Maria, die Himmelskönigin (Teil 2)

In der christlichen Kunst ist Maria mit allen Attributen und Insignien der diversen „heidnischen“ Göttinnen ausgestattet worden. Ihre Krone erhielt sie von Kybele und sie sitzt auf dem Thron, auf dem einst Isis saß und ihren Sohn Horus (Har-Siesis) stillte. Von Isis und deren semitischen Nachfahrinnen erhielt Maria auch den Titel der Himmelskönigin. Und wenn man Maria als „neue Eva“ bezeichnet, war Eva selbst schon „höchstwahrscheinlich (…) eine Umformung und Vermenschlichung einer präsemitischen Muttergottheit“ (Andrew Greeley: Maria, Köln 1979).

Aber konzentrieren wir uns zunächst auf Isis und dann auf Kybele, denen die Figur der Maria wohl noch am meisten verdankt. Isis’ Vorgängerinnen waren die ägyptische Urgöttin Nout und deren Tochter Hathor. Hathor galt als Mutter und Schützerin des jeweiligen Pharao und in Gestalt ihrer jeweiligen Hohepriesterin war sie wohl zu Anfang auch die tatsächliche Herrscherin Ägyptens – so wie der patriarchale Usurpator Jahwe wahrer Herrscher Israels sein wollte. Wie Nout wurde auch Hathor als milch- bzw. regenspendende Himmelskuh verehrt und wenn sie in ihrer menschlichen Gestalt dargestellt wurde, dann meist als Mutter, die ihrem Sohn Horus (dem Pharao) die Brust reicht. Später sollte dann ja auch ganz ähnlich Maria mit dem Jesuskind auf ihrem Schoß gezeigt werden.

Mit dem sich verfestigenden Patriarchat wurde die Himmelsgöttin Hathor zunehmend von der Erdgöttin Isis in den Hintergrund gedrängt, bis Hathor ganz mit Isis verschmolz. Nun wurde Isis synonym mit dem Pharaothron. Doch trotz der fortdauernden matriarchalen Elemente trägt diese Gestalt das Todesmal zunehmender Verwüstung, die mit der Verfestigung des Patriarchats parallel lief. Der Bruder der Isis ist Seth, der die Wüste und Dürre verkörpert. Er tötet den Geliebten und Fruchtbarkeitsheros der Göttin. Osiris wird von Seth in seine Einzelteile zerrissen, die Isis wieder zusammenfügt und mit Bandagen umwickelt, um ihn so zu neuem Leben zu erwecken. Dies ist natürlich der kultische Ursprung der Mumifizierung, die wiederum ein typisches Merkmal patriarchaler Gesellschaften ist. Überall wo wir diesen Brauch vorfinden, werden wir auch den Scheußlichkeiten patriarchaler Lebensentstellung begegnen.

Von Hathor hat die Isis-Gestalt auch das Kind Horus übernommen. Nur daß jetzt Osiris das Kind zeugt, nachdem er von Isis wieder zusammengefügt wurde. Das Kind muß Isis vor Seth verstecken, dem es aber trotzdem gelingt in Gestalt einer Giftschlange das Leben des Horus zu gefährden. Hier haben wir alle späteren christlichen Elemente zusammen: der sterbende und wiederauferstehende Gottesheros (Osiris) und die Gottesmutter, die um ihr Gotteskind (Horus) bangt. Außerdem haben wir in Osiris schon den Richter des Jüngsten Gerichts vor uns, denn nach seiner Auferstehung wird Osiris Herrscher des Totenreichs, wo er über die Toten nach dem Maß ihrer Sünden urteilt.

Hans Biedermann zitiert Carl Schneider, für den Maria „eine christlich umgenannte Isis“ ist:

Demeter und Isis lehren die Weihen, Maria die Mysterien der Trinität; Isis beendet Menschenopfer [eine der Scheußlichkeiten des frühen Patriarchats], Maria befreit „vom barbarischen Gottesdienst“; Isis „löst die Herrschaft der Tyrannen auf“, Maria hat „dem unmenschlichen Tyrannen die Herrschaft entrissen“; Isis hat die Städte durch Mauern gesichert, Maria ist „die unerschütterliche Mutter des Reiches.“ (Die Großen Mütter, München 1989, S. 92)

Karlheinz Deschner zufolge verehrte man Isis exakt mit den gleichen Titeln, die man später Maria gab: liebreiche Mutter, Himmelskönigin, Meereskönigin (!), Gnadenspenderin, Retterin, Unbefleckte, semper virgo, sancta regina, mater dolorosa.

Isis war, wie später „Maria Maienkönigin“, Mutter des Grünens und Blühens. Wie Maria gebar schon Isis als Jungfrau und unterwegs. Wie Maria hielt schon Isis das Gotteskind – hier Harpokrates oder Horus genannt – auf dem Schoß oder reichte ihm die Brust. Wie Maria heißt Isis auch schon „Mutter Gottes“. (…) Sogar Mariens Empfängnis legte die Kirche in dieselbe Jahreszeit, in der auch die Empfängnis der Isis stattfand, deren Schwangerschaftsdaten der ägyptischen Festkalender ungewöhnlich genau registriert. Auch die Attribute Halbmond und Stern nebst sternengeschmücktem Mantel vererbte Isis der Jüdin. Und da es einst schwarze Isisbilder gab, wurde auch der Teint der Maria manchmal dunkel bis schwarz, und diese schwarzen Madonnen, in Neapel, Tschenstochau, vor allem in Rußland, kamen in den Ruf besonderer Heiligkeit. (Opus Diaboli, Reinbeck 1987, S. 232)

Es hat schon was, wenn der Papst zu meiner persönlichen Lieblingsgöttin bettet, in die ich mich mit 14 als Möchtegerntantriker verliebt hatte: die schwarze Kali.

Advertisements

Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: