“Kapitalistische Reichianer” (Teil 2)

3. März 2015

Ende der 1920er und Anfang der 1930er Jahre setzte sich Reich im Rahmen einer „Marxistischen“ „politischen Sexualökonomie“ fast ausschließlich mit der Pathologie des rechten Spektrums auseinander. Dabei wollte er insbesondere erklären, warum die „Massen“ nicht die Ideologie der „herrschenden Klasse“, die zur Ideologie der gesamten Gesellschaft geworden war, spontan von sich abtaten, „der wirtschaftlichen Entwicklung gemäß ein revolutionäres Klassenbewußtsein entwickelten“ und die „Ausbeuterklasse“ aus ihrer Machtstellung beseitigten.

Reich konnte das Ausbleiben dieser revolutionären Umwälzung damit erklären, daß wohl die ökonomische Unterdrückung in die Rebellion führe, die damit aber verbundene sexuelle Unterdrückung das genau gegenteilige Ergebnis zeitigte. Die sexuelle Unterdrückung würde autoritätshörige Menschen erzeugen, die aktiv die Interessen ihrer Unterdrücker verfechten. Die Agentur dieser charakterlichen Verformung durch sexuelle Unterdrückung ist die Familie, deren Erhalt deshalb der Kern jedweder konservativen Gesellschaftsdoktrin sei. Darüber hinaus sei erst der sexuell verkrüppelte Mensch überhaupt in der Lage, die entfremdete Fabrikarbeit zu leisten. Daß diese strukturelle Umformung auch weitere neurotische Symptome bedingt, die durchaus ungewollt sind, da sie die Arbeitsfähigkeit letztlich doch untergraben, ist ein nicht zu vermeidendes Nebenprodukt.

Eben wegen dieses letzten Punktes ist Reichs Kritik am Kapitalismus hinfällig geworden und hat sich in eine des Sozialismus verwandelt. Der entwickelte Kapitalismus benötigt kreative, innovative Mitarbeiter, keine menschlichen Automaten, die stur einen festgesetzten Plan erfüllen. Demgemäß war ja auch die sexuelle Unterdrückung in sozialistischen Wirtschaftssystemen weit größer als in kapitalistischen.

In seiner Schrift Die natürliche Organisation der Arbeit zeichnete sich 1939 Reichs Bruch mit der sozialistischen Bewegung ab, um sich in Weitere Probleme der Arbeitsdemokratie 1941 ganz zu vollenden. Am 7. November 1940 schrieb Reich an Neill, er fühle sich, was seine bisherigen sozialistischen Ansichten beträfe, „völlig verunsichert“ und er tendiere dazu,

das meiste zu revidieren, was ich je in Europa darüber gelernt habe, was Sozialismus sein könnte oder sollte. Ich kann nur hoffen, daß die Grundlagen meiner fachlichen Arbeit mich davor schützen, reaktionär zu werden. Wenn man Sozialisten und Kommunisten, die hier herübergekommen sind, sagen hört, daß Roosevelt ein Diktator oder Faschist sei, dann dreht sich einem einfach der Magen um. Ich fange an, sie zu hassen. Sie erscheinen mir ausgesprochen schädlich mit ihrer völligen Unfähigkeit, einen Gedanken zu Ende zu denken oder irgendeine Arbeit zu tun. Aber es kann sein, daß dies Gefühl zum Teil nichts als Enttäuschung ist.“ (Hervorhebungen hinzugefügt)

Doch schon 1942 sollte Reich im Vorwort zur Massenpsychologie des Faschismus die Grundlage für die objektive Bewertung linker Politik schaffen, indem er den falschen Liberalismus auf die oberflächliche, verlogene Charakterschicht zurückführte.

Heute, 70 Jahre später, geht es schlicht darum, was den Zielen der Orgonomie (= die individuelle und gesellschaftliche Selbststeuerung) näher steht: die libertär-kapitalistische eigentümlich frei oder all die krypto-kommunistischen Medien, die in einem Land gegen „die Auswüchse des Neo-Liberalismus“ wettern, dessen Staatsquote und Sozialleistungen (in denen Deutschland ungeschlagen Weltspitze ist) es zu einem de facto sozialistischen Land machen.

Was soll ich tun? Für noch mehr „Arbeitnehmerrechte“ eintreten? Damit noch weniger Leute Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben! Für mehr Mieterrechte? Damit der Wohnungsmarkt weiter schrumpft! Für mehr Konsumentenrechte? Damit unser aller Leben noch komplizierter und bürokratisierter wird! Mehr Mitbestimmungsrechte im Betrieb? Damit die politische Pest weiter um sich greift! Höhere Besteuerung der Reichen? Um die Kapitalflucht und das Auswandern der Leistungsträger zu fördern! Soll ich gegen die Ausgrenzung älterer Arbeitnehmer wettern? Damit würde ich für noch mehr Antidiskriminierungsgesetze eintreten! Soll ich in den allgegenwärtigen „Antiautoritarismus“ einstimmen und „gegen die da oben“ wettern? Also das tun, was ohnehin alle tun! Soll ich (gegen meine Überzeugungen) gegen die „Zinsknechtschaft“ anschreiben oder Marx Mehrwerttheorie vertreten?

Nein, ich ziehe es vor mit „Libertär-Kapitalisten“ wie Hayek, Mises und Rothbard gegen das planwirtschaftliche System der Zentralbanken und die politische Korruption der Großindustrie „anzugehen“.

Dabei bin ich mir mit Adam Smith durchaus bewußt, daß es der Natur des Kapitalismus entspricht wirklich aus allem „Kapital zu schlagen“ und seien es Heroin oder Kinderpornos. Deshalb war Smith durchaus für einen starken und schlagkräftigen Staat, der gegen das vorgeht, was Reich später als „Emotionelle Pest“ bezeichnet hat. Je mehr der Staat in dieser Hinsicht überflüssig wird, desto mehr nähern wir uns einer Arbeitsdemokratie an.

Die anhaltende Weltwirtschaftskrise spiegelt unser tragisches Leben in der Falle wider:

Einerseits ringen die Massen darum, daß alles noch bürokratisierter und gesellschaftlich immobiler (gepanzerter) wird und schaden sich durch das Abwürgen der Arbeitsenergie nur selbst, da die Produktion des Reichtums immer weiter erschwert wird. (Wenn man die Staatsquote von formal fast 50% und real 70% betrachtet, sind wir bereits ein sozialistisches Land! 80% der Parlamentarier sind eh Beamte. Der Asozialstaat verschlingt schon mehr als die Hälfte des Etats. Vor 20 Jahren gab der Bund 90 Milliarden Euro für Asolziales aus, heute sind es 150 Milliarden!) Andererseits haben die Massen durchaus recht, wenn sie gegen „die da oben“ anrennen, denn der gesellschaftliche Reichtum wird von der Nomenklatura immer mehr monopolisiert und sinnlos verpulvert. Man denke nur an den ungeheuerlichen Betrug, dem Kleinaktionäre in den letzten Jahren zum Opfer gefallen sind. Vom Betrug mit dem Euro und an den Kleinsparern wollen wir gar nicht erst reden.

Doch auch hier schädigen sich die Massen mit ihrem Engagement nur selbst, denn sie fordern die Verschärfung genau dessen, was Ursache der Misere ist: die „Kontrolle der Finanzmärkte“, letztendlich Planwirtschaft. Dabei ist die Ausbeutung nur möglich, weil Geld heute gar keine echte Ware ist, sondern planwirtschaftlich, d.h. mafiös verwaltet wird. Dieser Bereich ähnelt der strukturellen Mißwirtschaft in der ehemaligen UdSSR und erodiert entsprechend unsere Wirtschaft langsam aber sicher (vgl. Ökonomie und Sexualökonomie).

Symptomatisch für die umrissene Falle ist der vor drei Jahren verstorbene Ökonom Milton Friedman.

Konservative, insbesondere in den angelsächsischen Ländern, können sich in ihren Lobreden für diesen „Champion der Freiheit und Demokratie“ kaum überbieten. Der Student der Orgonomie kann bei Friedman über ein Phänomen sinnieren, das Reich in Äther, Gott und Teufel diskutiert hat:

Mit neurotischer Zwanghaftigkeit geht der Mensch immer wieder in die Irre, weil er eine panische Angst davor hat, folgerichtig zu denken. Stattdessen bleibt er immer an irgendeinem „Absoluten“ hängen, an dem sich dann von neuem das alte Elend kristallisiert und mit frischer Kraft perpetuiert. Es ist wie mit der Panzerung: die Energie fließt, bis sie an einem bestimmten Punkt ins stocken gerät.

Beim Friedmanschen „Monetarismus“ war es die sozialistische (sic!) Bewirtschaftung des Geldes. Die Wirtschaft soll vollkommen frei sein, aber ausgerechnet das Geld, das Lebensblut der Wirtschaft, habe einer strengen planwirtschaftlichen Regulierung unterworfen zu sein! Jene Völker, die in die richtige, und d.h. die kapitalistische, Richtung gehen, werden auf diese Weise immer weiter ins sozialistische Elend getrieben und die Linken können ihren Finger auf das Amok laufende „Finanzkapital“ richten, das Scheitern des Kapitalismus konstatieren und, wie gegenwärtig in Südamerika, ausgerechnet den Sozialismus als Alternative preisen.

An diesem Beispiel wird auch deutlich, daß es ziemlich gleichgültig ist, wie man sich selbst ideologisch einordnet oder von anderen eingeordnet wird. Man kann „Friedmanianer“ und trotzdem ein pseudoliberaler modern liberal character (ein Kommunist) sein, der alles tut, um die kapitalistische Gesellschaft in den Untergang zu treiben.

„Kapitalistische Reichianer“ (Teil 1)

2. März 2015

Einwürfe bzw. Einwände gegen meine „kapitalistische“ Interpretation der Arbeitsdemokratie sind nur allzu berechtigt, wenn man objektiv Reichs Konzept der Arbeitsdemokratie betrachtet, das in der frühen Phase wirklich kaum von anarcho-syndikalistischen und räte-kommunistischen Konzepten, wie sie beispielsweise Rudolf Rocker und Anton Pannekoek ausgearbeitet haben, zu unterscheiden war, mal abgesehen davon, daß bei Reich das Proletariat als „revolutionäres Subjekt“ fehlt. Phillip Bennet hat das sehr schön gezeigt: „Wilhelm Reich’s Early Writings on Work Democracy: A Theoretical Basis for Challenging Fascism Then and Now“ im öko-sozialistischen Magazin Capitalism Nature Socialism (Vol. 21, No. 1, March 2010).

Aber betrachten wir einmal Reichs „politische“ Entwicklung:

  • 1919-1927: ein linker Sozialdemokrat in der ohnehin sehr linken „austro-marxistischen“ Sozialdemokratischen Partei Österreichs.
  • 1928-1933: Anschluß an die KPÖ, eine linksradikale direkt von Moskau gesteuerte Politsekte, danach an die Massenpartei KPD, die (ebenfalls von Moskau instruiert) gerade ihre linksradikale Phase durchmacht: bereits Sozialdemokraten sind Nazis („Sozialfaschisten“).
  • 1934-1937: im Exil Annäherung an Kräfte, die sowohl zu den Sozialdemokraten als auch zu den Kommunisten (die sich beide in einer „antifaschistischen Einheitsfront“ näherkommen) in kritischer Opposition stehen: Trotzkisten, SAP (Willy Brandt, etc.), Neu Beginnen, Mot Dag, etc.
  • 1938-1941: wie eingangs erwähnt eine quasi „anarcho-syndikalistische“ Phase (ohne jeden Kontakt zu tatsächlichen Anarcho-Syndikalisten).
  • 1942-1947: wie aus dem 1942 verfaßten Schlußkapitel der Massenpsychologie des Faschismus  deutlich wird, verflüchtigen sich aus dem Konzept der Arbeitsdemokatie alle „links-utopischen“ Vorstellungen und das Konzept wird im Vergleich mit den vorangehenden Ausformulierungen etwas konturlos. Trotzdem bleibt Reich nach außen hin eher „ein Linker“ im Sinne von Roosevelt (heute etwa mit Obama vergleichbar).
  • 1948-1957: mit der Hetze der linken Presse (Mildred Brady, etc.) und seiner Enttäuschung darüber, wie seine linksliberalen Anwälte mit der Kampagne umgehen, entwickelt sich Reich zunehmend nach rechts.

Liest man die von einer linksliberalen Herausgeberin kommentierte und (wie sich leicht nachweisen läßt) teilweise zensierte Korrespondenz Reichs mit A.S. Neill (Zeugnisse einer Freundschaft) zeichnet sich seit etwa 1942, eindeutig aber ab etwa 1948, ein Reich ab, der langsam aber sicher ziemlich genau die Haltung der heutigen Orgonomie annimmt. Vor dem Hintergrund dieser Briefe wird auch klar, daß Reichs negative Äußerungen über „Liberale“ (d.h. Linke) und positive über Konservative in Christusmord nicht nur oberflächliche Reflexionen sind, wie linke „Reichianer“ es gerne hinstellen, sondern erste Ansätze einer soziopolitischen Charakterologie im Sinne Elsworth F. Bakers darstellen, die sich im übrigen bereits im 1942 geschriebenen Vorwort zu Massenpsychologie des Faschismus (das Dreischichten-Model) und dem 1947 verfaßten Äther, Gott und Teufel (Mechanisten gegen Mystiker) abzeichnen.

In diesem charakterologischen Rahmen sieht die Orgonomie heute die Arbeitsdemokratie.

Dazu muß gesagt werden, daß für Reich „Ökonomie“ mehr bedeutet hat als nur „Produktivkräfte“ und „Produktionsverhältnisse“, also Maschinen, Know How, Arbeit, Kapital, Einkommens- und Machtverteilung, sondern in erster Linie die gegenseitige unlösbare Abhängigkeit der einzelnen Produzenten und Konsumenten voneinander – die inhärent Rationalität aufzwingt. Entsprechend war für Reich das ökonomische Elend nur eine sekundäre Funktion der politischen Pest (Brief an Neill vom 8. Juli 1953).

Betrachten wir dazu das folgende Schema, mit dem Reich seine wissenschaftliche Entwicklung von der Psychoanalyse (Psychologie) über den Marxismus (Soziologie) zur „sexualökonomischen Lebensforschung“ (Biologie) beschrieb:

Die Ökonomie umfaßt (genauso wie die Sexualität) offensichtlich alle drei Bereiche, wobei der biologische Bereich der umfassendste und tiefste ist. Die biophysikalische Charakterstruktur ist wichtiger als alle soziologischen (inklusive konventionell „ökonomischen“) und rein psychologischen Überlegungen.

Es geht darum, wie „die Pest“ (die Emotionelle Pest) von außen her einbrach, die arbeitsdemokratischen Beziehungen zerstörte und die Menschen charakterlich verformte, was dann von Generation zu Generation weitergetragen wurde. Es geht darum, wie dieser Teufelskreis wieder aufgehoben werden kann, d.h. wie man die Menschen wieder freiheits- und verantwortungsfähig macht. Reichs Antwort war: indem man

  1.  die politische Pest bekämpft;
  2. den Menschen die rationale Arbeitsdemokratie nahebringt;
  3. ihnen Selbstverantwortung „aufbürdet“, anstatt sie zu „befreien“; und
  4. indem man die Kinder von vornherein so aufzieht, daß sie die Falle gar nicht erst betreten.

Das hat ihn zu einem Gegner aller linken und rosaroten Volksbeglücker gemacht.

Für das Individuum in der Orgontherapie bedeutet das mit abnehmender Bedeutung:

  1. die biologische, bio-physische Therapie, die direkt die organismische Orgonenergie einwirkt, indem die Panzerung systematisch beseitigt wird, die die Energie in Schach hält (BIOLOGIE).
  2. die Befreiung des Patienten (wenn nötig) von seiner Familie („Familitis“) und (wenn nötig) Ermutigung zu ökonomischer Unabhängigkeit, was allein schon einen heilenden Effekt hat (SOZIOLOGIE).
  3. Aufklärungsarbeit über realitätswidrige Annahmen (PSYCHOLOGIE).

In der (wenn man so will) „gesellschaftskritischen Arbeit“ mit den Massen sieht es genau umgekehrt aus:

  1. Aufklärungsarbeit hinsichtlich der Fallstricke mechanistischen und mystischen Denkens (PSYCHOLOGIE).
  2. die Bekämpfung der sozialistischen (euphemistisch: „sozialstaatlichen“) Entmündigung der Massen (SOZIOLOGIE).
  3. das „Projekt Kinder der Zukunft“ (BIOLOGIE).

Das „Projekt Kinder der Zukunft“ steht hier an letzter Stelle (obwohl es „an und für sich“ am wichtigsten ist!), weil es naturgegeben erst nach einer Generation (30 Jahre!) oder noch später wirklich im gesellschaftlichen Maßstab greifen kann.

Es würde an Wahnsinn grenzen, so große Projekte wie „Die Kinder der Zukunft“ (…) in Angriff zu nehmen, ohne begriffen zu haben, wie es möglich war, daß all dies Elend jahrtausendelang unvermindert, unerkannt und unangefochten bestehen konnte; daß nicht ein einziger der vielen glänzenden Versuche zur Erklärung der Situation und zur Linderung der Leiden Erfolg hatte; daß mit jedem Schritt hin zur Erfüllung des großen Traums das Elend nur schlimmer und tiefer wurde (…). Gegenwärtig ist eine sorgfältige Untersuchung des Christusmordes weit wichtiger als die wunderbarsten Kinder, die wir vielleicht aufziehen könnten. (Christusmord, Freiburg 1978, S. 40)

Menschenopfer und Kannibalismus

1. März 2015

Die Welt ist voller magischer Mythen vom Töten und Verspeisen von Kindern und dem Trinken ihres Blutes, was „Kommunion“ schenkt und damit das Leben verlängert. In unserer Kultur hielt man schon seit dem Alten Testament „Kanaanäern“, Häretikern, „Hexen“, Indianern und anderen „Primitiven“ projizierend Menschenopfer und Kannibalismus vor. Bis vor nicht allzu langer Zeit war praktisch jeder davon überzeugt, unsere Urahnen hätten sich an ihren erschlagenen Artgenossen gütlich getan, so als sei dies die selbstverständlichste und natürlichste Sache der Welt.

Selbst Reich läßt sich von der Literatur zu der Behauptung hinreißen, es hätte Menschenfresserei bei unseren Vorfahren und sogar bei den heutigen Australiern und Polynesiern gegeben (Der Einbruch der sexuellen Zwangsmoral, S. 107).

In Wirklichkeit ist das alles Unsinn. Zwar hat man Verstorbene mitunter rituell entbeint, aber niemals zu Ernährungszwecken. In Bolivien haben jetzt Archäologen einen Raum freigelegt, wo sterbliche Überreste in großen Bottichen mit Hilfe entsprechender Chemikalien gekocht worden waren, um dann die blanken Knochen als Reliquien aufzubewahren. Früher hätte man mit Sicherheit (und absurderweise) sicherlich an Kannibalismus gedacht… Ritueller Kannibalismus ist ein Phantasieprodukt unserer blutdurstigen saharasischen „Kultur“.

Vor 6000 Jahren kam es James DeMeos Saharasia-Theorie zufolge im Gebiet von Nordafrika, Arabien und Zentralasien zu einem klimatischen Umbruch mit verheerenden Dürrekatastrophen. Wüstenbildung, nachfolgende Kriege und Stadtbelagerungen führten zu Notkannibalismus. Hunger kann soweit entmenschen, daß Eltern ihr eigenes Kind kochen und aufessen (vgl. 2 Kön 6,28f und Klgl 4,10). Darauf ist der Mythos vom rituellen Kannibalismus zurückzuführen. Durch Projektion wurden in der Folgezeit die glücklicheren Menschen am Rande Saharasias des rituellen Kannibalismus angeklagt. Aber es gibt keinen einzigen Fall von unbezweifelbarem rituellen Kannibalismus in der Anthropologie. (Ich verweise auf die Arbeiten des US-Anthropologe William Arens und der deutschen Archäologin Heidi Peter-Röcher.)

Kurioserweise gibt es so etwas nur bei uns selbst: das Dogma, daß mit den Worten des Priesters „das ist mein Leib“ sich Brot und Wein tatsächlich in Leib und Blut Christi verwandeln, macht uns alle zu Kannibalen. Bereits Zwingli hatte sich gegen dies Dogma gewandt und verkündet, er würde diesen Gottesfraß nicht mitmachen.

Der ehemalige Pastor Hans-Dieter Leuenberger ging sogar soweit, die Verwandlung von Brot und Wein als schwarzmagisches Ritual zu bezeichnen. Schon zu seiner Zeit als Dorfpfarrer hätte er beim Feiern des Abendmahlrituals „ein äußerst unangenehmes Gefühl“ gehabt.

Jedesmal, wenn ich die Worte sprechen mußte: Das ist mein Leib, das ist mein Blut, da war etwas Grauenhaftes in mir, das nach meinem Herzen griff.

Bei seiner Beschäftigung mit der „Esoterik“ ging Leuenberger auf, daß die Kreuzigung Christi einem magischen Ritual entsprach, und da Blut im Spiel war, das im Judentum absolut tabu ist, sogar ein schwarzmagisches Ritual, das den zerstörerischen Virus im Christentum ausmacht.

Als ich diese Zusammenhänge sah, war mir klar: In der Passionsgeschichte Jesu haben wir die Darstellung eines alten Menschenopfer-Rituals. Menschenopfer aber sind schwarzmagisch. Und wenn dies nun rituell in der Kirche weiterzelebriert wird, so ist das praktische Magie. Jetzt verstand ich das unangenehme Gefühl, das ich damals hatte, als ich am Altar stand und den Kelch hochhob. Ich vollzog schwarze Magie, ohne es zu wissen. (…) Die gesamte Kirchengeschichte ist für mich nichts anderes als ein Resultat dieses jeden Tag überall wieder zelebrierten schwarzmagischen Rituals. Von daher kann ich mir alle Entartung des Christentums logisch erklären. (esotera, 6/90)

Hier schlägt die paranoide Projektion, die Wahnwelt des Patriarchats, auf tragikomische Weise auf die Kirche selbst zurück!

Das die Verbindung von Christentum und Kannibalismus alles andere als weit hergeholt, sondern vielmehr ganz offensichtlich ist, zeigt der berühmteste Fall von neuzeitlichem Notkannibalismus, der sich christlich vermittelt in einen rituellen Kannibalismus umwandelte:

1972 stürzte eine uruguayische Chartermaschine in den Hohen Anden ab. Von den 40 Insassen überlebten sechzehn den Aufprall. Um die 72 Tage zu überleben, die sie im Hochgebirge zubringen mußten, bevor sie gefunden wurden, waren sie gezwungen, jene zu essen, die nicht überlebt hatten. Vor der kannibalistischen Mahlzeit setzten sie sich in einen Kreis, beteten den Rosenkranz und zitierten Jesus: „Nehmet und esset, dies ist mein Leib, dies ist mein Blut.“ Nach der Rettung sagte einer der Überlebenden auf einer Pressekonferenz:

Wenn Jesus beim letzten Abendmahl seinen Leib und sein Blut allen Jüngern anbot, gab er uns zu verstehen, daß wir das gleiche tun müssen.

Ein anderer erklärte dem Vertreter einer Nachrichtenagentur, die „unaussprechlichen Dinge“, die sie getan hätten, wären „wirklich christlich“ gewesen.

Wir gingen bis an die Quellen des Christentums zurück.

Ein dritter sagte:

Wir schluckten die Fleischstücke mit dem Gefühl, Gott verlange es von uns. Wir fühlten uns wie Christen.

Die Mär vom Menschenopfer könnte ähnlich mit dem Beginn Saharasias verbunden sein, wie es oben beim Kannibalismus beschrieben wurde. Es kann sein, daß die Katastrophe, die den Anbruch Saharasias auslöste, soviele Leben forderte, daß die Menschen glauben mußten, den nunmehr als patriarchal empfundenen Göttern Gelüste es nach dem Fleisch ihrer irdischen Kinder á la Saturn. Infolge kam der Mythos auf, man müsse ihnen präventiv Menschenopfer darreichen, um sie ruhigzustellen. Dies scheint z.B. bei einer altägyptischen Grabinschrift durch. Es wird dort von einem Aufstand der Menschen gegen die Götter erzählt, nachdem diese beschlossen hatten, die ganze Menschenrasse zu vernichten. Aber mit einem Getränk aus Menschenblut und Alraunensaft hätte man die Götter wieder beschwichtigt, die einen Teil des Tranks zurückgaben und über die Erde schütteten. Das Leben kam zur Erde zurück. Dies sei, so die Legende, der Beginn des Opfers (Ready Tannahill: Fleisch und Blut, München, 1979, S. 16). Doch genauso wie den rituellen Kannibalismus hat es das rituelle Opfern von Menschen nie gegeben, wenn man von der christlichen Praxis absieht.

Jedermann ist fest davon überzeugt, daß die Irokesen, auf die sich Reich (über seine Rezension von Morgan und Engels) neben den Trobriandern beruft, Menschen zur Volksbelustigung an Marterpfählen über Tage hinweg langsam zu Tod gefoltert haben. Genauso steht es mit praktisch allen Völkern außerhalb des Kernbereiches Saharasias. Doch eine kritische Betrachtung der Anklagen gegen z.B. die Azteken zeigt, daß es keinen einzigen unvoreingenommenen Augenzeugenbericht über nichtchristliche Menschenopfer gibt. Alle „Belege“ stammen von der spanischen Inquisition!

Das Popol Vuh der Maya als ein Hauptbeleg wurde unter spanischer Kontrolle nach Jahrzehnten von spanischer Gehirnwäsche verfaßt und seine Übersetzungen sind sowieso nicht verläßlich. Und was ist mit den mesoamerikanischen Bildern, die Menschenopfer zeigen? Zunächst einmal stellen Kulturen so gut wie nie ihre eigenen Rituale dar, sondern nur ihre Mythen! Und dann schaue man sich mal die Bilder in einer katholischen Kirche an, die das Abschlachten der Märtyrer durch die Römer zeigt (Winni Marold: „Vereint im starken Glauben? Zu den Spekulationen über Menschenopferkulte“, Vorzeit-Frühzeit-Gegenwart, VI:82-95, Juli 1994).

Der Anthropologe Jeffrey Schwartz (University of Pittsburgh) hat die jahrhundertealte These widerlegt, daß im antiken Karthago regelmäßig Kinderopfer dargebracht wurden.

Demnach weisen die Knochenfunde in alten Begräbnisurnen der phönizischen Handelsstadt darauf hin, daß die meisten Kinder eines natürlichen Todes starben. So kam ein Großteil der Kinder bereits vor oder unmittelbar nach der Geburt ums Leben und war damit noch nicht alt genug, um geopfert zu werden (…). Auch aus anderen antiken Städten wie Rom oder Pompeji sei bekannt, daß dort viele Fehlgeburten und eine hohe Säuglingssterblichkeit vorherrschten. Gleichzeitig widersprechen die Ergebnisse den Berichten antiker Chronisten und Zitaten aus der Bibel, wonach in Karthago regelmäßig Kinder geopfert wurden.

„Die bisherige Vorstellung, daß in Karthago regelmäßig Kinder geopfert wurden, beruht (…) nur auf Berichten einiger weniger Chronisten, einigen Grabinschriften und Aussagen im Alten Testament“, sagt Schwartz. „Dies zeigt, daß Geschichtswissenschaftler alle vorhandenen Belege berücksichtigen müssen, wenn sie die Verhaltensweisen einer antiken Gesellschaft entschlüsseln wollen.“

Opfer der haltlosen Spekulationen über Menschenopfer und Kannibalismus war von jeher die Frau, die vom Patriarchat als furchterregend, schrecklich und verschlingend aufgefaßt wurde. Der unschuldige Mann folgt der verdorbenen Frau, „wie ein Ochse, der zum Schlachtplatz geführt wird“ (Spr 7,22). Sie war das „verlockende Böse“ aus dem alles Unheil hervorging. Wie Eva brachte sie das Böse in die Welt. Ihr Geschlechtsorgan wurde zur „Büchse der Pandora“. Bei den Israeliten wird die „Verunreinigung“ einer Frau durch die Monatsblutung mit der Verunreinigung des Landes durch Götzendienst und Mord, also durch Menschenopfer gleichgesetzt (Ez 36,17f). Mitten in der Aufzählung der verbotenen geschlechtlichen Verirrungen taucht das Gebot auf, seine Kinder nicht den Götzen zu opfern (Lev 18,21). Die mittelalterliche Hexerei war denn auch ursprünglich synonym mit weiblichem Kannibalismus á la „Hänsel und Grethel“.

Angeblich wurden der kanaanäischen Anat Kinder geopfert, so daß sich die Bibel veranlaßt fühlt, ständig zu mahnen:

Keiner von euch darf seinen Sohn oder seine Tochter als Opfer auf dem Altar verbrennen. (Dtn 18,10)

Noch Mohammed verehrte vor seiner Übermannung durch Gabriel Anat, bzw. die arabische Venus al-Usa, der bis in jüngste Zeit Kinder geopfert wurden – das behaupten jedenfalls die Mullahs.

Anläßlich der Durchsetzung des Monotheismus in Juda durch Hiskias Kultreform wurde sein Vorgänger Ahas angeklagt, seinen Sohn als Opfer verbrannt zu haben und „damit den abscheulichen Sitten der Völker, die der Herr vor den Israeliten aus dem Land vertrieben hatte“ gefolgt zu sein (2 Kön 16,3). Desgleichen soll Hiskijas abtrünniger Nachfolger Manasse im Tempel von Jerusalem „seinen Sohn als Brandopfer dargebracht“ haben (2 Kön 21,6). Systematisch werden Abtrünnige mit dem Stigma versehen, Menschen zu opfern, z.B. die infolge der assyrischen Eroberung Samarias nach Syrien umgesiedelten, die aus ihren eigenen Reihen Priester einsetzten und „sogar ihre Kinder ihren Göttern Adrammelech und Anammelech als Brandopfer darbrachten“ (2 Kön 17,31f).

In Dtn 12,31 heißt es, die Israeliten dürften Jahwe nicht nach dem Brauch der anderen Völker verehren, denn diese „haben sogar ihre Kinder als Opfer für die Götzen verbrannt“ und dadurch Jahwes Heiligtum unrein gemacht und Jahwes Namen entehrt (Lev 20,3). In Jer 7,31 sagt Jahwe, er habe nicht befohlen, es sei ihm auch nie in den Sinn gekommen, von den Menschen Judas zu verlangen, daß sie im Hinnom-Tal (Ableitung der Bezeichnung Hölle: Gehinnom, Gehenna) die Opferstätte Tofet bauen, um dort ihre Söhne und Töchter in den glühenden Schlund des Götzen Moloch zu schleudern.

Du hast meine Kinder geschlachtet und als Opfer für deine Götzen verbrannt. (Ez 16,21)

Diese Horrorstory, aus der sich die Vorstellung von der Hölle und später der ganze Hexen- und Dämonenwahn entwickelte, ist eine einzige gegen die matriarchalen Völker gerichtete Volksverhetzung. Die Israeliten hätten die Völker Kanaans nicht „ausgetilgt“, wie es Jahwe befohlen hatte (Ps 106,34), so daß sie schließlich die angebliche Menschenopferpraxis der Kanaaniter selbst aufnahmen:

Das Blut von Schuldlosen vergossen sie, das Blut ihrer eigenen Kinder, die für den Götzen Kanaans geschlachtet wurden. (Ps 106,38)

Als Strafe für diese grausame Sitte will Gott Jerusalem vernichten, er will die Stadt belagern lassen, so daß die Einwohner sogar ihre eigenen Kinder essen werden (Jer 19,9). Der Gott der Vergeltung, dessen Jünger im Blut der Unheilstifter waten werden (Ps 58,11). Der Gott der Rache, der die abtrünnigen Israeliten den Feinden preisgibt, die sie wie Opfertiere abschlachten werden (Jes 65,12). In Ez 39,17f lädt nach der für seine Feinde verlorenen Schlacht von Harmagedon Gott die Raubvögel „zum große Opfermahl“:

Ihr bekommt Fleisch zu essen und Blut zu trinken, soviel ihr wollt, das Fleisch der tapfersten Krieger und das Blut der edelsten Fürsten. Sie sind die wohlgemästeten Schafe, Böcke und Stiere, die ich für mein Opfermahl schlachte.

Über dem Stamm Efraim sagt Gott:

Und wenn sie noch Kinder bekämen, würde ich sie, ihre Lieblinge, unbarmherzig töten. (Hos 9,16)

Grade wenn die jüdischen Propheten verkünden, daß Jahwe keinerlei Opfer will (Ps 40,7), sie ihm zuwider sind (Am 5,22), offenbart sich der Projektionsmechanismus. Denn stattdessen will er Gehorsam (Jer 7,21-23) und Reue (DanZ A,16f). Zeichen des Gehorsams ist neben dem „Teil-Menschenopfer“, der Beschneidung, das Gebet, das stets etwas mit Geben, mit Opfern zu tun hat. So lautet ein Gebet des Rabbi Shoshet:

Herr der Welt, als der Tempel noch stand, brachte dir ein Sünder ein Opfer dar, von dem nur das Blut und das Fett genommen wurden, und dadurch wurden ihm seine Sünden vergeben. Ich habe heute gefastet, und durch dieses Fasten sind mein Blut und mein Fett weniger geworden. Betrachte gnädig den Teil meines Blutes und meines Fettes, den ich durch mein Fasten verloren habe, als ein Opfer und vergib mir dafür meine Sünden. (z.n. Ready Tannahill: Fleisch und Blut, München 1979, S. 34f)

Auch in Röm 12,1 findet sich der Aufruf, sich selbst Gott als leckeres Menschenopfer darzubringen. Jenen, die nicht Gottes Gebot folgten, warf man dann reflexartig Menschenopfer vor.

Die Mär vom Menschenopfer ist Ausdruck der saharasischen blutdürstigen Charakterstruktur des vorgeblichen Beobachters, und hat nichts mit den tatsächlichen Begebenheiten zu tun. In dieser Hinsicht ist das Alte Testament nur ein Propagandabuch, das von krächzenden Khomeinis geschrieben wurde. Bezeichnend ist, wie, neben empörten Beschreibungen angeblicher Menschenopferhandlungen, gleichzeitig das patriarchale Opfern des erstgeborenen Kindes für den alten Mann dort oben gepredigt wird. In Ex 22,28 heißt es: „Eure erstgeborenen Söhne müßt ihr mir übereignen.“ Und noch bei Micha 6,7 fragen die Israeliten:

Sollen wir unsere erstgeborenen Söhne opfern, damit Gott uns unsere Schuld vergibt?

Die Opferung der Erstgeburt ist wie eine „Bezahlung“ an Gott. Hierher gehört auch Moses’ Erstgeborener. In Ex 4,24-26 fällt Jahwe über Moses her und will ihn töten. Doch zur Beschwichtigung schnitt Moses’ Frau die Vorhaut vom Glied ihres Sohnes ab und berührte damit Moses Bein. Opferte sie ihren Sohn stückchenweise? Dies hatte, wie gesagt, nichts mit tatsächlichen Opferungen zu tun, aber das Denkmuster, das dahinter steckt, ist bezeichnend. Es wirkte fort im Neuen Testament, wo das Opferlamm tatsächlich geschlachtet wurde:

Ihn ließ er sterben zu unserer Rettung. Unsere ganze Schuld hat er uns vergeben, weil Christus sein Blut vergossen hat. So zeigt uns Gott den ganzen Reichtum seiner Gnade. (Eph 1,7)

So wie beim Exodus das Blut eines Lammes, das Passa-Lamm, das Zeichen der Bewahrung und Errettung war, so galt später das Blut Christi als Reinigung von Schuld und als Sünde (1 Joh 1,7).

Die Gefahren von Körpertherapien: Drei Fallstudien (Teil 3)

28. Februar 2015

DIE ZEITSCHRIFT FÜR ORGONOMIE

Charles Konia: Die Gefahren von Körpertherapien: Drei Fallstudien (Teil 3)

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Diskussionsforum 2010: eine Nachlese (Teil 1)

27. Februar 2015

Zunächst einmal hat Robert auf folgende Quellen hingewiesen. Ein neuer Hinweis auf sie lohnt sich allemal!

Auf einen Hinweis durch Andreas Peglau hin zitierte Robert aus dem Handbuch der Judenfrage, Theodor Fritsch, Hammer-Verlag, Leipzig, 1944, S. 248:

Aber die Psychoanalytiker sind noch nicht die schlimmsten. Weit übler ist, was sich um Magnus Hirschfeld, den Leiter des Instituts für Sexualwissenschaft, um Herrn Marcuse und Konsorten scharte.

Hier wurde, davon kann man überzeugt sein, ganz bewußt darauf hingearbeitet, die deutsche Seele zu zerstören.

Hier fanden sich die wissenschaftlichen Verteidiger der Homosexualität, ja der widernatürlichen geschlechtlichen Betätigung mit Tieren. Hier wurde die Aufhebung des §175 gefordert, weil die Homosexualität nicht als Entartung, sondern als natürliche Abart des Geschlechtstriebes aufzufassen dem Menschen angeboren sei (J. Meißner). Gewiß ist auch uns bekannt, daß in vielen Fällen die gleichgeschlechtliche Einstellung angeboren ist; wir wissen aber auch, daß in sehr vielen anderen Fällen erst die Verführung den jungen Menschen zum Homosexuellen macht. Wir wissen, daß die alten Kulturvölker ihrem Untergang entgegengingen, als die Knabenliebe in ihnen einen breiteren Raum einnahm, und wir müssen uns dafür einsetzen, daß die Seuche zurückgedämmt wird und sich nicht auch bei uns noch weiter ausbreitet. – Wenn ferner Magnus Hirschfeld in einer vom sozialistischen Schülerbund in das Kölnische Gymnasium einberufenen Versammlung 1928 vor Schülern und Schülerinnen vom 12. Jahre an sagte: „Ein natürlicher Geschlechtsverkehr der Jugend sei, wenn kein Zwang auf den anderen ausgeübt werde, keine Sünde und nichts Unehrenhaftes“, wenn die Herren Dr. Töplitz und Reich sich in ähnlichem Sinne äußerten, nun, so kann man sich nur wundern, wenn die Eltern der Kinder sich solche „Aufklärungen“ gefallen ließen, kann man sich nur wundern, daß sich nicht einmal ein Vater fand, der dem Herrn Magnus Hirschfeld mit der Reitpeitsche zeigte, wo der Weg für ihn war.

Außerdem zitiert Robert aus Gregor Schöllgen: Willy Brandt. Die Biographie, Berlin – München 2001, Propyläen Verlag, S. 16f:

Schließlich hat er Perspektiven: politische – die Fortsetzung der SAP-Arbeit in Oslo – und persönliche. Im Sommer 1933 folgt ihm, wie vereinbart, seine neunzehnjährige Freundin Gertrud Meyer, genannt „Trudel“, nach Oslo, nachdem sie in Lübeck vorübergehend in Haft gewesen ist.

Die beiden ziehen zusammen, wohnen zunächst möbliert, können sich aber bald eine eigene Unterkunft leisten. Es ist die erste eigene Wohnung des inzwischen einundzwanzigjährigen Willy Brandt, und Gertrud Meyer ist die erste von vier Frauen, mit denen er zusammenleben wird.

Verheiratet sind die beiden nicht; allerdings gelten sie in Oslo als Ehepaar. Tatsächlich geht Gertrud im Februar 1936 eine Scheinehe mit dem norwegischen Studenten Gunnar Gaasland ein, um in den Besitz der norwegischen Staatsbürgerschaft zu kommen und so vergleichsweise unbehelligt Kurierdienste nach Deutschland durchführen zu können.

Willy Brandt und Gertrud Meyer-Gaasland leben bis ins Frühjahr 1939 zusammen. Dann geht Gertrud nach New York. Nach eigenem Bekunden tut sie diesen Schritt, um den Psychoanalytiker Wilhelm Reich zu begleiten, dessen Sekretärin und Mitarbeiterin sie in Oslo ist. Vermutlich ist sie durch die Erkenntnis, Brandt nicht dauerhaft an sich binden zu können, in ihrem Entschluß bestärkt worden. Zum ersten Mal im Leben des Willy Brandt geht damit die langjährige Beziehung zu einer Frau in die Brüche.

Wilhelm Reich – „rötliches Gesicht, graue Haare, stechender Blick, bezwingende Sprache“, so Brandt später – ist 1934 über Dänemark nach Norwegen gekommen. Gertruds Arbeit bringt es mit sich, daß Reich und Brandt zeitweilig einen recht intensiven Umgang pflegen. Reich hat 1933 das unter Insidern vielbeachtete Buch Die Massenpsychologie des Faschismus vorgelegt. Im Zentrum seiner wissenschaftlichen Arbeit, in gewisser Weise auch im Mittelpunkt dieses Buches steht die Rolle der Sexualität im gesellschaftlichen Leben. In der Theorie hat sich Willy Brandt bislang allenfalls am Rande mit diesem Thema beschäftigt: Neben August Bebels Die Frau und der Sozialismus hat das Erfolgsbuch des Schweizer Arztes Auguste Forel über Die sexuelle Frage zur bescheidenen Lübecker Bibliothek der Frahms gehört. Die Gespräche mit Reich eröffnen dem jungen Sozialisten „einen gewissen Zugang“ zur „Seelenforschung“, und Brandt beginnt zu begreifen, daß Freud und seine Schüler „Türen zu Bereichen“ aufstoßen, die „man früher als Dunkelkammer der Seele“ gefürchtet habe.

Überhaupt ist das skandinavische Klima für die offene Behandlung solcher Themen günstiger als das deutsche. So gibt eine Gruppe Mediziner aus der Organisation „Mot Dag“ („Dem Tag entgegen“) eine Zeitschrift für sexuelle Aufklärung heraus. In den Diskussionen dieser Gruppe, aber auch in den Gesprächen mit Reich, stellt Willy Brandt erstmals fest, „wie in einer politischen Gemeinschaft sadistische Neigungen sublimiert ausgelebt und masochistische Bedürfnisse anderer befriedigt werden können. Diese psychischen Mechanismen verdienten, offener dargelegt zu werden.

Sexuelle Verklemmtheit scheint für begabte Hasser und Intriganten zu sorgen: Politik als Ersatzliebe tarnt sich nicht selten als selbstlose Unbedingtheit.“ Und Brandt lernt damals verstehen, wie er sich 1982 erinnert, „daß der Nazismus und verwandte Herrschaftsformen in der Tat auch von sexuellen Repressionen bestimmt“ sind.

Robert verwies auch auf Manilowski: „Wer Der Einbruch der sexuellen Zwangsmoral gelesen hat, weiß, daß Reich sich zu großen Teilen auf den polnisch-englischen Ethnologen Bronislaw Malinowski bezieht. Es gibt neuerdings eine BBC-Serie genannt Tales from the Jungle, in der auch Malinowski behandelt wird.“

Und dazu auf Guido Sprenger: Erotik und Kultur in Melanesien – Eine kritische Analyse von Malinowskis “The Sexual Life of Savages”, Lit Verlag, Hamburg 1997. Robert:

Als Magisterarbeit gedacht, will Sprenger mit Hilfe von Foucaults Dekonstruktivismus Malinowski kritisch hinterfragen.

Es zeigt sich im Laufe seiner Ausführungen, daß sein Ziel gründlich mißlungen ist, weil die Theorien Foucaults keine brauchbaren Ansätze bilden, um in der Ethnologie Kulturen zu erklären.

Sprenger stellt zuerst fest, daß die Sexualität und Erotik in der Ethnologie ein Schattendasein bilden und bietet an, eine eigene Definition zu generieren.

Wilhelm Reichs Buch Der Einbruch der sexuellen Zwangsmoral hat er offenbar nicht gelesen, lediglich ein abwertendes Zitat ist er ihm Wert:

Was die Rezeption von Malinowski außerhalb der Ethnologie angeht, so zeigt sich an ihr wiederum die Brisanz des Themas. Nicht nur erhielten die Trobriander bis in die heutige Zeit das Image der Inseln der Freien Liebe – Malinowskis Aussagen über die Liebesbeziehungen wurden auf bezeichnenderweise Weise falsch gelesen. Ein erhellendes Beispiel ist die Rezeption durch Wilhelm Reich in seinem Buch Invasion of compulsory sex-morality. Der Psychoanalytiker vermochte nicht zu differenzieren zwischen einem Fehlen des Verbots vorehelichen Geschlechtsverkehrs – und nichts anderes hat Malinowski beschrieben – und einer völligen Regellosigkeit in Sachen Sex. Seine Vorstellungen von der strengen Kontrolle, die Kultur über Sexualität ausübt, ermöglichten ihm nur eine Alternative: das Aussetzen eines für den Westen seiner Zeit zentralen Verbotes wurde gleichbedeutend mit dem Aussetzen jedes Gesetzes (Senft 1995a: 485-487). Diese Mißverständnisse sind charakteristisch für zahlreiche spätere Rezipienten, die in die Trobriander ein Gegenmodell ihrer eigenen, als sexuell restriktiv empfundenen Kultur hineinprojizierten. (S. 31) [Senft 1995a = Gunter Senft, „Noble Savages“ and the „Islands of Love“: Trobriand Islanders in popular publications”. In: C. Baak [e.a.] (eds.): Tales from a concave world, Liber Americon Bert Voorhoeve, Leiden, S. 480-510]

Es ist relativ leicht zu verstehen, warum Sprenger Reich dermaßen behandeln muß. Während Reich eine Erforschung und Definition gesunder Sexualität geleistet hat, muß Sprenger hilflos herumrätseln und zu den abwegigsten Beispielen greifen.

Sein Paradebeispiel ethnologischer Sexualität sind ein geheimes Volk, welches von den Ethnologen verborgen wird, weil sie solche absurden päderastischen Sexualriten wie institutionalisiertes Spermaschlucken aufweisen. Darüber hält sich Sprenger lang und weitschweifig aus. Folgerichtig kritisiert er an den Trobriandern, daß sie nicht schwul werden dürfen und hier zeigt sich die ganze Misere der Sexualethnologie, die teilweise von Homosexuellen und Gender-Predigern/innen dominiert werden.

Warum also solchen typischen Foucault Schmiersinn lesen? Zum einen ist die moderne Literatur bis 1997 verarbeitet worden und er diskutiert in lesbarer Weise, wo Malinowski Fehlinterpretationen lieferte und zeigt natürlich weitere Ergänzungen zu dessen Forschungen. Er geht sehr ausführlich auf Magie und Kula (Warentausch) ein.

Insgesamt scheitert er an dem, was er leisten wollte. Die Erotik des Volkes zu erklären und am sinnfälligsten wird es am Beispiel der sogenannten Tabu-Ehen, die Reich so hervorragend als ökonomisches System der Kreuz-Vetter-Basen-Heirat enträtselte.

Das Buch ist selbst nicht mehr zu kaufen, lediglich in Universitätsbibliotheken erhältlich.

Die Entstellung funktioneller Wahrheiten durch den Kleinen Mann am Beispiel „Kinder der Zukunft“

26. Februar 2015

Ich habe manchmal ein ziemlich schlechtes Gewissen, wenn ich etwas über Reichs Konzept „Kinder der Zukunft“ schreibe. Reich selbst sah es als größtes Hindernis seines Projekts, daß Frauen unerfüllbare Ansprüche an sich stellen. Alles muß perfekt sein: eine Schwangerschaft, die das Embryo nicht belastet, eine „natürliche“ Geburt, ein perfekter Kontakt zum Baby, eine glückliche Kindheit, perfekte Selbstregulation und eine geradlinig verlaufenden Pubertät. Ein solch übermenschlicher Druck muß jede Mutter geradezu zermalmen, wenn sie das alles denn ernst nimmt.

Auf diese Weise trägt die Orgonomie (oder das, was sich dafür hält) zur allgegenwärtigen Versklavung der Frau bei. Sie muß wie ein gestylter Filmstar aussehen, eine „Sexgöttin“ sein, eine erfolgreiche Karriere vorweisen, unabhängig sein und schließlich soll sie noch „gesunde“ Kinder großziehen.

Tatsächlich zerstört das überwunden geglaubte Patriarchat heute die Frau mehr als jemals zuvor. Man denke nur mal an all die Ratgeber, nach denen sich Frauen richten sollen.

Die Generation meiner Mutter brauchte einfach nur Frau und Mutter zu sein, der Rest hat sich ergeben. Sie hat sich nicht von einem erdrückenden Perfektheitswahn tyrannisieren lassen.

Das Kern dieser Art von Tyrannei ist der Wahn des Frühen: je früher die Schädigung eintritt, desto schlimmer für das Kind. „Man kann einen einmal krumm gewachsenen Baum nicht mehr geraderichten.“ Was nichts anderes heißt, als daß man Fehler nicht wieder gut machen kann. Kinderkriegen und Kindererziehung als halsbrecherischer Drahtseilakt!

Der Psychologe Thomas O’Connor (University of Rochester, New York) hat gezeigt, daß Überbelastung in der Schwangerschaft zwar negative Folgen für die spätere Lern- und Denkfähigkeit des Säuglings hat, doch eine intensive Betreuung bis zur Krabbelphase die Beeinträchtigung wieder wettmachen kann.

Die Ungeborenen, die in einem hohen Maß durch die Mutter dem Streßhormon Cortisol ausgesetzt waren, zeigten im Alter von 17 Monaten bei einem Test ihrer kognitiven Fähigkeiten deutliche Schwächen. Die Beeinträchtigungen traten aber nicht auf, wenn die Mütter eine sehr intensive Beziehung zu ihrem Säugling aufgebaut hatten.

O’Connor sagt zu seinen Forschungsergebnissen:

Das ist eine ermutigende Nachricht für Mütter, denn die Schwangerschaft ist eine emotionale Erfahrung mit vielen Sorgen. Es ist sicher eine Erleichterung zu wissen, daß eine gute Elternschaft die Babys im Nachhinein gegen mögliche schädliche Folgen schützt.

Es ist sicherlich keine unzulässige Verallgemeinerung, wenn ich etwas schreibe, was an sich jeder selbst aus seiner eigenen Lebenserfahrung bestätigen wird können: in einem gewissen Umfang kann man wirklich alles wieder geraderichten. Nichts ist verloren!

Vor allem sollten wir aufhören, junge Mütter zu tyrannisieren. Ich jedenfalls schäme mich für den einen oder anderen verbalen Dolchstoß, den ich der einen oder anderen Mutter versetzt habe, deren Schwangerschaft eine Tortur war, die einen Kaiserschnitt hatte, das Baby mit der Flasche großgezogen hat, etc.pp.

Je besser es diese Mütter meinen, desto größer ist die Last, die sie erdrückt – und desto mehr Fehler machen sie.

Es gibt dazu ein eindeutiges mechanisches Äquivalent, dem Forscher in den USA in einer Studie nachgegangen sind:

Angesichts der enormen Anforderungen in der heutigen Gesellschaft haben viele Eltern Angst, ihrem Kind nicht genügend Anregungen zu bieten. Unter anderem deshalb gibt es inzwischen immer mehr Angebote zur Frühförderung von Kindern – von Babymassage und Babyschwimmen über PeKiP-Gruppen bis hin zu Babysprachkursen und Musik für Säuglinge. Vor allem in den USA werden solche Angebote von jungen Eltern zunehmend angenommen. „Die kognitive Stimulation der Säuglinge durch bestimmte Spielzeuge, Vorlesen und anderes, ist hier sehr stark ausgeprägt“, berichtet Koautorin Maria Gartstein von der Washington State University in Seattle. In einigen europäischen Ländern wie den Niederlanden ist dies dagegen weniger ausgeprägt.

Die Forscher fanden, daß in den USA die Babys zwar aktiver und stärker auf Reize reagierten, dafür aber auch häufiger ängstlich, frustriert und traurig waren. Sie brauchten länger, sich nach dem Schreien oder nach Streß wieder zu beruhigen. Niederländische Säuglinge waren zufriedener und sie waren leichter und schneller zu beruhigen.

Nach Ansicht von Gartstein und ihren Kollegen spiegelt die größere Zufriedenheit und Gelassenheit der niederländischen Kinder möglicherweise die andere Kultur im Umgang mit Säuglingen wider. „Für niederländische Eltern sind zwei Dinge besonders wichtig: Ihre Kinder nicht überzustimulieren und von Beginn an regelmäßige Zeiten für den Schlaf einzuhalten“, erklärt Gartstein. So wählen die Eltern die Zeiten für Besuchseinladungen von Freunden oder Familie meist so, dass der Schlafrhythmus der Kinder nicht gestört wird. „Mir fiel auch auf, daß die niederländische Eltern im Umgang mit ihren Kindern sehr viel weniger Spielzeug nutzten als die US-Eltern“, so Gartstein.

OROP Wüste

25. Februar 2015

Ende 2010 veröffentlichte ich auf diesem Blog folgendes:

Wenn man die Wetterkarten der letzten Tage betrachtet, sich an den nicht gerade berauschenden Sommer erinnert und eingedenk des einbrechenden Katastrophenwinters in Deutschland sowie der verheerende Hitzewelle und der seit Monaten andauernden Trockenheit in Israel (der schlimmsten seit Jahrzehnten), zeichnet sich in etwa folgendes Bild ab:

Es ist, als wenn jemand in der westlichen Sahara ständig mit dem Cloudbuster von Norden her abzieht und so den wellenförmig verlaufenden Polaren Jetstream nach Süden zieht, was genau jene Verhältnisse hervorruft, die wir heute beklagen.

Hier kann man den aktuellen Jetstream verfolgen.

Auf diese Weise kann ein einzelner Verbrecher Milliarden-Schäden verursachen, ja ganze Volkswirtschaften lahmlegen und unzählige Menschen – ermorden.

Ich bin damals darauf gekommen, daß jemand dort unten aktiv sein könnte, weil auf den entsprechenden Wetterkarten die Isolienien einen langen Finger bildeten, der von Mitteleuropa auf die algerische Wüste zeigte. Mich würde nicht wundern, wenn dort ein CLB im Dauereinsatz nach Norden gerichtet gewesen wäre.

Bei rationalem Vorgehen würde es in der Sahara nicht darum gehen, Regen in die Wüste zu bringen, sondern das DOR zu beseitigen. Und selbst das ist problematisch, weil der plötzliche Wegfall der atmosphärischen Panzerung ungeahntes Chaos erzeugen könnte. Außerdem könnten “grünere” Zustände, etwa in Algerien, die Emotionelle Pest der Massen in einer ORANUR-artigen Reaktion zusätzlich anpeitschen.

Man denke in diesem Zusammenhang nur an die Schwarze Pest im Mittelalter. Nach neuen Forschungsergebnissen ging sie auf klimatisches Chaos in Zentralasien zurück. Außergewöhnlich feuchte Jahre führten zu einer explosionsartigen Vermehrung von Pestratten, die mit dem erneuten Einbruch der üblichen Wüstenzusände zwar alle wegstarben, doch deren Flöhe, die den Pesterreger in sich trugen, wechselten um zu überleben auf einen neuen Wirt über, den Menschen. Die Seidenstraße trug das Unglück dann nach Westen.

Entsprechende Forschungen haben auch gezeigt, daß Dschingis Khan seine weltumspannende Schreckensherrschaft nur aufrichten konnte, weil in seiner Heimat die ariden Zustände einer zeitweisen Feuchtigkeitsperiode wichen.

Aber zurück zu OROP Wüste: Ich weiß nicht, ob Deutschland und Israel Opfer des oben beschriebenen verantwortungslosen OROPs waren, aber derartige alles andere als abwegige Überlegungen machen von neuem Reichs Insistieren aktuell, daß Cloudbusting nur von rationalen Menschen in rationalen (arbeitsdemokratischen) Zusammenhängen durchgeführt werden darf.

Ich erinnere an entsprechende Überlegungen, die vor zwei Jahrzenten anläßlich der Veröffentlichung von Reichs Spätwerk im Verlang Zweitausendeins angestellt wurden.

Prof. Dr. Arnim Bechmann, Leiter des Instituts für ökologische Zukunfts-Perspektiven in Barsinghausen, beklagte 1995 im Begleitheft zu Reichs Buch OROP Wüste, dieser habe die „moralische Problematik des Cloudbustens“ mit „banalen Kommentaren“ vom Tisch gewischt (S. 96). Bechmann forderte, daß „im Rahmen der Wilhelm-Reich-Gesellschaft, einer geeigneten, bereits bestehenden oder einer neu zu bildenden Organisation Regeln der Selbstbindung aller im orgonenergetischen Bereich Arbeitenden entwickelt werden sollten“ (S. 112). Er verfaßte ein ganzes Kapitel über „Cloudbusten, Orgonomie und Ethik“ (S. 113ff).

Bechmann schien gar nicht zu realisieren, daß diese „moralische Problematik“ zunächst einmal im Rahmen der Reichschen Vorstellung von der Arbeitsdemokratie betrachtet werden muß, erst dann, also nachdem man Reich wirklich nachvollzogen hat, macht eine Kritik an ihm überhaupt Sinn. Dann würde sich auch die „moralische Problematik“, wer denn über das Cloudbusten bestimmen soll und wer denn als Cloudbuster-Operateur geeignet ist, erst in einem konstruktiven Licht zeigen: das konkrete Funktionieren bestimmt die soziale Struktur. Doch gerade Bechmann zerredete solche objektiven Kriterien auf eine unerträgliche Weise in seinem Beitrag, der was die Orgonomie betrifft an Laienhaftigkeit kaum zu überbieten war. Ein „Begleitheft“ zu etwas verfassen, etwas anderen erklären wollen, von dem man ganz offensichtlich kaum Ahnung hat,– und sich dabei über Ethik in der Wissenschaft auslassen…

Exakt ein derartiges Verhaltensmuster kennzeichnet jene verantwortungslosen „Reichianer“, die sich trotz mangelnder Kompetenz und fehlender charakterlicher Eignung anmaßen, die Orgonenergie in Patienten und gar in der Atmosphäre zu manipulieren.

Einerseits beklagte Bechmann, daß Reich das Cloudbusten durch OROP Wüste „rezeptmäßig technokratisch“ für jedermann zugänglich gemacht habe (S. 98) – andererseits gab es im gesamten Begleitheft nicht den leisesten Hinweis darauf, daß ähnliches mit der Vegetotherapie und ihrem Mißbrauch durch selbsternannte Therapeuten gegeben ist.

Der Rote Faden: Kim Philby (Teil 2)

24. Februar 2015

In einem undatierten Brief an Arnold Schönberg, wahrscheinlich vom Ende der 1920er Jahre, berichtete Marie Frischauf über eine einmonatige Einladung nach Oxford und Cambridge. Eine Postkarte von 1931 zeigt sie als Bergsteigerin, doch Sommerurlaub sollte bald der Vergangenheit angehören. Die „Machtergreifung“ Hitlers in Deutschland warf schon bald ihre bedrohlichen Schatten über Österreich. Ein Artikel in der Reichspost von Mai 1933, in dem die Aktion der neuen deutschen Regierung gegen Reichs Aktivitäten in Berlin begrüßt wird, fällt auch der Name Marie Frischauf, verbunden mit der Angst, daß Reich nach Wien zurückkehren könnte. Im Zusammenhang mit den Einschränkungen des österreichischen Ständestaats nach dem Aufstand von Februar 1934 wurden massive Maßnahmen gegen jedwedes sexualpolitisches Engagement ergriffen. Am 27. Februar 1934 durchsuchte die Polizei die Wohnung von Johannes Wertheim, am 13. März das Büro des Münster-Verlags in der Oberen Donaustraße 67 und konfiszierte alle Restbestände, die die Polizei später „lagerte“, d h. „zerstörte“. Die Bücherverbrennungen der FDA werfen ihre Schatten voraus: Reichs Bücher wurden verbrannt, in Deutschland, Österreich, der UdSSR und den USA. Am 25. März 1934, in einem Brief der Bundespolizei in Wien an das Wiener Landgericht für Strafsachen wird außerdem festgestellt, daß es den Münster-Verlag rechtlich überhaupt nicht gäbe. Johannes Wertheim gelang es, der Verhaftung zu entgehen, indem er ins Ausland flüchtete, ebenso Arnold Deutsch, Inhaber des Münster-Verlags.

Des weiteren wird um ein Durchsuchungsbefehl für die Buchhandlung in Wien 8, Neubaugasse 29 ersucht, „da dort Marie Frischauf, Mitautorin von Ist Abtreibung schädlich? ein Verlagshaus mit einer Verbindung mit dem Geschäft besitze und es die Wahrscheinlichkeit gäbe, daß sie dort nicht nur Exemplare der 6 Veröffentlichungen verkauft, die Gegenstand der Untersuchung sind, sondern auch weitere „obszöne Publikationen“. Es handelt sich hier um den Verlag der Kommunistischen Jugendinternationale. Die Akte im Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes (DÖW) dokumentiert zusätzlich die Beschlagnahme von „obszöner“ Literatur in weiteren Wiener Buchhandlungen und Büchereien und die Verurteilung von Wertheim. Auch wurde die Wohnung der Frischaufs durchsucht. Nach einer ersten vorläufigen Verhaftung sah sich Marie Frischauf zur Flucht gezwungen. Um ihren Ehemann nicht zu gefährden, ließ sie sich scheiden und emigrierte im September 1934 nach Paris.

Über ihr dortiges Leben bis 1938 ist wenig bekannt. Da sie ausgezeichnet Französisch sprach, Englisch und auch ein wenig Italienisch hatte sie wahrscheinlich wenige Schwierigkeiten sich einzuleben. Sie bestritt ihren kargen Lebensunterhalt mit ein wenig journalistischer Arbeit und als kosmetische Ärztin. Man kann davon ausgehen, daß sie ihr medizinisches Wissen auch anderen Flüchtlinge zur Verfügung stellte. Bis Mitte 1937 diente sie als Mitglied der Leitung der KPÖ-Gruppe in Frankreich. Gemäß der Satzung der Komintern trat sie der Kommunistischen Partei Frankreichs bei. November 1938 wurde der Cercle Culturel Autrichien gegründet, ehrenamtlich geführt von Marie Frischauf und Tilly Spiegel.

In seinem Buch The Philby Files. The Secret Life of Master Spy Kim Philby (1994, S. 17) berichtet Genrikh Borovik, daß Philby in Wien von einer „Mitzi Frishau“, d.h. Marie Frischauf, darüber unterrichtet wurde, daß man ihn zu einem „Kurier“ machen wolle.

Wir haben drei Frauen, die Reichs Sexualberatungsstellen in Wien mit dem Spionagering der Cambridge Five in Zusammenhang bringen: neben Marie Frischauf, Litzi Friedman, die Philby Februar 1934 in Wien heiratete, und Edith Tudor Hart (Schuschitzky). Alle drei brachten ihn mit dem NKWD-Vertreter in Wien, Deutsch in Kontakt, der Philby rekrutierte. Edith Tudor-Hart war dadurch mit der „Sexpol“ verbunden, daß ihr Vater ein „Verfechter der Sexualreform“ war, der entsprechende Bücher vertrieb. Sie war ein wichtiger Talentsucher des NKWD. 1925–1927 war sie in England gewesen, um als Lehrerin zu arbeiten.

Philby kannte auch Muriel Gardiner, die Frau von Josef Buttinger, Führer der Revolutionären Sozialisten Österreichs.

Peter Pelinka: Erbe und Neubeginn. Die Revolutionären Sozialisten in Österreich 1934–1938 (Wien: Europaverlag, 1981): Ende 1929 gründete Wilhelm Reich das „Komitee revolutionärer sozialdemokratischer Arbeiter“. Diese Gruppe konnte nur einen kleinen Teil der Sozialdemokratischen Jugend und den Schutzbund beeinflussen. In seiner Zeitung brachte Reich bereits viele Punkte eines Buches vor, das später sehr wichtig für den linken Flügel der SDAP wurde: Ernst Fischer: Die Krise der Jugend, Wien 1931.

Vgl. Anson Rabinbach: Ernst Fischer and the left opposition in Austrian social democracy: the crisis of Austrian socialism 1927-1934, S. 107: „Reichs Argumente sollten eine wichtige Rolle bei der Entwicklung einer Opposition in der österreichischen Jugendbewegung spielen, und Ernst Fischers Rolle in der Jugendbewegung erinnerte in vieler Hinsicht an die Argumente und Einsichten, die Reich bei seiner oppositionellen Aktivitäten entwickelte.“

Nach dem Ausschluß der Reich-Gruppe aus der SDAP bildeten sich einige Gruppen in der Sozialistischen Arbeiterjugend SAJ und im Schutzbund inspiriert durch das, was Reich getan hatte. Am entscheidendsten war sein Einfluß auf die Jugend, die mehr und mehr kommunistische Tendenzen entwickelte. Vor allem einer der Redakteure der offiziellen sozialdemokratischen Zeitung Arbeiter-Zeitung, Ernst Fischer, versuchte diese Jugend-Opposition zu organisieren. Aus dieser linken Opposition innerhalb der SDAP entwickelten sich schließlich die Revolutionären Sozialisten. (Man kann dergestalt eine Linie von Reichs Revolutionären Sozialdemokraten von 1929/30 zu den Revolutionären Sozialisten 1934-1938 ziehen.)

Gewisserweise war Ilona Duczynska ein Vorläufer und ein „Nachläufer“ von Reich, da sie sowohl die Originalversion von Reichs Revolutionären Sozialdemokraten organisierte als auch später eine wichtige Figur in der Formation der Revolutionären Sozialisten wurde. Die ehemalige Kommunistin Ilona Duczynska-Polanyi war vor 1918 im Exil in Zürich, Schweiz. Angelika Balabanoff schickte sie nach Wien, aber bald wurde sie aus der KP ausgeschlossen und trat der SDAP bei. Mitte der 1920er Jahre bildete sich ein Kreis um sie, die „Politische Arbeitsgemeinschaft“, die zwei Jahre eine eigene Zeitschrift Der Linke Sozialdemokrat herausgab (klingt ganz wie die spätere Der Revolutionäre Sozialdemokrat, herausgegeben von Reich). Diese Gruppe hatte einigen Einfluß auf den Wiener Schutzbund. Die Politische Arbeitsgemeinschaft zog eine klare Trennlinie zwischen sich und der KPÖ, so daß es zunächst keinen Ärger mit der Führung der SDAP gab, die immer wieder mit „kommunistischen Keimzellen“ zu tun hatte. Erst später, als die Politische Arbeitsgemeinschaft parteiumfassende antifaschistische Ausschüsse bildete, geriet sie in Konflikt mit der SDAP-Führung. Im Oktober 1928 bekam die Gruppe um Duczynska Probleme, als sie in einem Flugblatt die sozialdemokratischen Arbeiter drängte, den Heimwehr-Aufmarsch in Wiener Neustadt zu behindern (Ein Marsch, der in Menschen im Staat beschrieben wird). Wegen diesem „Bruch der Parteidisziplin“ wurde die Duczynska-Gruppe (Duczynska und 69 weitere) aus der Partei ausgeschlossen. Als nächstes beschreibt Pelinka Reichs „Komitee revolutionärer sozialdemokratischer Arbeiter“.

Siehe Ilona Duczynskas Buch Workers in Arms. The Austrian Schutzbund and the Civil War of 1934, Monthly Review Press, New York and London, 1978. Beispielsweise die Fußnote auf S. 243:

Bei der Mobilisierung weltweiten Protests sind in erster Linie die ausländischen Korrespondenten in Wien zu nennen. Weniger bekannt wurden die Dienste dreier junger Engländer – einer von ihnen noch ein Student – für den Wiener Schutzbund. Es waren Hugh Gaitskell, später Vorsitzender der britischen Labour Party und Oppositionführer; Elwyn Jones, später britischer Generalstaatsanwalt; und Kim Philby, später – Kim Philby. Sie halfen die Kommunikation wiederherzustellen, bei der Ausreise bedrohter Genossen aus dem Land, organisierten Hilfslieferungen durch die britischen Gewerkschaften, die sie engmaschig durch eine Reihe von vertraulichen Berichten über die Kämpfe und ihre Nachwirkungen informiert hielten.

Der Rote Faden: Kim Philby (Teil 1)

23. Februar 2015

Während in den 1920er Jahren Österreich als Land schwarz (katholisch) war, war die Hauptstadt Wien rot (sozialdemokratisch). Von der „Sexualpolitik“ her gab es aber kaum Unterschiede. Das Lumpenproletariat sollte lernen, sich auf eine angemessene d.h. a-sexuelle Weise zu verhalten. Die meisten Psychoanalytiker waren Sozialdemokraten. Reich und seine Anhänger rebellierten gegen diese linke elitäre Ideologie, und so wurden sie zu glühenden Kommunisten. Faktisch operierten sie sogar als Komintern-Agenten, indem sie versuchten, die Sozialdemokratie zu spalten: Reichs Revolutionäre Sozialdemokraten Dezember 1929 bis Mai 1930, wofür Reich denn auch prompt aus de SDAP ausgeschlossen wurde.

Reich als Komintern-Agent ist durchaus nicht abwegig. Das sieht man, wenn man einen gewissen Arnold Deutsch und Kim Philby (!) betrachtet. Gehen wir dazu zunächst nach Großbritannien.

England war eine sehr gewalttätige, repressive und homophobe Gesellschaft, voll von jungen Homosexuellen. So war es kein Wunder, daß sie Kommunisten wurden – aus „sexualökonomischen Gründen“. Philby war bisexuell, ein zurückhaltender junger Mann voller Sehnsucht nach emotionaler Befreiung, was von den sexualökonomisch geschulten Kominternagenten in Wien ausgenutzt wurde.

Siehe dazu:

martincoldwar

Der Kommunismus ist eine Geschichte der Konspiration. Im allerersten Pamphlet über die „Partei neuen Typs“ (Was tun?, Stuttgart 1902) sprach Lenin ganz in der Tradition des russischen Anarchismus über die Kommunisten als einer „Geheimgesellschaft“ und einem „Agentenring“. Von Beginn an war der Kommunismus Verschwörung mit Spionen, Geheimcodes, verdeckten Mordanschlägen (z.B. „Selbstmorden“), etc. „Stalinismus“ bedeutete nur eins: daß dies schließlich auf mißliebige Kommunisten selbst übertragen wurde. Dieser „Klassenkampf“ wurde zusätzlich durch einen Faktor verwirrt, der gerne unter den Tisch gekehrt wird: die russischen Sozialdemokraten, aus denen die Kommunisten herausgewachsen sind, hatten Sympathisanten in Kreisen der russischen Industrie, die hofften mit ihrer Hilfe die archaischen Reste des Feudalismus hinwegfegen zu können. Entsprechend wurde die Oktoberrevolution von Wall Street unterstützt. Auch im Kalten Krieg spielte die Großindustrie teilweise eine unrühmliche Rolle. Man denke auch daran, wie der Kapitalist und Millionär Friedrich Engels die frühe Marxistischen Bewegung finanzierte oder wie sein Freund Georgi W. Plechanow (1856–1918), Millionär und Gründer der russischen Sozialdemokratie, Lenin unterstützte. Kommunisten und Kapitalisten konnten schon immer gut miteinander. Es sollte niemanden verwundern, daß die Spionageringe im Westen zu einem Gutteil in den höchsten Gesellschaftsschichten verankert waren.

1929 und 1930, als die drei „sexualökonomischen“ Bücher Reichs im Münster-Verlag veröffentlicht wurden, war Arnold Deutsch Besitzer des Münster-Verlags. Manager des Münster-Verlags war Dr. Johannes Wertheim, ein hochrangiges Mitglied der KPÖ.

  • Wilhelm Reich: Sexualerregung und Sexualbefriedigung – Schriften der Sozialistischen Gesellschaft für Sexualberatung und Sexualforschung in Wien, Nr. 1, Wien: Münster-Verlag, 1929
  • Marie Frischauf und Annie Reich: Ist Abtreibung schädlich? – Schriften der Sozialistischen Gesellschaft für Sexualberatung und Sexualforschung in Wien, Nr. 2, Wien: Münster-Verlag, 1930
  • Wilhelm Reich: Geschlechtsreife, Enthaltsamkeit, Ehemoral – Schriften der Sozialistischen Gesellschaft für Sexualberatung und Sexualforschung in Wien, Nr. 3, Wien: Münster-Verlag, 1930

Wertheim leitete auch den Wiener Agis-Verlag. Beide Verlage waren Sprachrohre der Komintern. Zu den Autoren gehörten Marx, Engels, Lenin, Stalin, Trotzki (anfangs!) und viele andere. Deutsch war in Wien zeitweise das, was Genosse Thomas in Berlin gewesen war. Das rückt Reich ziemlich in der Mitte des Geschehens.

Eine zentrale Rolle bei Reichs früher Teilhabe am kommunistischen Projekt spielte Marie Frischauf. In seinem Nachwort zu Marie Frischaufs Buch Der graue Mann: Roman und Gedichte für Arnold Schönberg (Wien 2000, S. 120-123) schreibt Marcus G. Patka, daß sie keine erklärte Anhängerin der Lehre Sigmund Freuds war. Es gibt nur für einen einzigen Besuch bei der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung: am 10. Oktober 1928, anläßlich eines Vortrags Wilhelm Reichs über Nackterziehung. Beide waren Mitglieder des Schönberg-Vereins. Sie gründeten und führten die Sozialistische Gesellschaft für Sexualberatung und Sexualforschung, die von den städtischen Behörden der Stadt Wien am 27. Dezember 1928 registriert wurde. In der Satzung erhielt die Psychoanalyse eine zentrale Stellung. Marie Frischauf gab die politische Linie vor, Reich diente als klinischer Leiter. Acht der zehn weiteren Gründungsmitglieder waren ebenfalls Mitglieder der KPÖ. Die Vorträge in den Arbeiterstadtvierteln wurden ausschließlich in der Roten Fahne angekündigt, dem offiziellen Organ der KPÖ.

Gelegentlich arbeitete Marie Frischauf auch als Anästhesistin bei Abtreibungen, die von Dr. Fritz Jensen durchgeführt wurden. 1930 brachte die Wende in der Gesellschaft. Ohne Zweifel war ein Höhepunkt am 19. September das Rahmenprogramm für den 4. Kingreß der Weltliga für Sexualreform. Neben Marie und Hermann Frischauf und Wilhelm Reich trug unter anderem Reichs Vorbild Max Hodann vor. Doch kurz danach zog Reich nach Berlin. Nach seinem Weggang wurde die Gesellschaft in Unterabteilungen gegliedert, wo Marie Frischauf die Konsultationen für Empfängnisverhütung und venerische Krankheiten durchführte.

Hinzu kam eine weitere Aufgabe. Im März 1930 übernahm sie die Leitung des Verlags Egon Grünberg & Co., der bald danach in Weidmann & Co. umbenannt wurde – es war der Verlag der Kommunistischen Jugendinternationale in Österreich. Darüber hinaus leitete sie seit 1933 (nach dem Verbot der kommunistischen Arbeiter-Hilfsorganisationen, die dem Verbot der KPÖ vorangingen) den Verein für proletarische Solidarität, der im Jahr zuvor gegründet worden war, und bald in Bund proletarischer Solidarität umbenannt wurde.

Griechenland: ein Menetekel für die Zukunft Deutschlands

22. Februar 2015

In den letzten Tagen haben die Griechen ein schier unglaubliches Schurkenstück hingelegt. Roland Tichy sagt dazu: „Es ist ein Meisterstück der politischen Propaganda, wie es Griechenland geschafft hat, Ursache und Wirkung zu verkehren. Irgendwie sind wir Deutschen daran schuld, dass Griechenland zu viel Schulden gemacht hat.“ Man lese seine aktuelle Analyse bitte vollständig.

Kaum eine Nation hat eine derartig grandiose Geschichte aufzuweisen wie das kleine Griechenland: die minoische Kultur, das klassische Zeitalter, Alexander, der den Nahen Osten bis zum Indus und fast bis runter in den Sudan hellenisierte, das Byzantinische Reich, das heute in der Orthodoxie nachlebt. Unser geliebtes Vaterland, das Heilige Deutschland, kann immerhin auf ein ganzes Jahrtausend ungeheurer kultureller und zivilisatorischer Errungenschaften zurückblicken. Unsere Nationen verbindet viel. Keine andere Kultur haben die Deutschen so sehr bewundert und geliebt wie die griechische. Heidegger meinte, Philosophietreiben sei im Grunde nur in zwei Sprachen möglich: dem klassischen Griechisch und dem klassischen Deutschen.

„Klassisches Deutsch“, weil dank unserer grandiosen Bildungspolitik und der Rechtschreibreform wir drauf und dran sind, Deutschland seine Seele, seine Sprache zu nehmen.

Das bringt mich zum Thema: wir tun das vor allem, um die „Bildungshürden“ für „bildungsferne Schichten“ zu senken. Konsequenterweise sollten wir uns dann auf das Grunzen von Schimpansen hinabbewegen, denn immer mehr Kinder werden so gut wie ohne deutsche Sprachkenntnisse eingeschult.

Wir haben massenhaft Menschen ins Land geholt, die uns zunehmend prägen, allein schon weil wir uns ihrem Niveau anpassen. Churchill beschrieb die islamische Mentalität wie folgt:

(…) diese beängstigende fatalistische Gleichgültigkeit. Die Auswirkungen sind in vielen Ländern offensichtlich: Sorg- und Leichtsinnigkeit, schlampige Ackerbaumethoden, schwerfällige Wirtschaftsgebräuche und Unsicherheit des Eigentums herrschen überall dort, wo die Nachfolger des Propheten regieren oder leben. Eine degradierte Sinnlichkeit beraubt das Leben seiner Würde und Verfeinerung; beraubt es jeder Achtung und Unantastbarkeit. (Hervorhebungen hinzugefügt)

Was Churchill gemeint hat, habe ich teilweise in Drogen und Sexualökonomie (Teil 2) umrissen. Und was die Unsicherheit des Eigentums betrifft: jeder Kenner der Verhältnisse weiß, daß es in der mohammedanischen Welt kein Eigentum gibt. Es gibt kein Vertrauen in die Menschen außerhalb des Familienclans. Zäunst du deine Schafherde ein und läßt sie nachts auf dem Feld, ist am nächsten Morgen nicht nur die Schafherde weg, sondern auch der Zaun. Das passiert neuerdings auch zunehmend in Deutschland, wo über Nacht ganze Viehherden von den Weiden verschwinden. Was bleibt sind zerschnittene Zäune und die Reifenspuren der Viehtransporter. Ähnliches läßt sich über Vertragstreue sagen – man lese doch die Lebensgeschichte des Gauners Mohammed!

Diese saharasische Pest hat Griechenland zerstört. All den Schlendrian, die Vetternwirtschaft, die Korruption, die ständigen Tricksereien, der wuchernde „Sozialstaat“, die jede Eigeninitiative unterhöhlende sozialistische Gesinnung, das alles erstickende „legal? illegal? scheißegal!“ ist ein Erbe des Osmanischen Reiches, das über vier Jahrhunderte hinweg die Griechen geknechtet hat. Der Willkürherrschaft der Türken schuldete man keine Loyalität, der Staat war der Feind, den man verarschen und ausplündern mußte, wo es nur ging.

In Griechenland wird der Müll überall hingeworfen, Häuser ohne Baugenehmigung in die schönsten Landschaften gesetzt, rote Ampeln einfach ignoriert und Fußgänger müssen schon selbst aufpassen, wenn sie heil über die Straße kommen wollen. Jeder Dritte war im Staatsdienst und konnte prinzipiell mit 50 in Rente. Die beiden großen Parteien werden von Familienclans dominiert, die genauso wirtschaften wie jeder Grieche: eine Hand wäscht die andere, alles läuft über persönliche Beziehungen und nichts taucht in den Büchern auf. Entsprechend wettern die Griechen gegen ihre korrupten Politiker – die sich doch ganz volksnahe so verhalten, wir es jeder Grieche in seinem eigenen Umfeld tut. Die Loyalität gilt einzig und allein der eigenen Familie und persönlichen Freunden, der Rest interessiert schlichtweg nicht.

Die Türken hatten die Gesellschaft zerstört und die hat sich auf einem atavistischen Clanniveau mehr schlecht als recht reorganisiert. 150 Jahre nachdem sich die Griechen von den Türken befreit hatten, durchdringt das türkische Miasma noch immer die Seele Griechenlands!

Die Korrumpierung des Griechentums durch die Türken erfolgte beispielsweise durch die Verbreitung des Cannabiskonsums. Noch heute sind in Griechenland jene Griechen für ihr ständiges Bekifftsein berühmt-berüchtigt, die vor der Vertreibung in den 1920er Jahren in Kleinasien unter türkischer Herrschaft lebten.

Griechenland hat mit die härtesten Drogengesetze Europas. Im Jahre 1890 wurde dort das erste Cannabisverbot Europas erlassen. Hintergrund ist die Tatsache, daß Griechenland jahrhundertelang von den Türken beherrscht wurde. (…) So wurde Wein zur Droge der Griechen und Cannabis zur Droge der Türken. Ein Verbot des Haschischrauchens war ein Weg, in Griechenland lebende Türken zu kriminalisieren. (…) In der sozialistischen Regierung gibt es zwar Bestrebungen, die Gesetze zu Cannabis zu liberalisieren. Sie konnten sich jedoch bisher nicht durchsetzen.

So beschreibt eine Kifferseite die verzweifelte Gegenwehr der Griechen und den Verrat durch die Sozialisten.

Nietzsche zufolge war das klassische Griechenland vor allem durch eins geprägt: Wettstreit und Dynamik. Das genaue Gegenteil der heutigen indolenten Mentalität. In unserem deutschen Vaterland erleben wir genau das gleiche: das Schwinden deutscher Tugenden, wie Ehrlichkeit, Arbeitsamkeit und Staatstreue und ihre Ersetzung durch Lafontainesche Primärtugenden… Man sieht das ganze nicht mehr so eng – alles ist scheißegal.


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