Wilhelm Reichs Buch CHARAKTERANALYSE

Reichs Charakteranalyse ist dreimal erschienen: das Original 1933, das Reichs Weiterentwicklung der Psychoanalyse zu einer Charakteranalyse (Gegenwart → Vergangenheit) dokumentiert, die zweite Auflage von 1945, die zusätzlich Material enthält, das zeigt, wie er direkt mit dem „orgonotischen System“ (Peripherie → Zentrum) im Menschen umgegangen ist und schließlich die dritte Auflage von 1949, die das gleiche für das „energetische Orgonom“ (Kopf → Becken) beschreibt. Hier präsentiere ich meine Übersetzung des Vorworts, das Reichs enger Mitarbeiter Theodore P. Wolfe seiner amerikanischen Übersetzung der Charakteranalyse 1945 vorangestellt hat.

1933 war die Veröffentlichung von Reichs Charakteranalyse ein Meilenstein der Psychoanalyse. Zu einer Zeit, als sich die Psychoanalyse immer mehr in metapsychologischen Spekulationen verfing, lag hier ein Buch vor, das auf soliden psychoanalytischen Prinzipien und auf präziser klinischer Beobachtung beruhte. Sowohl theoretisch als auch praktisch stellte es den ersten bedeutenden Schritt dar über die übliche Symptom- und Interpretationsanalyse hinaus. Theoretisch enthob es das Konzept „Charakter“ dem Bereich der Moralphilosophie und machte es zum Objekt wissenschaftlicher Untersuchung. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte die Psychoanalyse nur den historischen Hintergrund einiger individueller Charakterzüge untersucht. Der „Charakter“ als solcher wurde als eine unwillkommene Komplikation betrachtet und wurde als „gut“ oder „schlecht“ im üblichen Sinne eingestuft, anstatt wissenschaftlich untersucht zu werden. Eine wissenschaftliche Charakterologie, die die Frage nach Art und Funktion der Charakterbildung und der Bedingungen der charakterlichen Differenzierung, d.h. die Entwicklung fest umrissener Charaktertypen beantworten würde, war nie in Angriff genommen worden.

In der Praxis haben die neuen Einsichten in die Funktion des Charakters zwangsläufig zu grundlegenden Veränderungen der therapeutischen Technik geführt. Der Akzent verschob sich vom unbewußten Material, das durch „freie Assoziation“ erlangt wird, zum Charakter des Patienten, d.h. zu seinem „charakteristischen“ Verhalten bei der Abwehr gegen die analytische Einsicht und das unbewußte Material. Die Bedeutung dieser Änderung in der Technik kann nur von jenen Therapeuten gewürdigt werden, die sich selber einer Charakteranalyse unterzogen haben und die die Technik in ihrer eigenen Praxis gemeistert haben. Sie machte Patienten einer Behandlung zugänglich, die zuvor unzugänglich geblieben wären. Sie setzte jenen deprimierenden langjährigen Analysen, insbesondere bei Zwangsneurosen, ein Ende, wo ein Übermaß unbewußten Materials ohne irgendeinen therapeutischen Nutzen erschlossen wurde, weil es der Analyse nicht gelang, die Affekte des Patienten zu mobilisieren. Dies lag wiederum in der Tatsache begründet, daß die Affekte größtenteils im Charakterpanzer gebunden waren, aus dem man sie nur durch die charakteranalytische Technik befreien konnte. Da diese Phänomene verstanden und therapeutisch nun gehandhabt werden konnten, wurden die therapeutischen Alibis überflüssig, daß „der Patient keine Besserung wolle“, weil er ein „unbewußtes Strafbedürfnis“ hätte, einen „Todestrieb“, etc.

Von vielen Psychoanalytikern wurde das Buch enthusiastisch begrüßt. Über seine technischen Anleitungen wurde gesagt, sie gehörten „zum klarsten und eindeutigsten (…), was die psychoanalytische Literatur bis jetzt hervorgebracht hat“ und „zum besten und reifsten, was über Psychotherapie gesagt worden ist.“ „Der Wunsch [nach therapeutischer Anweisung] muß wirklich sehr stark gewesen sein, geht man von dem Eifer aus, mit dem Reichs Buch und Ideen von den jüngeren deutschen Analytikern aufgenommen wurden.“ Zieht man jedoch die psychoanalytischen Veröffentlichungen und private Gespräche mit Psychoanalytikern in Betracht, war ein tatsächliches Verständnis der Charakteranalyse sehr gering. Hauptsächlich beruhte es darauf, daß man nicht – wie es viele versucht haben – die Charakteranalyse akzeptieren und anwenden kann, ohne die Orgasmustheorie anzuerkennen. Man kann nicht argumentieren, wie es so viele Psychoanalytiker tun: „Ja, die Charakteranalyse ist richtig, die Orgasmustheorie aber nicht.“ Da das unzweideutige therapeutische Ziel der Charakteranalyse die Etablierung der orgastischen Potenz ist, folgt daraus, daß die Charakteranalyse und die Orgasmustheorie untrennbar miteinander verknüpft sind. Jedoch sind die Konzepte „orgastische Potenz“ und „orgastische Impotenz“ noch überhaupt nicht in das psychoanalytische Denken eingedrungen. Ein Mann wird immer noch als „potent“ betrachtet, wenn er erektil und ejakulativ potent ist. Auch hört man oft das Argument, daß Theorie und Praxis nicht notwendigerweise miteinander verbunden sind; daß man die eine Art von theoretischem Konzept und eine andere Art von Praxis haben kann. Das ist ein gefährlicher Irrtum und Selbstbetrug. Denn wenn man die Orgasmustheorie nicht akzeptiert hat, nicht erkennt, daß die Grundlage der Neurose sexuelle Stauung aufgrund orgastischer Impotenz ist, wirkt sich das unvermeidlich auf die Praxis aus: dann ist das praktische Ziel der Therapie nicht die Herstellung der orgastischen Potenz, so daß sich die sexuellen Energien, die im therapeutischen Prozeß freigelegt wurden, ein anderes Ventil suchen müssen. Dies macht wiederum die Formulierung einer entsprechenden Theorie notwendig: die der „Sublimierung“ und der „Verurteilung“. Theorie und Praxis sind so untrennbar miteinander verbunden wie Orgasmustheorie und Charakteranalyse. Besondere Erwähnung gebührt einer speziellen Art und Weise die Charakteranalyse „anzuerkennen“: die Verwendung der Bezeichnung „Charakteranalyse“ für eine Technik die rein gar nichts mit ihr gemein hat. Das ist eine heimtückische Art und Weise neue Entdeckungen aus dem Weg zu räumen, die viele Parallelen in der Geschichte der Wissenschaft hat (vgl. „Character-analysis.“ Internat. Journal of Sex-economy and Orgone-Research 1, 1942, S. 90ff.).

Diese wenigen Anmerkungen mögen andeuten, warum das Buch ein Meilenstein der Psychoanalyse war. Es war auch ein Meilenstein der Sexualökonomie. Es erschien zu einer Zeit, als sich in Europa die politischen Ereignisse zuspitzten. Wie viele vorangegangene Veröffentlichungen Reichs sollte es im Verlagshaus der Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung, dem Internationalen Psychoanalytischen Verlag, publiziert werden. Es wurde bereits korrekturgelesen als Hitler an die Macht kam, woraufhin es der Verlag ablehnte, das Buch mit entsprechender Verlagsangabe zu veröffentlichen. Reich war als Antifaschist zu bekannt geworden. Zur gleichen Zeit plante die Vereinigung den Ausschluß Reichs, der im folgenden Jahr, 1934 wirksam wurde. Die erste Auflage seiner Massenpsychologie des Faschismus erschien 1933, die zweite 1934. Die Jahre um 1933 waren für die Sexualökonomie eine Zeit der Umorientierung, die Zeit als der Durchbruch von der Psychologie zur Biologie gelang. Die theoretische Notwendigkeit war von Freud formuliert worden und eine praktische Verwirklichung hatte 1927 Reichs Die Funktion des Orgasmus erahnen lassen, wo er zum ersten Mal die Verbindung zwischen Sexualität und Angst auf der einen Seite und dem vegetativen System auf der anderen Seite formuliert hatte. So kann man es nicht einem plötzlichen Wechsel in den Konzepten zur Last legen, sondern es ist das Ergebnis einer allmählichen und unvermeidlichen Entwicklung, daß nach der Charakteranalyse Reichs Veröffentlichungen nicht länger psychologischer Natur, sondern biologischer und neuerdings biophysikalischer Natur waren. Die Entwicklung der letzten zehn Jahre war so schnell, daß das Tempo oft sogar für jene ziemlich unbequem war, die es aus unmittelbarer Nähe verfolgt haben. Für die meisten Menschen, die der Entwicklung nicht Schritt für Schritt gefolgt sind, mag es sogar so erscheinen, als gäbe es einen Bruch, der schwer nachzuvollziehen ist. Dieser Schwierigkeit wurde Rechnung getragen, indem der gegenwärtigen Auflage als Anhang Psychischer Kontakt und vegetative Strömung beigefügt wurde, eine Monographie, die 1935 veröffentlicht wurde. Der wesentliche Inhalt von Experimentelle Ergebnisse über die elektrische Funktion von Sexualität und Angst, einer Monographie, die 1937 publiziert wurde, findet sich in Die Funktion des Orgasmus von 1942. Das betreffende Buch beinhaltet auch die wesentlichen Teile von Orgasmusreflex, Muskelhaltung und Körperausdruck, das ebenfalls 1937 veröffentlicht wurde; es führt in die Technik der charakteranalytischen Vegetotherapie ein. Zieht man das in letzter Zeit in unserem Journal veröffentlichte mit in Betracht, gibt es in englischer Sprache ausreichend Material, das es dem ernsthaften Studenten ermöglicht, den Schritten zumindest theoretisch zu folgen, die von der Charakteranalyse von 1933 zur Orgontherapie und Orgonbiophysik von heute führten.

Bereits in der ersten Auflage von 1933 hatte Reich in seinem Kapitel über den masochistischen Charakter Freuds Todestriebtheorie widerlegt, mit der Freud nicht nur das Selbstdestruktive, sondern allgemein das Destruktive im Menschen erklären wollte. Das ergänzte Reich in der dritten Auflage von 1949 mit einem Kapitel über den pestilenten Charakter (die Emotionelle Pest), in dem gezeigt wird, warum und wie sich das Destruktive in der Gesellschaft ausbreitet. Ähnlich wie der Masochist, der vorgibt Schmerzen erleiden zu wollen, tatsächlich aber von seinen sexuellen Spannungen befreit werden will, ohne „Schuld“ auf sich zu laden, tut der Pestilente so, als wolle er nur dein Bestes, tatsächlich will er aber Erregung aus der Umwelt verbannen, die in ihm unerträgliche Spannungen hervorruft. Das vorgeschobene Motiv ist nie das wahre Motiv! (In den neueren von Mary Boyd Higgins zu verantwortenden amerikanischen Ausgaben der Charakteranalyse wurden diese funktionellen Zusammenhänge unsichtbar gemacht, indem das Kapitel über die Emotionelle Pest nicht mehr Folgekapitel des Kapitels über den Masochismus ist, sondern an das Ende des Buches gestellt wurde! Tja, die Emotionelle Pest…)

Hier ein Beispiel für die Emotionelle Pest und wie sie mit der von Wolfe umschriebenen Bioenergetik zusammenhängt:

Prof. Dr. Walter Klockenbusch, Leiter der Geburtshilfe an der Universitätsklink Münster, klagt an: Seit 30 Jahren werden Medikamente eingesetzt, die vorzeitige Wehen hemmen und so Frühgeburten verhindern sollen, die intendierte Wirkung bleibt jedoch aus. Trotz übermäßiger Verabreichung von Wehenhemmern ist die Frühgeburtlichkeit in den letzten Jahrzehnten leicht angestiegen.

Um so schlimmer sind die Nebenwirkungen: es kommt zu Herzrasen, Schlaflosigkeit, Unruhe, Nervosität, Erregung, Angstgefühlen, erhöhten Blutzuckerwerten; Herzinfarkte und Lungenödeme können die Folge sein.

Die Nebenwirkungen sind alles Symptome dessen, was Reich als „Sympathikotonie“ beschrieben hat. Siehe dazu Die Funktion des Orgasmus.

Warum das ganze? Vorzeitige Wehen ab der 28. Woche gehören doch zum normalen Rhythmus einer Schwangerschaft! D.h. die Gravida hat mehr oder weniger regelmäßig spontane rhythmische Muskelkontraktionen.

Und genau hier ist das Motiv für das irrationale Verhalten der Gynäkologen zu suchen: Die orgastisch impotenten Mediziner geraten in Panik und versuchen verzweifelt, die „unpassenden“ unwillkürlichen Zuckungen mit Medikamenten zu unterbinden. Wir haben es hier mit einem eindeutigen Beispiel für Emotionelle Pest zu tun: das geäußerte Motiv (die Verhinderung von Frühgeburten) ist nur vorgeschoben – ganz im Gegenteil wird auf sadistische Weise nur Schaden angerichtet.

(Selbstverständlich haben Wehenhemmer auch eine eng begrenzte rationale Funktion, um in speziellen Fällen die Geburt um bis zu 48 Stunden herauszuzögern, so daß beispielsweise die Lungenatmung des Fötus mit speziellen Medikamenten aktiviert werden kann.)

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15 Antworten to “Wilhelm Reichs Buch CHARAKTERANALYSE”

  1. Robert (Berlin) Says:

    Vielen Dank für diese Übersetzung.
    Solche Beiträge machen den Wert dieses Blogs erst richtig aus.
    Es ist schade, dass es zu Reich zZ keine neuen Ausgaben gibt, sondern nur noch talentbefreite Kreativfurunkel a la „Have You Ever Heard of…“ ihre Gehirnfäule verbreiten dürfen.

    Leider hat die Nachfrage nach Reichs Büchern ziemlich nachgelassen
    ( http://www.wilhelmreichmuseum.org/10_08_update.pdf ). Auch für deutsche Verlage lohnt es sich nicht mehr. Früher wurden die Bücher A. Lowens sofort übersetzt und im Kösel-Verlag veröffentlicht. Heutzutage werden weder Reichs letztes Buch „American Odyssee“ noch Lowens zwei letzte Bücher übersetzt.
    Das hat auch mit dem Sieg der Pharmaindustrie und dem neoliberalen Einsparungen zu tun, die nur noch Tabletten und mechanische Verhaltensdressur präferieren.
    Psychotherapie gibt es nur noch in der Kurzform. Man ist weit hinter dem zurückgefallen, was Wolfe die „übliche Symptom- und Interpretationsanalyse“ nennt, also ins 19. Jahrhundert, dem prä-Freudschen Zeitalter, als Überredung und Brom als „die“ Mittel galten. Statt Brom gibt es jetzt andere Pharmaka und die Überredung ist in NLP u. ä. transformiert, dh in Symptomunterdrückung.

    Zum Anaconda-Verlag kann ich mitteilen, dass ihre Bücher zwar auf billigem Papier gesetzt werden, was sicherlich mit dem günstigen Preis zusammenhängt, aber es sind keine fotomechanische Reprints, sondern echte Neudrucke. Ich habe mir dort schon den Neudruck der Erstausgabe der Traumdeutung von Freud besorgt.

    • Peter Nasselstein Says:

      Das Wilhelm Reich Museum berichtet über die Buchverkäufe des Verlages Farrar Straus & Giroux (FSG) im zweiten Halbjahr 2009 und des Museums selbst in den USA im gesamten Jahr 2009:

      • AMERICAN ODYSSEY (1999)
      4 copies (FS&G), 2 copies (WRM)

      • BEYOND PSYCHOLOGY (1994)
      18 copies (FS&G), 6 copies (WRM)

      • THE BIOELECTRICAL INVESTIGATION OF SEXUALITY
      AND ANXIETY (1982)
      66 copies (FS&G), 10 copies (WRM)

      • THE BION EXPERIMENTS ON THE ORIGIN OF LIFE (1979)
      53 copies (FS&G), 9 copies (WRM)

      • THE CANCER BIOPATHY (1973)
      131 copies (FS&G), 14 copies (WRM)

      • CHARACTER ANALYSIS (1963)
      261 copies (FS&G), 9 copies (WRM)

      • CHILDREN OF THE FUTURE (1983)
      60 copies (FS&G), 7 copies (WRM)

      • COSMIC SUPERIMPOSITION / ETHER, GOD AND DEVIL (1973)
      129 copies (FS&G), 15 copies (WRM)

      • EARLY WRITINGS (1975)
      7 copies (FS&G), 4 copies (WRM)

      • THE FUNCTION OF THE ORGASM (1961)
      313 copies (FS&G), 6 copies (WRM)

      • GENITALITY (1980) [published in 1927 as Die Funktion des Orgasmus]
      11 copies (FS&G), 3 copies (WRM)

      • THE INVASION OF COMPULSORY SEX MORALITY (1971)
      53 copies (FS&G), 6 copies (WRM)

      • LISTEN, LITTLE MAN! (1965)
      351 copies (FS&G), 19 copies (WRM)

      • THE MASS PSYCHOLOGY OF FASCISM (1969)
      113 copies (FS&G), 5 copies (WRM)

      • THE MURDER OF CHRIST (1966)
      115 copies (FS&G), 12 copies (WRM) 10

      • PASSION OF YOUTH (1988)
      9 copies (FS&G), 7 copies (WRM)

      • PEOPLE IN TROUBLE (1976)
      56 copies (FS&G), 7 copies (WRM)

      • RECORD OF A FRIENDSHIP: CORRESPONDENCE
      OF WILHELM REICH AND A. S. NEILL (1981)
      3 copies (FS&G), 5 copies (WRM)

      • REICH SPEAKS OF FREUD (1967)
      no figure available (FS&G), 3 copies (WRM)

      • SELECTED WRITINGS – AN INTRODUCTION TO ORGONOMY (1960)
      no figure available (FS&G), 15 copies (WRM)

      • THE SEXUAL REVOLUTION (1962)
      64 copies (FS&G), 2 copies (WRM)

  2. O. Says:

    Lieber Robert,

    ob gut oder schlecht – wer vermag das zu sagen!?… Mich freut, dass es noch einer merkt wie „geruchsintensiv“ hier in esoterischster Manier über W.R. fabuliert wird.
    Das es nun keiner mehr hören will und Reich kein angenehmes Thema mehr ist, liegt an denen, die lauthals zwei Jahrzehnte Müll gebrüllt haben.
    – Und es ist richtig, dass die andere Seite diese Etappe gewonnen zu haben scheint. VT und PA in abgespeckter Version arbeiten aber müßig daran, ein sinvolleres System auf die Beine zu stellen, dass die einzig mögliche (und „richtige“ – sowieso) Psychotherapie werden soll.
    Bei W.R. gibts nichts Neues (!) und ich vermute, dass wird auch so bleiben, bis der letzte alte Neo-Reichianer in der Kiste liegt. Erst dann gibt es Platz für Neues …

    Und was ich sagen wollte, Du bist nicht ganz alleine – lass Dir meine email geben und wir Treffen uns mal in Berlin.

  3. Der Rote Faden: Willy Brandt und Mot Dag (Teil 1) « Nachrichtenbrief Says:

    […] Das ist ein gefährlicher Irrtum und Selbstbetrug. (Translator’s Preface to Second Edition, Character-Analysis, New York 1949, S. […]

  4. The Journal of Orgonomy (Vol. 23, No. 1, May 1989) « Nachrichtenbrief Says:

    […] selben Zeit wurde Theodore P. Wolfes hervorragendes Vorwort zu The Function of the Orgasm gestrichen und durch eins von Higgins ersetzt, das einfach eine […]

  5. Das Wilhelminische Reichmassaker (Teil 2) « Nachrichtenbrief Says:

    […] von Theodore P. Wolfe neu verlegt. Dabei wurden die alten Vorworte Wolfes gestrichen (eines davon habe ich übersetzt) und durch Vorworte von Higgins ersetzt. Ich kann mich noch lebhaft an meine erste Lektüre von Die […]

  6. David Says:

    Robert (Berlin) hat gesagt:

    Psychotherapie gibt es nur noch in der Kurzform.

    Wirklich?

    Für die Eliten, und auch für Angehörige der oberen Mittelschicht mit mindestens fünf- bis sechsstelligem Bankkonto gibt es die schon noch.

    Etwa eine über Jahre hinweg fortgesetzte Psychoanalyse mit zwei Sitzungen wöchentlich und einem Preis von ein- bis zweihundert Franken / Euro ist da schon möglich.

    Für die Verhältnisse der Münchner Schickeria oder der Zürcher Goldküste kann man da immer noch eine vergleichsweise arme Kirchenmaus sein. Es ist eben alles relativ.

    Wer will, kann da auch etwas machen, was ganz nah bei Wilhelm Reich ist (z.B. beim ACO) oder halbwegs (etwa Biodynamik, Bioenergetik) in seiner Nähe ist.

    Wird eine Therapie, welche nicht nur symptom-unterdrückende Wirkung hat, einer großen Zahl von Menschen gegeben, dann hat das – wie ich glaube – gesamtgesellschaftliche Veränderungen zur Folge.

    Die Frage ist: wen stört das? Wer will das eventuell nicht?

    Das hat auch mit dem Sieg der Pharmaindustrie und dem neoliberalen Einsparungen zu tun, die nur noch Tabletten und mechanische Verhaltensdressur präferieren.

    Was ist neoliberal?

    Neoliberal – oder neoklassisch – ist in der Wirtschaftswissenschaft eine Theorie, welche eine Variante der „alt“-liberalen Theorie ist.

    Die Unterschiede zwischen „alt“- und „neo“-liberal entziehen sich meiner Kenntnis.

    Ziel ist jedoch wirtschaftliche Freiheit, in dem Sinne, dass nicht nur die großen Firmen und Konzerne viel Geld machen, sondern dass auch „Du und ich“ in selbständiger, unternehmerischer Tätigkeit unseren Lebensunterhalt verdienen können.

    nochmals: was ist neoliberal?

    im politischen Sinne heißt neoliberal soviel wie „rechts“, und das in dem Sinne, dass die Interessen der großen Firmen möglichst vollkommen unbehindert sind.

    Dazu gehört es – wie ich glaube – auch, künstliche Arbeitslosigkeit zu erzeugen und den Betroffenen den Weg in die Selbständigkeit unmöglich zu machen mittels Ungleichheit beim Einkommen, beim Vermögen, und beim Marktzugang.

    OffTopic – Politik: links oder rechts – das ist immer nur Charakter!

    Und wer mal anti-autoritär war aber viel Verachtung in sich trägt, kann sich ganz leicht in „Ultra-autoritär“ und neoliberal verwandeln. Also ganz leicht in das Gegenteil umschlagen.

    Gestern habe ich ein relativ altes, aber noch aktuelles Buch entdeckt.

    „Eiszeit“ von Ulrich Maurer. Der ist ein Linker, scheint mir aber aufgrund der Klarheit seiner Argumentation charakterlich relativ gesund.

    Kapitel „Das Erbe der Achtundsechziger“, S. 31 – Zitat:

    … Auf den ersten Blick wirken die heutigen Protagonisten des „Ice Age“ wie das vollkommene Gegenteil der langhaarigen, verrückten und idealistischen Weltverbesserer, die in den späten 60er Jahren das Straßenbild dominierten.

    Trotzdem sind viele ihrer geistigen Mentoren dem Zynismus verfallene Alt-Achtundsechziger, deren Ego sie über gescheiterte Träume hinweg in die Regierungsetagen und Chefsessel der Medienindustrie geführt hat.

    Die Achtundsechziger haben gesiegt; das heißt aber auch, dass sie weder sich noch die Linke verraten haben, wie es etwa Jutta Ditfurth in ihrer Abrechnung mit den Grünen vertritt.

    Vielmehr haben sie sich zur Kenntlichkeit entstellt„, schreibt der Grünen-Kritiker Jürgen Elsässer.

    Zitat Ende, Hervorhebung hinzugefügt.

  7. David Says:

    An dem Buch von Ulrich Maurer ist noch etwas anderes bemerkenswert.

    Er zieht eine Parallele der jetzigen Zeit zu der Zeit der Völkerwanderung und des Untergangs des Römischen, genauer gesagt west-römischen Reichs. Er erwähnt dass Byzanz (Ost-Rom) noch lange Zeit überlebt hat.

    Hauptursache des Untergangs West-Roms ist nach Maurer die Zerstörung der Mittelschicht.

    Mir leuchtet das ein, wobei die Mittelschicht der Gesellschaft nichts mit der Mittleren Schicht im Charakter zu tun hat, sondern eher den Mittleren Körpersegmenten funktionell entspricht.

    Bekanntermaßen leidet man bei nicht funktionierendem Brust-Bereich an Kontaktlosigkeit und funktioniert deshalb nicht – oder falsch.

    Hauptursache des Überlebens von Byzanz war, Maurer zufolge, der Aufbau einer aus wehrfähigen Bauern bestehenden gesellschaftlichen Mittelschicht.

    Soweit Maurer.

    Ein solches Byzanz existiert in dem Europa, in der wir leben, nicht. Jedoch höre ich oft, dass sich in Gegenden wie Lateinamerika und Indien – welche klassisch bekannt sind für wenige extrem Reiche neben Massen von Armen, immer mehr eine Mittelschicht aufbaut.

    Vielleicht kann – auf lange Sicht – insbesondere Lateinamerika – nach Zerstörung Europas – dessen Ideale weiter tragen.

  8. David Says:

    Nochmals Ulrich Maurer:

    hier bin ich – glaube ich – nicht mehr OffTopic; es ist eine Frage, die mit dem Charakter zu tun hat.

    Kapitel: „Die Korrupten“; S.75/76 f.:

    betreffend den Arbeitsmarkt wird festgestellt, dass Bewerbungs-Mappen sehr konformistisch, aber auch aufwendig und teuer angefertigt und eingeschickt werden.

    Und weiter heißt es – Zitat:

    Dabei mussten viele der jungen Braven frustriert feststellen, dass selbst ein Höchstmaß an Anpassung sie nicht zum erwünschten Ziel (Arbeitsstelle, Anmerkung von mir) führte,

    denn so mancher Personalchef hat gerade wegen der Uniformität der Bewerbungsunterlagen schon gar keine Lust mehr, sich mit ihnen zu beschäftigen … Es geht nämlich allein darum, dass man jemanden kennt, der jemanden kennt … Beziehungen, Seilschaften, Netzwerke sind der Schlüssel zum Erfolg.

    … die Erben, die Töchter und Söhne die Schmeichler und Unterwürfigen (bevölkern die Firmen, so habe ich es verstanden, Anmerkung von mir), die Meister im Frisieren von Bewerbungsunterlagen, die Selbstvermarktungskünstler, die Intriganten und die Radfahrer (nach oben buckeln, nach unten treten).

    Jedes Land bekommt eben die Elite, die es sich mittels ihrer Auslesekriterien herangezüchtet hat.

    Generationen von Personalchefs haben hauptsächlich auf saubere Bewerbungsunterlagen und stromlinienförmiges Verhalten Wert gelegt.

    Die Bewerber, unter dem Zwang eines wachsenden Existenzdrucks, haben ihnen gegeben, was sie wollten – und genauso sieht es in unserer Gesellschaft heute auch aus.

    Zitat Ende, Hervorhebung von mir.

  9. Robert (Berlin) Says:

    Neue Zusammenhänge zur Geschichte der Psychosomatik in den USA

  10. Der Rote Faden: Die Leninistische Organisation (Teil 1) | Nachrichtenbrief Says:

    […] Das ist ein gefährlicher Irrtum und Selbstbetrug. (Translator’s Preface to Second Edition, Character-Analysis, New York 1949, S. […]

  11. claus Says:

    Im Interview vor dem Messer-Attentat ganz lieb:

    http://www.spiegel.de/video/exklusivinterview-mit-barmbeker-messerattentaeter-video-1788133.html

  12. claus Says:

    Warum haben Rapper oft ziemlich genau diesen Gesichtsausdruck?
    http://www.focus.de/kultur/musik/eko-fresh-rapper-verunglueckt-auf-mallorca-kollege-ruft-auf-fuer-ihn-zu-beten_id_7535597.html

  13. claus Says:

    Wie intuitiv die Psychologin feststellt, dass ein Wie nicht zum Was einer Äußerung passt:
    „Grundsätzlich sei das Verhalten des Angeklagten häufig völlig unangebracht. ‚Er hat auch bei ernsten Themen oft lächelnd geantwortet‘, sagte die Psychologin den Richtern. ‚Das passte einfach nicht.‘“ (https://www.welt.de/regionales/nrw/article169067074/Marcel-H-spricht-in-Haft-ueber-Gewaltfantasien.html)
    Ist das denn noch wissenschaftlich?

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