Papiergeld und Warengeld

Die Österreichische Schule der Ökonomie glaubt, daß Papiergeldsysteme alles andere als selbstverständlich oder gar „naturgegeben“ sind. Sie haben gegenüber Warengeldsystemen (Gold, Silber, Kupfer und andere Edelmetalle) keine Vorteile und sind inhärent instabil.

Erst 1973 wurde der Goldstandard endgültig abgeschafft und das erste Mal in der Geschichte haben wir heute weltweit ein Papiergeldsystem. Bisher sind alle Papiergeldsysteme zusammengebrochen, entweder indem man rechtzeitig zum auf Waren (meist Gold und Silber) basierten System zurückkehrte oder indem es zur Hyperinflation und infolge zum gesellschaftlichen Kollaps kam. Alles sieht danach aus, als würde auch das gegenwärtige System so enden. Nur, daß diesmal der Zusammenbruch den gesamten Planeten umfassen wird.

Der Unterschied zwischen den Papier- und Warengeldsystemen liegt darin, daß die Menge des Papiergeldes flexibel ist, während Warengeld mehr oder weniger fix ist. Beispielsweise konnten Bush und Obama die Krise von 2008 überwinden, indem sie Unmengen von frischem Geld in die Wirtschaft pumpten. In einem System mit Warengeld wäre dies unmöglich, da Geld zunächst einmal erwirtschaftet werden müßte.

Hieran sieht man bereits das Grundproblem: das, was das ganze System am Leben erhält, da es den Austausch von Gütern ermöglicht, das Geld, wird verwässert und alle ökonomischen Regeln willkürlich außer Kraft gesetzt. Imgrunde ist es das gleiche System wie einst im Ostblock.

Das Gegenargument lautet meist: wir leben in einer wachsenden Wirtschaft und brauchen deshalb auch eine wachsende Geldmenge. Die Antwort darauf lautet, daß Geld dem Tausch dient und deshalb (in vernünftigen Grenzen) jede Menge an Geld paßt. Wenn sich entsprechend auch alle anderen Preise anpassen, ist es vollkommen egal, ob ein Auto EUR 60 000 kostet oder EUR 600, ein Fahrrad EUR 600 oder EUR 6, eine Flasche Olivenöl EUR 6,00 oder EUR 0,06. „Geldmengensteuerung“ ist planwirtschaftlicher Unsinn.

Statt wie im Papiergeldsystem, wo alles immer teurer wird (Inflation), kommt es in einem Warengeldsystem zu einer natürlichen Deflation: alles wird ständig billiger. Gegenwärtig sehen Ökonomen in der Deflation das schlimmste überhaupt, was geschehen kann, doch das zeigt nur, daß das Papiergeldsystem die Wirtschaft sozusagen „auf Droge“ gesetzt hat (siehe dazu Der Kult der Expansion).

Die Zentralbanken können so viel Geld produzieren, wie sie wollen – vollkommen willkürlich. Und tatsächlich bestimmt heute die Geldzufuhr den Zustand der Ökonomie, nicht umgekehrt, wie uns gerne weisgemacht wird. Hinzu kommt das „Mindestreserve-Bankwesen“: du hinterlegst EUR 100 bei der Bank, die es jemandem anderen verleiht, die Geldsumme hat sich also verdoppelt. Du sagst, du besitzt die EUR 100, und derjenige, der diese EUR 100 von der Bank als Kredit erhalten hat, behauptet ebenfalls diese EUR 100 zu besitzen.

Statt, daß Investitionen durch Ersparnisse finanziert und entsprechend verantwortlich (d.h. arbeitsdemokratisch) gehandelt wird, entsteht ein System vollkommener Verantwortungslosigkeit, das zwar zunächst zu einer Scheinblüte führt, aber über kurz oder lang zusammenbrechen muß. Man denke nur an die Immobilienblasen, die schon geplatzt sind und noch zu platzen drohen!

Und was das Zinssystem betrifft: Zinsen signalisieren, wie dringend das vorhandene Geld jetzt ausgegeben werden muß. Hohe Zinsen zeigen an, daß das Geld hier und jetzt benötigt wird („Ich leihe dir kein Geld!“), niedrige Zinsen zeigen an, daß der Konsum auch später erfolgen kann („Ich leihe dir sehr gerne Geld!“). Ökonomische Selbststeuerung der Gesellschaft!

Gegenwärtig wird durch künstlich billig gehaltenes Geld die Überexpansion angeheizt (es wird trotz Krise kräftig investiert) und vollkommen falsche ökonomische Signale gesendet (nämlich die, den Konsum zu drosseln – Kontraktion). Ein einziges Tohuwabohu. Früher oder später wird das Weltwirtschaftssystem über seine eigenen Füße stolpern.

Die Gegenwahrheit zu dieser Position der „Österreichischen Schule“ ist augenfällig: Die Wirtschaft ist nicht nur ein „objektives“ hydraulisches System, durch das Geld und Waren fließen, sondern es geht in ihr in erster Linie um „subjektive“ emotionale Erregungszustände. Es geht auch nicht nur um den Ausgleich irgendwelcher Ungleichgewichte, sondern um das unvorhersehbare Erschaffen „aus dem Nichts“. Ein schönes Beispiel ist der Milliardär Donald Trump, der mit einem Startkapital von 6 Millionen Dollar anfing. Daß er das innerhalb von vier Jahrzehnten vertausendfacht hat, bedeutet nicht, daß er („global gesehen“) anderen etwas weggenommen hat. Es ist schlicht mehr da, als es ohne ihn gegeben hätte. Von daher ist die Geldschöpfung „aus dem Nichts“ nicht so irrational, wie sie auf den ersten Blick erscheinen mag.

Anlagebetrüger treten „wie Donald Trump auf“ und geben vor, daß sie das Geld ihrer „Kunden“ auf wundersame Weise, quasi aus dem Nichts vermehren können. Der Unterschied zwischen Trump und einem Betrüger besteht darin, daß, obwohl sich auch bei letzterem alles um den Namen und das Image dreht, Trump sich einen Namen in der realen Welt gemacht hat und er von realen Dingen getragen wird, d.h. er hat sozusagen Substanz, während der Betrüger nichts weiter als Schall und Rauch ist. Das entspricht dem heutigen Weltfinanzsystem, das sich vollkommen von der Substanz, dem Gold, getrennt hat und glaubt, mit Gelddrucken („Hilfspakete“) Länder wie die USA oder Griechenland retten zu können, weil das auf mystische Weise angeblich irgendwelche „Impulse setzt“. Das gegenwärtige Weltwirtschaftssystem ist eine merkwürdige Mischung aus Mystizismus und Mechanismus („quantitative easing“), die nur durch eine funktionelle Ökonomie überwunden werden könnte, die sowohl die emotionalen als auch die „realen“ Aspekte der Wirtschaft berücksichtigt, ohne daß es zu mechano-mystischen Kurzschlüssen kommt.

papierwaren

Es bedarf orgonotischen Kontakts, um die qualitativen und quantitativen Aspekte des ökonomischen Systems richtig zu bewerten; zu erkennen, daß sich in der Wirtschaft alles um Emotionen dreht, d.h. die Einschätzung der Zukunft (Kreditvergabe), dies aber stets durch „Realitäten“ (insbesondere die weitgehend fixe Goldmenge in der Welt) fundiert und im Rahmen gehalten werden muß, damit das System nicht außer Kontrolle gerät. Das Gold gemahnt ständig an die Wirklichkeit, d.h. die „Endlichkeit“.

Die Österreichische Schule will nicht wahrhaben, daß es auch zu Zeiten des Goldstandards nie ein reines Warengeld gegeben hat, sondern daß die Golddeckung wegen der Kreditvergabe der Banken tatsächlich stets nur marginal war; bzw. daß diese fehlende Golddeckung nicht einfach nur „Betrug“ war, – den man ohnehin niemals wird unterbinden können. Das bedeutet aber umgekehrt nicht, daß man auf die Golddeckung ganz verzichten kann, wie heute die gängige ökonomische Lehre glaubt. Das Gold ist wie jede „Substanz“: sie hindert am „Abdriften“. Auch wenn die Analogie etwas abwegig klingt: ohne Reibung und Gravitation würden wir hilflos im Nichts driften – ohne Goldstandard driftet die Weltökonomie in die Katastrophe. Siehe Robert Harmans Ausführungen.

Wie dieses „Abdriften“ konkret aussieht, ist etwa ersichtlich, wenn man die Produktivitätssteigerung mit der Lohnsteigerung vergleicht. In den USA liefen die beiden Graphen bis 1973 parallel. Danach stieg die Produktivität weiter im gleichen Tempo an, während die Löhne seitdem weitgehend auf dem gleichen Niveau verharren.

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21 Antworten to “Papiergeld und Warengeld”

  1. Robert (Berlin) Says:

    Mit Voraussagen sollte man immer vorsichtig sein.
    Der beste Trend-Forscher ist meines Wissens Gerald Celente.
    http://www.trendsresearch.com/index.htm

    Niemand weiß, wann der Crash kommt, aber man kann sich darauf vorbereiten.

  2. Manuel Says:

    „Leute, legt euch einen Schrebergarten zu … und baut eure Nahrungsmittel selbst an.“
    Das habe ich schon getan und kann es auch nur jedem empfehlen! Und wenn man im Schrebergarten völlig autark mit Kompost und Brennesseljauche düngt – statt mit extrem energieintensiv hergestelltem „Kunstdünger“ – wird man erleben, wie Kohlrabi, Bohnen und Salat EIGENTLICH schmecken. Das ist wirklich eine Offenbarung! Und diese Nahrung ist dann auch wirklich wieder Medizin, wie das irgend so ein alter Grieche mal gefordert hatte… 😉

  3. David Says:

    Was ist dann mit der Finanzkrise von 1825? Sie war ganz ähnlich wie die jetzige.

    War nicht damals der Goldstandard noch da? Hat man kurze Zeit vor der Krise irgendwelche Tricks angewendet um den zu umgehen? Wenn ich Zeit habe, werde ich mehr recherchieren. Bislang habe ich nur gefunden, dass in der englischen Wikipedia ein Artikel zur Panic of 1825 ist …

    • Peter Nasselstein Says:

      Erst kurz vorher war man nach den Wirren der Napoleonischen Kriege zum Goldstandard zurückgekehrt.

      Die wichtigsten Punkte sind erstens, dass der Goldstandard nicht die Verantwortung für die Krisen der Vergangenheit trägt. Sie wurden durch die Unfähigkeit verursacht, das Versprechen zu halten, die Schuld in Gold zu begleichen. Und zweitens, dass der Goldstandard keinesfalls die Krisen auslöst, dass er stattdessen vielmehr die Zunahme der Geldmenge unter Kontrolle halten kann. Deshalb hat der Goldstandard schon oft unhaltbare Booms verhindert und dadurch auch die Krisen, die notwendigerweise gefolgt wären.

      http://www.investor-verlag.de/kein-respekt-gegenueber-dem-goldstandard/112913495/

  4. David Says:

    kommt es in einem Warengeldsystem zu einer natürlichen Deflation:

    Und in der Deflation ist – schulwissenschaftlich – keine Vollbeschäftigung möglich, sondern Massenarbeitslosigkeit vorhanden. Wie also kann man unter angegebenen Bedingungen Vollbeschäftigung herstellen?

    • Peter Nasselstein Says:

      Deflation unter Warengeld ist etwas grundlegend anderes als Deflation unter Papiergeld. Im ersten Fall wird alles billiger: MAN BEKOMMT MEHR FÜR SEIN GELD! Im zweiten Fall wird die an sich beste Sache zur ultimativen Katastrophe, weil unter Deflation die Schuldenlast wächst.

      Nur ein Beispiel wie abgrundtief krank unser gegenwärtiges antiarbeitsdemokratisches Wirtschaftssystem ist!

  5. David Says:

    Alles nur, weil Geisteskranke glauben, man könne Geld drucken.

    Zitat hierzu aus dem deutschen Wikipedia-Artikel über Ben Bernanke, welcher seinerseits ihn zitiert:

    Die vor einigen Jahren in den USA und anderen Ländern befürchtete Deflation hielt Bernanke für keine große Gefahr: „Die US-Regierung verfügt über eine Technologie, genannt Druckerpresse (oder heute ihr elektronisches Äquivalent), die ihr die Produktion so vieler US-Dollars erlaubt, wie sie wünscht – und das ohne Kosten.“

    Über das Edelmetall-Geld kann man spekulieren, dass es eine Erfindung aus sehr alten, matriarchalen Zeiten ist: die Frauen könnten, zunächst aus Freude, Schmuckstücke (Gold, Silber, Edelsteine) miteinander getauscht haben, könnten dann später auf die Idee gekommen sein, diese Dinge auch gegen etwas anderes zu tauschen (also als Geld zu benutzen).

  6. O. Says:

    Die Frage ist doch, was bedeutet der Crash? Kein Essen, keine Arbeit, keine Transportmöglichkeiten mehr? Und für wie lange?
    Mieten können nicht mehr gezahlt werden etc. – Das komplette Chaos.

  7. David Says:

    O. hat gesagt:

    Die Frage ist doch, was bedeutet der Crash? Kein Essen, keine Arbeit, keine Transportmöglichkeiten mehr? Und für wie lange?

    Sehr wahrscheinlich ist, dass erstmal alle Bankfilialen geschlossen und alle Geldautomaten ausgeschaltet sein könnten, so wie vor einigen Jahren in Argentinien.

    Und wie geht es dann weiter? Wenn ich über eine größere Menge Bargeld verfüge, wird dieses zunächst noch angenommen werden? Anfangs ja, denn viele Leute werden Geld abheben wollen und merken, dass es nicht geht, und ihnen werden Zahlungen in Papiergeld anfangs ganz recht sein. Aber nicht mehr lange!

    Dann wird das Papiergeld bald nichts mehr wert sein.

    Bald wird der Vermieter mich aus der Wohnung rauswerfen wollen. Aber er wird es nicht tun, denn auch ein anderer Mieter wird nur mit dem Papiergeld zahlen können, welches nichts mehr wert ist; der Vermieter hat also dadurch dass er mich austauscht, keinen Vorteil.

    Vermutlich wird es, wenn der Staat dann kein neues „Gesetzliches Zahlungsmittel“, d.h. zwangsweise gültiges Geld, einführt, zunächst über die Zigarettenwährung und ähnliches (z.B. Drogen als Zahlungsmittel) zu einem Warengeld (z.B. Gold oder Silber) kommen.

    Was ist, wenn die Eurozone zusammenbricht, aber Kreditkarten noch akzeptiert werden? Andererseits kann ja der Zahlungsempfänger die empfangene Zahlung nicht realisieren, weil wie gesagt die Banken zu und die Geldautomaten ausgeschaltet sind …

    Und wie lange wird der Zustand ohne Geld dauern? ich schätze mal, ein halbes Jahr. So lange kann man ohne Nahrung nicht überleben. Vielleicht steht, wer Verbindung zu einem Drogensyndikat hat und mit Drogen zahlen kann, eine Zeitlang ganz gut da.

    Vielleicht wird aber der Staat sehr schnell irgend so etwas einführen wie damals die „Rentenmark“ …

    • Peter Nasselstein Says:

      Man brauch sich ja nur anschauen, was unmittelbar nach dem Krieg passiert ist: eine absurde Mischung aus staatlichen Zwangsmaßnahmen einerseits und die spontane Reorganisierung der Wirtschaft auf der Grundlage knapper Waren (Zigaretten, Kaffee, Edelmetalle, „unbegrenzt“ haltbare Lebensmittel, etc.), möglich wäre auch „Privatgeld“, das sich dann auf dem Markt durchsetzen müßte, Tauschringe, etc.pp. Irgendwie wird es schon weiter gehen. Was mir Sorgen macht: im Moment befindet sich die Gesellschaft in einem krankhaften Zustand der Überexpansion. Wenn es zu einer abrupten Kontraktion kommt, werden die Menschen wieder mehr zueinanderfinden (man denke nur an die Gesellschaft in der „DDR“!), d.h. jene, die sich zusammengehörig fühlen. Resultat könnten Zustände wie in Jugoslawien sein mit ethnischen Säuberungen. Das ist seit 30 Jahren in der Mache, denn Multikulti ist nicht weniger rassistisch als das völkische „Gegenteil“. Siehe http://charleskonia.com/2010/10/21/the-perils-of-multiculturism/

  8. David Says:

    Habe eben den Wikipedia-Artikel über Murray Rothbard gelesen und finde, was da steht, ganz sympatisch.

  9. Peter Nasselstein Says:

    Aktuelle Meldung – Währungsverfall: Weltbank-Chef will Goldstandard

    http://ef-magazin.de/2010/11/08/2662-aktuelle-meldung–waehrungsverfall-weltbank-chef-will-goldstandard

  10. Peter Nasselstein Says:

    Leute, bereitet Euch darauf vor: der Crash steht unmittelbar bevor! Papiergeld ist ein Verbrechen an der Menschheit.

  11. Peter Nasselstein Says:

    Kapitalismus = Sozialismus:

    Anstatt die notwendigen Korrekturen an den Finanzmärkten vorzunehmen und die aus den Fugen geratenen internationalen Märkte zu regulieren, lieferten die Regierenden sich und ihre Länder zunehmend den intransparenten Machtstrukturen in Banken, Versicherungen und Hedgefonds aus.

    =

    Anstatt die planwirtschaftlichen Irrtümer des vergangenen Jahrzehnts einzusehen und sich marktwirtschaftlicher Vernunft zu besinnen, stürzen sich die Regierenden in ein zunehmend sozialistisch anmutendes, volkswirtschaftliches Desaster, und reißen uns alle mit.

    http://www.pi-news.net/2011/06/wo-milch-und-honig-fliesen/

  12. David Says:

    Peter hat gesagt:

    Kapitalismus = Sozialismus:

    Anstatt die notwendigen Korrekturen an den Finanzmärkten vorzunehmen und die aus den Fugen geratenen internationalen Märkte zu regulieren, lieferten die Regierenden sich und ihre Länder zunehmend den intransparenten Machtstrukturen in Banken, Versicherungen und Hedgefonds aus.

    =

    Anstatt die planwirtschaftlichen Irrtümer des vergangenen Jahrzehnts einzusehen und sich marktwirtschaftlicher Vernunft zu besinnen, stürzen sich die Regierenden in ein zunehmend sozialistisch anmutendes, volkswirtschaftliches Desaster, und reißen uns alle mit.

    Kapitalismus = Sozialismus:

    in demn sehr emotionalen Dokumentarfilm „The Big Sellout“ .- „Der große Ausverkauf“ wo auch Herr Stiglitz vorkommt und zeigt sich, dass vieles nicht mehr funktioniert, wenn globalisiert und privatisiert wird. Die Wirkung auf Eisenbahnen und andere wichtige Dinge ist, wie ich meine, ganz ähnlich wie in den sozialistischen Diktaturen:

    Weiteres Nachdenken meinerseits ergibt:

    Betriebe und andere Dinge verlottern, funktionieren von Jahr zu Jahr schlechter, weil wenn es allen – oder dem Staat – gehört, fühlt sich niemand mehr richtig verantwortlich.

    =

    Dinge wie Wasser- und Strom stehen nach der Privatisierung etwa in Cochabamba oder Soweto der Mehrheit der Bevölkerung nicht mehr zur Verfügung, weil diese die neuen, höheren Preise nicht bezahlen kann. Jedoch fühlt sich der Kapitalist nicht verantwortlich und steckt daher die Gewinne nicht in die Instandhatlung des Systems.

    Offenbar liegt das Problem vor allem in der Art, wie privatisiert wird, nämlich zugunsten von Kapitalisten bzw. Konzernen, bei denen die Funktion der

    Verantwortung

    nicht da ist, sondern deren Mentalität ist : Ausquetschen, Ausquetschen, Ausquetschen, und dann wegwerfen.

    Zu Zeiten der deutschen Wiedervereinigung und der Umstellung der DDR auf das westliche Wirtschaftssystem war man immerhin theoretisch noch der Ansicht, das ist Wiedervereinigungskriminalität, ansicht gehören Leute die so vorgehen ins Gefängnis und man hat nur die meisten nicht erwischt!

    Man kann also nicht sagen: Marktwirtschaft ist gut und Sozialismus ist schlecht, auch nicht umgekerht, sondern mein Fazit ist: diese Dinge haben mit der Funktion der Verantwortung zu tun.

    Im Fall der britischen – und auch der neuseeländischen – Eisenbahn funktioniert es offenbar in den Händen des Staates besser.

    Häufig Verhätnisse die mit Sub-Sub-Unternehmern o.ä. zu tun haben: dies könnte auch sein bei den Klimaanlagen-Problemen der deutschen ICE-Züge.

    Wäre hier mehr Verantwortlichkeit, dann wären auch, wie ich glaube, die Anlagen – vielleicht – nicht so hochkompliziert und vollelektronisch, dass statt eines Wagens immer gleich der ganze Zug betroffen ist und dass auch eine kurzfristige Reparatur – etwa über Nacht – nicht möglich ist.

    So ist es aber.

  13. Robert (Berlin) Says:

    Auch Paris hat seine Wasserwerke wieder rekommunalisiert und hat diesmal alle Verantwortlichen und Betroffenen an den Tisch und an das Entscheidungsrecht gebracht – in voller Transparenz für die Öffentlichkeit. „Gebt Verantwortung der lebensnotwendigen Arbeit“ war Reichs Motto. Wie Recht er doch hatte.
    Weg von Kapitalismus und Sozialismus, hin zur Arbeitsdemokratie!

  14. Zeitgenosse Says:

    Hallo Peter!

    Die Blogbeiträge „Papiergeld, usw.“ und „Der Kapitalismus ist nicht die Lösung“ sind ok…ich stimme weitestgehend zu.

    Meine Frage: stehst du persönlich noch hinter den Inhalten dieser beiden Beiträge (und anderer); deine Ansicht hat sich ja inzwischen etwas modifiziert. Die beiden angesprochenen Beiträge stammen ja aus älterer Zeit.

    • Peter Nasselstein Says:

      Sich wandelnde Ansichten? Die Öffentlichkeit nimmt an meinem Lernen teil!

      An sich stehe ich hinter allem, was hier so steht – bis ich ältere Sachen von mir erneut lese und mir das dann irgendwie fremd ist.

      Worum es imgrunde immer geht, ist die Frage nach dem Verhältnis von Arbeitsdemokratie und Kapitalismus.

  15. Sebastian Says:

    Die Gemeinsamkeit von „Papiergeld-“ und „Warengeldsystemen“ ist, dass es beide Kreditgeldsysteme sind, die auf Eigentumsoperationen basieren. Sowohl hier als auch dort sind die Kreditgeldmengen durch das vorhandene, verschuldungsfähige Eigentum begrenzt.

    Der Unterschied ist, dass das Warengeldsystem zusätzlich durch das Warengeld begrenzt ist. Das hat zur Folge, dass das exponentielle Wachstum der Vermögen und Schulden in Warengeldsystemen schneller an seine Grenze kommt. Es kommt chronisch zu Minizusammenbrüchen und einem stagnierenden ökonomischen Wachstum. In Papiergeldsystemen können sich dagegen die Vermögen und Schulden höher auftürmen bis nicht mehr genug verschuldungsfähiges Eigentum vorhanden ist. Es kommt zu Boom- und Bustphasen mit einem anschließenden Megacrash und lang anhaltender Depression. Vor diesem Megacrash fürchten sich die Politiker heute und wollen ihn durch blinden Aktionismus aufschieben.

    Sorry for de Anglizismen.

  16. David Says:

    http://blog.cashflowclub-magdeburg.de

    Das Spiel Cashflow 101? Die Schriften von Herr Kiyosaki? Ob das wohl was taugt?

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