Die Audiodateien der Jahrestagung der Wilhelm-Reich-Gesellschaft, Berlin vom 1. Juni 2013 zu den ersten Forschungen im Wilhelm-Reich-Nachlaß-Archiv, Boston. Peters Impressionen und Gedanken

Die Jahrestagung der Wilhelm-Reich-Gesellschaft am 1. Juni 2013 zu den ersten Forschungen im Nachlaß-Archiv ist in 16 Audiodateien im Netz verfügbar. Es liegt nur ein kleiner Filmausschnitt vor, der ausgerechnet die Stelle dokumentiert, an der ich während der Konferenz Erwähnung finde:

[youtube:http://www.youtube.com/watch?v=fVMj2-G2Mqw%5D

Im ersten Vortrag ist Thomas Harms zu hören. In den Bildern von der Ersten Orgonomischen Konferenz macht er ein „68er-Feeling“ aus. Er mag den Begriff „Emotionelle Pest“ nicht. Das erläutert er auch nochmals in der Abschlußdiskussion der Konferenz, wo er nahe legt, der Kampf um „die wahre Lehre“ in der Orgonomie wäre etwas durchweg Negatives und Destruktives. Um so besser ist sein Vortrag über das Projekt Kinder der Zukunft. Insbesondere was er über Genitalität in der Kindheit zu sagen hat: ein ausgesprochen wertvoller und hörenswerter Beitrag. Das ist Orgonomie! Gut, Reich hat aber auch gesagt:

Es würde an Wahnsinn grenzen, so große Projekte wie „Die Kinder der Zukunft“ (…) in Angriff zu nehmen, ohne begriffen zu haben, wie es möglich war, daß all dies Elend jahrtausendelang unvermindert, unerkannt und unangefochten bestehen konnte; daß nicht ein einziger der vielen glänzenden Versuche zur Erklärung der Situation und zur Linderung der Leiden Erfolg hatte; daß mit jedem Schritt hin zur Erfüllung des großen Traums das Elend nur schlimmer und tiefer wurde (…). Gegenwärtig ist eine sorgfältige Untersuchung des Christusmordes weit wichtiger als die wunderbarsten Kinder, die wir vielleicht aufziehen könnten. Jede Hoffnung, jemals den Sumpf unserer Erziehungsmisere zu durchdringen, wäre unwiderruflich verloren, wenn dieser neue und so hoffnungsvolle Versuch, Kinder auf bessere Art zu erziehen, sich festfahren und in sein genaues Gegenteil verkehren würde, so wie es allen früheren, hoffnungsvollen Unterfangen des Menschen auch ergangen ist. (Christusmord, Freiburg 1978, S. 40)

[youtube:http://www.youtube.com/watch?v=TDsReuA6Xb0#t=34%5D

Der „Körperpsychotherapeut“ Manfred Tielen erwähnt, daß sich in Reichs Archiv keine Fallgeschichten finden, die die Entwicklung seiner Therapie von der Charakteranalyse über die Vegetotherapie hin zur Orgontherapie detailliert nachvollziehbar machen. Dies unterstreicht m.E. erneut, daß man die Reichsche Therapie ausschließlich von seinen unmittelbaren, von Reich selbst autorisierten Schülern lernen kann. Reich hat einen einzigen Orgontherapeuten diesen Auftrag erteilt: Elsworth F. Baker, der wiederum Charles Konia autorisiert hat.

Nichts gegen den Vortrag von Andreas Peglau über Reich in Berlin, aber – man sollte, so Reichs Meinung, auf einer Konferenz seinen Vortrag niemals vorlesen. Der Vorlesende verkrampft und der Zuhörer mit ihm: denkbar unpassend für eine Konferenz über den Schöpfer der Orgontherapie! Es sind wirklich zwei grundsätzlich verschiedene Medien: das gesprochene und das gelesene Wort! Daß Reich sich 1930 als Abgeordneter für die KPÖ aufstellen ließ, war mir neu. Soweit zu Reichs Behauptung, er sei nie politischer Kommunist gewesen! Ansonsten kann ich zu Peglaus Vortrag nur sagen: LEUTE, KAUFT DAS BUCH!

http://www.amazon.de/Unpolitische-Wissenschaft-Wilhelm-Psychoanalyse-Nationalsozialismus/dp/3837920976/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1378039777&sr=8-1&keywords=peglau

Philip Bennets Vortrag über Reichs politische Zurückhaltung in den USA nach dessen Inhaftierung als „Alien Enemy“ wird von Christian Rudolph übersetzt. Er stockt, bricht in Tränen aus, nachdem er eine entsprechende Stelle aus American Odyssey übersetzt, wo sich Reich bitter über die „Ungerechtigkeit und Gemeinheit“ der USA beschwert. (Auch später wird es während der Konferenz recht tränenreich.) Bennet behauptet, daß die Änderungen in der Massenpsychologie des Faschismus zwischen 1933 und 1946 „im Wesentlichen linguistisch und sehr geringfügig“ seien. Stimmt das? Siehe dazu meine Ausführungen in Marx und die Orgonbiophysik (Teil 1) Und selbst wenn es stimmt, was bleibt dann von Reichs angeblichem politischen Opportunismus?

Wenn Bennet recht hat und Reich einfach Angst vor politischer Verfolgung in den USA hatte, warum dann nur „linguistische und sehr geringfügige“ Veränderungen? Man muß Bennet aber recht geben, daß Reich schlichtweg gelogen hat, wenn er später behauptete, kein Kommunist „im politischen Sinne“ gewesen zu sein. Es ist nur die Frage, ob Reich zwischen 1928 und 1933 „er selbst“ war (und damals innerlich mit sich rang) oder ob er es in den 1950er Jahren war. Bennet legt nahe, daß in Amerika Reich sein „wahres Denken“ kaschierte, um zu überleben. So hätten es ja schließlich viele andere linke Analytiker auch getan! Hmmm…

Bennets gesamte Argumentation (Reichs Verhaftung als „Alien Enemy“ habe diesem einen derartigen Schrecken eingeflößt, daß er sich fortan politisch verstellte) ist schlichtweg nicht tragfähig. Beispielsweise fällt Reichs Auseinandersetzung mit seiner sozialistischen Assistentin Gertrud Gaasland, d.h. sein endgültiger Bruch mit dem Sozialismus, vor seine Verhaftung. Siehe dazu Ilse Ollendorffs Reich-Biographie. Außerdem waren bereits in Norwegen die letzten Nummern der Zeitschrift für Politische Psychologie und Sexualökonomie demonstrativ unpolitisch.

Am Ende seines Vortrags nervt Bennet einfach, wenn er all die sexuelle Repression in den USA beschreibt, was im übrigen nicht zum Thema seines Vortrages paßt. Die Frage ist, was funktionell wichtig ist: die moderne Permissivität der amerikanischen Gesellschaft oder der überkommene Puritanismus.

In der anschließenden Diskussion verweist Bennet auf Reichs Briefwechsel mit Neill, der Reichs Opportunismus belegen würde. Nun, an keiner Stelle hat sich Reich anti-kommunistischer geäußert. Ständig versucht Reich Neill von dessen Marxistischen Flausen abzubringen. Gerade in seinen in den USA nicht veröffentlichten privaten Äußerungen war er ganz so, wie die Orgonomen um Elsworth F. Baker Reich später beschrieben haben. Bennet hält dagegen, daß Reich bis zum Ende eine gesellschaftspolitische „Vision“ hatte. Immerhin räumt Bennet mit der Mär auf, Reich sei im Gefängnis ermordet worden.

Bennet versucht in seinem zweiten Vortrag, das Reichsche Konzept der „Arbeitsdemokratie“ mit Reichs Marxismus zu verknüpfen. Bennet hat entdeckt, daß Reich 1956 in seiner geplanten Zeitschrift CORE Command Bulletin u.a. seine ersten beiden Schriften zur Arbeitsdemokratie veröffentlichen wollte, die er vorher angeblich aus Angst vor den amerikanischen Behörden nicht auf englisch veröffentlicht hatte. Gleichzeitig konstatiert Bennet bei Reich am Ende seines Lebens „paranoide Züge“. Er deutet an, m.E. zu recht, daß Reich vielleicht damals seine politisch inkriminierenden Tagebücher zwischen 1923 und 1933 verbrannt hat.

Peinlicherweise zitiert Bennet, wie Reich in diesem Zusammenhang eine der zehn oder zwölf Sätze von Marx von sich gibt, die immer wieder und wieder und wieder und wieder ad nauseam von Marxisten genannt werden. In diesem Fall ist es: „Ich bin kein Marxist!“ Genauso peinlich ist es, wenn Bennet Reichs Kritik am amerikanischen Liberalismus teilt, etwa was die Äußerungen von Holocaust-Leugnern und Rassisten betrifft. „Haßverbrechen“, – mit deren Verfolgung der Stalinismus in die westliche Welt seinen Einzug hält! Das ganze läuft bei Bennet darauf hinaus, daß er allen Ernstes Reichs Konzept der Arbeitsdemokratie mit der Occupy-Bewegung gleichsetzt. Praktisch in allem ist Bennet das Negativ von Charles Konia. Ich kann den geneigten Leser nur auf Zeugnisse einer Freundschaft verweisen, um zu sehen, wo Reich heute wahrscheinlich stünde und wie genau es mit dessen Antiliberalismus aussieht!

Immerhin können sich Philip und ich auf eines einigen: wir lieben das Mahavishnu Orchestra. Er hat es, wie ich voller Neid von ihm hörte, damals sogar live erlebt:

[youtube:http://www.youtube.com/watch?v=rtbvY4aJWps%5D
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45 Antworten to “Die Audiodateien der Jahrestagung der Wilhelm-Reich-Gesellschaft, Berlin vom 1. Juni 2013 zu den ersten Forschungen im Wilhelm-Reich-Nachlaß-Archiv, Boston. Peters Impressionen und Gedanken”

  1. Robert (Berlin) Says:

    Das erste Video ist falsch verlinkt oder ein Beispiel für enorm schwachsinnigen Humor.
    Was mich bei dem Abhören sehr nervte, war die ständige Heulerei, auch des Dolmetschers. Ich vermute, das es die Folgen einer fehlerhaften „Körperpsychotherapie“ sind, wo die Integrität des Körperpanzers zertrümmert wird, aber nichts neues entstand.
    Bennett ist ein typisch Pseudoliberaler, der Reich bis zuletzt zu den Kommunisten zählen will und heutige Chaoten als im Sinne Reichs darstellt. Er scheint nicht den Unterschied zwischen der Philosophie des Marxismus und der Praxis der kommunistischen Parteien zu begreifen, denn das war ja die Essenz von Reichs Marxismus; die dialektisch-materialistische Forschungsmethode.

    • Peter Nasselstein Says:

      Ich bin nicht schwachsinnig 😦

      • Robert (Berlin) Says:

        Hab ich auch nicht behauptet! Nur in einem wissensträchtigen Artikel solch einen Gag einzubauen, passt besser zu Cindy aus Marzahn..

        • Peter Nasselstein Says:

          Ich bin ein ernsthafter Orgonforscher! Das kann ich beweisen. Ich war beispielsweise im Reich-Archiv – und wurde dabei gefilmt:

          • Matthias Says:

            Jep, Herr Nasselstein hat hier und auf orgonomie.net schon mehrehrere Male wundervollen Homor zum Besten gegeben. Da sind die Affen, die ihre Geldsteine auf die hohe Kante legen (P.N.: ein Fall für Silvio Gesell und seine Jünger…); ein Nietzsche, der – quasi zu viel Freud gelesen hätte…; Frage: Muß eigendlich immer dieses Bratzgesicht(sinngemäß) von diesem Konia da sein? – lakonisch korrekte Antwort: Ja. (also ich finde das liebenswert komisch, auf eine stille Weise); der Angriff der Reichdeppen und vieles Andere. Robert, ich bitte Dich bescheiden und freundlich, das Getränk zu wechseln.

  2. Pierre34 Says:

    Ich habe nur in einige Vorträge kurz reingehört. Aber der Einleitung Rackelmanns nach zu urteilen wurde auf der Tagung eine wichtige Frage des Reich-Archivs übergangen, die vor aller Archiv-Arbeit zumindest diskutiert werden müsste und eigentlich jedermann, nicht nur Kennern, ins Auge springt:

    Reich hat keinesfalls effektiv dafür gesorgt, dass sein Archiv für 50 Jahre nach seinem Tod unzugänglich und damit unbeschädigt bleibt.
    In den fünf Jahrzehnten seit 1957 gab es offenkundig ein paar privilegierte, nicht einmal von Reich autorisierte Leute, die freien Zugang zu den Materialien hatten. Sie konnten damit machen, was sie wollten — etwa die erwähnten Tagebücher 1923-33 verschwinden lassen. Was sie sichtbar taten, war die lukrative Herausgabe einer Reihe von Texten in Buchform. So wie ich Reichs Testament verstehe, war dies von ihm nicht gestattet, schon gar nicht in den vorliegenden – um das mildeste zu sagen: unprofessionellen – Editionen.

    Jetzt mögen diese Editionen nachprüfbar sein, aber 1) nur noch auf der Basis der noch vorhandenen Dokumente und 2) derzeit nicht für jeden, der dies zu tun wünscht. Diesem Türsteher-Verfahren werden sich manche seriösen Historiker nicht unterwerfen wollen. Gedacht war und ist es angeblich, um „Missbrauch“ zu verhindern. Bleibt zu hoffen, dass solcher – zusätzlich zu den editorischen Aktivitäten – nicht schon längst vor 2007 geschehen ist.

    • Robert (Berlin) Says:

      Dann mal alles anhören. Bisher wurde es nur EINER Person verwehrt und das war Turner. Zurecht, meiner Meinung nach.

    • Renate Says:

      Mary Boyd Higgins sagte aber, dass Aurora Karrer kurz nach Reichs Tod das Archiv mit sich nahm und dieses nur widerwillig zurückgab und die Tagebücher 1923-33 gab sie gar nicht mehr zurück, daher fehlt laut M. Higgins auch dieser Zeitraum als einziges in der Reihe der biographischen Veröffentlichungen

      • Peter Nasselstein Says:

        Es könnte aber auch sein, daß Karrer diese Tagebücher nie besessen hat.

        • Renate Says:

          Angeblich doch, da sich Higgins mit aller Kraft dafür einsetzte, dass sie die Tagebücher bekommt, leider ohne Erfolg.

        • Renate Says:

          •In early 1959, during her first visit to Orgonon, newly-appointed Trustee Mary Boyd Higgins discovered that the Archives were gone, removed illegally the previous year by Aurora Karrer, the last woman in Reich’s life, who transported the materials hundreds of miles away to the house that she shared with her mother in Bethesda, Maryland.

          •In 1960, a legal action by The Wilhelm Reich Infant Trust against Ms. Karrer resulted in the bulk of the Archives being turned over to the Trust. Subsequent legal actions over the years to recover still missing materials were unsuccessful.

          •In 2007, the Trust took possession of additional archival materials that Ms. Karrer had not returned in 1960.

          Außerdem im Vorwort zu „Jenseits der Psychologie“:

          „Wer Reichs Darstellung seiner frühen Jahre in Leidenschaft der Jugend kennt, wird sicherlich wissen wollen, warum zwischen deren Abschluß 1922 und dem Beginn von Jenseits der Psychologie 1934 eine Lücke klafft. Ich will es erklären. Während des Durcheinanders nach Reichs Tod wurden seine Archive gestohlen. Obwohl erreicht werden konnte, daß das meiste Material zurückgegeben wurde, fehlen noch immer einige Dokumente, darunter alle Tagebücher von 1922 bis 1934. Weil alle Versuche, sie zurückzubekommen, bis heute erfolglos waren, haben wir beschlossen, als nächstes die folgenden späteren Schriften zu veröffentlichen …

          Noch eine andere Phantasie:
          Annie Pink (oder die Psychoanalytiker) wollte(n) verhindern, daß das Material dieser Jahre veröffentlicht wird, kannte(n) sie doch Reichs schonungslose Offenheit. Wer weiß, vielleicht kannte Anni Aurora Karrer und bekam von ihr die Tagebücher.
          Diese Zeit würde mich auch sehr interessieren, da es sich größtenteils um die Zeit in Wien und in Österreich handelt.

          • Peter Nasselstein Says:

            Nein, daß es irgendeine Verbindung zwischen Annie und Aurora gegeben habe könnte, halte ich für so gut wie ausgeschlossen. Karrer war bis zumindest Anfang, vielleicht bis Ende, der 1970 eine fanatische Anhängerin von Reich. Das ist dann dramatisch gekippt. Turner berichtet davon. Warum das so war, keine Ahnung.

            • Renate Says:

              Ok. Andererseits ist ja Turner auch nicht so „beliebt“ (kenne selber nichts von Turner) bei Euch (lt. Kommentaren).
              Irgendwie ist Aurora Karrer eine Person in Reichs Leben, von der ich am wenigsten weiß, schon allein der Vorname, seltsam, wie passend. Naja, leider kenne ich auch kein Foto, wo sie drauf ist.

      • Peter Nasselstein Says:

        Ich habe nichts dagegen, wenn diese Tagebücher wieder auftauchen. Für manche sind sie sogar das wichtigste aus dem ganzen Nachlaß. Es ist schwer vorstellbar, daß Karrer sie vernichtet hat. Ich hatte immer die Phantasie, daß sie sie vielleich dem ACO ausgehändigt hat (Baker war der Therapeut der Familie Reich), aber diese Hoffnung hat sich nicht substantialisiert. Turner zufolge hat Karrer beobachtet, wie Reich Schriftstücke aus dem Archiv verbrannt hat, damit diese nicht gegen ihn verwendet werden können. Ich habe den nicht unbegründeten Verdacht, daß es diese Tagebücher waren.

        Irre wäre es natürlich, wenn sie irgendwann im Archiv selbst auftauchen. Solche Sachen sind schon in anderen Archiven passiert.

      • Peter Nasselstein Says:

        Turner ist nur wichtig, weil er bisher als einziger das Archiv von Karrer eingesehen hat. Zu einem Photo von Karrer und überhaupt zuTurners Buch siehe hier:

        http://www.psychorgone.com/history/a-tour-through-adventures-in-the-orgasmatron

        • Renate Says:

          Danke!

        • Renate Says:

          Warum hat Turner eigentlich bisher als einziger das Archiv von Karrer eingesehen? Warum Higgins nicht?

        • Peter Nasselstein Says:

          Turner war im Library of Congress in Washington, um für sein Buch zu recherchieren. Ein Mitarbeiter machte ihn auf die Aurora Karrer-Sammlung aufmerksam, die im Besitz der Library war und von der er (und auch sonst niemand) etwas wußte. Er ist m.W. der einzige, der bisher was aus diesem Nachlaß veröffentlicht hat. Möglich, daß auch andere die Materialien eingesehen haben, aber die haben halt noch nichts dazu veröffentlicht. Meines Wissens!

          Karrer ist eine einzige Enttäuschung, denn sie wollte DAS Buch über Reich schreiben, hatte Jahrzehnte dazu Zeit, aber außer ein paar Plänen und einigen Blättern ist nie was daraus geworden.

  3. O. Says:

    Summa summarum, haben wir Fotos einer Konferenz auf Orgonon gehört und über die vermissten Tagebücher gesprochen. Nebenbei wurde über Reichs fehlende politische Haltung gesprochen, die irgendwie den Marxisten in Reich widerspiegeln könnte.

    Dann sehe ich meine anfängliche These „viel Rauch um nichts und das aktuell aus dem Archiv“ für bestätigt. Am besten gefällt mir der ernsthafte Orgonforscher!

  4. Peter Nasselstein Says:

    Bennet und auch Simonian (der Mann aus dem Interview oben) gehören zu jener Fraktion von Orgonomen, die so etwas, wie das unten beschriebene, gut finden:

    http://www.pi-news.net/2013/09/sex-soll-uns-spas-und-keine-kinder-machen/

    Ich habe mich an anderer Stelle darüber ausgelassen:

    https://nachrichtenbrief.wordpress.com/2012/10/17/warum-die-sexualokonomie-heute-rechts-steht/

    Oder: wie die große Wahrheit von gestern, zur großen Lüge von heute wird.

  5. O. Says:

    Neues von Manfred Thielen:

    Freud liebte und schätze Reich. [- Ja, ok.]
    Reich hat eine Atemübung gefunden, um den Orgasmusreflex auszulosen. [Bitte welche?]

    1935 (aus Briefen) hat er über den Übergang von Charakteranalyse und Vegetotherapie nachgedacht; Elsa Lindenberg hat die Ausbildung bei Gindler gemacht. WR meinte: Man solle mehr körperbezogen arbeiten. (Verkrampfungen, Haltungen …) Die Notwendigkeit einer neuen Technik der Vegetotherapie wird gesehen; bisher hätten wir haben falsch analysiert, sondern sollten über die Haltungsanalyse den Affekt finden.

    Nicht neu ist: 1948 Sieben-Segmenttheorie. 1942 beschreibe er Vegetotherapie. Reich habe zu den Segmenten „Übungen“ entwickelt.

    Nicht neu ist: 1940 Orgon entdeckt. Weiterentwicklung (in was?) zur Orogomtherapie: Es sei eine Synthese von Charakteranalyse und Vegetotherapie [Sorry, wers glaubt!]

    Es gibt keine aufgezeichnete Fallanalysen: Negative Übertragung („Denkst Du ich bin verrückt?“) Atemarbeit, wenige Biographische Bezüge, auch Rein verbale Sitzungen (laut Hamilton Briefen) und Griff in die Muskulatur „Wo ist deine Lebendigkeit?“ Keine Traumdeutung, sondern körperlichen Impuls versucht umzusetzen.
    Selbstregulation und -steuerung als humanistischer Ansatz. „Guter Kern“ bei Reich sei auch humanistisch.
    An erster Stelle stehe die menschliche Beziehung und der direkte Kontakt Patient Therapeut, Übertragung und Gegenübertragung, mystische Übertragung und sexuelle Anziehung werden erwähnt.(Sommer-lections 1949 auf Orgonon) –

    [Letzteres widerspricht der Aussage der DGK (Thielen oder Geuter), dass er nicht auf Beziehung eingegangen sei. Selbstwiderlegung hier von Kallenbachs Zusammenfassung über Geuters oder Thielens Meinung, siehe mein Kommentar in der Diskussion ca. 1.Sept. 2013 zum Text Kallenbach]

    • O. Says:

      Zum Vergleich in Kallenbach:
      „Seine Anerkennung und Aktualität schmälern sich aber,
      betrachtet man den geringen Stellenwert den er der Beziehungsarbeit zugemessen hat (Thielen, 1998; Geuter & Schrauth 1997, Geißler, 2006) und gerade die Beziehungsarbeit einen zentralen Punkt in der heutigen körpertherapeutischen Arbeit darstellt (vgl. Thielen 2010).“

  6. O. Says:

    Zusammenfassung der Diskussionsrunden:
    1. Halbzeitrunde: … es gibt warmes Essen.
    2. Abschlussrunde: Thomas Harms best of. er sagt: „Wir machen das, was der Reich sich schon immer vorgestellt hat“. (…) Eva Reich „sie war crossover“, (…) sie „hat sehr viel Samen rausgehauen“, (..) … (…) „absolut“.

  7. Sebastian Says:

    Bennet versucht in seinem zweiten Vortrag, das Reichsche Konzept der „Arbeitsdemokratie“ mit Reichs Marxismus zu verknüpfen.

    Wenn ich hier mal eingreifen darf: Bennett behauptet, dass Reich niemals von Marx Mehrwerttheorie, die nichts mit Marxismus zu tun hat, abgewichen ist. Das habe ich hier ja auch schonmal geschrieben, als es um die Abgrenzung einer Gebrauchs- zu einer Warenwirtschaft ging, die bis heute weder Peter noch ein ACO Orgonom versteht.

    Bennett behauptet außerdem, dass die Demokratie im Sinne Reichs wirklich rein gar nichts mit der Demokratie von heute zu tun hat, auch nicht, wenn alle gesund sind. Er betont hier das ABSTERBEN des Staates, wie es Reich in der Massenpsychologie beschreibt, was bei mir einige Gehirnwindungen zurecht gerückt hat. Ich vermutete schon, dass ich der Einzige wäre, der das sehen würde und unter einer Wahrnehmungsstörung leide. In „Einbruch der sexuellen Zwangsmoral“ bezeichnet Reich die Gemeinschaft der Trobriander ganz eindeutig als Ur-Arbeitsdemokratie. Hier finden aber keine Wahlen und keine Politik (kommt von polis, das war ein Stadtstaat) statt. Es gibt auch keine Regierung, kein Recht und keinen Staat, denn all das setzt Herrschaft voraus.

    Das erste, was mir zu Reichs Arbeitsdemokratie einfiel, weil ich ua Rechtsphilosophie als Fach habe und über Anarchismus einiges gelesen habe, war: Anarchosyndikalismus. Und siehe da, auch Bennett sieht hier Gemeinsamkeiten. Meine Wahrnehmungsstörungen sind wohl doch nicht so ausgeprägt! Den wichtigsten Unterschied nennt er mMn nicht, welchen aber Sharaf herausgearbeitet hat:

    The difference between Reich’s approach and those of anarchist groups was that Reich did not advance work democracy as a new political goal or organize a new political movement around it. He regarded it as the natural form of social organization that existed whenever people cooperated harmoniously in the service of common needs and mutual interests. Just as in individual therapy one did not „acquire“ orgastic potency, one removed the obstacles in the way of a naturally given function; so one did not organize or „get“ work democracy. Rather, one removed the way of the naturally given work-democratic functions. Fury on Earth, S. 320

    Reich hat sich dagegen verwahrt Arbeitsdemokratie mit Anarchismus in Verbindung zu bringen, weil der kleine Mann darunter Chaos und Unordnung versteht. Er hat hierin mal wieder sowas von recht, da selbst die meisten Anarchisten nicht wissen, dass Anarchismus Ordnung ohne Herrschaft bedeutet.

    Ja, Bennett ist in Vielem das Negativ zu Konia. Wie das zwischen Linken und Rechten wohl leider immer so sein wird, sind Erstere ein wenig klüger, jedoch idealistisch, während Zweitere ein bisschen dümmer, dafür realistischer sind.

    Konia versteht nicht so ganz, was Reich mit Arbeitsdemokratie meinte, aber er hat die Hindernisse klar auf dem Schirm. Er redet zB in „Neither Left, Nor Right“ von dem „freien Markt“, „rationaler Politik“ und „Selbstregierung“, wobei er unter Regierung allen Ernstes ein staatliches Regierungssystem meint. Dagegen sieht er aber glasklar die geänderte Familienstruktur, die geänderten Rollen und Erziehungsstile, die zu noch stärkerer Panzerung führen.

    Bennett versteht besser, was Reich mit Arbeitsdemokratie meinte, sieht aber anscheinend nicht die Hindernisse, die dem im Wege stehen. So wird die Occupy-Bewegung mal eben zu einer arbeitsdemokratischen Veranstaltung von gepanzerten Menschen. Und wenn man mal verwirrt sein sollte, helfen die Notanker Liebe, Arbeit und Wissen. Und alle sind gerührt und fangen an zu weinen.

    Beide missbrauchen den Begriff Spontanität. Bei Konia soll das Regierungssystem der US, der „freie“ Markt und die Anfänge der Teaparty-Bewegung „spontan“ entstanden sein, bei Bennett die Occupy-Bewegung. Mein Gott, es dreht sich dabei um die Handlungen von GEPANZERTEN Menschen und ich zitiere mal Reich:

    […] One has the impression that secondary drives cannot stand self-regulatory conditions of existence. Children of the Future, S. 47

    Beide versuchen ihre politische Ideologie zu orgonomisieren. Im Moment ignoriert man sich anscheinend gegenseitig, aber das läuft doch auf einen selbstzerstörerischen Zusammenprall hinaus…

    • Peter Nasselstein Says:

      Nur zwei oder drei Punkte:

      Wenn ich das recht überblicke, ist auch Bennet gegen jede Form von politischer Organisierung. Da sind Reich, Bennet und Konia sich einig. Der Dissenz fängt an, welche Kräfte man in der gepanzerten Gesellschaft unterstützen sollte, um die Arbeitsdemokratie zu fördern. Bennet ist IN DIESER BEZIEHUNG eindeutig ein Sozialist, Konia das diametrale Gegenteil. Beide stimmen aber darin überein, daß es in der gegenwärtigen Gesellschaft keine Institution gibt, die die Arbeitsdemokratie vertritt.

      Reich und der Anarchismus:

      WR wrote at Feb 3, 1952, 4.a.m. under the heading „The Silent Observer“ as a kind of diary entry: „…The anarchists in Paris had thrown eggs and tomatoes at the UN delegates shouting, correctly but stupidly, ’neither Truman nor Stalin‘. They would certainly shoot me if they came to power, although they now admire me and take jewels of political slogans from me right and left, not acknowledging the source, except in a very minimal way, and already deprecating my name by calling me a Bolshevik and claiming I knew nothing of anarchism. They don’t know my Stirner and Kropotkin period, 1919. This matches their attempt to get political capital out of the sexual youth-question by proclaiming the ‚freedom of LOVE‘ for youth….the political way, the way I did not clearly separate from MY way and fight in 1928 to 1934; the hopeless way of the politicking nuisance freedom peddler. They would not know to handle a single case of breakdown due to orgasm anxiety in a girl of fifteen. They may, in critical time, become a menace just out of pure ignorance combined with political zeal. Meaning it well alone cannot possibly make the grade.“

      Reich once said to one of his students in regard to anarchism: „We don’t want anarchy, we want order. We take the rational core from anarchism and communism. I have great admiration for Kropotkin. But they forget that times changes, that yesterday’s truth is today’s lie“ (Ollendorff, p. 73).

      Was das leidige Thema Arbeitswert- und Mehrwertlehre betrifft: Man lese mal DAS KAPITAL: Der entscheidende Einfluß von Marx auf Reich, für den Marx mit den Anfangskapiteln des KAPITALs identisch war, liegt nicht in der Kernaussage des KAPITALs, nämlich in der Arbeitswertlehre, sondern vielmehr im ganzen barocken Zitaten- und Belegfirlefanz, der diesen faulen Kern des KAPITALs umgibt: die genauso überflüssigen wie überlangen Beschreibungen der Verflechtungen der Produktion – DAS HEISST DER ARBEITSDEMOKRATIE. Für Marx war das alles nur Füllmasse, um irgendwie sein Buch vollzukriegen. Eine Füllmasse, die nichts mit der Arbeitswertlehre zu tun hat – die aber vielleicht Reich dazu gebracht hat (in Rückgriff auf Stirners „Verein“ und Kropotkins „System des Nicht-Regierens“) das Konzept „Arbeitsdemokratie“ zu formulieren.

      Nur: In PEOPLE IN TROUBLE nervt Reich ausgerechnet mit der absonderlich aristotelisch-katholischen Arbeitswertlehre…

    • Peter Nasselstein Says:

      Und schließlich das mit Gebrauchswert und Tauschwert: die Sache ist genauso mechanistisch wie die ursprüngliche Beschreibung der Orgonenergie durch Reich. Siehe https://nachrichtenbrief.wordpress.com/2013/09/01/nahwirkungstheorie-und-fernwirkungstheorie-teil-2/

      Gebrauchswert ist für Marx ganz materialistisch das, was vor allem mit Essen, Kleidung und Behausung verbunden ist. Man braucht diese Dinge, um nicht zu verhungern und zu erfrieren. Doch so ein „materialistischer“ Zustand hat nie existiert, da Menschen von jeher primär aus Genuß gegessen haben, sich schön gemacht haben, auf Prestige achteten, etc.

      Der Tauschwert entgegen sei das, was dem Gebrauchswert sozusagen aufgepfropft wird. Es ist das Maß, mit dem Waren auf Märkten ausgetauscht werden. Die „Substanz“ des Tauschwertes sei die Arbeit, das Größenmaß die durchschnittliche gesellschaftliche Arbeitszeit, die zur Herstellung der betreffenden Ware aufgebracht wurde. An dieser Stelle kommt für Reich das Orgon ins Spiel. Tatsächlich ist Marx Theorie aber reine Mystik in einem extrem mechanistischen Gewande (Arbeit „kristallisiert“ sich und verleiht „Wert“), da im Gegensatz zu Marx‘ Annahme auch hier vor allem die Wertschätzung der bestimmende Faktor ist, genauso wie oben beim Gebrauchswert.

  8. Sebastian Says:

    Der Vortrag von Thomas Harms, der 1. Vorsitzende der WRG, hat mich berührt, gerade am Ende die Arbeit mit dem Säugling, auch wenn man es nur hört. Diese praktische Arbeit macht mich schon sehr neugierig. Sein Meinungsumschwung bezüglich Genitalität ist auf der einen Seite positiv, auf der anderen Seite irritiert er mich aber auch. Er versteht jetzt, nach 30 Jahren, dass an dem „Genitalitätszeug“ doch mehr dran ist, als er dachte. Das OIRC hielt er für heiße Luft und den Begriff der emotionalen Pest findet er anscheinend auch übertrieben.

    Man kann, was die Genitalität betrifft, daher ja fast schon von einer Wiederentdeckung der Wiederentdeckung des Lebendigen unter den deutschen Reichianern sprechen! Er spricht sich für eine Verbindung von moderner Säuglings- und Kleinkindforschung und der Genitalitätstheorie aus. Dann wünsche ich ihm, dass seine Ideale nicht zu hoch sind, so dass der Aufprall erträglich bleibt. Ich selbst erlebe gerade wie schwer es ist einen Prüfer für meine Diplomarbeit zu finden. Man weigert sich schlicht sich damit zu beschäftigen.

    Das „Genitalitätszeugs“ hätte er durch die intellektuelle Beschäftigung in den Archiven sogar emotional nachvollzogen. Hmmm… Ehrlich wäre doch mal die selbstkritische Frage, warum er das über drei Jahrzehnte vernachlässigt hat und ob er es überhaupt emotional nachvollziehen kann? Und nicht nur sentimental. Harms hat recht. Babys spülen Leute weich, so weich, dass sie harte Tatsachen wie die emotionale Pest nicht erkennen. Empathie soll das Gegengift sein. Mal sehen, was er in 30 Jahren dazu sagt.

    • O. Says:

      Was er in 25-30 Jahren sagen wird, ist wohl nicht schwer zu erraten: „Nein wie konnte ich nur so einen Scheiss machen und so viele Leute darin Ausbilden, wie sie die Panzerung der Kinder verhindern sollen ohne den Blick der emotionellen Pest und den Hass von dem Umfeld zu berücksichtigen. Die Panzerung der Babys war völlig berechtigt und notwendig, was habe ich aus diesen armen Kindern gemacht, sie mussten entpanzert die Reaktionen der sie umgebenden „toten“ Leiber ertragen! Was für eine Folter. Aber heute kann ich verkünden, ich habe wieder etwas Neues dazu gelernt, auch ohne die Luft des muffigen Archives schnuppern zu müssen.“ Zitat aus der Zukunft.

    • O. Says:

      @ Sebastian: Manchmal findet man für ein eigenes Thema (mit Reich) keinen Prüfer, dann in den sauren Apfel beißen und eine andere Arbeit schreiben und das eigene Reich-Thema einfach selbst publizieren. Ich würde es gerne lesen!
      Kaum ein Wissenschaftler kann es sich leisten, ein Reichthema anzuleiten oder anzupacken, er muss um seine Karriere fürchten.

      • Sebastian Says:

        Bisher entspricht das nicht meiner Erfahrung, aber vielleicht hatte ich mit meiner einen Professorin auch nur Glück, weil sich jetzt das ganze Irrationale über mich ergießt: „Psychoanalytische Sektiererei“, „Apologetentum“, „abgegrast“, „nicht geringe Vorbehalte“, „Reich war kein Soziologe!“, „Ich möchte eine Arbeit mit Reich nicht betreuen.“, „Was soll ich mich mit Reich beschäftigen?“, „Warum studieren sie überhaupt hier?“. Ich strebe keine wissenschaftliche Karriere an. Das Diplom reicht mir vollkommen. Werd’s schon hinbekommen. 😉

      • Sebastian Says:

        Mit Empathie!!!

    • Sebastian Says:

      Nein, da bringst Du zwei Sachen durcheinander. OIRC war für ihn „heiße Luft“ (2:32), bevor er ins Archiv ging und sich vom Gegenteil überzeugte. Das „Genitalitätszeugs“ hatte er 30 Jahre lang auf dem Tisch liegen und hat es ebenfalls erst jetzt durch die Archivarbeit „emotional erfasst“ (43:20).

    • O. Says:

      Jetzt musste ich mir das auch noch anhören und ich bin einfach nur entsetzt, der Vortrag ist schlimmer als meine Vorstellung es erwartet hätte. Kaum ein Satz ist zu identifirzieren (mit Anfang und Ende), nur mit viel Fantasie gelingt es einen Sinnzusammenhang herzustellen, hinzu kommen sexualisierte Sprachentgleisungen (die später, Gott sei dank, auch wieder aufhören). Neben dem präsentierten nicht adequatem inhaltlichen und formalen Denken fallen auch Fehler in der Theorie auf: So wird Mahlers Vorgehen als inspirierend für Reich dargestellt. Dumm nur, dass Reich zur Zeit der Publikation schon lange tot war. (Vgl. Mahler, S. and Pine, M.M. and F., Bergman, A. (1973). The Psychological Birth of the Human Infant, New York: Basic Books.)
      Der wichtgiste Punkt des Vortrages war, dass Reich die Aussichtslosigkeit des Projektes erkannt hat, den Schaden vom Kind abwenden wollte und sofort das Programm stoppte. T. Harms macht natürlich weiter, weil Babys so schön die Panzerung der Erwachsenen schmelzen können (das wäre therapeutischer Missbrauch!). Ob Babys, die auf eine Intervention des Therapeuten mit Schreien und Weinen reagieren, ihre Traumas psychisch verarbeiten, ist spekulativ, passt aber in das Konzept des Therapeuten und freut das Publikum (was eine „frühe“ narzisstische Störung der Erwachsenen befriedigt, dass die „bioenergetisch-orgonomische“ Arbeit gut sei.) Genauso könnte es auch nur Blödsinn sein. Ein Nutzen für Mutter und Kind ist nicht unmittelbar erkennbar. Wann ist endlich Schluss mit den Babytherapien?

  9. Zeitgenosse Says:

    Salut.

    @Sebastian und O hinsichtlich von Diplomarbeiten und Dissertationen mit dem Thema Reich.

    Meiner Meinung nach liegt es weniger daran, dass Prüfer in eventuelle „saure“ Äpfel beißen müssen oder viele Doktorväter eine generelle Abneigung gegen die Person und Arbeit Reichs haben.

    Der Begriff „Orgon“ und alles was damit zusammenhängt wurde bedauerlicherweise von „Reichianern“ und Esoterikern so dermaßen verunglimpft, dass man sich leider zT einfach nur mehr lächerlich macht, wenn man so ein Thema wissenschaftlich abhandeln möchte. Aber es wurden damit gute Geschäfte von eben diesen Leuten mit gemacht; ist ja auch etwas :-/. Ich vermute, dass dies der Hauptgrund für ist. An einer Existenz einer Lebensenergie zweifeln im Grunde ihrer Herzen doch die wenigsten. Und die Ergebnisse der diversen Forschungen von Reich, Müschenich und Konsorten beweisen dies eigentlich schon mehr als genug. Auch wenn es mir nicht gefällt: vielleicht muss man sogar den Begriff Orgon ändern. Es bieten sich ja einige andere Bezeichnungen an.

    Übrigens hat ein Chemiker sich intensiver mit dem Thema „Energie“ auseinandergesetzt. Prof. Volkamer in seinen Büchern „Feinstoffliche Erweiterung unseres Weltbildes“. Der Begriff „Feinstofflichkeit“ gefällt mir zwar auch nicht wirklich, aber er versucht zumindest bestimmte, noch nicht verstandene Wirkungen, auf mathematisch fundierte Weise mit den gängigen Theorien zu vereinen. Ob ihm das gelungen ist, weiß ich nicht. Aber wenigstens findet eine Forschung zu diesen Thema in irgendeiner Form statt.

    Euer Zeitgenosse

  10. Zeitgenosse Says:

    Nachtrag zu Dissis über Reich & CO

    Salut.

    Ein weiteres Problem liegt auch darin begründet, dass die orgonomische Forschung mit dem Tod Reichs quasi zum Stillstand gekommen ist. Sämtliche Reichorganisationen, von der ACO bis zum Berliner Club, sind nur mehr ein gigantisches „Wilhelm Reich Museum“. Dort ist es stellenweise wichtiger, „wer ist mit wem im Clinch“ oder „wer war befreundet mit wem“. Über den Berliner Club schwebt der Geist von Heiko Lassek und über der ACO das Damoklesschwert eines endgültigen Verbots durch die US-Regierung. Also nicht nur der medizinischen Geräte sondern der gesamten Bewegung. Manchmal habe ich den Eindruck, dass sich das ACO aus diesem Grund sehr extrem an das „System“ der USA angepasst haben; manche Verlautbarungen könnten ebenso aus der Parteizentrale/think tanks der Republikaner oder den Hauptquartieren der Christlichen Fundamentalisten stammen (man ersetze nur „Reich“, „Orgon“ und „Emotionale Pest“ mit „Gott“, „Vaterland“ und „Terrorismus“). Das schmälert NICHT die Verdienste der ACO Orgonomen hinsichtlich der Psychiatrischen Orgontherapie!

    Ich würde für eine Wiederaufnahme der Experimente und Forschung vom Status des späten >Reich ausgehend plädieren. ABER ich würde auch die verfemten „mechanistischen“ Wissenschaftler dazu einladen – ich bin überzeugt, dass viele von ihnen anfangen würden, das Werk Reichs, Schaubergers, Teslas, Mesmers, usw. schätzen zu lernen. 🙂

    Aber da die Organisationen mehr damit beschäftigt sind, ihre „Konkurrenten“ auszustechen oder sich zu bereichern (wie es leider viele REich-Esoteriker gemacht haben und machen), wird dieser Wunsch wohl niemals Realität werden. 😦

    Euer Zeitgenosse

    • Sebastian Says:

      Ein weiteres Problem liegt auch darin begründet, dass die orgonomische Forschung mit dem Tod Reichs quasi zum Stillstand gekommen ist.

      Wie kommst Du darauf? Ohne die orgonomische Forschung nach Reich könnte ich jedenfalls keine Diplomarbeit schreiben.

      • Zeitgenosse Says:

        Salut.

        Wie gesagt: Quasi und stellenweise. Natürlich findet vereinzelt noch Forschung statt, von wenigen Leuten. Aber wie ich in meinem Text schon erwähnte, wäre eine großangelegte Forschungsinitiative (die auch die anderen Wissensgebiete mit einbezieht) angezeigt. Die Ressourcen sind ja vorhanden – aber natürlich wäre das nur in Kooperation mgl. Daher mein Einwand über die Zerstrittenheit der diversen Fraktionen; wären sie kombiniert würde es enorme Fortschritte geben. Eventuell war der Beginn meines Kommentars etwas unglücklich gewählt – ich wollte primär auf diese theoretisch vorhandene Möglichkeit hinweisen. 🙂

      • O. Says:

        Das erinnert mich an Reichs Entdeckung über seine Mitarbeiter, dass sie den Anblick eines relativ ungepanzerten Kindes nicht ertragen konnten und Reich das OIRC-Projekt abbrach. Danach folgte wohl die Tonaufnahme „Allone“.

        Eine rationale Orgonforschung wird es nicht geben, da Macht und narzisstische Interessen dem im Wege stehen, auch der Stolz auf die eigene Arbeit und die Eifersucht auf den anderen und das krankhafte Streben nach Anerkennung steht dem entgegen. Dies zeigte sich insbesondere bei den Übersetzungen und Begleitheften des 2001 Versanddienst. Eine entsprechende psychotherapeutische Charakteranalyse (Orgontherapie) müsste zuvor erfolgt sein – was ja auch Reichs Forderung war, sonst wird jeder Ansatz in der Orgonbiophysik scheitern.
        Abgesehen davon wäre eine wissenschaftliche Ausbildung hierfür auch von Vorteil, es reicht eben nicht nur mal „etwas“ Medizin studiert zu haben oder entsprechende Technik zu besitzen.

        • Zeitgenosse Says:

          Salut.

          Hmm. Etwas entmutigend aber ich neige dazu dir zuzustimmen. Die wenigsten Menschen würden den Verführungen des Ego widerstehen können. Ich habe kürzlich das Buch von Dr. Jorgos Kavouras gelesen. Relativ gut aufgearbeiter – besonders was die Fallbesprechungen anbelangt. Aber ob er eine Orgontherapie gemacht hat, kann ich nicht genau sagen.

          Hinsichtlich der Voraussetzungen zur Beschäftigung mit der Technologie des Orgons erklärt das auch teilweise das vehemente Abblocken von Seiten der offiziellen Wissenschaften. Obwohl es auch hier natürlich Ausnahmen gibt.

          Aus dem Verlag 2001 besitze ich kein Buch soweit ich weiß. Aber man muss ohnehin bei den frühen Schriften beginnen; ins besondere mit der Charakteranalyse (sehr gutes Buch, aber ich musste es mehrmals lesen, bis ich es einmal irgendwie begriffen habe:-)).

          Oh, und herzlichen Dank für die nette Begrüßung meiner Person im Blogeintrag bzgl. Homos. 🙂

    • O. Says:

      Die sehr geschätzten Psychologen Müschenich und Gebauer haben damals nicht unwesentlichen Fehler gemacht, aus denen es zu lernen gilt. Erstens waren sie in ihrem Tun zu aufgeregt und zu sehr von Reich begeistert und ließen sich von der Reichszene „vor- und aufführen“, dass sie einen unheimlichen Wirbel um ihre Arbeit veranstalteten. Ebenso war die Begeisterung in der Reichszene zu groß, um sich dieser Verlockung zu entziehen. Sie wurden intern wie Helden gefeiert und mussten so ihre Arbeit gegen die mechanistischen Forscher „verteidigen“.
      Sie glaubten Reich unübersehbar belegt zu haben, doch die Leute vom Institut konnten die Ergebnisse nicht begreifen, weil Reich nicht Recht haben konnte. Der ORAC war doch einfach für die Profs ein Witz. Keine methodische Untersuchung konnte hieran etwas ändern und sie suchten nach methodischen Fehlern.

      [Zensiert, PN]

      Die geschockte Mainstreampsychologie von Marburg bis in die Schweiz schwor sich, nie wieder eine solche Arbeit zu unterstützen. Aus dem belächelten späten Reich ist ein gefährlich erscheinender Rivale geworden. Daher werden weitere Diplomarbeiten (meist) abgelehnt, wenn man nicht geschickt und offen argumentiert.

      Kontraproduktiv sind Verquickungen mit der Eso-Reichszene und der Wille, Reich beweisen zu müssen, da beides sofort eine Voreingenommenheit erkennen läßt, die einer „objektiven“ Studie grundsätzlich widerspricht. Besser ist es das Interesse mit einer verständlichen und guten Fragestellung zu erwecken, so dass ein Prof sich hierauf vielleicht einlassen möchte. Ein Nachvollzug bereits gemachter Experimente ist hierfür denkbar ungeeignet, sondern man sollte wohl besser einen eigenen Weg gehen, was zugegeben auch nicht so einfach ist. Ein guter Versuchsaufbau und eine stimmige, moderne theoretische Herleitung zur Fragestellung könnte dieses Interesse wecken. Niemals würde ich heute zu einem angeblichen Reichianischen Prof gehen, der zur Szene gehört! Konservative sind sehr viel interessierter und stören den Prozess der Arbeit nicht.

      • Zeitgenosse Says:

        Salut.

        Richtig. Allerdings fällt mir ein spezieller Bereich ein, wo die effektive Umsetzung der Orgonomie tatsächlich zu eindeutig messbaren und auch nachvollziehbaren Ergebnissen führt: der Medizin.

        Hier sind eindeutige Heilungserfolge UNTER Einbeziehung dieser Technologien einfach sichtbar. Besonders wenn man eine eindeutige VOr- und nachntersuchung macht. Natürlich kann man auch auf Spontanheilung und/oder Placeboeffekte verweisen, aber wenn zB HUNDERTE dokumentierte Fälle vorliegen, sind auch die beiden o.g. „Argumente“ nicht mehr stichhaltig.

        Man muss dabei nicht mal den berühmten Krebs dazu heranziehen; es gibt genug Verletzungen und Erkrankungen, wo der positive und teilweise phänomenale Einfluss der Orgonomie nicht mehr zu leugnen sind. Aber ich sage auch da: IN zusammenarbeit mt den Schulmedizinern (die nicht alle kleinkariert oder von der Pharmaindustrie beeinflusst sind :-)).

    • David Says:

      Ein weiteres Problem liegt auch darin begründet, dass die orgonomische Forschung mit dem Tod Reichs quasi zum Stillstand gekommen ist …

      Stillstand? Hier giibt es schon Ausnahmen – hat nicht Reich betreffend Okulare Panzerung nur einen einzigen Fall behandelt und nicht geheilt sondern nur gebessert?

      Hier ist dann doch später mehr geschehen – oder?

      Und die Forschungen und Erfahrungen von James DeMeo und von Jerome Eden – der leider schon tot ist?

      • Zeitgenosse Says:

        Salut.

        Wie gesagt, ich vermisse eher eine großangelegte Forschungsinitiative – Einzelpersonen gab und gibt es natürlich (siehe meine Antwort an Sebastian ebenfalls in diesem Beitrag).

        Oh, ich habe in einer der Beiträge ( Ein Blick ins Paradies) gute Kommentare von Dir bzgl. der Idee eines BGE gelesen. Generell stimme ich dir zu.

        Kennst du zufällig das Buch „Equilibrismus“? Ich finde sogar, dass sich in diesem Werk partiell Ansätze der Ideen von Reich finden.

      • Zeitgenosse Says:

        Salut.

        Aber ich wünsche viel Erfolg beim Verfassen deiner Diplomarbeit. 🙂 Hast du vor, sie zu publizieren? Würde mich interessieren.

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