Das Elend der sexuellen Revolution

25. April 2015

Der bioenergetische Kern des Lebens und dessen kosmischer Bedeutung ist die Orgasmusfunktion, d.h. die unwillkürliche Konvulsion des gesamten lebenden Organismus bei der beiderseitigen bioenergetischen Entladung während der genitalen Umarmung von Mann und Frau. (Christusmord, Freiburg 1978, S. 69)

Dies ist der Kern von all dem, wofür der Name „Wilhelm Reich“ steht. Ein Wissenschaftler, der nach eigenem Bekunden nur eine einzige Entdeckung gemacht hat: die Funktion der orgastischen Plasmazuckung (Äther, Gott und Teufel, S. 3). Jeder, der den Namen „Wilhelm Reich“ in einem anderen Sinne benutzt, wie es sogenannte „Reichianer“ tun… „Orgonomie“ ohne Orgasmutheorie ist wie ein Dampfkessel ohne Ventil. Sie ist schlimmer als alle bisherigen Formen des Faschismus.

Auf die kürzeste Formel gebracht lautet die Reichsche Orgasmustheorie (Scienza Orgonomica, Vol. I, No. 1):

Die Energie der Neurose (EN) entstammt der Differenz aus prägenitaler Energieanhäufung (EA) und genitaler Energieentladung (EE), so daß wir beim Gesunden haben:

Dies ist Ur- und Ausgangspunkt und die Grundlage der Orgonomie ohne alle Qualifikationen und Abstriche. Man kann über alles diskutieren, aber mit dem Infragestellen dieser einen Formel verläßt man die Orgonomie, so daß jede Diskussion innerhalb der Orgonomie absolut sinnlos ist. Wenn diese Formel nicht stimmt, wäre die gesamte Orgonomie null und nichtig.

Ursprünglich wollte Reich der Vegetotherapie die Bezeichnung „Orgasmotherapie“ geben, hat dies aber aus naheliegenden Gründen unterlassen. Auch die Orgonomie als Ganzes ist imgrunde nichts anderes als „Orgasmologie“. Leider kann man auch dies kaum öffentlich vertreten, ohne schwersten Mißverständnissen ausgesetzt zu sein. Aber andererseits wurde die Orgonomie auf pestilent verzerrte Weise ohnehin schon von je her so aufgefaßt, wie z.B. folgender Satz aus Psychologie heute (Aug. 1987) anläßlich der neuen Prüderie in den USA zeigt:

Auch in den sechziger Jahren, vor dem Eintritt der USA in den Vietnamkrieg, kämpften Politiker und Medien gegen eine angeblich steigende Promiskuität und Prostitution, die „Amerika in eine gigantische Reichsche Orgon-Box verwandelt“ hätten (so das Time-Magazine 1964).

Freiheit und sexuelle Gesundheit sind in der Orgonomie austauschbare Begriffe. Wenn sie für vollkommene sexuelle Freiheit eintritt, ist dies identisch mit der Einschränkung von „perverser ‘Freiheit’“. So steht die Orgonomie in einer unhaltbaren Stellung zwischen Zwangsmoralisten und Freiheitskrämern. Ausgerechnet diese „Orgasmologie“ fordert dazu auf, „mit allen Mitteln“ zu versuchen, „die pornographische Flut einer Epidemie permissiver Fickerei einzudämmen“ (Christusmord, S. 183). Denn es gäbe, so Reich,

kaum einen Zweifel, daß eine (…) Periode permissiver Fickerei(…), jede Spur einer menschlichen Existenz auslöschen würde, ohne auch nur etwas Glück und Befreiung zu bringen. (ebd. S. 184)

Natürliche Liebe, die sich in tote Genitalien ergießt, wird zu Haß und stumpfen Mord am sozialen Dasein. (S. 186)

In der Zwischenzeit hat Viagra impotenten Männern „kalte“ Erektionen beschert. Neue Medikamente sollen nun Männern mit Ejaculatio praecox helfen, ihren „Orgasmus“ länger hinauszuzögern (vgl. meinen Blogeintrag Der gefühllose Penis).

Honda stellte 2003 den ersten Sexroboter der Welt vor. „Asimo“ imitiere die Bewegungen beim Akt naturgetreu. „Der Roboter erledigt das Vorspiel, zu dem die gestreßten Paare von heute nicht mehr kommen“, erklärt Projektleiter Dr. Naidu.

Anfang der 1920er Jahre setzte sich Reich über das Tabu seiner psychoanalytischen Kollegen hinweg, mit dem das aktuelle Sexualleben des Patienten belegt war. Reich gab sich nicht mehr mit der bloßen Aussage des Patienten zufrieden, er habe Verkehr gehabt, sondern er ergründete, wie genau und mit welchen Gefühlen dieser Verkehr vonstatten ging. Was sich ihm unter der Oberfläche bürgerlicher Normalität darbot, war die Spaltung zwischen der „schmutzigen“ Welt des Bordells einerseits und dem Krampf ehelicher „Pflichterfüllung“ andererseits.

In der „Sexuellen Revolution“ hat sich nicht mehr ereignet, als daß sich das Bordell ausgeweitet und sich mit dem „Geist“ ausgesöhnt hat. Die kalte Praxis des vorgeblich ältesten Gewerbes verbindet sich mit der „Liebe“, Sadismus und Mystizismus fließen wieder in eins. Zur Illustration diene folgender Text aus einer Werbeanzeige für Bild der Frau 1991:

Von A wie Autoerotik bis Z wie Zärtlichkeit: Das intime Wörterbuch der Frau z.B. ANAL SEX: Im Film „Der letzte Tango von Paris“ nahm Marlon Brando dafür Butter. Heute empfehlen Experten andere Gleitmittel, z.B. Babyöl und außerdem besonders strapazierfähige (reißfeste) Kondome. Denn seit Aids ist diese Praktik des Sexualverkehrs mehr denn je ins Gerede gekommen, weil sie wegen der möglichen Übertragung des Aidsvirus am gefährlichsten ist. (…) AYURVEDA: Eine altindische Heilslehre, die im menschlich-sexuellen Verhalten den Schlüssel für Wohlbefinden oder für Krankheit sieht. Basis der Gesundheit ist demnach der menschliche Samen, der den Körper von Männern und Frauen mir Lebenskraft versorgt und gegen jede Krankheit immun macht.

Die schon von Reich beklagte „allgemeine Yogakultur“ obsiegt, der Geist regiert die Maschine Körper und „Sex findet nur im Kopf statt“. Kurz, der „Freie Wille“ triumphiert über die Natur. Hingabe an sie ist nicht mehr nötig. „Orgasmus – Nur auf diese eine Weise?“ fragt die Sexexpertin von Bild am Sonntag (6.12.87). Nein, man kann die Natur überlisten und nach Bedarf „Orgasmen“ aus ihr herauskitzeln:

Ein normaler Höhepunkt – was ist das eigentlich? Unzählige Frauen und Männer meinen, daß ein Höhepunkt, der beim Liebesakt allein durch die Penisbewegung und ohne zusätzliche manuelle Reizung zustande kommt, normal ist. Frauen, denen dieses Kunststück nicht gelingt, bezeichnet die Sexualwissenschaft kurzerhand als „koital anorgastisch“. Brr, wie das schon klingt (…) Der naive Rückschluß, als koital anorgastische Frau nicht normal zu sein, liegt nahe. Was für ein widersprüchlicher Wahnsinn! Laut Statistik haben 70 Prozent aller Frauen Schwierigkeiten, ohne manuelle Reizung beim Liebesakt einen Höhepunkt zu erreichen. Wenn also die statistische Mehrzahl der Frauen bei der körperlichen Vereinigung ohne zusätzliche Stimulation mit der Hand nicht zum Orgasmus kommt, dann ist dieses Unvermögen die Norm; der Orgasmus beim Geschlechtsakt „ohne“ die Ausnahme. Ich kann mir aber gut vorstellen, daß es eine Frau nur wenig tröstet zu wissen, daß sie mit diesem Problem nicht allein ist. Schließlich zeigen die Männer ziemlich unverhohlen ihre Enttäuschung über das vermeintliche Versagen der Partnerin; oder aber sie lasten ihrem Liebesorgan die Schuld dafür an – selbst dann, wenn das männliche Liebesorgan an Potenz und Größe nichts zu wünschen übrig läßt. Wenn also eine Frau während einer Umarmung ohne manuelle Reizung keinen Höhepunkt erlebt, handelt es sich nicht um eine sexuelle Abweichung, sondern höchstens um eine Abweichung von den männlichen Vorstellungen weiblicher Normalität. Dennoch lassen sich Frauen immer wieder zu einer Lüge aus Liebe hinreißen und tun so, als kämen sie tatsächlich allein durch das Hin und Her seines guten und gewiß sehr willigen Stückes zum Orgasmus. Was alles noch schlimmer macht: Viele Männer lehnen es aus Phallus-Ängsten ab, beim Liebesakt ihre Finger zu Hilfe zu nehmen, um der Partnerin den letzten Schub zum Orgasmus zu ermöglichen. Was tun? Wir Frauen müssen unseren Männern dies klarmachen: Ein Orgasmus ist nicht minderwertiger, nur weil er durch ein geschicktes mechanisches Verfahren ausgelöst wurde! Wie oft ist ein ohne Gefühl gebrauchter Penis mehr Werkzeug, ja sogar Waffe als helfende Finger oder Lippen, die die gemeinsame sinnliche Erregung nur vollenden.

Die Frau hat sich, da Hingabe verpönt ist, mit starken Juckreizen zu begnügen, die das Gegenteil von Lust, nämlich unterschwellige Schmerzempfindungen sind.

Ein Orgasmus ist mehr und grundsätzlich verschieden von einem starken Jucken. (Christusmord, S. 79)

Der Drang zu ständiger Wiederholung des Schmerzes, den man ansonsten ja fliehen würde, vermittelt sogar die Illusion von Lust. Das natürliche genitale Gefühl ist verlorengegangen und „durch trockene, leere, frustrierende Pornographie ersetzt (…), die verzweifelt nach dem verlorenen Paradies drängt“ (ebd. S. 300). Die sexuelle Spannung sucht verkrampft nach Entspannung, so daß zwangsläufig schließlich der Tod als „letzter Ausweg“ mit Libido besetzt wird. Unsere ganze „erotische Kultur“, insbesondere in der neueren erotischen Literatur von Frauen für Frauen wird immer sadistischer, immer „schwärzer“, immer „spitzer“, genauso wie das Outfit der sexuell selbstbewußten Frau.

Auch der Zwillingsbruder des Sadismus, der Mystizismus, verspricht die ultimative Lösung der Spannung: den befreiten Geist, der unberührt über dem Tohuwabohu unbefriedigter Triebe schwebt. Es bildet sich eine sexfeindliche Ideologie heraus, wie sie z.B. die amerikanische Psychologin Gabrielle Brown in The New Celibacy vertrat:

Eine wachsende Zahl gleichgesinnter Amerikaner meiden den Sex. So überdrüssig sind sie der erotischen Lustbarkeiten, die ihnen die sexuelle Revolution beschert hat, daß sie sich frohen Herzens nur noch einem hingeben: dem Zölibat. (…) Übersättigt und doch nicht zufriedengestellt von Spontanfick, Gruppensex und fliegendem Bettwechsel, suchen diese Befreiungsmüden jetzt ihr Heil in der Enthaltsamkeit.

So 1980 der Stern (Nr. 41) lange vor AIDS.

Die vorgebliche „Sexuelle Revolution“ endet dort, wo sie angefangen hat. Angewidert wendet sich der Geist wieder ab, ohne daß der bioenergetische Kern der Sache, die Funktion der genitalorgastischen Plasmazuckung des Gesamtkörpers in der Genitalen Umarmung, auch nur berührt worden ist. Das einzige Ergebnis der „Sexuellen Revolution“ ist nur, daß sie als erledigt abgehakt ist. Die weitaus meisten Menschen verstehen auch gar nicht, wovon hier eigentlich die Rede ist, da sie nicht nur orgastisch impotent sind, sondern darüber hinaus das Gefühl für ihren Kern unterhalb der orgastisch impotent machenden Panzerung verloren haben.

Diese Kontaktlosigkeit wird offensiv in der „Sexualerziehung“ verbreitet. Ohnehin paßt das intime Thema nicht in den Schulalltag. Schon gar nicht die politisch korrekte Indoktrination gegen die Genitalität; Stichwort „sexuelle Orientierung“. Zumal die Sexualerziehung in einem zunehmend antigenitalen sozialen Klima erfolgt, in der wohl Pornographie und alle Arten der Perversion toleriert werden, jedoch die Genitalität massiv unterdrückt wird.

In Amerika ist es so weit, daß jede Äußerung heterosexueller Gefühle in Schulen, jeder körperliche Kontakt zwischen Schülern, strengstens untersagt ist.


Anfang 2008 planten Tausende südafrikanische Teenager ein
landesweites „Massenküssen“. Sie wollten damit gegen ein neues Gesetz protestieren, das unter 16-Jährigen auch einvernehmliche sexuelle Aktivitäten verbietet – Küssen und Schmusen eingeschlossen.

Und in Deutschland:

Es ist das erste Date. Ein 14-jähriges Mädchen, frisch verliebt, lädt ihren 17-jährigen Freund ins Kino ein. Endlich können sich die Teenager unbeobachtet von den Eltern ihren Gefühlen hingeben. Freudig erregt sagt das Mädchen zu ihrem Freund, daß sie die Dunkelheit im Kinosaal zum Schmusen nutzen und ihn auch zum ersten Mal küssen und streicheln will. Der Junge überlegt nicht lange und stimmt diesem Wunsch zu, schließlich ist auch er verliebt – und bekommt den Kinobesuch geschenkt. Doch statt im siebten Liebeshimmel findet sich das 14-jährige Mädchen wenig später vor Gericht wieder. Sie ist wegen des sexuellen Mißbrauchs eines Jugendlichen angeklagt. Ihr droht eine Haftstrafe von bis zu fünf Jahren. Dieses Szenario spielt nicht in einem fernen Land, sondern könnte bald in Deutschland Realität werden. Das befürchten zumindest Oppositionspolitiker im Bundestag. Denn am Donnerstag soll das Parlament ein Gesetz beschließen, daß die Ausweitung des Sexualstrafrechts vorsieht. (Stern , 2007)

Das Gesetz der Großen Koalition wurde zum Glück Ende 2007 von der Legislative gestoppt, doch der Geist ist aus der Flasche. In den USA ist es bereits zu Anklagen gegen Kinder gekommen, die Nacktphotos von sich selbst ins Netz gestellt haben: sie hätten „Kinderpornographie“ verbreitet.

Mechanistische und funktionelle UFO-Forschung

24. April 2015

Tja, UFOs, immer diese blöden UFOs auf diesem Blog! Die einen halten mich für irgendwie durchgeknallt, wenn ich UFOs immer wieder zum Thema mache. Nun, ich betrachte die vermeintlichen „Skeptiker“ als sonderbar. Man schaue sich etwa an, was am 16. September 1994 bei der Ariel School in Ruwa, Zimbabwe geschehen ist. Es ist mir unbegreiflich, wie man so etwas vom Tisch wischen kann.

Man kann sich alles Mögliche ausdenken, um UFOs zu erklären. Sinnvoller ist es, nacheinander die Theorien zu betrachten, die seit Ende der 1940er Jahre die jeweils aktuelle Diskussion bestimmt haben.

The Mammoth Encyclopedia of Extraterrestrial Encounters (editor R.D. Story, London 2001) führt acht „UFO-Theorien“ an:

  1. In den 1950er Jahren (und wieder in neuster Zeit) glaubten viele, daß man es mit geheimen Waffenprojekten insbesondere der US-Regierung zu tun hat. Möglicherweise in Zusammenhang mit erbeuteten „Wunderwaffen“ Nazi-Deutschlands.
    Seit etwa 1990 beobachtet man in den USA große „Dreiecke“ mit „Positionslichtern“, die am Rande der Städte und Highways in geringer Höhe lautlos durch den Nachthimmel schweben und sich manchmal wie aus dem Nichts „materialisieren“. Vor einiger Zeit gab es auch in Mitteleuropa öffentliches Aufsehen wegen einer Häufung ähnlicher Sichtungen. Die manchmal recht drolligen „Skeptiker“ hatten instantan eine abschließende Erklärung zur Hand: nächtliche Drachenflieger! Noch weltfremder: Drachenflieger, die Drogen über die offenbar ansonsten hermetisch abgeschotteten Grenzen zwischen den Beneluxländern und dem restlichen Europa schmuggeln. Aber im Ernst: Worum handelt es sich wirklich? Militärische Testflugzeuge? Die würden wohl kaum über dicht bewohntem Gebiet Testflüge absolvieren!
  2. Vielleicht noch älter ist die Theorie der „Hohlerde“, die 1945 aufkam, als in einem zeittypischen amerikanischen Schundblatt die Wahnvorstellungen eines gewissen Richard Shaver veröffentlicht wurden, der an paranoider Schizophrenie litt. Unter der Erde würden zwei Rassen, Überlebende der untergegangenen Zivilisationen von Atlantis und Lemurien, hausen, die mit ihren bewußtseinsverändernden „Strahlen“ das Weltgeschehen kontrollieren. Das Blatt wurde mit Tausenden von Leserbriefen überschwemmt, die nicht nur Shaver bestätigten, sondern teilweise auch mit eigenen Erlebnisberichten und neuen „Fakten“ anreicherten.
  3. Als Basen für UFOs wurden die unerforschten Tiefen der Ozeane ins Spiel gebracht, die uns tatsächlich unzugänglicher und fremder sind als die Weiten des Weltraums. Bisher haben mehr Menschen den Mond betreten als den Grund der Ozeane!
  4. Bereits bei den ersten Untersuchungen des UFO-Phänomens Ende der 1940er Jahre hat man das „Flugverhalten“ von atmosphärischen Leuchterscheinungen mit dem von Tieren verglichen. Trevor James Constable hat sogar von einer speziellen „amöbenartigen“ Tierart gesprochen, die in der oberen Atmosphäre lebt – siehe dazu meine Ausführungen über sein Buch The Cosmic Pulse of Life. Weitaus interessanter wäre es, von einem bisher unbekannten orgonotischen „Erstrahlungs-Phänomen“ zu sprechen, auf das Reich beim Cloudbusten zufällig gestoßen ist und im Sinne der damaligen UFO-Euphorie falsch interpretiert habe.
  5. UFOs mit außerirdischen Raumschiffen gleichzusetzen, wie auch Reich es getan hat, wäre vielleicht am naheliegendsten, wäre da nicht das Problem der schieren Masse der Erscheinungen. Der „Flugverkehr“ würde jedes vernünftige Maß übersteigen. Außerdem gäbe es keinen sinnvollen Zusammenhang zwischen Aufwand und Resultat.
  6. Das Mißverhältnis zwischen den ungeheuren kosmischen Entfernungen und dem Fehlen jeder offensichtlichen Einflußnahme auf das Weltgeschehen mußte logisch zur Theorie der Zeitreisenden führen: die UFOs und ihre Insassen kommen aus der Zukunft und sind deshalb darauf bedacht, eben diese Zukunft nicht durch eine Kontaktaufnahme mit uns zu gefährden. Das würde auch erklären, warum sie uns so ähnlich und den Bedingungen auf diesem Planeten so gut angepaßt sind. Vertreter dieser These vergessen gerne, daß, wer derartige Zeitreisen beherrscht, wohl erst recht die Weiten des Weltalls überwinden könnte – und es ohnehin sinnlos ist, diese beiden „Reisen“ voneinander trennen zu wollen.
  7. Hat man einmal die exotische Theorie einer „Manifestation aus der Zukunft“ in Erwägung gezogen, ist die „ultraterrestrische“ Theorie kein großer Schritt mehr: man hat es mit „Manifestationen aus anderen Dimensionen“ (was immer das auch sein soll!) zu tun. Eine gewisse Nähe zu Shaver ist unverkennbar – mit dem Unterschied, daß die „ultraterrestrische“ Theorie, die zunehmend die extraterrestrische verdrängt und die „seriöse“ UFO-Debatte zu dominieren beginnt, nicht klar formuliert ist und prinzipiell auch gar nicht klar gefaßt werden kann. Es ist deshalb unmöglich sie zu widerlegen. Ohnehin vertritt jeder Autor seine persönliche Sondertheorie, die sich kaum mit anderen „extradimensionalen“ Theorien zur Deckung bringen läßt.
  8. Ähnlich vage und inhärent willkürlich sind die auf C.G. Jung zurückgehenden Theorien der „psychischen Projektion“. Demnach sind UFOs sozusagen „Veräußerungen“ unseres unbewußten Seelengrundes und haben dabei möglicherweise, ähnlich wie Poltergeist-Phänomene, eine durchaus materielle Komponente.

In Ea und die Wellenfunktion habe ich versucht derartige Fallstricke zu umgehen und eine orgonomische Theorie zumindest anzudeuten. Beispielsweise habe ich das „Fermi-Paradoxon“ diskutiert: Es ist ein wissenschaftliches Rätsel, warum wir nicht von Außerirdischen besucht werden!

In Bild der Wissenschaft wird dieses Paradoxon erneut aufgerollt. Abwegige Theorien werden ventiliert, etwa, daß die Außerirdischen Angst vor unserem Waffenarsenal haben könnten oder uns isolieren, weil wir noch nicht geistig hoch genug entwickelt sind, um in die galaktische Konföderation aufgenommen zu werden. Nur eins wird nicht in Erwägung gezogen: UFOs – und daß sich die UFOs genau so verhalten, wie man es von Außerirdischen erwarten sollte, wenn man die Theorien, die das Ferrni-Paradoxon erklären sollen, ernstnimmt.

Der Mechanismus zeichnet sich dadurch aus, daß die lebendigen Zusammenhänge ausgeblendet werden. Das zeigt sich sogar in der UFO-Forschung selbst. Was nützt es beispielsweise, wenn man sorgfältig Dutzende von UFO-Sichtungen untersucht, in denen die Zeugen schwere körperliche Schäden davontrugen, darüber jedoch den grundsätzlich feindlichen Charakter dieser Aktionen aus den Augen verliert und sich im Gegenteil gegen „voreilige“ Schlüsse verwahrt?

Wie ist Reich in seiner UFO-Forschung vorgegangen? Er ging zuallererst nicht mit einer vorgefaßten „wissenschaftlichen“ Meinung ans Werk, sondern er ließ zuerst einmal die Beobachtungen in sich einströmen und entfalten.

Messungen jeder Art waren vollständig wertlos, bevor nicht zuerst die Qualitäten des untersuchten Phänomens verstanden waren: welche Eindrücke, welche emotionalen Empfindungen riefen diese „Dinger am Himmel“ im Beobachter hervor?“ (Jerome Eden: Planet in Trouble)

Man zergliedert also nicht ein Phänomen, um es dann zu verstehen, nachdem man es aus dem lebendigen Zusammenhang gelöst hat, sondern man nimmt zuerst den Gesamteindruck auf, bemüht sich die Funktion bestimmter Dinge im Gesamtprozeß zu erspüren, und versucht erst nach dieser intuitiven-empathischen Phase die verschiedenen Variationen eines Phänomens mit Meßinstrumenten so gut wie irgend möglich zu verifizieren. Dann wird man auch die Gesamtheit der UFO-Erscheinungen in das Gesamtbild einer globalen Bedrohung einordnen können und nicht Gefahr laufen, durch intensives Forschen das wichtigste am erforschten Phänomen aus den Augen zu verlieren. Es geht hier um den instrumentellen Charakter „der“ Wissenschaft als Mittel des Ausweichens vor dem Wesentlichen. Tausende von Wissenschaftlern leben davon, daß die Probleme nicht gelöst werden.

Für den Mechanisten sind alle Naturerscheinungen isoliert zu betrachten, z.B. käme es ihm kaum in den Sinn, eine Amöbe und eine Wolke einheitlich als Systeme zu sehen, deren Entropie im Laufe der Entwicklung bis zu einem bestimmten Niveau abnimmt, konkret also Orgonenergie akkumuliert, bis ein Punkt erreicht ist, an dem es zur Entladung kommt: zur Zellteilung, beim Metazoon zur orgastischen Plasmakonvulsion und bei Wolken zu Blitzen und Abregnen.

So sieht er auch keine Verbindung zwischen der Wirkung der Radioaktivität auf Organismen und der Wirkung von UFOs auf die Atmosphäre, die ja immer wieder mit einer erhöhten Hintergrundstrahlung in Zusammenhang gebracht werden. Er begreift nicht, daß grundsätzlich alle Funktionsgebiete der Natur gemeinsamen Funktionsprinzipien folgen, da alle von der Lebensenergie durchströmt werden.

Reich zufolge entsprechen die „Eindrücke“ eines Menschen den „Ausdrücken“ der Natur. Wir können die Natur erkennen, weil wir in uns empathisch empfinden, was außerhalb von uns der gleichen Lebensenergie folgt, deren Produkt auch wir sind. Der mechanistische Wissenschaftler, dessen Aufgabe es doch sein sollte, diese „Eindrücke“ in sich aufzunehmen und danach möglichst unabhängig von der spezifischen Struktur seiner Wahrnehmungsorgane (inklusive dem Gehirn) zu verifizieren und quantitativ zu erfassen, blockt diese Empfindungen von vornherein als subjektiv ab – so als ob es so etwas wie „freien Geist“ unabhängig von der Natur gäbe, also wirkliche Subjektivität überhaupt möglich wäre. Dem steht Reichs Ansicht gegenüber, daß „körperliche Empfindungen die wichtigsten Werkzeuge der Naturforschung sind“.

Dem Mechanisten entgeht z.B. der „energetische“ (orgonotische) Zustand der Atmosphäre nach UFO-Sichtungen – er fühlt nicht, wie die Atmosphäre „bedrückend“ wird oder für ihn hat dieses Gefühl keinerlei Relevanz im Zusammenhang mit UFOs. Ihm fällt auch nicht weiter auf, daß dieses Gefühl immer dann wahrnehmbar ist, wenn sich etwa keine Kondensstreifen mehr am Himmel bilden bzw. sich schnell verflüchtigen, daß die Bläue des Himmels „milchig“ wird und daß das Licht greller und blendender wirkt, wobei objektiv die Lichtintensität bei DOR in der Atmosphäre abnimmt (Stichwort „Global Dimming“).

Auch wird er es kaum in den richtigen Zusammenhang bringen, daß in solchen atmosphärischen Zuständen bestimmte Orgonenergie-Experimente schlecht oder überhaupt nicht mehr funktionieren. Und selbst wenn, er würde nie eine Verbindung zu den UFO-Manövern in unserer Atmosphäre ziehen und von dort zur Ausbreitung der Wüstengebiete und dem allgemeinen Wetterchaos und auch zur allgemeinen emotionalen und körperlichen Verfassung der Menschen.

Eine Lösung des UFO-Problems wird nur dann möglich sein, wenn die Wissenschaft die Funktionen der primordialen kosmischen Energie und ihre Derivate (OR, ORANUR und DOR) verstanden hat. „Die“ Wissenschaft in ihrem heutigen Zustand kann den Leuten nicht sagen, was ihnen und ihrer Umwelt widerfährt – was wirklich das allgemeine Unwohlsein, meßbar an den steigenden Profiten der Pharmaindustrie und anderer Drogenhändler, die ansteigende irrationale Aggressivität und das zunehmend chaotischere Wetter verursacht.

„Die“ Wissenschaft weiß auch nicht, daß bestimmte seltsam eckig geformte Wolken, die wie Stahlwolle am Himmel hängen und bei sensiblen Beobachtern ein starkes Unwohlsein hervorrufen, fast immer die Präsenz oder die ehemalige Anwesenheit von UFOs anzeigen, und daß ihr Erscheinen zumeist Dürreperioden oder zerstörerisch starke Regengüsse ankündigt. (Was kein Widerspruch ist, wenn man nur an die periodisch wiederkehrenden verheerenden Regenfälle etwa in der Sahara denkt, die nur die Wüstenentwicklung vorantreiben).

Ihr ganzer Forschungsansatz macht es der offiziellen Wissenschaft schwer, überhaupt erst zur Problematisierung dieser Wolken zu gelangen. Sie mit atmosphärischen und emotionalen Einwirkungen in Zusammenhang zu bringen, ist ihr letztlich mangels eines adäquaten Forschungsansatzes unmöglich, da sie nicht die gemeinsamen Funktionsprinzipien der Natur zum Forschungsgegenstand hat, sondern nur deren unendlich vielfältigen Variationen und deren Wechselwirkungen. Sie betrachtet die Dinge nicht vom Blickpunkt der Energie, sondern der Masse.

UFOsfunkmyme

Orgonometrie (Teil 1): Kapitel II.1.d.

23. April 2015

orgonometrieteil12

II. Der orgonomische Funktionalismus

1. Die orgonotische Strömung

a. Orgonotischer Kontakt

b. Die funktionelle Identität von objektiven Vorgängen und subjektivem Erleben

c. Varianten der orgonotischen Strömung

d. Die Grundlage der Psychoanalyse

Marx, Freud, Reich (Teil 2)

22. April 2015

1951 schrieb Reich, daß die Kommunisten seit 1928 nicht aufgehört hätten, seine Ansichten zu bekämpfen, „offenbar in der Furcht vor der Konkurrenz zwischen dem Marxschen Ökonomismus und der Psychologie“ (Menschen im Staat, Frankfurt 1995, S. 114). Bezeichnend in diesem Zusammenhang ist, wie das Amerikanische original „Marx’s economism“ in der deutschen Ausgabe von 1982 übersetzt wurde: „Wirtschaftstheorie von Marx“ (Menschen im Staat, Frankfurt 1982, S. 92).

Bereits 1930 mußte Reich in der Sexpol-Bewegung klarstellen,

daß die sexuelle Unterdrückung tiefer lag als die ökonomische Unterdrückung. Die Marxisten konnten das nicht ertragen. Die Marxisten akzeptierten mich, solange ich die Orgasmustheorie als zweitrangig hinter die ökonomischen und sozialen Faktoren plazierte. (Sharaf: „Further Remarks of Reich: Summer and Autumn, 1948”, Journal of Orgonomy, May 1971)

Man vergleiche dies mit der folgenden Aussage des Marxistischen „Reichianers“ und Wirtschaftsprofessors Bernd Senf aus dem Jahre 1982:

Die herrschende Ideologie ist so tief in den Strukturen unseres Denkens verankert, daß sie sich nicht von selbst auflöst, wenn die emotionale Struktur in Bewegung kommt. Auch eine (in bezug auf die Lockerung emotionaler Blockierung) wirksame Therapie befreit uns nicht von der Verbindung, die wir aufgrund der herrschenden Ideologie in unseren Köpfen haben und die uns mehr oder weniger blind machen gegenüber den tieferen Wurzeln der gesellschaftlichen Herrschaftsstrukturen. (emotion 5, S. 114)

Wie eine entsprechende Auseinandersetzung mit dem Marxismus aussieht, läßt sich aus Reichs Vorwort zur revidierten Neuauflage von Massenpsychologie des Faschismus ableiten. Dort präsentiert Reich sein Modell von der Dreischichtung der menschlichen Charakterstruktur. Demnach wäre der Marxismus ohne jeden Zweifel der oberflächlichen Soziale Fassade zuzurechnen, ist doch für ihn, gemäß der 6. These über Feuerbach, der Mensch nur ein „Ensemble der gesellschaftlichen Verhältnisse“. Nicht von ungefähr warfen die Marxisten Reich stets „Biologismus“ und „kleinbürgerlichen Individualismus“ vor.

Was für Marx rational war (der durch unterschiedliche ökonomische Interessen bestimmte Klassenkampf), wurde für Reich zum Inbegriff der Irrationalität, während das, was für Marx irrational war (die Postulierung gemeinsamer Interessen zwischen den Klassen), für Reich die Essenz seiner Bio-Soziologie wurde: die alle Klassen übergreifende natürliche Arbeitsdemokratie.

Während Marx im oberflächlichen Sozialen haften blieb, drang Freud zwar in den Bereich der biologischen Antriebe des menschlichen Verhaltens vor, blieb dabei aber in der von den irrationalen, „sekundären“ Trieben entstellten Mittleren Schicht der Charakterstruktur stecken. Daß Psychoanalyse und Marxismus mit der Orgonomie inkompatibel sind, sieht man daran, wie Freud und Marx die gesellschaftlichen Probleme lösen wollten. Freud ging es um die Bewußtmachung des Verdrängten, um so das böse Tier im Menschen der gesellschaftlichen Kontrolle zu unterwerfen. Entsprechend ging es Marx darum, den Menschen zum emanzipierten Herrscher über die Natur zu machen, indem er die „Anarchie“ der kapitalistischen Wirtschaftsweise meistert.

Hatten die Marxisten aber schon Probleme mit ihrem Geistesbruder Freud, der doch immerhin lehrte, der Mensch müsse in die Natur eingreifen, konnten sie rein gar nichts mit der nun vollkommen dem menschlichen Zugriff entzogenen ahistorischen, naturgeschichtlichen Determiniertheit des Reichschen Modells anfangen: sie hassen den bioenergetischen Kern, das Tier im Menschen.

Diesen Haß auf die Biologie verdeutlicht der „kritische Marxist“ Ira H. Cohen bei seinem Versuch eine m.E. korrekte Verbindung von Marx und Freud herzustellen. Demnach kann nicht die Frage sein, ob eine Harmonie zwischen den biologischen Trieben und dem sozialen Sein herzustellen ist, wie Reich es anstrebte,

sondern ob die spezifische Modifikation, die das Realitätsprinzip verlangt, Selbstregulation oder moralistische Unterdrückung fördert. Mit anderen Worten ist das Problem nicht eine spezifische Konzeption der „menschlichen Natur“, sondern eine spezifische Art der sozialen Konditionierung. Freud bestand darauf, daß die Modifikation der Primärprozesse eine soziale Notwendigkeit war. Seine Vorstellung von den Primärprozessen entspricht tatsächlich Marx’ Vorstellung der menschlichen Natur als einer Verkörperung der Geschichte und Struktur der sozialen Beziehungen, in deren Rahmen sie sich ausdrückt.

Die Frage nach der Art der notwendigen sozialen Konditionierung werde nun durch „Reichs Libidotheorie“, also der Orgasmustheorie, verschleiert. Cohen weiter:

An die Stelle einer von der Geschichte bestimmten Charakterstruktur stellt Reich eine von Natur aus sich selbst regulierende Libido. Selbstregulierung wird nicht als ein menschliches Potential begriffen, das sich durch die Prozesse der individuellen und sozialen Entwicklung realisiert, sondern vielmehr als ein Naturgesetz des Lustprinzips, das in natürlicheren, prähistorischen Gesellschaften bis zum Auftauchen der Klassenbeziehungen verwirklicht wurde.

Die Selbstregulierung sei also nicht mehr der auf die Psyche einwirkenden sozialen Entwicklung unterworfen, sondern wohne „den naturgemäß und automatisch nach Entladung strebenden Instinkten selbst inne“ (Ideology and Unconsciousness, New York 1982, S. 180f)

Sexualökonomie und Marxismus sind absolut unvereinbar, bzw. nur vereinbar, wenn man Reich buchstäblich seines „Kerns“ beraubt.

Für Reich war die Biologie, waren die individuellen „Triebe“, das umfassendere Funktionsprinzip, das Soziale und Ökonomische nur oberflächlicher Überbau. Oder wie Reich es 1953 ausdrückte:

Die soziale Existenz des Lebewesens Mensch ist bioenergetisch betrachtet an sich nur ein kleiner Gipfel auf dem gigantischen Berg seines biologischen Daseins. (Ausgewählte Schriften, S. 24)

Zu dieser Zeit beklagte Reich denn auch in Menschen im Staat Marx’ „Unverständnis für die biologische Verwurzelung des Menschen, für seine Triebbestimmtheit“. Marx’ Theorien hielt er durchweg für „weit überholt durch die Entdeckung der kosmischen Lebensenergie“. Er machte nur eine einzige Ausnahme, die sogenannte „Arbeitswertlehre“.

In Massenpsychologie des Faschismus mußte sich Reich mit den fehlerhaften Grundannahmen des Marxismus herumplagen, die zu dem führten, was Reich „die Schere“ genannt hat. Mit diesem Begriff bezeichnet er die Diskrepanz zwischen dem „revolutionären“ Sein und dem „reaktionären“ Bewußtsein, die zum Faschismus führte. Das hätte nicht passieren können, wenn das Sein das Bewußtsein bestimmt!

In Der Einbruch der sexuellen Zwangsmoral schreibt Reich: Die Sexualität im

subjektiven Sinne als Bedürfnis zur Auslösung einer Spannung, die als sexuelle Befriedigung erlebt wird, einschließlich ihrer sublimierten Abwandlungen (Erfindergeist, technisches Interesse, wissenschaftliche Forschung) dürfen wir (…) analog zum Hunger als bewegendes Moment in die Geschichte einführen.

Die dreigeteilte Betrachtungsweise „Liebe, Arbeit und Wissen“ entspricht der modernen auf Max Weber zurückgehenden Geschichtsschau, die nicht im primitiven Unter-Überbau-Schema des Marxismus befangen ist, sondern die Bereiche Kultur, Arbeit und Herrschaft gleichberechtigt ins Kalkül zieht. Es sei nur an Webers Arbeiten über die Entwicklung von kapitalistischer Herrschaft und Arbeitsmoral aus der kulturellen Entfaltung des Protestantismus erinnert.

Ein schönes Beispiel ist die Entwicklung der organisierten Kriminalität in den USA des letzten Jahrhunderts. Anfangs wurde sie von Juden dominiert. Das, was man heute augenzwinkernd als „Kosher Nostra“ bezeichnet. Doch schon bald wurden sie von den Italienern verdrängt. Heute sind allenfalls noch Bugsy Siegel und Meyer Lansky geläufig. Es gibt schlicht keine jüdische Kriminalität mehr in den USA. Jüdische Slums sind ganz verschwunden und typische jüdische Berufe wurden Rechtsanwalt und Arzt. Anders bei den Italo-Amerikanern: eine Generation nach der anderen füllt die Reihen der Mafia von neuem auf. Es zeichnet sich in den letzten Jahren sogar eine „Re-Italianisierung“ ab, da nur so die „Umerta“ gesichert werden kann.

Die gleiche ökonomische Ausgangslage – und eine drastisch unterschiedliche, ja sogar gegensätzliche Entwicklung. Der Unterschied ist (neben dem angeborenen IQ) der Arbeitsethos, der sich im nüchternen Judentum kaum von dem des nüchternen Protestantismus unterscheidet. Der verschrobene Katholizismus italienischer Provenienz ist eine vollkommen andere Welt, die konsequent rationales Handeln fast unmöglich macht.

Reich hat in Menschen im Staat ganz entgegen dem Marxistischen „Materialismus“ folgendes über die bewegende Kraft der Geschichte geschrieben:

Die Bewegungskraft der Geschichte auf der Grundlage der technischen Prozesse ist die vegetative Energie, die sich im praktischen Leben der Masse wie des einzelnen als sexuelles Empfinden und Glückssehnsucht äußert. Die Erfolge dieser Äußerungen reichen nur so weit, als politische, soziale und wirtschaftlichen Voraussetzungen es zulassen.

Das „…auf der Grundlage der technischen Prozesse…“ läßt sich sehr schön am erwähnten Beispiel der gegensätzlichen Entwicklung von „Kosher Nostra“ und Cosa Nostra aufzeigen: Anfangs bestimmen selbstverständlich „historisch-materialistische“ Faktoren die Entwicklung. Wie sollte es auch anders sein! „Zuerst kommt das Fressen!“ Doch dann greifen doch sehr schnell und mit zunehmender Macht die bioenergetischen Faktoren. Mit Massenpsychologie des Faschismus hat Reich ein ganzes Buch darüber vorgelegt.

Nach Friedrich Engels, der trotz aller „Dialektik“ ganz vom primitiven Materialismus des 19. Jahrhunderts geprägt war, sollte es genau umgekehrt sein: kurzfristig möge der kulturelle „Überbau“ die geschichtliche Entwicklung beeinflussen, doch langfristig und vor allem in letzter Instanz sei der ökonomische „Unterbau“ bestimmend.

Die Geschichte ist „gefrorene Bewegung“ (Orgone Energy Bulletin, Vol. 2, S. 174) und deshalb wie alle Strukturen aus der Kreiselwelle ableitbar. Genauso wie die kosmische Energie Galaxien und Wettersysteme bildet, formt sie auch die Lebewesen und damit ihre Charakterstruktur. Diese bestimmt das soziale Umfeld, besonders das der Familie, das wiederum auf die Verbindung zwischen Orgon und Charakterstruktur einwirkt (d.h. auf die Genitale Funktion) und dabei die Qualität der Energie verändert. Daraufhin kommt es zur Formation einer modifizierten Charakterstruktur usw. So ist der Charakter aus sozialen Prozessen ableitbar, die aber wiederum durch die Charakterstrukturen bedingt sind.

Marx, Freud, Reich (Teil 1)

21. April 2015

Die Hegelsche Methode sollte sich dem 20. Jahrhundert, und damit auch Reich, durch den Marxismus vermitteln, denn

die Bemerkung von Engels entspricht der Wahrheit, daß er und Marx fast die einzigen gewesen seien, die an der von Hegel entdeckten Methode der Wissenschaft festgehalten haben in einer Periode, die sich ganz von Hegel entfernt hatte. (Dieter Henrich: Hegel im Kontext, Frankfurt 1981)

Im Verlauf dieser Übertragung wurde Hegel vom Kopf auf die Füße gestellt, wobei die Frage ist, ob Hegels dialektische Methode eine solche Umkehrung überhaupt erlaubt und übersteht (ebd., S. 205).

Jedenfalls ist die dialektische Methode im Kommunismus zu einem rein machiavellistischen Rechtfertigungsinstrument entartet. Jedes Verbrechen, jede noch so niederträchtige Gemeinheit, jede Lüge, jedes noch so widersinnige Dogma der Kommunisten wurde „wissenschaftlich“ ins Gegenteil umgedeutet. Noch heute sieht man dies anhand der Hirnakrobatik der Political Correctness. Beispielsweise ist das verkehrstechnisch unausweichliche S21 in Stuttgart des Teufels, während die verkehrstechnisch unsinnige und für den Finanzhaushalt des Stadtstaates verheerende Stadtbahn in Hamburg, die von den Grün-Alternaiven durchgesetzt wurde, „progressiv“ ist.

Im Gegensatz zum Orgonomischen Funktionalismus ist die Dialektik der Verneinung des Lebens primär gegen etwas gerichtet. Hier schneidet sich die Ebene der Emotionellen Pest mit der liberalen Charakterdeformation (Rebellion gegen statt Wettstreit mit dem Vater – vgl. Elsworth F. Bakers Der Mensch in der Falle). So sieht Marx als Kern der menschlichen Entfremdung (bei ihm identisch mit der Arbeitsteilung) den Erwerbstrieb, der bei ihm in mythologischer Wahnform als „Kapital“ die Menschen aussaugt oder entmenschlicht, so wie sich Hegels Ich die Welt aneignet und sie entleert. Damit hat aber Marx, fußend auf tiefen mit dem „jüdischen“ Kapitalismus verbundenen Sexualängsten (ursprünglich nannte Marx das, was er später als „Kapitalismus“ bezeichnete, „Judentum“!), nichts als das initiiert, was aufzuheben er vorgab: die menschliche Entfremdung, indem er eine orgonotische Grundfunktion, die untrennbar mit unserer Sexualität verbunden ist und die von der Werbung entsprechend pestilent ausgebeutet wird, mit dem Bann des metaphysisch Bösen belegte. Darüberhinaus hat er seinen Fluch untrennbar mit der Arbeitsteilung verbunden, der Grundlage der Arbeitsdemokratie.

Aber nicht nur über den Umweg Marx wurde das Denken Gottes in das des Teufels pervertiert. Genau dasselbe kann man auch im „christlichen“ Katholizismus beobachten. Überhaupt gibt es, wie Reich in Christusmord beständig konstatiert, viele Gemeinsamkeiten zwischen Katholizismus und dem Kommunismus der guten alten Zeit: Funktionärswesen; das Verhältnis zwischen „Heiliger Schrift“, „Tradition“, „Orthodoxie“ und „Lehramt“; der Umgang mit Ketzerei; der ganze „amoralische Moralismus“. Und diese Gemeinsamkeiten erstrecken sich eben auch auf Denkstrukturen, z.B. bei den sprichwörtlichen dialektischen Verdrehungskünsten der Jesuiten. „Freiheit ist die Einsicht in die Notwendigkeit!“ – ein solcher Satz, der ein Wort „logisch“ in sein genaues Gegenteil verkehrt, paßt sowohl zum Katholiken wie zum Marxisten.

Wie sehr das katholische Denken dialektisch geprägt ist, sieht man auch an der verdrehten Logik von Begriffen wie „jungfräuliche Mutter“, ganz zu schweigen von der ganzen Problematik der „Dreieinigkeit“ oder gar der Theodizee.

Ich erwähne das auch, weil eines Tages durchaus auch aus dem Orgonomischen Funktionalismus eine solche Kunst des Verdrehens erwachsen könnte. Wie man sich dagegen wehren kann? Ganz einfach: indem man eine Sache konsequent zuendedenkt – indem man sozusagen „ungepanzert“ denkt. Man nehme etwa das folgende Beispiel:

Der Marxismus rechtfertigt sich aus dem schlagenden Argument, die bürgerliche Demokratie wäre ja schön und gut, aber ihre Freiheit bedeute vor allem die Freiheit der Unternehmer die Arbeiter auszubeuten. Noch heute gewinnen die Kommunisten mit dieser Argumentation ihre Anhänger. Tatsächlich ist es eine denkbar diabolische Denkfigur: im Namen der Freiheit (d.h. der Befreiung der Arbeiter) wird die vollkommene Unfreiheit durchgesetzt.

In einer tieferen Schicht des Marxistischen Gedankensystems, d.h. beim frühen Marx, heißt es, der Mensch werde erst er selbst, wenn er seine Individualität aufgibt und ganz im „Gattungswesen“ Mensch aufgeht.

Nach Klaus Hornung führt die konsequente Entfaltung der Marxschen Prämissen, also Aufhebung der Trennung von Gesellschaft und Staat und Aufhebung der Gewaltenteilung (man denke aktuell an den „basisdemokratischen“ Aufstand gegen S21), mit der „Emanzipation als Aufgehen im Gattungsleben“ natürlich nicht zur Aufhebung der Herrschaft, sondern zur Tyrannei der Partei.

Marxens Anthropologie und Gesellschaftstheorie steht jedem Herrschaftswillen offen (…) und der Verdacht ist nicht unbegründet, daß sie letztlich schon Marx [der ernsthaft jeden Augenblick mit der Revolution rechnete] selbst als solche Legitimation dienen sollte. (Der faszinierende Irrtum, Freiburg 1978)

So bedeutet auch das heutige Geschwätz über „Basisdemokratie“ oder gar „Zivilgesellschaft“ (sic!) nichts als die Majorisierung von uns neurotischen Schafen durch ein paar pestilente Wölfe. Deshalb auch ihr Faszinosum „multikulturelle Gesellschaft“: die Nation soll verschwinden und dem „Gattungswesen“ platz machen.

Der Dreitakt

  1. Position: Urgesellschaft –
  2. Negation: Klassengesellschaft –
  3. Negation der Negation: Kommunismus,

läuft auf nichts anderes hinaus, als daß, wie Marx unvorsichtigerweise am Anfang seiner Laufbahn schrieb (er hat es nie veröffentlicht und später fast nichts mehr zum Kommunismus gesagt), zu Beginn der dritten Stufe der Mensch selber negiert wird, der Terror regiert (wie Milovan Djilas und andere sagen: Stalin ist nicht von Marx zu trennen), alles wird Gemeineigentum, aber besonders der Mensch (so ist auch die „Sexuelle Revolution“ am Anfang der SU zu verstehen!), die Ausbeutung ist total – und aus dieser Hölle wächst dann, nach Sankt Karl, irgendwie das herrschafts- und eigentumslose Paradies!

Marx war zu sehr Hegelianer, um nicht zu wissen, daß die totale Herrschaftslosigkeit identisch mit der totalen Unterdrückung ist. Modju fußte vollkommen auf dem Schreibtischtäter, als er seine SU als freiestes Land der Erde bezeichnete.

Marx hat weniger mit den ökonomischen Wissenschaften zu tun, er ist vielmehr ein hervorragendes Beipiel für einen pestilenten Charakter (Emotionelle Pest). Entsprechend ist der Marxismus nicht nur eine Pseudowissenschaft, sondern auch eine organisierte Form der Emotionellen Pest ähnlich dem Hitlerismus. Ich verweise nur auf das Buch Der Mythos Marx und seine Macher von Konrad Löw.

Leider hatte Reich, ein Opfer der Marxistischen Propagandamaschinerie, eine grundsätzlich andere Einschätzung. Reichs Loyalität gegenüber Marx hatte teilweise desaströse Auswirkungen auf die Entwicklung der Orgonomie insbesondere nach Reichs Tod.

Reich wurde von Marxisten immer wieder mißbraucht in ihrem Kampf gegen den Kapitalismus, d.h. gegen die Arbeitsdemokratie. Wie André Glucksmann es ausdrückt:

Wenn die ökonomische Beschreibung der Maschinerie des Kapitals versagt, dann wird sie eben mit Psycho-Sozio-Sexologie verstärkt. (Die Meisterdenker, Reinbek 1979, S. 240)

Reich notierte sich 1951:

Ich muß damit aufhören, meine früheren Bücher zu vertreiben, z.B. Massenpsychologie und Sexuelle Revolution. Nicht weil sie falsch sind, sie stehen so da, wie sie geschrieben wurden, sondern weil sie die entscheidende Frage, d.h. die Orgonenergie, verdecken und von den Leuten mißbraucht werden. (z.n. C.M. Raphael: Wilhelm Reich. Misconstrued-Misesteemed, New York 1970, S. 86)

In diesen Werken finden sich Aussagen, die allem widersprechen, wofür Reichs Konzept der „fachbewußten“ Arbeitsdemokratie steht. Zum Beispiel wollte Reich in den 1930er Jahren ganz nach kommunistischem Muster die Stellung des Industrieproletariats ausnutzen, um als „Gegengewicht gegen die eng zünftlerischen und eng berufsfachlichen Interessen, die der Kapitalismus unter den Arbeitern gezüchtet hat“, zu wirken (Massenpsychologie des Faschismus, Fischer TB, S. 228). Reichs reife Position hat wirklich rein gar nichts mehr mit irgendwie gearteten Marxismen zu tun – auch wenn sie von Reich in einem vom Marxismus geprägten Zusammenhang präsentiert werden.

In der Wolle gefärbten Marxisten war von Anfang an klar, wie letztendlich „unmöglich“ das Verhältnis von Reich und Marx war. Bereits 1932 war dem psychoanalytischen Marxisten Siegfried Bernfeld unerfindlich „welcher ungeschlichtete Widerspruch oder Zufall aus ihm (Reich) einen marxistischen Kommunisten gemacht hat“. Und 1936 konstatiert Erich Fromm, ebenfalls psychoanalytischer Marxist, Reich habe den Marxismus „in Wirklichkeit nie kapiert“.

In das Zentrum dieser Auseinandersetzung stieß 1969 der neo-Marxistische Historiker Paul Robinson vor. Hinter Reichs Abkehr von Marx Ende der 1930er Jahre habe das gleiche gestanden, wie hinter seiner Abkehr von Freud. Obwohl Reich selbst 1929 in Dialektischer Materialismus und Psychoanalyse hervogehoben habe, daß sowohl Freud als auch Marx die Realität vom Konflikt (zwischen Trieben, bzw. Klassen) her interpretiert haben, sei, so Robinson, Reichs eigenes Denken imgrunde vollkommen anders geartet gewesen. So habe sich Reich von Freud getrennt, als dieser den unaufhebbaren Dualismus und Konflikt von Eros und Thanatos auf die Spitze trieb.

Auf ähnliche Weise fand Reich schließlich Marx’ Doktrin vom Klassenkampf mit seinem eigenen Hang unvereinbar, das soziale Leben als imgrunde konfliktfrei zu betrachten. Antagonismen in der Realität; sie waren das künstliche Produkt politischer Ideologien, wobei der Marxismus selbst in dieser Hinsicht zu den schlimmsten Übeltätern gehörte. Unterhalb des sichtbaren Konflikts bestand eine grundlegende Gemeinsamkeit der Interessen, die alle produktiven Individuen verband. Am Ende zog Reich offensichtlich Bentham gegenüber Marx vor. (The Freudian Left, Ithaca, NY 1990, S. 58f)

Der englische Philosoph Jeremias Bentham (1748-1832) begründete den „Utilitarismus“, den Herbert Marcuse die „ausschließlich individualistische Lösung der Frage nach dem Glück“ vorhielt (ebd., S. 187). Vorher im Buch merkt Robinson an, daß Reichs Begriff „Sexualökonomie“ weniger eine Synthese von Freud und Marx sei, „sondern in der Tat mehr einem Gemenge von Freud und Adam Smith ähnelt“ (ebd., S. 16).

Ähnliche Einwände werden noch heute gegen Reichs Adaption des Marxismus angeführt, z.B. von Sebastian Hartmann und Siegfried Zepf in ihrem an Marx’ Haß auf Max Stirner („Sankt Max“) gemahnenden Aufsatz „Sankt Wilhelm und die wahre Wahrheit eines ‘wahren Sozialisten’“ (Der „Fall“ Wilhelm Reich, Hrsg. von Fallend und Nitzschke, Frankfurt 1997). Auf eine sehr überzeugende Weise wird dort Reichs Konzept der „Arbeitsdemokratie“ mit dem kapitalistischen System gleichgesetzt. Der Leser sei auf diese Bloßstellung des „reaktionären“ Biologismus Reichs verwiesen.

Orgonometrie (Teil 1): Kapitel II.1.c.

20. April 2015

orgonometrieteil12

II. Der orgonomische Funktionalismus

1. Die orgonotische Strömung

a. Orgonotischer Kontakt

b. Die funktionelle Identität von objektiven Vorgängen und subjektivem Erleben

c. Varianten der orgonotischen Strömung

Das Orgon und die Kunst (Teil 3)

19. April 2015

An anderer Stelle habe ich bereits eine Beobachtung von Elsworth F. Baker über den Wind erwähnt:

Ende 1950 saßen Baker und einige andere Orgonomen abends mit Reich zusammen im Obergeschoß von Reichs Anwesen auf Orgonon. Baker schreibt, daß der Wind damals „stöhnte“ und er fährt fort: „Heute (1978) kann der Wind so stark blasen wie er will, ohne daß es stöhnt. Offensichtlich war es die Orgonenergie, die stöhnte. Ich merkte an, daß es klang, als ob die Orgonenergie leiden würde. Reich stimmte dem zu und wies darauf hin, daß sie Emotionen ausdrücken könne.“ 1950 litt die Atmosphäre noch emotional, heute, ein halbes Jahrhundert später, ist sie weitgehend auf ein rein mechanisches Funktionieren reduziert und kämpft in Form von „Unwettern“ verzweifelt um ihr Überleben. Sie ist schon fast tot – und keiner weiß, wovon überhaupt die Rede ist, wenn man darauf hinweist!

Ich selbst habe den Eindruck, daß die Atmosphäre früher lebendiger war. Aber das könnte natürlich auch an mir, meinem eigenen Alterungsprozeß, liegen und es ist schwer bis unmöglich darüber mit irgendjemanden zu reden. Allenfalls kann man die Dimension Zeit durch die des Raumes ersetzen, etwa wenn man von Nizza nach Hamburg fährt, d.h. von einem Gebiet, das unmittelbar an Saharasia grenzt, in eine noch ziemlich DORfreie Region. (Zum Nordpol hin nimmt das DOR wieder zu.)

Eine Möglichkeit, in die Vergangenheit der atmosphärischen Orgonenergie zu blicken, ist die Kunst, in der Emotionen unmittelbar ausgedrückt werden: Literatur, Poesie, vor allem aber die Musik. Ein denkbar direkter Weg, das ORANUR und DOR der Atmosphäre auf der Zeitachse zu verfolgen, könnte die Malerei sein.

Ein Forscherteam um Christos Zerferos vom National Observatory in Athen hat die vielen Bilder von Sonnenuntergängen untersucht, die im Laufe der letzten Jahrhunderte gemalt wurden. Die Atmosphärenphysiker ermittelten anhand der farblichen Darstellungen, wie viel Vulkanstaub, der besonders farbenprächtige Sonnenuntergänge erzeugt, sich in der Atmosphäre befand.

Auf dem Gemälde „Sonnenuntergang“ von William Turner aus dem Jahr 1833 dominieren beispielsweise glühende Rottöne. Solche Sonnenuntergänge könnten in diesem Jahr tatsächlich typisch gewesen sein: 1831 war der Vulkan Babuyan auf den Philippinen ausgebrochen. Ein Bild Turners aus dem Jahr 1828 wird dagegen von einem eisblauen Himmel bestimmt.

Die Forscher wählten mehr als 500 Gemälde aus der Zeit zwischen 1500 und 1900 aus. 54 der Bilder waren in einem Zeitraum von drei Jahren nach einer größeren Vulkaneruption entstanden. In den vier Jahrhunderten hatten sich elf Vulkanausbrüche von katastrophalem Ausmaß ereignet.

Zerefos und seine Kollegen ermittelten bei allen Werken das Verhältnis von Rot- zu Grüntönen und rechneten dies in einen Index um, der die Menge von Schwefel-Aerosolen in der Atmosphäre der mittleren Breiten der nördlichen Hemisphäre angibt. Das Ergebnis stimmte erstaunlich gut mit anderen Meßreihen der Vulkanaktivität überein, schreiben die Forscher.

Sie kommen zu dem Schluß, daß die Künstler die natürlichen Farbenverhältnisse recht präzise wiedergeben und daß Kunstwerke eine bislang ungenutzte Fundgrube für Umweltinformationen aus früheren Jahrhunderten sein können.

Was das mit unserem Thema zu tun hat? Da die Maler die Umwelt offensichtlich ziemlich akkurat widergegeben haben, könnte man mit Hilfe entsprechender Gemälde die Entwicklung von ORANUR und DOR in der Atmosphäre im Laufe der Jahrhunderte verfolgen!

Beispielsweise konnte der Meteorologe Hans Neuberger 1970 nachweisen, daß der Himmel auf Gemälden, die zwischen 1550 und 1849 entstanden, also zur Zeit der „kleinen Eiszeit“, erwartungsgemäß 10 bis 15 Prozent mehr Wolken zeigt, als man nach heutigen Maßstäben erwarten sollte. Dazu untersuchte er 12000 Gemälde aus 41 Museen.

 

Das Orgon und die Kunst (Teil 2)

18. April 2015

1949 veröffentlichte Reichs Schüler Alexander Lowen im Orgone Energy Bulletin einen hervorragenden Artikel über „The Impressionists and Orgone Energy“. Reich habe ihn darauf hingewiesen, daß man anhand der Bilder von Van Gogh ersehen kann, daß dieser die pulsierende Orgonenergie in der Atmosphäre wahrgenommen hat.

Lowen versucht dies, neben Van Gogh, auch bei Monet, Cézanne, Seurat und Gauguin aufzuzeigen.

Monet hat durch seine Malerei als erster den Raum in seiner Tiefe („Dreidimensionalität“) gezeigt: nicht nur als bloßes Koordinatensystem, sondern als eine „vibrierende Realität“.

Cézanne hat das Orgonenergie-Feld um alle Objekte wahrgenommen und in seinen Bildern festgehalten.

Seurat hat in seinem „Pointilismus“ die „Orgonenergie-Teilchen“ dargestellt, die man mit dem bloßen Auge wahrnehmen kann, wenn man „ins (vermeintlich) Leere“ blickt.

Gauguin hat nicht den Raum zum Thema seiner Bilder gemacht, sondern die lebensspende Erde mit ihren Orgonenergie-Bläschen (Bione).

Lowens Arbeit ist hier natürlich arg verkürzt widergegeben.

Reich selbst hat nach dem ORANUR-Experiment zur Entspannung mit dem Malen angefangen. Seine damalige Frau Ilse Ollendorff erinnerten seine Bilder stark an den expressionistischen Maler Munch.

[Reich] malte ganz wild, zehn Bilder in zwei Wochen, große Ölbilder. Er setzte die Malerei fort, wenn immer er auf Orgonon war. Seine Bilder haben einen ganz bestimmten Charakter, mit starken leuchtenden Farben, und ich finde sie faszinierend nicht als große Kunstwerke, sondern als kennzeichnende Ausdrücke seines Wesens. (…) Reich war besonders gefesselt von dem Problem, daß man nicht wirklich imstande ist, alle Farben und das Licht um uns herum genau wiederzugeben. Das auf den Blättern, auf dem Wasser, in den Wolken und auf den Blumen reflektierte Sonnenlicht erregte sein besonderes Interesse, ebenso der Widerschein der Flammen eines Feuers. Er malte die Themen immer wieder von neuem. In einem Brief an Neill im Juni 1951 schrieb er: „(…) [Malen] lehrt mich viel über unsere elenden Fehlschläge, die Natur wirklich so zu sehen, wie sie ist. Es ist unglaublich, herauszufinden, daß man nicht weiß, wie Sonnenlicht einen Baum beleuchtet, und daß keine Farbe existiert, die genau die wirklichen Farben von Sonne und Tageslicht wiedergeben kann. (…)“ (Wilhelm Reich, München 1975, S. 141f)

Die Farbe des Tageslichts nannte Reich „Orgonit“.

Reichs Bilder sind auf der Weltseite des Wilhelm Reich Museums zu finden.

Als nächster Maler wäre Reichs Mitarbeiter und Schwiegersohn William Moise zu nennen.

Was die Bilder von William Moise (1922-1980) ausdrücken, zeigt folgende Stelle aus seinem 1970 erschienenen Buch The Taste of Color, The Touch of Love:

Wir machen keine Liebe. Wir machen keine Farbe und wir machen kein Bild. Es sollte sich anfühlen, als ob Liebe die Farbe erschaffen hätte, als ob daraufhin die Farbe Form hervorgebracht hätte, daß die Form das Gemälde erzeugte und daß schließlich das Gemälde den Künstler hervorgebracht hat. Ein Kunstwerk sollte das Gefühl zum Ausdruck bringen, daß der Künstler während seiner Erschaffung sich in es verliebt hat.

Peter Ind ist ein zeitgenössischer Maler, der explizit die atmosphärische Orgonenergie darstellen will.

Es sei auch der abstrakte Maler Kenneth Noland erwähnt, der eng mit dem American College of Orgonomy verbunden war, Lorcan Kilroy und nicht zuletzt Jabcob Meyerowitz (hier und hier).

Hat hier James Rizzi die Kreiselwelle in den Himmel gemalt?

Das Orgon und die Kunst (Teil 1)

17. April 2015

Was ist Kunst? In unserer mechanistischen Kultur führen solche Fragen zu ermüdenden intellektuellen Verrenkungen, die nirgendwo hinführen bzw. darin enden, daß wirklich jeder Scheißdreck als „Kunst“ anerkannt wird, solange nur genug sogenannte „Kunstexperten“ behaupten, es sei Kunst.

Natürlich kann man nicht einfach sagen, daß Kunst das ist, „was gefällt“. Resultat wäre die Sanktionierung all der Scheußlichkeiten, die uns die Trivial-„Kultur“ schenkt. Doch es gibt etwas jenseits der Beliebigkeiten des Intellekts und oberflächlicher Gefühlsseligkeit: die Erstrahlung der Orgonenergie im Solar plexus.

Am besten hat das vielleicht Ernst Bloch, der zur Zeit der Weimarer Republik in Berlin Musikkritiken schrieb, ausgedrückt, als er über eine Fidelio-Aufführung unter dem Dirigenten Otto Klemperer sagte: „Nirgends brennen wir genauer.“ Er meinte damit ein Maximum an künstlerischer Expression unter einer genauso großen sachlichen künstlerischen Kontrolle. Klemperer selbst berief sich danach immer wieder auf den Ausspruch des Philosophen.

In der Kunst geht es weder darum, „animalisch“ seine Emotionen auszudrücken, noch wie ein Computer irgendwelche abstrakten Konzepte zu verwirklichen, sondern um die höchste Potenz unseres Menschseins: ein genauso extremes wie präzises „Brennen“.

Man spürt dieses Brennen in den Werken Michelangelos und jedes anderen großen Künstlers. Es ist gleichzeitig ein emotionaler und ein intellektueller Genuß. Es ist nicht nur ein Genuß; wir wachsen an dieser Kunst. Sie macht uns „fruchtbarer“, wie Nietzsche sich ausgedrückt hat. Sie bringt uns in Kontakt mit unserem rationalen Kern.

Kunst, die uns von unserem rationalen Kern wegführt, unser Menschsein mindert, ist das Gegenteil von Kunst. Sie hat mit Kunst ungefähr so viel zu tun wie ein koprophiler Sadomasoporno mit der genitalen Umarmung. Ich habe mich bereits an anderer Stelle mit diesen elenden Orgonomie und Kultur auseinandergesetzt.

2006 leitete der mexikanische Aktionskünstler Santiago Sierra, dessen Generalthema „soziale Ungerechtigkeit“ ist, tödliches Kohlenmonoxid in eine ehemalige Synagoge in Pulheim-Stommeln bei Köln. Damit wollte der „Künstler“ die Gewißheit des individuellen Todes vermitteln und gegen die Banalisierung der Erinnerung an den Holocaust arbeiten.

Ein typisches Beispiel für das Ausleben der Sekundären Schicht, d.h. faschistischer Phantasien, – im Namen von Humanität und Aufklärung. Miguel Freund von der „Christlich-Jüdischen Gemeinschaft“ in Köln sagte dazu damals im WDR-Fernsehen:

Es ist eine Schändung derjenigen, um die Herr Sierra meint, sich kümmern zu müssen. Er spielt sich zum Sachwalter auf der Opfer. Dies steht ihm nicht zu. Diese Provokation ist einfach nicht hinnehmbar.

Zum „Schaffen“ von Herrn Sierra gehört eine Aktion, bei der er kubanischen Arbeitslosen Linien auf den Rücken tätowierte. Ein Roter Faschist lebt sich aus!

Und nun zur Beschäftigung derartiger Leute mit dem Orgon selbst. Etwa das „Kunst“-Projekt des Hörspiel-Autors Andreas Ammer und des Musikers Console:

Am Ende glaubte Wilhelm Reich ein Abkömmling einer himmlischen Rasse zu sein. Da hatte er alle Probleme der Menschheit gelöst. Als Psychiater hat er als Erfinder der „Sexuellen Revolution“ die ganze Menschheit befreit, später als eine Art „Mad Scientist“ das Rätsel des Lebens, die Orgonenergie entdeckt, mit der man nach seiner Ansicht Krebs heilen, Regen machen und UFOs bekriegen kann.

Das ganze am 2. Oktober 2009 auf Bayern 2. Auf der Netzseite wurde ein Orgonenergie-Akkumulator gezeigt – aus lebensenergetisch hochtoxischem Aluminium!

Have You Ever Heard Of Wilhelm Reich? funktioniert wie ein Musical des Weltgeists oder ein akustischer Orgon-Accumulator“ und ist auch im Buchhandel erhältlich.

Erinnert sei auch an die große Wilhelm-Reich-Ausstellung 2007 im Jüdischen Museum Wien, an der sowohl das Wilhelm-Reich-Museum in Rangeley, Maine, als auch das American College of Orgonomy teilgenommen haben. Hier der Kommentar des Wilhelm-Reich-Museums zu einer „Kunstausstellung“ in einem kleinen Raum neben den Räumlichkeiten, in denen Wilhelm Reich präsentiert wurde:

Gleich zu Beginn wurde uns eröffnet, daß es die Ausstellung eines „Künstlers“ über Reich geben würde, worauf wir sofort unsere ernsten Bedenken anführten, die auf vorangegangenen Erfahrungen mit Künstlern basierten. Aber der Inhalt wurde uns nie zur Kenntnis gebracht und es war noch nicht installiert, als der Vertreter des [Wilhelm Reich] Trust am 9. November 2007 im Jüdischen Museum Wien war, um das Auspacken unserer beiden Kisten mit Ausstellungsstücken zu beaufsichtigen.

Die Ausstellung des „Künstlers“ ist mit „Eine Reise mit Herrn Reich und Oz Almog [der Künstler] durch die Tore der Hölle“ betitelt und beinhaltet die folgenden Behauptungen: „Phänomene, die heute als ‘Elektrosmog’ bezeichnet werden, brachten den exzentrischen Wissenschaftler dazu, an die Existenz von ‘Orgon’ zu glauben.“ „Glaube und Inspiration, nicht strenge Methodik, führten Reich in immer bizarrere Gebiete und führten schließlich zu einem Energiekonverter und einer Wettermaschine, die als ‘Cloud Buster’ bezeichnet wird.“ „Die Erben Reichs bilden heute eine fanatische und häufig esoterisch inspirierte Anhängerschaft.“ „Geisterforscher Reich…“ „…Schöpfer eines pseudowissenschaftlichen Disneyland.“

Hier diverse Künstler, die sich dem dem Reichschen Werk angenommen haben:

 

 

Kommentare erübrigen sich!

Ich habe bereits in Gegenorgonomie (Teil 2 ) auf eine „Kunstaktion“ mit dem Cloudbuster hingewiesen.

Im Staatlichen Museum für Kunst und Design in Nürnberg „neuesmuseum“ lief 2006 die Ausstellung Kunst als Kommentar. Im Faltblatt zur Ausstellung und auf dem Plakat sieht man ein orgonakkumulator-artiges Gebilde:

Die Gefahren von Körpertherapien: Drei Fallstudien (Teil 8)

16. April 2015

DIE ZEITSCHRIFT FÜR ORGONOMIE

Charles Konia: Die Gefahren von Körpertherapien: Drei Fallstudien (Teil 8)

acologo


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