Der Schatten über der Welt (Teil 2)

Der Orgonomische Funktionalismus verwahrt sich gegen eine mechanistische Einstellung, die sich in zwanghafter Weise an kleinen nebensächlichen Widersprüchen und Ungewißheiten festbeißt und dabei das Wesentliche aus dem Auge verliert. In dieser zwanghaften Haltung erschöpft sich ein großer Teil der Kritik an den späteren Arbeiten Reichs.

Andererseits jedoch bringt der Orgonomische Funktionalismus eine gewisse „Geradlinigkeit“ mit sich, die zur Erstarrung in einer Orthodoxie führen kann, in der souverän über angeblich „unwesentliche“ Widersprüche hinweggegangen und berechtigte Zweifel als angeblich „unfunktionell“ weggewischt werden. Damit schleicht sich der Mechanismus, der, wie Reich sagt, hauptsächlich dadurch gekennzeichnet ist, daß er keine Unsicherheiten verträgt, durch die Hintertür wieder in die Orgonomie ein.

Letztendlich geht es darum, es ertragen zu können, daß „alles in der Schwebe“ ist – ohne sich gegen diese freie Bewegung abzupanzern. Ohne diese „Freigeistigkeit“ ist die Orgonomie kaum mehr als eine weitere wissenschaftlich verbrämte Pseudoreligion; eine „Weltanschauung“, der man sich anschließen kann, wenn man die „richtigen“ Ansichten vertritt.

Ursprünglich war mir das UFO-Phänomen nichts weiter als ein desinteressiertes Achselzucken wert, ähnlich wie es mir später während meiner Beschäftigung mit der „UFOlogie“ etwa mit Spukgeschichten ging. Als ich mich dann näher mit der Orgonomie beschäftigte und auf Reichs UFO-Forschung stieß, dachte ich, daß Reich bei seiner Interpretation des UFO-Phänomens als außerirdische Raumschiffe dem Zeitgeist der 1950er Jahre (als, wie heute offen zugegeben wird, selbst US-Regierungsstellen angesichts dieser Himmels-Phänomene einen „Krieg der Welten“ für möglich hielten) zum Opfer gefallen war. Ich betrachtete UFOs, getreu Reichs eigener Namensgebung für sie (Ea = Energy alpha oder Enigma = Rätsel), als exotische Orgonenergie-Phänomene in der Atmosphäre (man denke nur an die bis heute unerklärt gebliebenen Kugelblitze), die nichts mit außerirdischen Besuchern zu tun haben. Ich vermute, so reagieren die meisten ernsthaften Studenten der Orgonomie.

Den Rest des UFO-Phänomens konnte ich mir gleichfalls erklären: jene exotischen atmosphärischen Phänomene mußten mit extrem hohen Orgonenergie-Konzentrationen verbunden sein, die, entsprechend Reichs Erfahrungen während des ORANUR-Experiments, eine unmittelbare Wirkung auf das Gehirn, das Bewußtsein ausüben. Inzwischen hat z.B. der kanadische Psychologe Michael Persinger seine Theorie im Labor nachweisen können, daß bestimmte elektromagnetische Felder, die mit den besagten außergewöhnlichen Phänomenen einhergehen könnten, ähnlich auf das Hirn einwirken wie etwa LSD. Die Probanden haben das Gefühl, daß jemand hinter ihnen steht, sie frei im Raum schweben, sie von Zwergen angegrapscht werden, etc.

Meine Haltung änderte sich, als ich Jerome Edens EDEN Bulletin abonnierte und seine Bücher las. Eden hatte praktisch alles, was Reich zu seiner Theorie geführt hatte, nachvollzogen und verifiziert. Was mich bei Eden aber sehr bald irritierte, war seine Veröffentlichungspolitik. In seiner Zeitschrift brachte er viele ungeprüfte UFO-Berichte, die die Dringlichkeit der Lage dokumentieren sollten. Das Problem bei dieser Vorgehensweise ist jedoch, daß, wenn ein Bericht sich als unverifizierbar, als Fälschung oder grobe Fehlinterpretation erweist, infolge die gesamte Aufreihung entsprechender Fälle wertlos wird. Deshalb sind viele aneinandergereihte UFO-Berichte, deren schiere Masse Widerstände überwinden soll, weniger überzeugend als die Präsentation einzelner wirklich fundierter Fallgeschichten. Hinzu kam, daß viele UFO-Berichte, die Eden publizierte, aus Publikationen stammten, die sich in etwa auf dem Niveau der Bild-Zeitung bewegen.

Ich selbst habe ihm mal einen solchen Bericht aus der Regenbogen-Presse übersetzt zugeschickt. Dort war die Rede davon, daß ein UFO bei einem Kraftwerk einen Leistungsabfall verursacht hatte. Eden war begeistert und wollte es in seinem Bulletin bringen. Daraufhin schrieb ich den Kraftwerksbetreiber an, weil ich nicht für eine weitere Fehlmeldung verantwortlich sein wollte. Zurück kamen technische Unterlagen, die zeigten, daß zu der fraglichen Zeit im Netz kein Leistungsabfall zu verzeichnen gewesen war. Wenn das aber nicht stimmte – wenn ein so leicht überprüfbarer Fall in einer seiner Hauptaussagen einfach nur eine Zeitungsente war, wie sollte man da unüberprüfbaren Berichten etwa aus Südamerika glauben schenken?

Auch empfand ich im Laufe der Zeit Edens konzeptionelle Herangehensweise als unangemessen. Wie bei Reich klang alles so fatal nach den 1950er Jahren. Was Verhalten und Motivation betrifft behandelte Eden, genauso wie es vor ihm Reich getan hatte, die Außerirdischen wie Menschen („CORE Men“ bei Reich und „DOR Men“ bei Eden). Das fängt z.B. mit der naiven Vorstellung an, unsere Atomwaffen könnten eine Bedrohung für fremde Zivilisationen darstellen (angesichts der ungeheueren Weiten des ohnehin bereits „radioaktiven“ Weltalls eine absurde Vorstellung) und endet damit, sie kämen hierher, weil sie unser Wasser benötigen. Nun ist es aber einfach eine Tatsache, daß es außerhalb der Erde jede Menge Wasser und damit gleichzeitig auch die Möglichkeit gibt, Sauerstoff und Nahrungsmittel in beliebigen Mengen herzustellen, solange nur genügend Energie vorhanden ist.

An diesem Beispiel sieht man auch, wie nahe sich „hemdsärmelige“ und ausgesprochen skeptizistische Herangehensweisen an das UFO-Problem kommen. Beide projizieren ihre Alltagserfahrung auf ein ungewöhnliches Phänomen und reihen es dann entweder gewaltsam in ihre „gewöhnliche“ Welt ein oder sie verwerfen das Phänomen, da es in die Alltagswelt nicht hineinpaßt und deshalb keinerlei Realität haben kann. Immerhin sind die entsprechenden Äußerungen der Skeptiker manchmal recht erhellend, in jedem Falle aber anregender als manches bei Reich und Eden.

Man nehme z.B. den immer wieder vorgebrachten schlagenden Einwand der Skeptiker, es wäre doch widersinnig, daß man die Reise zu einem fernen Planeten auf sich nimmt, in diesem Fall zig Lichtjahre zur Erde fliegt, um dann jene albernen Dinge zu tun, die eine typische UFO-Sichtung ausmachen: etwa Katz und Maus mit einem Passagierflugzeug spielen, Haustiere erschrecken und nachts in fremde Schlafzimmer eindringen, um einen lächerlichen Spuk zu veranstalten.

Auf diese Weise wurde ich zu jenen Überlegungen gezwungen, die ich in Ea und die Wellenfunktion ausführe.

Hier der Film Earth Vs. Flying Saucers aus dem Jahr 1956, über einen Wissenschaftler, der eine Waffe gegen UFOs entwickelt hat – die Reichs Cloudbuster auf verblüffende Weise ähnlich sieht:

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8 Antworten to “Der Schatten über der Welt (Teil 2)”

  1. Robert (Berlin) Says:

    Ola Raknes hat in seinem Buch „Wilhelm Reich und die Orgonomie“ bezeichnenderweise geschrieben, dass er zu dieser Materie nichts schreiben könne, weil er sie nicht beurteilen könne.
    Das finde ich noch immer die vernünftigste Einstellung, obwohl ich mir damals, als ich das Buch laß, wenigstens eine Zusammenfassung von Reichs UFO-Forschung gewünscht hätte.

  2. Robert (Berlin) Says:

    Brasiliens Luftwaffe katalogisiert UFO-Sichtungen

    „Mit der Regulierung der Handhabung von UFO-Berichten durch die Luftwaffe und insbesondere jener Meldungen von Luftfahrtpersonal, wie sie im ‚Diário Oficial da União‘ dargelegt ist, erkennt die brasilianische Luftwaffe die reale Existenz des UFO-Phänomens faktisch an. Zumal zu diesen Sichtungszeugen auch hochrangige Offizielle und Militärs, darunter der bereits erwähnte Lieutenant-Brigadier José Carlos Pereira sowie der ehemalige Luftverteidigungsminister Lieutenant-Brigadier Sócrates Monteiro zählen“, erläutert Gevaerd.

    Die reale Existenz von UFO-Phänomenen werde vom Militär eindeutig in zahlreichen bereits freigegebenen Dokumenten anerkannt, aus welchen auch die intensive Untersuchung der Vorfälle durch die Luftwaffe und andere offizielle Organisationen hervorgeht.

    Für die brasilianischen UFO-Forscher des „Brazilian Committee of UFO Researchers“ (CBU) ist die neue offizielle Haltung der Luftwaffe ein großer Durchbruch in ihren jahrzehntelangen Bemühungen um eine transparente Handhabung der gemeldeten UFO-Sichtungen auch von Seiten des Militärs und der Regierung, wie sie im Rahmen der seit 2004 laufenden Kampagne „UFOs: Freedom of Information Now“ gefordert wird. Nun hoffen auch internationale Kollegen auf eine Beispielswirkung auch auf andere Staaten Süd- und Nordamerikas und darüber hinaus.

    http://nachrichten.freenet.de/wissenschaft/paranormal/brasiliens-luftwaffe-katalogisiert-ufosichtungen_1903064_533376.html

  3. O. Says:

    Eden und Reich haben für mich eine sinnvolle These herausgarbeitet: Außerirdische stinken und sind feindselig.
    Das sie nicht existent seien, ist eine Glaubensrichtung, die mir nicht rational erscheint. Wer den CLB mal ordentlich und nicht stümperhaft benutzt, darf sich auf einen Contact gefasst machen. Und wer darauf nicht vorbereitet ist – zumindest annähernd, hätte besser die Finger davon gelassen. Wie der Film „Krieg der Welten“ in alter oder neuer Fassung zeigt, ist das Thema nichts für Angsthasen und Paranoia gefährdete Personen.
    Mir wäre es auch lieber, Reich und Eden wären einfach nur Spinner, ich fürchte nur, sie haben absolut recht. Sollten Sie recht haben, dann erklärt es vielleicht, warum die soziale Misere durch wirtschaftliche Machtverhältnisse bestimmt wird.
    Ohne Aliens haben wir schon heftigste Probleme und mit ihnen auch. Es macht so gesehen keinen Unterschied, solange die Menschen nicht mit den Menschen solidarisch sind, sondern Alienpolitik betreiben: Atomkraft etc.
    Für mich hat WR das Thema nur gestreift und anfangs auch nicht beachtet bis die ihm aufs Dach gestiegen sind. Dann hat er versucht der Sache Herr zu werden, was ohne irdische Unterstützung nicht funktionieren kann. – Es mag sein, dass Edens persönlicher Umgang mit dem Thema sehr plakativ war, das empfinde ich bei fast allen Orgonomisten, doch er hat das Thema auf einen Punkt gebracht und ohne die ZfO und das Engagement von PN, wäre in der BRD diese Sicht nicht weitergetragen worden und wir würden in eigener Naivität verharren.

    Was mich in dem Blog hier wundert, ist: Warum eine generell lügende und verheimlichende Atomfirma eine offizielle Stellungnahme geglaubt wird? Atomfirmen haben ihre Mitarbeiter und insbesondere die Wissensträger der Firma arbeitsvertraglich zum Schweigen verpflichtet!
    Man kann sich vielleicht – privat und allgemein – kritisch zur Atomkraft äußern. Aber wenn durch Firmenprodukte und in der Firma Leute sterben, wird schön dicht gehalten. Und absonderliche „Unregelmäßigkeiten“ werden ignoriert, egal was es sei.

  4. Klaus Says:

    „Außerirdische stinken und sind feindselig.“
    Doll.
    „Das sie nicht existent seien, ist eine Glaubensrichtung, die mir nicht rational erscheint.“
    Wer behauptet denn das?
    „Wer den CLB mal ordentlich und nicht stümperhaft benutzt, darf sich auf einen Contact gefasst machen.“
    Eben. Bitte sein lassen.

  5. Klaus Says:

    Ach, und: „Letztendlich geht es darum, es ertragen zu können, daß ‚alles in der Schwebe‘ ist.“
    Eben.

  6. Peter Nasselstein Says:

    http://video.de.msn.com/watch/video/alien-caught-on-tape/ke8zxp8m

  7. Robert (Berlin) Says:

    Neuseeland zeigt geheime Ufo-Akten

    „Neuseelands Regierung hat seine bisher geheimen Akten über Ufo-Sichtungen veröffentlicht. Die Dokumente aus mehr als fünf Jahrzehnten enthalten zahlreiche teils kuriose Berichte – doch ein Beweis für Besuche Außerirdischer lässt weiter auf sich warten.“

    http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,736389,00.html

    http://www.stuff.co.nz/national/4486327/Original-files-NZs-UFO-sightings

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