Der Zerfall der Gesellschaft

Reich hatte es noch mit einer autoritären Gesellschaft und den entsprechenden neurotischen Charakterstrukturen zu tun. Heute leben wir in einer grundlegend anderen, einer anti-autoritären Welt, in der der Panzerung der Menschen vollständig anders geartet ist. Insbesondere hat die Körperpanzerung abgenommen, dafür jedoch die Augenpanzerung zugenommen. Damit einhergehend kam es zu einer Überbetonung des energetischen Orgonoms, d.h. des Energieflußes längs des Körpers, zu Ungunsten des orgonotischen Systems, d.h. der energetischen Pulsation.

Reich zufolge gibt es den Menschen sozusagen doppelt: erstens als orgonotisches System (Autonomes Nervensystem, bioenergetisches Zentrum, Solar Plexus, die Emotionen) und zweitens als Orgonom (Zentrales Nervensystem, Rückgrat, das senso-motorische System, Sensationen). Ich verweise auf meinen Blogbeitrag über die Biophysik von Liebe und Sex und die dortige Illustration. Hier eine Skizze, die zeigt, warum im Zusammenhang mit dem energetischen Orgonom vom „senso-motorischen System“ die Rede ist:

In unserer mechano-mystischen Kultur ist praktisch nur dieses senso-motorische System bekannt, das sich vom energetischen Orgonom ableitet. Die überwiegende Mehrzahl der Menschen haben gelernt, sich so zu empfinden. Man frage jemanden, er möge auf den Sitz seines Selbst, seines Ichs, seiner Seele, „auf den Kern seiner Existenz“ zeigen. Die wenigsten werden auf den Oberbauch deuten, die meisten auf den Kopf. Alles in unserer gegenwärtigen „Kultur“ ist darauf ausgerichtet, daß einem eine Gänsehaut den Rücken hochsteigt; Sensationen, die zu „action“, zu „Bewegung“ führen, entsprechend den motorischen Bahnen, die, gemäß der Fließrichtung des energetischen Orgonoms, von oben herab nach unten in die Extremitäten führen.

Die wenigsten sind noch in ihrem Bauch zentriert. Man schaue nur mal den typischen Jugendlichen an. „Chillen“, „das schockt“, „das flasht“, „kommt echt gut“, „Head Shop“, „Head Trip“. Das ganze in Haltung und Gehabe verkörpert: sie sind un-zentriert (haben keine eigene Mitte) und sind „leer“.

Das erste System (das „orgonotische System“) hat Reich in seinen bio-elektrischen Experimenten untersucht und festgestellt, daß der Körper (zentriert im Solar Plexus) als ganzes bei Lust (etwa der ersten großen Liebe) expandiert, bei Unlust (etwa Liebesenttäuschung) kontrahiert. Störungen dieser Pulsation speichert der Körper: „das Unbewußte“, das beim Neurotiker in den Muskelverspannungen eingefroren ist und in der psychiatrischen Orgontherapie bei der Auflösung der Muskelpanzerung spontan erinnert wird.

Bezeichnenderweise basieren durchweg alle „neo-Reichanischen“ Therapien und auch „alternative Heilverfahren“, wie beispielsweise die Craniosakraltherapie, ausschließlich auf der Arbeit mit dem energetischen Orgonom. Wegen dieser „bioenergetischen Einseitigkeit“ sind die Therapeuten nicht in der Lage, den Klienten wirklich zu helfen: die Kontraktion, die Sympthikotonie und Kontaktlosigkeit bleibt bestehen.

Die Menschen sitzen heute in ihrem Körper, wie in einem Kino und stellen sich vor, Bilder und Geräusche würden von außen nach innen dringen. Sie sind sich gar nicht bewußt, daß sie leben, d.h. daß etwa die Liebe etwas ist, was jenseits aller Sensorik eine Sache des Gefühls ist; daß sich zwei Energiesysteme überlagern und zum gegenseitigen Erglühen bringen. Etwa so wie zwei Amöben, die auch keine Augen, Ohren oder überhaupt Nerven haben.

Die Panzerungsstruktur der Massen hat sich seit den 1960er Jahren grundsätzlich verändert. Der Mensch hat buchstäblich seine Mitte verloren. Wie Charles Konia in seinem Buch The Emotional Plague im einzelnen ausführt, hat sich die autoritäre Gesellschaft, die zu Reichs Zeiten noch dominiert hat, in eine anti-autoritäre Gesellschaft verwandelt, was vor allem in einer zunehmenden Polarisierung in den Weltanschauungen zum Ausdruck kommt.

Zwar hat es schon immer eine Gegenüberstellung von „Links“ und „Rechts“ gegeben, jedoch diente diese früher der Stabilisierung der autoritären Gesellschaft. Ähnlich wie in einem Organismus das Wechselspiel von Trieb und Triebabwehr die Panzerung konstatiert. Ist dieses neurotische Gleichgewicht gestört, kommt es zu neurotischen Symptomen und im Extremfall zur Zerstörung des Organismus, beispielsweise durch triebhaftes Verhalten. Ähnliches geschieht in der Gesellschaft, die dabei immer mehr auseinanderbricht.

Man nehme etwa, als beliebiges Beispiel, die beiden folgenden Kommentare zu einem Auftritt eines offensichtlich homosexuellen Jugendlichen bei Deutschland sucht den Superstar:

schwul sein ist total normal!! die scheiß medien bringen uns dazu zu denken, dass nur mann und frau zusammen passen, weil wir es nicht anders im TV sehen, schon von der kindheit aus. oder hat schon irgendjemand ne Werbung gesehen, wo n Mann mit nem anderen mann flirtet? der typ is haltn n bisschen anders und das sollte man akzeptieren…

Scheiss schwuchteln! das is ne krankheit! sowas DARF einfach ni ins fernsehn! Sonst denkt die deutsche Jugend irgendwann das es das normalste ist, was es gibt – schwul zu sein!!! Das ist sowas wie Trisomie 21 …. Einfach nur gestört!!! Die gehören alle an den Baum!

Beide Kommentare sind weit von einer funktionellen Auffassung entfernt und gleichermaßen auf die Zerstörung der Genitalität gerichtet. So verlaufen alle „Diskussionen“.

Mit dem „alten Menschen“ konnte man noch ein Gefängnis (die gepanzerte Gesellschaft) einigermaßen leidlich organisieren. Mit dem unberechenbaren „neuen Menschen“ kann das Gefängnisleben (das gesellschaftliche Leben) nur zu einer wahrhaftigen Hölle degradieren, bis sich schließlich alles im Chaos auflöst oder mit militärischer Gewalt Recht und Ordnung wiederhergestellt werden muß.

In der antiautoritären Gesellschaft ist die Kraft zur Selbstregulation gleich Null. Sie muß deshalb mit tödlicher Notwendigkeit in einer extrem autoritären Gesellschaftsordnung münden.

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22 Antworten to “Der Zerfall der Gesellschaft”

  1. Robert (Berlin) Says:

    Eine große Rolle spielt dabei, dass das Strafrecht am zerfallen ist. Jugendgewalt wird mehr oder minder toleriert oder verharmlost. Wer in Berlin jemanden darauf hinweist, nicht seine Schuhsohlen auf den Sitz der U-Bahn abzustützen, kann bei manchen Typen mit schwerer Körperverletzung als Reaktion rechnen. Auch weil sie keine Strafen zu gegenwärtigen haben.
    Die antiautoritäre Gesellschaft ist die Gesellschaft des ‚triebhaften Charakters‘ und bedarf eigentlich strengster Kontrolle, also hohe Strafen, viel Polizei etc., weil die persönliche Panzerung nicht dazu in der Lage ist, sich selbst zu kontrollieren.
    A. S. Neill mochte diesen Ausdruck ‚antiautoritär‘ nicht, der Buchtitel der „antiautoritären Erziehung“ wurde ihm aufgezwungen (außerdem musste er jeden Bezug zu Reich löschen). Der englische Buchtitel zum „child hearing“ sagt was ganz anderes aus.

  2. Peter Nasselstein Says:

    Zum Thema siehe auch den neusten Beitrag von Dr. Konia in seinem Blog:

    http://charleskonia.com/2010/12/17/adolescent-homosexuality/

  3. Klaus Says:

    Der Artikel deutet vieles an, das mir zu stimmen scheint. Ich weiß längst noch nicht, wie man es genauer und klarer beschreiben kann. Aber meine Intuition sagt mir: Ja!!! Z. B.:
    „Insbesondere hat die Körperpanzerung abgenommen, dafür jedoch die Augenpanzerung zugenommen. Damit einhergehend kam es zu einer Überbetonung des energetischen Orgonoms, d.h. des Energieflußes längs des Körpers, zu Ungunsten des orgonotischen Systems, d.h. der energetischen Pulsation“ Ja!!!
    Die Kommentare der Jugendlichen: sehr exemplarisch!!!
    „In der antiautoritären Gesellschaft ist die Kraft zur Selbstregulation gleich Null. Sie muß deshalb mit tödlicher Notwendigkeit in einer extrem autoritären Gesellschaftsordnung münden.“ – eine schaurige Befürchtung, zu der ich ebenfalls neige.
    Der Kommentar: „Jugendgewalt wird mehr oder minder toleriert oder verharmlost. Wer in Berlin jemanden darauf hinweist, nicht seine Schuhsohlen auf den Sitz der U-Bahn abzustützen, kann bei manchen Typen mit schwerer Körperverletzung als Reaktion rechnen. Auch weil sie keine Strafen zu gegenwärtigen haben.“ Ja, es ist leider so.

  4. Klaus Says:

    Zu:
    „Damit einhergehend kam es zu einer Überbetonung des energetischen Orgonoms, d.h. des Energieflußes längs des Körpers, zu Ungunsten des orgonotischen Systems, d.h. der energetischen Pulsation:[…]“
    Dieser Gegensatz macht mir theoretisch zu schaffen. Ganz grob:
    Orgontherapie löste Vegetotherapie ab, Vegetotherapie löste Charakteranalyse ab. Aber immer sollte das jeweils erstere auch die Ansprüche des jeweils letzteren erfüllen. Wie – wenn überhaupt – kann die ‚Arbeit von oben nach unten‘ (am ‚Orgonom‘) das leisten, was Charakteranalyse leistet, wobei letztere eher ‚von außen nach innen‘ (und parallel vom Späteren zum Früheren) vordringt? Der Panzer am Augensegment beispielsweise wird ja oft gerade mit besonders frühem Erleben in Verbindung gebracht, ist aber der oberste.
    Äußern sich Therapeuten und Theoretiker zu diesem scheinbaren Widerspruch?

    • Peter Nasselstein Says:

      „Okular“ ist die frühste Phase, „genital“ die letzte. Wie kann dann in der Therapie, die von der Maxime „von der Gegenwart in die Vergangenheit zurückgehen“ bestimmt wird, mit dem Augensegment begonnen und dem Beckensegment geendet werden? Die naheliegende Frage basiert auf einer abstrakten Logik. Betrachtet man jedoch konkret die orgonomische Neurosenlehre, beginnt die Neurose mit dem Ödipuskomplex (genital), dem sich dann prägenitale Blockaden überlagern (anal, oral, okular). Diese Blockaden gehen auf prä-ödipale Störungen zurück. Beim Zwangscharakter etwa auf „Toilettentraining“. Die Zwanghaftigkeit steht aktuell im Vordergrund, überlagert aber den älteren ödipalen Konflikt. Klingt „formal“ widersprüchlich, ist es aber nicht.

      • Zeitgenosse Says:

        Eigentlich ist die zugrunde liegende Logik keineswegs abstrakt sondern naheliegend. Da im Beckenbereich die stärksten Blockaden meistens liegen und sich dort auch das Zentrum der Urängste und der extrem mächtigen Sexualkraft befindet, ist es ja logisch zuerst die anderen Blockaden aufzubrechen um den Zusammenbruch des Organismus durch Überflutung der freigesetzten Energie zu vermeiden. Kann man ganz gut mit einem Leitungsnetz vergleichen. Es hat wenig Sinn die Leistung des Kraftwerks zu erhöhen wenn entlang des Leitungsstranges mehrere Widerstände sich befinden.

  5. Klaus Says:

    Danke für die Hinweise. Ich suche in „Funktion des Orgasmus“ und in „Charakteranalyse“; aber ich finde nicht die entscheidenden Stellen – möglichst in Fallanalysen -, denen ich das genauer entnehmen kann: Wie verhalten sich prä-ödipale STÖRUNG und BEGINN DER NEUROSE (Ödipuskomplex) zueinander? Was heißt „Überlagerung des Ödipuskomplexes durch prägenitale Blockaden“ und dass die prägenitalen Blockaden auf die prä-ödipalen Störungen ZURÜCKGEHEN ? (Könnte man das auch eine Art Reaktivierung nennen?)
    Ich fürchte, die sprachlichen Metaphern erweisen sich wie so oft nur wieder als möglichst zu ersetzende Provisorien; und das ginge am besten, indem man die Fälle neu zu beschreiben versucht. (Na ja, wenn von „abstrakter Logik“ die Rede ist, scheint mir das meistens als Angriff gemeint zu sein; aber ich weiß gar nicht, was damit gemeint ist. Wird da mit „Logik“ nicht eher an Gesetzmäßigkeiten gedacht? Naturgesetze sind aber nicht das, was man i. d. R. mit logischen Regeln meint.)

    • Peter Nasselstein Says:

      Mit „abstrakter Logik“ meinte ich ganz einfach, daß man sozusagen „1 und 2 zusammenzählt“. Das kann man beispielsweise anhand der diversen „logischen“ psychotherapeutischen Nosologien der „Reichianischen Körperpsychotherapie-Schulen“ festmachen. Für den Laien wirken diese Aufstellungen folgerichtig, „logisch“, doch ein gut ausgebildeter Psychoanalytiker schlägt etwa bei Alexander Lowens Aufstellung nur die Hände über den Kopf zusammen. Demgegenüber wirkt die von Elsworth F. Baker entworfene orgontherapeutische Nosologie für den Laien vollkommen „unlogisch“. Beispielsweise warum gehört ein Zwangscharakter zur Gruppe der „analen Charaktere“, während ein Chronisch Depressiver Charakter zu den „phallischen Charakteren“ (und nicht etwa zu den „oralen Charakteren“) gehört?

      Um das zu verstehen, muß man die Entwicklung der psychoanalytischen Neurosenlehre, zu der ja Reich zentral gehört, nachvollzogen und vor diesem Hintergrund zig Patienten behandelt haben. Dann tut sich eine andere Logik auf, als die, die jene vor sich haben, die das ganze nur von außen betrachten. (Lowen hatte keine psychiatrische Ausbildung, die damals noch psychoanalytisch geprägt war.) Für den Außenstehenden sind alle prä-genitalen Stufen gleichwertig und er hantiert damit auf eine abstrakte Weise („Depressiv? Logisch, oraler Charakter!“).

      Nach orgonomischer Lehre ist die Neurose sozusagen eine „Genitalstörung“, die auf den Ödipus-Komplex zurückgeht. Da wäre zuerst einmal die reine Hysterikerin, bei der es teilweise zu einer Spontanheilung kommen kann, wenn sie auf den richtigen Mann trifft. (Natürlich kann die Hysterie [= Weglaufen vor der Genitalität] auch so schwer sein, daß selbst Orgontherapie aussichtslos ist.) Ähnlich sieht es bei phallischen Narzißten aus. Fast alle Frauen sind Hysterikerinnen und fast alle Männer Phalliker. Die meisten sind jedoch sozusagen „prä-ödipal“ vorgeschädigt, so daß die hysterische bzw. phallische Struktur teilweise bis zur Unkenntlichkeit überlagert wird. Im Laufe der Therapie kommt jedoch die tieferliegende hysterische bzw. phallische Struktur immer klarer zum Vorschein, bis schließlich der wieder zu Tage getretene ödipale Grundkonflikt nach Jahrzehnten endlich gelöst wird – orgastische Potenz.

      Die analen Charaktere (Zwangscharakter, passiv-femininer Charakter, masochistischer Charakter) haben etwas getan, was nur mit der Analität (nicht aber mit der Oralität!) möglich ist: sie haben die phallische Stufe ganz aufgegeben und die Aufgabe des Therapeuten ist es, diese wieder zu rekonstruieren. Der orale Charakter hat sich erst gar nicht zur phallischen Stufe entwickelt, sondern verharrt, bzw. vegetiert, zeitlebens in einem kindlichen Zustand. Er ist nicht therapierbar. Nun kommt als nächstes der okulare Charakter, der aus formaler („logischer“) Sicht noch kränker sein müßte als der orale Charakter. Dem ist aber nicht so, beispielsweise kann ein leichter Fall von Schizophrenie leichter zu heilen sein, als ein schwerer Fall von Hysterie. Der okulare Charakter ist jemand, der gleich zu Beginn der Entwicklung schwerst geschädigt wurde, so daß er eine okulare Blockade entwickelte, die die spätere Charakterformation überschattete. Beispielsweise wird jemand, der ohne diese schwerwiegende okulare Hemmung sich zu einem Zwangscharakter entwickelt hätte, mit okularer Panzerung zu einem Katatonen Schizophrenen Charakter.

      Und wieder: aus formaler Sicht müßte es dann genausoviele schizophrene Charaktere geben wie neurotische Charaktere, beispielsweise einen „masochistischen Schizophrenen“ (Charles Konia ist anfangs diesem Irrtum erlegen), tatsächlich gibt es aber nur vier schizophrene Charaktere.

      Wo Du das nachlesen kannst? Wenn Du jetzt beispielsweise Reichs Charakteranalyse nimmst, wirst Du mit Verweis auf Reich den einen oder anderen Einwand gegen den obigen Umriß vorbringen können. Dann würde ich Dich auf Bakers Buch verweisen und auf 40 Bände Journal of Orgonomy – aus denen man erahnen kann, was die Orgonomen im Seminar lernen.

  6. Klaus Says:

    Danke für die Mühe! – muss ich mal ausdrucken und in Ruhe lesen.

  7. David Says:

    Die analen Charaktere (Zwangscharakter, passiv-femininer Charakter, masochistischer Charakter) haben etwas getan, was nur mit der Analität (nicht aber mit der Oralität!) möglich ist: sie haben die phallische Stufe ganz aufgegeben und die Aufgabe des Therapeuten ist es, diese wieder zu rekonstruieren.

    Das heißt, sie haben sich – von der phallischen Stufe aus – rückwärts entwickelt?

    Der orale Charakter hat sich erst gar nicht zur phallischen Stufe entwickelt, sondern verharrt, bzw. vegetiert, zeitlebens in einem kindlichen Zustand. Er ist nicht therapierbar.

    Das kann eigentlich gar nicht sein, weil ja später durch den Eintritt der Geschlechtsreife rein physiologisch das Trieb- und Energieniveau des Erwachsenen erreicht wird.

    Baker schreibt, wenn ich mich recht erinnere, diese Menschen seien einfach unzulänglich.

    Vermutlich handelt es sich um Menschen, bei denen die Funktion der Verantwortlichkeit (responsibility), oder die Funktion der Unabhängigkeit (independence), oder gar beide, fehlen. Die Betroffenen sind, wie ich glaube, nur deshalb – noch – nicht therapierbar, weil man derzeit nicht weiß, wie man diese Funktionen herstellt bzw. zum Wachsen bringt.

  8. Robert (Berlin) Says:

    Das kann eigentlich gar nicht sein, weil ja später durch den Eintritt der Geschlechtsreife rein physiologisch das Trieb- und Energieniveau des Erwachsenen erreicht wird.

    Die orale Phase ist dann der Schwerpunkt des Erwachsenen, was bedeutet, er ist oral fixiert. Also Alkohol, Essen, Oralsex, zwanghaftes Reden usw. Es schließt nicht aus, dass trotzdem Geschlechtsverkehr ausgeübt wird. Das kommt auf den Grad der Retardation an, da es reine Formen einer oralen Phase in der Praxis nicht gibt. Man muss sich immer klar machen, diese psychosexuellen Phasen sind nichts anderes als Konstruktionen, die mehr oder weniger die Realität erklären.

  9. Robert (Berlin) Says:

    Wer sich näher mit der Materie beschäftigen möchte, dem möchte ich die dreibändige ‚Psychoanalytische Neurosenlehre‘ von Otto Fenichel (der eine Zeitlang mit Reich befreundet war) empfehlen.

  10. walter Says:

    ich glaube, Liebe wird manchmal gar nicht mehr so empfunden.

  11. walter Says:

    leider führt zusätzlich dieses falsche Verständnis zu falschen Behandlungen: ein Teufelskreis.

  12. Claus Says:

    Wenn ich es richtig sehe: Das Orgonom findet sich in den TCM-Lehren (QiGong …) ziemlich deutlich wieder v.a. im ‚Kleinen Himmelskreislauf‘ (am Rücken hoch, vorne runter). Im Yoga scheint es meistens auf eine mittlere Bahn hinten nach oben reduziert zu sein. Was mich nun etwas irritiert, ist: Man soll in den QiGong-Methoden üblicherweise mit der Aufmerksamkeit in der Mitte (kurz überm Bauchnabel) sein, in den Yoga-Methoden hingegen eindeutig oben zwischen den Augenbrauen. Man könnte daher meinen, die chinesischen Lehren seien näher am orgonotischen System als die Yoga-Lehren. Praktisch hatte ich früher jedoch das Gefühl, dass beide ihre Künstlichkeit daraus beziehen, dass sie überhaupt mit Aufmerksamkeit und bewusster Entspannung arbeiten. Das allein führt vielleicht schon weg vom orgonotischen System?

    • O. Says:

      Es ist ein merkwürdiger Vergleich die Orgonomie mit TCM oder Yoga-Systemen betrachten zu wollen. Doch qualifiziert kann hier die international referierende Orgonom-Medizinerin Fr. Dr. H. Buhl etwas sagen: Ihr verstorbener Lehrer Lassek hat aus dem Tao-Konzept die „OT“ entwickelt, auch „energetische Medizin“ genannt. Hier soll auch das TCM System mit einbezogen werden.

      Orgon ist kein Chi, auch wenn es immer behauptet wird. Gedanklich kann man sich ja mal ein paar Minuten mit vermeintlichen Ähnlichkeiten aufhalten, sollte dann aber erkennen, dass es zu nichts führt.

      Wenn man Yoga (oder was auch immer) machen möchte, muss man sich darauf eben einlassen und es tun. Was Reich dazu meinte, ist bekannt.

    • Robert (Berlin) Says:

      Qi Gong oder Yoga bestehen aus kontrollierten, vorgeschriebenen Bewegungen. In der Orgontherapie soll der Fluss der Energie dadurch frei werden, indem die Barrieren beseitigt werden, die aus der muskulären Panzerung bestehen. Die muskuläre Panzerung existiert in den asiatischen Bewegungslehren gar nicht.

      • Claus Says:

        Diese Beschreibungen bedienen sich nur Metaphern, aber es kommt mir dann so vor, als würde in QiGong u.ä. ‚die Energie‘ (die vielleicht doch ein wenig etwas mit Orgon zu tun hat) ‚an Panzerungen vorbeibewegt‘.

  13. Robert (Berlin) Says:

    Toller Vergleich von Heute mit der Zeit von WR

    Das Leben in den USA: Ein Vergleich zwischen dem Jahr 1956 und dem Jahr 2016

    Es gab einmal eine Zeit in den USA, in der man 40 Stunden die Woche arbeiten konnte, der Ehepartner nicht arbeiten musste und man sich mit 60 Jahren mit einer ausreichenden Rente zur Ruhe setzte …

    http://info.kopp-verlag.de/hintergruende/geostrategie/michael-snyder/das-leben-in-den-usa-ein-vergleich-zwischen-dem-jahr-1956-und-dem-jahr-2-16.html

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