Orgonometrie (Teil 2): Kapitel 6.g.

28. April 2016

orgonometrieteil12

1. Zusammenfassung

2. Die Hauptgleichung

3. Reichs „Freudo-Marxismus“

4. Reichs Beitrag zur Psychosomatik

5. Reichs Biophysik

6. Äther, Gott und Teufel

a. Der modern-liberale (pseudo-liberale) Charakter

b. Spiritualität und die sensationelle Pest

c. Die Biologie zwischen links und rechts

d. Der bioenergetische Hintergrund der Klassenstruktur

e. Die Illusion vom Paradies und die zwei Arten von „Magie“

f. Die gesellschaftlichen Tabus

g. Animismus, Polytheismus, Monotheismus

Bioenergetik im alltäglichen Medizinbetrieb

27. April 2016

Es kann leicht der Eindruck entstehen, daß die Orgontherapie auf lange Behandlungszeiträume ausgerichtet ist und bei akuten Problemen kaum helfen kann. Nichts könnte der Wahrheit ferner sein. Tatsächlich ist es so, daß in den meisten Akutfällen die medizinische Orgonomie effektiver ist als die Schulmedizin, teilweise sogar die einzige effektive Hilfe zu bieten hat. Das gilt nicht nur für den psychiatrischen, sondern sogar für den allgemeinmedizinischen Bereich. Ich erinnere nur an den selbsterlebten Fall, den ich hier neulich in einem Leserbrief zum besten gab:

Eine 80jährige Verwandte, die für Außenstehende eher wie eine 60jährige wirkte, war in ihrer Wohnung hingefallen und kam nicht wieder hoch. Mein Bruder, der sie zufällig besuchen wollte und zum Glück einen Schlüssel hatte, fand die nach einem halben Tag auf dem Fußboden ganz verzweifelte alte Dame. Auf mein telefonisches Drängen hin brachte er sie ins Krankenhaus, weil sie sich beim Robben durch die Wohnung beide Ellenbogen aufgerissen hatte. Sie sollte nur richtig verbunden werden, stattdessen insistierten die Ärzte, daß sie ein paar Tage zur Kontrolle im Hospital bleiben solle. Aus Angst, daß sie erneut hinfällt und wegen Personalmangel bzw. Bequemlichkeit, zwang man sie drei Tage lang praktisch ununterbrochen im Bett zu bleiben. Resultat? Die für ihr Alter erstaunlich sportliche Frau, die unmittelbar nach dem Sturz festen Schrittes bei der Notfallaufnahme erschienen war, konnte nach den drei Tagen nicht mehr selbständig gehen und wenn wir gemeinsam durch den Krankenhausflur gingen, wollte sie nach wenigen Schritten sofort zurück und sich hinsetzen, aus panischer Angst wieder hinzufallen. Es hatte sich ein klassischer Fall von Fallangst entwickelt, wie Reich ihn in Der Krebs beschreibt. Hätten die Ärzte nur einen Funken bioenergetisches Verständnis gehabt, die Frau wäre nicht innerhalb von drei Tagen Jahrzehnte gealtert („geschrumpft“). Der Kontrast war wirklich erschreckend!

Allein schon diese Kontaktlosigkeit (ich hätte beinahe geschrieben „institutionalisierte Kontaktlosigkeit“)! Auch ohne Reich gelesen zu haben, weiß jeder, daß, wenn man mal vom Pferd gefallen ist (oder ähnliches), man sofort wieder aufsitzen muß – oder man wird sich nie mehr trauen. Wenn jemand hinfällt und die Gefahr besteht, daß er „Fallangst“ entwickelt, schont man ihn nicht, indem man ihn zu tagelanger (vollkommen sinnloser!) Bettruhe zwingt, „damit er nicht nochmal hinfällt“, sondern man insistiert, daß er jetzt gerade so viel aufrecht steht und spazieren geht wie nur irgend möglich (natürlich mit den entsprechenden Sicherungen, etwa einem Rolator).
Diese Kontaktlosigkeit, diese Ignoranz, diese Dummheit und Idiotie! Ich war schlicht fassungslos.

Die alte Dame hat Monate gebraucht, um zumindest einigermaßen buchstäblich „wieder auf die Beine zu kommen“. Ganz knapp am Dauerpflegefall vorbei. Und das alles nur, weil ich auf eine gute Wundverpflegung bestanden hatte.

Das, was einen Organismus lebendig macht, ist die Pulsation der Orgonenergie in einer Membran. Ist das hohe Energieniveau, das diese außerordentlich kräftige Pulsation aufrechterhält, nicht mehr aufrechtzuerhalten, bleibt beispielsweise das Herz stehen, tritt sehr schnell der Tod ein. In Windeseile zersetzt sich das, was pulsierte, „das Fleisch und die Innereien“, bionös und es bleibt das sozusagen „steinerne“ Knochengerüst zurück, daß unter den richtigen Bedingungen Jahrhunderte, wenn nicht viele Jahrtausende überdauern kann.

Nicht ohne Grund wird der Tod durch Knochen symbolisiert. Von allen Strukturen des Körpers scheinen sie am weitesten vom „Lebendigen“ entfernt. Sie entsprechen damit unseren Werkzeugen, etwa Lanzenspitzen aus Stein, die uns ebenfalls überdauern. Um so erstaunlicher ist die Tatsache, daß die Knochen das räumliche Zentrum des Körpers ausmachen, der kaum mehr ist als ein „mit Fleisch umwickeltes Gerüst“. Entsprechend schlägt sich der Zustand der organismischen Orgonenergie unmittelbar im Knochengerüst nieder. Man denke nur an Ernst Kretschmers Konstitutionslehre (Körperbau und Charakter, 1921), die wir bereits an anderer Stelle diskutiert haben.

Sie gilt zwar als weitgehend überholt, doch bei der einen oder anderen Beobachtung springt sie doch sinnhaft ins Auge. Der sich formende Charakter schlägt sich, leider Final, auch im sich ausformenden Skelett nieder. Man denke nur an Haltungsschäden, die unmittelbarer Ausdruck des emotionalen Zustandes sind. Der „Buckel“, der „die Last der Welt“ tragen muß oder etwa das zurückgezogene Becken, das Sexualangst signalisiert. Siehe dazu auch die orgonmedizinische Analyse der Skoliose.

In Der Krebs beschreibt Reich, wie ebenso am Ende des Lebens, d.h. wenn der Orgonenergie-Spiegel wieder sinkt, Knochen ganz besonders empfindlich auf den orgonotischen Zustand des Organismus reagieren. Reich beschreibt auch, wie umgekehrt Knochenbrüche durch ihren Einfluß auf die „Psyche“ (d.h. die Emotionen) den orgonotischen Zerfall ungeheuer beschleunigen. Das ist nicht nur bei den Krebspatienten der Fall, die Reich untersucht hat, sondern desgleichen bei Senioren, die kurz vor dem natürlichen Tod stehen. Jeder, der mit solchen Menschen zu tun hat, weiß welche zentrale Rolle in diesem Zusammenhang die „Fallangst“ spielt, die Reich bei Krebspatienten beschrieben hat. Der Rolator ist mehr eine seelische als eine körperliche Stütze. Er ist eine „energetische Stütze“ – was auch ziemlich genau die eigentliche Funktion des Skeletts widergibt!

Osteoporose ist in erster Linie eine Sache der Seele. So wurde vom 117. Kongreß der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin 2011 berichtet:

Depression und Osteoporose gehen oft Hand in Hand. Den Zusammenhang von Depression und abnehmender Knochendichte belegte eine große Metaanalyse. Dabei ist der Knochendichteverlust nicht nur eine Folge des veränderten Lebensstils depressiver Patienten mit Nikotin- und Alkoholkonsum sowie mangelnder Bewegung, betonte PD Dr. Kai G. Kahl, Hannover. Die Dysregulation des Streßhormonsystems und der relative Hyperkortisolismus beeinflussen die Knochendichte ebenfalls negativ. [Reich hat das im Begriff „Sympathikotonie“ zusammengefaßt!] „Das Knochenkompartment [der Raum, den die Knochen einnehmen] ist quasi ein Gedächtnis für Aktivität und Streß“, meinte Kahl. Dazu kommen ein negativer Einfluß bestimmter Antidepressiva auf die Knochendichte und ein erhöhtes Sturzrisiko (INFO Neurologie & Psychiatrie, Juni 2011).

Man sieht, wohin eine Medizin führt, bei der nicht energetische, sondern rein mechanische und chemische Überlegungen im Mittelpunkt stehen! Immerhin ist jedoch zu konstatieren, daß beim neusten Antidepressivum diese Probleme nicht auftreten:

Agomelatin (Valdoxan) führt nicht zur Orthostase [Schwindel beim Aufstehen, tritt interessanterweise auch bei Jugendlichen auf, die besonders groß und schlank sind] oder Sedation [Dämpfung des Zentralen Nervensystems, „Beruhigung“]. Die Substanz wirkt als Agonist an den Melatoninrezeptoren MT1 und MT2 und als 5-HT2c-Antagonist synergetisch auf den zentralen Taktgeber der inneren Uhr im Nucleus suprachiasmaticus. Prof. Göran Hajak, Bamberg, bezeichnete die Substanz deshalb als potenten Rhythmusstabilisierer. Wie wichtig die zirkadiane Rhythmik ist [also die dem Organismus inhärente Pulsation über den Tag hinweg], zeigt die erhöhte Mortalität bei der Dysregulation der Schlaf-Wach und Aktivitätskurve bei Depression. Bei schlechtem oder zu wenig Schlaf steigt zudem das Sturzrisiko. Kommen Hypnotika oder bestimmte Antidepressiva dazu, erhöht dies die Sturzrate älterer Patienten weiter – mit der Folge von Hüft- und Oberschenkelhalsfrakturen (ebd.).

Irgendwie erahnt die mechanistische Medizin einen Zusammenhang zwischen orgonotischer Pulsation und Skelett!

Die energetische Betrachtungsweise ist der materialistisch-mechanistischen fast immer überlegen! Die letztere ist sozusagen eine bloße „Hilfsdisziplin“ der ersteren. Alles andere ist gemeingefährliche Quacksalberei.

Morton Herskowitz beschreibt in „Treatment of an Episode of Catatonic Mutism“ (The Journal of Orgonomy, Vol. 2, No. 1, March 1968) einen Fall aus seiner Tätigkeit in der Notaufnahme eines Allgemeinen Krankenhauses. Es geht um einen Patienten, der von seiner Frau in die Notaufnahme gebracht worden war, weil er bewegungslos vor sich hinstarrte und auf seine Umwelt nicht mehr reagierte. Ab und an zeigte sich auf dem sonst ausdruckslosen Gesicht eine gewisse Irritation, er blickte dann auf seinen Unterarm und rieb ihn mit der anderen Hand.

Herskowitz interpretierte dies als Versuch des Patienten energetische Bewegung und Kontakt wiederzuerlangen. Offenbar war das psychotische Gleichgewicht noch nicht ganz hergestellt, so daß die Möglichkeit bestand den Patienten „zurückzuholen“. Herskowitz setzte sich vor ihn hin und versuchte Augenkontakt herzustellen. Gleichzeitig nahm er die Hände des Patienten und streichelte sie sanft.

Nach etwa einer Viertelstunde begann der Patient seine Hände ungläubig anzuschauen und den Umriß der Finger der einen Hand mit denen der anderen nachzuzeichnen. Wobei der Therapeut ihm versicherte, dies sei seine Hand, seine eigene Hand.

Auf diese Weise löste ihn Herskowitz, indem er ihn beispielsweise „mütterlich“ in den Arm nahm, langsam aus seiner katatonen Erstarrung. Der Patient wurde in den Arm genommen, als er infolge des Streichelns, und der so erzeugten Bewegung von Energie („e-motion“), Zeichen von Traurigkeit zeigte. Das In-den-Arm-nehmen führte zu einem kurzen Weinen, wodurch sich die Atemsperre lockerte. Dies führte wiederum zu noch mehr energetischer Bewegung und entsprechend zu mehr Kontakt.

Die Augenpanzerung (das „Weggetretensein“) wurde durch die Herstellung von Augenkontakt und das Erklären der einfachsten Dinge, Vorgänge und Beziehungen angegangen. Als sich der Patient mit seinem leeren Blick beispielsweise für das Kissen zu interessieren begann, das auf dem Behandlungstisch lag, auf dem der Patient saß, zeigte ihm Herskowitz den Stoffbezug, nahm das Kissenfutter heraus und tat es wieder hinein, wobei er alles in einfachen Worten erklärte. Auf diese Weise lernte das Gehirn wieder Zusammenhänge herzustellen und wie gewohnt zu funktionieren.

Normalerweise kommen Patienten aus solchen katatonen Zuständen erst nach wochen- oder gar monatelanger Behandlung mit Neuroleptika, Elektrokrampftherapie oder Psychotherapie wieder heraus. Herskowitz schaffte das innerhalb weniger Stunden.

Es hat etwas zutiefst Beunruhigendes, daß die mechano-mystischen Ärzte nicht die geringste Vorstellung davon haben, was in solchen Patienten vor sich geht. Die kaum vorhandene Atmung, die „Sprachlosigkeit“, der leere Blick, die Ticks, das Berühren des eigenen Körpers bis hin zur Selbstverstümmelung sind für sie nur Ausdruck einer „gestörten Hirnchemie“ (Mechanismus), sie „gehören zum Störungsbild“ (Mystizismus, so als sei „das Störungsbild“ eine „platonische Idee“, die sich offenbart!).

Tatsächlich haben diese Symptome alle eine eindeutige Funktion: Die eingeschränkte Atmung mindert den Energiefluß und damit die Angst, die den Patienten „in den Wahnsinn treibt“. Entsprechend muß der Patient ganz langsam lernen, die Angst zu ertragen. Die orale Blockade weist auf tiefsitzende Abhängigkeitswünsche hin, die Augenblockierung auf die Spaltung zwischen Erregung und Wahrnehmung, d.h. den zentralen Mechanismus der Schizophrenie. Das Agieren schließlich ist tragischer Ausdruck des verzweifelten Versuchs des Organismus, irgendwie den energetischen Kontakt wiederherzustellen.

Psychiater sehen so etwas nicht. Es ist, als wenn ein Irrer einem anderen Irren gegenübersitzt. Einer kontaktloser als der andere!

Orgonometrie (Teil 2): Kapitel 6.f.

26. April 2016

orgonometrieteil12

1. Zusammenfassung

2. Die Hauptgleichung

3. Reichs „Freudo-Marxismus“

4. Reichs Beitrag zur Psychosomatik

5. Reichs Biophysik

6. Äther, Gott und Teufel

a. Der modern-liberale (pseudo-liberale) Charakter

b. Spiritualität und die sensationelle Pest

c. Die Biologie zwischen links und rechts

d. Der bioenergetische Hintergrund der Klassenstruktur

e. Die Illusion vom Paradies und die zwei Arten von „Magie“

f. Die gesellschaftlichen Tabus

Idealistische und materialistische Psychoanalyse

25. April 2016

Die Lektüre von Fritz Erik Hoevels Wilhelm Reichs Beitrag zur Psychoanalyse (Freiburg 2001) hat mich daran erinnert, worum es bei Reichs Auseinandersetzung mit der damaligen Psychoanalyse fundamental ging. Sie war vollständig in mystisches Fahrwasser geraten, wurde immer „idealistischer“, „Jungianischer“, d.h. die gesamte Realität löste sich in „Symbole“ auf: Flugzeuge waren Phallussymbole, das Bestellen der Felder war ein Sexualakt, etc. Jung hatte Freuds ursprüngliche Gleichsetzung des Unbewußten mit dem Verdrängten aufgehoben und zwar im Sinne eines „primären Unbewußten“ und damit die Inhalte der Panzerung, die sekundäre Schicht, für „archetypisch“ erklärt, d.h. ihnen außergeschichtlichen Ewigkeitswert zugesprochen. Das spätere Freudianische Gefasel über den „primären Masochismus“ und das „primäre Schuldgefühl“ ging in die gleiche Richtung. Reichs Interesse am Dialektischen Materialismus bildete ein notwendiges Gegengewicht gegen diesen mystischen Unfug, denn es verankerte seine sich formierende „Sexualökonomie“ in der gesellschaftlichen Realität (die Arbeiterbewegung beruhte auf ökonomischen, nicht „ödipalen“ Ursachen), konfrontierte ihn über die politische Praxis mit der ökonomischen Realität und bot generell ein weltanschauliches Gegengewicht gegen die „Psychologie“, d.h. das Denken in Symbolen, das Freud von Anfang an in den Mittelpunkt gestellt hatte und das sich schließlich „Jungianisch“ verselbständigen sollte.

Reichs Auseinandersetzung mit den „Entartungen“ der Psychoanalyse war ein Kampf gegen die Mystik und damit, ganz im Sinne Lenins, eine dezidiert linke Angelegenheit. Als er sich im Laufe der 1930er Jahre zunehmend weg von der Psychologie und hin zur Medizin orientierte, wurde er auf existentielle Weise mit der mechanistischen Lebensanschauung konfrontiert, was seine politische Haltung entsprechend nach rechts verschob.

Hier gibt es jede Menge schlagender Gegenargumente, etwa daß Psychologen und Psychiater generell eher links stehen, „Somatiker“ eher rechts, doch bei einer tieferen Durchdringung der Materie ist es offensichtlich, daß Reich Anfang der 1930er Jahre gegen den Nationalsozialisten „C.G. Jung“ (d.h. gegen Psychoanalytiker, die eine funktionelle Entsprechung Jungs waren) kämpfte und dann in Amerika gegen die Stalinistin „Mildred Brady“ und den mechanistischen Geist, den sie verkörperte (die Pharmaindustrie und „Moskau“). Es geht um funktionelle Zusammenhänge und nicht um das, was man in einem Dialog an Argumenten zusammenklauben kann, um die Beweisführung des Gegenübers zu unterminieren. Was soll das bedeuten „funktionell“? Es ist eine Sichtweise, die darauf blickt, worauf jeweils das Geschehen, die Abfolge, der Ablauf, die Tätigkeit, der Vorgang, der Prozeß, die Theorie hinausläuft. Oder wie Hoevels schön sagt: „Alle Psychoanalytiker untersuchten […] nur die Ursachen der Orgasmusstörungen, aber höchst selten und niemals systematisch ihre psychischen Folgen. Sie wären sonst auf die psychische Funktion des Orgasmus gestoßen“ (Hoevels, S. 102).

Die zunehmende „Vergeistigung“ der Psychoanalyse konnte nur dazu führen, daß sie ihres gesellschaftskritischen, aufklärerischen Kerns verlustig ging. Die zunehmende Mechanisierung der Medizin kann nur in der Vernichtung des Menschen selbst münden, der zu einer Art seelenlosen Biomaschine wird, ohne Emotionen, ohne Gefühle. Der Mystizismus, dem die Psychoanalyse mehr oder weniger zwangsläufig anheimfiel, ist die Domäne der Rechten, der Mechanismus, der der Linken. Darauf läuft es jeweils hinaus.

Das bringt mich zu einem Punkt, der mich in Hoevels Buch geradezu schockiert hat. Hoevels tritt als das Sprachrohr Reichs auf, jedenfalls des Reichs, der bis etwa 1935 wirkte. Er sagt alles über die Orgasmustheorie, die Charakteranalyse, die Auseinandersetzung mit der mystischen Entartung der Psychoanalyse, etc., was man sagen muß, Hoevels leugnet aber einen, wenn nicht den zentralen Punkt: er trennt säuberlich außerwissenschaftliche, d.h. interessengeleitete, politische Wertungs- von wissenschaftlichen Sachfragen (Hoevels, S. 54, 67f). Konkret geht es um die Auseinandersetzung zwischen Freud und Reich über die Neurosenprophylaxe, die nach einer Änderung der gesellschaftlichen Verhältnisse verlangt. Hoevels zufolge ging es bei dieser zentralen Frage einfach um Taktik und Strategie. Reich zufolge kann es aber keine „unpolitische“ Wissenschaft geben (siehe auch meine Ausführungen in Orgonometrie (Teil 2): Kapitel 5.a.), da sich das Sollen zwangsläufig aus dem Sein ergibt. Oder anders ausgedrückt: wir denken nicht „idealistisch frei“, sondern unser Denken spiegelt nur die reale Bewegung der Funktionen wider. Das war Reichs Auffassung vom Dialektischen Materialismus. Aus diesem Grund kann es auch keine „Debatten“, keine „Diskussionen“ geben. Zu sagen, daß Freud von seiner Warte aus recht hatte, ist absurd. Oder wie Reich es zusammenfaßte: „Arbeit (Wissenschaft) statt Politik!“ – Ja, es war Freud der politisierte, nicht etwa Reich! Funktionell betrachtet!

Es ist bezeichnend, daß die Stelle bei Hoevels, die der Orgonomie am nächsten kommt, nämlich die Auseinandersetzung mit dem Über-Ich („Wo Über-Ich war, soll Ich sein!“) gleichzeitig die absurdeste Stelle ist. Ich muß das zitieren, denn referieren kann man solche Ergüsse nicht: – Ähh, nein, ich kann hier unmöglich zwei bis drei ganze Buchseiten zitieren, wo einzelne Sätze teilweise ein Drittel einer Seite einnehmen. Also, aaarggghhh, referiere ich:

Das psychische Geschehen ergibt sich, so Hoevels, aus dem Zusammenstoß der „genetisch programmierten Eigenschaften der Einzelwesen“ mit der Umwelt. Nur in diesem Rahmen kann das psychische Geschehen eine Eigengesetzlichkeit entwickeln. Das bedeutet nach Freud Einschränkung der menschlichen Selbstherrlichkeit und Abwehr. Aber hat Freud damit recht? Ist er auf eine Rationalisierung im Auftrag des Über-Ich hereingefallen? Ein unter Aufsicht stehender KZ-Häftling wird einem Außenstehenden wohl kaum die Wahrheit über die Zustände im KZ sagen, genauso stellt sich die Frage, ob wir die Wahrheit sagen, wenn wir im Griff des Über-Ich sind, hinsichtlich der Zumutungen, die uns Kopernikus, Darwin und Freud zugefügt haben, und wir dabei über die niedrige Herkunft unsere Bedürfnisse lamentieren. Und, – ich gebe auf und zitiere doch:

Denn jener unter dem Himmelszelt befindliche Weltmittelpunkt, den Kopernikus als Illusion erwies, fungiert bei den ausnahmslos religiös motivierten Anstoßnehmern an dem großen polnischen Wiederentdecker Aristarchs von Samos doch nur als Präsentierteller eines sehr gefährlichen und anspruchsvollen cälikolen Beobachters und Verfolgers, die angebliche Schöpfung des Menschen durch denselben als Quelle lästigster Dauerdankerei und anmaßendster Folgsamkeitsansprüche, die sogenannt „höheren“ Motive bei näherer Betrachtung als nichts anderes als Gehorsamsleistungen, Heteronomien, Dienste an fremdem Willen, gewöhnlich an hypostasierten Kollektiven, bloßen Waitorekes sozusagen, um mir ein Privatwort zu gestatten. (Das muß nun nicht unbedingt der „Wille Gottes“ sein, von dessen Erfüllung das „höhere Motiv“, d.h. das vom Überich gebilligte und verstärkte oder noch genauer: von einem heteronomen, also vom Uberich ausgehenden Ich-Ideal getragene Motiv, seine Rangerhöhung über die „niederen“, d.h. autonomen, erhält; es läßt sich mit dem Kulturfortschritt in der Art W. Schlamms auch säkularisieren, genauso, wie es vor der Spätantike auch noch keine gar so enge Verbindung mit einem oder mehreren Himmelsbewohnern eingegangen war. „Vaterlandsliebe“ klingt heute recht „verstaubt“, so wenig es das vor hundert Jahren tat, weil der seit 1990 alleinherrschende Monoimperialismus dieses „höhere Motiv“ aus naheliegenden Gründen nicht schätzen kann, so wenig wie Cäsar ein „gallisches Nationalbewußtsein“, und Liebe verlangt Uncle Sam von seinen globalen Vasallen noch nicht, er begnügt sich außer mit deren Geld völlig mit dem eifrigen Lobpreis seiner schwindelerregenden moralischen Überlegenheit über all die Schurken, die ihm nicht gehorchen wollen, seiner Freiheitlichkeit und unermüdlichen Menschenrechterei. Aber wie wäre es denn für den ganz modernen Menschen als „höheres Motiv“, das sich nicht restlos von den Trieben ableiten läßt, den Menschen auf dem Boden der fdGO, dessen Lebensinhalt von der Arbeit, dem Befehls- und Gefühlsempfang per Glotze, der Erzeugung von Kindern, die neuen Müll machen und machen werden, und der Mülltrennung restlos eingenommen wird, mit „Umweltbewußtsein“? Der auffälligste und zugleich wichtigste Zug des Überichs ist neben der Konstanz seiner Struktur und Funktion vor allem die Beliebigkeit seiner Inhalte – was aufgrund seiner Genese auch nicht anders sein kann. So kann da ein neuer Uberich-Satz lauten: „Wir haben die Erde von unseren Kindern nur geborgt“ – aber dagegen steht nun einmal die Ichleistung, daß ich als vernünftiger Mensch Kinder so wenig vermisse wie ein guter katholischer Pfarrer, wäre statt dessen lieber, z.B. per Genmanipulation, selber unsterblich, dazu ohne mir die Mängel des Tithonus einzuhandeln.) Und so stoßen Ich und Überich naturgemäß und tausendfach zusammen, wie es gerade die biologische ebenso wie die psychoanalytische Zurückführung aller Wünsche auf ihren Ursprung zeigt. (Hoevels, S. 84-86)

Es ist nicht wichtig, was Hoevels hier in seiner Einführung in Reichs Orgasmustheorie schreibt, denn der Inhalt ist durchaus richtig und offensichtlich („Wo Über-Ich war, soll Ich sein!“), sondern wie er es schreibt: das bizarr kopflastige und fast schon schizophrene Geschwurmel belegt ein vom Über-Ich zerfasertes Ich. Und worauf läuft das ganze hinaus? In einem von Hoevels Grundtopi: Haß auf Kinder und ein Plädoyer für die seelenlose, aber dafür unsterbliche Biomaschine! (Siehe meine Ausführungen über das mechanistische Scheusal Hoevels hier und hier.)

OK, ich muß das ausführen. Nehmen wir nur folgende mal wieder merkwürdig deplazierte Aufstellung. Ein Psychoanalytiker entblößt seine seelischen Leiden… Und das wieder in einem Zusammenhang, wo es um das Über-ich geht:

Niemand will tatsächlich einen lebensfähigen Säugling, der sich ja nicht beim Klapperstorch hatte bestellen können und insofern ein wahrhaft unschuldiges Kind ist, verhungern lassen oder töten, Entkleidungen oder Tierstimmenimitationen während öffentlicher Kulthandlungen vornehmen oder stundenlang mythologische Personen schmähen (…). Aber sehr wohl viele einen lästigen Säugling vermeiden oder loswerden – oder sich um die Teilnahme an den Kulthandlungen einer Religion drücken, der sie einen großen Teil ihrer persönlichen Leiden und Mängel verdanken; sehr wohl lehnen viele jede Religion ab oder empfinden, davon unabhängig oder zusätzlich, die Vorherrschaft einer bestimmten als Zumutung und Bedrohung. (Hoevels, S. 213)

Worauf ich hinaus will: die Psychoanalyse ist gefangen: einerseits tendiert sie zu einer Jungianischen Mystik, behält sie aber ihren aufklärerischen Kern bei, mündet sie zwangsläufig in einer alptraumhaften Mechanik. Beide Male ist sie rettungslos verkopft und kontaktlos: entweder ist alles „Symbol“ oder der Mensch wird zu einer Art „Hirnmaschine“. Auf jeden Fall sind Psychoanalytiker unangenehm „zerebrale“ Zeitgenossen, weil die aus der Verdrängung befreite Libido im Gehirn gebunden wird.

Reich hat diese mechano-mystische Falle verlassen, als er über seine Beschäftigung mit Marx, Engels und Lenin hinaus zum biologischen Fundament durchbrach: buchstäblich zum Körper („charakteranalytische Vegetotherapie“) und zur greifbaren Lebensenergie („die Entdeckung des Orgon“).

psychhoevels

Orgonometrie (Teil 2): Kapitel 6.e.

24. April 2016

orgonometrieteil12

1. Zusammenfassung

2. Die Hauptgleichung

3. Reichs „Freudo-Marxismus“

4. Reichs Beitrag zur Psychosomatik

5. Reichs Biophysik

6. Äther, Gott und Teufel

a. Der modern-liberale (pseudo-liberale) Charakter

b. Spiritualität und die sensationelle Pest

c. Die Biologie zwischen links und rechts

d. Der bioenergetische Hintergrund der Klassenstruktur

e. Die Illusion vom Paradies und die zwei Arten von „Magie“

Reichs „Sozialpsychiatrie“ (Teil 2)

23. April 2016

Ähnlich wie in der CORE-Arbeit betrachtete sich Reich auch in der Sozial-Psychiatrie als den einzigen, der genug Erfahrung besaß, um sie praktisch ausüben zu können. Noch 1946 hatte Reich geschrieben, daß man im sozialen Verkehr nicht die Techniken der charakteranalytischen Behandlung anwenden könne (Walter Hoppe: Wilhelm Reich, München 1984, S. 514, siehe auch Reichs Vorwort zu Der Krebs).

Die Praxis sollte sich für ihn als verhängnisvoll erweisen, denn ihre Anwendung fand die entwickelte Sozial-Psychiatrie in seiner Gerichtsverhandlung, die er nicht mit juristischen Tricks (die in der Grundlagenforschung nichts zu suchen haben), sondern mit wissenschaftlichen (medizinischen und sozialhygienischen, d.h. dem Thema immanenten) Mitteln durchstehen wollte. Er beklagt die „charakterologische Fehlkalkulation“ in Gerichtsprozessen, „das Vernachlässigen der irrationalen Motive bei kriminellen Handlungen und bei Rechtsentscheidungen“. Deshalb wollte er in seinem öffentlichen Verfahren die irrationalen Motivationen seiner Gegner bloßlegen, wie er es früher im Behandlungszimmer unter vier Augen getan hatte (vgl. Jerome Eden, Hrsg.: Earth on Trial, Idaho 1988, S. 41f).

Das ständige Offenlegen und Infragestellen der Motivation anderer ließ Reich für den Uneingeweihten als paranoiden Verrückten erscheinen, der überall dunkle Machenschaften sieht. Man kann sagen, daß Reich diesem letzten seiner wissenschaftlichen Experimente zum Opfer gefallen ist, da man erstens dergestalt nicht mit der unpersönlichen Justiz und Bürokratie umgehen kann und zweitens auf diese Weise der Mythos von Reichs angeblicher paranoider Schizophrenie aufkam (bzw. die „definitive Bestätigung“ fand), der bis heute die Rezeption seines Werkes erschwert.

Hinzu kam Reichs unangenehm totalitär wirkende, da die Gewaltenteilung unterminierende, Forderung, an den Gerichten „Kommissionen für Sozial-Pathologie“ einzurichten, wie er es bereits in seiner eigenen Organisation mit der Aufstellung des EPPO (Emotional Plague Prevention Office) vorexerziert hatte. Was für „Stalinistische“ Untertöne dies hatte, zeigt sich an folgendem Beispiel: Bei einem Treffen mit seinen Schülern brachte er das Gerücht zur Sprache, daß ihre finanziellen Beiträge für den orgonomischen Forschungsfonds in seine Taschen wandern würden. Er hatte festgestellt, daß viele der Ärzte von den Gerüchten wußten, aber keiner ihnen nachgegangen war, wodurch sie, seiner Meinung nach, zu verstehen gaben, daß die Gerüchte vielleicht etwas für sich hatten. Reich zog dies ans Licht und sagte, daß er nun kein Geld mehr annehme, „bevor nicht all dieser Schmutz und Mist aus der Arbeit entfernt worden ist“.

Dem Tondukument dieses Treffens folgend beschreibt ein heutiger Student der Orgonomie das weitere Geschehen wie folgt:

Die Ärzte einer nach dem anderen zur Rede stellend fragte er: „Was haben Sie sich dabei gedacht? Warum haben Sie nichts gegen das Gerücht getan? Warum haben Sie Geld gegeben? Was dachten Sie, wohin es gehen würde? Haben Sie es freiwillig gegeben?“ Nach viel Drucksen und Gestottere (man konnte sich das Sichwinden bildhaft vorstellen) war das Hauptgefühl, das bei den meisten Doktoren aufzusteigen schien: „Ich fühlte mich schuldig, auf ihren Schultern zu reiten“, und: „Ich dachte, Sie würden das Geld verdienen, daß es für Laborausrüstung und so was verwendet wird“. Mit anderen Worten, keiner von ihnen kannte seine eigenen Beweggründe genau oder hatte es auf sich genommen herauszufinden, wozu ihre Beiträge dienen würden. (…) Die Einheitlichkeit von Reichs Herangehensweise war offensichtlich und seine Hartnäckigkeit emotionalem „Dreck“ hinter den Kulissen nachzugehen war bewundernswert. Dies war eine beeindruckende Demonstration dessen, was er als die Ausübung der praktischen Sozial-Psychiatrie bezeichnet hat. Nachdem die Atmosphäre gereinigt war, endete das (…) Treffen mit der Bemerkung: „Ich fühle mich nun viel besser, wo alles raus ist“, was bei allen Anwesenden Anklang fand. (Pulse of the Planet, No. 3, S. 100)

Wie können sich Erwachsene in der Öffentlichkeit (in einer individuellen Therapiesitzung ist es etwas anderes) derartig vorführen und zur Schnecke machen lassen? Fragwürdig ist auch die begeisterte Reaktion des heutigen Studenten der Orgonomie. Das ganze erinnert beklemmend an die Art, wie die Kommunisten mit ihren eigenen Leuten umgesprungen sind, insbesondere an die Versammlungen während der chinesischen Kulturrevolution, wo „Abweichler“ sich vor der Gruppe selbst anklagen mußten. Was für ein totalitäres System könnte sich aus der Orgonomie entwickeln!

Hier gehört auch her, wie Ilse Ollendorff den Reich vom Anfang der 1950er Jahre beschreibt:

Reich fürchtete zu dieser Zeit, daß ich weggehen könnte. Er fürchtete sogar, daß ich ein Gegner werden und ihn verleumden würde. Um sich dagegen zu schützen, benutzte er jetzt genau dieselben Methoden, die er so wütend bei anderen, besonders bei den Stalinisten, bekämpfte. Er verlangte immer wieder von mir, „Geständnisse“ über meine Gefühle der Furcht vor der Arbeit niederzuschreiben, über gelegentliche Gefühle von Furcht vor ihm und Haß gegen ihn, und er nahm diese „Geständnisse“ an sich und schloß sie ein. (Wilhelm Reich, München 1975, S. 150f)

Andererseits kann man Reichs Herangehensweise, bei der Einzelne aus der Gruppe herausgegriffen werden, auch vor dem Hintergrund betrachten, daß das Individuum in der Masse zur Irrationalität neigt. Meist ist die irrationale Meinung des Einzelnen eine Funktion der Gruppe, zu der er gehört. Die Masse ist der Sitz der irrationalen Ideologie, die das Individuum vertritt. Nimmt man es aus der Masse heraus, erweist es sich als unerwartet einsichtsvoll und klug. Reich hat versucht, den Einzelnen zur Besinnung zu bringen, ihn wachzurütteln. Dabei benutzte er die Gruppe, denn die ist, wie er aus seiner Sexpol-Arbeit wußte, nicht nur Sitz der Irrationalität, die ein Hitler ausnutzen konnte, sondern auch Schlüssel zum rationalen Kern.

Im Kampf gegen die Emotionelle Pest rät Reich u.a.:

Wenn nötig enthülle offen deine Schwachpunkte, sogar deine Geheimnisse. Die Menschen werden verstehen. („Truth Versus Modju“ Orgone Energy Bulletin, Vol. 4, S. 162-170)

Die Masse funktioniert irrational, wenn sie aus Monaden besteht, die voreinander ihr Innenleben hinter einer Maske verbergen. Wird diese Maske weggezogen und der Einzelne im Kontext der Gruppensituation angesprochen, ist der Zauber der Massenirrationalität gebrochen: das natürliche Empfinden betritt den sozialen Schauplatz. Nichts anderes ist „Sozialpsychiatrie“.

Diese diffizile Dialektik von „anonymer Masse“ und Individuum ist das Geheimnis des Gegensatzes von Politik und faschistischer Irrationalität auf der einen und Arbeitsdemokratie und Rationalität auf der anderen Seite. Es ist der Gegensatz von Blauem Faschismus und Orgonomie. Es ist eine Gratwanderung, die der Menschheit den finalen Todesstoß versetzen könnte, sollte die Orgonomie in die falschen Hände geraten. Oder wie Reich im Rückblick auf seine Sexpol-Zeit sagte: „Ich hätte ein Führer sein können wie Hitler“ (Myron R. Sharaf: „Further Remarks of Reich: 1949“The Journal of Orgonomy, 7(1), S. 113-116, May 1973).

Reichs „Sozialpsychiatrie“ (Teil 1)

22. April 2016

In seiner Sexpol-Arbeit um das Jahr 1930 herum wollte Reich den neurotischen Widerstand unterlaufen, indem er den „individuellen moralischen Hemmungen“ eine „kollektive Atmosphäre der Sexualbejahung“ entgegensetzte (Massenpsychologie des Faschismus, Fischer TB, S. 175). In seinen Massenveranstaltungen wurde die Gehemmtheit, der Intellekt und seine Kontrollfunktion umgangen und die Emotionen direkt angesprochen. Dergestalt gelang es ihm bis zur arbeitsdemokratischen Kernschicht des Charakters vorzudringen, der Grundlage jedes echten sozialen Verhaltens. Man könnte behaupten, daß er in seiner Sexpol-Arbeit als erster Gruppentherapie angewandt hat (siehe das entsprechende Kapitel über „Die Praxis der Sexualökonomie“ in Reichs Buch).

In den gleichen Jahren hat der Demagoge Hitler ähnliche Massentechniken benutzt, um alle moralischen Hemmungen gegen seine rassistische „Herrenmoral“ wegzufegen und dergestalt die faschistische Mittlere Schicht der Charakterstruktur zu mobilisieren, die unter der zivilisierten Fassade des Massenmenschen bedrohlich lauert. Durch diese Mobilisierung hätte er beinahe die ganze Menschheit in den Untergang getrieben. Doch wie Reich zeigte, kann man dieses Potential auch für das Gegenteil nutzen: den Weg aus der Falle weisen durch Mobilisierung der arbeitsdemokratischen Kernschicht. Man denke nur an evangelikale Massenveranstaltungen in Amerika, wo teilweise tatsächlich der Kern mobilisiert wird, was dann aber sofort in mystische Kontaktlosigkeit umbiegt. Es ist ganz einfach überwältigend, was in so einer Evangelisationsveranstaltung freigelegt wird. In der Massenatmosphäre kommt es zu Ausbrüchen, zu denen der auf sich allein gestellte Einzelne nicht in der Lage wäre.

Erinnert sei auch an heutige Rockveranstaltungen und insbesondere die Beatlemania der 1960er Jahre, wo gesittete junge Mädchen unter spastischen Zuckungen Schreikrämpfe bekamen. Wozu wurde diese ungeheure Energiefreisetzung genutzt, mit der man die Welt auf den Kopf, bzw. auf die Füße hätte stellen können? Immerhin wurde die 68er „Revolution“ ins Leben gerufen, die für die Reich-Renaissance verantwortlich war, ohne die wir alle wahrscheinlich nie von Reich gehört hätten. Vielleicht hat nicht viel gefehlt und es wäre zu einer echten Sexuellen, bzw. Biologischen Revolution gekommen. Und dies wurde nicht durch das unverständliche Intellektualisieren der Studenten entzündet, sondern allein durch den ausschließlich emotionalen Appell, der von der Rockmusik ausging.

Es sei daran erinnert, daß die Hitler-Bewegung direkt aus dem hypnotisierenden Musiktheater Wagners hervorgegangen ist und dessen ästhetische Mittel der Massenbeeinflussung genutzt hat. Man siehe Reichs Kritik an der Aufklärungsarbeit der KPD und sein „Lob“ für die Massenarbeit der Faschisten, die die Menschen nicht „aufklären“ wollten, sondern ihre (sekundären) Gefühle ansprachen.

Wäre die Musik der 1960er Jahre weniger eine, wie Reich es ausdrückt, „Fickermusik“ („rock and roll“!) gewesen, wäre alles weniger auf neurotische Rebellion zugeschnitten gewesen, hätte man der Jugend bessere Leitbilder gegeben, hätte man das Problem der Genitalität angegangen, wären keine Drogen, mystischen Lehren und politischen Ideologien im Spiel gewesen – vielleicht sähe die Welt heute anders aus.

Leider mußte Reich in Äther, Gott und Teufel konstatieren, daß das Sekundäre für den gepanzerten Menschen anziehender ist als das Primäre – und deshalb jeder Appell an die Emotionen ein Spiel mit dem Feuer ist. Nicht von ungefähr ist die individuelle Therapie so langwierig, die Herstellung von Rationalität so aufreibend und problematisch. Um wieviel gefährlicher muß da die „Massentherapie“ sein! Man denke in diesem Zusammenhang an den Personenkult („Führerkult“), der sich um nicht-pestilente zentrale Therapiefiguren wie Reich, Walter Hoppe und insbesondere Elsworth F. Baker jeweils kristallisiert hat. Bezeichnenderweise sind nach dem Ableben der zentralen Figur die jeweiligen Gruppierungen zerfallen. Man sollte sich auch nicht wundern, daß sich immer wieder pestilente Therapeuten der Reichschen Techniken bedienen, um ihre sadistischen Bedürfnisse auszuleben und einen faschistischen Kult um sich herum zu scharen. (Es war verblüffend, daß, wenn man eine beliebige Gruppe von „jungen Reichianern“ vor sich hatte, ausgerechnet die offensichtlich schlimmsten Neurotiker eine Therapie-Ausbildung machen wollten.)

Reich war sich dieser fatalen Mechanismen bewußt und hat sicherlich auch deshalb seine Tätigkeit als „Massentherapeut“ und später sogar als individueller Therapeut aufgegeben. Die Figur des Helfers, der denen „da unten“ hilft, ist mit den Prinzipien der Arbeitsdemokratie ohnehin unvereinbar. Unvereinbar – wenn nicht das Problem der Schere, die sich zwischen den Forderungen der rationalen Arbeitsdemokratie und der irrationalen Struktur der Massen auftut, bestände. Die Massen sind unselbständig, verantwortungslos und kindisch – und neurotisches Verhalten verlangt autoritäre Maßnahmen (Reich). Der heutige Mensch

ist im Grunde hilflos, freiheitsunfähig und autoritätssüchtig, denn er kann nicht spontan reagieren; er ist gepanzert und erwartet Befehle, denn er ist widerspruchsvoll und kann sich auf sich selbst nicht verlassen. (Die Funktion des Orgasmus, Fscher TB, S. 176)

Reich hat ein Gutteil seiner Massenpsychologie des Faschismus einem Beispiel für diese autoritäre Vorgehensweise gewidmet: Lenin, der durch die autoritären, un-arbeitsdemokratischen Maßnahmen einer therapeutischen „Erziehungsdiktatur“ die Menschen (nach Reichs grotesk falscher Interpretation der Intentionen Lenins) zur Arbeitsdemokratie führen wollte. Kombiniert mit Reichs Kritik an der ineffizienten Propagandatechnik der Kommunisten haben wir hier erste Ansätze einer „orgonomischen“ Massentechnik vor uns.

Der Konflikt zwischen dem Gefahrenpotential, das in der Massentherapie steckt, und der Notwendigkeit einer massentherapeutischen Herangehensweise, was beides in der widersprüchlichen Charakterstruktur der Massen begründet ist, fand schließlich in den 1950er Jahren seine Lösung, als Reich die „Sozial-Pathologie“, „Sozial-Psychiatrie“, bzw. „soziale Biopsychiatrie“ entwickelte. Vor dem Hintergrund seiner neuen Einsichten griff er dabei auf seine Sexpol-Zeit um 1930 zurück, wie er in seiner letzten Petition ans Oberste Gericht vom 10. Jan. 1957 ausdrücklich sagt (Jerome Eden, Hrsg.: Earth on Trial, Idaho 1988, S. 41). Neben Reichs Eingaben an die Gerichte ist sein Interview mit Kurt Eissler ein weiteres Dokument der „sozialen Psychiatrie“. Hier werden die Probleme der Sozial-Psychiatrie im historischen Kontext seiner psychoanalytischen Anfänge erläutert (Reich Speaks of Freud).

Dergestalt stand für Reich die Sozial-Psychiatrie zentral in seinem Lebenswerk und verband dessen Endpunkte: seine Anfänge als Charakteranalytiker und sozialer Aktivist in Wien mit seinem in die CORE-Arbeit eingebetteten Kampf gegen die FDA in Amerika. Die Sozial-Psychiatrie kann geradezu als Kulminationspunkt seiner Laufbahn betrachtet werden, da hier seine gesamte Entwicklung in ein einheitliches Gebilde floß. Man findet, zusammen mit CORE-Arbeit, eine Rückbesinnung auf Reichs angefangenes Jurastudium, auf seine „Marxistische“ Gesellschaftsanalyse („Higs“, Gangster in der Regierung, irrationale Geschäftsinteressen der Großindustrie gegen die orgonomische Medizin, etc.), sowie auf die rein verbale Vorgehensweise der Psychoanalyse und ihren konzeptionellen Rahmen.

Im Gerichtsprozeß blieb der wahre Angreifer, der Drahtzieher, im Hintergrund verborgen. Er benutzte – und mißbrauchte – seelisch kranke Menschen: Voyeure, Leute, die sich persönlich angegriffen fühlen durch meine Enthüllungen über den „Kleinen Mann“ (…), phallisch-sadistisch-homosexuelle Menschen, die ihre Bewunderung für mich, und ihren Wunsch von mir behandelt zu werden, so zum Ausdruck brachten, wie sie es in meiner Arztpraxis tun würden: durch Messerattacken, durch sadistisches Verspotten, Verleumdungen, oder – als schizoider Charakter – durch tatsächliche Versuche mich zu ermorden. Diese Beispiele mögen genügen, um zumindest etwas von der Pathologie im Hintergrund freizulegen; passiv-homosexuelle Menschen, die sich dem phallischen Charakter unterwerfen, dem Drahtzieher der Verschwörung. (Earth on Trial, S. 41)

Für Reich war Cloudbusting und CORE-Arbeit „planetarische Medizin“, soziale Massenaktion, Massentherapie, Öko- und Sozial-Hygiene: mit Verschwinden der „atmosphärischen Panzerung“ (DOR) hat der Kern wieder die Möglichkeit sich zu entfalten.

Cannabis und Hirnfraß

21. April 2016

Cannabis ist wohl die gefährlichste Droge überhaupt. Im krassen Gegensatz zum Alkohol schränkt sie die mentalen Fähigkeiten kaum ein. Einzige gewichtige Ausnahme scheint das verbale Gedächtnis zu sein, das auch dann vom langandauernden Cannabis-Konsum langfristig und offenbar irreversibel geschädigt wird, wenn man die fast immer vorhandenen Risikofaktoren bei Cannabis-Konsumenten aus den Untersuchungsergebnissen rausrechnet, als da wären mangelnde körperliche Betätigung und Depression, sowie Alkohol-, Nikotin- und genereller Drogenmißbrauch. Der Schaden ist desto größer, je mehr Joints in der Vergangenhet geraucht wurden.

Ein Topwissenschaftler oder Topmanager, der im Alkoholrausch nur noch Blödsinn von sich gibt, kann unter dem Einfluß von Cannabis stehen und trotzdem volle Leistung bringen. Das gleiche gilt zwar auch beispielsweise für Kokain und insbesondere Heroin, aber die gelten ja im Gegensatz zu Cannabis als „harte Drogen“. Entsprechend gewinnt Cannabis immer mehr an gesellschaftlicher Akzeptanz, weil bei jedem kritischen Einwand sofort einer der besagten Leistungsträger aufsteht und sich outet. Und zum Schluß der alle Diskussionen beendende Einwand: „Noch niemand ist an Cannabis gestorben!“

Kritiker stehen dergestalt rasch als kleingeistige (und vor allem lustfeindliche) Idioten da. Diese Entwicklung ist aus orgonomischer Sicht einfach nur verheerend, weil Cannabis grundlegender als jede andere Droge die Bioenergetik des Menschen verändert. („Esoteriker“ würden von „feinstofflicher Ebene“ sprechen.) Diese bioenergetischen Veränderungen entsprechen durchweg der schizophrenen Biopathie.

  1. Durch den Cannabiskonsum wird das Orgonenergie-Feld des Organismus zunehmend „schmutziger“, d.h. immer mehr von DOR bestimmt. Gleichzeitig dünnt es aus und „zerfasert“ („spaced out“). Das geht soweit, daß einem „normalen Menschen“ die körperliche Nähe eines chronischen Cannabiskonsumenten schlichtweg unerträglich ist.
  2. Die bioenergetische Erregungsfähigkeit wird nach und nach reduziert, wodurch beispielsweise die Sexualität zu einem rein mechanischen Akt wird. Orgontherapie wird eine Sache der Unmöglichkeit! Die Konsumenten streben aber genau das an: „Chillen“, Angstfreiheit (Erregungsfreiheit).
  3. Emotionen werden in Sensationen überführt bis dieser Zustand chronisch wird. Siehe dazu meine Ausführungen in Die Massenpsychologie des Buddhismus.
  4. Unter dem Einfluß von Cannabis öffnet sich das Augensegment zunächst. Entsprechend berichten Konsumenten von weltbewegenden Einsichten in die verlogene Welt der „Spießer“. Jedoch kommt es schnell zu einer heftigen reaktiven Kontraktion und die okulare Panzerung verschlimmert sich zunehmend. Charakteristischerweise werden die vertretenen Verschwörungstheorien immer abstruser.

In welchem Ausmaß Cannabis das Augensegment (jedenfalls bei Menschen mit einer entsprechenden Disposition) angreift, zeigt eine MRT-Langzeitstudie. Schizophrene Patienten wurden im Abstand von fünf Jahren mit dem Magnetresonanz-Tomographen untersucht. Die erste Untersuchung erfolgte bei ihrer ersten psychotischen Episode. Eine Untergruppe bestand aus schizophrenen Cannabiskonsumenten.

Wie nicht anders zu erwarten, lag der Verlust an grauer Hirnsubstanz bei den Schizophrenen deutlich höher als bei der Kontrollgruppe. Bei den kiffenden Schizophrenen war die Verdünnung des Kortex jedoch wiederum auffallend größer als bei den abstinenten Schizophrenen, auch waren zusätzliche Regionen des Kortex betroffen. Übrigens geht es hier nicht nur um bloßes „Schrumpfen“, sondern um irreversiblen Zellverlust.

Orgonometrie (Teil 2): Kapitel 6.d.

20. April 2016

orgonometrieteil12

1. Zusammenfassung

2. Die Hauptgleichung

3. Reichs „Freudo-Marxismus“

4. Reichs Beitrag zur Psychosomatik

5. Reichs Biophysik

6. Äther, Gott und Teufel

a. Der modern-liberale (pseudo-liberale) Charakter

b. Spiritualität und die sensationelle Pest

c. Die Biologie zwischen links und rechts

d. Der bioenergetische Hintergrund der Klassenstruktur

Alkohol, Junkfood und die emotionale Wüste

19. April 2016

Der Mystiker sieht, ähnlich einem Schizophrenen, überall Zusammenhänge, auch da, wo gar keine bestehen. „Es gibt keine Zufälle!“ Ein schönes Beispiel sind Verschwörungstheorien. Demgegenüber ist der Mechanist, ganz der neurotische Erbsenzähler und „Skeptiker“, wie blind für auch die offensichtlichsten Beziehungen. „Man darf keine voreiligen Schlüsse ziehen!“ Der Funktionalist hingegen betrachtet die Welt in erster Linie von den energetischen Prozessen her, die sich in den unterschiedlichsten Bereichen manifestieren können.

Beispielsweise zeigt sich die moderne Lebensfeindlichkeit (d.h. die Eindämmung der Lebensenergie) in der Konditionierung der Kinder auf McDonald-Fraß (Zucker und Fett) genauso wie in der „Emanzipation“ der Frau (d.h. der Zerstörung des Frauseins) und in vielen anderen Dingen, die oberflächlich betrachtet „nichts miteinander zu tun haben“.

Es beginnt im Bauch der Mutter. Eben wieder, als ich mir das Abendbrot gekauft habe: es ist jedesmal ein Stich ins Herz, wenn ich junge Mädchen und junge Frauen sehe, die mit einem dieser neumodischen Alkopops (oder wie auch immer das Zeugs sich nennt) in der Hand angeheitert um die Häuser ziehen. Gesellige Fröhlichkeit ist wohl nur noch unter Drogeneinfluß möglich! Ich könnte diesen dummen Gänsen, die zu allem Überfluß auch noch ständig paffen, jedesmal eine scheuern. Wissen sie nicht, daß in diesem Augenblick neues Leben in ihnen heranwachsen könnte; Leben, das sie mit Alkohol (und auch Nikotin) irreparabel schädigen?!

Die Neuro-Depesche kommentierte 2011 eine entsprechende Untersuchung einer US-amerikanischen Psychiater- und Pädiater-Gruppe (Wedekind D et al.) wie folgt:

Die toxische Wirkung einer Alkoholexposition in utero hat also auf die Struktur des sich entwickelnden Gehirns einen verheerenden Einfluß und kann sich in alltagsrelevanten kognitiven Beeinträchtigungen manifestieren. Sogar Personen, die keine groben Verhaltensauffälligkeiten zeigten, schnitten gegenüber den nicht-exponierten Teilnehmern nicht nur in den Tests schlechter ab, sie wiesen auch diverse hirnstrukturelle Veränderungen auf.

Konkret haben Menschen, die während der Schwangerschaft Alkohol ausgesetzt waren, ein signifikant geringeres Gesamthirnvolumen. Die Verringerung der Volumina betrafen insbesondere mediale Temporallappen-Strukturen und den Hippokampus.

Und die Tortur geht weiter: mit Fastfood, Fertiggerichten aus der Mikrowelle, Chips, Süßigkeiten und Cola. Northstone K et al. (University of Bristol) fanden in einer bevölkerungsbasierten Kohortenstudie, daß es einen kleinen aber hoch signifikanten Unterschied für die zukünftige Intelligenz ausmacht, wie Kinder ernährt werden.

Der IQ wurde im Alter von 8,5 und 14 Jahren erhoben und mit der Ernährung im Alter von 3 Jahren abgeglichen. Nahrungsmittel mit einem hohen Zucker- bzw. Fettgehalt korrelierten mit einer Verringerung des IQ um 1,67 Punkte. Eine gesundheitsbewußte Ernährung korrelierte hingegen mit einer Erhöhung des IQ um 1,20 Punkte.

Die Menschen werden nicht nur dumm, sondern auch traurig: Die israelischen Forscher German L et al. untersuchten in einer Querschnittstudie ältere Menschen im Alter von 60 bis 92 mit einem sozialökonomisch niedrigen Status dahingehend, ob sich eine Fehlernährung auf das Risiko auswirke an Depression zu erkranken.

Die Regressionsanalyse ergab, daß insbesondere jede zusätzliche Zufuhr von 1 mg Vitamin E und 1 g mehrfach ungesättigter Fettsäuren mit einem signifikant niedrigeren Depressionsrisiko einherging.

In diesem Blog habe ich wiederholt auf die Bedeutung von Omega-3 für unsere „Psyche“ (d.h. unsere Emotionen), unsere Intelligenz und nicht zuletzt für die Entwicklung im Mutterleib hingewiesen. Es ist nicht nur so, daß Alkohol und Nikotin das heranwachsende Leben im Mutterleib schädigt, auch Junkfood gehört hierzu. Mütter, die während der Schwangerschaft und des Stillens diese Scheiße in sich hineingestopft haben, verändern die sich bildenden Gehirne ihrer Kinder so, daß diese ebenfalls nach Junkfood süchtig werden. Auf diese Weise vernichtet sich beispielsweise Amerika über kurz oder lang selbst. Pommes, Chips und Co. machen einer prospektiven Studie der University of Las Palmas de Gran Canaria zufolge depressiv. Die Wissenschaftler um Almudena Sanchez-Villegas fanden eine nachteilige Beziehung zwischen dem Konsum von Transfettsäuren und dem Depressionsrisiko. Für einfach und mehrfach ungesättigte Fettsäuren und Olivenöl fanden sie dagegen einen leicht protektiven Effekt. Hier ein neuerer Forschungsbericht über Fischöl im Einsatz gegen Depressionen.

Aber zurück zum Alkohol – das zunehmende Komasaufen:

Wer als Jugendlicher Alkohol in großen Mengen trinkt, dem drohen einer französischen Studie zufolge dauerhafte Hirnschäden. Trinken bremst oder blockiert demnach in einigen Bereichen des Gehirns das vollständige Reifen der grauen Zellen, die üblicherweise erst zum Ende der Jugendzeit ganz ausgewachsen sind. Nahe der Stirn zeigten Kernspintomographien Betroffener teilweise bis zu 20 Prozent weniger graue Zellen. Zusätzlich vorgenommene Geschicklichkeitstests zeigten eine Schädigung bestimmter kognitiver Funktionen, etwa beim Planen von Aufgaben oder der Lösung von Problemen. Bestätigt wird das in einer Untersuchung von Chitra Mandyam (Kalifornien) an Primaten, in der vier Tiere über einen Zeitraum von elf Monaten täglich eine Stunde lang ein alkoholhaltiges Getränk mit Zitronengeschmack trinken durften, wobei Bluttests zeigten, daß die Tiere sich bis zu einem Alkoholspiegel betranken, der etwa 2,5 Promille beim Menschen entspricht. Nach einer zweimonatigen Abstinenzphase entdeckt man im Vergleich zu Tieren, die keinen Alkohol getrunken hatten, nach wie vor deutliche Veränderungen in der Struktur des Hippokampus. Man kann daher annehmen, daß regelmäßiger Alkoholkonsum auch bei Menschen langandauernde Effekte auf die Funktionen des Hippokampus zeigen.

Es ist beklemmend, wenn man miterleben muß, wie im Supermarkt Jugendliche mit Kennerblick die Spirituosenabteilung durchstöbern und sich Kinder von vielleicht 12 oder 13 in den Sommermonaten schon am Nachmittag auf öffentlichen Plätzen zusammenfinden, um sich bis in den Morgen hinein volllaufen zu lassen. Hier löst sich die Zukunft unseres Landes in Luft auf, aber niemanden scheint es zu kümmern.

Es geht nicht um zusätzliche „Jugendeinrichtungen“, Sozialarbeiter und ähnlichen Unsinn. Langeweile, innere Leere und die Unfähigkeit sich dem Gruppendruck zu widersetzen haben biophysische Ursachen, d.h. der Schaden ist schon längst angerichtet, ist Teil der biologischen Struktur geworden. Es sind Kinder, die in einer Umgebung herangewachsen sind, in der sie nur Störfaktoren für die „Selbstentfaltung“ der Eltern waren. Kinder, die emotional nicht ausreichend genährt wurden und innerlich verödeten, weil ihren Eltern die lächerliche „Karriere“ und alle möglichen Abwechslungen wichtiger waren, als ein heranreifendes Leben.

Eva Herman hatte recht wie kaum ein anderer Mensch in diesem sterbenden Land.

Was seit ungefähr 1960 vor sich geht ist die umfassende Zerstörung der biologischen Grundlagen unserer Zivilisation.

Hier ein kleiner Ausschnitt aus dem neuen Kulturkampf: Leben gegen Tod, der Konservative gegen den pestilenten modern liberal, gegen Satan in Menschengestalt.

Aus purer Neugier habe ich mir am vergangenen Montag zu mittag einen „1955er“ von McDonalds zugeführt – und mich den Rest des Tages beschissen gefühlt. Als nähme man pures DOR zu sich! Dieses Zeugs ist genauso ungenießbar und schlichtweg ekelhaft, wie das gesamte Paket der amerikanischen Unterschichten-„Kultur“: der süßliche Dreck, der aus den Radios quillt, die hirnzerfressenden Seifenopern im Fernsehen, die „Architektur“, die blasierten, vollkommen charakterlosen, von keinen tieferen Gedanken entstellten Puppengesichter der Menschen – einfach alles.

Es hat Zeiten gegeben, da haben sich die „einfachen Menschen“ mit Volksliedern unterhalten, Hering und sogar Lachs waren „Arme-Leute-Essen“ und die Abende verbrachte man mit Geschichtenerzählen, wenn man nicht in den Arbeiterbildungsverein ging.

Ich will nichts idealisieren, es gab auch Rachitis, Suff und Elend (etwas ganz anderes als bloße Armut), aber trotzdem – es gab auch so etwas wie Würde und Tiefe. Und genau das wird heute zerstört. Auf allen Ebenen und in jeder Hinsicht.

In Kaffee und ORANUR vor Kaffee gewarnt, gestern habe ich Diabetes als Schrumpfungsbiopathie beschrieben, die der Krebsbiopathie ähnelt, wie Reich sie in Der Krebs analysiert hat. Im folgenden soll nun gezeigt werden, wie diese drei Dinge zusammenhängen.

Da sein „genitales Ventil“ blockiert ist („orgastische Impotenz“) versucht der gepanzerte Mensch sein Energieniveau, und damit sein „Angstniveau“, so weit wie möglich zu senken. Primär geschieht dies durch eine eingeschränkte Atmung und durch eine eingeschränkte Lebensweise, in der sich alles um „Sicherheit“ dreht. Hinzu kommen legale und illegale Drogen und schließlich eine devitalisierende Ernährungsweise.

Wie in The Journal of Orgonomy (Vol. 2, No. 2, November 1968) dargestellt, hängt die Zuckerkrankheit mit einer chronischen orgonotischen Ladungsschwäche des Körpergewebes zusammen („Anorgonie“). Statt nach dem orgonomischen Potential, d.h. vom niedrigeren zum höheren Energiepotential hin, die Energiequelle Zucker aus dem Blut aufzunehmen, wird umgekehrt nach dem mechanischen Potential Zucker aus dem Organismus ausgewaschen. Der Organismus schrumpft buchstäblich.

Marie-Soleil Beaudoin (University of Guelph, Ontario) hat in einer Studie herausgefunden, daß gesättigte Fettsäuren, wie man sie im Fastfood-Fraß findet, die Fähigkeit des Körpers einschränken Zucker aus dem Blut zu absorbieren. Sechs Stunden nach der Aufnahme eines entsprechenden Fettcocktails wurde den gesunden Probanden ein Zuckergetränk gegeben. Danach lag der Blutzucker um 32 Prozent höher als bei jenen Probanden, die vor dem Zuckergetränk kein Fett zu sich genommen hatten.

In einer zweiten Versuchsreihe wurde den Versuchspersonen eine Stunde vor dem Zuckergetränk zusätzlich eine Koffeinmenge verabreicht, die zwei Tassen Kaffee entspricht. Bei dieser Gruppe lag der Blutzucker sogar um unglaubliche 65 Prozent höher als bei jenen, die weder Fett noch Koffein zu sich genommen hatten.

Man schaue sich um: unser gesamtes Verhalten, sogar unsere Ernährungsweise, ist unmittelbares Resultat unserer genitalen Misere. Tatsächlich ist es Selbstmord auf Raten. Da der Energieabfluß blockiert ist, muß die Energiezufuhr gedrosselt werden, um ein Platzen (d.h. hier Angst und Panikattacken) zu verhindern.

Besonders perfide ist dabei, daß die Mittel, mit denen wir den Energiezufuhr abwürgen, sich als energiespendende Aufputschmittel darstellen: Fett, Kaffee, Zucker – „das gibt Tinte auf den Füller!“ Eine perfekte Selbstmordapparatur.


Folgen

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.

Schließe dich 52 Followern an