gelesen habe, fiel es mir wie Schuppen von den Augen, weil ich dachte er beschreibt den Prototypus eines Juristen.

          Wenn man also gerne aus einem evolutionären, organischen Denken heraus möchte, dass es Eigentum schon bei den Trobriandern gegeben haben soll, dann darf man die fundamentale Änderung der Institution von einem sexualökonomischen Moralbegriff zu einem zwangsmoralischen Rechtsbegriff nicht ausblenden.

          • Peter Nasselstein Says:

            Neben den Medizinern sind, mit einigem Abstand, aber immerhin, Rechtsanwälte die zweite Berufsgruppe, die sich in der Orgonomie hervorgetan haben. Im Journal of Orgonomy sind einige Artikel von Rechtsanwälten erschienen. Reich selbst hatte ein Semester Jura studiert, bevor er zur Medizin wechselte, und in seinen letzten Jahren nahm er gewisserweise sein Studium wieder auf („legal writings“). Das Denken in Rechtsbegriffen ist der Orgonomie also alles andere als fremd.

            Während Du eindeutig einen Rechtspositivismus (Sollen folgt nicht aus Sein, Recht und Moral sind streng voneinander zu unterscheiden) vertrittst, stand Reich für das Naturrecht ohne das es beispielsweise keine Menschenrechte und kein Völkerrecht gäbe. Die US-Verfassung und das Grundgesetz beruhen auf fundamentale Weise auf dem Naturrecht (inklusive WIDERSTANDSRECHTS, ja Pflicht!) – und beide werden in dieser Hinsicht systematisch von Rechtsverdrehern ausgehöhlt. (Das war das Hauptthema von Reichs Prozeß – wobei leider wohl nur Reich selbst erfaßt hat, worum es ging!)

            • Sebastian Says:

              „Sollen folgt nicht aus Sein“

              Wann habe ich das gesagt? Im Gegenteil, ich habe Reich eindeutig zugestimmt, indem ich die sexualökonomische Moral bejahte. Moral sind Sollenssätze und sie folgen aus dem Sein.

              Dass ich Recht und Moral voneinander trenne, ist nur teilweise richtig. Ich würde es eher so sagen, dass moralische Normen rechtlichen widersprechen können, aber nicht müssen. In der Tat ist die herrschende Zwangsmoral im herrschenden Recht ziemlich eindeutig kodifiziert und damit noch stabiler etabliert als würde es kein Recht geben.

              Viel wichtiger ist die Trennung von Recht und Natur. Natur und Recht passen aus den genannten Gründen nicht zusammen. Was hat das bloß mit „Sollen folgt nicht aus Sein“ zu tun?

              Ja, den Begriff „Naturrecht“ habe ich bei Reich auch schon mal gelesen und war überrascht. Nicht weil er etwas Natürliches fest im sozialen Gefüge verankern wollte, sondern weil er andeutet es mit dem Mittel des Rechts versuchen zu wollen, obwohl die Rechtsordnung – wie gesagt – das genaue Gegenteil einer spontanen Ordnung ist. Wie passt das Recht zu seiner Anschauung über den Körper (Gehirn nicht die oberste Zentrale, die alle anderen Organe steuert), zur Arbeitsdemokratie (organisches Absterben der zentralen Gewalt, des Staates), zur Selbstregulation usw.? Verstehe ich nicht.

              Ein Semester Jura ist auch nicht viel. Was war noch der Grund, weswegen er aufgehört hat? Bei Laska (1981, S. 15) lese ich, Reich meine, „daß die antisozialen Handlungen der Menschen nicht als Verbrechen, sondern als Krankheiten anzusehen, daß sie also nicht zu bestrafen, sondern zu heilen und vorzubeugen sind.“ Noch so etwas, was gegen das Recht spricht… Das Zitat finde ich aber in meiner Auflage nicht.

              Wenn ich mich recht erinnere, war er später darüber begeistert, dass die US-amerikanische Unabhängigkeitserklärung als einzige das „Streben nach Glück“ verbindlich festschrieb. Gut, das kann ich verstehen, wenn die Arbeitsdemokratie sich organisch entwickeln soll. Ein sexualökonomisches Prinzip gegen was weiß ich wie viele zwangsmoralische, ist besser als keines.

              Okay, Journal of Orgonomy. Muss ich mir merken. Vielleicht steht da ja Genaueres.

              • Peter Nasselstein Says:

                Reich war Jude und Juden haben damals zwei Fächer studiert („Brotstudium“): Jura oder Medizin. Gewechselt hat er, weil ihn ein alter Gymnasialkollege dazu geraten hat. „Willy, Medizin ist doch viel interessanter!“ (oder so ähnlich).

                Warum Recht? Nach Hans Hass benötigen wir ein Rechtssystem, weil wir unsere zusätzlichen Organe, etwa ein Auto, nicht wie unsere natürlichen Organe schützen können, insbesondere aber das „Universalorgan“ Geld. Außerdem muß der Gebrauch dieser Organe geregelt werden. Für „Spontanität“ ist da wenig Platz. Man denke nur an die Straßenverkehrsordnung.

                Aus orgonomischer Sicht soll Recht uns vor allem vor der „Spontanität“ unserer Mitbürger schützen. Beispielsweise könnte meinem Vermieter „spontan“ die Idee kommen, mich aus der Wohnung zu werfen.

                Oder anders ausgedrückt: Recht schafft den Rahmen, in dem sich Spontanität erst entfalten kann und schützt vor dem Versagen der Panzerung bei Menschen, die ihre sekundären Triebe nicht mehr zurückhalten können.

  4. Peter Nasselstein Says:

    Seit Tagen will ich dieses Video in den Blog stellen, finde dafür aber keine Rechtfertigung:

    Anyway, Comedy so gut wie Laurel und Hardy. Komischer geht es nicht. Woher diese Wirkung? Es ist schlicht der Einbruch der lebendigen Anarchie in die Welt des mechanischen Rechts. Humor beruht auf dem Gegensatz von Lebendigkeit und Unlebendigkeit. Es ist die Befreiung der Orgonenergie aus der Panzerung.

    Im Video geht es um einen Scientology-Aussteiger, der vom Cult unter dem Vorwand eine „Dokumentation“ seit Monaten belagert wird. Das Recht es auf deren Seite – und das Lebendige entblößt die Lächerlichkeit (= Lebendiges benimmt sich Menchanisch), die ganze Idiotie des mechanisch angewandten Rechts.

    Am besten ohne Ton anschauen.

    Laurel und Hardy haben mit Vorliebe Polizisten gepiesakt und das Eigentum des Bürgertums zerstört.

    So sehr ich auch das Recht verteidige – ich sehe auch diese Seite.

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