Die Sehnsucht nach Frieden: Putin und die soziopolitische Charakterologie

Eines der Probleme beim Verstehen der orgonomischen Soziologie ist ihr Diktum, daß die Biologie fundamentaler sei als die Soziologie und daß deshalb gesellschaftliche Probleme in erster Linie biologischer Natur seien. Ist es nicht aber vielmehr so, daß soziologische Prozesse die Biologie bestimmen?! Man denke nur daran, wie in Kliniken die Mutter-Kind-Bindung beeinflußt wird oder an die Einschränkungen der jugendlichen Genitalität. Haben denn die Orgonomen nie Reich gelesen?

Der Knackpunkt ist, daß soziologische Vorgänge „an sich“ keinerlei Durchschlagskraft haben. Genau das lamentieren „Reformer“ ja seit jeher: keinerlei Aufklärung würde die Menschen wirklich berühren, alle staatlichen Programme scheiterten an der „menschlichen Natur“, nichts ändere sich jemals wirklich. Soziologische Faktoren werden erst dann wirksam, wenn sie zu einer „zweiten Natur“ werden, – wenn sie sozusagen selbst zur Biologie werden. Das werden sie durch die Umformung der Charakterstrukturen der Gesellschaftsglieder, etwa durch das, was auf Entbindungsstationen geschieht oder dadurch, wie Menschen ihre Pubertät durchleben. In diesem Sinne bestimmt die Biologie wirklich alles.

Ich habe versucht, das mit folgender Illustration greifbarer zu machen:

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Die Biologie liegt tiefer als die Soziologie, aber die Soziologie bestimmt die Biologie, – was, wie oben erläutert, kein Widerspruch zur Aussage ist, daß die Biologie alles bestimmt. Entsprechend ist natürlich ursprünglich die Biologie die Quelle der Probleme (das Straucheln des Bewußtseins vor der bioenergetischen Tiefe, wie in Die kosmische Überlagerung beschrieben, und DOR, wie von Reich im Aufsatz „Die emotionale Wüste“ nahegelegt), doch aktuell ist es stets die Soziologie, die auf die Biologie rückwirkt.

In diesem Sinne sind innen- und außenpolitische Probleme, Probleme biologischer Art. Konkret bedeutet das vor allem, daß man etwa das Geschehen in der Ukraine nur mit der von Elsworth F. Baker entwickelten soziopolitischen Charakterologie verstehen kann.

Die Vertreter der obenerwähnten „Aufklärung“ und der staatlichen Intervention, sozusagen „die Vertreter der Soziologie“, finden sich auf der linken Seite des politischen Spektrums. Sie leben ganz in der charakterlichen Fassade abgeschnitten von der „ersten Natur“ (dem bioenergetischen Kern) und der „zweiten Natur“ (der soziologisch determinierten sekundären Schicht). Aus diesem Grund können sie nicht mit der „tierischen“ Aggression umgehen, die von Faschisten (die ganz in der sekundären Schicht leben) und Kommunisten (deren Fassade dem Ausdruck ihrer sekundären Schicht dient) ausgeht. Entsprechend hilflos gehen sie mit dem „ehemaligen“ KGB-Agenten Putin um, der an der Spitze eines nationalsozialistischen Großreiches steht und exakt genauso agiert wie einst Adolf Hitler. Die liberalen Westler sind mit Kräften konfrontiert, mit denen sie aus charakterstrukturellen Gründen nicht umgehen können.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurden praktisch alle Konflikte durch derartige „Friedensbewegte“ ausgelöst. Das beginnt mit der Appeasement-Politik gegen das geradezu lächerlich schwache Deutschland, das Frankreich bis zur französischen Niederlage in jeder Hinsicht haushoch unterlegen war, geht über Kennedy, den weder die Chinesen noch die Russen ernst genommen haben – es ist ein Wunder, daß Kennedy nicht über Cuba und Taiwan den atomaren Weltbrand ausgelöst hat! – und nun der neue Kennedy (Obama) vs. Putin. Man glaube doch nicht, daß Putin das mit der Krim und „Neurußland“ sich gegenüber McCain erlaubt hätte! Wenn ich das schon höre, daß der Westen Putin nicht hätte „provozieren“ sollen. Obamas Schwäche und die Schwäche der EU hat ihn „provoziert“, sonst nichts!

Was Putin und Neurußland betrifft, kann ich mich nur dem Frontpage Magazine anschließen:

Putin setzt uns nur dann schachmatt, wenn wir ignorieren, was Winston Churchill in seiner Rede von 1946, „Die Sehnsucht nach Frieden“, über die Russen sagte: „Es gibt nichts, was sie so sehr bewundern wie Stärke.“

Wir müssen uns daran machen, kreative Wege zu finden, um jene Stärke zu zeigen, die Putins Aufmerksamkeit auf sich zieht und ihn innehalten läßt.

Erstens können wir den bedrängten ukrainischen Streitkräften anspruchsvollere Waffen und Training anbieten, zusammen mit mehr Austausch von Geheimdienstinformationen. Zweitens können wir die Dissidenten auf der Krim und anti-russische Ukrainer in der Ostukraine mit verdeckten Operationen helfen, um eine Gegenkraft aufzubauen, die Putins Traum einer kostengünstigen Okkupation unterhöhlt.

Der dritte und vielleicht wichtigste Punkt ist, daß Obama nun mobile Raketenabwehrsysteme in Polen und der Tschechischen Republik bereitstellen sollte, wovon er irrigerweise während seiner ersten Amtszeit als Teil seines gescheiterten Versuchs Abstand gehalten hatte, die Beziehungen zu Rußland auf eine positivere Richtung „neu auszurichten“. Tatsächlich sollte Obama Ungarn und die baltischen Staaten der Liste hinzufügen. Mit anderen Worten das tun, vor dem Putin am meisten Angst hat: ihn mit einer Einkesselung-Strategie in Zaun halten.

Es gibt keine Garantien, daß diese Maßnahmen funktionieren werden. Aber eins ist sicher: wenn wir nichts tun, außer ein paar weitere Sanktionen hinzuzufügen, wird Putins Aggression mit der östlichen Ukraine nicht aufhören.

Mit Putin kann man nur umgehen, wenn man sozusagen „biologisch aggressiv“ vorgeht, also nicht diplomatisch und mit dem Appell an „liberale Werte“. Niemand will einen klassischen oder gar nuklearen Krieg, aber Putin wird durchmarschieren, wenn wir Angst vor Aggression zeigen: er wird die baltischen Staaten „befreien“, Polen neu binden, ein „neutralisiertes“ Deutschland fordern – und immer so weiter… Siehe dazu unbedingt auch hier.

Es ist nicht einfach, die soziopolitische Charakterologie so zu akzeptieren, wie man die psychiatrische Charakterologie hinnimmt. Und selbst bei der ist es schwer genug, weil sich zu viele „Widersprüche“ auftun. Doch wenn man erst mal einen Blick dafür hat, dann erwartet man nicht mehr, daß ein Zwangscharakter sich buchstäblich wie ein rostiger Roboter bewegt und verhält oder daß eine Hysterikerin ständig rumschreit, um dann theatralisch in Ohnmacht zu fallen. Es geht nur um Verhaltenstendenzen, die am Schluß immer dominieren. Ganz ähnlich ist es bei den soziopolitischen Charakteren. Hinzu kommt, daß es in Europa zu einer „Rotverschiebung“ (Konia) gekommen ist, die es fast unmöglich macht, Bakers „Schablone“ auf europäische Verhältnisse zu halten und einen darüber hinaus dazu zwingt Leute als „Kommunisten“ einzustufen, die formal kaum links von der (vermeintlichen!) Mitte liegen.

Entsprechend geht mit dieser Rotverschiebung eine Polarisierung der Gesellschaft einher, die jeden rationalen politischen Diskurs, wie er früher noch zumindest ansatzweise möglich war, verunmöglicht. Beispielsweise werden von links und rechts die lächerlich schwachen Politiker des Westens als „Kriegstreiber“ gebrandmarkt, kaum, daß sie auch nur ansatzweise etwas Kritisches über Putin gesagt haben – während Putin Panzer rollen läßt. Jede Diskussion wird zunehmend verunmöglicht, weil man mit irgendwelchen unbeweisbaren bzw. unwiderlegbaren Verschwörungstheorien kommt. Das ist eine direkte Entsprechung der Tendenz in der psychiatrischen Charakterologie, wo die „klassischen“ muskulär gepanzerten Neurotiker zunehmend durch okular gepanzerte Quasipsychotiker verdrängt werden, die immer bizarrere Symptome zeigen. Die Biologie bestimmt das gesellschaftliche Geschehen! Beispielsweise können Putin und etwa die Islamisten beliebig mit den durchsichtigsten Lügen und Taschenspielertricks mit uns spielen, weil wir buchstäblich unfähig geworden sind, räumlich zu sehen.

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19 Antworten to “Die Sehnsucht nach Frieden: Putin und die soziopolitische Charakterologie”

  1. Sebastian Says:

    Jede Diskussion wird zunehmend verunmöglicht, weil man mit irgendwelchen unbeweisbaren bzw. unwiderlegbaren Verschwörungstheorien kommt.

    Dieser „subversive“ Informationskrieg macht auch den Experten zu schaffen, wie in dieser Sendung zum Ausdruck kommt:

    http://www.daserste.de/unterhaltung/talk/beckmann/videos/dauerkrise-in-der-ukraine-wohin-steuert-putin-was-macht-jetzt-die-nato-100.html

  2. David Says:

    … eine Polarisierung der Gesellschaft einher, die jeden rationalen politischen Diskurs, wie er früher noch zumindest ansatzweise möglich war, verunmöglicht.

    Auch wirtschaftlich!!

    Wie schon gesagt:

    https://twitter.com/AnonKrauts/status/508314059247480832

  3. David Says:

    Das beginnt mit der Appeasement-Politik gegen das geradezu lächerlich schwache Deutschland, das Frankreich bis zur französischen Niederlage in jeder Hinsicht haushoch unterlegen war

    Deutschland Frankreich haushoch unterlegen? Wie konnte es dann zur Niederlage Frankreichs kommen??

  4. David Says:

    Risiko! Offtopic??

    Mit anderen Worten das tun, vor dem Putin am meisten Angst hat: ihn mit einer Einkesselung-Strategie …

    Wird ein wildes Tier eingekesselt, dann kann es zum Todes- bzw. Endkampf übergehen.

    Desgleichen Russland. Es könnte alles bis hin zu hunderten von Wasserstoffbomben gegen den Westen einsetzen.

    Daraus folgt:

    Wer mit Putin fertig werden will, darf nicht nur – nicht links – sein. D.h. gehemmt was die biologische Aggression betrifft.

    Er muss auch risikobereit sein.

    … die frage: risikobereit oder risiko-scheu? eine soziopolitische oder eher eine neurotische Charakterfrage?

  5. Peter Nasselstein Says:

    Man muß aber auch verstehen, daß und warum viele Konservative den Westen mittlerweile dermaßen hassen, daß ihen alles als das kleinere Übel vorkommt. Der Haß hat Millionen Gründe, hier einer:

    http://www.vice.com/de/read/diese-frau-will-sich-ber-crowdfunding-eine-abtreibung-finanzieren-392

  6. Robert (Berlin) Says:

    Meine Sicht: es geht hier nicht um soziopolitische Charakterologie oder andere psychobiologischen Sichtweisen, sondern um westlichen Imperialismus der NATO. Mit Milliarden Dollar wurde über NGOs die Ukraine destabilisiert, um sie der prorussischen Regierung zu entreißen. Russland war zu schwach, um das zu verhindern. Putin hat sich damit abgefunden, möchte aber die russischen Gebiete an Russland angliedern, was durch die Volksbefragungen bejaht wurde.
    Der Westen möchte aber die ganze Ukraine schlucken und schürt den Konflikt weiter. Letzten Endes geht es um die Absetzung von Putin, der westlichen Interessen in Vorderasien im Wege steht.
    Die ganze Angelegenheit ist für Europa ein riesiger Fehler, weil er Russland und China zusammenbringt und wir die willigen Vasallen von US-Interessen sind, die gegen ihre eigenen Interessen handeln.

    • Robert (Berlin) Says:

      Muss mich leider selbst widersprechen: der NATO-Imperialismus basiert natürlich auch wiederum auf der soziopolitischen Charakterologie. Das bedeutet Größenwahn, Missachtung des Anderen, Mordlust und Vernichtungswut, also Erscheinungen der Oberflächenschicht, die eine Rationalisierung der Wut darstellt.
      Das bedeutet: der Russe ist minderwertig und hat kein Recht, seine Interessen zu wahren. Wenn er sich nicht widerstandslos unterwirft, muss er vernichtet werden.

      • Robert (Berlin) Says:

        Mir fiel auf, dass der Westen immer nach derselben Methode vorgeht. Verlässliche Diktatoren, mit denen man tlws. Jahrzehnte auskam und die sogar Verbündete waren, werden gestürzt (Noriega, S. Hussein, Mubarak, Gaddafi, Al Assad usw. etc.), weil man denkt, man kann sich alles herausnehmen, da es keine ernsthaften Gegner mehr gibt. Zurück bleibt Chaos und eine antiwestliche Bevölkerung. Auch Russland, ein unglaublich wichtiger Verbündeter, besonders für Deutschland, wird in die Feindschaft getrieben.

    • Peter Nasselstein Says:

      Das gleiche ließe sich über Polen und die Solidarność Anfang der 1980er Jahre sagen!

      Wenn ich Putin wäre, wäre mir das ferne Amerika schnurz und ich wäre nicht so dumm, Randvölker in dessen Hände zu treiben. Was mir eher Sorgen machen würde, wäre China, das langsam aber sicher Sibirien sich einverleibt. Und das nicht mit primitiven Brachialmethoden wie Putin in der Ukraine, sondern durch Handel und einen damit einhergehenden unaufhaltsamen Bevölkerungstranfer, das Abdrängen der Russen aus der Mongolei und schlicht durch reale wirtschaftliche Überlegenheit. Langfristig ist Sibirien nicht zu halten, schlicht weil kein Russe „in der Verbannung“ leben will. Die Sowjetunion hat das schlicht mit Zwang gelöst, das Kaiserreich (und später Stalin) mit Deportationen.

    • Peter Nasselstein Says:

      Meine Sicht: http://starke-meinungen.de/blog/2014/09/09/russland-nicht-die-nato-ist-das-problem/

  7. David Says:

    … China, das langsam aber sicher Sibirien sich einverleibt. Und das nicht mit primitiven Brachialmethoden wie Putin in der Ukraine, sondern durch Handel und einen damit einhergehenden unaufhaltsamen Bevölkerungstranfer, das Abdrängen der Russen aus der Mongolei und schlicht durch reale wirtschaftliche Überlegenheit.

    Sich Sibirien einverleiben schon weil Sibirien – jedenfalls die Mitte, die Region um Krasnoyarsk, näher an China als an Moskau liegt.

    Überhaupt erscheinen mir die Chinesen, was das Klima betrifft, sehr anpassungsfähig. Auch in tropischen Regionen wie im Kongo sind sie recht aktiv. Der Europäer, in dessen Heimat das Sommerhalbjahr viel trockener als in China ist, hat da so seine Schwierigkeiten.

    Langfristig ist Sibirien nicht zu halten, schlicht weil kein Russe “in der Verbannung” leben will.

    Warum wurde das „Schlafende Land“ überhaupt in Mittelalter / Frühneuzeit von den Russen erobert? Hatten die damals überlegene Waffen?

  8. Peter Nasselstein Says:

    Amen!!!

    http://www.huffingtonpost.de/2014/10/21/putin-trottel-ukraine_n_6021346.html

  9. Robert (Berlin) Says:

    Bei einem Ukraine-Krieg droht Auflösung Russlands

    Es ist ein verstörendes Militär-Szenario: Bei einem Krieg zwischen der „Volksrepublik Donezk“ und der Ukraine stünde für Russland viel auf dem Spiel. Es droht sogar die Auflösung des Putin-Reiches.

    Von Martin van Creveld
    Martin van Creveld (geboren 1946 in Rotterdam) ist Historiker und Militärexperte. Er lehrt an der Hebrew University in Jerusalem

    http://www.welt.de/kultur/article134377318/Bei-einem-Ukraine-Krieg-droht-Aufloesung-Russlands.html

  10. Robert (Berlin) Says:

    KenFM im Gespräch mit: Peter Haisenko (Wie stürzte die MH17 ab?)

    Peter Haisenko war über 30 Jahre Luftkapitän bei der Deutschen Lufthansa.

    http://kenfm.de/blog/2015/01/12/peter-haisenko-mh17/

  11. Peter Nasselstein Says:

    Es wiederholt sich die Zeit des Kalten Krieges: der Kampf zwischen Realisten, die die Emotionelle Pest durchschaut haben, und Pseudo-Liberalen:

    Wie soll der Westen mit Russland und Putins Politik umgehen? Der ehemalige Schachweltmeister und Kremlgegner Garri Kasparow hat den russischen Präsidenten Wladimir Putin bei einer Anhörung im US-Senat scharf angegriffen: „Man kann mit einem Krebsgeschwür nicht verhandeln. Nur wenn Putin weg ist, kann Russland ein freies, starkes und unabhängiges Land sein, von dem Boris Nemzow immer träumte.“ Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier setzt hingegen auf Annäherung.

    Kasparow ist ähnlich wie einst Solschenizyn zu funktionellem Denken fähig. (vgl. https://nachrichtenbrief.wordpress.com/2011/05/03/die-emotionelle-pest-teil-3/)

    http://www.t-online.de/nachrichten/deutschland/id_73147772/kasparow-attackiert-putin-mit-einem-krebsgeschwuer-kann-man-nicht-verhandeln-.html

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