Psychoanalyse, Orgontherapie, Körpertherapie

Man kann immer wieder beobachten, daß „Reichsche Therapie“ bei vielen einfach keine Wirkung zu zeitigen scheint. Sie bleiben irrational, werden teilweise sogar pestilent (Emotionelle Pest). Es fehlt ihnen an „Magnetismus“, vielmehr wirken sie „hohl“ und „leer“. Statt sich wohler und integrierter zu fühlen, werden sie entweder immer wehleidiger und „sensibler“. Oder sie verwandeln sich in narzißtische, blasierte Kotzbrocken, die sich einbilden „umstrukturiert“ zu sein.

Therapie macht nur Sinn, wenn man sich der Panzerung bewußt wird und sich entsprechend von innen her verändert. Solange die grundlegenden Verhaltensmuster, etwa eine alles erstickende Indifferenz, nicht bewußt gemacht werden, wird jedwede „bioenergetische“ Intervention verpuffen oder diesen Widerstand sogar noch weiter verstärken.

Heutzutage, wo der Charakterpanzer in der Struktur der Menschen immer wichtiger wird, auf die Charakteranalyse zu verzichten, d.h. es zu unterlassen, die okulare Panzerung aufzulösen, ist ein Kunstfehler. Was „Körpertherapeuten“, sogenannte „originale Reich-Therapeuten“, „Bioenergetiker“, etc. treiben, ist zutiefst reaktionär, weil sie die pathologische Tendenz der Gesellschaft zur Oberflächlichkeit nur noch weiter verstärken. „Nur nicht den Kern des Problems berühren!“

In der Orgontherapie muß Kontakt hergestellt werden und der Patient von seinen Ersatzkontakten entfremdet werden. Stattdessen bieten die „Neoreichianischen Körpertherapeuten“ Ersatzkontakt in Form von mechanischen Übungen und Massagen. Diese Therapien sind nur ein Spiegel dieser Gesellschaft: „action“ und „event“ bei Vermeidung von wirklichem bioenergetischen Kontakt.

Genauso wie der Sozialist alles von „der Gesellschaft“, d.h. dem Staat, erwartet und von der Eigenverantwortung entlastet werden will, soll der Therapeut den Patienten von außen her durch „Körperübungen“ und „Muskelmassage“ oder gar durch das „Bewegen der Lebensenergie“ heilen.

Das ist imgrunde eine mechanistische Einstellung, die sich kaum von der der „Schulmedizin“ unterscheidet. Wirkliche Veränderung kann nur Frucht von Eigenverantwortung sein. Aufgabe des Therapeuten ist es, die Selbststeuerung wieder in gang zu bringen, d.h. den Patienten mit Verantwortung zu belasten, statt ihn zu entlasten.

Und noch etwas: man verwechsele bitte die Charakteranalyse nicht mit der Psychoanalyse! In vieler Hinsicht sind es geradezu Gegensätze. Reich hat die „charakteranalytische Vegetotherapie“ aus der Psychoanalyse dadurch entwickelt, indem er die „Haltlosen“ in dieser Gesellschaft behandelte. Dieser „triebhafte Charakter“ zeigte reale körperliche Erscheinungen, im Gegensatz zu den üblichen „gutbürgerlichen“ Klienten der Psychoanalyse, wo es um Erinnerungen und den intellektuellen Austausch ging. Die Funktion des Orgasmus zeigte, daß es sich bei der Libido um eine reale Energie handelt, die sich beispielsweise zwischen dem Herzen (Angst) und dem Genital (Lust) hin und her bewegt.

Die Psychoanalytiker mieden diese beiden Bereiche, heftige psychosomatische Reaktionen und die Genitalität, in denen Freuds Libido wirklich greifbar wurde, wie der Teufel das Weihwasser und beschäftigten sich stattdessen mit „Psychologie“, d.h. das komplizierte Wechselspiel prägenitaler Strebungen, deren Verdrängung, Sublimierung, etc. In seiner Charakteranalyse ging es Reich hingegen darum, das Geflecht der prägenitalen Strebungen und Gegenstrebungen aufzulösen, um von der komplizierten Psychologie zum einfachen bioenergetischen Kern des Problems durchzudringen. Dieser erschloß sich ihm in den 1930er Jahren im Rahmen seiner sexualökonomischen Lebensforschung: es war die Sympathikotonie.

Es geht nicht um das Aufdecken hochkomplizierter psychologischer Zusammenhänge, sondern um denkbar einfache bioenergetische Prozesse. Patienten können beispielsweise a la Woody Allen jahrzehntelang zum Psychotherapeuten gehen, ohne ein einziges Mal auf jene Charakterhaltungen hingewiesen worden zu sein, mit deren Hilfe sie ihre organismische Orgonenergie drosseln, – d.h. mit deren Hilfe sie ihr eigenes Leben zerstören.

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2 Antworten to “Psychoanalyse, Orgontherapie, Körpertherapie”

  1. David Says:

    1. von der Gegenwart in die Vergangenheit
    2. von außen nach innen

    Das leuchtet spontan ein, aber:

    3. von oben (gemeint ist: Okulares Segment) nach unten

    Dies scheint im Widerspruch zu 1. und 2. zu sein.

    Jedenfalls ist das kontra-intuitiv.

    Kontra-intuitiv ist auch, dass wenn die Sache so einfach ist, man – dem ACO und auch Reich zufolge – eine so lange Ausbildung haben muss etwa im Vergleich zum Verhaltenstherapeuten: Medizinstudium plus Psychiatrie-Fachausbildung und dann geht es erst los.

    Der Therapeut kann eben doch ziemlich viel falsch machen – vor allem dann, wenn bei ihm Kontaktlosigkeit ist!

    Es geht nicht um das Aufdecken hochkomplizierter psychologischer Zusammenhänge, sondern um denkbar einfache bioenergetische Prozesse. Patienten können beispielsweise a la Woody Allen jahrzehntelang zum Psychotherapeuten gehen, ohne ein einziges Mal auf jene Charakterhaltungen hingewiesen worden zu sein …

    Man denke auch an die Oberschicht in Buenos Aires, in dieser Stadt soll es mehr Psychoanalytiker als Friseure geben.

    Ansonsten hatte ich vielleicht schon darauf hingewiesen, dass heutzutage immer mehr junge Menschen mit dem „Asperger-Syndrom“ oder auch dem „High-Functioning-Autism“, des hochfunktionalen Kanner-Autismus diagnostiziert werden, ohne dass man vom ACO etwas über orgonomische Forschung betreffend diese Dinge hört.

    Aber vielleicht ermöglicht gerade die Charakteranalyse Zugang zu den auf diese Weise Gestörten.

    Heutzutage, wo der Charakterpanzer in der Struktur der Menschen immer wichtiger wird, auf die Charakteranalyse zu verzichten, d.h. es zu unterlassen, die okulare Panzerung aufzulösen, ist ein Kunstfehler. Was „Körpertherapeuten“, sogenannte „originale Reich-Therapeuten“, „Bioenergetiker“, etc. treiben, ist zutiefst reaktionär, weil sie die pathologische Tendenz der Gesellschaft zur Oberflächlichkeit nur noch weiter verstärken. „Nur nicht den Kern des Problems berühren!“

    Hervorhebung des Wortes Charakteranalyse von mir. Im besagten Buch „Charakteranalyse“ (oder war es doch in „Die Funktion des Orgasmus“?) von W.Reich wird ein „Zwangsneurotiker“ beschrieben, dessen Stereotypien große Ähnlichkeit haben mit diesen hochfunktionalen Autisten; interessanterweise ist es – wenn ich mich recht erinnere – genau der Fall, an welchem Reich den Übergang von der Psychoanalyse zur Charakteranalyse erklärt; Reich fragt: wenn Pat. nicht richtig mitmacht, immer subtilen, schwer einschätzbaren Widerstand leistet – ist das nicht bei weitem genug „Material“?

    Genauso wie der Sozialist alles von „der Gesellschaft“, d.h. dem Staat, erwartet und von der Eigenverantwortung entlastet werden will …

    Auch der Alkoholiker will die Eigenverantwortung nicht tragen. Dieses Defizit spürt er aber, und um es nicht zu spüren, trinkt er (natürlich kommen immer noch mehr Gründe des Trinkens dazu aber das ist der vielleicht wichtigste). Der sechste Schritt der Anonymen Alkoholiker, von welchem es heißt, er hat zu tun mit der Verantwortung, das was den Erwachsenen vom Kind (und möglicherweise auch vom modern-liberalen Charakter?) unterscheide, heißt: wir waren völlig bereit, diese Charakterfehler von uns nehmen zu lassen.

    Dies gibt mir immer die äußerst angenehme Vorstellung, den Bereich um Herz, Arme und Schultern – und noch weiter oben also Okulares Segment – weit öffnen zu können, so dass Hingabefähigkeit sich bildet, und die höhere Macht hier eindringen und die Charakterfehler wegnehmen kann.

  2. Robert (Berlin) Says:

    Bei Woody Allen wird die Psychoanalyse in seinen Filmen nur als Karikatur dargestellt; er wird sie auch so erlebt haben.

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