Autoimmunbiopathien

In Der Krebs beschreibt Reich, wie das Gewebe an gepanzerten Stellen des Körpers bionös zerfällt und sich dort bevorzugt Tumoren bilden. Eine gegenteilige Reaktion finden wir bei Entzündungserkrankungen, hier zerfällt das Gewebe nicht an durch Panzerung „inaktivierten“ Stellen, sondern ganz im Gegenteil kommt es an diesen Stellen zu den klassischen Entzündungssymptomen „Rötung, Schwellung, Hitze, Schmerz“. (Obzwar natürlich jede Entzündung krebsig entarten kann). Der Orgontherapeut und Internist Robert A. Dew nennt in „The Biopathic Diathesis: Autoimmune Inflammatory Biopathies“ (Journal of Orgonomy, Vol. 3, No. 1, March 1969) diesen Entzündungsvorgang in Anlehnung an Reich (Der Krebs, Fischer TB, S. 318f und S. 370f) „Erstrahlung“.

Erstrahlung wird bei Krebspatienten zunehmend schwächer, während sie bei den entzündlichen Biopathien in den stark gepanzerten Bereichen überstark wird und so zerstörerisch wirkt.

Ich vermute, daß ganz allgemein in entzündlichen Autoimmunbiopathien die Panzerung des Patienten nicht in der Lage ist ausreichend Energie in sich zu binden, um Unheil abzuwenden. Sie hält jedoch den explosiven Drang zur Peripherie zurück. Diese Stauung ruft eine Erstrahlung hervor, d.h. das plasmatische System strebt danach die Stauung zu überwinden. Die Erstrahlung entspricht dem Krankheitszustand in seiner akuten Phase. Das häufige Auftreten von Hautläsionen bei diesen Erkrankungen deutet, so mein Eindruck, auf einen chaotischen Durchbruch an der Peripherie hin. (Dew, S. 79)

Dew weiter:

Was in den entzündlichen Biopathien generell geschieht, entspricht dem Entzünden von Schießpulver (Kernexpansion) im inneren eines geschlossenen starren Behälters (das gepanzerte Biosystem). Das Ergebnis ist eine Explosion, die verständlicherweise den Behälter zerstört. Offensichtlich ist die Kraft der Explosion von der Menge des Schießpulvers und der Starrheit des Behälters abhängig. (ebd., S. 75)

Es ist offensichtlich, daß diese Entzündungs-Krankheiten dann an den gepanzerten Stellen ausbrechen.

Aus orgonomischer Sicht sind Heuschnupfen, Asthma, Nesselsucht und aktopische Ekzeme segmentäre Erscheinungsformen ein und derselben Biopathie: Erstrahlung gegen Kontraktion durch bestimmte Panzerungen. Die unterschiedlichen betreffenden Allergene lösen einfach den Prozeß in jenen Segmenten aus, die zuvor durch die Blockierungen dafür „empfänglich“ gemacht worden sind. (ebd., S. 76)

So zeigt sich in diesen Biopathien an der erkrankten Haut unmittelbar die starke Segment-Panzerung, denn Hautkrankheiten wie Nesselsucht und Ekzeme entstehen durch eine pathologische Entladung der Energie mittels der Haut. „Viele dieser Erkrankungen tauchen meist während bestimmter Phasen der Therapie auf, wenn die Energie bis zur Haut durchbricht“ (Elsworth F. Baker: Der Mensch in der Falle, S. 288). Wie die Läsionen emotional sinnvoll auftreten, zeigt sich z.B. bei einer Patientin des Orgontherapeuten Morton Herskowitz:

Die Panzerung war bis auf das Becken bereits aufgelöst und nun sollte auch das Becken selbst gelöst und so die vollständige Heilung bewerkstelligt werden.

Als sie zu ihrer nächsten Sitzung erschien, machte sie den Eindruck, als kenne sie ein ganz großes Geheimnis. „Mensch, ich habe Ihnen etwas zu zeigen“, sagte sie (…): Als ich sie auf der Behandlungscouch betrachtete, war ein unscharfer rosaroter Ausschlag zu sehen, der von einer wohldefinierten Linie, die über die Mitte des Bauches reichte, ausging. „Sehen sie das“, fragte sie, „das ist ein rotes Licht und sagt ‚Stop!‘“. (Morton Herskowitz: „The Segmental Armoring“, Annals of the Institute for Orgonomic Science Vol. 4, September 1987, S. 86)

Reich selbst litt unter einer schweren Hautkrankheit mit Ausschlag (Psoriasis). Inwieweit diese einen biopathischen Hintergrund hatte, ist schwer zu sagen. Immerhin hat Reich so etwas im persönlichen Gespräch durchblicken lassen. Seine Sekretärin und zeitweilige Geliebte Lois Wyvell berichtet:

Als ich ihm begegnete war Reich in seinen Fünfzigern und die Haut seiner Hände und seines Gesichts war meist von roten Flecken leicht bedeckt, da wo die Haut irritiert war. Ein Ausbruch unterdrückter Wut, der nach seiner eigenen Aussage anfing, als er auf Ellis Island interniert wurde. Ilse Ollendorff und Elsworth Baker schreiben, es sei eine Hautkrankheit gewesen, die in seiner Kindheit begann und die wieder ausbrach, als er auf Ellis Island festgehalten wurde. Jene, die ähnliche Ausschläge gehabt haben, können sich nur wundern, wie ich es tue, daß er seine Haut nie gerieben oder sich gekratzt hat. Er schien es einfach nicht zur Kenntnis zu nehmen. (…) man bemerkte es nicht nach dem ersten Blick; der Mann selbst war bemerkenswert, nicht dieses Detail. (Lois Wyvell: „Orgone and You“, Offshoots of Orgonomy, No. 3, Autumn 1981, S. 4f)

Reichs guter Umgang mit seiner Hautkrankheit kann auch mit seinem Gebrauch des Orgonenergie-Akkumulators zu tun haben (vgl. A. Alan Cott: „Orgonomic Treatment of Ichthyosis“, Orgone Energy Bulletin, Vol. 3, No. 3, July 1951, S. 165).

An ihre Erinnerungen schließt Wyvell eine interessante Spekulation an:

Der Hautausschlag wies auf ein Ungleichgewicht hin, das durch eine soziale Notwendigkeit verursacht wurde. Es war ein direkter Weg, um die Wut teilweise zu entladen, die durch die ständigen Angriffe auf ihn verursacht wurde. Obwohl er seine Wut kaum zurückhielt, wenn er seinen Gefühlen freien Lauf ließ, verbaten ihm die Anforderungen des zwischenmenschlichen Umgangs und das Gesetz den vollständigen Ausdruck seiner Wut. Sein Körper mußte irgendwie das Gleichgewicht herstellen, da er ohne Unterlaß angegriffen wurde und nicht in einem Zustand dauernder Wut leben, arbeiten und lieben konnte; so quoll der Zorn durch die Haut heraus. (Wyvell, S. 5)

Siehe dazu auch Fury on Earth, wo Myron Sharaf auf den biopathischen Hintergrund von Reichs Hautkrankheit verweist (New York 1983, S. 47f und S. 63).

Baker schreibt über Allergien:

Es scheint, als ob das fremde Protein eine übermäßige (allergische) Energieerregung im Organismus hervorruft, wodurch eine Erweiterung eintritt, die der Organismus nicht ertragen kann. Es erfolgt eine Gegenkontraktion, die die Energie am Verlassen des Körpers hindert. Dann bläht die Energie, die zwischen dem Druck von innen und der Blockierung gefangen ist, die Gewebe auf. Juckreiz und Schmerzen sind die Folge von Lustempfindungen, die über der Toleranzgrenze liegen, wenn die Energie die Hautoberfläche erreicht. (Der Mensch in der Falle, S. 205f)

Merkwürdigerweise scheint, so Baker, „die Hauptblockierung meist im Augensegment zu liegen“ (ebd., S. 287). Auch vergleicht er die Allergien mit den Phobien, die ebenfalls eng mit dem okularen Segment verbunden sind:

Auch die Phobie scheint ein allergischer Zustand zu sein, nur ist sie auf den psychischen Beriech beschränkt. Auch hier ist ein Erregungsfaktor vorhanden, der eine übermäßige Erregung verursacht, und eine Gegenkontraktion, die starke Angst hervorruft. (…) ich habe Fälle erlebt, wo sich eine Phobie entwickelte, als der allergischer Zustand verschwand. Ich habe auch einen Fall erlebt, in dem das Umgekehrte eintrat (…) Menschen, die an diesen Erkrankungen leiden, scheinen überempfindlich zu sein, d.h. „dünnhäutig“ oder vom ektodermen Typus. Sie sind überempfindlich gegen ihre Umwelt, die für sie bedrohlich ist. Sie neigen dazu, sich zurückzuziehen, besonders in den Augen. In ihnen baut sich eine explosive, destruktive Wut auf, die sich gegen das als gefährlich ausgewählte Objekt richtet (…).Der Rückzug in den Augen ermöglicht wahrscheinlich die Projektion der Angst auf ein Symbol. (ebd., S. 294f)

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4 Antworten to “Autoimmunbiopathien”

  1. Robert (Berlin) Says:

    Psoriasis ist heute ausreichend genetisch erforscht und der Erbfaktor prozentual ermittelt. Häufig kommen Auslösefaktoren (z. B. Infekte, seelischer Stress) dazu, dass die Krankheit ausbricht. Mit den neuen Biologics können selbst schwerste Fälle behandelt werden. Nach durchschnittlich 15 Jahren des Bestehens geht die Krankheit nach Innen und auf die Knochengelenke. Man kann spekulieren, ob dann die Hautflechte nicht mehr ausreicht und die Energie nach innen wandert bzw. abnimmt.

  2. O. Says:

    „Psoriasis ist heute ausreichend genetisch erforscht und der Erbfaktor prozentual ermittelt.“ – Als Genetikskeptiker kenne ich die Beiträge der Genetik zur Therapie der Psoriasis nicht, aber die medizinischen Erfolge bleiben doch gerade hierbei aus, weil ein mechanistisches Verständnis vorliegt. Ein Erbfaktor erklärt nicht, wann diese Symptomatik ausbricht, sondern bestenfalls, dass ein Mensch eine Neigung (meinetwegen aufgrund einer genetischen Disposition) dazu hat. – Die Schädigung durch Umweltgifte halte ich für wahrscheinlicher, aber da mangelt es dann wohl an systematischer Forschung.
    Das in Notfällen verabreichte Kortison schafft bestenfalls kurzfristige Linderung und drückt die Symptomatik ins tiefere Gewebe, das dann bis zu den Knochen gehen kann. Das ist klare Stümperei!

    Mit Maria Trebens „Heilkräuter aus dem Garten Gottes“ und dem Verständnis von Reichs Bionforschung läßt sich schnelle und nachaltige Linderung innerhalb von wenigen Tagen erreichen und natürlich ist Stress (dessen Ursachen nicht immer leicht zu finden sind) zu vermeiden. Der Orgonakkumulator hilft hierbei nicht, obwohl man dies theoretisch annehmen könnte, um etwas Energie in die Peripherie zurückzugewinnen. Sonne und ein Bad im Meer sind gleichfalls sehr hilfreich (Urlaub am Strand) und das Vermeiden von seifenhaltigen, schäumenden Hygieneartikel.
    Die klassische Medizin (Hautärzte, die sich hierauf spezialisert haben) ist meines Erachtens hier sehr hilflos.

  3. O. Says:

    Es wäre noch zu ergänzen, dass Elektrosmog, der die Haut noch trockener macht, auch als Auslöser der Psoriasissymptome in Frage kommt, demnach ist Oranur zu vermeiden. Tierische und pflanzliche Fette (auch Olivenöl) haben auch keine dauerhafte Wirkung, da die Eigenproduktion der Hautfette reduziert wird. Sie lindern aber kurzfristig, wenn die Haut rissig wird.
    Die Praxis zeigt, dass man meist zu faul ist, sich den entsprechenden Aufguss (unbedingt frisch und gut warm) zuzubereiten und diesen Aufwand erst betreibt, wenn es richtig nötig ist … – eine dauerhafte Anwendung ist ja auch nicht notwendig, sondern gelegentlich dürfte ausreichen. Die Abstände des Wiederkehrens der Symptomatik werden größer und können mehrer Jahre und Jahrzehnte betragen.

    Da das Rezept viel zu simpel ist, kämpft man auch (ähnlich wie beim ORAC) mit den eigenen Glauben an die Wirkung. Doch die Wirkung ist unabhängig vom „Glauben“, jedoch muss man es schon anwenden, denn von allein, ändert sich wenig in kurzer Zeit. Und wen es wirklich interessiert, wird das Rezept nachlesen … ohne Fleiß – kein Preis. 😉

  4. Turner: Adventures in the Orgasmatron (2011) | Nachrichtenbrief Says:

    […] Peter: Zu Reichs Haustkrankheit siehe https://nachrichtenbrief.wordpress.com/2016/05/08/the-journal-of-orgonomy-vol-3-no-1-march-1969/ […]

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