Kapitalismus und die Funktion des Orgasmus (Teil 4)

Durchgehend verbindet der Biologe und Ökonom Hans Hass in seinem naturphilosophischen Denken biologisches mit wirtschaftlichem Denken. Kaufmännisches Denken sei

jenem der Energontheorie gar nicht so ungleich. Auch der auf Effektivität ausgerichtete wirtschaftende Mensch denkt nicht so sehr in Strukturen denn in Funktionen. Er fragt sich, wie notwendige Leistungen erzielt werden können – über welche Strukturen auch immer.

Sollte es da nicht ein leichtes sein, orgonomisch-funktionelles Denken in die Wirtschaft zu tragen? Jedenfalls behauptet Hass, daß „in der Wirtschaft (…) die Betrachtungsweise der Energontheorie verhältnismäßig schnell Verständnis gefunden hat.“ Er verweist dabei auf die von Wolfgang Mewes entwickelte EKS („energo-kybernetische Managementstrategie“ bzw. „evolutionskonforme Managementstrategie“, heute „engpaßkonzentrierte Strategie“), die sich „in mehrfacher Hinsicht auf Konsequenzen der Energontheorie“ stütze. Hass zufolge gründet sich diese EKS auf die folgenden Strategieelemente (Hass/Lange-Prollius: Die Schöpfung geht weiter, Stuttgart 1978):

  1. „Aufschließung des Bedarfs“, d.h. man findet für den Bedarf (das Schloß) den richtigen Schlüssel, um an die Energie (das Geld) des Konsumenten) zu gelangen;
  2. „engpaßorientiertes Verhalten“, d.h. alle Einheiten zu beseitigen, die den Konkurrenzwert mindern, dadurch folge man einer „kybernetischen Spirale“;
  3. „egoistischer Altruismus“, d.h. man befriedigt die Bedürfnisse optimal und verwendet die Gewinne, um diese Bedürfnisse, also die eigentliche Energiequelle des Unternehmens, weiter zu erforschen, dadurch kann man sie noch besser befriedigen und verankert sich so immer fester im Markt.

Was man sich darunter konkret vorstellen kann, wird deutlicher, wenn etwa Mewes schreibt:

In der deutschen Wirtschaft haben sich seit 1900 die Funktionen (Aufgaben) etwa im Verhältnis 1 zu 10 000 spezialisiert, die Bewerber aber allenfalls im Verhältnis 1 zu 100. Die Folge ist, daß Wirtschaft und Gesellschaft einen unterschwelligen Bedarf an unendlich vielen neuen Spezialfähigkeiten haben, die ihnen aber immer erst dann bewußt wird, wenn eine solche neue Spezialfähigkeit angeboten, wenn sie also bewußtgemacht wird.

Das ist Reichs „Arbeitsdemokratie“ mit anderen Worten und aus einem anderen Blickwinkel als üblich.

Auf jeden Fall lohnt es sich für jeden Orgonomie-Interessierten sich mit Unternehmensführung, Marketing, etc. zu befassen, da, mal abgesehen von der Psychotherapie, kaum etwas in der Gesellschaft so gut von der Orgonenergie her verstanden werden kann.

Oder wie Reich schrieb:

Wenn wir unter einem sozialen zwischenmenschlichen Verhältnis jede Beziehung verstehen, die der Befriedigung eines biologischen Grundbedürfnisses dient, dann stehen die sexuellen Verhältnisse in voller und gleichberechtigter Funktion neben den wirtschaftlichen Verhältnissen. (Massenpsychologie des Faschismus)

Es ist bezeichnend, daß sogenannte „Intellektuelle“, die von jeher die Todfeinde der Orgonomie waren, vor allem zwei Dinge verachten: die Sexualität und den „schnöden Broterwerb“. Sie sind zu „höherem“ bestimmt.

Es geht sowohl in der Sexualität als auch in der Arbeit darum, die Bedürfnisse des Gegenübers optimal zu erkennen, um die eigenen Bedürfnisse optimal befriedigen zu können.

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7 Antworten to “Kapitalismus und die Funktion des Orgasmus (Teil 4)”

  1. Robert (Berlin) Says:

    Zitat:
    „Kapitalismus und freie Marktwirtschaft sind schon lange abgeschafft. Das System befindet sich im Endstadium. Die globalisierte Welt wird von Monopolen und Oligopolen beherrscht. Auf der Strecke bleiben die Menschen, welche nur noch „ein Markt“ sind. Marketingmethoden, die an Gehirnwäsche erinnern, degradieren das Individuum zu willenlosen Konsumenten, die sich abrackern, um zu kaufen, was als Lametta „an den Baum des Kapitalismus gehängt wird“. “

    http://www.mmnews.de/index.php/mmnewstv/5942-das-spiel-ist-aus-wir-muessen-neu-starten

  2. Manuel Says:

    „Es ist bezeichnend, daß sogenannte „Intellektuelle“, die von jeher die Todfeinde der Orgonomie waren, vor allem zwei Dinge verachten: die Sexualität und den „schnöden Broterwerb“. Sie sind zu „höherem“ bestimmt.“

    „Hätte ich doch bloß ein „Business“ erlernt“ hat Karl Marx im Laufe seines Lebens immer wieder gejammert, wenn er andere (vor allem Engels) um Geld anpumpen musste. Ja, hätte er das mal gemacht! War eigentlich eine gute Idee!
    Ansonsten: Sich von „oben herab“ (verkopft) mit Unternehmensführung und „Marketing“ zu beschäftigen, halte ich für ausgesprochen schädlich! Man muss sein „Business“ „von der Pieke auf“ erlernt haben, sozusagen von innen und von unten, man muss ganz damit verwachsen sein! Wir haben schon genug studierte Traumtänzer (Manager), die vollkommen ohne KONTAKT zur Realität unsere Wirtschaft ruinieren!

  3. Anton Reiser Says:

    Der Intellektuelle verachtet Sexualität???
    Mir fällt spontan SARTRE ein. Das war DER “Fernseh-Intellektuelle” der 70iger Jahre. Der hat doch “gerammelt wie ein Kaninchen” (Sorry! wg. der saloppen Ausdrucksweise).
    Alle anderen Intellektuellen und Pseudo-Intellektuellen: DITO.

    • claus Says:

      Ich denke, PN zielt hier auf eine Bewertung ab: „Ich bin doch kein Tier“, „Ich bin etwas Höheres“, …
      Zurzeit sehr verbreitet ist eine entsprechende Bewertung in Erziehungsmaßnahmen: Reflektieren, Nachdenken, …

      • Sebastian Says:

        Ja, die ständige pausenlose Reflexion über alles und jeden – die Herrschaft des Intellekts über die Emotionen. Da kommen Pädagogen ins Schwärmen.

      • claus Says:

        Ich habe erlebt, wie sich ein Vater im Ganztag rühmte, viel mit seinem Sohn zu diskutieren. Faktisch: ‚diskutierte alles aus‘. Und wirklich: beide laberten bis zum Gehtnichtmehr. Und die pädagogisch Beschäftigte in der Dienstbesprechung lobte: So woll’n wir’s doch haben. [Sie selbst: sozusagen aus der Gosse und nun ganz stolz, (ohne jede Ausbildung) pädagogisch Beschäftigte zu sein, und natürlich immer wieder demonstrierend, wie patent und gar nicht doof sie ist.]
        Was OK ist und immer funktioniert, ist ‚Freispiel‘. Aber das war nur begrenzt zugelassen, pädagogisch sinnvolle AG’s sollten regelmäßig unterbrechen, was von selbst funktioniert. Ganztag adieu

      • Sebastian Says:

        Ich habe letztens mit einer überzeugten Anhängerin dieses Gehirn-Kultes „diskutiert“. Aber wie immer bei den „Diskussionen“ mit Ideologen: Fakten und Argumente haben keine Auswirkungen. Natürlich war sie auch gleichzeitig glühende Anhängerin der modernen Sexualerziehung mit Lutz und Linda. Darüberhinaus durfte selbstverständlich nicht ausbleiben, dass sie sich dilettantisch auf Wilhelm Reich berief. Die heterosexuelle Liebe wurde dagegen pädagogisch korrekt als „Zwangsheteronormativität“ degradiert. Die Verachtung der Sexualität mit „sonnigen“ und „vielfältigen“ Grüßen. *kotz

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