Das Miasma Saharasias

Ich kehre von meinem Kurzurlaub aus Nizza zurück. Auf der Rückfahrt von Nizza nach Hamburg haben wir eine interessante Beobachtung gemacht: während am Nordrand Saharasias, der mittlerweile über Freiburg weit hinausreicht, der Himmel irgendwie flach ist, weitet sich ab etwa Frankfurt der Blick auf dramatische Weise und die Landschaft wird dreidimensional. Es ist, als wenn man aus einem benebelnden Drogenrausch erwacht. Gleichzeitig schwindet ein schwer zu definierender „toxischer Druck“. Es zeigt sich die funktionelle Identität von DOR-Verseuchung, Kontaktlosigkeit, okularer Panzerung, Machismo, Fatalismus, paranoider Zweidimensionalität (= alles ereignet sich auf der gleichen Ebene, z.B. werden fernstehende Menschen unmittelbar bedrohlich, etc.).

Die Wüste ist öde, leer und konturlos. Das okulare Segment wird eingelullt, man verliert mit dem Wegfall von Anhaltspunkten in der Landschaft an Kontakt und an dreidimensionalem Weltgefühl, es kommt zum Weltverlust und zur Vergeistigung. In Wäldern mit ihrer dreidimensionalen Gestaffeltheit ist man demhingegen wirklich in der Welt und so wirklich in seinem Körper.

Mir ist von jeher aufgefallen, daß Christen immer bei Bildern der Wüste sofort an Gott denken, während umgekehrt in Berichten über die Wüste über kurz oder lang von Gott die Rede ist.

Bäume sind natürliche Cloudbuster, die nicht nur Sauerstoff erzeugen, Kohlendioxid binden und den Wasserhaushalt regeln, sondern darüber hinaus die Atmosphäre von DOR freihalten. Abholzungen sind der erste Schritt hin zur Wüste. Das Naturempfinden etwa des Spaniers zeigt sich in seinem Haß auf Bäume. Ein Deutscher, der sich in Kastilien ein Landhaus kaufte und in seinem Garten Bäume pflanzte, wurde sogleich von seinen erbosten Nachbarn angegangen, wie er denn die herrlich leere Landschaft mit diesem schrecklichen Gestrüpp verunstalten könne. Wisse er denn nicht, daß Bäume die Luft verderben, Ungeziefer und Vögel anziehen, die alles vollscheißen würden!

Zur Zeit der Römer war die iberische Halbinsel noch ein einziger großer Wald, dann kamen die Araber und danach der katholische Zentralstaat. Das Land wurde kahlgeschlagen. Eine Mentalität, die sich auf die gesamte weltweite Hispania übertrug und ein Hauptgrund für das erst jetzt möglich gemachte Abholzen (Bandsägen, Bulldozer) der tropischen Urwälder in Südamerika ist. In minderem Maße findet sich dieses Denken noch im romanischen Frankreich, das sich über den teutonischen Waldkult lustig macht. Im gesamten Südeuropa von Spanien bis Griechenland gibt es vorsätzliche Brandstiftungen, um die lästigen Wälder endgültig zu beseitigen.

Ja, unsere Vulgärmarxisten werden jetzt einwenden: Peter, das hat wirtschaftliche Gründe! Tatsächlich bringen sie mit derartigen Einwürfen aber nur die Gaunermentalität zum Ausdruck, die Südeuropa und mittlerweile auch Deutschland zerstört.

Der Anthropologe Marvin Harris hat die These vertreten, im Vorderen Orient sei das Schwein dem religiösen Bann anheimgefallen, weil die Wälder verschwanden, in denen die Schweine lebten. Die Schweine wurden zu einer Last, die weder Milch, Heizmaterial oder Dünger, noch Zugkraft bereitstellte (Wohlgeschmack und Widerwille. Die Rätsel der Nahrungstabus, Stuttgart 1990).

Wenn man im Herbst durch Frankreich fährt, sieht man praktisch hinter jedem Busch einen Jäger, der auf alles schießt was sich bewegt. Richtige Todesschwadronen gegen das Lebendige. Es ist wohl nichts gegen die weidmännische Jagd einzuwenden (z.B. muß, um dem deutschen Wald zu helfen, endlich mal ein Großteil des Rotwildes weggeschossen werden), das, was die Südeuropäer machen, ist nach eigener Aussage „Sport“: Freude am Töten. Besonders schockierend ist die Singvogeljagd in Italien und auf Malta, die wirklich nichts weiter ist als die perverse Lust am töten. Neulich ein Malteser vor der Fernsehkamera: „Das ist doch die einzige Freude in meinem Leben und das wollen Sie mir verbieten?!“

Warum wurde Marcos auf den Philippinen gestürzt? Nicht etwa wegen Korruption, denn die ist nach ihm ja fröhlich weitergegangen, sondern weil er ein Programm zur Geburtenkontrolle durchgesetzt hatte. Die Katholische Kirche hat daraufhin die „Demokratiebewegung“ initiiert, ihre Präsidentin an die Macht gehievt und die hat dann sofort alles gestoppt, so daß die Philippinen heute wieder eine der höchsten Geburtenraten der Welt hat und praktisch nicht mehr zu retten sind. Gott wird alles richten:

Bezeichnend ist folgende Stelle aus einer deutsch-israelischen Netzseite:

Förster der KKL erlebten gestern eine böse Überraschung, als sie in der Nähe des Ortes Omer bei Beer Sheva junge Bäume gießen wollten. Vandalen hatten Tausende Bäumchen abgehackt und dann liegengelassen. Der Bürgermeister von Omer, Pini Badash, reichte Klage bei der Polizei ein und meinte, daß im Negev schon lange ein Krieg stattfindet, in dem die Beduinen immer mehr Land für sich annektieren. Badash ist sich sicher, daß diese Tat von den Beduinen in der Gegend verübt wurde, weil diese behaupten, daß das Land, auf dem die Bäume angepflanzt wurden, ihrem Stamm gehöre. „Für jeden gefällten Baum werden wir zehn Neue pflanzen, wir weigern uns aufzugeben“, so der Bürgermeister.

In der deutschnationalen Zeitschrift Deutsche Geschichte (5/2010) lese ich unter der Überschrift „Israels Polizei zerstörte ein Beduinendorf“ folgendes mit genau gegenteiliger Tendenz:

1500 israelische Polizisten zerstörten mit fünf Bulldozern etwa 40 aus Lehm und Stroh errichtete Häuser eines Beduinendorfes in der israelischen Negev-Wüste. Außerdem entwurzelten sie Hunderte Olivenbäume. Die Aktion steht im Zusammenhang mit der fortgesetzten Enteignung und Vertreibung von nichtisraelischen Israelis bei gleichzeitiger Siedlung von Israelis in palästinensischen Gebieten.

Ohne genaue Orts- und Zeitangabe sind solche „Meldungen“ vollkommen wertlos. Naja, hier ein seriöser Bericht von einem linksliberalen Blatt.

Interessant sind die Leserkommentare im Standard von Linken, die ähnlich erbost sind über die Doppelmoral der Israelis, wie jene, die dem Großdeutschen Reich hinterhertrauern.

Funktionell betrachtet, d.h. aus der Distanz, die die Zusammenhänge überschaubar macht, sieht das ganze natürlich anders aus, als es rechte und linke Ideologen mit ihrer starken Augenblockierung wahrnehmen können. Dazu folgender Leserkommentar:

warum steht illegal errichtet in Anführungszeichen?
ah natürlich, illegal kann nur das sein was Jews machen.
by the end of 2007 there were more than 100,000 illegally built structures in Israel. The overwhelming majority were constructed on state land seized by Arab land thieves in the Negev and the Galilee. By the end of 2009, the number of illegal buildings grew to an estimated 150,000. The scope of the theft is so vast that the Comptroller’s Report referred to it as a “national scourge.”
http://www.jpost.com/Opinion/C… ?id=171861

Es geht um den Überlebenskampf Israels als kleiner demokratischer Insel in einem arabischen Meer der Despotie. Aber versuch das einmal einem linken oder rechten Ideologen zu erklären!

Und was die Zerstörung der Olivenbäume in der Negev-Wüste betrifft: Olivenbäume brauchen relativ viel Wasser, würden also letztendlich zur weiteren Verwüstung der Region betragen statt ihr entgegenzuwirken.

Für Europäer mögen Nomaden etwas Romantisches sein, doch aus ökologischer Sicht sind ihre Ziegenherden eine Pest. Sie verhindern seit Jahrtausenden, daß sich die Wüsten des Nahen Ostens erholen.

Natürlich kommen jetzt alle möglichen Einwendungen, etwa die absurde Frage, was denn eigentlich die funktionelle Betrachtungsweise von jenen „geopolitischen“ Überlegungen unterscheidet, die beispielsweise das Projekt „Großdeutsches Reich“ inspirierten. Das sind Zwangsgrübeleien, die von dem einen grundlegenden Konflikt ablenken sollen, um den es geht:

Die Frage muß schlicht immer sein, „wohin es führt“. Wem ist damit geholfen, wenn Israel im „arabischen Meer“ untergeht?

Die Diskussionen, die einen in solchen Zusammenhängen aufgezwungen werden, versanden immer in einem „Aber die reißen doch auch Bäume aus!“, d.h. in einem Relativieren, dessen Funktion nicht etwa das Erlangen tieferer Einsichten ist, sondern ganz im Gegenteil das Herstellen von noch mehr Augenpanzerung und Kontaktlosigkeit. Derartige angeblich „kritische“ Diskussionen dienen der Aufrechterhaltung der gesellschaftlichen Panzerung, die das Durchbrechen des Lebendigen verhindern soll.

Nach der Lektüre der Deutschen Geschichte, des Standard, etc. fühle ich mich bleiern und beschmutzt und es fällt mir schwer einen klaren Gedanken zu fassen. Das Miasma der gesellschaftlichen Panzerung, in dem wir alle zu ersticken drohen.

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4 Antworten to “Das Miasma Saharasias”

  1. David Says:

    … während am Nordrand Saharasias, der mittlerweile über Freiburg weit hinausreicht, der Himmel irgendwie flach ist, weitet sich ab etwa Frankfurt der Blick auf dramatische Weise und die Landschaft wird dreidimensional.

    ich selbst habe diese Beobachtung in Norddeutschland nicht gemacht, habe das aber wahrgenommen, wenn ich richtig weit nach Norden (Finnland) gefahren bin.

  2. Robert (Berlin) Says:

    Ich habe erst vor kurzen die für mich seltsame Nachricht gehört, dass die Araber ihre Wüste lieben und viele sauer darüber sind, dass Bäume angepflanzt werden. Für sie ist die Wüste etwas heimisches, mit Bäumen können sie nichts anfangen – höchstens als Brennholz.

    http://www.spiegel.de/video/video-62242.html

  3. Manuel Says:

    Und doch gibt es Bäume, die die verDORten lieben: die, hinter denen man sich beim Schießen verstecken kann:
    http://nachrichten.t-online.de/israel-libanon-feuergefecht-nach-streit-um-baum/id_42445854/index

    Die Plastizität des Himmels: der Unterschied fällt mir immer auf, wenn ich vom Rheintal in die Eifel fahre. Der Himmel wird blauer (statt milchig), die Wolken stärker abgegrenzt (statt diffus) und das Atmen der Luftz fällt auf einmal so leicht (statt wie gegen einen Widerstand).

    Frankreich im Herbst: in jedem kleinen Gebüsch knallt es – man wundert sich, das da noch ein Jäger reinpasst! Im Sommer ist mir in Frankreich und in Italien die fast totale Abwesenheit von Singvögeln aufgefallen – eine drückende Stille. Und noch etwas: sämtliche Gartenabfälle werden verbrannt. Irgendetwas wieder zu Erde werden zu lassen scheint verpönt. So wird der Humus immer weniger – die Erde stirbt und wird zu unlebendigem Staub. Hausmüll wrd im knochentrockenen Kiefernwald verbrannt – ob dadurch die ganze Gegend in Flammen aufgeht, scheint nicht weiter wichtig zu sein. Selbst auf den städtischen Mülldeponien wird der Müll unkontrolliert verbrannt, Abwässer werden ungeklärt ins Meer geleitet, direkt neben dem Badestrand -und das in Orten, wo man Kurtaxe bezahlen muss! Ausserdem angeln die Einheimischen gerne in der Abwasserfahne von Atomkraftwerken. Insgesamt ist Deutschland immer noch anders …
    „Bäume sind natürliche Cloudbuster“ – das ist wirklich wichtig, wir können kaum genug Bäume haben. Vor allem tiefwurzelnde Bäume, die eine Verbindung zum Grundwasser herstellen, erfüllen eine Cloudbuster-Funktion.

  4. Tzindaro Says:

    In England there were thick forests until 400 years ago, when much of it was cut to raise sheep for wool because the textile industry in Flanders would buy as much wool as could be raised. The rest was cut 200 years ago at the start of the Industrial Revolution to starve the peasants to force them to go to work in the mills because there were too many free foods like acorns in the forest. The forests in the Fens was destroyed to prevent outlaws from hiding there. Today, almost all of England is used for sheep farming. The only real forest remaining is the Forest Of Dean, which was never cut because it was a Royal hunting preserve for 700 years. In Scotland, less than 1% of the original Caladonian Pine remains; the rest was cleared for raising sheep by English landowners.

    In Scananavia, where there has been a law requiring that every tree cut must be replanted for over 400 years, there are large numbers of trees, but hardly any rewal old growth forests with their natural mix of trees of different species, different ages, understory vegetation, fallen trees being recyclewd back into the ground to give nutrients to future generations of trees, etc. There are only trees, nothing but a tree farm, not a real forest community of species. Germany and Austria look like they have forests, and many people there think they have fortests, but they are not real, living forest communities of species, only tree planatations because of that same sort of laws. A tree farm is nothing like a forest in it’s biological functioning. The only real forest in all of Europe is the Bieloweazia Forest in Poland, and they idiots are still cutting it!

    In America, the only developed country where wood is still used on a large scale as a building material, the Forest Service is the most corrupt agency in the government, and District Rangers usually go to work for the lumber industry as soon as they retire from government service. University departments of forestry get most of their grant money from lumber companies, so academics keep „discovering“ that logging is good for the forests. More than 90% of the forests that existed in 1947, when the Forest Service was given a mandate from Congress to cut as many trees as possible, has been cut.

    All over Latin America they are cutting forests and replanting tree farms of eucalyptus which is inedible to anything that did not evolve in Australia, is toxic to insects and birds that eat those insects, and drinks the underground water table down to below the level that other plants can reach so everything else around it dies. Also, a lot of forest in South America has been cleared for cattle ranching, but nearly as much has been cleared for growing soybeans so vegetarians can feel they are helping the environment by not eating meat. Brazil also has a government mandate to use only renewable sources of motor fuel, so large areas are being cleared to grow crops to be converted into biodeisel to be burned in cars.

    In Chile, when an American billionaire wanted to donate land to establish a National Park to protect a large area of forest, the Catholic Church refused to sell him a vital part of the land he needed because he had also contributed to an organization that taught birth control.

    Humans are a species of desert-makers like beavers are a species of dam-builders. Beavers cannot tolerate seeing running water; they have an instinct to build a dam to stop it from moving. Humans feel threatened by forests and must clear the forest to feel safe. At some deep psychological level, humans are afraid of the forest and can only tolerate open spaces with a few scattered trees as in a park or suburb. Deep forests scare them.

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