Die bioenergetischen Grundlagen des Nachrichtenbriefes

Biophysikalisch gesehen spaltet Panzerung einheitliche orgonotische Impulse auf, dementsprechend zersplittert „mentale Panzerung“ unsere geistigen Schöpfungen. Unterhalten sich z.B. herkömmliche Wissenschaftler, wie Hans Hass schreibt,

mit den Vertretern anderer Spezialgebiete, dann werden viele Worte gebraucht, die hier und dort zu ganz verschiedener Bedeutung gelangen – andererseits wird jedoch sehr oft mit verschiedenen Worten das an sich gleiche, funktionell ebenbürtige, bezeichnet. (Naturphilosophische Schriften, Bd. 1, München 1987)

Hass hält sich nun zugute, durch seine Energontheorie die Überspezialisierung der Wissenschaft aufgehoben zu haben. Dabei vergleicht er seine Theorie mit dem von Hermann Hesse im gleichnamigen Roman dargestellten „Glasperlenspiel“.

Interessanterweise schöpfen die Vertreter des orgonomischen Funktionalismus und der Energontheorie aus denselben historischen Quellen. Die Orgonomie ist aus Freuds Modifikation der Darwinistischen Biologie hervorgegangen (vgl. Biologische Entwicklung aus orgonomischer Sicht). Der Orgonom Charles Konia führt als Beispiel für funktionalistische Wissenschaft folgendes an:

Darwins Prinzip einer grundlegenden Naturgesetzlichkeit in der phylogenetischen Entwicklung wurde von [Hughlings] Jackson [1836-1911] und Freud auf ontogenetische Prozesse in der Neurologie bzw. Psychiatrie übertragen. (…) So wird die künstliche und rigide Trennung der Natur in verschiedene Zweige der Wissenschaft, die der Mechanismus erzeugt hat, durch ein rationaleres, tieferes und einheitlicheres Verständnis ersetzt. (Journal of Orgonomy, May 1986)

Genauso preist auch Hass Darwin als zukunftsweisenden Überwinder des babylonischen Sprachengewirrs in der Wissenschaft:

Seitdem (…) unsere Abstammung erwiesen ist, liegt ein natürliches und neutrales Bezugssystem vor; die Lebensentwicklung. (Naturphilosophische Schriften, Bd. 4)

Dementsprechend „sollten auch die Begriffssysteme aller Spezialwissenschaften auf die gemeinsame Wurzel dieser Entwicklung zurückgehen“. Nach Hass führt die Betrachtungsweise der Energontheorie

zu einer beträchtlichen Vereinfachung des Denkens. Es wird möglich, sämtliche Strukturen, welche die Lebensentwicklung weitertragen in ein und dasselbe Begriffssystem einzuordnen. Es wird möglich, in den mannigfachen Sparten der Biologie, der Wirtschafts- und Staatswissenschaften zu einer einheitlichen Verständigungsmöglichkeit zu gelangen. Ja es sollte möglich werden. Erkenntnisse in einem Gebiet zur Erklärung von Phänomenen in anderen, bisher völlig abgetrennten heranzuziehen. (Naturphilosophische Schriften, Bd. 2)

Den letzten Punkt hat Konia im Rahmen der Orgonomie beeindruckend am Beispiel Kommunismus/Krebs aufgezeigt, die für den „normalen“ Denker ja wirklich nichts miteinander zu tun haben. Vom Augenschein her, ist ja keinerlei Verbindung erkennbar.

Hass unterstreicht ein Element des funktionellen Denkens, das m.E. in der Orgonomie unterbewertet wird, nämlich, daß sich das Denken von rein bildlichen Vorstellungen befreien muß, wie es z.B. in der Quantenmechanik auf sehr radikale Weise geschehen ist. Hass beklagt, daß unsere bisherige Art die Welt vom Visuellen her zu beurteilen, „in den Wissenschaften zu einem babylonischen Sprachengewirr und im Alltagsleben zu einem Chaos von Wertungen“ geführt hat.

Unser Denken stützt sich auf altüberkommene Begriffe, die im Visuellen verankert sind – wir sind Sklaven unseres Auges, seit Jahrtausenden. Diese essentiellen Werkzeuge unseres Denkens, unserer Sprache, unserer Informationsbewältigung sind uns derart zur Selbstverständlichkeit geworden, daß es uns geradezu unmöglich vorkommt, ein anderes Denken neben dem vertrauten überhaupt zuzulassen. Begibt man sich in ein grundsätzlich anderes Begriffsfeld, dann verliert man gleichsam den Boden unter den Füßen, tritt wie ein Schlafwandler ins Nichts hinaus. (Hass/Lange-Prollius: Die Schöpfung geht weiter, Stuttgart 1978)

So sind ja auch die Energone

nicht durch ein besonderes Aussehen, sondern durch eine besondere Wirkung definiert. (…) Die Energontheorie zeigt verwandtschaftliche Beziehungen zwischen Strukturen auf, die sich äußerlich unseren Sinnen total verschieden darstellen und deshalb zu einer getrennten Beurteilung verleiten.

Die vollkommene Übereinstimmung mit dem Grundkonzept des orgonomischen Funktionalismus, nämlich dem „gemeinsamen Funktionsprinzip“ (CFP), ist offensichtlich. Dieser Einklang zwischen Orgonomie und Energontheorie findet sich auch wieder, wenn Hass eine enge Beziehung zwischen der menschlichen Begriffsbildung, besonders im wissenschaftlichen Bereich, und der Tätigkeit des Künstlers sieht. Unsere Begriffsbildung beruhe „auf dem Vorgang, in ähnlichen Erscheinungen das Gemeinsame und Typische zu erkennen“. Dieses Gemeinsame verknüpfen wir dann mit einem (Wort-) Symbol.

Was nun aber der Künstler tut, ist etwas prinzipiell ähnliches (…). Er versucht die Gesamtheit des Erlebens oder einer Betrachtungsweise in ein Symbol zu kristallisieren – sein „Kunstwerk“ ist ebenso Symbol dieser größeren Vielheit, wie es das Wort für einen (meist einfacheren Begriff) ist. (Naturphilosophische Schriften, Bd. 4)

Orgonometrisch ist ein Symbol, bzw. Wort, nichts anderes als ein CFP, ein gemeinsames Funktionsprinzip.

Zu den Grundprinzipien der Orgonometrie gehört, daß sich der „Glasperlenspieler“ nicht willkürlich mehr oder weniger interessanten Gedankenergüssen hingibt, – vielmehr ermöglicht es die Orgonometrie, daß sich jemand bei theoretischen Erwägungen genauso auf einen überindividuellen, bzw. objektiven Grundbau stellt, wie es ihm im Labor durch das Experiment möglich ist.

Reich hat entdeckt, daß die „objektive funktionelle Logik der Orgonenergie“ und das „subjektive funktionelle, logische Denken“ identisch sind. Wenn ich hier also einen theoretischen Blogeintrag verfasse, kann ich mich genauso auf die von mir vollkommen unabhängige Logik der Orgonometrie berufen, wie es der Physiker auf sein Experiment kann. Das heißt nichts weniger, als daß erst mit Reich das Denken beginnt, eine Angelegenheit der (allenfalls durch formale Logik gebändigten) Willkür zu sein. Daß genauso wie beim Experimentieren vieles vom persönlichen Geschick abhängt, ist offensichtlich.

Wie beim Experimentieren im Labor zwingt uns auch die innere orgonometrische Logik von Gedankengängen Theorien auf.

Die neuropsychologische Forschung hat gezeigt, daß Sprache und Denken nicht identisch sind. Wären sie identisch, könnten wir nur so schnell denken, wie wir sprechen – und könnten deshalb nicht sprechen. Vielmehr ist der Denkprozeß größtenteils unbewußt und nicht-linear, sondern „umgekehrt“ orgonometrisch:

Das Ausmaß, in dem ich gar nicht „Artikel schreibe“, sondern einfach nur den Früchten eines autonom ablaufenden orgonometrischen Prozesses Ausdruck verleihe, bestimmt die Qualität meiner Beiträge.

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4 Antworten to “Die bioenergetischen Grundlagen des Nachrichtenbriefes”

  1. Klaus Says:

    „zu einer beträchtlichen Vereinfachung des Denkens. Es wird möglich, sämtliche Strukturen, welche die Lebensentwicklung weitertragen in ein und dasselbe Begriffssystem einzuordnen“ – klar, Wissenschaft will möglichst vereinfachen, auf gleiche Begriffe zurückführen. Aber wie das im einzelnen geht, ist sehr strittig, und Hass wie Konia bleiben da sehr metaphorisch. In jedem Fall wird man eine formale Explikatsprache benötigen; was deren Güte betrifft, haben Logiker in der Tradition Freges, Russells und des Wiener Kreises (das ist nicht Popper, der nur in Kontakt mit dessen Mitgliedern, z. B. Carnap, stand) das korrekte Schließen auf Sätze aus Sätzen zum Ausgangspunkt genommen. Das Zeigen ‚logischer Formen‘ mittels formaler Sprachen war in der Tat mit interdisziplinären Ansprüchen verbunden; das ist alles als Anspruch etabliert. Doch in den Details, derentwegen eine Sprache den Ansprüchen genügt oder nicht, darin steckt der Teufel. Und mit den Pfeildiagrammen der orgonomischen Tradition bin ich sicher nicht zufrieden.

  2. Peter Nasselstein Says:

    Intelligente Kritiker der Orgonomie würden heutzutage den Orgonakkumulator als „Pseudomaschine“ abtun:

    http://www.parapsychologische-beratungsstelle.de/downloads/Pseudomaschine.pdf

    Beispielsweise hat Müschenich in Marburg durch seinen Doppelblindversuch nachgewiesen, daß der ORAC keine Pseudomaschine ist. Ihm wurde aber allen ernstes vorgehalten, daß der Anstieg der so gut wie unbeeinflußbaren Körperkerntemperatur vielleicht darauf zurückzuführen war, daß sich die Probanden im Innenblech des ORACs gespiegelt sahen – es sich also um eine psychologischen Effekt handelt und der ORAC folglich eine Pseudomaschine sei. Je mehr Brimborium man um den ORAC mache und je mehr Rituale mit ihm verbunden werden, desto besser wirke diese Pseudomaschine. Er wirkt, das sei aber keinerwegs ein Nachweis des Orgons.

    Die „Skeptiker“ sind Vollidioten, die man getrost ignorieren kann. „Vollidioten“, weil sie einem pseudowissenschaftlichen Szientismus anhängen, einer Religion. Sie entsprechen in etwa den mechanistischen Materialisten im Vergleich zu den „dialektischen Materialisten“ wie Reich Ende der 1920er Jahre. Ernsthafte Kritiker argumentieren „dialektisch“ mit „Verschränkung“, die das Subjektive, Komplexe und Unwiederholbare berücksichtigt. Für solche Leute ist die Orgonomie amüsant und unsereins ein armes Schwein, weil er sich in einem Gespinst verfangen hat, aus dem es kein Entkommen mehr gibt, weil die Verschränkung tagtäglich durch den Nachrichtenbrief verstärkt wird.

    Darauf gibt es eine einfache Antwort: Einfachheit und Nüchternheit, wie sie jede Wissenschaft (Naturwissenschaft!) auszeichnet. Wie ich schon häufiger sagte: Wenn der Leser hier irgendwas nicht nachvollziehen kann, dann liegt es mit hoher Wahrscheinlichkeit an mir, der unbewußt an einer Art virtueller „Pseudomaschine“ bastelt, und nicht am Leser. Mit dem „Glauben“ und Schlucken des Unverständlichen fängt der faschistische Kult an – der nichts anderes ist als eine Pseudomaschine!

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