Sean Connery und der Schrecken der Medusa

Sean Connery wurde als erster „James Bond“ bekannt. Noch mit 70 und Halbglatze war er „the sexiest man alive“. Obwohl er (ganz ähnlich wie Reich) eindeutig phallisch-narzißtische Züge zeigt, ist er doch einer der wenigen Menschen, den ich vorbehaltlos für einen genitalen Charakter halte.

Ich kann mich an eine dieser ekelhaften Klatschsendungen in Sat1 oder RTL erinnern, wo eine Geliebte von Connery aus Rache ein Interview gab, weil sie sich nur benutzt fühlte. Die übliche Verlogenheit der Frauen… Jedenfalls plauderte sie auch aus dem Bett. Eines Tages sagte sie ihm, daß er immer so komische Zuckungen habe und so einen komischen Singsang von sich gäbe, „wenn er komme“, worauf Connery ihr geantwortet habe:

Ich weiß nicht, was ich tue, wenn ich komme, denn wenn ich komme, verliere ich das Bewußtsein und bin in einer anderen Welt.

In den 60er Jahren am Höhepunkt seines Ruhmes als „007“ war Connery in Orgontherapie. In einer Biographie heißt es dazu:

Connery hat selbst auf seinen inneren Aufruhr angespielt. Er gab an, in den siebziger Jahren mit R.D. Laing geflirtet zu haben und es wird berichtet, daß er in Norwegen einen altgedienten Anhänger von Wilhelm Reich konsultiert habe, den Begründer der Orgonkiste, der damals in Mode war. (Michael Feeney Callan: Sean Connery. The Untouchable Hero, London: Virgin Books, 1993, S. 9)

Es handelte sich dabei um den norwegischen Psychologen Ola Raknes, den damals dienstältesten Orgontherapeuten. Er hatte nicht den geringsten Schimmer, daß Connery ein berühmter Filmstar war und war entsprechend bass erstaunt, als er ihn nach der Sitzung zur Tür begleitete und sehen mußte, daß sein Vorgarten von Reportern, Kamerateams und Fanhorden bevölkert war (Offshoots of Orgonomy, No. 5, S. 11).

Mir fällt kein Film von Connery ein, der für den orgonomisch Interessierten mehr als Unterhaltungswert hätte. Mit vielleicht einer Ausnahme:

Der antiautoritäre Linke Neill war immer wieder perplex, wie gut sich doch Summerhill-Schüler ins britische Militär einpaßten. Summerhillianer wurden durchweg von ihren Vorgesetzten gelobt. Sie waren so unneurotisch, daß sie kein Sand im militärischen Getriebe waren.

1965 spielte Connery in dem Film The Hill (deutsch-idiotisch Ein Haufen toller Hunde) von Sydney Lumet einen derartigen Soldaten, der wegen Gehorsamsverweigerung in ein menschenvernichtendes Militärgefängnis in Nordafrika verbracht wird. Er ist der prototypische Summerhillianer im Militär. Funktioniert hervorragend, ist durch keine Neurosen gehemmt, weigert sich dann aber einen schwachsinnigen Befehl durchzuführen, der den sicheren Tod seiner ihm untergebenen Männer bedeutet hätte. Er läßt sich nicht vom Stigma „Feigling“ und dem Gespenst „Ehre“ tyrannisieren. Im Militärgefängnis ist er dann der einzige Normale zwischen zwangsneurotischen Komißköppen und den noch kränkeren Mitgefangenen, die wegen ihrer neurotischen Rebellion im Militärgefängnis sitzen und sich gegenseitig das Leben zur Hölle machen.

Der Film lehrt, daß es keine mechanische Beziehung zwischen der neurotischen Charakterstruktur der Massen und den neurotischen Institutionen gibt. Das Militär kann nicht mit Neurotikern funktionieren. Für „Reichianer“ noch verstörender ist Der Schrecken der Medusa, ein Film von 1978 mit Richard Burton in der Hauptrolle.

Ohne, daß die meisten Zuschauer auch nur etwas davon ahnen, ist das einer der politisch unkorrektesten Filme, die je gedreht wurden. Es geht um einen Mann, der die „parapsychologische“ Gabe hat, Katastrophen durch pure „Gedankenkraft“ hervorzurufen. Er kann also genau das vollbringen, was sich das unreife Kind einbildet tun zu können. Es wünscht sich etwa, daß Papa, der ihm kein Fahrrad zum Geburtstag geschenkt hat, doch tot umfallen möge. Stirbt der Vater dann tatsächlich kurze Zeit später durch einen Autounfall, wird das Kind unverrückbar davon überzeugt sein, es selbst habe den Vater „durch Gedankenkraft“ getötet.

Nun stelle man sich mal vor, es gäbe tatsächlich so einen Menschen, der durch reine Gedankenkraft etwa vollbeladene Passagierflugzeuge vom Himmel holen könnte. Und der so etwas aus reiner Lust an seiner Boshaftigkeit auch ständig macht! Wäre es nicht gerechtfertigt ihn zu töten? Nun, die Menschen des ausgehenden Mittelalters und der beginnenden Neuzeit waren davon überzeugt, daß solche Teufel tatsächlich massenhaft zwischen ihnen lebten: die Hexen. Waren da die Hexenverfolgungen nicht rational gerechtfertigt?!

Ist entsprechend der von Burton gespielte massenmörderische Mann wirklich zu verurteilen? Es wird nämlich in dem Film gezeigt, wie er sich schon als Kind mit seinen parapsychologischen Fähigkeiten gegen seine alptraumhaften Eltern und Erzieher zur Wehr gesetzt hat, indem er sie in Katastrophen, die er durch Gedankenkraft verursacht hatte, umkommen ließ. Reine Notwehr! Und er hat nicht mehr getan, als jedes andere Kind auch. Nur daß seine mörderischen Wünsche tatsächlich in Erfüllung gegangen sind! Als Erwachsener ist es schließlich das „innere Kind“, das sich in ihm auslebt. Böse?

Erhellend ist nun, daß die Macher des Films eine Intention hatten, die meinen Überlegungen von der Tendenz her diametral entgegengesetzt ist: es sollte ein, in heutigen Begriffen, „politisch korrekter“ Film mit einer „progressiven“ Botschaft sein. Sie wollten die Regierung, „das Militär“, „Gott“, kurz „das Establishment“ allegorisch anklagen. Stattdessen schufen sie ungewollt einen Film, der alle gutmenschlichen Gewißheiten über das, was böse ist, schreddert!

Linksliberale sind strukturell nicht in der Lage, einen Gedanken logisch zu Ende zu denken. Ich muß in diesem Zusammenhang immer an den legendären „Alfred Tetzlaff“ denken. Die Serie wurde eingestellt, weil die Macher erkennen mußten, daß die Zuschauer eher Alfred als seinem linken Schwiegersohn zustimmten. Und im Nachhinein: Alfred hat in fast allen Punkten Recht behalten.

Im linken Projekt ist ein Selbstzerstörungsmechanismus eingebaut: es steht in einem fundamentalen Widerspruch zur Logik und zur Realität.

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8 Antworten to “Sean Connery und der Schrecken der Medusa”

  1. Robert (Berlin) Says:

    Es ist schon erstaunlich, wie berühmt WR in den USA war, dass trotz dessen Diffamierung und Einkerkerung solche Berühmtheiten wie Sean Connery seinen Schüler in Anspruch nahm. Nur warum nahm er keinen us-amerikanischen Orgonomen?
    Welch ein Glück für Connery, nicht einen Vielschwätzer wie Laing als Therapeut konsultiert zu haben.

  2. Heiko Lassek Says:

    Connery, Susan Strasberg und der in Interviews dies auch betonende Nicholson waren alle bei Dr. Richard Blasband in Orgontherapie; Spielberg, Jodorowsky, Turner … die Liste ist lang, doch nur wenige haben dies in tiefen, langen Interviews – wann gibt es die schon – betont.

  3. David Says:

    Theoretisch müssten irgendwann die Militärs beginnen, sich für solche Dinge wie Selbstregulierung, Orgonomie, Funktionalismus etc. zu interessieren.

    Falls das mit der Wirklichkeit übereinstimmt, dass der nicht-neurotische Soldat bessere Ergebnisse herbeiführt, so wie im Film – ich kenne den Film nicht – bewirkt wird dass die Leute eben nicht getötet werden.

    Hier sind Aspekte im Spiel wie z.B. der junge Mann, der unfähig ist, mit dem Vater zu konkurrieren – und z.B. deshalb jede Konkurrenz ablehnt und linksradikal wird. Schließlich ist „Wettbewerb“ bzw. „competition“ – anders als der moderne Krieg – nicht auf die Vernichtung des Gegners ausgerichtet.

  4. Robert (Berlin) Says:

    Theoretisch müssten irgendwann die Militärs beginnen, sich für solche Dinge … zu interessieren.

    Es ist ja nicht ausgeschlossen, ob sich Militärs für Aspekte der Orgonomie interessieren. In Frage käme Reichs UFO-Erklärung oder wie Reich dachte, eine Immunisierung gegen die Wirkung der Atombombe. Oder ein politischer Feind konnte Oranur-Metallkästen abwerfen, um Gebiete energetisch zu verseuchen.

  5. Robert (Berlin) Says:

    http://einestages.spiegel.de/static/topicalbumbackground/13441/bonds_top_secrets.html

  6. Robert (Berlin) Says:

    Der antiautoritäre Linke Neill war immer wieder perplex, wie gut sich doch Summerhill-Schüler ins britische Militär einpaßten. Summerhillianer wurden durchweg von ihren Vorgesetzten gelobt. Sie waren so unneurotisch, daß sie kein Sand im militärischen Getriebe waren.

    Mit Baby in Burma: Wo Kinder alles dürfen
    Nein sagen, Grenzen setzen: Das ist wichtig, wenn man ein Kind erzieht, dachte ich. Die Burmesen zeigen mir, dass es auch anders geht.

    Zitat:
    Vier Wochen reisen wir durchs Land. Yangon, Nay Pyi Taw, Monywa, Bagan, Mandalay. Wir treffen nirgendwo Kinder, die ungezogen, laut oder frech sind. Wie kann das sein, wenn ihnen niemand Grenzen aufzeigt, niemand sie bewusst zu erziehen scheint?

    http://www.spiegel.de/reise/fernweh/elternzeit-in-asien-mit-baby-in-burma-a-1013692.html

  7. Peter Nasselstein Says:

    Angesichts der Feierlichkeiten zum Untergang des Deutschen Reichs schaue man sich 96 Hours – Taken an. Liam Neeson tritt auf und handelt wie ein SS-Mann oder Wehrmachtsoffizier, der (das Gehirn von schwachsinnnigen Verschwörungstheorien vergiftet) „Untermenschen“ bekämpft, die „Mutter Germania“ „geschändet“ haben. Im Funktionalismus muß man, frei nach Reich und Chesterton (Pater Brown), sich immer in die Lage des anderen versetzen: aus seinen Augen blicken, in seinem Kopf und Herzen sein, seine Füße und Hände bewegen – oder man begreift gar nichts. „Moral“ ist für Kinder und Gutmenschen.

  8. Invasion von der Wega | Nachrichtenbrief Says:

    […] Sean Connery und der Schrecken der Medusa ein zweiter Blick auf das linke […]

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