Das depressive Gesicht mechanistisch und funktionell betrachtet

Ich habe bereits davon berichtet, daß die Gesichtslähmung mit Botulinumtoxin teilweise dramatische Folgen zeitigt. Folgen, die m.W. kein mechanistischer Wissenschaftler vorausgesehen hat.

Die Stimmung eines Menschen erkennen wir in erster Linie an seinem Gesicht. Depressionen sind geradezu ins Gesicht gemeißelt. Für die mechanistische Wissenschaft, die in Begriffen von Wirkung (Ursache und Effekt) und Rückwirkung denkt, sollte es deshalb alles andere als absurd sein, daß die Lähmung der sorgenvoll verkrampften Gesichtsmuskultur auch umgekehrt auf den Affekt wirkt.

Vor kurzem wurde eine Doppelblindstudie an 30 Patienten durchgeführt, die an einer Major Depression litten, die sich durch die Standardbehandlung noch nicht gebessert hatte. Bei den Patienten, denen Botox in die Region zwischen den Augenbrauen gespritzt wurde, kam es zu einer Verbesserung auf der Hamilton Depression Rating Scale von 47,1 Prozent, bei der Placebogruppe von nur 9,2 Prozent. Ein noch größerer Effekt stellte sich heraus, als man die Patienten nach 16 Wochen erneut untersuchte. Ähnliches zeigte sich im Beck Depression Inventory und der Clinical Global Impression Scale, die den klinischen Gesamtzustand erfaßt.

Die Forscher haben hier etwas nachvollzogen, was Reich bereits in den 1930er Jahren erfaßt hatte: Muskel- und Charakterpanzerung sind funktionell identisch. Man kann mittels „Körpertherapie“ die Seele heilen. Und man kann mit Hilfe von Psychotherapie körperliche Leiden abbauen, wenn sich nach Lösung der inneren Konflikte Muskeln nicht mehr „sorgenvoll“ verkrampfen müssen. Weit effektiver und sicherer ist es jedoch, aus diesem mechanistischen System von Ursache und Wirkung auszubrechen und die Funktionen anzugehen, die sowohl dem Muskel- als auch dem Charakterpanzer zugrundeliegen. Dann geht es um die Befreiung der Lebensenergie aus festgefahrenen Bahnen. Konkret handelt es sich um eine Befreiung des lebendigen Ausdrucks, also in vieler Hinsicht dem Gegenteil der „Totenmaske“, in die Botox das Gesicht verwandelt.

Eine psychische Störung wie Major Depression ist nicht einfach nur „Pathologie“, die man „wegspritzen“ könnte, sondern imgrunde ein vollkommen natürlicher Ausdruck, der jedoch übertrieben, isoliert und festgefahren ist. In der Orgontherapie gilt es diese Blockade in der „Ausdruckssprache des Lebendigen“ zu lösen, indem der Patient immer mehr damit in Kontakt gebracht wird, wie er sich gegen das Lebendige sperrt.

Wenn man die Sache von dieser Warte aus betrachtet, wird deutlich, warum auch rein körperliche und rein psychologische Interventionen wirken, um gewisse Pathologien aufzulösen. Es sind Anstöße, die Blockaden lösen und es der Orgonenergie erlauben in diesem Bereich wieder frei zu fließen. Aber nur in den seltensten Fällen ist die Heilung permanent. Der zugrundeliegende Energiestau führt bei solchen „Heilungen“ dann an anderer Stelle zu Symptomen! Weit effektiver ist es im Rahmen einer Orgontherapie die bioenergetische Ebene direkt anzugehen und sich die „Ausdruckssprache des Lebendigen“ entfalten zu lassen.

Siehe zum Thema auch Eine neue Behandlungsmethode bei Major Depression.

Reich hat diese Zusammenhänge in Der Krebs wie folgt schematisch dargestellt:

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Eine Antwort to “Das depressive Gesicht mechanistisch und funktionell betrachtet”

  1. Robert (Berlin) Says:

    Umstrittene Behandlung: Patientin spritzt Botox gegen Depressionen

    Botox glättet Falten. Aber kann es auch glücklicher machen? Studien zur Anwendung des Nervengifts bei Depressionen geben Anlass zur Hoffnung. Eine Probandin erzählt, wie sie mit den Falten auch die Sorgen verlor.

    http://www.spiegel.de/gesundheit/psychologie/botox-gegen-depressionen-studien-zum-facial-feedback-a-1040298.html

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