Freud, Reich und der Wiederholungszwang (Teil 1)

Man kann den „Anfangsimpuls“, der zur Erforschung der Überlagerungsfunktion durch Reich geführt hat, an Nietzsches „ewiger Wiederkehr“, an Freuds „Wiederholungszwang“ und an Paul Kammerers „Serialität“ festmachen.

Nicht ohne Grund hat Reich Nietzsches Hymne an die ewige Wiederkehr seinem Buch über Die kosmische Überlagerung vorangestellt:

O Mensch! Gib acht!
Was spricht die tiefe Mitternacht?
„Ich schlief, ich schlief –,
Aus tiefem Traum bin ich erwacht: –
Die Welt ist tief,
Und tiefer als der Tag gedacht.
Tief ist ihr Weh –,
Lust – tiefer noch als Herzeleid:
Weh spricht: Vergeh!
Doch alle Lust will Ewigkeit –,
– will tiefe, tiefe Ewigkeit!“

Nietzsches und Freuds Ideen über die „Wiederkehr des ewig Gleichen“ kann man, ebenso wie Nietzsches „Willen zur Macht“ (orgonomisches Potential! – vgl. Der verdrängte Nietzsche), als, zwar durch die Panzerung verzerrte aber doch, sehr tiefe Einsicht in das orgonotische Funktionieren betrachten. Es handelt sich einfach um das „Lustprinzip“ (auf das Nietzsches Gedicht ja abzielt) – letztlich um die Orgasmusfunktion. Erinnert sei auch an Reichs sexualökonomische Widerlegung des von Freud aus dem Wiederholungszwang abgeleiteten „Todestriebs“!

Was Kammerers „Gesetz der Serie“ betrifft, das z.B. von Einstein und Freud sehr ernstgenommen wurde, so kennt der Leser es vielleicht in Form des Plagiats, das vom berühmten Quantenphysiker Wolfgang Pauli und dem Psychiater C.G. Jung kreiert und „Synchronizität“ genannt wurde. Es geht dabei einfach darum, daß alles mit allem verbunden ist und daß sich Gleiches gegenseitig anzieht. Das ist kein Quatsch, sondern der Versuch des Superhirns Pauli mit den Mysterien der Quantenphysik fertigzuwerden! Genauso wie es ein Prinzip gibt, das der Entropie entgegenläuft (das orgonomische Potential), scheint es ein Gesetz der Serie zu geben, das den Gesetzen der Statistik entgegenarbeitet und mit dem man viele parapsychologische und quantenmechanische Phänomene (da besteht kein großer Unterschied!) erklären kann.

In diesem Zusammenhang ist es von Interesse, daß Reich schon in seinem ersten Semester in Wien Kammerers Vorlesungsreihe über die „Periodizität der Lebenserscheinungen“ hörte (Karl Fallend: Wilhelm Reich in Wien, Wien 1988, S. 227). Ich habe mich bereits an anderer Stelle mit Kammerers Einfluß auf Reich beschäftigt.

Wollte man diesen Zwang zur Wiederholung und zur Serie bildlich darstellen, käme als Essenz Nietzsches, Freuds und Kammerers das folgende zum Vorschein:

Hier haben wir das vor uns, was der Orgonom Courtney F. Baker „turning on the turning“ (Drehung in der Drehung) genannt hat und welches das Grundmuster eines Großteils orgonotischen Funktionierens zu sein scheint. Die Planeten, die Sonne und die Galaxie selber bewegen sich aufgrund dieser Kreiselwelle. Unmittelbar konnte Reich diese Bewegung bei Mikroorganismen unterm Mikroskop und bei Orgonenergie-Einheiten im „Orgonraum“ sehen.

Da Logik und Mathematik nicht in der Luft hängen, findet man diese Grundbewegung sogar dort:

„Metatheoretische Schleifen“ treten immer dann auf, wenn sich Erkenntnissysteme, wie z.B. die Logik oder etwa auch das Bewußtsein des Meditierenden, mit ihren Erkenntnismitteln gegen sich selbst richten. Man nehme etwa die Mengenlehre:

Manche Mengen (bzw. Klassen) können Mitglied von sich selbst sein, weil die Menge als ganzes betrachtet bestimmte Qualitäten mit den Mitgliedern der Menge teilt. Zum Beispiel ist die Menge aller Vorstellungen, selbst wieder eine Vorstellung. 1902 stellte Bertrand Russel fest, daß das zu einer logischen Schleife führt, wenn man die Menge aller Mengen betrachtet, die sich nicht selbst enthalten. 1931 bewies Kurt Gödel, daß das Russelsche Paradoxon unauflösbar ist. Damit hängt die gesamte Logik und Mathematik sozusagen in der Luft.

Ein für uns Normalsterbliche zugänglicheres Beispiel ist der Klugschwätzer mit seiner Behauptung, es gäbe keine Wahrheit. Womit er ja behauptet, daß es eben doch eine Wahrheit gibt – nämlich, daß es keine Wahrheit gibt… Das ach so aufklärerische und skeptische Diktum, daß nichts wahr ist, alles nur Schein, daß es keinen „Grund“ gibt, ist sich selbst widersprechender Unsinn, halt bloße Philosophie.

Das erkennt man aber erst, wenn man den Bereich der formalen Logik verläßt – die ja ganz offensichtlich nirgends hinführt – und sich dem orgonomischen Funktionalismus zuwendet. Jedes sich in selbstbezüglichen metatheoretischen Schleifen erschöpfendes Bezugssystem, etwa Sprache und formale Logik (Marke „Ein Kreter sagt, alle Kreter lügen!“), ruht jeweils auf funktionell Tieferem und „Grundlegenderem“.

Hans Hass erwähnt etwas, was an die „metatheoretische Schleife“ erinnert: Funktionell beiße sich die Katze in den Schwanz. So müssen z.B. die pflegenden Einheiten der Energone (Organismen, Wirtschaftsunternehmen) wiederum selber gepflegt werden. Einheiten der Energiezufuhr muß seinerseits Energie zugeführt werden.

Bei jenen der Abfallabfuhr treten meist selbst wieder Abfälle auf. Reinigende Einheiten müssen sehr oft selbst wieder gereinigt werden, kontrollierende müssen selbst kontrolliert werden, regenerierende müssen selbst Schäden ausgleichen können. (Naturphilosophische Schriften, Bd. 3, München 1987)

Hätte Hass dies zuende gedacht, wäre er möglicherweise zur biologischen Orgonenergie vorgedrungen, ohne die die gesamte Biologie und Ökonomie in der Luft hängt!

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8 Antworten to “Freud, Reich und der Wiederholungszwang (Teil 1)”

  1. O. Says:

    Die Wiederholung und der Zwang dazu (bei Freud) ergibt sich aus der gebildeten Struktur der Persönlichkeit, dem Charakter (bei Reich). Die Kreiselwelle als Energiebewegung ist noch frei von dieser Struktur und folgt einem Muster – Impuls und Welle – und keiner Pulsation, wie es von „Orgonomisten“ gepredigt wird. Gibt es hier also die Wiederholung und gar den Zwang dazu? Nein, das ist ein Irrtum, würde ich sagen. Die KRW ist eine fortführende (stilisierte, modellhafte) Bewegung in Zeit und Raum, die sich nicht wiederholen kann, sondern fortschreitet. Ihre Bewegung wiederholt sich in ihrem Muster, dem Loop und der Welle.
    Die Akkumulation der bewegten Energie führt zur wiederholten Aufladungen und erst hier kann der Zwang zur Wiederholung ansetzen, in der Wiederkehr der Lust und der Notwendigkeit zur Entladung …
    Bleibt die vollständige Entladung aus, zirkuliert in der Struktur – einem Körper – die (Rest-) Energie. Und es kommt zu Wiederholungen aufgrund des neuen Versuches zu Entladung. Doch die Qualität der Entladung ist nicht dieselbe, sondern verändert sich. Das Thema der psychischen Struktur wiederholt sich so fast identisch und so kann man von einer Wiederkehr sprechen.
    Jedoch hat Reichs Kreiselwelle als Ausdruck der Orgonenergie nichts gemein mit der Beobachtung von Synchronizität, neurotische Wiederholung bei Patienten oder geschichtlichen Wiederholungen psychopathischer Herrschaftsstrukturen. Reich hat nicht von den Vorgängern in diesem Sinne „abgeschrieben“, um die Energie zu verstehen. – Die Pulsation ist nicht die Orgonenergie, sondern die Orgonenergie kann eine Pulsation und vieles mehr hervorbringen. Gleiches ist demnach nicht gleich – wenn man es philosophisch ausdrücken möchte.
    [Da bin ich mal gespannt, wer aus diesem Text eine Plagiat machen wird. copyright by the author]

  2. not of your business Says:

    Gehens lieber zum Psychiater, auf dem Beklopptenmarkt gibt es für die zu Melkenden weitaus lukrativere Angebote als ihr Geschwätz über den späten, wahnsinnig gewordenen, Reich.

  3. Jean Says:

    Ich bin beeindruckt. In einem Satz den ganzen Nachrichtenbrief widerlegt. Danke für den Hinweis, morgen mach ich den Termin beim Psychiater😃.

  4. Renate Says:

    https://de.m.wikipedia.org/wiki/Paul_Kammerer

    Hatte ich nicht gewusst, welch tragisches Leben er hatte, wurde das hier schon erwähnt? Fiel auch er der EP zum Opfer?

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