Das wissenschaftliche Programm der Orgonomie

In mancher Hinsicht ähnelt die Wissenschaft als Ganzes der Evolutionstheorie: beide stehen und fallen mit der Entdeckung der „Missing Links“. Beispielsweise können wir heute fast lückenlos nachvollziehen, wie aus Fischen Amphibien wurden oder aus Sauriern Vögel. Genauso wird die Wissenschaft als einheitliche Welterklärung erst dann glaubhaft, wenn lückenlose Verbindungen zwischen den einzelnen Wissenschaftsbereichen gezogen werden können. Das überzeugendste Beispiel sind vielleicht Physik und Chemie. Bis zur Entwicklung der Quantenmechanik war die eine eine bloße Hilfswissenschaft der anderen, heute kann man alle chemischen Prozesse mit der Elektronenhülle der Atome erklären. Anders sieht es leider bei den Schnittstellen zwischen Mathematik und Physik auf der einen und Chemie und Biologie auf der anderen Seite aus.

Bisher konnte noch niemand wirklich schlüssig erklären, was Mathematik eigentlich ist und warum man mit ihr die Zukunft voraussagen kann. Oder mit anderen Worten: Warum gehorcht die Wirklichkeit mathematischen Gesetzen? Die meisten Wissenschaftler sind sich des Problems gar nicht bewußt. Wenn sie es sind, werden sie zu „Platonisten“ – das Gegenteil von Materialisten! Nietzsche mußte mit spitzfindigen Argumenten das Problem schlichtweg leugnen, um seine philosophische Grundanschauung zu retten! Reichs energetischer Ansatz bietet m.E. den einzigen Weg, die Integrität der Wissenschaft zu retten: die Mathematik ist nichts anderes als eine Abart der Orgonometrie!

Was den zweiten „Missing Link“ in der obigen Abbildung betrifft: Wir kennen zwar die chemische Zusammensetzung der DNA und der sie umgebenden Zelle bis ins Detail, aber wie die DNA „gelesen“ und gesteuert („an- und abgeschaltet“) wird, d.h. was eigentlich das Phänomen „Leben“ ausmacht, bleibt ein Rätsel.

Hubert Brune zufolge fehlen in der Wissenschaft die folgenden sechs Bindeglieder. Die entsprechenden „Missing Links“ zu finden sei heute Hauptaufgabe der Wissenschaft:

  1. das Bindeglied zwischen Mathematik und Physik;
  2. das Bindeglied zwischen Chemie und Biologie;
  3. das Bindeglied zwischen Biologie und Ökonomie;
  4. das Bindeglied zwischen Soziologie und Psychologie;
  5. das Bindeglied zwischen Semiotik und Linguistik;
  6. das Bindeglied zwischen Linguistik und Philosophie.

Diese Bindeglieder sind zentrale Themen der Orgonomie:

  1. Das Bindeglied zwischen Physik und Mathematik fällt in den Bereich der Orgonometrie. Das noch immer ausstehende 6. Kapitel meiner Einleitung zur Orgonometrie soll sich insbesondere damit beschäftigen.
  2. Die Suche nach dem Bindeglied zwischen Biologie und Chemie war das zentrale Element von Reichs Auseinandersetzung mit dem „Urgegensatz des Lebendigen“ Anfang der 1930er Jahre und seinen Bionexperimenten Mitte der 1930er Jahre (siehe die zwei Bände Die Entdeckung des Orgons).
  3. Im Grenzbereich zwischen Biologie und Ökonomie bewegt sich der „energetische Funktionalismus“ von Hans Hass, mit dem ich mich ausführlich beschäftigt habe.
  4. Seit Ende der 1920er Jahre hat Reich die Grenzen zwischen Psychologie und Soziologie aufgehoben (siehe Die Massenpsychologie des Faschismus).
  5. Semiotik (die Wissenschaft von den Zeichensystemen) und Linguistik sind in der Orgonometrie vereinigt.
  6. Mit Linguistik und Philosophie hat sich ansatzweise Reich in Charakteranalyse beschäftigt. Die „vorsprachliche“ „Ausdruckssprache des Lebendigen“ drückt sich in der Wortsprache aus, insbesondere wenn sie von der Panzerung gestört wird. Der Orgonom Charles Konia hat die Entwicklung der Sprache sogar mit der Entstehung der Panzerung verknüpft, da Sprache die Kontrolle der Atmung voraussetzt. Erst mit Hilfe der Orgonomie wird die Vereinigung von Naturwissenschaft und „Geisteswissenschaft“ möglich (siehe Das ORANUR-Experiment I).
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3 Antworten to “Das wissenschaftliche Programm der Orgonomie”

  1. Sebastian Says:

    In Ihrer Einleitung zur Orgonometrie haben Sie im ersten Satz einen Tippfehler: Das „Wirken“ […].

  2. Hubert Brune Says:

    Sehr geehrter Herr Nasselstein!

    In Ihrem Aufastz über das wissenschaftliche Programm der Orgonomie heißt es u.a.:

    „Hubert Brune zufolge fehlen in der Wissenschaft die folgenden sechs Bindeglieder. Die entsprechenden »Missing Links« (**) zu finden sei heute »Hauptaufgabe der Wissenschaft« (siehe: http://www.hubert-brune.de/wissenschaft.html#hauptproblem):

    das Bindeglied zwischen Mathematik und Physik;

    das Bindeglied zwischen Chemie und Biologie;

    das Bindeglied zwischen Biologie und Ökonomie;

    das Bindeglied zwischen Soziologie und Psychologie;

    das Bindeglied zwischen Semiotik und Linguistik;

    das Bindeglied zwischen Linguistik und Philosophie.

    Diese Bindeglieder sind zentrale Themen der Orgonomie ….“ (Peter Nasselstein, Das wissenschaftliche Programm der Orgonomie, 22.08.2011 **). Wilhelm Reich u.a. hätten diese Bindeglieder – mehr oder weniger – gefunden, behaupten Sie, nicht wahr?

    Wilhelm Reich hat meiner Analyse zufolge keine hinreichenden Argumente geliefert, um das von mir aufgestellte Hauptproblem der Wissenschaft (**) zu lösen. Reichs »Orgon« bzw. seine Lehre, die er »Orgonomie« nannte, »wegen ihrer Nähe zu ›Kunst‹ und ›Religion‹ … zu einem mythologischen Wahnsystem« (Peter Nasselstein, Die orgonomische Bewegung [Teil 2], 26.04.2011) zu machen, ist zwar nicht zu empfehlen; trotzdem ist sie wegen ihrer doch zu spekulativen Aussagen keine Lösung für das von mir aufgestellte Hauptproblem der Wissenschaft. Ich schlage daher mein Quadrialismus-Modell, das ich auf diversen Seiten meines Webangebots bereits vor Jahren vorgestellt habe (vgl. auch mein Konzept innerhalb der Kategorienlehre und insbeondere der Schichtenlehre), als Lösung vor::

    Mein Quadrialismus-Modell hat den Vorteil, daß es acht Bereiche, in denen sich auch die Bindeglieder bzw. »Missing Links« befinden, auf insgesamt vier Schichten (Anorganisches, Organisches, Seelisches, Geistiges) und insgesamt vier Seinsweisen (Ordnug, Materie, Funktion, Bewußtsein) so verteilt, daß jeder Bereich sowohl einer Schicht als auch einer Seinsweise zugeordnet werden kann, wodurch der Vorteil entsteht, die Probleme von Monismus, Dualismus und Trialismus zu umgehen und zumindest für so lange, wie die Wissenschaft ihr Hauptproblem nicht lösen wird (also vielleicht: ewig), als Ersatz, als Prothese, als Krücke funktionieren kann, denn: Vergessen wir nicht, daß auch die Wissenschaft im Grunde lediglich ein »Für-wahr-Halten«, also ein Glaube ist. Die wissenschaftlichen Probleme nehmen vom Anorganischen (Physik, Chemie) über das Organische (Biologie, Ökonomie) bis zum Seelischen (Semiotik, Linguistik) zu und von hier aus über das Geistige (Philosophie, Mathematik) bis zum Anorganischen (Physik, Chemie) wieder ab … u.s.w. …. Bezogen auf die Seinsweisen nehmen die wissenschaftlichen Probleme von der »Ordnung« (ordinale Seinsweise: Mathematik, Physik) über die »Materie« (materiale Seinsweise: Chemie, Biologie) bis zur »Funktion« (funktionale Seinsweise: Ökonomie, Semiotik) zu und von hier aus über das »Bewußstsein« (phänomenale Seinsweise: Linguistik, Philosophie) bis zur »Ordnung« (ordinale Seinsweise: Mathematik, Physik) wieder ab … u.s.w. …. Die größten wissenschaftlichen Probleme liegen also gar nicht – wie zumeist angenommen – im Geistigen (viertunterste [oberste] Schicht) oder im Bewußtsein (phänomenale Seinsweise), sondern im Seelischen (drittunterste Schicht) oder in der Funktion (funktionale Seinsweise), und folglich dort, wo sich das Seelische und die Funktion treffen bzw. überlappen: in der »seelischen Funktion« (Semiotik) also. Ihr gegenüber liegen in der »anorganischen Ordnung« (Physik) die kleinsten wissenschaftlichen Probleme.

    Wissenschaftler haben nach wie vor die größten Probleme mit der seelischen Funktion! Interessant ist, daß gerade auch die Psychologen diese Probleme noch größer gemacht haben. Sie wissen immer noch nicht (sogar noch weniger als früher!), was die Seele – die »Psyche« – überhaupt ist, wer oder was sie wie bewegt, ja ob es sie überhaupt gibt, d.h. ob sie überhaupt »existiert«. Die Wissenschaft hat bezüglich der Psyche weniger Fort- als Rückschritte gemacht, ist also nicht weiter gekommen, nicht klüger, sondern dümmer geworden, und bezüglich der Semiotik als der seelischen Funktion – also: der Funktion der Seele (Psyche) – gilt dies eben sogar noch mehr. Umgekehrt hat die Wissenschaft bezüglich der Physik bei weitem mehr Fort- als Rückschritte gemacht, ist also sehr viel weiter gekommen, nicht dümmer, sondern sehr viel klüger geworden. Die Folgerung aus den letzten beiden Sätzen könnte sein, daß die Wissenschaft oder eher noch die Wissenschaftstheorie zunächst versuchen sollte, von der Physik als der anorganischen Ordnung aus zu starten, um z.B. das Bindeglied zur Mathematik als der geistigen Ordnung, d.h. das »›Missing Link‹ zum Wissen«, wie ich es nenne, zu finden. Andersherum formuliert: Die Wissenschaft sollte nicht den diesbezüglich größten Fehler machen und von der Semiotik als der seelischen Funktion aus zu starten, um die »Missing Links« zu finden, weil sie dann mit den meisten und größten Fehlern begönne und also ihr Mißerfolg am wahrscheinlichsten wäre. Man kann das logischerweise auch umgekehrt sehen. Und die Verlockungen zur Forschung sind dabei ja ebenfalls groß. Doch ich kann nur immer wiederholen: Vergessen wir nicht, daß auch die Wissenschaft im Grunde lediglich ein »Für-wahr-Halten«, also ein Glaube ist (vgl. http://www.hubert-brune.de/glaube.html#definition„), daß dieser Glaube ein (Sub-)System des Systems Sprache (Sprache ist mehr als nur Linguistik, in meinem Quadrialismus-Modell reicht sie von der organischen Materie bis zur geistigen Ordnung), also Wissenschaft größtenteils Sprache ist (http://www.hubert-brune.de/aphorismen_w.html#wigs). Man gewönne in Hinsicht auf die »Missing Links« bzw. Bindeglieder am wenigsten durch gerade diese Vorgehensweise von der Semiotik als der seelischen Funktion aus; und dies heißt eben nicht, daß die Semiotik als die seelische Funktion ein uninteressantes Forschungsgebiet wäre – es ist eher umgekehrt!

    Für die Ökonomie als die organische Funktion (hierunter können wir z.B. Bedürfnisse u.ä. verstehen) und die Lingusitik als das seelische Bewußtsein gilt das, was für die Semiotik als die seelische Funktion gilt, in nur etwas geringerem Ausmaß ebenfalls. Wir kommen daher zu folgender »Bewertung«:

    Wissenschaftliche Disziplin **

    Aussichten auf das Finden der wissenschaftlichen »Missing Links« **

    Physik / anorganische Ordnung

    gut

    Chemie / anorganische Materie

    gut bis befriedigend

    Biologie / organische Materie

    befriedigend bis ausreichend

    Ökonomie / organische Funktion

    ausreichend bis mangelhaft

    Semiotik / seelische Funktion

    mangelhaft

    Linguistik / seelisches Bewußtsein

    ausreichend bis mangelhaft

    Philosophie / geistiges Bewußtsein

    befriedigend bis aureichend

    Mathematik / geistige Ordnung

    gut bis befriedigend

    Wie äußerst schlecht auch das Verstehen der Ökonomie (Wirtschaft) immer noch ist, zeigen z.B. Gunnar Heinsohn und Otto Steiger in ihrem 1996 erschienenen Buch Eigentum, Zins und Geld (vgl. dazu auch meine Kritik: http://www.hubert-brune.de/heinsohn_und_steiger_kritik.html#brune). Doch am schlechtesten ist die Semiotik verstanden. Ich bin nur hinsichtlich der Aussichten auf das Finden des »›Missing Links‹ zum Wissen« (also: zwischen Physik und Mathematik), des »›Missing Links‹ zum Leben« (also: zwischen Chemie und Biologie) und des »›Missing Links‹ zur Weisheit« (also: zwischen Lingusitik und Philosophie) relativ optimistisch. Und das bedeutet, daß gemäß meinem Quadrialismus-Modell (siehe: http://www.hubert-brune.de/kategorienlehre.html#q_w) die Wissenschaftler zwar herausfinden mögen, was Wissen – z.B. als »Weltformel« – (für sie) sei und es als (ihr) »Für-wahr-Halten«, also (ihren) Glauben den Wissenserwerbenden erfolgreich vermitteln können, daß sie vielleicht auch (ihr) Leben und vielleicht auch noch (ihre) Weisheit (z.B. als ihrer Weisheit letzter Schluß) mit Erfolg verbreiten können, aber daß sie dies nur können, wenn sie stets berücksichtigen, daß auch ihre Wissenschaft im Grunde lediglich ein »Für-wahr-Halten«, also ein Glaube ist. Wir Menschen sind nicht wirklich fähig, das Wissen vom Glauben völlig abzutrennen.

    Im »Nachrichtenbrief« von Peter Nasselstein (Die Identitätsphilosophie und das Orgon [Teil 2], 30.03.2011) habe ich die folgenden drei Zitate gelesen:

    »Die Findung der Wahrheit ist nur noch durch den Sprung in das Reich der Metaphysik gesichert.«
    (Max Planck).

    »Zu den elementaren Gesetzen führt kein logischer Weg, sondern nur die auf Einfühlung in die Erfahrung sich stützende Intuition.«
    (Albert Einstein).

    »Die großen Fortschritte der Wissenschaft geschehen nicht, indem man ängstlich am Beweisbaren klebt.
    Sie geschehen durch kühne Behauptungen, die den Weg zu ihrer eigenen Bestätigung oder Widerlegung selbst erst öffnen.«
    (Carl Friedrich von Weizsäcker).

    Mit diesen drei Zitaten werden uns aus dem »Grenzdenken« (vgl. http://www.hubert-brune.de/spaetdenker.html#grenzdenker) entstandene »relativierte Denkweisen« von drei »hohen Spätdenkern« des Abendlandes präsentiert. Sie gelten für uns – die faustischen Abendländer! Wenn unsere Kultur der Dekadenz, dem Nihilismus irgendwann – vielleicht in 1-2 Jahrhunderten – vollends zum Opfer gefallen sein wird, dann wird auch eine typisch abendländische Denk- und Glaubensweise zu Ende oder zumindest so sehr »versteinert«, »vereist«, »erstarrt« sein, daß nichts Abendländisch-Neues mehr erdacht und folglich geglaubt werden kann. Ich will damit sagen, daß auch die abendländische Wissenschaft spätestens dann ihre Grenzen, ihr Ende gefunden haben wird. Und wenn von ihr irgendetwas »überleben« soll, dann müssen wir Abendländer uns endlich etwas »ausdenken«, was dafür geeignet ist – die »Klimahysterie« z.B. ist es garantiert nicht!“ (Hubert Brune, 22.08.2011).

    Freundliche Grüße!

    Hubert Brune

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