Kann es orgonomische Politik geben?

Mir wurde von amerikanischen linken „Reichianern“ (die Marx, Marcuse und anderen Murx hochhalten) vorgehalten, wie verlogen doch Konia & Co. seien, die diesen „Reichianern“ eine Politisierung der Orgonomie vorwerfen, während gerade diese Orgonomen selbst weit mehr politisch agitieren, wenn auch extrem rechtskonservativ. Wie kann es sein, daß, wenn man für Obama ist, als „Anti-Orgonom“ dasteht, während ein ausgesprochener Obama-Gegner und Tea-Party-Aktivist den Mantel Wilhelm Reichs überstreifen kann?

War Reich nicht selbst Sozialist?! Was ist mit seinen gesellschaftspolitischen Forderungen und Aktivitäten Ende der 1920er bis Mitte der 1930er Jahre?! Nun, Reich ging es um die Freilegung der Wechselwirkung zwischen Charakterstruktur und Gesellschaft. Er erkannte, daß Gesellschaftspolitik nicht etwa Ausdruck konkreter soziopolitischer Erfordernisse ist, sondern charakterstruktureller Zwänge. An die Stelle der Gesellschaftspolitik tritt entsprechend die Arbeitsdemokratie, d.h. die Absage an jedwede Ideologie – d.h. die Überwindung jedes charakterstrukturellen Zwanges. Hat aber nicht Reich Politik ohne wenn und aber überhaupt abgelehnt?!

Das Problem mit dieser Argumentation ist, daß mit dem Begriff „Politik“, zwei gegensätzliche, sich wechselweise sogar ausschließende Gegebenheiten bezeichnet werden. Wenn Konservative von „Politik“ sprechen, dann meinen sie Staatskunst, Diplomatie, Schutz von Besitz und Familie und nicht zuletzt eine staatliche Haushaltsführung, bei der am Ende die Bilanz bei plus minus Null steht, also weder die gegenwärtige noch zukünftige Generationen durch Überschüsse bzw. Schulden ausgebeutet werden. Wenn Linke von Politik reden, dann meinen sie GESELLSCHAFTSpolitik, d.h. Veränderung der Gesellschaft durch staatliche Interventionen, Regulierung der Wirtschaft, „Umverteilung“ und eine von oben organisierte Umgestaltung der Familienstrukturen. Neuerdings sogar die Aufhebung der Staatsgrenze und Umvolkung, also die biologische Ausmerzung des Souveräns.

Man mag einwenden, daß „Konservative“ heutzutage doch genau dasselbe tun, aber erstens passen sich diese dem „Zeitgeist“ an, um politisch zu überleben, und wenn sie doch tatsächlich konservative Gesellschaftspolitik betreiben, dann ist das eine Abwehrreaktion, die ihnen von den Linken aufgezwungen wurde.

Jedes Zusammenleben in größeren Gruppen braucht so etwas wie einen Staat und damit Politik, d.h. die Auseinandersetzung wie dieser Staat konkret funktionieren soll. Dazu müssen Allianzen geschlossen, Kompromisse eingegangen, ein Geflecht von Verpflichtungen geknüpft werden. Das kann man bereits in jeder Schimpansenhorde beobachten. In Rudimenten bei allen Herdentieren. Der Unterschied zur Gesellschaftspolitik ist, daß genuin politische Entscheidungen selten und nur punktuell getroffen werden müssen.

Die Staatskunst kann irrational sein, ist es sogar meistens auch („Seilschaften“), aber sie ist nicht prinzipiell irrational. Man nehme ein denkbar einfaches Beispiel: die Spartaner. Es mußte entschieden werden, ob sie sich dem persischen Großreich widersetzten oder sich unterwerfen und hoffen, sich einordnen zu dürfen. Das ist Politik: Gemeinschaften müssen handlungsfähig sein, sozusagen als „juristische Person“ mit einem Ziel und einem Willen auftreten, oder sie können nicht überleben.

Irrational und zwar prinzipiell irrational wird es, wenn eine gesellschaftspolitische Agenda ins Spiel kommt. Man nehme etwa die ach so demokratische Mitgliederbefragung der SPD zur Großen Koalition. Frägt man Parteimitglieder, geht es meist um irgendwelche unsinnigen, wenn nicht destruktiven ideologischen Wunschträume: Gleichstellung homosexueller Paare, doppelte Staatsbürgerschaft, höhere Renten und Mindestlohn. Das sind durchweg keine politischen, sondern gesellschaftspolitische Fragen. Es sind keine Fragen des Überlebens, sondern es ist durchweg der pure Schwachsinn, etwa die Rechtschreibreform und ähnlicher destruktiver – Schwachsinn.

Das Fatale ist, daß es sich hier um sogenannte „Sachthemen“ handelt, also das ganze einen rationalen Anstrich hat, während es sich bei der drögen Staatskunst meist um „Personalfragen“ dreht, was einen extrem irrationalen Gout hat. Tatsächlich geht es aber um den alles entscheidenden Charakter der Entscheidungsträger. Die „Sachfragen“ beantworten sich sowieso meist von selbst. Wirkliche politische Weichenstellungen sind, wie gesagt, eher selten zu treffen. Immer wenn grußspurig davon die Rede ist, daß es um „Sachthemen“, nicht um „Personalfragen“, gehen soll, denkt der tumbe „Reichianer“ an „Arbeitsdemokratie“, tatsächlich erhebt aber ihr diametrales Gegenteil ihr häßliches Haupt: die Emotionelle Pest!

politikgesellschafts

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3 Antworten to “Kann es orgonomische Politik geben?”

  1. Peter Nasselstein Says:

    Die Dokumentation zum Artikel: „Aus was für subalternen, profillosen und grenzdebilen Charakterdarstellern CDU und CSU zusammengesetzt sind…“

    http://www.pi-news.net/2013/12/gruener-csu-minister-mueller-oeko-welthandel-hoert-auf-mein-kommando/

  2. Zeitgenosse Says:

    Von einem Bedingungslosem Grundeinkommen bin ich inzwischen auch sehr abgekommen. Wenn man es sich im Detail anguckt, würde die Mehrheit nur mehr in die Glotze stieren (leider) und sonst nix mehr machen. Ja, ich habe meine Ansichten in letzter Zeit etwas verändert. ABER: eine Art des BGEs würde ich begrüssen und auch unterstützen. Die Grundversorgung der Bürger mit den Mindestmaß an notwendigem sicherstellen. Also sprich mit Sachleistungen und nicht mit Geld (das eh für was anderes verwendet werden würde). Ist eine Idee konzipiert von Prof. Hörmann. Der kann ich mehr abgewinnen. In unser heutigen Zeit sollte KEIN Mensch mehr verhungern, verdursten, erfrieren oder an mangelnder medizinischer Grundversorgung zu Grunde gehen. Aber alles was darüber hinaus geht, haben sich die Leute gefälligst zu erarbeiten. Wenn sie dazu keine Lust haben: Pech gehabt. Dann gibt es eben keinen neuen Plasmafernseher. :-))

    Ist ja nix falsches daran, dem Menschen die übelsten Grundsorgen abzunehmen. Und da 99 Prozent der Leute mehr wollen als nur diese Art der „Sachspende“ mache ich mir um die Arbeitsfunktion auch keine Sorgen mehr.

  3. O. Says:

    Kann es eine „orgonomische Politik“ geben?

    Diese Frage suggeriert ein „Ja“ zur Antwort.
    Gebe ich ein „Nein“, wie müsste ich dies begründen?

    Erinnert mich die Frage nicht an Freuds ähnliche Frage, ob die Psychoanalyse es sich leisten kann, politisch zu agieren, und ob Reich nicht ausschließen sei?

    Reich stellte sich diese Frage nicht und agierte einfach politisch und psychologisch (s. Politische Psychologie und Sexpol). – Es bedeutete auch sein Karrierebruch, daher gibt es von mir ein klares Nein.

    Weder Reich noch ein anderer haben aus dem Experiment (Marx-Freud) einen Nutzen ziehen können.

    Eine orgonomische Politik müsse auf den Grundlagen der Charakterpsychologie aufbauen, also wissenschaftlich (Theorie und Praxis fundiert) begründet sein. Bakers Ansatz ist dies nicht und Konia folgt jenem, statt die Kritik von Raphael aufzunehmen und Baker zu überarbeiten (besser noch zu revidieren).

    Stattdessen wollen sie abgehoben von der psychoanalytischen Charakterkunde (nach Reich) einen „politischen Charakter“ konstruieren auf den sie ihre Bilder über den Menschen und eigene Emotionen projizieren (Zuneigung und Hass). Hiermit wird kein Problem oder Sachthema gelöst, nur das Bedürfnis nach einer Identität und Zugehörigkeit erfüllt. – Für mich nimmt das zunehmend „religiöse Züge“ an. Brauche ich dies? NEIN.

    Nun tun sich auch Therapeuten schwer sozial aktiv zu sein und kritisch sich zu äußern. Dennoch wissen sie um die Ursachen der psychischen Erkrankungen, die meist auf die Anpassungsunfähigkeit des Klienten zurückgeführt wird, aber auch sozial produziert ist. (s. Arbeitsbedingungen, Unwillen und Unfähigkeit der Geschäftführung, was man täglich in fast jedem Betrieb erfahren kann.)
    Wird hier sozial/ arbeitstechnisch nichts geändert, sind die psychischen/psychosonatischen Erkrankungen vorprogrammiert. Ärtze (-kammer) äußern sich hierzu nicht (laut genug), bleiben eben unpolitisch und versagen in ihrer politischen Verantwortung.

    Konia leistet hierzu (auch) gar nichts oder ich erkenne es nicht.

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