Bildung als Allheilmittel

In jeder Diskussion, insbesondere aber über das Mohammedanertum, wird gesagt, daß Bildung vor Gewalt schütze, vor Frauenunterdrückung, vor religiösem Fanatismus, vor Intoleranz und Terrorismus, etc. Das ist offensichtlicher Unsinn, denn in der SS mag es tatsächlich unfaßbar ungebildete und dumme Führungskräfte gegeben haben, aber ein Gutteil waren umfassend gebildete Akademiker. Naturwissenschaftliche oder „geisteswissenschaftliche“ Bildung machte da keinen Unterschied, bzw. waren die letzteren vielleicht eher noch verbohrter und brutaler. Man denke nur an einen umfassend gebildeten Mann wie „Dr. Goebbels“. Das gleiche gilt etwa für die Rote Armee Fraktion oder die Leute, die den 9/11 durchgeführt haben. Ein „Prof. Dr.“ kann unglaublich gewalttätig, ideologisch verrannt und hinterhältig sein. Man denke nur an die teilweise wirklich umfassend gebildeten Bolschewiki! Kaum besser waren die dünkelhaften Herrenreiter, die von Privatlehrern unterrichtet worden waren und die die teuersten Universitäten besucht hatten: sie betrachteten „das Volk“ als Viehzeugs und behandelten es entsprechend, wahren Antisemiten, Kriegstreiber, etc.

Trotzdem, gegen jede Erfahrung und Evidenz, reden uns Kulturkonservative, insbesondere aber Sozialdemokraten ständig ein, daß „mehr Bildung“ das Allheilmittel sei. Das hat zwei Gründe: einen „psychoanalytischen“ und einen „marxistischen“.

Erstens glauben diese Verkünder der Bildung frei nach Freud, daß durch intellektuelle Aktivitäten zerstörerische psychische Energien im Gehirn gebunden werden („Verurteilen von irrationalen Triebregungen“). Das überzeugt insbesondere Sozialdemokraten, deren Charakterstruktur dadurch gekennzeichnet ist, daß die besagten Energien nicht wie bei Konservativen durch muskuläre Panzerung gebunden werden, sondern fast ausschließlich durch okulare Panzerung („Verkopfung“). Ihre gesamte gutmenschliche Ideologie beruht darauf, entsprechend ist Bildung ihr Gott und Erlöser.

Zweitens ist da der Vulgärmarxismus, der unsere gesamte Kultur zersetzt. Bildung kann zwar dazu führen, daß man ein höheres Einkommen hat, aber das hat nichts mit der Anfälligkeit für unmenschliche Ideologien, Terrorismus, etc. zu tun bzw. nur in der bizarren Welt des Vulgärmarxisten, wo alle gesellschaftlichen Auseinandersetzungen auf materiellen Unterschieden beruhen. Die „Unterprivilegierten“ lebten in einer veritablen Hölle und deshalb sei Gewalt unausweichlich und könne nur durch „Umverteilung“, letztendlich aber durch gleiche Bildungschancen gemildert werden. Das stimmt sogar bis zu einem gewissen Grade, denn egalitäre Gesellschaften sind tendenziell tatsächlich friedlicher, doch staatliche Eingriffe führen fast immer zum Gegenteil des Erstrebten. Erinnert sei daran, was die Billiarden an Dollar, die Washington etwa in die „Black Community“ gepumpt hat, anrichtete, oder wie die gigantomanische Entwicklungshilfe Afrika verwüstete. Der Wille zur Bildung kann nur aus der Gesellschaft selbst erwachsen, niemals aufoktroyiert werden. Beispielsweise war die Bildung der Arbeiter zu Zeiten der „Arbeiterbildungsvereine“ mit Sicherheit höher als heute, wo jedem zumindest den Realabschluß hinterhergeworfen wird.

Die Bildung ist ein falscher Messias. Natürlich hat niemand etwas gegen „Bildung“, ganz im Gegenteil, doch der orgonomische Ansatz ist vollkommen anders als der „psychoanalytische“ und „marxistische“. In der Charakteranalyse geht es zwar auch, wie in der Psychoanalyse, um das „Bewußtmachen des Unbewußten“, doch dreht sich das nicht um ferne Ereignisse, also letztendlich um einen Glaubensakt, um Interpretation, sondern um das konkrete „unbewußte“ Verhalten im Hier und Jetzt, etwa ein fixes Grinsen, hochgezogene Schultern, beständiger Sarkasmus, etc. Die erstere Art von „Deutung“ führt im Zweifelsfall in die Kontaktlosigkeit und zu haltlosen Verdächtigungen gegenüber den Eltern; Reich sprach in seiner Freudianischen Periode in diesem Zusammenhang von einer „chaotischen Situation“. Ähnlich agierte er in seiner teilweise parallel verlaufenden Marxistischen Periode: statt die Massen mit abgehobener (und ohnehin wissenschaftlich extrem fragwürdiger) „Politökonomie“ und holzschnittartigem Agitprop zu malträtieren, diskutierte er ihr Alltagsleben und ihre Bedürfnisse im Hier und Jetzt.

Mit beiden Ansätzen gab Reich den Menschen Werkzeuge in die Hand den Opferstatus zu verlassen und ihr Leben selbst zu bewältigen. Und genau hier findet sich der Unterschied zwischen „Bildung“ und Bildung. Es ist die Frage, welche Schicht der Charakterstruktur angesprochen wird:

Psychopolioekonomie

Es ist die Frage, ob man den Intellekt dazu benutzt tiefere Einsichten abzuwehren, wie es mit den Versatzstücken der Psychoanalyse und des Marxismus gang und gäbe ist. Es sei nur an all den hanebüchenen Unsinn erinnert, mit dem sogenannte „Nahostexperten“ den islamischen Terrorismus erklären. Da ist dann davon die Rede, daß wir nicht „kultursensibel“ seien, für die Sünden des Kolonialismus büßten und für die Ungerechtigkeiten des kapitalistischen Systems. Auf einer tieferen Ebene zeigt sich hier eine unverhohlene Sympathie mit dem Terrorismus, der relativiert und als gerechte Strafe für unsere vermeintlichen Untaten hingestellt wird. Ganze Bibliotheken füllen sich mit diesen willkürlichen „Analysen“ und der kaum verbrämten Sympathie mit Mord. Man denke nur an das, was über 9/11 geschrieben wurde! Was nie erwähnt wird, ist das, worum es eigentlich geht: der seit Jahrhunderten anhaltende Zusammenbruch der Sexual- und Arbeitsfunktionen in der gesamten islamischen Welt, die zutiefst autoritär geprägt ist, und deren Konfrontation mit dem zunehmend antiautoritärer werden Westen, bei dem die Sexual- und Arbeitsfunktionen, wenn auch auf andere Weise, ebenfalls zusammenbrechen. Diskussionsrunden mit „Nahostexperten“ können Stunden, Tage, Wochen anhalten und nie würde erwähnt werden, daß praktisch niemand in diesen Ländern arbeitet, so wie man in Deutschland arbeitet (zumindest gearbeitet hat), und daß man wie selbstverständlich mit seiner Cousine verheiratet wird. Es würde auch nie die Frage gestellt werden, wie auf diese extrem patriarchale und hierarchische Gesellschaft der immer weiter ausufernde gesellschaftliche Zerfall der antiautoritären Gesellschaft des Westens wirken muß. Vollends unzugänglich ist, warum der antiautoritäre Westen gar nicht genug vom dysfunktionalen Islam haben kann.

Und so in allem: das, was als Bildung durchgeht, entspricht fast immer der oberflächlichen Fassade oder der mittleren (sekundären) Schicht der Charakterstruktur. (Rein mechanisches Wissen, etwa Mathematik, ist neutral.)

Große Kunst, etwa Goethes Faust kommt aus dem bioenergetischen Kern heraus und verbindet uns mit dem bioenergetischen Kern. Entsprechend schaue man sich an, was aus den großen Werken der Weltliteratur in den letzten Jahrzehnten auf bundesdeutschen Bühnen gemacht worden ist! Diese Werke wurden sozusagen von der dritten Schicht zur ersten und zweiten Schicht „herauftransformiert“. Von modernen Produkten der Kultur brauchen wir erst gar nicht reden.

Da man die Massen prinzipiell nur durch Worte (allgemeiner durch „Signale“) erreichen kann, ist „Bildung“ tatsächlich der Schlüssel zu allem. Die entscheidende Frage ist nur, welche Charakterschicht angesprochen wird. In Äther, Gott und Teufel weist Reich darauf hin, daß die Freudsche Tiefenpsychologie den Menschen von Schuldzuweisungen befreit hat, von den Zwängen der bürgerlichen Fassade. In Menschen im Staat streicht Reich hervor, daß Marx selbst, im Gegensatz zu den späteren „Marxisten“, nicht das Ressentiment gegen die Kapitalisten schüren, d.h. nicht an die sekundäre Schicht der Massen appellieren wollte, sondern nur bestrebt war die ökonomischen Zwänge freizulegen, denen auch sie unterworfen sind. Der einzige „Appell“, der irgendwo hinführt, ist der an den bioenergetischen Kern. Jede Bildung, die diesen Namen verdient, spricht den Kern an – kommt aus dem Kern. Bildung ist bisher fast stets gescheitert, weil sie nie klar zwischen den drei Schichten unterschieden hat und so auch der Irrationalität und dem Lebenshaß dienen konnte.

bildung

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5 Antworten to “Bildung als Allheilmittel”

  1. claus Says:

    Dazu habe ich ein aktuelles Beispiel:
    Ich gebe zurzeit Deutschunterricht, wobei die meisten Schüler aus Syrien kommen. Tatsächlich komme ich gut mit ihnen aus. Aber in mir ist immer wieder dieses Unbehagen: Ist es OK, wenn ich zu deren längerfristigem Bleiben in Deutschland beitrage? Andererseits: Gehen wir realistisch davon aus, dass sie bleiben; dann sollten sie Deutsch lernen.
    Dass die mir persönlich bekannten Schüler keine islamistischen Interessen verfolgen, scheint mir ausgemacht zu sein. Einer, der sehr typisch ist, sagt: Mein Vater ist Yezide, meine Mutter Muslimin … kurz: Denen ist ihre religiöse Herkunft sogar egal (Yeziden dürfen normalerweise nur unter sich heiraten). Alle hören zu und kennen das.
    Kurz vor Weihnachten saß ich mit einigen in einer Gaststätte. Eine Syrerin, die Mitbewohnerin eines Schülers ist, saß dabei. Sie ist ausgebildete Ärztin! Also insofern gebildet. Aber wie verteidigte sie ihren muslimischen Glauben (ohne darum gebeten worden zu sein)? Damit, dass das-und-das, was inzwischen naturwissenschaftlich belegt sei, im Koran stehe! Und damit in Verbindung der Glaube, was im Koran stehe, sei eben wahr. Der ganze irrationale Buchglaube, der in der christlichen Welt eigentlich einem Begründungsanspruch gewichen sein sollte, kommt hier zum Vorschein. Dass er bei uns überwunden wurde, war eine Voraussetzung für naturwissenschaftlichen Fortschritt, zum Beispiel in der Medizin. Nun kommen auf der Basis dieser Medizin in islamisch geprägten Ländern ausgebildete Ärzte zu uns und … predigen diesen Buchglauben.

    • Tzindaro Says:

      27% of Americans are Christian fundamentalists who think every word in the Bible is true. They are not uneducated. They can fly airplanes or program computers even if they think the world was created in six days. One is a neurosurgeon who is running for the Republican Pesidential nomination.

      I know one well-known Reichian who is not only into orgonomy, but is a practicing Orthodox Jew and also a practicing Hindu. But he lives in California, so that explains it!

      Education does not always prevent religion, but it works better than anything else I know of.

      http://www.skeptic.com/eskeptic/15-12-30/#feature

      • claus Says:

        Even educated people may separate strictly between reality in time and space on the one hand and an intelligible (noumenous) world on the other hand – something like what Kant had in mind. It is even reasonable to take into consideration that ‘reality’ is to a certain degree a result of perception itself (think of the role the observer plays in quantum mechanics). Hence there is room for religious interpretations – objections I raise usually concern whether one knows what he means by the words he uses. The example I gave (the Islamic physician) is still meant to show that education is neither necessary nor sufficient for arguing correctly. Certainly education is very useful for wealth, career and so on. But I wonder which role it plays in our scientific progress.

  2. claus Says:

    „zu deren längerfristigen Bleiben“ müsste es wohl heißen; will ich doch gebildeterweise anmerken. Aber wichtiger:
    Eben gelesen:
    http://www.morgenpost.de/wirtschaft/article206870323/Die-Kunst-und-Kreativwirtschaft-boomt-in-Berlin.html
    Lauter Abiturienten, nehme ich an. „Film- und Musikwirtschaft über Design und Mode bis hin zu Games, Software und Multimedia“. Jeder, der ‚Szene‘ kennt, weiß, wie die ticken.
    „Kreativwirtschaft mit über 200.000 Erwerbstätigen
    Die rund 30.500 Unternehmen dieses Wirtschaftszweiges erzielen einen Umsatz von 15,6 Milliarden Euro. Damit erwirtschaften sie sechs Prozent aller privatwirtschaftlichen Umsätze der Region. Mit 218.000 Erwerbstätigen gibt die Branche knapp sieben Prozent aller Erwerbstätigen der Region eine Beschäftigung. 2011 lag der Umsatz noch bei 13,5 Milliarden Euro, knapp 200.000 Menschen waren in dem Wirtschaftszweig beschäftigt.
    Für den Kultur- und Kreativwirtschaftsindex wurden 758 Unternehmen und Selbstständige befragt. Sie haben für die Dokumentation ihre Zufriedenheit mit ihrem Geschäftsverlauf, die Stärken und Schwächen des Standortes und ihre Zukunftserwartungen beschrieben. Untersucht wurden elf Teilmärkte – von der Film- und Musikwirtschaft über Design und Mode bis hin zu Games, Software und Multimedia.
    Region gewinnt an Absatzkraft
    Der Berliner IHK-Hauptgeschäftsführer Jan Eder sieht die Kultur- und Kreativwirtschaft der Hauptstadtregion in einer Phase der Konsolidierung und Normalisierung. Die Region gewinne an Absatzkraft, die Branchen profitierten von einer Vielzahl an Fachkräften und vielfältigen Vernetzungsmöglichkeiten. Berlins Offenheit und Internationalität sei ein Magnet für Künstler und Kreative.“

  3. Robert (Berlin) Says:

    Schande: Das Bildungsniveau in Kenia ist VIEL höher als in Deutschland!

    http://www.watergate.tv/2017/06/07/schande-das-bildungsniveau-in-kenia-ist-viel-hoeher-als-in-deutschland/#

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