Die Zerstörung von Wilhelm Reichs Erbe

Eines der Rätsel der Orgonomie ist ihr schleichendes Ableben nach einer zeitweisen Renaissance in den 1970er Jahren. Hier und da hat es ein Aufbäumen gegeben, aber der wellenförmige Abwärtstrend ist eindeutig. Man kann vieles als Grund anführen, etwa die Zersplitterung einer fiktiven „Reichianischen Bewegung“. Die wahre Ursache hat jedoch nichts mit der Orgonomie selbst zu tun, sondern ist in der sozialpsychologischen Entwicklung der Gesellschaft begründet.

Die ersten Anzeichen waren bereits in den 70er und Anfang der 80er Jahre zu sehen, als orgonomische Veranstaltungen stets nur von einer Richtung angefeindet und teilweise sogar gestürmt wurden: von links. Es waren jene Kräfte, die heute den öffentlichen Raum vollständig kontrollieren. Man schaue sich etwa folgendes Video über den Versuch an, an einer amerikanischen Universität über den Islam aufzuklären:

Wie einer der Kommentatoren zu dem Video sagt:

Erstaunlich. Diese kleinen Rotznasen werfen Blumen nach Mahmud Ahmadinedschad, kritisieren jedoch Geert Wilders. Unwirklich.

Willkommen in der Welt der Linken, in der jeder klare Gedanke als „Hate Speech“ defamiert wird und beispielsweise jede Andeutung hinsichtlich Genitalität und die Funktion des Orgasmus als „Diskriminierung“ abgewürgt wird. In einer solchen Welt hat die Orgonomie kaum Überlebenschancen.

Ein zentrales Element der linken Geisteserkrankung, der alles durchdringende und zersetzende „Anti-Autoritanismus“, zersetzt die Orgonomie auch von innen her.

Ein Orgontherapeut wurde nacheinander zum Arzt, Psychiater und Medizinischen Orgonomen ausgebildet – was alles in allem mehr als ein Jahrzehnt in Anspruch nimmt! Zu Reichs Zeiten gab es Ausbildung in Orgontherapie ausschließlich am Orgone Institute, d.h. bei Reich selbst, bzw. bei jenen, an die er diese Aufgabe innerhalb des Orgone Institute unmittelbar delegiert hatte. Iin den 40er Jahren war dies Thedore P. Wolfe, in den 50er Elsworth F. Baker. Nach Reichs Tod (und damit dem Ende des Orgone Institute) hat Baker diese Aufgabe bruchlos weitergeführt. Nach seinem Tod Charles Konia. Ein Orgontherapeut ist demnach jemand, der dazu von Reich, Baker oder Konia persönlich ernannt worden ist. Das läßt sich ebenso wenig weitergeben, wie etwa ein Hausarzt jemanden ausbilden und dann zum Allgemeinmediziner „autorisieren“ kann! Schon gar nicht reicht es, selber Patient gewesen zu sein und/oder Reich gelesen zu haben…

Orgontherapie ist „bio-psychiatrische Chirurgie“, die, wie jede andere Art von Chirurgie auch, nur von speziell dazu ausgebildeten Fachärzten durchgeführt werden darf (siehe Reichs Brief vom 9.10.1950 an Paul Ritter, Journal of Orgonomy, May 1977, S. 62). Ritter war Architekt! Ich führe das im einzelnen in meinem Blogeintrag Avanti diletanti! aus.

Es muß ein für allemal Schluß damit gemacht werden, daß Leute (darunter vollkommene Laien) irgendwelche „reichianischen“ „Therapieformen“ zusammenpfuschen und meistens auch noch mit angeblich „esoterischem“ Firlefanz ausschmücken.

1937 beschrieb Reich, wie sich am Ende der Therapie die Teilbewegungen des Organismus harmonisch vereinigen und einen funktionellen Sinn annehmen:

Solange mir diese Tatbestände nicht bekannt waren, war ich gezwungen, die Hemmung der Beckenbewegung teilweise durch „Übungen“ überwinden zu lassen. Die Unvollständigkeit der Erfolge brachte mich dazu, auf die künstlichen Maßnahmen zu verzichten und nach den Hemmungen der natürlichen Beweglichkeit zu suchen. (Die Funktion des Orgasmus, Fischer TB, S. 259)

In der Folgezeit sind tatsächlich Laien auf die bizarre Idee verfallen, Reichs Therapie ausgerechnet mittels roboterartiger Yogaübungen fortentwickeln zu wollen oder gar „den Orgasmusreflex zu üben“. Keine Satire!

Die Orgonomie ist in erster Linie eine Naturwissenschaft und kann nur Therapien befürworten, die logisch nachvollziehbar sind, eine naturwissenschaftliche Basis haben und einer ständigen Erfolgskontrolle unterliegen. In dieser Hinsicht gibt es nur zwei Therapieformen, die diese Kriterien erfüllen: die „evidence based“ tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie und die Verhaltenstherapie, also das was die Krankenkasse jedem Versicherten ohnehin zahlen muß. Hinzu kommt die Orgontherapie selbst, die Reich zufolge ausschließlich von Fachpsychiatern mit einer orgonomischen Zusatzausbildung durchgeführt werden darf. Der Rest ist Körper- bzw. „Seelenverletzung“.

Bereits zu seiner Zeit als Psychoanalytiker mußte sich Reich mit jenen Wirrköpfen auseinandersetzen, die „mit dem Dritten Ohr hören“. Eine der Absurditäten dieser Welt ist, daß ausgerechnet viele unter denen, die sich selbst als Anhänger Reichs betrachten, sogenannte „Reichianer“, auf eine auffällige Weise unfähig sind, klar zu denken. Schlichte Debilität, offensichtliche Psychosen, narzißtische Selbstdarstellungen, paranoide und „spirituelle“ Wahnvorstellungen und nicht zuletzt Denkstörungen – sind besonders ausgeprägt bei denen, die als „Therapeuten“ auftreten.

Wie diesen Augiasstall ausmisten? In erster Linie dadurch, daß immer und unter allen Umständen auf klarem Denken bestanden wird. Nicht von ungefähr wehren sich die meisten sogenannten „Reichianer“ im Namen der Arbeitsdemokratie oder gar „der Demokratie“ und sogar der „Weiterentwicklung des Reichschen Ansatzes“ gegen jene strenge Disziplin des Denkens, die Reich gefordert hat.

Praktisch jeder kann sich beispielsweise zum „originalen Reich-Therapeuten“ erklären, sich ein Cocktail aus „neo-Reichianischen Therapieansätzen“ selbst zusammenstellen oder gar eine neue „Therapieschule“ gründen. Etwa die „originale Orgasmusreflextherapie der Reichschen Sexualökonomie“ (sic!). Wie ehrlich auch immer ihre Motivation sein mag, diese Leute wissen nicht, was sie tun! Reich zufolge gibt es in jeder gegebenen Situation nur eine einzige richtige Intervention; daß der Erfolg der Therapie von der richtigen Diagnose abhängt und daß es von Reich entdeckte naturwissenschaftliche Gesetzmäßigkeiten des psychischen und bioenergetischen Funktionierens gibt, die man nicht ungestraft außer acht lassen darf. Beispielsweise darf man den Patienten nicht mit „Wahrheiten“ konfrontieren („deuten“), für die er gar nicht bereit ist (Wahrheitskrämerei). Auch ist es ein grober Kunstfehler, „Energie zu mobilisieren“ (nichts einfacher als das!), die den Patienten nur noch weiter in die Kontaktlosigkeit treibt, weil die oberen Segmente, insbesondere das Augensegment, noch nicht ausreichend von der Panzerung befreit sind (Freiheitskrämerei). Allein schon diese strenge Herangehensweise ist in unserer „anti-autoritären Welt“ nicht mehr durchzusetzen.

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12 Antworten to “Die Zerstörung von Wilhelm Reichs Erbe”

  1. David Says:

    Erstaunlich. Diese kleinen Rotznasen werfen Blumen nach Mahmud Ahmadinedschad, kritisieren jedoch Geert Wilders. Unwirklich.

    Gegen „Rotznasen“ und Linke, welche Blumen nach Ahmadinedschad werfen, gibt es von meiner Seite her Null Toleranz.

    Im Lande von Herrn Ahmadinedschad steht auf offen gelebte Homosexualität – gemäß der Scharia – der Tod durch Steinigung, was gnädigerweise in der Regel durch Erhängen ersetzt wird. Daher gibt es aus der Perspektive von mir, der ich selber homosexuell bin oder zumindest war, gegenüber Ahmadinedschad und Leuten die ihm zujubeln, nur eins – Krieg!

    Aber zurück zum Thema Orgonomie: das Problem ist einerseits, dass die „Reichianer“ und „Neo-Reichianer“ meistens linksliberal oder den Linksliberalen ähnlich sind; andererseits, dass es wie in diesem Beitrag hier behauptet wird nur einen „Meister“ gibt, nämlich Herrn Konia, und außer ihm unter seiner Aufsicht noch eine Handvoll weitere Lehrtherapeuten.

    Solange mir diese Tatbestände nicht bekannt waren, war ich gezwungen, die Hemmung der Beckenbewegung teilweise durch „Übungen“ überwinden zu lassen. Die Unvollständigkeit der Erfolge brachte mich dazu, auf die künstlichen Maßnahmen zu verzichten und nach den Hemmungen der natürlichen Beweglichkeit zu suchen. (Die Funktion des Orgasmus, S. 259)

    Reich machte also zunächst denselben Fehler wie später viele seiner zumeist „linken“ Anhänger. Später entdeckte er den Fehler und änderte daraufhin die Methode. Das finde ich eigentlich ganz natürlich.

    Beispielsweise darf man den Patienten nicht mit „Wahrheiten“ konfrontieren („deuten“), für die er gar nicht bereit ist (Wahrheitskrämerei). Auch ist es ein grober Kunstfehler, „Energie zu mobilisieren“ (nichts einfacher als das!), die den Patienten nur noch weiter in die Kontaktlosigkeit treibt, weil die oberen Segmente, insbesondere das Augensegment, noch nicht ausreichend von der Panzerung befreit sind (Freiheitskrämerei). Allein schon diese strenge Herangehensweise ist in unserer „anti-autoritären Welt“ nicht mehr durchzusetzen.

    Die Sache mit den oberen Segmenten hat Reich so viel ich weiß noch viel später entdeckt. Und was die strenge Herangehensweise wie auch das mit den oberen Segmenten betrifft, so gibt es vermutlich Tausende Therapeuten, die das gern erlernen würden.

    Das Problem sind nicht nur die hohen Kosten und die lange Dauer der Facharztausbildung (davor – wenn man etwa Pädagoge oder Psychologe und nicht Arzt ist – noch das komplette Medizinstudium), sondern auch wenn dieses Problem nicht da wäre gibt es zu wenige Leute die ausbilden können.

    Die beim ACO müssen sich was einfallen lassen. Andernfalls kann die Orgonomie schon aus diesen Gründen bald einpacken.

  2. Peter Nasselstein Says:

    Nicht die Linken per se sind das Problem, sondern die gesellschaftliche Atmosphäre, die sie geschaffen haben.

  3. Robert (Berlin) Says:

    Es ist interessant, dass der linke Psychoanalytiker und damaliges SDS-Vorstandsmitglied Reimut Reiche in seinem Buch „Sexualität und Klassenkampf“ sich explizit von der Orgasmuslehre distanziert. Besonders Reichs „Genitalprimat“ war den linken „polymorph-perversen“ Sexualitätsbefreiern ein Dorn im Auge.
    Bis heute hat kein Linker Reichs Orgasmuslehre anerkannt.
    Sogar im Dritten Reich wurde Reichs Orgasmuslehre öffentlich durch den Psychoanalytiker Werner Kemper (einem Patienten und Schüler Reichs) beschrieben, natürlich ohne Reichs Namen zu nennen.

  4. Manuel Says:

    Wenn man sich Part II von Geert Wilders at Columbia University anschaut, bemerkt man, dass er auch Beifall bekommt – es ist also noch nicht aller Tage Abend! Schade, dass wir keinen solchen Politiker in Deutschland haben!

  5. Peter Nasselstein Says:

    In „der Welt von Konrad Adenauer“ könnte die Orgonomie reüssieren und hätte den Nimbus des Revolutionären. Außerdem wäre das akademische Umfeld da, um sich zu entfalten. In der inzwischen weitgehend verwirklichten Utopie eines Reimund Reiche steht die Orgonomie in so vieler Hinsicht auf verlorenem Posten. Das fängt schon damit an, daß die Patienten um so viel schwerer zu behandeln sind. Selbst „Kassenpsychotherapeuten“ sehnen sich nach „den guten alten Neurotikern“ zurück, mit denen man noch vernünftig arbeiten konnte. Von der „Sexuellen Revolution“ will ich erst gar nicht sprechen. Und was schließlich die Universitäten betrifft: die Humanwissenschaften haben sich selbst „dekonstruiert“, die Naturwissenschaften – man schaue sich den Global Warming-Betrug an, und die „biomedizinischen“ Wissenschaften: da werden Leute mit „Knockout-Mäusen“ Professoren und Psychiater lassen sich zunehmend zu Pharmavertretern degradieren. Gut, das letztere ist kaum „Reimund Reiches Utopie“, aber direktes Ergebnis der Zerstörung der Psychoanalyse infolge der Sequestration Reichs im allgemeinen und der Genitaltheorie im besonderen.

  6. Warum unterstützt dieser Blog Dr. Baker, Dr. Konia und Dr. Nicola? « Nachrichtenbrief Says:

    […] Warum unterstützt dieser Blog Dr. Baker, Dr. Konia und Dr. Nicola? Von Peter Nasselstein Zum folgenden siehe auch Die Zerstörung von Wilhelm Reichs Erbe. […]

  7. David Says:

    In der modernen Suchtkranken-Therapie fließt unter anderem ein:

    Kognitive Verhaltenstherapie sowie Systemische Therapie. Dann ein wenig NLP, wo wiederum Systemische Therapie enthalten ist.

    Und: seine Emotionen nicht schlucken – sonst säuft oder junkt man alsbald wieder – sondern mit ihnen etwas machen. Mit ihnen auf sinnvolle Weise umgehen.

    Diese Therapie macht dasselbe wie die vom ACO angebotene Orgontherapie, nur dass die theoretische Grundlage ganz anders ist.

  8. O. Says:

    Das, was Kassen noch abrechnen dürfen, „Psychotherapie“ nennen ist absoluter Hohn. VT ist Verhaltensmodifikation nach dem Willen den VT-lers, der irgendwas gelernt hat, was für „evidenz basiert“ gehalten wird. (PMR, Yoga, Meditation usw.)
    Es fehlt der VT an Theorie und Praxis, kein VT-ler hat eine eigene Therapie absolviert während seiner Verhaltensausbildung. Es werden „Selbsterfahrungen“ mit den VT-Programmen angeboten. Nach drei bis fünf Jahren VT Gehirnwäsche ist man kein Therapeut mehr, sondern ein Emotionszombie.

    Den einzigen Schluss, den man heute ziehen muss, ist, dass Deutschland zur psychotherapeutischen Wüste geworden ist. Psychotherapie ist so effektiv wie ein Placebo, dies ist eine evidenz-basierte Erkenntnis.

    • Sebastian Says:

      Und was die von David angeführte systemische Therapie anbelangt. Sie ist nach allem, was ich gelesen habe, klientenzentriert. Das heißt der Kranke ist der Experte, nicht der Therapeut. Außerdem ist sie ressourcenorientiert. Das heißt, dass sich der therapeutische Prozess auf die Stärken und Fähigkeiten des Kranken konzentriert. Einen objektiven Bewertungsmaßstab für die „Ressourcen“, wie zB primäre und sekundäre Triebe, gibt es dabei gemäß der subjektiven Klientenzentrierung nicht. Widerstände werden als eine Form der Kooperation verstanden. Ich frage mich, was da überhaupt gemacht wird, außer ein wenig Beratung. Was hat das mit Therapie zu tun?

      • Klaus Says:

        Das liegt an dem ganz anderen Gesundheitsbegriff bzw. fehlenden Gesundheitsbegriff derartiger Therapien. In der Tat ist der systemische Kram im Wesentlichen Problemlösung, wobei, was Problem ist, vom Klienten abhängt.
        Reich macht demgegenüber im Menschen ein gesundes Funktionieren bzw. dessen Fehlen aus. Wenn ich es richtig sehe, kennen alle anderen Therapien nur entweder eine Norm oder eben ein ‚Problem‘ im Sinne des Klienten.
        Allerdings richten systemische Sachen wahrscheinlich weniger Schaden an als Methoden, die ‚tiefenpsychologisch‘ oder ‚energetisch‘ sind: eine Art erste Hilfe, die Klienten vom Weg zum ‚Erlöser‘ abhalten könnte.

  9. David Says:

    Sebastian hat gesagt:

    Und was die von David angeführte systemische Therapie anbelangt. Sie ist nach allem, was ich gelesen habe, klientenzentriert. Das heißt der Kranke ist der Experte, nicht der Therapeut.

    Kann ich aus meiner Erfahrung so nicht bestätigen. Wenn sie überhaupt klientenzentriert ist, dann rein theoretisch.

  10. Nachtrag zu Peters beiden Briefen von 1988: Reich, Baker, Konia | Nachrichtenbrief Says:

    […] Zum folgenden siehe auch Die Zerstörung von Wilhelm Reichs Erbe. […]

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