Über Alice Miller

Ich habe mich bereits in einem Blogeintrag mit der abtrünnigen Psychoanalytikerin und „Kinderrechtlerin“ Alice Miller kritisch beschäftigt. Damals hagelte es heftige Kritik von Seiten ihrer Anhänger. Schließlich stand sie auf der Seite des Guten und der Unschuld gegen die lebenszerstörenden Erwachsenen; die „da oben“!

Wie kann man als „Reichianer“ auch ernsthaft jemanden kritisieren, der beispielsweise so etwas geschrieben hat – obwohl sich hier wieder zeigt, daß sie Reich nicht verstanden hat:

Meines Erachtens kommt jedes Kind nicht böse auf die Welt, sondern wird dazu durch Schläge und andere Demütigungen gemacht. Meine Bücher liefern auch die Erklärung für die Tatsache, daß fast alle gutmeinenden Appelle zugunsten der humanen Kindererziehung (ob sie nun von Wilhelm Reich, von mir oder von anderen stammen) erfolglos bleiben. Denn fast alle Menschen wurden als Kinder geschlagen und tragen in sich die Angst des kleinen Kindes vor der Bestrafung, falls es gegen die Grausamkeit und Ahnungslosigkeit der Eltern rebellieren sollte. So leben wir fast alle in der Verleugnung dessen, was uns in den prägenden Jahren widerfahren ist. Der französische Philosoph Montaigne hat schon im 16-ten Jahrhundert geschrieben, man solle Kinder nicht schlagen, aber kein anderer Philosoph, kein Kirchenvater, auch kein Reformator hat sich bis heute dieser Meinung angeschlossen. Im Gegensatz zu Montaigne, der gewaltfrei und respektvoll erzogen wurde, wuchsen die anderen offenbar mit Gewalt auf und mußten sehr früh lernen, diese Brutalität dem Kinde gegenüber als richtig und notwendig zu erachten. Indessen, erst die Befreiung von der Verleugnung des eigenen Leidens ermöglicht es den Eltern ihre Kinder in Respekt und ohne Lügen zu begleiten. (…) Es mag viele Jahrhunderte dauern, bis sich diese Haltung durchsetzt, vorläufig sind es nur wenige Ausnahmen, die es wagen konnten, die Taten ihrer Eltern zu verurteilen, um sie nicht an ihren Kindern zu wiederholen.

Millers Ablehnung des Ödipus-Komplexes, ihre Rebellion gegen die zeitgenössische Wissenschaft (man findet in ihren Werken kaum Hinweise auf den aktuellen Stand der Forschung), überhaupt ihr ständiger Appell an die „Rebellion gegen die Eltern“, gehören zu einem Zeitgeist, den sie mitgeprägt hat.

In meiner Kritik ging es mir insbesondere um das „begabte Kind“, dessen empfindliches Wesen ganz besonders vor den Forderungen der Erwachsenen, die es sozusagen subkutan spürt, geschützt werden muß. Ich hatte Millers 1979 erschienenes Buch Das Drama des begabten Kindes nur immer als weitere Unterfütterung des Narzißmus von „Hochbegabten“ in meiner Umgebung erlebt. Allein schon die krankhafte Beschäftigung mit der eigenen Kindheit, die es „aufzuarbeiten“ gelte, war einfach nur – daneben. Es reicht schon, daß Miller ihr Leben damit vergeudet hat.

Zur Zeit und in jener bürgerlichen Umgebung, in der sie großgeworden ist, mag Millers Ansatz notwendig gewesen sein, doch heutzutage fördert die vorbehaltlose Unterstützung der „narzißtischen Bedürfnisse“ des Kindes nur dessen neurotischen Narzißmus, der diese Gesellschaft langfristig zerstören wird.

Die orgonomische Psychologin Virginia Whitener bringt dazu eine erhellende Geschichte, die ihr eine ihrer Patientinnen erzählt hat:

Sie hatte den Auftrag zusammen mit Kindergartenkindern eine Wand künstlerisch zu gestalten, macht versehentlich einen großen Farbfleck auf das fast fertige Wandbild und sagt spontan: „Oh, no, I made a mistake!“ Sie nahm ein Kind und zusammen machten sie aus dem Fehler irgendein kreatives Ornament. Daraufhin rief die Kindergärtnerin sie zu sich und belehrte Whiteners Patientin: „We never use that word. There are no ‚mistakes‘.“

Eine läppische Geschichte, aber absolut bezeichnend: im Namen einer „moralfreien“ Erziehung („es gibt keine Fehler!“) wurde die junge Frau aus ihrem Enthusiasmus herausgezogen und die Kinder sind verwirrt, werden rebellisch. Die ganze vorher so harmonische Situation wird einfach nur kontaktlos und „psycho“! (Whitener: „Adolescent Sexuality“, Journal of Orgonomy, 35(1), Spring/Summer 2001).

Derartiges gehört für mich zum zerstörerischen Erbe von Alice Miller. Allein schon die tiefgehende Verunsicherung ganzer Generationen von Eltern!

Der medizinische Orgonom Peter A. Crist hat darauf hingewiesen, daß Selbstregulation auch die Fähigkeit umfassen muß, zwischen Ausdruck und Zurückhaltung von Antrieben zu wählen und sich entsprechend „angepaßt“ benehmen zu können. Crist bezieht sich dabei auf bisher unveröffentlichte Notizen von Reichs Biographen Myron Sharafs zu dessen letztem Seminar im August 1955:

Reich betonte den offensichtlichen, aber häufig übersehenen Punkt, daß das Kind „Neins“ erfahren muß, daß das „Nein“ ein Teil der Wirklichkeit ist, und daß, wenn es sie nicht erlernt, solange es jung ist, sie nie erlernen wird. [Reich hat nie die Ansicht vertreten], daß es überhaupt kein „Nein“ geben solle, sondern nur jene „Neins“ keine Existenzberechtigung haben, die gegen das Leben gerichtet, haßerfüllt, und vernunftwidrig sind. (Crist: „Problems of Childhood Self-Regulation in an Age of Permissiveness“,Journal or Orgonomy, 33(1&2), Spring/Winter 1999)

Das hat nichts mit „Moralismus“ zu tun oder Verrat an irgendwelchen Reich‘schen „Prinzipien“. Im Vorwort zur zitierten Ausgabe des Journal or Orgonomy beklagt der medizinische Orgonom Charles Konia:

In der heutigen antiautoritären Gesellschaft wird die liberale Ansicht, die vorbehaltlose Freiheit höher bewertet als Verantwortung, nicht als moralistisches Vorurteil betrachtet.

Whitener schließt ihren oben zitierten Aufsatz mit den Worten:

Jugendliche werden solange leiden müssen und die Gesellschaft wird sich solange im Niedergang befinden, wie Impulsivität und Entfremdung zunehmen, Loslösung und Feindschaft gegen die Gesellschaft ausagiert werden, und die vorhandenen Autoritäten und gesellschaftlichen Strukturen zerbröckeln.

Aber zurück zu Millers Auseinandersetzung mit Reich: es gehe nicht um bloße Appelle, Kinder beser zu behandeln, sondern darum, daß die Eltern (2. Generation) die kinderfeindlichen Untaten ihrer eigenen Eltern (1. Generation) verurteilen, um sie nicht an ihren Kindern (3. Generation) zu wiederholen. Bei Freud sollten die Erwachsenen ihre eigenen persistierenden infantilen Strebungen verurteilen. Bei Miller sollen sie „stattdessen“ ihre Eltern verurteilen. Beider Blick ist rückwärts gerichtet und beider Blick ist moralistisch. Hinzu kommt, daß die „Millerianischen“ Eltern dabei selbst infantilisieren, wie ich am Beispiel Miller in dem bereits verlinkten Blogeintrag über sie gezeigt habe. Reichs Ansatz war dem diametral entgegengesetzt: es geht ums Hier und Jetzt, um Kontakt zu den Bedürfnissen des Kindes, um Kontakt zum eigenen bioenergetischen Kern, um den Kontakt zu „kosmischen“ Funktionen. Es soll nichts „verarbeitet“ und nichts „verurteilt“ werden und „Moral“ spielt keinerlei Rolle. Abgesehen von wirklich pathologischen Fällen ist dazu wirklich jede Mutter und jeder Vater in der Lage. Folge deinem Herzen! Früher folgte man stattdessen irgendwelchen abwegigen Traditionen („Wer sein Kind liebt, züchtigt es!“), heute hält man sich an irgendwelche vermeintliche „Experten“, etwa Alice Miller, statt einfach das zu tun, was richtig ist. Reichs Hauptproblem bei seinem Projekt „Kinder der Zukunft“ war es, die Mütter davon abzubringen, verkrampft „orgonomisch korrekt“ handeln zu wollen. Das letzte, was dieser Planet braucht, sind „Richtschnüre für Kindererziehung“ oder irgendwelche Heilslehren.

MillerGl

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13 Antworten to “Über Alice Miller”

  1. Robert (Berlin) Says:

    Die gleiche Erfahrung, es gibt keine „Fehler“, wurde mir auch Anfang der Achtziger aufgetragen. Ich hielt es für größten Blödsinn, denn Fehler können tödlich sein. Gerade in der Tierwelt bewahren Tiereltern ihre Kinder vor Fehlern und im heutigen Straßenverkehr sind Fehler tödlich bis schwer körperverletzend. Die meisten Unfälle passieren im Haushalt, so gefährlich ist die normale Umgebung des Kindes. Kinder brauchen Neins, um zu lernen, was richtig und falsch, gut und böse und gefahrlos und gefährlich ist.
    Diese irrationale Vergötterung des Kindes kann nur in eine Sackgasse führen und ist die Folge des „modernen Liberalen“, der statt Kinder zu beobachten, Theorien über Kinder aufstellt.
    Alice Miller hat allerdings in der Erklärung der Brutalität von Diktatoren recht, als sie auf deren gewaltätige Kindheit hinwies.

  2. David Says:

    In meiner Kritik ging es mir insbesondere um das „begabte Kind“, dessen empfindliches Wesen ganz besonders vor den Forderungen der Erwachsenen, die es sozusagen subkutan spürt, geschützt werden muß. Ich hatte Millers 1979 erschienenes Buch Das Drama des begabten Kindes nur immer als weitere Unterfütterung des Narzißmus von „Hochbegabten“ in meiner Umgebung erlebt.

    Hier geht die Angelegenheit schon fast über in die eines „Indigo“-Kindes, welches – in vielen Fällen – das Asperger-Syndrom hat, eine spezielle Form des Autismus.

    M.E. haben Narzissmus und Autismus vieles gemein, ob aber – aus orgonomischer Sicht – die Ursachen doch eher verschieden sind, ist für mich im Moment schwer einzuschätzen.

    Klar ist, dass besagtes ständiges Beschützen-Wollen schon eher in Richtung Lebensuntüchtigkeit leitet, mag das Kind nun eher mit Narzissmus oder eher mit Autismus zu tun haben.

  3. Peter Says:

    Alles was hier über Alice Miller geschrieben wurde beruht wohl einmal mehr auf der Tatsache, dass einst erzogene Erwachsene keinen Sinn mehr für das kindliche Erleben haben.
    A.M. spricht über die Leiden von Kindern aus der Gefühlsperspektive der Kinder. Der Respekt vor dem kleineren Menschen und seinen Gefühlen, und der Umgang mit diesen auf Augenhöhe, ist etwas, was nur wenigen von uns als Kind zuteil wurde. Die damals erlebten Schmerzen, unter denen wir ohne zu bewerten und zu verurteilen gelitten haben, und die wir, wenn sie zu stark wurden, verdrängten, diese Schmerzen gehören zu unserer Geschichte und sind wie alles, was wir erlebten in unseren Körpern gespeichert. Alice Miller geht es um die Nachträgliche Wieder-Ganzwerdung, nichts weiter.
    In der Kürze liegt die Würze und in der Einfachheit die Wahrheit, was Mozarts Musik so einzigartig werden lässt und Alice Millers besondere Qualität ist. Weniger ist hier einmal mehr mehr.

  4. Lisa Says:

    A.M. war sicher nicht perfekt.
    Das Problem ist, kaum jemand wird ohne eigene Psychoanalyse die Bedeutung der Aussagen von A.M. vollständig begreifen.
    Das ist die Tragik an ihrem Lebenswerk.

    Eine mutige Frau!

  5. Manuel Says:

    Diese schroffe Ablehnung und das „aggressive Mißverstehen“ Alice Millers kann meiner Meinung nach nur dadurch motiviert sein, die Augen vor der Mißachtung durch die Eltern in der eigenen Kindheit zu verschließen. Für mich ist Alice Miller einer der verdienstvollsten Menschen des letzten Jahrhunderts und die von ihr angestoßene Befreiung der Kindheit wird sich hoffentlich über die nächsten Jahrhunderte entfalten – so kann entlich eine freiere und glücklichere Menschheit entstehen – durch Menschen, deren Kindheit nicht von seelischer und körperlicher Gewalt geprägt war. Das wichtigste Anliegen überhaupt – Kinder der Zukunft!
    Für mich ist es auch ein Fehler von Reich, das er sich nicht von Konstruktionen wie dem Ödipus-Komplex ebenso getrennt hat wie vom Todestrieb – begründet ist dies in seiner persönlichen Kindheitsgeschichte, die er nie soweit durchdrungen hat, das er seine Eltern für das seelische Leid, das sie ihm angetan haben, anklagen und verantwortlich machen und damit dieses Leid überhaupt spüren konnte – was nach Miller der „gemiedene Schlüssel“ zur Heilung kindlicher Traumata ist. Findet diese Heilung nicht statt, muss man sein eigenes Kindheits-Leiden zwanghaft wiederholen und weitergeben, wie zB. Reich seinen Sohn Peter mit seinen Selbstmordgedanken belastet hat, ebenso wie vorher sein Vater ihn (s. „Der Traumvater“). Und man muss Elternfiguren, wie zB. Freud idealisieren und ihnen die Treue halten obwohl (bzw. weil!) sie einen verraten haben so wie die eigenen Eltern.
    Schade finde ich, das Miller aufgrund ihrer Ablehnung des Todestriebes auch „Trieb“ und „Energie“ fast komplett aus ihrem Denken verbannt hat.
    An keiner Stelle behauptet Miller, das ein Kind kein „Nein“ erfahren dürfe, sondern sie untersucht, inwieweit Erziehung gar keine adäquate Reaktion auf die aktuellen wirklichen Gegebenheiten ist, sondern eine Reproduktion des eigenen Kindheitsunglücks. Dadurch werden Eltern nicht verunsichert, wie Peter Nasselstein behauptet – nein, im Gegenteil: sie gewinnen an Sicherheit, weil sie lernen, ihre eigenen echten Gefühle von denen ihrer Eltern zu unterscheiden. Es wäre schön, wenn diese Erkenntnisse in die Orgonomie integriert werden könnten.

    • Peter Nasselstein Says:

      Ein Problem mit Miller ist, daß sie einerseits sagt, daß man erst seine eigenen Kindheitstraumata aufgearbeitet haben muß, bevor man ein Kind großzieht. Andererseits glaubte sie jedoch nicht an Psychotherapie. Das führt dazu, daß die Eltern ständig die eigene Vergangenheit aufarbeiten und, da dies nichts bringt, sich gleichzeitig ins Unvermeidliche fügen („man kann ja eh nichts machen!“). Ich verweise auf Daniel Mackler, der auf seine eigene Kindheit zurückblickt:

      Well, one big consequence is that it makes a lot of people feel much safer reading her work! (There are many parenting websites that love Alice Miller. And her book “For Your Own Good” is often located in the “Parenting” section of bookstores.) Certainly many people who are parents feel let off the hook by reading her work, because she is really telling them it’s okay to abuse their kids—that some abuse is inevitable. Interestingly, when I was a teenager my mother had “The Drama of the Gifted Child” in our home, and I’m almost sure she read it. (I myself didn’t read it until I was in my late 20s.) And my mother was a very abusive and inappropriate mother in many ways—an alcoholic, a drug user, and a subtly (and sometimes not-so-subtly) sexually perverse woman. But also, my mother was herself an abused and neglected child, which I’m sure is why she liked reading Alice Miller. It gave her support. My mother’s parents had too many children, her father was rigid and authoritarian and perverse and grandiose (and a respected and published psychologist!), and her mother was extremely passive and neglectful and broken and let her father get away with all his cruel nonsense. My mother spent a lot of time criticizing and critiquing her own inappropriate parents, but was infinitely less assiduous at criticizing and critiquing her own inappropriate parenting. In fact, in the very midst of studying her own childhood horrors she was quite happily (and presumably unconsciously) replicating some version of them on me! And Alice Miller, because of her theoretical flaws, makes this easy for a parent to do.

      Auf subtile Weise ist Miller ganz im kranken, von Verantwortungslosigkeit und Kontaktlosigkeit geprägten Trend der Zeit: das „Establishment“ (die Eltern) haben Schuld, man selbst ist Opfer und ist deshalb nicht dafür verantwortlich zu machen, wenn man selbst Opfer hinterläßt.

      Orgonomisch: Sie vermittelt dem Leser, daß er seinem Kern, seinen Gefühlen als Vater bzw. Mutter, nicht vertrauen kann. Auf diese Weise zerstört sie jede Möglichkeit, daß gesunde und glückliche Kinder heranwachsen.

  6. David Says:

    Manuel hat gesagt:

    Für mich ist Alice Miller einer der verdienstvollsten Menschen des letzten Jahrhunderts und die von ihr angestoßene Befreiung der Kindheit wird sich hoffentlich über die nächsten Jahrhunderte entfalten – so kann entlich eine freiere und glücklichere Menschheit entstehen – durch Menschen, deren Kindheit nicht von seelischer und körperlicher Gewalt geprägt war.

    und:

    An keiner Stelle behauptet Miller, das ein Kind kein „Nein“ erfahren dürfe, sondern sie untersucht, inwieweit Erziehung gar keine adäquate Reaktion auf die aktuellen wirklichen Gegebenheiten ist, sondern eine Reproduktion des eigenen Kindheitsunglücks.

    Um die Reproduktion des Kindheitsunglücks zu unterbinden, ist es wichtig, dass Kindesmisshandlungen der Schule und den Behörden überhaupt bekannt werden. Das geschieht in der ethnisch-deutschen Bevölkerung selten, in Kreisen der Zuwanderer aus den Ländern Sahrarasias so gut wie nie.

    In:
    https://nachrichtenbrief.wordpress.com/2010/07/26/love-parade-bullenkiller-und%C2%A0gangsta/#comment-1521
    hatte ich betreffend die Behandlung von Frauen, vor allem der so genannten Importbräute, dagegen protestiert, dass der Staat es – durch Transferleistungen – auch noch alimentiert, dass man die Frau zwingt, als Haussklavin zu leben, nicht deutsch zu lernen, und nicht arbeiten zu gehen, und hatte dies durch ein Zitat der – inzwischen toten – Jugendrichterin Heisig belegt.

    Inzwischen habe ich ihr Buch gelesen und gefunden, dass sie auch feststellt, dass Anzeigen über Kindesmisshandlungen sowie Sexuellen Kindesmissbrauch in – in Deutschland lebenden – arabischen und türkischen Familien so gut wie nie vorkommen. – Aber aus der Erfahrung der polizeilichen Ermittler und der Jugendrichter – und in völligem Einklang mit der Saharasia-Theorie – weiß man, dass solche Sachen allerdings bei allen, die später wegen Gewalttaten vor dem Jugendrichter stehen, meistens vorgefallen sind.

    Heisig bezieht sich auf persönliche Aussage eines zuvor von ihr verurteilten türkischen Jugendlichen. Der sagte, Misshandlung sei selbstverständlich, und es werde nie angezeigt.

    Daraus folgt, dass hier in – in Deutschland lebenden – arabischen und türkischen Familien fast 100% Dunkelziffer ist.

    Heisig plädiert dafür, dass durch zwangsweise durchgeführte ärztliche Reihenuntersuchungen der Kinder nicht nur der allgemeine Gesundheitszustand überprüft, sondern auch regelmäßig nach körperlichen Verletzungen, die durch Schläge entstehen, geschaut wird, nicht nur bei Kindern von Migranten, sondern bei allen.

    Heisig plädiert auch dafür, dass ab jetzt Schulen, Jugendämter, und Polizei Daten über möglicherweise kriminalitäts-gefährdete Kinder austauschen, obwohl dies im Widerspruch zum deutschen Datenschutz-Gesetz steht, denn sie sagt, Kinderschutz geht vor Datenschutz.

    Dies passt, wie ich glaube, gewissen Leuten in unserem Lande nicht, (wem?) und falls Heisig wirklich nicht Selbstmord begangen hat sondern ermordet worden ist, so geschah dies womöglich mit geheimer Billigung von höchster Stelle.

    Zumindest kann ich mich dieses Eindrucks nicht mehr erwehren.

    Ermordet werden könnte theoretisch auch Sarrazin, denn er erwägt Maßnahmen, welche sich gegen gewisse bildungsferne Deutsche richten, aber auch gegen Migranten aus jenen Kulturen, die in besonderem Maße zur Bildung von Parallelgesellschaften neigen.

    Zum Beispiel, dass der PRWORA

    http://de.wikipedia.org/wiki/PRWORA

    jenes Gesetz von der Clinton-Ära 1996, welches sagt, dass die „Stütze“ kinderzahl-unabhängig sein muss und nach wenigen Jahren, egal ob jemand Arbeit gefunden hat oder nicht, bedingungslos aufhören muss,

    auch in Deutschland in Kraft gesetzt wird. Auch das passt vielen Leuten nicht.

    Dies begleitet von Maßnahmen, welche die Vereinbarkeit von Kindern und Karriere verbessern.

  7. Manuel Says:

    Es geht (Alice Miller) nicht darum, das man seine Eltern immer wieder wegen seines Kindheitsleids anklagt und so darin gefangen bleibt, sondern darum, sich von dem verheerenden Einfluß (für den der Artikel von Daniel Mackler ja ein ganz klares Beispiel ist) auf das gegenwärtige Leben des erwachsenen Kindes zu befreien und so die Weitergabe an die eigenen Kinder zu verhindern. Das ist nur möglich, wenn man die -emotionale- Realität des Leidens in der eigenen Kindheit voll anerkennt – mit- und nachfühlt! Das ist die Voraussetzung um volle Verantwortung für das eigene Leben übernehmen zu können!
    Natürlich ist es beschissen – ja sogar schrecklich!- anerkennen zu müssen das man Mutter und Vater nicht vertrauen konnte, daß unser Leben von der Basis her vergiftet ist – aber das ist die Realität für fast jeden! Sich darüber hinwegzutäuschen bringt keine Besserung und führt vor allem zur ewigen Reproduktion – von Saharasia. Diese Erkenntnis ist kein Freibrief dafür, die Verantwortung für sein Leben nicht zu übernehmen sondern sie weiterhin auf die Eltern zu schieben – das Gegenteil ist wahr, auch wenn es (noch) wenigen gelingt.
    Was Alice Miller fehlt, ist ein systematischer Therapieansatz, der den Körper und die Emotionen des Patienten mit einbezieht – wie sie es selbst fordert. Den bietet die Orgonomie, der widerum die Integration der Erkenntnisse von Alice Miller nur gut täte.

  8. Robert (Berlin) Says:

    Alice Miller, die bei mir persönlich sehr viel veränderte, hat eine geleugnete Selbstverständlichkeit wieder auf’s Tablett gebracht. Massenmörder hatten keine normale Kindheit. Ich würde nicht alles von ihr unterschreiben, auch weil sie ‚Glauben‘ vor ‚Wissen‘ führt, so zB in ihrem Vorwort zum ‚Tagebuch eines halbwüchsigen Mädchens‘, das Sie trotz widerlegter Authentizität als echt ansieht, nur weil sie es „glaubt“.
    Ein weiterer Mangel ist ihr dogmatischer Feminismus und ihre Behauptungen zum Kindesmissbrauch.

  9. Günter Says:

    Ich gebe auch aufgrund meiner Erfahrungen Alice Miller absolut Recht mit ihrer Kritik an der Erziehung und den Umgang mit den Kindern. Ich glaube, sie wird nach wie vor von vielen Menschen missverstanden. Es geht nicht um die Anklage der Eltern, sondern um das Zulassen der „deskruktiven“ Emotionen wie Wut, Zorn, Hass auf die Eltern. Nicht das Ausleben dieser Gefühle, sondern das Zulassen dieser.
    Wo ich nicht der Meinung von Alice Miller bin, ist ihre Haltung zur Antipädagogik bzw. Nicht-Erziehung. Ich finde Kinder brauchen Erziehung, aber natürlich nicht mit Mitteln aus der schwarzen Pädagogik.
    Ich bin überzeugt davon, dass Kinder das Recht haben müssen, dass sie die dabei entstehenden negativen Gefühle bei einem „Nein“ oder „Verbot“ aussprechen können.
    Unsere Gesellschaft ist leider noch nicht bereit für die Aufklärung der Alice Miller. Unsere Gesellschaft ist glücklicherweise aber bereit, die sexuellen Verbrechen an Kindern wahrzunehmen.

  10. efka Says:

    Schwarz und Weiss

    „Das Kind braucht NEINS“ sonst kann es nicht leben in „unserer Natur“ d.h. Zivilisation.
    Wird hier geschrieben.
    Das Leben ist draussen viel zu gefährlich!
    Das stimmt!
    Muss man aber deshalb kleinste Kinder brutal aus ihrem geburtlichen Neuanfang mit Gewalt, Schmerz usw herausreißen?
    Muss man, nur weil es „modern“ ist dem Kind jegliche natürliche Entwicklungschancen nehmen wenn man dem „Wurm“ keine Liebe, keine Ruhe, kein Leben lässt, es abgibt um möglichst schnell weiter Kariere machen zu können.

    In den Anfängen der Entwicklung werden die Weichen gestellt, weil das Kind eigentlich nur GEFÜHL kennt und kein „gedachtes Verständnis“ hat.

    Ein weiterer Kernpunkt von Millers Thesen ist: Hinterfragen!
    Vor allem auch der eigenen Wissensquellen.

    Das Argument: „Es läuft doch ganz gut in unserer Welt!“ ist so was von armselig, weil sich alle ihre eigenen Schmerzen nicht vergegenwärtigen wollen – dürfen – können. Und diese zivilisatorische, christlich abendländische Behinderung ALLEN anderen Völkern auf oktroyieren zu wollen nur um „Recht“ zu haben (Wer Macht hat – hat Recht – und gewinnt) macht nichts für die Wahrheit, für sich, für das, was er als MENSCH wirklich braucht!

    Armseligkeit in Gefühlen weiter zu geben ist kein GEWINN an Freiheit und Qualität, sondern ein ARMUTSZEUGNIS der Gesellschaft.

    Alles dem vermeintlichen „Wohlstand“ zu opfern ist modern, üblich und Tagesgeschäft – ABER: ist das der SINN des Lebens?

    VErsuchen sie allen: Nicht einfach glauben, was geschrieben steht, sondern mal dem Gefühl (nicht der sehnsüchtigen Gefühlsduselei der vorherrschenden Welt) mehr Platz einzugestehen als dem KOPF.
    Lesen Sie über Ferenczi, Masson, Freud, Stettbacher, Tolstoi, Goethe, Liä Dsi, Dschung Dsi und vielen anderen nach um WAS es geht.
    Frau Miller hat in 99% ihrer Thesen Recht – für sich – und auch für andere.
    Dass ihr auch Missgeschicke, Fehldeutungen, Irrtümer passiert sind lässt sie als Mensch weiter leben.
    Wenn man gelernt hat auch etwas zuzulassen muss man nicht alles abwehren, was fremd ist – ich meine GEFÜHL nicht RATIO (Kopfdenkerei)

    Es heisst in ihren Büchern nicht: Verteufle alles was in deiner Geschichte vorkam und bringe deine Eltern um, sondern decke alles auf ohne jemand in Schutz zu nehmen – und das muss oder sollte man für sich selbst lernen, wenn das Leben einen SEINN haben sollte!

    Wer frei von Schuld ist werfe den ersten Stein!

    Nichts für ungut!

    slow-house

  11. Die sexuelle Revolution heute (Teil 1) « Nachrichtenbrief Says:

    […] wäre auch entsetzt gewesen, hätte er erfahren, was Alice Miller und andere pestilente Gehirne ihm angedichtet haben. Miller: Menschen, die wie Hitler niemals eine […]

  12. Jean Says:

    https://nachrichtenbrief.wordpress.com/2013/06/07/what-the-fuck/#comment-20498
    Zu den Widerspüchen im Denken und Handeln von Alice Miller.

    Auch die immer wieder geäußerte Kritik am Grenzen setzen verdient eine differenzierte Betrachtung. Einem Baby kann man viel weniger zumuten las einem älteren Kind. Ein Baby wird schnell überfordert, wenn es auf die Mama warten muss, und kann sein Grundvertrauen einbüßen bzw. zieht sich energetisch zurück. Ein älteres Kind kann den Frust zu warten – weil es erst später den süßen Nachtisch gibt – besser verarbeiten. In einer liebevollen Umgebung werden die JAs überwiegen, es kommt nicht zu einer „Dauerkontraktion“ durch kumulierte Mikrotraumata.
    Die natürlichen Grenzen einer sozialen Situation werden in einer verantwortlichen Umgebung auch ausgehandelt, so dass jeder den Beitrag leistet, den er kann. Dann werden auch Eltern nicht überfordert. Z.B. „nein, zuerst gibt es Nudeln, sonst hast du nachher wieder Hunger wenn wir unterwegs sind, wir haben aber keine Zeit zum Anhalten.“ Und dann trotzdem eine Brotbox mitnehmen, wenn das Kind nichts isst, weil ihm im Moment seine Autonomie wichtiger ist als die vernünftigen Argumente der Mama. Und ihm im Auto etwas geben wenn der Hunger kommt – ohne blöden Kommentar. Und beim Gebrüll immer tief Durchatmen. 🙂
    Solche Dinge werden oft nicht probiert aus Furcht kleine Tyrannen zu erzeugen – oder man gibt nach und rückt mit dem Eis raus, weil man den Stress des Gebrülls nicht möchte.
    Zieht man es aber durch, kann man bei der nächten Forderung nach Eis als Hauptgang an die Auto-Brotzeit vom letzten mal erinnern, und das Kind hat eine Erfahrung für die Entscheidung. Und kann sich dann eher vernünftig entscheiden.
    Solche Überlegungen helfen mir im Alltag mit Kindern weiter, während eine allgemeine Diskussion um den verletztenden Charakter von Grenzen mich hilflos macht.

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