In stillem Angedenken an Muammar al-Gaddafi

Es gibt, welch Wunder, tatsächlich Beiträge im Nachrichtenbrief für die ich mich im Nachhinein fast schäme oder an die ich mich zumindest nur ungern erinnere. Zu diesen gehörte einer vom 25. März 2011 über den sich damals ankündigenden Sturz von Muammar al-Gaddafi. Nach dem Coup zeigte sich, daß sich für wirklich alle Beteiligten alles verschlimmert hatte.

Ich bin bis heute für den Sturz Saddam Husseins 2003, trotz allem, was danach geschehen ist. Ein einfacher Wechsel der Staatsspitze bei Beibehaltung der Machtstrukturen, möglichst schon im ersten Irak-Krieg 1991, wäre ein Segen gewesen, hätte zahllose Menschen das Leben gerettet und die Region stabilisiert. Die Verbrecher innerhalb der Regierung der USA haben das zwar ins genaue Gegenteil verkehrt, aber die prinzipielle Möglichkeit bestand.

Heute wissen wir, daß sie in Libyen definitiv nicht bestand, da Gaddafi zum eigenen Machterhalt wirklich alle staatlichen Strukturen inklusive der Armee zerstört hatte. Es gab niemanden, keine Institution, die ihm hätte entgleiten und gefährlich werden können! Nach ihm war deshalb nur blutige Anarchie möglich – und das hatte er ja auch angedroht.

Immerhin hatte ich im damaligen Blogeintrag etwas, wie ich finde, prinzipiell Richtiges erfaßt: der Pest kann Einhalt geboten werden, wenn man sich ihr mit kompromißloser Härte entgegenstellt. Dem wird von liberaler Seite immer entgegengehalten, daß wir damit „unsere eigenen Werte“ verraten würden, womit der Feind schon gewonnen hätte, doch dies ist leeres Geschwätz. Wir haben unsere Werte verraten, als wir den Irak „demokratisieren“ wollten und damit dem schiitischen Iran und schließlich der sunnitischen ISIS den Weg ebneten! Ähnliches läßt sich über den Terror in unseren Städten sagen: die Antwort ist nicht „Integration“, sondern die harte Faust. Man lese dazu die „brutalen“ Ausführungen von Nicolaus Fest.

Man kann der Pest effektiv entgegentreten, ohne alles nur zu verschlimmbessern und erstrecht in einem blutigen Chaos zu enden. Es ist die Pest in uns selbst, die uns einflüstert, daß wir Arschlöcher wie Gaddafi „halt hinnehmen“ müssen, da es keine bessere Alternative gibt.

Hier nun unverändert mein damaliger Beitrag „Bruder Muammar“:

Wenn ich irgendjemandem den Tod wünsche, dann Muammar al-Gaddafi und mit ihm seiner gesamten gottverfluchten Brut. Und das nicht nur wegen Lockerbie 1988, sondern auch wegen des Ustica-Blutbades von 1980 und dem Anschlag von Bologna ebenfalls 1980. Aus Opportunitätsgründen (Erdöl, Angst vor einem Krieg) wurden die beiden Verbrechen in Italien auf das Konto irgendwelcher rechtsradikaler „Logen“ und der NATO geschrieben.

Wie jeder anständige Mensch stehe ich auf Seiten des Volkes gegen ein Regime, das typisch ist für die gesamte saharasische Kernregion zwischen Marokko und China, Sudan und Rußland. Es gibt bei der ganzen Angelegenheit nur ein kleines Problem: die Alternative ist teilweise noch schrecklicher. Wie gestern die Zeitung Wenweipo aus Hongkong kommentierte:

Während man auf aktuellen Pressefotos sehen kann, daß die Anhänger Gaddafis in den Straßen von Tripolis westlich gekleidet und die Frauen nahezu alle unverschleiert sind, bietet sich bei den oppositionellen Kräften ein anderes Bild. Die Frauen, die in Bengasi den Vereinten Nationen für die Verhängung der Flugverbotszone dankten, trugen allesamt ein Kopftuch, auf anderen Fotos sind auch Burka tragende Frauen zu sehen. Vor dem Hintergrund der in den vergangenen zwei Jahrzehnten stetig erstarkenden religiösen Kräfte des Islam im Nahen Osten und Nordafrika stellt sich die Frage, ob sich die Länder des Westens wirklich bewußt sind, wem sie eigentlich in die Hände spielen, wenn sie mit Rufen nach Demokratie und Humanismus in der Region militärisch einschreiten.

Innerhalb der gepanzerten Gesellschaft scheint es kein Entkommen zu geben. Was tun? Der Status quo kann keine Option sein, bzw. sich gegen die Entwicklung stemmen, wäre reine Idiotie!

Reichs Antwort war einfach: Man muß aufhören, rigide, d.h. mechano-mystisch, in absoluten Gegensätzen zu denken, sondern funktionell. Dieses ominöse „funktionell“ bedeutet in diesem Fall, daß man jene Strömungen in der jeweiligen Partei unterstützt, die vorwärtsgerichtet sind und eine Zukunft haben.

Beispielsweise wäre eine „anti-autoritäre“ Erziehung, wie sie gegenwärtig im Westen gang und gäbe ist zweifellos vorwärtsgerichtet, aber sie hätte keine Zukunft, weil sie zum vollständigen Kollaps des gesamten Erziehungssystems führen würde. Man denke nur einmal daran, wie die Kinder der Gasthartzvierler aus dem islamischen Kulturkreis auf unser Schulsystem reagieren! Freiheit, die nicht durch ein den Umständen entsprechendes Maß an Verantwortung aufgewogen wird, muß im Chaos münden.

Genauso illusorisch wird eine wirkliche Demokratie sein. Was aber nicht illusorisch ist, wäre eine „Scheindemokratie“, in der wenigstens für einen geregelten Machtwechsel und dafür gesorgt wäre, daß keine vollständig ungeeigneten „Visionäre“ a la Gaddafi an die Macht kommen. Eine Scheindemokratie mit Gewaltenteilung und einer freien Presse. Es ist nicht einzusehen, daß so etwas in Nordafrika und dem Nahen Osten keine Zukunft hätte.

Was unbedingt Zukunft hat, ist eine freie Wirtschaft. Auslöser der gegenwärtigen Unruhen in der arabischen Welt war die demonstrative Selbstverbrennung eines jungen Mannes in Tunesien, dem es ein korruptes und ineffizientes Verwaltungssystem, dessen Hauptaufgabe zu sein schien, jede freie wirtschaftliche Aktivität im Keim zu ersticken, unmöglich machte eine unabhängige, d.h. menschenwürdige Existenz zu führen. Und das in einem Kulturkreis, der von jeher durch Handel und den sprichwörtlichen „Basar“ geprägt war. Mohammed selbst war ein Kaufmann.

Was schließlich den Islamismus betrifft, d.h. die organisierte Emotionelle Pest: Hier hat die Linke ebenso Schuld an der Situation wie zuvor an der sozialistischen Verkrustung der arabischen Gesellschaften. Gerne wird vergessen, daß Tunesien, Algerien, Ägypten, Syrien, Irak und nicht zuletzt Libyen durchweg sozialistische Länder waren. Die Staatspartei Tunesiens gehörte bis vor kurzem sogar der gleichen Internationalen an wie die SPD! Aber was nun den Islamismus betrifft: Bis zur, von den Sozialisten herbeigesehnten, „Revolution“ im Iran war der Islam in Nordafrika auf dem Rückmarsch, die Moslembrüder eine Kraft, die nicht aus der Mitte der Gesellschaft heraus agieren konnte. Das islamische Kopftuch oder gar die Vollverschleierung war eine Ausnahme. Wie jede Form der organisierten Emotionellen Pest entfaltete sich der Islamismus erst, als er Oberwasser gewonnen hatte und er auf jene Art und Weise „bekämpft“ wurde, wie zu genuiner Aggression strukturell unfähige Linksliberale so etwas „bekämpfen“: mit „Dialog“, Verständnis und immer neuen Zugeständnissen.

Die organisierte Emotionelle Pest löst sich sehr schnell in nichts auf, verpufft geradezu, wenn sie sich mit einem kompromißlosen „Nein“ und einer unüberwindlichen Barriere konfrontiert sieht. Beispielsweise ist Hitler an einem einzigen Mann gescheitert: an Churchill. In seiner Verzweiflung hat Hitler sogar die Sowjetunion angegriffen, um „dem wahnsinnigen Churchill“ dessen letzte Trumpfkarte auf dem europäischen Kontinent aus der Hand zu schlagen. Ähnlich ist die Rote Flut, die sich seit 1917 unaufhaltsam ausgebreitet hatte, an Reagan zerborsten, der erstmals mit dem Kalten Krieg wirklich ernstgemacht hatte.

Der Islamismus würde sich schnell zu seiner ursprünglichen Nichtigkeit verflüchtigen, würde man mit ihm umgehen, wie es Israel mit seinem Kampf gegen den palästinensischen Extremismus vorexerziert.

Die religiösen Fanatiker begreifen die Zusammenhänge weitaus besser als all die ach so klugen Analysten im Westen. Für den archaischen Geist handelt es sich nämlich um den Kampf zwischen zwei Göttern und es geht darum, welcher Gott sich durchsetzen kann. Es geht um ein Gottesgericht. Der durch den linksliberalen Ungeist durchseuchte Westen beweist tagtäglich, daß „Gott“ eine impotente Schwuchtel ist und Allah über ihn triumphieren wird.

Also: tötet Muammar mitsamt seiner Höllenbrut, stützt soweit wie möglich Demokratie und freie Marktwirtschaft und stellt euch dem Islamismus mit „unmenschlicher“ Härte entgegen!

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9 Antworten to “In stillem Angedenken an Muammar al-Gaddafi”

  1. Robert (Berlin) Says:

    Verbrechen in Italien auf das Konto irgendwelcher rechtsradikaler „Logen“ und der NATO geschrieben
    Diese Verschwörungstheorie ist mir neu, obwohl ich mich ständig über solche informiere. Gibt es dazu auch Quellen?

    Libyen: Es ist doch so, wie Reich es im Christusmord geschrieben hat. Die Charakterstrukturen sind unfähig zur Freiheit, sie wachsen in einer Zwangsgesellschaft auf. Außerdem wollen sie gar keine Demokratie und der Westen will es auch nicht! Der Westen will an Libyens Öl, nur darum bekämpft er Gaddafi, während er die anderen Aufständischen in den prowestlichen Despotien im Stich läßt. Gaddafi ist nicht schlechter oder verbrecherischer wie die anderen Despoten und er lebt in einer Stammesgesellschaft. Der größte Stamm stellt den Regierungschef. Gaddafi gehört zum größten Stamm.
    In den arabischen Staaten halten die Menschen Demokratie für westliches Teufelswerk; womit sie teilweise Recht haben, wenn man sieht, wie verlogen und heuchlerisch der Westen ist.

  2. aron2201sperber Says:

    ein guter MSM-Artikel zum Anschlag von Bologna:

    http://www.nzz.ch/nachrichten/politik/international/der_anschlag_von_bologna_sorgt_weiterhin_fuer_politische_spannung_1.7025942.html

  3. Manfred Says:

    Hier ist ein Bericht der Reisejournalistin Angelika Gutsche über Libyen, der mit den westlichen Nachrichten so gar nicht übereinstimmt. Teil 1
    http://www.youtube.com/user/WisnewskiGerhard#p/c/400EC291DABF43CB/6/OtOl8yF-NMU
    Teil 2
    http://www.youtube.com/user/WisnewskiGerhard#p/c/400EC291DABF43CB/7/kDgJrcmFF6k

    Die US-Regierung hat über von ihr finanzierte NGOs kräftig an der Vorbereitung der „spontanen Volksaufstände“ in arabischen Ländern mitgewirkt, berichtet die NEW YORK TIMES. Diese sind durch „ausländische Einflussnahme“ angezettelt worden
    http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_11/LP06711_160411.pdf

  4. George W. Bush « Nachrichtenbrief Says:

    […] Sehnsucht“) selbstverständlich nur sexualökonomisch vollends auszulöschen. Aber bis dahin? Die Araber verstehen und akzeptieren nur ein „Gottesgericht“! Aus diesem Grund dürfen sich Israel und die USA niemals wieder aus den Zentralbereichen Saharasias […]

  5. Robert (Berlin) Says:

    Vergewaltigt, verachtet: Eine Sklavin von Libyens Machthaber Gaddafi berichtet

    Muammar al-Gaddafi war Herrscher über Libyen. Herrscher über Frauen und Mädchen, die er sich unterwarf. Das Buch „Niemand hört mein Schreien“ erzählt die Geschichte von Soraya und ihrem Martyrium im Palast eines Ungeheuers.

    http://www.focus.de/politik/ausland/krise-in-der-arabischen-welt/libyen/tid-30242/niemand-hoert-mein-schreien-vergewaltigt-verachtet-eine-sklavin-von-libyens-machthaber-gaddafi-berichtet_aid_946154.html

  6. Tzindaro Says:

    MG was sincerely religious, unlike the Marxists, who never had a chance in the Middle East because of their adamant atheism, but he was also a modernizing progressive who had women in all walks of life. His wife was active in politics, he had women in his bodyguard and in the Army, and would have led the Arab world to unite and modernize if he had been allowed to. He made several attempts at merging Libya with other countries. If left alone, he would have brought the Middle East into modern times culturally. His movement was comparable to the Enlightenment in Europe.

    That was the reason the US feared him so much; he was trying to join the sundered Arab world together again so it could be a major power as it was in the past. The US rulers could not take that risk. They fought him for 30 years and finally managed to have him murdered by some of their agents. The chaos in Libya and other countries is exactly what they wanted since it prevents Arab unity.

    In 1986 the Mosad tricked the Americans into bombing Libya. The inside story is told in the book, By Way Of Deception, by Victor Ostrovsky, a former Mosad agent who defected and is now living in Canada.

    • marko Says:

      herr nasselstein, warum verbreiten sie so viel propagandistische unwahrheiten und verteidgen ständig die pest. mich verlässt der gedanke nicht mehr, dass sie dafür bezahlt werden!

      „Bedrohlich wird das Volk, wenn es ohne Furcht ist.“ habe die uralten griechen schon gewusst. klingelt da was bei ihnen?! oder glauben sie tatsächlich noch immer, dass aluminiumdosen mehrere meter betonstahl unversehrt durchbohren können?

      die demokratie kann in einer freien marktwirtchaft nicht existieren und wird erodiert, auf berufung aller möglichen vorfälle. reichs arbeitsdemokratie hat mit diesem krebsgeschwür nichts zu tun!

      in den 50er jahren wollte man in den usa die bevölkerung gesetzlich zum konsum zwingen, also alle 2 jahre, neue geräte zu kaufen, obwohl sie keine bräuchten. sowas ist im ostblock undenkbar gewesen, da müssten die produkte mindestens 25 jahre ihren dienst leisten!
      wieviel sinnlosen mist hat der „westen“ den produziert. sie schaffen es nicht, die einfachsten zusammenhänge zu erkennen, weil sie ein mechanist sind, dafür sind sie aber ein brilianter orgonphysiker.

      sie haben kein recht sich über fanatische islamisten aufzuregen, sie sind genau gleich. irgendwie verdrehen sie alles so, damit es ihre bzw. die theorien des aoc untermauert und die pest fein aussehen lässt . . .

      „Was wir wollen, ist, daß die deutsche Wirtschaft vollkommen zusammengeschlagen wird.“ – Churchills Entgegnung auf einen Vermittlungsversuch Brünings im Jahr 1938, also noch lange vor dem angeblichen angriff deutschlands.

      mir ist klar, dass sie noch lange nicht bereit sind, die FAKTEN zu akzeptieren, die ihre „orgontraumweltblase“ platzen lässt. ich gebe die hoffnung aber nicht auf.

  7. Peter Nasselstein Says:

    Wir müssen mit Arschlöchern wie Putin nicht zusammenarbeiten:

    http://www.achgut.com/artikel/merkel_und_die_potentaten_die_frucht_der_prinzipienlosigkeit

  8. Robert (Berlin) Says:

    Ewald Stadler zum Syrien-Krieg, Russland, EU als US-Marionette

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