Matristisch oder materiarchal? Zwei Sichtweisen (Teil 2): Der Übergang vom Matriarchat zum Patriarchat und der Übergang vom Patriarchat zum Matriarchat

Beim Übergang vom Matriarchat zum Patriarchat, eine verwirrende Zeit, die Teilweise noch die Bibel prägt, haben wir die einmalige Chance einen Blick in das Kräftespiel zu werfen, das den Charakter unserer patriarchalischen Gesellschaft ausmacht. Es entspricht verblüffend genau dem Bild, das sich Reich bot, als er den Charakter seiner Patienten analysierte:

James DeMeo beschreibt den Anfang des kosmischen Ringens gegen das DOR um 3500 v.Chr. wie folgt:

Die mesopotamische Welt nach 3500 v.Chr. war von Dämonen verdunkelt, die Götter hatten die Welt verlassen und waren in den „Himmel“ gezogen. Die Muttergöttin wurde entweder von männlichen Göttern getötet oder durch eine Heirat mit einer überwältigenden männlichen Gottheit gedehmütigt. Die Menschen wurden von den Göttern getrennt, während das Weissagen und eine berufsmäßige Priesterschaft an Bedeutung und gesellschaftlicher Stellung gewann. Natürliche Phänomene, insbesondere der Geschlechtsverkehr und die Geburt, begannen einen mystischen, dämonischen und angsterregenden Charakter anzunehmen. (On the Origin and Diffusion of Patrism: The Saharasia Connection, 1986, S. 310)

Weiter schreibt DeMeo:

Einige Restbestände des früheren Matrismus erhielten sich hier und da in den Bergdörfern der Levante und in ein paar mesopotamischen Stadtstaaten wie etwa Babylon. [Die große „Hure Babylon“! Offb 17,5] Die Muttergöttin wurde z.B. an Orten verehrt, wo Frauen sich noch einige soziale Privilegien erhalten hatten. Die frühen Hebräer waren solch eine Gruppe. (ebd., S. 312f)

Christus steht in dieser Tradition. Wenn sich z.B. die christusartige Figur Ijob mit Rahab identifiziert (Ijob 7,12), wird schlagartig deutlich, daß der Christusmord ursprünglich tatsächlich ein Marienmord war. Die Mutter des Lebendigen wurde wie Christus (vgl. 2 Kor 5,21) zum Träger aller Sünden, zum „DOR-Behälter“ – durch dessen Beseitigung auch das DOR vernichtet werden sollte.

Hinter dem frühpatriarchalen Mythos vom Muttermord verbirgt sich der im Spätmatriarchat beginnende Kampf gegen das DOR. In Kanaan handelte es sich z.B. um den Kampf des spätmatriarchalen/frühpatriarchalen Gottes Baal gegen seinen Widersacher Jam, bzw. gegen Mot. Beim Kampf gegen Jam verkörpert der Sieg Baals den Sieg der Ordnung (fruchtbarkeitsspendender Regen) über das Chaos (das wütende Meer). Beim Kampf gegen Mot siegt mit Baal das Leben (Regen) über den Tod (Dürre).

Diese spätmatriarchale Dämonenschlacht ist dann verquickt mit Götterschlachten zwischen dem matriarchalen und dem patriarchalen Pantheon, so daß kaum noch zu erschließen ist, was nun an Jahwes Kampf gegen Rahab spätmatriarchal (Kampf gegen den abgetrennten Todesaspekt der Göttin) und was frühpatriarchal ist (mythisches Gewand für den Überfall von vaterrechtlichen Kriegerstämmen auf mutterrechtliche Bauern).

Baal als Gott ist schon frühpatriarchal, aber Baal als „Heros der Göttin“ Anat, der seinen Konkurrenten Jam beseitigt, um mit seiner Göttin die Heilige Hochzeit feiern zu können, ist sicherlich eine spätmatriarchale Vorstellung. Diese Heilige Hochzeit schenkt dem Land magisch Fruchtbarkeit, weshalb Baal später zum patriarchalen Wettergott wurde – mit Tempelprostitution. Der Heros Baal zieht sich durch seinen Sieg über Jam die Feindschaft des Todesgottes Mot zu, der Baal verschlingt und in die Unterwelt hinabzieht – wie es später auch Christus widerfährt. Dadurch kommt es auf der Welt zur Dürre bis Baal zu Beginn der Regenzeit wiederaufersteht und der Zyklus von vorn anfängt.

Dieser matriarchale Baal ist die Vorstufe unseres patriarchalen Jahwe, wenn es z.B. in Ps 18,5f heißt:

Ich war gefangen in den Fesseln des Todes, vernichtende Fluten stürzten auf mich ein, die Totenwelt hielt mich mit Schlingen fest, die Falle des Todes schlug über mir zu.

Wir hören hier den Klagegesang des sterbenden Jahwes, der aus der Unterwelt heraus zu seiner Himmelskönigin ruft (Gerda Weiler: Ich verwerfe im Lande die Kriege, München 1984, S. 233). Er verkörpert die tote Natur in der Trockenzeit. Und tatsächlich kommt es im weiteren Verlauf des Psalms zum Regenfall, die Erlösung, und zur Wiederauferstehung: „Der Herr lebt!“ (Ps 18,47). Die Hoffnung hat sich erfüllt: „Ich weiß, daß mein Erlöser lebt“ (Ijob 19,25). Oder wie wir in Schmierereien an den unmöglichsten Orten lesen können: „Jesus lebt!“

Es ist die „Kriegsgöttin“ Anat, die ihren Heros aus der Unterwelt befreit. Aber „Kriegsgöttin“ ist schon ein patriarchaler Begriff, in dem Sinne wie man später unter dem Banner Marias ganze Völkerschaften ausrottete. Bei Anat, wie auch beim ursprünglichen Konzept von der „Maria“, war es jedoch nicht der Krieg gegen Menschen, sondern gegen die Kräfte der Zerstörung und des Todes, die von Mot verkörpert wurden. Feministinnen werden jetzt in der Friedfertigkeit dieser Anat schwelgen, aber in Wirklichkeit war es so, daß für diesen „friedlichen Krieg“ Menschenopfer dargebracht wurden, die Anat unterstützen und Baal in der Unterwelt am Leben halten sollten.

In einer früheren Schicht, in der sicherlich noch keine Menschenopfer dargebracht wurden, war Mot nur die (natürlich weibliche) dritte Verkörperung der dreifaltigen Göttin in der dreistöckigen Welt des Altertums (Himmel, Erde, Unterwelt). In der Gestalt der Rahab ragt diese „dritte Person der dreieinigen Göttin“ bis in die Bibel hinein. Im alten Kanaan war es der weiblich aufgefaßte Drache Tannin und das ebenfalls weiblich aufgefaßte Ungeheuer Lotan, die von Baal und der „ersten Person der dreieinigen Göttin“ Anat überwunden werden, um die Dürre zu brechen (Weiler, S. 45f).

Und noch weiter zurückgehend finden wir, daß dieser dunkle Aspekt der Göttin (der jeden Jungianer entzückt) und das ganze faschistische Heroentum (von dem manche „feministische“ Matriarchatsforscherinnen so verräterisch schwärmen) verschwindet und die Göttin einfach die feminine alleinige Schöpferkraft des Universums ist – das Orgon.

Als schöpferische Mutter Erde schimmert sie noch in Gen 1,12 durch, wo nicht etwa Jahwe, sondern die Mutter Erde die Pflanzen hervorbringt. Noch Franz von Assisi konnte beten:

Sei gelobt, mein Herr
durch unsere Mutter, die Erde!
Sie ernährt und trägt uns
und zeugt vielerlei Früchte,
buntfarbige Blumen und Kräuter.

Auch Adam wurde aus der adama gebildet, der Mutter Erde. Wenn Jahwe in Gen 3,19 sagt, Adam werde wieder zu der Erde, aus der er stammt, wird dies meist als drohendes „Staub zu Staub“ interpretiert. Aber wenn hier mit der Erde ursprünglich die Mutter Erde gemeint war, verkehrt sich dieser patriarchale Fluch Jahwes natürlich in eine matriarchale Verheißung. (Es kann aber natürlich auch sein, daß bei diesem Komplex noch Vorstellungen vom „Erdmann Geb“ durchscheinen.)

Keine matriarchale Frau würde mit ihren Geschöpfen, mit ihren Kindern so umgehen, wie unser „Lieber Vater“, der uns erst mit seinen Händen gestaltet hat, um uns dann wie der Kindermörder Kronos mit Haut und Haaren wieder zu verschlingen (Ijob 10,8). Er droht uns, daß er uns wieder zu dem Staub machen werde (Ps 90,3; 104,29; 146,4), der für ihn ein Nichts ist (Ps 103,14). So verhöhnt Gott unsere Mutter und bringt ihre Kinder um.

In Der Einbruch der sexuellen Zwangsmoral beschreibt Reich den Übergang von der ungepanzerten (matristischen) zur gepanzerten (patristischen) Gesellschaft wie folgt:

  1. Der Übergang der Macht von der Frau auf den Mann. Dabei wächst die Machtverschiebung vertikal nach der Rangeinteilung. Der Häuptling hat gegenüber den Bürgern die größte Macht, seine Frauen haben die geringsten Rechte.
  2. Der Übergang vom natürlichen genitalen Liebesleben zum Zwang der Ehebindung.
  3. Der Übergang von der Sexualbejahung zur Sexualverneinung, von der vorehelichen Bejahung der Genitalbetätigung zur Forderung nach vorehelicher Askese, und schließlich das Wesentlichste,
  4. die fortschreitende Teilung der Gesellschaft in obere Unterdrücker und unterdrückte untere Gruppen. (Der Einbruch der sexuellen Zwangsmoral, KiWi, S. 65)

Ich greife auf Peter A. Crists Artikel „Biosocial Basis of Family and Couples Therapy“ zurück (The Journal of Orgonomy, 40/2, 2006), wenn ich dies auf die Transformation von der autoritären (patriarchalischen) Gesellschaft zur anti-autoritären (matriarchalischen) übertrage. Bei Crist ist der natürliche bioenergetische Kern „mutter-zentriert“ (matristisch). Dieser natürliche Kern wird vom gewalttätigen Patriarchat unterdrückt (die sekundäre Schicht des Panzers). Darüber können, so Crist, jede Menge von „Fassaden“ liegen. Das kann kaum mehr als ein mehr oder weniger direkter Ausdruck des brutalen Patriarchats sein, wie wir sie etwa im Islam finden, eine reaktive vater-zentrierte „Ritterlichkeit“, wie in der mittelalterlichen Minne, oder, wie heute in der anti-autoritären Gesellschaft, die reaktive, brutale mutter-zentrierte Fassade des Feminismus und Matriarchats, dem Negativ des Patriarchats:

matrpatrmatr

Entsprechend haben wir heute folgende Entwicklung:

  1. Der Übergang der Macht vom Mann auf die Frau. Dabei wächst die Machtverschiebung vertikal nach der Rangeinteilung. Die tonangebenden Schichten werden zunehmend von Feministinnen bestimmt, während in den unteren Schichten teilweise noch Zustände wie in den 1930er Jahren vorherrschen.
  2. Der Übergang vom Zwang der Ehebindung zur unverbindlichen Promiskuität.
  3. Der Übergang von der Sexualverneinung zur (zumindest oberflächlichen) Sexualbejahung, von der Forderung nach vorehelicher Askese zur vorehelichen Bejahung der Genitalbetätigung, und schließlich das Wesentlichste,
  4. die fortschreitende Verwandlung der Gesellschaft im Sinne eines politisch korrekten Meinungsterrors.

Zu Punkt 3: Die aus dem Kern lebenden matristischen Trobriander hatten durchaus ähnliche Werte wie wir, die wir in einer matriarchalen Fassade vegetieren. Reich referiert und kommentiert Malinowski:

Wir sehen, die moralischen Wertungen des Trobrianders sind von [denen der autoritären Gesellschaft der 1930er Jahre] prinzipiell verschieden. Bei uns wird aus allgemeiner Sexualverneinung gewertet, der Trobriander wertet aus einer positiven Einstellung zum genitalen Geschlechtsleben in trefflicher Erfühlung der Krankhaftigkeit oder Defektuosität der Perversionen. „Wenn eine Frau keine Männer hat, die zu ihr kommen, und sie selbst die Initiative ergreift und zu einem Manne geht, nennen wir sie eine Hure.“ „Es liegt auf der Hand“, schreibt Malinowski mit Recht, „daß solche Frauen deshalb moralisch verurteilt werden, weil erotische Erfolglosigkeit als Schande gilt.“ Das [war] zwar auch [in den 1930er Jahren] der Fall, aber diese Wertung bleibt geheim, hat keine offizielle Geltung. Die autoritäre Anschauung von Zucht und Moralität wertet nicht negativ, weil Erfolglosigkeit, sondern im Gegenteil, weil sexuelles Verlangen außerhalb und in gewissen Schichten auch innerhalb der Ehe als Schande gilt. Die Konsequenzen dieser beiden verschiedenen Wertungen, der sexualökonomischen und der moralistischen, sind nicht geringfügig: Jene treibt zu Vollentfaltung von genitaler Tüchtigkeit, körperlicher Schönheit und Anziehung an; diese bedingt das Gegenteil, Verkrüppelung der Genitalität, Verbergen des Körpers und Verunstaltung (vgl. die Kirche als Feind des weiblichen Turnens). (ebd., S. 57)

Zu Punkt 4: In der anti-autoritären Gesellschaft ist es der Mann („der weiße Mann der Mittelschicht“), der in der Familie und insgesamt in der Gesellschaft ökonomisch erbarmungslos ausgebeutet wird. Er finanziert eine Familie und einen Staat, die ihn verachten und als „Schwein“ darstellen, das für alles Elend der Welt verantwortlich ist. Der dressierte Mann kann sich abrackern und zahlen, ohne irgendeinen Gewinn daraus zu ziehen. Jede Gegenwehr führt in den sozialen Tod. Es ist alles das komplette Negativ der autoritären patriarchalen Gesellschaft.

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8 Antworten to “Matristisch oder materiarchal? Zwei Sichtweisen (Teil 2): Der Übergang vom Matriarchat zum Patriarchat und der Übergang vom Patriarchat zum Matriarchat”

  1. David Says:

    Reste des Matriarchats: heute noch möglicherweise in Saudi-Arabien?

    Allgemein bekannt ist, wie viele Unterschicht-Angehörige aus den extrem-patriarchalen Gesellschaften, die als Migranten bei uns leben, ihre Frauen behandeln, wie häufig auch eine „Importbraut“ importiert wird und – auf Staatskosten – darauf geachtet wird, dass sie nicht Deutsch lernt usw …

    Neulich hat in einer Kneipe in meiner Stadt jemand folgendes erzählt: er kenne geschäftlich mehrere Angehörige der saudischen Oberschicht; hier sei es ganz anders, nämlich im Haus sei die Frau der Chef.

    Männer mit drei oder vier Frauen kenne er keine, und mit zwei Frauen relativ wenige; in diesem Fall müsse der Mann (ist ja im Patriarchat der „Ernährer“, Anmerkung von mir) alles zwei mal bezahlen; also zwei Häuser bauen oder kaufen, zwei mal die Einrichtung usw. usw …

    Überrest des Matriarchats oder nicht???

    • Peter Nasselstein Says:

      Schau Dir mal bis zum Ende folgendes Video an. Es geht dabei um das islamische Gebet, den arabischen Vagina-Kult (sic!) und die originalen Araber, also jene, die an der Golfküste wohnen:

  2. David Says:

    Christian hat gesagt:

    Ähnlichkeit hat das Verhalten im islamischen Bereich mit dem Verhalten in der Bundesrepublik in Kleinstädten und auf dem Lande (zu Erinnerung: in Deutschland lebt der GROßTEIL der Bevölkerung in Kleinstädten oder auf dem Land) – hier wird Schmitzens oder Breuers Tochter auch gerne mit dem Sohn des Sparkassendirektors oder des Dorflehrers verheiratet, weil er eine „GUTE PARTIE“ ist, in Bonn fusionieren diese beiden Verhaltensweisen der islamischen und der deutschen Bevölkerung –

    http://www.dailymotion.com/video/x7cxxh_peter-fox-haus-am-see-new-hq_music

    … diesem Video zufolge – das Stück proben wir zurzeit in der Musik-Therapie-Band ein – lebt der Betreffende in Berlin jedenfalls ist der Berliner Dom zu sehen und wenn man sich den Text anschaut ist der richtig patriarchalisch und spießig – die Mamas kochen und wir saufen Schnaps …

    Christian hat auch gesagt:

    wenn der Sack dann brutal zugemacht ist, und man hat das Fräulein genug drangsaliert, d.h. man hat Sie „verheiratet“ (das Pikante ist, daß die Frauen sich durch ihre Erziehung mit ihrer „Rolle“ identifizieren, und meinen alles sei zu ihrem besten, wenn die Männer über sie bestimmen – denn die wollen ja nur „Gutes“), darf sie natürlich die Hosen anhaben, daß muß sie auch, denn von ihr wird „Ersatzmamasein“ auch erwartet –
    nix Überreste des Matriachats – sondern eierlose deutsche oder orientalische Pseudomachos sind mit solchen Frauen verheiratet –

    D.h. die Frauen die aus sich selbst heraus nicht richtig leben können beziehen ihr Selbstbewusstsein durch die Verwöhnung der Söhne was dann oft zur Folge hat dass die – wie ich – nicht richtig lebenstüchtig sind und einen triebhaften Charakter haben.

    Um Frauen so zu erziehen, verbietet man ihnen in extrem-patriarchalen Familien auch, am Sing- und Schwimm-Unterricht, wie er in deutschen Schulen üblich ist, teilzunehmen sondern meldet sie davon ab.

    Ich sage Euch eins: wenn ich jemals für den Deutschen Bundestag oder einen der Landtage kandidieren werde, werde ich im Wahlkampf immer wieder laut sagen: für solche Immigranten ist in meinem Land kein Platz!

  3. David Says:

    Christian hat gesagt:

    Ob aus verwöhnten Muttersöhnchen unbedingt triebhaft Charaktere werden, weiß ich nicht….wenn Du mir mal den Zusammenhang Deiner meinung nach erklären könntest…

    Dass infolge Verwöhnung immer triebhafte Charaktere entstehen, mag meinerseits ein Irrtum sein; Störungen gibt es wohl auf jeden Fall, denn wenn man an Zuwendung oder Ähnlichem mehr reingstopft kriegt als man will, ist immer wie ich glaube ein wenig „Double Bind“ mit dabei.

  4. David Says:

    In.

    https://nachrichtenbrief.wordpress.com/2011/05/11/der-ubergang-vom-matriarchat-zum-patriarchat/#comment-3069

    hat Peter auf besagtes Video hingewiesen; ist auf jeden Fall interessant.

    Was man gegen Ende, vor allem um die achte Minute herum sieht, kommt mir vor wie eine gespielte bzw. gestellt Aufnahme, die gemacht ist, um den Islam und die Muslime zu beleidigen. Falls es aber eine echte Aufnahme ist, erinnert es entfernt an Trance-Kulte wie Zar von Sudan/Äthiopien, oder Gnawa (Gnaoua) von Marokko.

    Vermutlich auch ostafrikanischer Einfluss …

  5. David Says:

    Seit einiger Zeit vermute ich, dass auch das Investieren, im Gegensatz zum Konsumieren, ein eigentlich matriarchaler Vorgang ist, wenn auch die Finanzwelt heute in Männerhänden ist.

    Menschen, vor allem Männern, die viel „Familitis“ in ihrer Charakterstruktur haben, und die außerdem denken, sie seien arm, ist das Investieren fremd; wie ich glaube, können solche Männer nur konsumieren.

    Unter Investieren verstehe ich beispielsweise das Einbringen von Getreidekörnern in die Erde, was zur Folge hat, dass zur Erntezeit mehr Getreide da ist als man – als Saatgut – aufgewendet hat. Waren nicht die ersten Bauernkulturen matriarchalisch?

    Unter Investieren verstehe ich auch den Kauf von Produktionsmitteln, also etwa in der „Dritten Welt“ solche Sachen wie etwa eine Nähmaschine.

    Es ist kein Wunder, dass im Experiment von Otjivero / Namibia, einem Experiment betreffend Bedingungsloses Grundeinkommen, Männer öfters das Geld zum Saufen verwendet haben und Frauen eher dazu neigten, Produktionsmittel zu kaufen.

    Es ist auch kein Wunder, dass die meisten Mikrokredit-Kunden der Grameen Bank von Mohammed Yunus – Frauen waren oder sind.

    Ein in diesem Sinne sehr patriarchalischer, also investitions-unwilliger Kopf könnte beispielsweise Karl Marx sein, welcher bekanntermaßen das Verbot des Eigentums an Produktionsmitteln verlangt hat.

    • Tzindaro Says:

      This is a brilliant insight! I would like to see a whole article on it! Please develop the concept and publish it somewhere.

  6. Matthias Says:

    Dazu Folgendes von der Kurdischen Gemeinde:

    Auch wenn hier das AfD-Programm mitverrissen wird (was wohl aus dem Migrationshintergrund und somit einer ‚eingebildeten‘ Angst-Gegnerschaft hervorgeht), halte ich dieses Statement für mehr als lesenswert. (Vorwort von mir)
    – – – – – – – – – – – – – – – – – – –
    ++ Hört endlich auf, uns zu bevormunden! ++
    Ali Ertan Toprak ist der Vorsitzende der Kurdischen Gemeinde und der Immigrantenverbände. Und er empfindet die Denkverbote der „weißen linken Feministinnen“ als einen Schlag ins Gesicht. Er weist darauf hin, dass die Leugnung der Frauenfeindlichkeit muslimisch geprägter Männer ein Verrat an ihren Opfern ist: den Frauen.
    Die unerträgliche Relativierung der frauenverachtenden Einstellungen bestimmter Männergruppen vor allem durch die weißen, linken Feministinnen und ihre Unterstützer ist ein Schlag ins Gesicht aller unterdrückten Frauen und die Frauenbewegungen in den islamischen Ländern! Welch ein anmaßendes und kolonialistisches, übergriffiges Denken ist es, dass ihr Denk- und Sprechverbote zu den teilweise zutiefst faschistischen Verhältnissen in diesen Ländern aussprecht?!
    Ihr dürft gern und ungehindert euren eigenen Faschismus und Sexismus bekämpfen – wir aber sollen die Missstände in unseren Herkunftsländern nicht ansprechen dürfen, weil sonst euer Weltbild ins Wanken gerät, wonach nur und immer der weiße Mann an allem schuld ist? Habt ihr euch eigentlich schon einmal mit der Sklaverei und dem Imperialismus der muslimischen Welt beschäftigt?
    Missstände nicht ansprechen, weil euer Weltbild ins Wanken geräten könnte?
    Ganze Kulturen und Zivilisationen sind vernichtet worden, nicht ausschließlich vom „weißen Mann“. In der Region, in der eine der großen Weltreligionen – das Christentum – entstanden ist, ist das christliche Leben heute fast ausgelöscht. Die andere monotheistische Religion, das Juden- und das Jezidentum wird täglich mit Auslöschung bedroht. Warum spricht niemand darüber?
    Indem ihr linken, weißen Feministinnen die gesellschaftlichen Verhältnisse in islamischen Gesellschaften nicht infrage stellen lassen wollt, leugnet ihr, was an Menschen- und Frauenrechten in diesen Ländern im Entstehen ist. Seid Ihr Euch eigentlich im Klaren darüber, mit wem Ihr Euch verbündet? Mit den dort und auch hier unterdrückten Frauen jedenfalls nicht!
    Und hört endlich auf uns ständig zu beleidigen, indem ihr uns unterstellt, wir könnten nicht unterscheiden zwischen Rassisten, die diese Probleme für sich instrumentalisieren, und denjenigen, die eine konstruktive Kritik ausüben und damit für Aufklärung sorgen!
    Unsere und eure Verbündeten sollten die vielen Millionen aufgeklärter Musliminnen und Muslime sein, die tagtäglich für freie, demokratische muslimische Gesellschaft kämpfen und die dafür vielfach mit ihrem Leben bezahlen. Indem ihr mit euren ewigen und unerträglichen Relativierungen ständig dem faschistischen, politischen Islamismus den Rücken stärkt, fallt ihr all denen und vor allen anderen den Frauen in den Rücken!
    Ist euch das in eurer postkolonialen Überheblichkeit überhaupt bewusst? Offenbar nicht. Denn eure moralische Eitelkeit und überhebliche Arroganz ist stärker als eure Empathie mit den Opfern des Islamismus!
    Ja, niemand wird als Vergewaltiger oder Rassist geboren. Aber die Menschen werden in bestimmte gesellschaftliche Verhältnisse hineingeboren, die sie dazu sozialisieren. Wenn in den islamischen Ländern Männer mit der Überzeugung groß werden, dass Frauen weniger oder gar nichts wert sind, dann behandeln sie die Frau auch entsprechend. Wenn eine Religion die Frau zum Sexobjekt degradiert, über die der Mann jederzeit frei verfügen kann; wenn sogar im „fortschrittlichsten“, muslimisch geprägten Land, der Türkei, die staatliche Religionsbehörde fast täglich widerliche Fatwas herausgibt, die der Frau ausschließlich die Rolle eines beliebig zu benutzenden Sexobjektes zuweisen – muss man sich dann nicht fragen, was diese höchst legitimierte Religionsauslegung in den Köpfen der Männer bewirkt?
    Was ist daran falsch, wenn aufgeklärte Menschen diese absurden Sichtweisen benennen und kritisieren? Die Muslime, die ihre Religion lieben und zu recht Respekt dafür erwarten, müssen heute in erster Linie dafür kämpfen wieder die Deutungshoheit über ihre Religion zu gewinnen gegenüber den Vertretern des politischen Islam.
    Selbstverständlich gebührt jedem Menschen als Mensch zunächst Respekt. Seinen Gedanken aber gebührt Kritik. Das eine zu tun – den Islam zu kritisieren wie auch das Christentum, den Kapitalismus, den Kommunismus, den Hinduismus, das AfD-Programm – heißt doch nicht, das andere – die Gläubigen als Menschen zu respektieren – zu lassen!
    Fragt euch doch mal: Wie viele islamisch geprägte Länder gibt es, deren politische und gesellschaftlichen Verhältnisse sich an Demokratie, Menschenrechten, Rechtsstaatlichkeit, Gewaltenteilung, Aufklärung, Religionsfreiheit orientieren? Kennt ihr nur ein einziges Beispiel? Ich nicht.
    Warum wohl haben die Flüchtlingsbewegungen auf dieser Erde alle diese eine Richtung, die sie haben – nach Westen? Ist es wirklich nur der Reichtum? Oder vielleicht auch unsere liberale Lebensweise, die Möglichkeit sein Leben nach seinen eigenen Wünschen und Vorstellungen zu leben? Denn wenn es nur ums Geld ginge – da gibt es doch genug sehr reiche islamische Länder, die Arbeitsmigranten brauchen. Was also zieht die Menschen zu uns?
    Europa, das war und ist immer noch der in der Ferne strahlende Leuchtturm einer freien, selbstbestimmten Welt. Ich, liebe Relativierer und uns bevormundende, weiße Feministinnen, möchte, dass unsere freie, pluralistische Gesellschaft erhalten bleibt. Die erste Voraussetzung dafür ist aber die Freiheit des Denkens! Die zweite ist die Freiheit des Wortes! Egal ob Mann oder Frau.
    Also hört endlich auf uns Sprech- und Denkverbote zu erteilen! Wir sind erwachsen genug, um selber Sprechen und Denken zu können. Wir brauchen niemanden, der uns wie eine Gouvernante an die Hand nimmt um uns den rechten, linken Weg zu zeigen.
    Ali Ertan Toprak ist der Bundesvorsitzende der Kurdischen Gemeinde Deutschland und Präsident der Bundesarbeitsgemeinschaft der Immigrantenverbände in Deutschland (BAGIV e.V.)

    https://kurdische-gemeinde.de/hoert-endlich-auf-uns-zu-bevormunden/

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