Orgonotischer Kontakt statt „Kinderbetreuung“

Ein selbstgesteuerter Mensch kann Versprechungen machen, da er Eigner seiner selbst ist und weiß, was er will. Was er sagt, meint er auch so. Man kann sich auf ihn verlassen. Das macht die Institution der Ehe und die Organisierung von Arbeit und Handel erst möglich.

Spätestens seit 1968 sehen wir, wie im Rahmen der vermeintlichen „Selbstverwirklichung“ die Gesellschaft zerfällt: Worte sind bedeutungslos geworden, Beziehungen werden bei den kleinsten Unstimmigkeiten abgebrochen, Frauen „emanzipieren“ sich und sogenannte „Männer“ flüchten aus der Verantwortung. Die Kinder bleiben traumatisiert zurück (vgl. Max Stirner und die Kinder der Zukunft).

Wie Reich bereits 1925 in Der triebhafte Charakter ausführte, sind Menschen, die unter chaotischen Familienverhältnissen aufwachsen, bioenergetisch tiefgehender geschädigt als der „intakte“ Neurotiker (vgl. V.L. Whitener: „‚Where’s Papa?'“, Journal of Orgonomy, 37(1), Spring/Summer 2003).

In Der Neurologe & Psychiater (DNP, 12/04) berichtet Prof. W. Maier, Bonn, daß frühzeitige Traumatisierung den Zusammenhalt der synaptischen Verbindungen im Gehirn beeinflußt. Je früher ein Kind traumatisiert wird, desto nachhaltiger wird die Entwicklung der neuronalen Plastizität gestört. Folge ist eine erhöhte Vulnerabilität der Streß-Anpassungs-Systeme im Gehirn. Es kommt zur Reduktion der Neubildung von Nervenzellen und sogar zur Atrophierung des Hippocampus. Im späteren Leben führen dann alltägliche Belastungssituationen zu depressiven Zusammenbrüchen und die Hirnchemie muß mit Antidepressiva wieder ins Gleichgewicht gebracht werden.

Wissenschaftler an den Universitäten von Magdeburg und Jerusalem haben anhand von Experimenten bei Ratten herausgefunden, daß Streß während des letzten Drittels der Schwangerschaft auf jene Regionen des embryonalen Hirns wirkt, die für die emotionale Entwicklung wichtig sind. Außerdem gibt es drastische Unterschiede im Nervenwachstum in bestimmten Hirnregionen zwischen der weiblichen und männlichen Nachkommenschaft, was die unterschiedliche Anfälligkeit von Frauen und Männern für psychiatrische Erkrankungen erklären könnte. Beispielsweise sind Frauen für Depressionen anfälliger, Männer für ADHD.

Einen ähnlichen Einfluß hat die Abwesenheit des Vaters in der kindlichen Frühentwicklung. Bei einer besonderen Rattenart, bei der sich auch die Väter um die Aufzucht ihrer Nachkommenschaft kümmern, wurde der Vater von der Mutter und ihren Kindern ferngehalten. Die jungen Ratten entwickelten weniger Neuronenverbindungen in den emotionalen Zentren des Hirns, zeigten einen Mangel an Aktivität und reagierten nicht auf die Stimme der Mutter.

Die Parallelen zur menschlichen Gesellschaft sind evident: in einer sich zunehmend emotional infantilisierenden Gesellschaft lassen „Männer“ Schwangere sitzen, sind eifersüchtig auf die Zuwendung, die ihren Babys zuteil wird, und gehen deshalb eigene Wege. So perpetuiert sich das Elend.

Eine Untersuchung von Danuta Wasserman et al. vom Karolinska-Institut in Stockholm hat gezeigt, daß die Wahrscheinlichkeit einer Person Selbstmord zu begehen, teilweise bereits bei der Geburt festgelegt ist. Eine Untersuchung der Daten von 700 000 Erwachsenen ergab, daß bei geringem Geburtsgewicht oder einer sehr jungen Mutter das Suizidrisiko im späteren Leben um das Doppelte größer ist. Ähnlich ist es bei zu kurzen Babys (weniger als 47 cm).

Mal wieder die Gene? Reich zufolge kann auch der Uterus der Mutter als „Umweltfaktor“ betrachtet werden.

Der Organismus der Mutter ist im strengen Sinne nichts anderes als der erste „soziale Faktor“ des ungeborenen Embryos. (Der Krebs, Fischer TB, S. 296)

Michael Meaney von der McGill-Universität in Montreal berichtet, daß treu umsorgte Rattenkinder später in ihrem Leben Streß besser verarbeiten können. Das sorgsame Lecken und Putzen verändert bei den Rattenbabys langfristig „die Aktivität eines Gens im Hippocampus“, das bei der Streßverarbeitung im Gehirn eine zentrale Rolle spielt. Bereits in früheren Studien hatten Meaney und seine Kollegen herausgefunden, daß bei von der Mutter geputzten und geleckten Rattenbabys kurzzeitig die Aktivität des besagten Gens hochgefahren wird. Nun fand die Forschergruppe heraus, daß die mütterliche Fürsorge bis ins Erwachsenenalter hinein Umstellungen in dieser Genaktivität bewirkt, obwohl die Veränderungen durch unliebsame Behandlung rückgängig zu machen sind. Ratten, die als Babys viel Zuneigung erhalten, sind ihr ganzes Leben lang ausgeglichener und weniger ängstlich als Artgenossen, denen weniger Aufmerksamkeit zuteil wurde. Besonders bemerkenswert ist, daß die umsorgten Tiere sich auch um ihren eigenen Nachwuchs besonders sorgsam kümmern.

Und was den besagten „sozialen Faktor“ des Ungeborenen betrifft sagt Meaney:

Frauen, die während der Schwangerschaft ängstlich oder auch depressiv sind, bleiben meist auch nach der Niederkunft ängstlich oder depressiv. Es gibt jedoch Belege, daß die Prägung bereits während der Fetalentwicklung stattfindet. So konnten wir unlängst zeigen, daß das Gehirn von Neugeborenen, deren Mütter während der Schwangerschaft an starken Ängsten litten, ganz spezifische Veränderungen aufweist – und zwar in Regionen, die bei der Entwicklung von Angststörungen eine wichtige Rolle spielen.

Babys „ausschreien“ lassen, um sie nicht zu „verwöhnen“ und zu kleinen Erpressern zu erziehen, ist (jedenfalls in den ersten Wochen) kontraproduktiv. Zu diesem Ergebnis kommen Ian St James-Roberts und seine Kollegen von der University of London. Babys, die weniger in den Arm genommen und nicht sofort beruhigt wurden, weinten im Durchschnitt um 50% mehr in der 2. und 5. Lebenswoche. Und auch nach 12 Wochen, als sie zum dritten Mal untersucht wurden, schrieen sie immer noch häufiger als Babys, die – wie Babys behandelt worden waren

Emma Adam hat untersucht, wie Kleinkinder alltägliche Streßsituationen verarbeiten. Hatten die Eltern beispielsweise Eheprobleme, erhöhte das die Cortisolwerte und damit die Streßempfindlichkeit des Kindes. Dinge, die andere Kinder neugierig beäugten, führten bei solchen Kindern zu Tränen. Bei Kindern, die z.B. 15 Minuten am Tag von den Eltern in den Arm gehalten wurden, fiel die Streßreaktion deutlich schwächer aus und es ließ sich weniger Cortisol nachweisen.

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5 Antworten to “Orgonotischer Kontakt statt „Kinderbetreuung“”

  1. David Says:

    .. in einer sich zunehmend emotional infantilisierenden Gesellschaft lassen „Männer“ Schwangere sitzen, sind eifersüchtig auf die Zuwendung, die ihren Babys zuteil wird, und gehen deshalb eigene Wege. So perpetuiert sich das Elend.

    Letzteres hat, wie ich glaube, gar nichts mit Infantil-Sein zu tun, sondern ist ganz natürliches Verhalten von Männern.

    Aber: in einer matriarchalen Gesellschaft, wo die Frau über ungefähr zwei Drittel der Produktionsmittel und des Einkommens verfügt, und wo nicht der Mann, sondern der Bruder der Frau die Rolle des Beschützers zu spielen hat, ist das gar kein Problem, wenn sobald die Frau schwanger ist, der Partner wegläuft.

    Vielleicht läuft der biologische Vater auch gar nicht weg, weil ja nicht er das Kind zu versorgen hat, bis es erwachsen ist.

    Wenn er wegläuft, tut das sicher der Frau eine Zeit lang weh, weil ihr Partner nicht mehr da ist, jedoch wird sie in einer derartigen Gesellschaftsordnung bald wieder einen Freund haben.

    Dies zeigt klar die Überlegenheit der matriarchalen Gesellschaftsordnungen.

    Im Moment haben wir die Situation, dass die sexuelle Zwangsmoral (hier: bleibe bei der Frau, egal wie dringend Du jetzt weg willst, bis dass der Tod Euch scheidet) zerbrochen ist, aber die matriarachale Gesellschaftsordnung seit mehreren tausend Jahren nicht mehr vorhanden ist.

  2. Klaus Says:

    Gefällt mir

  3. Gassenreh Says:

    Fehlt z. B. die männliche Gegengeschlechtlichkeit schon in den ersten Lebensmonaten des Kleinkindes, so kann zum Beispiel die frühe und für die Sprach- bzw. Kognitiventwicklung des Kleinkindes entscheidend wichtige Mutter-Kind-Dyade um das 4- 5. Lebensjahr durch den Vater nicht langsam umstrukturiert werden.
    Da das Kleinkind sich schrittweise von der engen Mutterbindung lösen muss, benötigt es eine Anlehnung an den Vater. Neben diesem Halt ist der Vater später ein immer stärkeres Orientierungs- und Identifikationsobjekt und damit unverzichtbar.
    [siehe Kapitel „Kinder – Die Gefährdung ihrer normalen (Gehirn-) Entwicklung durch Gender Mainstreaming“ im Buch: „Vergewaltigung der menschlichen Identität. Über die Irrtümer der Gender-Ideologie, 4. erweiterte Auflage, Verlag Logos Editions, Ansbach, 2014: ISBN 978-3-9814303-9-4]

  4. claus Says:

    http://www.sueddeutsche.de/panorama/uebergriffe-unter-kindern-in-mainzer-kita-sadistische-gewalt-mit-sexueller-toenung-1.2519178

    12. Juni 2015
    Übergriffe unter Kindern in Mainzer Kita „Sadistische Gewalt mit sexueller Tönung“
    Kinder, die andere Kinder unter Androhung von Gewalt nötigen, ihre Geschlechtsteile zu zeigen oder Gegenstände in den Anus einzuführen, Erpressung und Körperverletzung: Es sind unglaubliche Übergriffe, die sich offenbar in einer Kita in Mainz abgespielt haben. Über Monate soll sich ein System aus zum Teil sexualisierter Gewalt entwickelt haben, von dem nahezu alle der 55 betreuten Kinder im Alter zwischen drei und sechs Jahren betroffen waren.

  5. claus Says:

    Die Perversion der Betreuung:

    http://www.hannover-zeitung.net/regionales/47230014-hannover-kinderbetreuung-durch-enercity-beim-adventseinkauf

    Für die Vorweihnachtszeit hat enercity in Hannover einen besonderen Service an den Adventssamstagen parat. Junge Familien können ihre kleinen Kinder für zwei Stunden kostenlos betreuen lassen während sie sich in Ruhe ihren Weihnachtseinkäufen widmen. Das KundenCenter am Kröpcke wird an vier Samstagnachmittagen zum enercity-KinderLand: Während die Kleinen in kindgerechter Umgebung basteln und spielen, haben die Eltern stressfreie Zeit für ihre Besorgungen.
    Das enercity-KinderLand öffnet an den Adventssamstagen (28.11. sowie 5./12./19.12.2015), jeweils von 14.00 bis 18.00 Uhr, im enercity-KundenCenter (Ständehausstraße 6, 30159 Hannover).
    Bis zu 15 Kinder zwischen fünf und zehn Jahren werden maximal jeweils zwei Stunden durch geschultes Personal kostenlos betreut. Anmeldungen werden an den jeweiligen Adventssamstagen ab 14:00 Uhr direkt vor dem enercity-KundenCenter angenommen.

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