Schöne neue Welt

Maria José Fernandez-Serrano (Universität Granada) et al. untersuchten die kognitiven Fähigkeiten von Drogensüchtigen.

Dabei gab es überraschenderweise ein generelles Muster, das unabhängig davon auftrat, ob die Studienteilnehmer Alkohol, Cannabis, Amphetamine wie Ecstasy oder Kokain zu sich genommen hatten, sagen die Forscher: Bei allen waren sowohl das Gedächtnis wie auch die Verarbeitung von Gefühlen und die Fähigkeit, Entscheidungen zu treffen, beeinträchtigt.

Besonders interessant ist jedoch, daß den spanischen Forschern zufolge durch die gängigen Drogen Hirnregionen in Mitleidenschaft gezogen werden, die für die Wahrnehmung von Emotionen zuständig sind.

Sie konnten in mehreren Studien belegen, daß Drogenkonsum es tatsächlich erschwert, die Gefühle anderer zu erfassen. So sollten Drogenabhängige, die mindestens 15 Tage abstinent waren, beispielsweise auf Portraitfotos erkennen, welche Emotionen die abgebildeten Gesichter ausdrückten. Abgebildet waren sowohl positive als auch negative Gefühlszustände wie Freude, Überraschung, Wut, Angst, Ekel und Trauer. Dabei hatten vor allem Probanden mit Erfahrung mit verschiedenen Drogen größere Probleme, die negativen Emotionen in den Gesichtern zu erkennen, als die Probanden der Kontrollgruppe. Als es dagegen darum ging, positive Emotionen wie Freude und Überraschung zu deuten, schnitten die Drogenabhängigen genauso gut ab wie die anderen Teilnehmer.

Es ist kaum zu ermessen, was Drogen anrichten. Mein Gott, Hunde können menschliche Emotionen besser von Gesichtern ablesen als Trinker und Kiffer!

Alkohol, Cannabis, Kokain, etc. passen in eine neurotische Welt, die nur noch das Positive sehen will und selbst aus Mord und Todschlag Entertainment gemacht hat. Man sieht das Leid des Mitmenschen gar nicht mehr, sondern – amüsiert sich. Man ist immer „gut drauf“.

Drogen gehören zu einer Gesellschaft, die Kontraktion nicht mehr zulassen kann. Ich habe mich bereits in Der Kult der Expansion damit befaßt. Nicht nur, daß die eigenen „negativen“ Emotionen unterdrückt werden, auch die des Gegenübers werden ausgeblendet.

Man kann sich kaum etwas Schockierenderes vorstellen, als ein trauernder Mensch, der in eine Gruppe von „Angeheiterten“ gerät.

Ich wurde in meinem Leben wiederholt gefragt, ob es nicht eine gute Sache sei, wenn die Menschen Glücksdrogen nähmen. Was denn letztendlich dagegen einzuwenden wäre? Es wäre die ultimative Hölle auf Erden!

Heute haben wir es mit einer „schönen neuen Welt“ zu tun, in der sich die positiven Emotionen (Expansion) gegen die negativen Emotionen (Kontraktion) richten. Der zunehmende Drogenkonsum ist davon nur ein Ausdruck (der gleichzeitig den Grundmechanismus verstärkt und perpetuiert). Ein Ersatzkontakt wie so vieles andere auch, etwa die elektronische Unterhaltungswelt. Da die Einsichtsfähigkeit gegen Null geht, muß der Ersatzkontakt mit Gewalt (Gesetze, Krieg, Terror, Naturkatastrophen) beseitigt werden, damit die negativen Emotionen, insbesondere aber die Angst zum Vorschein kommen und sich wieder ein natürliches Gleichgewicht ausbilden kann.

In der „traurigen alten Welt“ vor den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts brauchten die Menschen nur ermuntert werden, mehr Freude in ihr Leben zu lassen. Auf seinen Massenveranstaltungen zu Zeiten der Sexpol hat Reich in dieser Hinsicht erstaunliches leisten können. (Die Massenatmosphäre unterlief die individuellen Hemmungen!) Heute würde ein solches Vorgehen nur den Ersatzkontakt verstärken und damit die gesellschaftliche Panzerung verewigen. Sogenannte „Reichianer“ werden so etwas nie begreifen!

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5 Antworten to “Schöne neue Welt”

  1. Manuel Says:

    Nicht, daß ich es nicht glauben würde, daß Drogen die Fähigkeit Gefühle wahrzunehmen einschränken. Ganz sicher ist das der Grund, warum sie genommen werden.
    Aber zur „Wissenschaftlichkeit“ der zitierten Studie muss ich doch anmerken, daß eine schon vorhandene Unfähigkeit Gefühle wahrzunehmen ja auch die Ursache für Drogenkonsum sein könnte und nicht umgekehrt. Ist dieser Erklärungsansatz bei der Studie ausgeschlossen worden? Wenn nicht, hat sie keinen wissenschaftlichen Wert bezüglich der Erklärung der festgestellten Korrelation. Ganz typisch für heutige „Schnellschuss-Wissenschaft“.

    • Peter Nasselstein Says:

      Das wird generell gegen „Drogenstudien“ eingewendet, ist aber nicht stichhaltig. https://nachrichtenbrief.wordpress.com/2009/03/31/cannabis-und-schizophrenie/

      Außerdem weiß jeder, daß Drogenkonsum, insbesondere Alkohol, aber je nach „Szene“ auch Cannabis, etc., nicht nur aus individuellem Bedürfnis hervorgeht, sondern auch ganz entscheidend durch den Druck der Gruppe entsteht.

    • Jess Says:

      Richtig, oft liegt doch erst eine Empathiestörung vor (siehe APS z. B.), die die betroffenen geradezu zu den Drogen hintreibt. Die spüren nix. Und gegen diese innere Leere hilft denen nur noch der Kick durch Sex, Drugs u. s. w.
      Möchte nicht wissen, wie viele dieser Zombies so unter uns sind und “gute Laune verbreiten“….

  2. Robert (Berlin) Says:

    „Ein Ersatzkontakt wie so vieles andere auch, etwa die elektronische Unterhaltungswelt.“

    Ebenso würde ich die Abschaffung von Bargeld dazu zählen. Das haptische Vergnügen an der Münze und dem Geldschein geht verloren, es bleibt nur das nervig-lange Bezahlen mit der Plastikkarte oder dem Smartphone. Man hat gar nicht mehr das Gefühl, man gibt einen Gegenwert, das zahlen mit der Karte ist ganz abstrahiert und kontaktlos, etwas dem Verkäufer/ der Verkäuferin in die Hand zu geben, fällt weg.

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