Die Bibel und die Kinder der Zukunft

Nach Gen 8,21 ist der Mensch „böse von Jugend auf“, während Jesus sagte, man müsse wieder so gut wie die Kinder werden (Mt 18,3). In Dtn 21,18-21 lesen wir, daß, wenn jemand einen Sohn hat, „der so widerspenstig und ungehorsam ist, daß er trotz aller Strafen und Mahnungen weder auf seinen Vater noch auf seine Mutter hört“, dieser Sohn auf betreiben der Eltern von den Männern der Stadt gesteinigt werden soll! Das ist der biblische Begriff elterlicher Liebe, denn „wer seinem Sohn keine Schläge geben will, liebt ihn nicht. Wer seinen Sohn liebt, fängt früh an, ihn mit Strenge zu erziehen“ (Spr 13,24).

Streng Erziehung sei sowohl gut für die Kinder (Spr 19,18) als auch für die Eltern, deren Sohn dann „zur Quelle der Zufriedenheit und Freude“ werde (Spr 29,17). Strenge Erziehung heilt nicht nur von der angeborenen Dummheit der Kinder (Spr 22,15), sondern macht sie auch klug (Spr 29,15).

Später verschärfte sich diese kinderfeindliche Grundhaltung noch. Bei Sir 22,6 heißt es: „Strenge Erziehung und eine Tracht Prügel sind immer angebracht.“ Kinder müssen wie wilde Pferde gebändigt werden (Sir 30,8).

Solange es Kind ist, laß ihm nicht seinen Willen! Solange es klein ist, gib ihm tüchtig was hinten drauf, sonst wird es widerspenstig und gehorcht dir nicht mehr. (Sir 30,11f)

Da kann natürlich auch Paulus nicht zurückstehen:

Ihr Kinder, gehorcht euren Eltern und bezeugt dadurch eure Unterordnung unter den Herrn. So ist es recht und billig. „Ehre Vater und Mutter“ ist das erste Gebot, dem eine Zusage folgt: „Dann wird es dir gutgehen, und du wirst lange leben auf der Erde.“ Ihr Eltern, behandelt eure Kinder nicht so, daß sie widerspenstig werden! Erzieht sie mit Wort und Tat nach den Maßstäben, die der Herr gesetzt hat.

Und gleich im Anschluß daran heißt es: „Ihr Sklaven, gehorcht euren irdischen Herren! Ehrt und fürchtet sie. Dient ihnen so aufrichtig, als dientet ihr Christus.“ (Eph 6,1-5)

Allein schon diese wenigen Stellen reichen, um die Bibel zu einem verhängnisvollen Buch zu machen. Nach diesen Maximen wurde zwei Jahrtausende ein Großteil der Menschheit malträtiert. Auch behandelten so die Kolonialisten die „kindischen“ Ureinwohner.
Elizabeth Gershoff (University of Texas at Austin) und Andrew Grogan-Kaylor (University of Michigan School of Social Work) haben in einer Analyse von Forschungsstudien der letzten 50 Jahre gezeigt, daß auch leichte körperliche Züchtigungen („einen auf den Hintern geben“) kontraproduktiv sind: Kinder, die ab und an einen Klaps kriegen, werden unartiger, entwickeln „psychische“ (emotionale) Probleme und werden antisozial. Die alten autoritären Erziehungsmethoden haben lang- und teilweise sogar kurzfristig die diametral entgegengesetzten Effekte zu dem, was uns „Gott“ in der Bibel verspricht! Ich möchte dazu einfügen: Man schaue sich doch nur die schrecklichen Gören unserer extrem autoritären türkischen „Mitbürger“ an!

Es geht hier nicht um wüsten Kindesmißbrauch, sondern die ganz gewöhnliche Erziehung, wie sie in der autoritären Gesellschaft Usus war und ist. Weltweit schlagen 80 Prozent der Eltern ihre Kinder. So eine Untersuchung der UNICEF von 2014. In den antiautoritären USA sind es noch immer etwa 50 Prozent.

Daß ein bloßes Versohlen derartig negative Folgen hat, paßt zu den Ergebnissen der bisherigen Forschung, die Prügel mit einem niedrigeren IQ, höherer Aggressivität, sowie Depression, Angst und Paranoia in Verbindung gebracht hat. Die Forschung zeigt, daß Kinder weniger Verhaltensprobleme zeigen, wenn man die Eltern dazu bringt sie weniger zu schlagen.

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Eine Antwort to “Die Bibel und die Kinder der Zukunft”

  1. David Says:

    Kinder müssen wie wilde Pferde gebändigt werden (Sir 30,8).

    Abgesehen davon dass man Monty Roberts – dem „echten“ Pferdeflüsterer – zufolge, es auch mit dem Pferd anders machen kann.

    … unserer extrem autoritären türkischen

    – und arabischen –

    „Mitbürger“ an!

    wobei die noch Söhne und Töchter ungleich behandeln, so dass die Söhne außer Prügel auch viel Verwöhnung abbekommen.

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