Wilhelm Reich und unsere Ahnen

Es ist offensichtlich, daß Reich mit persönlichen Dämonen gerungen hat, die zu seinem frühen, tragischen Tod beigetragen haben. William Schlamms „Theorie“ habe ich bereits referiert, bei Reichs Biographen Myron Sharaf ist es der Selbstmord der Mutter, für den Reich sich verantwortlich fühlte, andere führen den frühen sexuellen Mißbrauch an, dem Reich angeblich zum Opfer gefallen ist.

Nun, Reichs „Humorlosigkeit“, der auch seinem Freund Alexander Neill aufgefallen war, bezog sich hauptsächlich auf sexuelle Witze und Zoten. Reichs Sekretärin und zeitweilige Geliebte Lois Wyvell hat dazu gefragt, was denn beispielsweise an einem ästhetisch und emotional ergreifenden Sonnenuntergang „lustig“ sei. Nun, was ist dann an der Genitalen Umarmung „witzig“? Was am Leid der orgastischen Impotenz – daran, daß die überwiegende Mehrheit der Menschheit in einem „energetischen Sumpf“ lebt?

Was die Tragödie der Familie Reich betrifft: in einem seiner allerersten psychoanalytischen Aufsätze hat er diesen Fall, entsprechend verfremdet, lang und breit ausgewalzt, hat oft darüber mit Freunden (meist psychoanalytische Kollegen) gesprochen – es war nichts, was er verdrängt hat.

Und schließlich die frühen sexuellen Erfahrungen: die hat er mit fast allen Kindern von Großgrundbesitzern geteilt. Überhaupt: ständig haben sich irgendwelche Nutztiere begattet und all die Mägde und Knechte hatten kaum eine andere Freude im Leben als einander zu beglücken – und zumindest im Sommer alle Möglichkeiten der Welt.

Ich möchte auf all dies nicht weiter eingehen, sondern meine eigene Theorie vortragen 😉

Gleich bei der ersten Lektüre bin ich über eine der unsinnigsten Stellen in Reichs Werk gestolpert:

Ich bin ein biologischer und kultureller Mischling (mongrel), und ich bin stolz, das geistige und körperliche Ergebnis aller Klassen und Rassen und Nationen zu sein, und nicht reinrassig wie du, noch reinklassig wie du, noch chauvinistisch wie du, kleiner Faschist aller Nationen, Rassen und Klassen. (Rede an den Kleinen Mann, S. 37).

Diese Aussage ist, zumindest was die Biologie betrifft, nicht nur schlicht Unsinn, sondern einfach nur ungeheuerlich, denn sowohl Reichs Vater als auch seine Mutter (die Ronigers) konnten auf eine lange ungebrochene Vorfahrenreihe aus Rabbinern zurückblicken. Man braucht sich Reich nur anzuschauen und etwa mit David Ben-Gurion oder Ariel Scharon zu vergleichen, um sofort zu sehen, daß er „reinrassiger“ Jude war. (Untersuchungen des Genoms von europäischen Juden scheinen Reich aber eher recht zu geben.)

Liest man die Biographien, die seine Frau Ilse Ollendorff und sein Mitarbeiter Sharaf über ihn geschrieben haben, fällt auf, daß Reich sich mit Gewalt von seinen familiären Wurzeln losgerissen hat und beispielsweise auch nichts mit der Familie seiner Ehefrau zu tun haben wollte. Ein Mann ohne Herkunft und ohne nationale Identität. Jemand, dem am Ende sogar der Gedanke kam, sein Vater wäre nicht Leon Reich, sondern ein „Außerirdischer“ gewesen (Das ORANUR-Experiment: Zweiter Bericht).

Wenn Reich einen „Knall“ hatte, dann kreiste er primär um seine Herkunft bzw. um deren einfach nur als krankhaft zu bezeichnende Leugnung.

Es ist müßig, über die Ursachen für dieses neurotische Symptom zu spekulieren. Wir würden nur im üblichen „psychohistorischen“ Geschwafel ertrinken. Viel wichtiger ist die Frage nach den Folgen für Reich und ganz allgemein für die Orgonomie, die von Reichs Persönlichkeit geprägt wurde.

Man fügt sich selbst schweren Schaden zu, wenn man sich von seinen Vorfahren abwendet. Sie leben in uns fort, ob wir es wollen oder nicht, ob es in unsere Weltanschauung paßt oder nicht. Das kann jeder bezeugen, der adoptiert wurde (oder seine Existenz gar einer künstlichen Befruchtung verdankt) und nichts über seine biologische Herkunft weiß. Man denke nur an Alex Haleys Lügenmärchen Roots: The Saga of an American Family, das von der Sehnsucht nach „Wurzeln“ spricht.

Wie nicht zuletzt Haley zeigt, war, historisch gesehen, bis vor kurzem das Wissen um die Vorfahren, um die Stellung in der Ahnenreihe, das wichtigste Wissen überhaupt, das ein Mensch haben konnte. Seit der Aufklärung wurden diese Bande zunehmend zerrissen. Ein „Progressiver“ wie Reich hat das ganz bewußt getan.

Die oben zitierte Stelle aus seiner Rede an den kleinen Mann beginnt mit dem Satz:

Ich bin der einzige in dieser Welt, der zu bestimmen hat, wer ich bin, und niemand sonst.

Klingt gut, aber – man kann nicht „aus seiner Haut raus“. Niemand kann seinem biologischen Erbe und seiner kulturellen Prägung entgehen. Billwerder-Moorfleet, Hamburg und den Genmix meiner Eltern werde ich ewig in den Knochen haben. Diese Wurzeln zu leugnen, ist so, als würde ich mich nicht mit meinem Körper identifizieren.

Seinem Schüler Elsworth F. Baker sagte Reich, ein Jude sei jemand, der regelmäßig in die Synagoge gehe. Womit Reich zu verstehen gab, daß er selbst und auch keiner seiner Schüler ein Jude sei. Baker hat das ganz und gar nicht überzeugt. Tatsächlich ist es ziemlicher Quatsch!

So zu tun, als ob man irgendwie nicht in diese Welt gehört, ist purer, krankhafter Mystizismus, der es schwer macht, sich rational zu verhalten. Es geht dabei natürlich nicht um das intellektuelle Wissen, daß meine Familienlinie auf, sagen wir mal, einen spanischen Söldner im 30jährigen Krieg oder einen obskuren slawischen Volksstamm im östlichen Polen zurückgeht, sondern um die emotionale Erfahrung Teil einer in Raum und Zeit verankerten Geschehniskette zu sein.

Man lese etwa die Geschichten auf der Weltseite der iGENEA Gentest.ch GmbH. Bei der iGENEA kann jeder mit Hilfe genetischer Testverfahren feststellen, woher er kommt. Erstaunlich sind die Geschichten, wo Leute unerklärliche Affinitäten zu bestimmten Dingen hatten und sich nach einer solchen Genanalyse herausstellt, daß die Vorfahren, von deren Existenz man nichts ahnte, ganz offensichtlich damit zu tun hatten.

In der Orgonomie dreht sich alles darum, wirklich im dreidimensionalen Raum zu sein, der nicht leer, kein bloßes Konzept ist, sondern von einem energetischen Medium, dem Orgon, angefüllt ist. Er ist etwas Lebendiges. Genauso sind wir Teil des lebendigen Stromes der Zeit. Reich:

Leben hat keine festen Vorstellungen davon, was in der Zukunft geschehen wird. Leben läßt diese Dinge ihren natürlichen Lauf nehmen. Die Zukunft erwächst aus dem ständigen Strom der Gegenwart, wie auch die Gegenwart aus der Vergangenheit hervorgeht. Sicherlich gibt es Gedanken, Träume und Hoffnungen für die Zukunft; aber die Zukunft beherrscht nicht die Gegenwart, wie dies beim gepanzerten Leben der Fall ist. (Christusmord, S. 72)

Dieser Film ist nicht nur ein Beispiel für Ahnenforschung, sondern auch ein Dokument der Sexualökonomie, Emotionellen Pest und Modjus in den 1930er Jahren!

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28 Antworten to “Wilhelm Reich und unsere Ahnen”

  1. Robert (Berlin) Says:

    Und schließlich die frühen sexuellen Erfahrungen: die hat er mit fast allen Kindern von Großgrundbesitzern geteilt.

    Dieselbe Erfahrung machte zB auch Victor Frankl (Buch: „Was nicht in meinen Büchern steht“), der mit Reich auch Kontakt hatte und ihm von seiner Jugendarbeit berichtete.
    Frankl war der Begründer der Logotherapie und Existenzanalyse, der sog. vierten tiefenpsychologischen Schule.

    Was mir noch zum Thema einfällt, ist Reichs große Ablehnung der Genetik. Sicherlich wurde zu seiner Zeit sehr großer Missbrauch damit getrieben, aber ihre Wirkung dermaßen zu vernachlässigen, hat womöglich auch mit Reichs Abstammungsproblematik zu tun.

  2. Robert (Berlin) Says:

    Thilo Sarrazin und das Juden-Gen – die Fakten

    http://info.kopp-verlag.de/hintergruende/deutschland/udo-ulfkotte/thilo-sarrazin-und-das-juden-gen-die-fakten.html

  3. Manuel Says:

    „Alle Juden teilen ein bestimmtes Gen“
    Ich stamme nicht aus der Oberschicht (genetisch bedingt!?), wie Herr Sarrazin und bin somit mit hoher statistischer Wahrscheinlichkeit weniger intelligent als er, deshalb will mir diese Aussage irgendwie nicht einleuchten. Seit ca. 2000 Jahren leben Juden in Mitteleuropa, wobei Juden ebenso wie nicht-jüdische Europäer häufig migriert sind – es gab Völkerwanderungen und mongolische und tatarische Reiterhorden und türkische Armeen, die sicher auch ihre genetischen Spuren hinterlassen haben. In diesem Zeitraum sind etliche Nicht-Juden zum Judentum konvertiert und/oder haben in jüdische Familien eingeheiratet (wie auch umgekehrt). Durch die bewegte Geschichte Europas sind wir alle, Juden oder nicht, das Ergebnis einer GUTEN rassischen Durchmischung, die ich ebenso positiv bewerte wie Wilhelm Reich. Auch ohne Gen-Analyse: schon sein Nachname weist darauf hin, das Herr Sarrazin von den muslimischen Sarrazenen abstammt… ist er nun ein Beispiel für gelungene Integration, oder eher doch nicht?
    Wenn Herr Sarrazin schon biologistisch-genetisch argumentiert, dann sollte er es auch richtig tun und sich mit der Materie auskennen: genetische Einheitlichkeit („Reinrassigkeit“) stellt in der Evolution keinen Vorteil dar, sondern ist ein Risiko-Faktor, der auf Dauer zum Aussterben der Population führen kann; Wenn die durchschnittliche Intelligenz in der deutschen Gesellschaft aufgrund der höheren Vermehrungsrate der „Minderwertigen“ abnimmt, dann stellt „Intelligenz“ offenbar keinen evolutionären Vorteil dar. Ich habe mal ein Rassenkundebuch aus der Nazi-Zeit in der Hand gehabt, wo genauso (biologisch falsch) argumentiert wurde. Für mich ist Herr Sarrazin mit seinen dämlichen Sprüchen ein Sinnbild für die geistige Stagnation im Lande. Seine Karriere ist ebenso sinnbildlich für die allmähliche Versumpfung Deutschlands in der Nachkriegszeit: Durch welche „Leistung“, Arbeit, Wissen, Fähigkeit oder „Intelligenz“ ist Herr Sarrazin denn zu seinen unzähligen gutbezahlten Posten in Aufsichtsräten und politischen Gremien gekommen? Ich schätze „Herkunft“ und „Gekungel“ reichen als Antwort.

    • Peter Nasselstein Says:

      Es ist absolut verheerend, wenn die Unterschicht sich überdurchschnittlich vermehrt. Blicken wir nach Südamerika:

      Für die IQ-Mittelwerte, die Lynn und Vanhanen für zahlreiche Länder zusammengestellt haben, liegen die Untersuchungen im Mittel etwa eine Generation zurück. Da bei PISA auch einige Entwicklungsländer teilnehmen, kann man die in IQ-Werte transformierten Ergebnisse [60] der PISA-Studie von 2000 und 2003 mit den früheren Zahlen vergleichen. [61] Dabei ergibt sich für einige Länder ein klarer Trend um durchschnittlich 10 IQ-Punkte nach unten: Brasilien IQ 87 auf 78, Peru IQ 90 auf 76, Chile IQ 93 auf 83, Uruguay IQ 96 auf 87, Indonesien IQ 89 auf 79. Das Absinken bei Mexiko, IQ 87 auf 83, wo 28% der Kinder in Armut aufwachsen, dürfte noch im Rahmen des Meßfehlers liegen. Wenn man die demographische Umschichtung [62] in diesen Ländern betrachtet, so liegen die Ursachen auf der Hand: In Brasilien z. B. hatten die 2,5% der Frauen, die in Haushalten mit einem Spitzeneinkommen lebten, bereits 1970 eine Kinderzahl unter 2,0. In den vier ärmsten Gruppen, die etwa 48,5% der Bevölkerung ausmachten, hatten die Frauen hingegen im Durchschnitt 7,4 Kinder. Ihr Bevölkerungsanteil vergrößerte sich damit bis 2000 auf 58%, der Anteil der Nachkommen der einkommensstärksten Bevölkerung sank auf 1,4%. Diese Entwicklung, die sich in allen lateinamerikanischen und zahlreichen anderen Ländern abspielen dürfte, bedarf keines weiteren Kommentars.

      http://www.v-weiss.de/zyklisch.html

      Im übrigen hat es auch am Rande der Orgonomie eine derartige „eugenische“ Diskussion gegeben. Reich hat nur auch verlagstechnischen Gründen nicht Otto Mainzers Die sexuelle Zwangswirtschaft veröffentlicht.

      http://www.lsr-projekt.de/wrb/wrb7.html#mainzer

  4. Robert (Berlin) Says:

    Hier möchte ich auf eine Komödie aufmerksam machen, die die fortschreitende Verblödung durch die Vermehrung der Dummen zum Thema macht.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Idiocracy

    http://www.veoh.com/browse/videos/category/entertainment/watch/v12000698EAksa4f2

    • Peter Nasselstein Says:

      Für unsere „Intellektuellen“ ist das alles nur Quatsch und unerträglich und blablabla. Man lese nur folgenden Kommentar zum Sarrazin-Buch aus dem Deutschlandfunk: http://www.dradio.de/dlf/sendungen/andruck/1260823/

      Genauso aggressiv wie – blöööööööööööööööööööd. Mein Gott, was für Vollpfosten doch die Rotmedien bevölkern. Sie selbst werfen Sarrazin & Co. vor, „krude“ zu argumentieren, können aber selbst kein einziges vernünftiges Argument beibringen.

      Charakteristisch auch die Häme, mit der Sarrazin vollgedeckt wird, nur weil er sexualökonomisch argumentiert.

  5. Manuel Says:

    Herr Sarrazin ist ein Intellektueller, der nie nützliche Arbeit geleistet hat sondern parasitär vom Kungelsystem profitiert hat – entsprechend krude ist seine Argumentation (selbst wenn seine Aussagen im Ergebnis teilweise richtig sind). Die „klassische“ Genetik und Selektionstheorie kann eben vieles nicht erklären und in der forschenden Wissenschaft ist das auch erkannt worden – deshalb der Boom der Epigenetik. Wer allerdings BIO-LOGISCH gedacht hat, wie Wilhelm Reich, hat das auch schon vorher gewusst.

  6. Robert (Berlin) Says:

    Meines Erachtens wird Sarrazin ziemlich überschätzt, weil er in eine Leerstelle eingedrungen ist, die seit 3 Jahrzehnten hohl gehalten wird. Das Thema der Massenimmigration gilt als heilige Kuh der Politik und niemand durfte sich wagen, sie anzurühren. Weil Sarrazin aber zur politischen Elite und nicht zum rechtsextremen „Abschaum“ oder universitären Elfenbeinturm gehört, kann man ihn nicht mehr so einfach abkanzeln.
    Was er bringt, ist darum nichts Neues, weil das haben andere auch schon festgestellt. Später werden wir feststellen, es war nicht mehr als Mittelmaß, was er zusammengetragen hat – nämlich dann, wenn einmal offen und frei über dieses Thema gesprochen werden darf.

  7. Robert (Berlin) Says:

    Hier noch ein Artikel von Henryk Broder:

    Angie und die Brandstifter

    http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/angie_und_die_brandstifter/

    „Diejenigen, die über Sarrazin herfallen, tun es nicht, weil er mit seinen Thesen daneben liegt, sondern weil er im Prinzip recht hat. Es sagt kaum etwas, das nicht schon bekannt wäre, er fasst nur viele Einzeldaten zu einer Lieferung zusammen. Und so genau wollen es die Anwälte des Status quo nicht wissen, denn dann müssten sie sich fragen, warum sie bis jetzt geschwiegen oder sich hinter Euphemismen wie “Bürger mit Migrationshintergrund” oder “bildungsferne Schichten” versteckt haben. Das kollektive Verlangen, Sarrazin zum Schweigen zu bringen, hat auch eine nach innen gerichtete Funktion: Die eigenen Zweifel sollen unterdrückt werden. Sarrazin ist der klassische Sündenbock. Er wird mit den Sünden der Gesellschaft beladen und in die Wüste hinaus gejagt. Wir erleben ein archaisches Ritual im High-Tech-Format. Die Selbstgerechten aller Klassen und Fraktionen treten zur virtuellen Steinigung an.“

  8. Manuel Says:

    Natürlich freut sich der „kleine jüdische Rassist“ über das Juden-Gen! Dieser Mechano-mystische Wahnsinn lässt ihn sich z.B. über seine Verstopfungs-Probleme erhaben fühlen!
    Wenn unsere Elite aus „Schwachmaten“ besteht (was ich nicht bestreite!), was ist dann mit der jüdischen Elite? Vermutlich handelt es sich um 15% intelligentere Schwachmaten…
    Ich bitte darum, sich den folgenden Ausschnitt aus dem von Peter Nasselstein angeführten Artikel des Tagesanzeigers noch einmal so richtig zu Gemüte zu führen:
    „In einem Interview mit der «Jerusalem Post» am 8. August 2010 sagte Eli Yishai, wenn ein Konvertit auf orthodoxem Weg zum jüdischen Glauben konvertiere, «hat er das jüdische Gen», wenn er nicht auf orthodoxem Weg konvertiere, «hat er das jüdische Gen nicht, so einfach ist das». Eine Woche früher habe zudem der israelische Künstler Yehoram Gaon in einem Radioprogramm das «jüdische Gen» erwähnt. Dem Sender Reshet Bet erzählte Gaon von einer wissenschaftlichen Studie, wonach die Palästinenser ein «jüdisches Gen» hätten und einige sogar mit dem «Cohen Gen» – angeblich ein Hinweis, dass die Person zur jüdischen Oberschicht gehört – gesegnet seien.“

    • Peter Nasselstein Says:

      Jede Generation bringt seine eigenen Antisemiten hervor. Heute stellt sich der Antsemitismus vor allem so dar, daß die Juden entweder kein einheitliches Volk seien (d.h. keine gemeinsame Herkunft haben) oder gar nicht aus Israel stammen, sondern auf ein zum Judentum konvertiertes Turkvolk zurückgehen. Mit anderen Worten: die Antisemiten wollen heute den Juden ihre völkische, insbesondere aber nahöstliche Identität nehmen. Dem setzt die Genetik ein Ende.

      http://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/7637

  9. Manuel Says:

    Auch ich habe in der jüdischen Allgemeinen einen Artikel gefunden, ein Interview, in dem Alexander Kekule meiner Meinung nach einige „intelligente“ Kommentare zum „Fall Sarrazin“ abliefert:

    http://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/8524

  10. Robert (Berlin) Says:

    Nochmals zurück zum ursprünglichen Thema.
    Reich musste seine Herkunft verleugnen, weil sie für ihn zu traumatisch war. Er hat sich ihr nie gestellt, d.h. seinem Trauma mit dem Tod seiner Eltern. Wie Leo Raditsa schrieb, soll sein Vater ihn körperlich bedroht haben, bevor er seine Mutter verriet, die dann Selbstmord verübte. Der Punkt der väterlichen Bedrohung lässt sich nicht mehr nachprüfen. Raditsa konnte im Jahre 1978 noch lebende Personen befragen, doch nun ist der Zug abgefahren.
    Dieses Trauma hat Reich zeitlebens geprägt, er hat seinen Vater verleugnet, da er behauptete, das Kind eines ukrainischen Bauern oder später eines Außerirdischen zu sein.
    Insofern hat Harry Mulisch (‚Das sexuelle Bollwerk‘) recht, mit diesem Trauma vieles erklären zu können; er macht allerdings den großen Fehler, alles mit diesem Trauma erklären zu wollen, auch das, was er, Mulisch, nicht versteht.

    • Peter Nasselstein Says:

      Möglich. Es gibt aber auch jede Menge anderer Erklärungsmöglichkeiten. Es geht bei so etwas nicht so sehr um „Geschichten“, sondern um Gefühle = bioenergetische Prozesse. Beispielsweise kann er die emotionale Atmosphäre aufgesogen haben, die zwischen seiner Mutter und seinem Vater und allgemein zwischen den Ronigers und Reichs herrschte.

      Und zum Nebenthema: mich erstaunt, daß bei der Sarrazin-Diskussion bisher nirgends erwähnt wurde, daß eine identische Debatte vor 15 Jahren in den USA ablief – übrigens war Murray, genau wie Sarrazin, nicht etwa ein „Rechter“, sondern ein Sozialdemokrat (a liberal):

      http://de.wikipedia.org/wiki/The_Bell_Curve

  11. Robert (Berlin) Says:

    Beispielsweise kann er die emotionale Atmosphäre aufgesogen haben, die zwischen seiner Mutter und seinem Vater und allgemein zwischen den Ronigers und Reichs herrschte.

    Das ist ja meine Kritik. Wir können nur noch spekulieren, weil unsere Zeugen (zB Reichs Verwandte) inzwischen Verstorben sind. Diese Geschichten können wahr sein, aber es ist nicht mehr nachprüfbar. Wie die emotionale Atmosphäre in Reichs Elternhaus war, darüber wissen wir gar nichts.

  12. O. Says:

    Ich würde vermuten, dass R. die Genetik einfach nicht überschätzt hat, wie wir es gemeinhin tun würden (wurde es nicht in der Schule als eine Art Glaube gelehrt?). Die Genetik ist ein Spiegelbild des aktuellen Gesundheitszustandes und verändert sich im Laufe des Lebens – so wie der Charakter und der Charakterpanzer sich (minimal) verändern, wenn man die geeignete Psychotherapie gefunden hat. Hat man Krebs, so erkennt man es auch an den Genen. Wenn Forscher nun nach dem „Krebs-Gen“ suchen, um es evtl. an „gesunden“ Menschen zu verändern, damit sie keinen Krebs entwickeln sollen, dann folgen sie quasi der psychoanalytischen Interpretation. Das Symptom muss einen Ursprung (z. B. Trauma) in der frühen Kindheit haben bzw. eben genetisch schon bei Geburt vorgelegen haben.
    Doch eine Symptom entwickelt sich – so wie der Krebs – charakterologisch oder sexualökonomisch/ „bioenergetisch“. [Jeder kennt Reichs Krebsbiopathie.] Wozu das Märchen von der Genetik? – Ich kann dem nichts abgewinnen.

  13. Klaus Says:

    „Märchen von der Genetik“ sagt mir nun wenig. Was ist so märchenhaft an der Annahme, dass Gene bei der Entwicklung von Eigenschaften eines Menschen eine Rolle spielen – sei es auch, was erworbene Eigenschaften betrifft (Epigenetik)? Streit betrifft ja eher die Frage: „Welche Eigenschaften in welchem Maße?“ Frage: „Reichs Krebsbiopathie“ – Hatte Reiche Krebs?

  14. O. Says:

    Es ist vielleicht spannender Lamarck zu folgen oder bei Darwin vielleicht nochmal die Originalliteratur zu lesen – evtl. hat er sich auch widersprochen. Das mit der Epigenetik ist tatsächlich ein interessanter Hinweis. Soweit ich Darwin noch in Erinnung habe, ging es in der Evolutiontheorie darum, dass die Fittesten überleben (survival of the fittest) werden und dadurch deren Eigenschaften, an die nächste Generation weitergeben werden. Ob dies über die Erbanlagen passieren muss, ist eine mögliche theoretische Überlegung …
    Von erfolgreichen Tier-Züchtern werden Stammbäume nach dem Mendelson Gesetz (rezessiv/ dominant) nach erwünschten Eigenschaften schon mal frei erfunden. Kreuzungen werden nach phänotypischen Eigenschaften geplant und durchgeführt.

    Zur Frage, ob beispielsweise die Depression oder der Krebs „genetisch“ bedingt sei bzw. vererbt wird, läßt sich beantworten, wenn man den DNA Code hierfür auf einem bestimmten Gen gefunden haben will; dies scheint jedoch sehr müßig zu sein, so dass für mich Zweifel angebracht sind. Nehmen wir eine „energetische“ Hypothese: Eine depressive Mutter bekommt ein Kind, dass später auch depressiv wird. Dies ließe sich allein durch das geringe Energieniveau erklären, ebenso beim Krebs. Es muss aber noch Unterschiede im „Energiemuster“ (Hypothese), so dass Depression von einer Krebsbiopathie sich unterscheidet. – Der Unterschied ist, dass der Krebspatient die Energie nicht mehr halten kann … – das Kind könnte dieses Energiemuster im Mutterleib übernehmen (und startet mit geringerer Ladung).

    Reich hatte keinen Krebs (darüber ist nichts bekannt). Reich schrieb ein Buch „Der Krebs“ und nennt die Erkankung, die zum Cancer führt, die Krebsbiopathie – das bedeutet Krebs entsteht nicht im Moment der Diagnose, sondern ist eine schleichender Prozess der Unterladung bis schließlich die Zellen zu einem Tumor degenerieren und zerfallen. Also wer das Buch nicht kennt, sollte es unbedingt nach der „Charakteranalyse“ und der „Funktion des Orgasmus“ lesen.

    In der Psychologie ist man mit „genetischen Hypothesen“ über Intelligenz und Gender (Geschlecht), soziale Schicht oder Hautfarbe vorsichtig geworden, hier wurden auch von Eysenk die wildesten Thesen vertreten. Und das führt wieder zu Hr. Sarrazin zurück, den man schon viel früher hätte von den Ämtern entheben müssen, als er sozial schwache Menschen diskriminierte und ins Lächerliche zog.

  15. Klaus Says:

    Lieber O,

    ich nehme an, dass jeder hier Reichs „Der Krebs“ kennt. Aber „Jeder kennt Reichs Krebsbiopathie“ war einfach eine arg missverständliche Formulierung.
    Was vererbt wird und was nicht, ist empirisch zu entscheiden, wobei die neuere Epigenetik die Erörterung komplizierter als zuvor macht. Eben weil die Antwort nicht von linken Wünschen abhängen sollte, finde ich es nicht sonderlich interessant, über Eysenck u. ä. herzuziehen. Das ist doch ein ziemlich alter Hut.

  16. O. Says:

    Ich tue mich mit der (fehlenden) Definition von links und rechts, liberal (was ja nicht links ist) und konservativ schwer. Wenn ich nicht weiß in welcher Partei einer ist, würde ich ihn nach seinem Auftreten und seinen Äußerungen prompt falsch einordnen.
    Die SPD ist in meinen Augen nicht links und wenn sie mal Politik macht, wird die noch rechter als die der Konservativen und man fühlt sich regelrecht „verraten“.
    Das schönste SPD Beispiel passt zur heutigen Verlängerung der überflüssigen Atommeiler: 1986 nach dem Tschernobyl Super-Gau wurde ein langsamer Ausstieg versprochen von der SPD. Und jeder konnte sich den heutigen Schritt der CDU/FDP schon 1986 denken: Wenn die Rechte dran ist wird sie das Gesetz zum Atomausstieg wieder verändert und der Atombertrieb geht weiter.
    Und was kommt dann als nächstes? Der schleichende Wiedereinstieg in zehn Jahren mit der neueren, sicheren und effizienteren Reaktor-Generation? – Oder Schalten wir die alten Atom-Schrott-Meiler endlich ab!

    In diesem Sinne kann ich Bakers Kritik des „liberalen“ – linken falschen Freiheitskrämer (oder „Atomgegner“) verstehen.
    Dies macht die konservative Pro-Atomtod-Politik nicht besser. Aber man fühlt sich (bei den Konservativen) nicht so verraten, weil man vorher weiß, wie falsch sie sind und Lügen schwingen über die „Gesundheit“ und „Umweltfreundlichkeit“ von Radiaktivität.

    So what difference does it make?

    Reichs Terminus „emotional plague“ hat keinen (politischen) Unterschied gemacht, sondern das Phänomen beschrieben und eine Erklärung dafür gesucht. Demnach bringt es auch nichts, sich mit „HIGS“ einzulasssen und von ihnen Einsicht zu erbitten.

  17. Vern Says:

    Es ist interessant, dass Reich, der den Koerper und seine Energie in die Psychologie eingefuehrt hat, solche Probleme mit der Herkunft (des Koerpers) hatte. Anscheinend stand der Koerper im Vordergrund seines Denkens.

    die Ablehnung von Einfluessen von Vorfahren auf das Verhalten eines Menschen scheint mehr eine Linie zu sein, die seine eigenen Vorfahren ebenfalls durchgefuehrt haben, in dem sie sich vom Judentum losloesten. (obwohl sie anscheinend noch so weit juedisch waren, dass sie sich einen juedischen Partner suchten). Es sieht so aus als ob Reich dieser familien Einstellung weiter folgte und sie in letzter Konsequenz ausuebte.

    Was eine typische Kontraststellung ist: In der Tat das durchfuehren was man im Geist ablehnt. Das funktioniert nur, wenn man (unterbewusst?) ausblendet. Diese Ausblendung hat vermutlich psychopathologische Ursachen und nicht intellektuelle.

    Eine richtige Einstellung waere, die Vorfahren-Einfluesse zu erkennen und einen Weg zu entwickeln, der davon frei macht.

    Die kommunistische Einstellung, dass ein Mensch das Produkt seiner Umgebung ist, hat sich bei ihm vermutlich tief eingegraben. Die Erkenntnis, das ein Mensch, ein Individuum eben aufgrund vieler Einfluesse so ist, wie er ist (darunter auch die Vorfahren-Einfluesse) musste von ihm deswegen natuerlich auch verneint werden.

    Ich denke, dass die Verneinung und die kommunistische Einstellung in ihm durch pathologische Umstaende begruendet ist.

    Das kommunistische Menschenbild (Lenin: das Bewusstsein des Menschen ist vergleichbar dem Magnetismus des Eisens) fuehrte Reich vermutlich zu der Erkenntis, dass die Orgone-Energie etwas aehnliches ist, was das kommunistische Menschenbild als Bewusstsein beschreibt.

    Das Ueberkommen dieses Menschenbildes muss ihm mit seinen biologischen Experimenten gelungen sein, indem er das Primat der Orgone ueber den Koerper stellen musste.

    Ob seine Faehigkeiten sich von hergebrachten wissenschaftlichen Konzepten zu loesen und neue zu entwickeln sich auch auf seine eigene Geschichte und Psychologie ausweitete ist nicht schluessig nachgewiesen.

    Reich war ein staendig Suchender und Forschender, Zitate, die man irgendwo in seinem Leben einmal gefunden hat, muessen nicht notwendigerweise tiefgehende Einstellungen gewesen sein. Ich gestehe ihm auch Aerger, subjektive Abneigung usw zu.

    Mir geht es nicht darum, den Menschen Reich zu verstehen sondern seine Erkenntnisse fuer mich zu nutzen und das heisst, selber nachzudenken und zu experimentieren, nicht Autoritaeten nachzuplappern.

  18. Tzindaro Says:

    In his last book, Contact With Space, Reich reported that grass grew out of bare desert sand without any seeds being there before. Grass is not a simple single-celled organism. It is a modern, seed-bearing plant with a supposedly long evolutionary history behind it. So if bions can self-organize into grass without any need for any ancestors, there must be some serious flaws in the whole modern concept of genetics.

    Bernard Grad, a student of Reich, said he had found out how to vary the bion development process so he could get the bions to grow into either ameboas or alge, whichever he wished. The alge had been identified by other biologists at McGill University as belonging to known species. So, if they had no ancestors, therefore no genetic connection to any other alge, there must be some problem with the theory of genes being responsible for characteristics of organisms.

    A precursor of Reich, Henry Carleton Bastian, who debated against Pasture in 1867, described his discovery of what Reich later named „bions“ and said that if he held colored glass filters between the developing bions and the sunlight, changing the wavelength of light they were exposed to, the species of microbes they developed into would change.

    Reich must have been right when he refused to accept the mechanistic idea of genes. Energetic conditions during development must be the factors that influence how an organism will develop. An energetic theory will someday replace the current genetic one.

    Regarding national traits: In Europe, where groups have lived in more or less the same place for many centuries, the idea that these members of these groups have some ancestors in common may seem to make sense, but in America, where nearly everybody who is not first or second generation American has mixed ancestry from several groups, the idea of genetics meaning anything seems strange. Millions of „whites“ have some Black or Indian ancestry they do not know about. And hardly anybody has ancestors from only one country in Europe after the first few generations.

    Alexis De Tocville, an early French traveler in America, wrote that „In Europe, the first question people ask upon meeting someone is, „Where are you from?“ In America, they ask, „Where are you going?“

    • claus Says:

      „A precursor of Reich, Henry Carleton Bastian, who debated against Pasture in 1867, […]“
      Siehe auch: Hume, Ethel Douglas (1923), Béchamp or Pasteur? A Lost Chapter in the History of Biology. London: Simpkin Marshall Hamilton Kent and Co Ltd.

      • Tzindaro Says:

        Bechamp found the bions, as did Reich. But Bastian not only discovered the bions, but also found they could develop into different species of micro-organisms depending on what color (wave length) of radient energy (light) they were exposed to during the developmental process. That throws out the entire concept of evoloution and genetics since there is no possible way two organisms could be identical if they have no ancestors in common according to conventional theories on evolution or genetics.

        Reich was right to consider genes an unproven and unprovable mystical theory, but he never developed the orgone theory to include an orgonomic theory of formation of species to replace the theory of evolution or an orgonomic theory of inheritance to replace the concept of genes. Obviously, both those theories are needed.

        Genetics is a right-wing theory, compatible with right-wing political interests because it presents the existing social order as biologically determined and therefore inevitable. Lysenkoism is a left-wing compatible theory because it presents social conditions as changeable and able to be improved. Both are political ideologies, not biological fact.

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