Die Entstellung funktioneller Wahrheiten durch den Kleinen Mann am Beispiel „Kinder der Zukunft“

Ich habe manchmal ein ziemlich schlechtes Gewissen, wenn ich etwas über Reichs Konzept „Kinder der Zukunft“ schreibe. Reich selbst sah es als größtes Hindernis seines Projekts, daß Frauen unerfüllbare Ansprüche an sich stellen. Alles muß perfekt sein: eine Schwangerschaft, die das Embryo nicht belastet, eine „natürliche“ Geburt, ein perfekter Kontakt zum Baby, eine glückliche Kindheit, perfekte Selbstregulation und eine geradlinig verlaufenden Pubertät. Ein solch übermenschlicher Druck muß jede Mutter geradezu zermalmen, wenn sie das alles denn ernst nimmt.

Auf diese Weise trägt die Orgonomie (oder das, was sich dafür hält) zur allgegenwärtigen Versklavung der Frau bei. Sie muß wie ein gestylter Filmstar aussehen, eine „Sexgöttin“ sein, eine erfolgreiche Karriere vorweisen, unabhängig sein und schließlich soll sie noch „gesunde“ Kinder großziehen.

Tatsächlich zerstört das überwunden geglaubte Patriarchat heute die Frau mehr als jemals zuvor. Man denke nur mal an all die Ratgeber, nach denen sich Frauen richten sollen.

Die Generation meiner Mutter brauchte einfach nur Frau und Mutter zu sein, der Rest hat sich ergeben. Sie hat sich nicht von einem erdrückenden Perfektheitswahn tyrannisieren lassen.

Das Kern dieser Art von Tyrannei ist der Wahn des Frühen: je früher die Schädigung eintritt, desto schlimmer für das Kind. „Man kann einen einmal krumm gewachsenen Baum nicht mehr geraderichten.“ Was nichts anderes heißt, als daß man Fehler nicht wieder gut machen kann. Kinderkriegen und Kindererziehung als halsbrecherischer Drahtseilakt!

Der Psychologe Thomas O’Connor (University of Rochester, New York) hat gezeigt, daß Überbelastung in der Schwangerschaft zwar negative Folgen für die spätere Lern- und Denkfähigkeit des Säuglings hat, doch eine intensive Betreuung bis zur Krabbelphase die Beeinträchtigung wieder wettmachen kann.

Die Ungeborenen, die in einem hohen Maß durch die Mutter dem Streßhormon Cortisol ausgesetzt waren, zeigten im Alter von 17 Monaten bei einem Test ihrer kognitiven Fähigkeiten deutliche Schwächen. Die Beeinträchtigungen traten aber nicht auf, wenn die Mütter eine sehr intensive Beziehung zu ihrem Säugling aufgebaut hatten.

O’Connor sagt zu seinen Forschungsergebnissen:

Das ist eine ermutigende Nachricht für Mütter, denn die Schwangerschaft ist eine emotionale Erfahrung mit vielen Sorgen. Es ist sicher eine Erleichterung zu wissen, daß eine gute Elternschaft die Babys im Nachhinein gegen mögliche schädliche Folgen schützt.

Es ist sicherlich keine unzulässige Verallgemeinerung, wenn ich etwas schreibe, was an sich jeder selbst aus seiner eigenen Lebenserfahrung bestätigen wird können: in einem gewissen Umfang kann man wirklich alles wieder geraderichten. Nichts ist verloren!

Vor allem sollten wir aufhören, junge Mütter zu tyrannisieren. Ich jedenfalls schäme mich für den einen oder anderen verbalen Dolchstoß, den ich der einen oder anderen Mutter versetzt habe, deren Schwangerschaft eine Tortur war, die einen Kaiserschnitt hatte, das Baby mit der Flasche großgezogen hat, etc.pp.

Je besser es diese Mütter meinen, desto größer ist die Last, die sie erdrückt – und desto mehr Fehler machen sie.

Es gibt dazu ein eindeutiges mechanisches Äquivalent, dem Forscher in den USA in einer Studie nachgegangen sind:

Angesichts der enormen Anforderungen in der heutigen Gesellschaft haben viele Eltern Angst, ihrem Kind nicht genügend Anregungen zu bieten. Unter anderem deshalb gibt es inzwischen immer mehr Angebote zur Frühförderung von Kindern – von Babymassage und Babyschwimmen über PeKiP-Gruppen bis hin zu Babysprachkursen und Musik für Säuglinge. Vor allem in den USA werden solche Angebote von jungen Eltern zunehmend angenommen. „Die kognitive Stimulation der Säuglinge durch bestimmte Spielzeuge, Vorlesen und anderes, ist hier sehr stark ausgeprägt“, berichtet Koautorin Maria Gartstein von der Washington State University in Seattle. In einigen europäischen Ländern wie den Niederlanden ist dies dagegen weniger ausgeprägt.

Die Forscher fanden, daß in den USA die Babys zwar aktiver und stärker auf Reize reagierten, dafür aber auch häufiger ängstlich, frustriert und traurig waren. Sie brauchten länger, sich nach dem Schreien oder nach Streß wieder zu beruhigen. Niederländische Säuglinge waren zufriedener und sie waren leichter und schneller zu beruhigen.

Nach Ansicht von Gartstein und ihren Kollegen spiegelt die größere Zufriedenheit und Gelassenheit der niederländischen Kinder möglicherweise die andere Kultur im Umgang mit Säuglingen wider. „Für niederländische Eltern sind zwei Dinge besonders wichtig: Ihre Kinder nicht überzustimulieren und von Beginn an regelmäßige Zeiten für den Schlaf einzuhalten“, erklärt Gartstein. So wählen die Eltern die Zeiten für Besuchseinladungen von Freunden oder Familie meist so, dass der Schlafrhythmus der Kinder nicht gestört wird. „Mir fiel auch auf, daß die niederländische Eltern im Umgang mit ihren Kindern sehr viel weniger Spielzeug nutzten als die US-Eltern“, so Gartstein.

[youtube:https://www.youtube.com/watch?v=gSedE5sU3uc%5D
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4 Antworten to “Die Entstellung funktioneller Wahrheiten durch den Kleinen Mann am Beispiel „Kinder der Zukunft“”

  1. David Says:

    Das Kern dieser Art von Tyrannei ist der Wahn des Frühen: je früher die Schädigung eintritt, desto schlimmer für das Kind. „Man kann einen einmal krumm gewachsenen Baum nicht mehr geraderichten.“ Was nichts anderes heißt, als daß man Fehler nicht wieder gut machen kann. Kinderkriegen und Kindererziehung als halsbrecherischer Drahtseilakt! …

    Nein, es kann auch ein Schaden der spät in der Jugend oder im Erwachsenenalter eintritt, zu einer schweren Störung führen – meist spricht man vom Posttraumatischem Belastungssyndrom (PTBS).

    Interessant ist hierbei die folgende Therapiemethode:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Eye_Movement_Desensitization_and_Reprocessing

    welche eine entfernte Ähnlichkeit hat mit Reichs Methode zum Öffnen des Okularen Segments.

    Es sind auch die Störungen PTBS und Schizophrenie entfernt ähnlich, jedoch sind bei Sch. solche Hypothesen zunehmend out. Zunehmend in sind wieder mehr genetische und Neurotransmitter-Angelegenheiten.

    Es müsste mit o.a. Methode mehr experimentiert werden auch bei anderen Störungen als PTBS.

  2. David Says:

    Zitat aus o.a. Artikel:

    Nach einem Trauma kann es zum sogenannten „Sprachlosen Entsetzen“ (speechless terror) kommen, das heißt, in der rechten Hirnhälfte werden Bilder prozessiert, die der Patient vor Augen hat, während das Sprachzentrum aktiv unterdrückt wird. Der Patient kann das Geschehene so nicht in Worte fassen, wodurch nachfolgend eine Verarbeitung des Erlebten erschwert wird …

    Kommt sowas auch in einigen Fällen von Schizophrenie vor?

  3. Robert (Berlin) Says:

    Das Brutale an der Angelegenheit ist die Fremdbestimmung der Frau, besonders bei der Geburt. Darmschnitt, Kaiserschnitt, Wehenmedikamente etc.
    Ich beobachte inzwischen, dass man Tieren in Personennahverkehr mehr Toleranz und Zuneigung entgegenbringt als Kindern. Die Mütter erleben die Wut auf ihre Kinder, wennn diese sich wie Kinder verhalten.
    Zu Hinterfragen ist auch die agressive Berufsforderung bei Frauen, die Kinder wirtschaftlich als großen Nachteil sehen lässt.

    http://info.kopp-verlag.de/news/unfruchtbarkeit-europa-stirbt-und-es-findet-sich-damit-ab.html

    http://info.kopp-verlag.de/news/mohammed-ist-im-kommen-einfach-mehr-ffortpflanzen.html

  4. Manuel Says:

    „je früher die Schädigung eintritt, desto schlimmer für das Kind. „Man kann einen einmal krumm gewachsenen Baum nicht mehr geraderichten.““
    Das stimmt aber leider doch! Nur ist es kontraproduktiv, wenn man den Müttern ANGST macht. „Ein Herz kann man doch reparieren“ 😉 , aber es ist sehr langwierig und mühselig! Es ist schon besser, wenn ein Baum von vornherein gerade wächst! Leider sind die Selbstverständlichkeit und Selbstsicherheit im Umgang mit Kindern weitestgehend verloren gegangen, da können wir uns nur langsam und mit viel Optimismus wieder herantasten – und ohne den angsterzeugenden Anspruch „perfekt“ zu sein! Zum Glück kenne ich in meinem Umfeld einige Kinder, die emotional unbelastet und glücklich aufwachsen – die Eltern sind übrigens nicht „orgonomisch vorbelastet“. Sie machen instinktiv fast alles richtig. Es ist also noch lange nicht aller Tage Abend – ein Eindruck, den dieser Blog leider etwas zu oft vermittelt! Die „Kinder der Zukunft“ sind natürlich das wichtigste Projekt überhaupt!

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