Mit ‘Wut’ getaggte Artikel

Modell, Funktionsschema, orgonometrische Gleichung

16. April 2012

Bei der Beschreibung der inneren Dynamik der Triebenergien hat Reich drei Darstellungsweisen benutzt. Zunächst eine auf das Wesentliche reduzierte Darstellung des Organismus (Kern, Panzerung, Peripherie):

Hinzu tritt eine zweite, die sich von dieser Modellvorstellung emanzipiert und sich weitgehend auf ein Funktionsschema beschränkt:

Diese beiden Darstellungsweisen sind nicht gleichwertig, da in der ersteren expansive Emotionen wie Lust, Wut und Sehnsucht prinzipiell nur nach außen gerichtet sein können, kontraktive wie Angst und Trauer prinzipiell nur nach innen. Im zweiten Schema kann jedoch beispielsweise expansive Wut als unbewußte Abwehr von Angst oder Trauer nach unten gerichtet sein.

In der Neurose spaltet sich der einheitliche Triebimpuls aufgrund der Panzerung in den eigentlichen Triebimpuls und seine Abwehr auf. Neurotisches Verhalten, wie etwa Homosexualität oder Machogehabe, entspringt dabei nie dem eigentlichen Triebimpuls, sondern stets seiner (unvollständigen) Abwehr.

Beispielsweise richtet sich beim feminin-passiven Charakter anale Passivität (unbewußte Abwehr) gegen die phallische Aggression (verdrängter Trieb). Nach außen hin kommt das als „schwuchtelhaftes“ Verhalten und/oder manifeste Homosexualität zum Ausdruck. Beim phallisch-narzißtischen Charakter ist es genau umgekehrt: phallische Aggression (unbewußte Abwehr) richtet sich gegen die anale Passivität (verdrängter Trieb). Das kommt dann als unangenehmes „Macho-Verhalten“ zum Ausdruck.

Hier schließlich die orgonometrische Darstellung des phallisch-narzißtischen Charakters:

Die Emotionen

29. Juli 2011

Sebastian hat folgende Fragen in bzw. an diesen Blog gestellt:

  • Reich schreibt: „Wir werden später zu zeigen haben, daß es die Funktion der Emotion ist, die das Ziel eines Triebes bildet und nicht umgekehrt, wie die Metaphysiker behaupten“ (Äther, Gott und Teufel, S. 54). Wann kommt dieses „später“ und wer sind in diesem Fall die Metaphysiker?
  • Als Funktion der Emotion nennt Reich Beispiele: Die Lust führt zur Entladung überschüssiger Zellenergie, Wut hat die Funktion lebensbedrohende Situationen zu bewältigen. Welche Funktionen erfüllen Angst (Wahrnehmung von Gefahr?), Trauer (Bewältigung des Verlustes von gewohntem Kontakt?) und Sehnsucht (Streben nach Kontakt?)?
  • Was für Bewegungszustände spiegeln die primären Emotionen wider? Lust, Sehnsucht, Wut = expansiv und Angst, Trauer = kontraktiv?
  • Wie muß ich mir das Verhältnis zwischen Emotion und Trieb vorstellen? Eine Emotion ist doch die Reaktion auf einen äußeren Reiz und der Trieb ein innerer, permanenter Reiz, oder? Wie hängen die beiden zusammen?
  • In Charakteranalyse geht Reich von Lust, Angst und Wut als die grundlegenden Emotionen aus. Wie ist er zu Trauer und Sehnsucht gekommen? Klinische Beobachtung?
  • Allgemein ist es der Übergang von primären und sekundären Trieben zu primären und sekundären Emotionen, der mich fragen läßt.
  • Bevor Reich von Emotionen spricht, spricht er von Affekten. Was unterscheidet diese beiden Begriffe?

Äther, Gott und Teufel ist der erste Teil des geplanten 3. Bandes von Die Entdeckung des Orgons. Der zweite Teil, in dem Reich die Entwicklung seiner Denkmethode von der Auseinandersetzung mit der Freudschen Triebtheorie bis zur Entdeckung des Orgons beschreibt, ist leider nur teilweise in Reichs Orgone Energy Belletin erschienen. Der vollständige Text wurde dann in den 1990er Jahren als Artikelserie in der Zeitschrift des Wilhelm Reich Infant Trust veröffentlicht, Orgonomic Functionalism: „The Developmental History of Orgonomic Functionalism“. Vielleicht erbarmt sich ja mal ein deutscher Verlag…

Erst einmal geht es Reich nicht einfach um „Funktionalismus“, sondern um energetischen Funktionalismus. Aus dieser Sichtweise hat etwa Wut nur sekundär die Funktion äußere Gefahren zu bewältigen, primär geht es um die expansive Bewegung der Energie in die Muskulatur hinein. Erst sekundär kommen Funktionen hinzu, wie etwa die Abwehr von Konkurrenz, und tertiär dann neurotische Mechanismen, wie etwa die Aufrechterhaltung der Verdrängung. Genauso ist Trauer zunächst einmal „einfach nur“ eine Kontraktion der Energie, erst sekundär kommen alle möglichen anderen Funktionen hinzu, etwa die „Vernünftigkeit“ eines Rückzugs, wenn das Nach-außen-Greifen keinen Sinn mehr macht.

Die Bewegung der Energie ist das Primäre. Daraus folgt dann alles weitere, was Biologen, Mediziner, Anthropologen, Soziologen, Psychologen und Theologen beschreiben. Nur daß diese die Vorgänge genau umgekehrt, nämlich „metaphysisch“ betrachten. Sie nehmen eine letztendlich psychologistische Erklärung und projizieren sie dann in die energetischen Vorgänge hinein. Plötzlich sieht es dann so aus, als hätte die Natur ein „Bewußtsein“ und „einen Willen“ = Metaphysik. Beispielsweise empfinden wir, von dieser „metaphysischen“ Warte aus betrachtet, genitale Lust als Anreiz zur Fortpflanzung: „Die Funktion der Lust ist die Fortpflanzung.“ Für Reich hingegen ist die Lust, die mit Energieentladung und damit Spannungsverminderung einhergeht, das Primäre, erst sekundär hat sich die Funktion der Fortpflanzung sozusagen „draufgepflockt“.

  1. Lust,
  2. Sehnsucht,
  3. Angst,
  4. Wut und
  5. Trauer

sind in dieser Reihenfolge die Grundemotionen.

An sich gibt es nur eine e-motion, nämlich die (1.) Lust, denn „Emotion“ bedeutet „Herausbewegen“.

Bei der (2.) Sehnsucht fließt die Energie in Brust und Arme und in Becken und Mund und wir haben es mit dem Verlangen nach Überlagerung zu tun, also nicht nur mit allgemeiner Lust, sondern mit spezifischer Liebe. Entsprechend kann es Sehnsucht erst bei Vertebraten geben, während Lust ein allgemeines Phänomen ist, das grundsätzlich alles Lebendige umfaßt (außer dem gepanzerten Menschen).

Zu der einen Emotion Lust kommt zweitens die (3.) Angst, die an sich „Remotion“ ist. Tatsächlich ist Angst aber kein reines Zurückfließen, sondern ein stauendes Rückfließen entgegen der primären lustvollen Emotion (Angst ist orgonomisch immer „Stauungsangst“). Entsprechend ist auch die „Remotion“ etwas universelles (wieder mit Ausnahme des gepanzerten Menschen – bzw. natürlich mancher gepanzerter Menschen).

(4.) Wut entsteht als ausbrechende Reaktion der Energie, die diese Stauung wieder aufzuheben bestrebt ist oder um die Überlagerung doch noch herzustellen. (Man beachte die „metaphysische“ Sprache, so als wäre die Energie eine „Person“. Die Orgonometrie soll uns von diesen „Sprachfallen“ befreien.) Der Organismus setzt sich durch, indem die Energie in die Muskulatur fließt. Wut kann sich also erst entwickelt haben, nachdem sich das Mesoderm zwischen das Entoderm und Ektoderm geschoben hat.

(5.) Trauer ist das Gegenteil von Sehnsucht und Wut, es gibt keine Möglichkeit der Überlagerung und der Organismus kontrahiert ohne Stauung. Entsprechend kann man vor Trauer buchstäblich sterben.

Es wird deutlich, warum Lust die einzige und grundlegende Emotion ist: die Energie fließt nach draußen. (Solange wir leben wird ununterbrochen im Zentrum des Körpers Energie „generiert“!)

Es ist zweitens klar, warum Lust und Angst die beiden grundlegenden Emotionen sind, denn zu dieser Expansion tritt natürlicherweise die Kontraktion (Angst) hinzu.

Es ist drittens klar warum Lust, Angst und Wut die drei grundlegenden Emotionen sind, denn Lust und Angst gehören selbstverständlich zum Organismus genauso wie die Wut, ohne die er in einer feindlichen Umwelt nicht überleben könnte.

Und es ist schließlich klar, warum Sehnsucht und Trauer als nicht unbedingt notweniger Luxus erst bei den späteren Organismen auftreten. (Was aber nicht bedeutet, daß sie weniger tief verankert sind. Wenn man Die kosmische Überlagerung liest, wird man sehen, daß Sehnsucht und Trauer durchaus fundamentaler sind, als hier dargestellt, nämlich Ausdruck der das Leben konstituierenden Separation von organismischer und kosmischer Orgonenergie durch die materielle Membran. Aber eine eingehender Erläuterung sprengt genauso den Rahmen dieses Artikels, wie der Hinweis, daß die Emotionen in der kosmischen Orgonenergie selbst angelegt sind, weil diese „erregbar“ ist, wie das ORANUR-Experiment gezeigt hat.)

Und es ist schließlich offensichtlich, warum die am Anfang präsentierte Aufstellung der Emotionen genau in dieser Reihenfolge für den Menschen wichtig ist. Jedenfalls war dies bei Reich selbst so, der sich, mangels anderer Möglichkeiten, selbst als Muster für gesundes, d.h. natürliches Funktionieren genommen hat. Bei ihm spielte die Sehnsucht eine zentrale Rolle, während beispielsweise Freud offensichtlich nie so etwas empfunden hat.

Bei vielen Neurotikern ist die Sache in der Reihenfolge wohl eher umgekehrt als in der obigen Aufstellung oder sie wissen beispielsweise gar nicht, was Sehnsucht ist. Bei anderen ist es Wut, die ihnen fremd bleibt, etc.

Der Trieb ist die motorische Seite der Lust bzw. der „E-motion“ an sich. Der Trieb ist unserem Bewußtsein als solcher nicht zugänglich im Gegensatz zur Emotion, weil wir, wie Reich sich ausdrückt, sein Objekt sind (Die Funktion des Orgasmus). Aber natürlich können wir ihn nach seinem Ziel benennen. Entsprechend spaltet sich die einheitliche organismische Expansionsfunktion durch die Konfrontation mit der Umwelt spontan in Objekt- und Selbststrebungen auf, was wir dann als „Objektliebe“ (etwa für die Mutter) und als „Selbstliebe“ empfinden.

Durch eine lebensfeindliche Umwelt richtet sich der eine Trieb gegen den anderen und erzeugt so die Panzerung:

  • der Sexualtrieb richtet sich gegen den Selbsterhaltungstrieb, was zu Narzißmus führt;
  • der Selbsterhaltungstrieb richtet sich gegen den Sexualtrieb, was zum Idealisieren führt.

Die so entstehenden Triebregungen werden dann ihrerseits von gegenteiligen Regungen blockiert und immer so weiter, bis wir das undurchdringliche Triebgestrüpp vor uns haben, das wir „Charakter“ nennen. In der Orgontherapie wird versucht, die durch die sich gegenseitig blockierenden Triebe hervorgerufene Affektstarre wieder aufzulösen.

Aus den beiden primären Grundtrieben entwickeln sich die diversen „sekundären“, d.h. neurotischen Triebe. Kann die Panzerung die Triebenergie nicht mehr halten, kommt es zu Affekten: schamhaftes Erröten, „Ausrasten“, hysterisches Lachen, krampfhaftes Weinen, etc. Derartige Affekte prägen den Verlauf der Orgontherapie. (Natürlich hat auch der genitale Charakter „Affekte“, d.h. Gefühlsausbrüche, aber sie sind der Situation angemessen, während der Neurotiker wegen seines Triebstaus eine „unberechenbare Zeitbombe“ ist.)

Ganz ähnlich wie bei den beiden Grundtrieben (die sich natürlich auf unendlich viele unterschiedliche Zielobjekte richten können!) auf der einen und dem verwirrenden Triebgeflecht auf der anderen Seite, sieht es auch bei den Emotionen aus. Es gibt nur die fünf Reichschen Grundemotionen (die je nach den Umständen natürlich jeweils unendlich mannigfaltig gefärbt sein können). Die Mischung, aus der die „weiteren“ Emotionen hervorgehen, etwa „Haß-Liebe“ oder „ängstliche Sehnsucht“, entspricht der kranken neurotischen Ambivalenz, während der ideale Gesunde nur klare eindeutige Gefühle kennt und sie auch dementsprechend ausdrückt.

Das spiegelt sich auch unmittelbar im Denken wider: der Neurotiker ist nicht in der Lage logisch und folgerichtig zu denken. Sein Denken ist kompliziert, entsprechend den verschachtelten „verwirrten“ Trieben, und ambivalent, entsprechend den „gemischten Gefühlen“. Das heißt nicht, daß er nuanciert denken kann, tatsächlich ist sein Denken gleichzeitig auch holzschnittartig, da sein Trieb- und Gefühlsleben nicht frei ist, d.h. nicht offen für die unendlich vielen Optionen und Nuancen, die uns diese wunderbare Welt bietet.

Die Charakteranalyse der Menschheit

3. Juli 2011

In den beiden Blogeinträgen ; – ) und : – ( haben wir uns bereits mit dem Unterschied zwischen westlichen („weißen“) und östlichen („gelben“) Menschen beschäftigt. (Siehe auch Das Ende von Marktwirtschaft und Demokratie.) Kurz zusammengefaßt kann man sagen, daß die „Weißen“ individualistisch und in ihrer Beziehung zu anderen berechnend eingestellt sind, die „Gelben“ kollektivistisch und mitfühlend.

Dieser Unterschied zeigt sich auch darin, wie wir uns gegen die ultimative Bedrohung, den Tod verteidigen. Dies konnten die beiden Psychologen Christine Ma-Kellams und Jim Blascovich von der University of California, Santa Barbara zeigen. Während westlich geprägte Menschen das unabhängige, individuelle Selbst hochhalten, nutzen Asiaten angesichts des Todes das Gefühl von Gemeinschaft und Gruppenzugehörigkeit als Angstpuffer. Das zeigt sich daran, daß die ersteren im Bewußtsein der eigenen Sterblichkeit Personen stärker ausgrenzen, die sie nicht zur eigenen Gruppe gehörig empfinden, etwa weil sie ihre Überzeugungen verletzen. Sie konzentrieren sich also auf die Kerngruppe und werden auch gegenüber unschuldigen Opfern „engherziger“. Die eigenen Reihen werden fest geschlossen („Kontraktion“). Östlich geprägte Menschen sehen in Anbetracht ihrer eigenen Sterblichkeit über unerwünschtes Verhalten anderer hinweg, weiten ihre sozialen Bindungen aus und werden entsprechend „weitherziger“ („Expansion“).

Zunächst einmal ist interessant, wie der Kommunismus diese beiden emotionalen Grundstrukturen verändert hat: in Osteuropa wurden die Menschen „kollektivistischer“ und „solidarischer“, während sie in Rotchina unter dem Diktat des „Klassenkampfes“ (der sich bekanntlich auf dem Weg zum Kommunismus immer weiter verschärft: Säuberungen, Kulturrevolution, etc.) auf eine für die übrigen Asiaten erschreckende Weise ruppig und unsolidarisch geworden sind. Mit dem letzteren Phänomen habe ich mich in Junge, Du bist ein ARSCHLOCH!! (Teil 2) beschäftigt.

Kommunisten haben nur ein Ziel: Macht um der Macht willen. Entsprechend werden die Grundlagen der Gesellschaft, letztendlich die bioenergetische Pulsation, zerstört. Im Westen war das selbständige Individuum, das die Tendenz hat andere auszuschließen, Ziel dieser Zerstörung, im Osten der „mitmenschliche Mensch“, der im Zweifelsfall für „die anderen“ offen war. Beide Einstellungen untergraben den „Klassenkampf“!

Was der Kommunismus letztendlich zerstören will, ist die bioenergetische Struktur des Menschen, die sich in zwei Energiesystemen manifestiert: erstens das orgonotische System und zweites das energetische Orgonom.

Das erstere konzentriert sich im Oberbauch, im Solar plexus, und bestimmt unsere „selbstsüchtigen“ Emotionen: alles geht vom bioenergetischen Zentrum nach außen (Lust, Wut, Sehnsucht) oder nach innen (Angst, Trauer). Bleibt dabei aber stets im bioenergetischen Kern zentriert. Alles ist auf diesen bioenergetischen Kern bezogen. Die „emotionale Egozentrik“ des Westens.

Das zweite Energiesystem entspricht unserer Sensorik („Sensation“) und der koordinierten motorischen Antwort. Dieses System kennt als „Schnittstelle zwischen Außen und Innen“ keine wie auch immer geartete „Egozentrik“. Es ist archetypisch im Ameisenhaufen verkörpert, wo das Individuum nichts, das Kollektiv alles ist.

Im Westen ist das erste System mehr betont, im Osten das zweite. In einer idealen Gesellschaft wären beide Systeme ungefähr gleich stark bzw. würde die Betonung je nach Situation wechseln. Die Menschen wären nicht „festgefahren“ auf immer den gleichen Reaktionstyp.

Eine zukünftige ideale Arbeitsdemokratie (das diametrale Gegenteil des Klassenkampfs) könnte man geradezu so definieren, daß die Menschen weder ausgesprochen individualistisch, noch ausgesprochen kollektivistisch wären.

Gegenwärtig sieht es so aus, als würde im Westen der Mensch zunehmend von seinen Sensationen bestimmt werden, während es im Osten umgekehrt immer mehr die Emotionen sind. Aber dies ist kein Weg zu einer „Harmonisierung“, sondern ganz im Gegenteil wird die ohnehin gestörte bioenergetische Pulsation nur noch mehr durcheinandergebracht. Es ist ungefähr so, als würde man einem Amphetaminjunkie Beruhigungsmittel geben. Statt eines energetischen Ausgleichs kommt es zu einem endgültigen Zusammenbruch der Pulsation. Wir haben dann den ständig egoistisch „Solidarität“ einfordernden „Ossi“ und den oben erwähnten heutigen Rotchinesen vor uns, den sowohl die übrigen Asiaten als auch die Westler einfach nur entsetzlich finden.

Die Lösung kann nur in der Auflösung der Panzerung liegen. Die gelingt aber nur, wenn sich die westlichen und östlichen Menschen ihren jeweiligen Ängsten stellen und lernen sie auszuhalten. Der westliche Mensch muß lernen sich seinen Mitmenschen mehr zu öffnen, der östliche Mensch muß lernen mehr Eigenverantwortung zu tragen. Kurz, beide müssen jeweils arbeitsdemokratischer werden.

Die vordringlichste Aufgabe aber wird es sein, „kommunistischen“ Menschenexperimenten jedweder Art ein für allemal Einhalt zu gebieten. Kommunisten sind die gesellschaftliche Entsprechung von quacksalberischen „Körpertherapeuten“, die statt die gesunde Pulsation zu fördern sie immer weiter untergraben. Reich hat das (auf dem Entwicklungsstand des damaligen Orgonomischen Funktionalismus) in Die Massenpsychologie des Faschismus und Die sexuelle Revolution am Beispiel der Sowjetunion im Detail ausgeführt.

Schöne neue Welt

9. Februar 2011

Maria José Fernandez-Serrano (Universität Granada) et al. untersuchten die kognitiven Fähigkeiten von Drogensüchtigen.

Dabei gab es überraschenderweise ein generelles Muster, das unabhängig davon auftrat, ob die Studienteilnehmer Alkohol, Cannabis, Amphetamine wie Ecstasy oder Kokain zu sich genommen hatten, sagen die Forscher: Bei allen waren sowohl das Gedächtnis wie auch die Verarbeitung von Gefühlen und die Fähigkeit, Entscheidungen zu treffen, beeinträchtigt.

Besonders interessant ist jedoch, daß den spanischen Forschern zufolge durch die gängigen Drogen Hirnregionen in Mitleidenschaft gezogen werden, die für die Wahrnehmung von Emotionen zuständig sind.

Sie konnten in mehreren Studien belegen, daß Drogenkonsum es tatsächlich erschwert, die Gefühle anderer zu erfassen. So sollten Drogenabhängige, die mindestens 15 Tage abstinent waren, beispielsweise auf Portraitfotos erkennen, welche Emotionen die abgebildeten Gesichter ausdrückten. Abgebildet waren sowohl positive als auch negative Gefühlszustände wie Freude, Überraschung, Wut, Angst, Ekel und Trauer. Dabei hatten vor allem Probanden mit Erfahrung mit verschiedenen Drogen größere Probleme, die negativen Emotionen in den Gesichtern zu erkennen, als die Probanden der Kontrollgruppe. Als es dagegen darum ging, positive Emotionen wie Freude und Überraschung zu deuten, schnitten die Drogenabhängigen genauso gut ab wie die anderen Teilnehmer.

Es ist kaum zu ermessen, was Drogen anrichten. Mein Gott, Hunde können menschliche Emotionen besser von Gesichtern ablesen als Trinker und Kiffer!

Alkohol, Cannabis, Kokain, etc. passen in eine neurotische Welt, die nur noch das Positive sehen will und selbst aus Mord und Todschlag Entertainment gemacht hat. Man sieht das Leid des Mitmenschen gar nicht mehr, sondern – amüsiert sich. Man ist immer „gut drauf“.

Drogen gehören zu einer Gesellschaft, die Kontraktion nicht mehr zulassen kann. Ich habe mich bereits in Der Kult der Expansion damit befaßt. Nicht nur, daß die eigenen „negativen“ Emotionen unterdrückt werden, auch die des Gegenübers werden ausgeblendet.

Man kann sich kaum etwas Schockierenderes vorstellen, als ein trauernder Mensch, der in eine Gruppe von „Angeheiterten“ gerät.

Ich wurde in meinem Leben wiederholt gefragt, ob es nicht eine gute Sache sei, wenn die Menschen Glücksdrogen nähmen. Was denn letztendlich dagegen einzuwenden wäre? Es wäre die ultimative Hölle auf Erden!

Heute haben wir es mit einer „schönen neuen Welt“ zu tun, in der sich die positiven Emotionen (Expansion) gegen die negativen Emotionen (Kontraktion) richten. Der zunehmende Drogenkonsum ist davon nur ein Ausdruck (der gleichzeitig den Grundmechanismus verstärkt und perpetuiert). Ein Ersatzkontakt wie so vieles andere auch, etwa die elektronische Unterhaltungswelt. Da die Einsichtsfähigkeit gegen Null geht, muß der Ersatzkontakt mit Gewalt (Gesetze, Krieg, Terror, Naturkatastrophen) beseitigt werden, damit die negativen Emotionen, insbesondere aber die Angst zum Vorschein kommen und sich wieder ein natürliches Gleichgewicht ausbilden kann.

In der „traurigen alten Welt“ vor den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts brauchten die Menschen nur ermuntert werden, mehr Freude in ihr Leben zu lassen. Auf seinen Massenveranstaltungen zu Zeiten der Sexpol hat Reich in dieser Hinsicht erstaunliches leisten können. (Die Massenatmosphäre unterlief die individuellen Hemmungen!) Heute würde ein solches Vorgehen nur den Ersatzkontakt verstärken und damit die gesellschaftliche Panzerung verewigen. Sogenannte „Reichianer“ werden so etwas nie begreifen!

Buddha und die beiden Mandelkerne

6. Februar 2011

Neulich hat Klaus gefragt, wie genau Meditation und okulare Panzerung zusammenhängen.

Der Weg zur Gesundheit (d.h. zur orgastischen Potenz) bedeutet immer mehr Angst ertragen zu können. Man traut sich mehr, wodurch sich der Organismus zunehmend öffnet und es kommt entsprechend zu weniger „Rückstau“ (= Angst). In der Meditation wird diese Angstbewältigung umgangen und durch eine Scheinexpansion ersetzt. Das wird beispielsweise in diesem Aufsatz beschrieben.

Angst bedeutet, daß aus dem Kern Energie nach außen strömt, die bei „ängstlicher“ Kontraktion zurückgestaut wird („Stauungsangst“). Wenn die Expansion langsam aber sicher nachläßt, verschwindet auch die Angst. Die „Angstlosigkeit“ wird dann als Scheinexpansion empfunden. Beispielsweise sind Krebspatienten im Endstadium erstaunlich „gut gelaunt“. Für die indischen „Weisheitslehrer“ ist Leid schlichtweg inexistent. Beispielsweise habe der „Gottmensch“ Christus niemals gelitten.

Neuste Forschungen zeigen, daß es bereits nach achtwöchiger regelmäßiger Meditationspraxis zu strukturellen Veränderungen im Gehirn kommt. Während sich bei den Versuchsteilnehmern die Dichte der Grauen Substanz im Hippokampus und anderen Hirnregionen vergrößerte, nahm sie in der Amygdala ab. Die Zunahme der Dichte betrifft Hirnregionen, die mit „Re-Flektion“ zu tun haben: Erinnerung („re-mind“, „re-member“), Selbst-Beobachtung und Rück-Sichtnahme. Die Abnahme der Dichte betrifft die beiden Mandelkerne (Amygdala).

Die Amygdala ist wesentlich an der Entstehung der Angst beteiligt und spielt allgemein eine wichtige Rolle bei der emotionalen Bewertung und Wiedererkennung von Situationen sowie der Analyse möglicher Gefahren: sie verarbeitet externe Impulse und leitet die vegetativen Reaktionen dazu ein. Eine Zerstörung beider Amygdalae führt zum Verlust von Furcht- und Aggressionsempfinden und so zum Zusammenbruch der mitunter lebenswichtigen Warn- und Abwehrreaktionen. Forschungsergebnisse aus dem Jahr 2004 deuten darauf hin, daß die Amygdala an der Wahrnehmung jeglicher Form von Erregung, also affekt- oder lustbetonter Empfindungen, einschließlich des Sexualtriebes beteiligt sein könnte.

Nun, wirklich jede längere Tätigkeit verändert das Gehirn, beispielsweise haben Taxifahrer einen ausgesprochen großen Hippokampus, weil sie sich ständig erinnern und im Raum orientieren müssen. Entsprechend weisen die oben erwähnten hirnstrukturellen Veränderungen darauf hin, daß die Meditation zu genau dem führt, was ihre Vertreter von jeher behauptet haben: zu größerer Selbstkontrolle und weniger „Triebhaftigkeit“.

Dies wird auf ähnliche Art und Weise erreicht, wie der Schizophrene mit seinen anstürmenden Erregungen fertigwird: durch Augenpanzerung. Beim Schizophrenen ist die okulare Panzerung der letzte Rückzugspunkt des Organismus vor dem endgültigen Abgleiten in die Psychose, der letzte Damm, der vor der „Überschwemmung“ des Organismus mit alles zerstörender Angst schützt. Der Meditierende nutzt einen ähnlichen Mechanismus, um seine existentielle Angst zu überwinden und „Ruhe zu finden“.

Dieses Festklammern hat der indische Meditationslehrer Ramana Maharshi sehr schön beschrieben:

Während einer elementaren Todesangst habe er sich [im Alter von 16 Jahren] mit der Frage beschäftigt, was im Tod stirbt. Er sei zu der Antwort gekommen, daß zwar der Körper sterben möge, jedoch nicht der Geist bzw. das Bewußtsein. Später sagte er zu dem Erlebnis: „Das Selbst war etwas sehr Reales, das einzige Reale in meinem derzeitigen Zustand, und die gesamte bewußte Aktivität meines Körpers konzentrierte sich auf dieses Selbst. Seither ist die faszinierende Kraft dieses Selbst im Mittelpunkt meiner Aufmerksamkeit geblieben [...] Das Aufgesaugt-Sein in das Selbst dauert seitdem ohne Unterbrechung an. Andere Gedanken erscheinen und verschwinden wieder, ähnlich wie die Noten eines Musikstücks, aber das Selbst ist wie ein Grundton unter den anderen Noten stets vorhanden und mischt sich mit diesen. Auch wenn mein Körper vom Reden, Lesen oder was auch immer eingenommen ist, ist mein ganzes Sein nicht minder auf das Selbst zentriert. Vor dieser Krise vermochte ich das Selbst nicht klar wahrzunehmen, und ich fühlte mich nicht bewußt vom Selbst angezogen.“

Das ganze kann man wie folgt funktionell beschreiben:

Charakteristischerweise ist Ramana Maharshi der „Berufskrankheit“ der indischen Heiligen erlegen: Krebs! Irgendwann war die somatische Erregung derartig kompromittiert, daß der Mann bei lebendigem Leibe verfault und mit dem milden Lächeln Buddhas krepiert ist.

Zu diesen Ausführungen paßt auch folgender Hinweis aus dem oben zitierten Wikipedia-Beitrag:

Primaten, denen die Amygdala zu Testzwecken entfernt wurde, können zwar Gegenstände sehen, sind aber nicht mehr in der Lage, deren gefühlsmäßige Bedeutung zu erkennen. Zudem verändert sich ihr Verhalten grundlegend und sie verlieren jegliche Aggression.

Ich erinnere an meine Ausführungen über die funktionelle Transformation von Emotion (Lust, Angst, Wut, Sehnsucht, Trauer) in Sensation (Sinneswahrnehmungen und das Wahrnehmen von „Zuständen“), die den „östlichen Weisheitslehren“ zugrundeliegt. Es verschwinden die Emotionen, was bleibt sind „Eindrücke“. Das wird von „meditativer Kunst“ und „meditativer Musik“ sehr gut vermittelt.

Man brauch sich nur den schier unerträglichen „scheinexpansiven“ Eckart Tolle anzuschauen, um den durch Meditation hervorgerufenen Geisteszustand verkörpert zu finden. Erschreckend wie dieser perverse Murx, das diametrale Gegenteil der Orgontherapie, Millionen immer tiefer in die Falle verstrickt.

Om Shanti!

Die Dummheit ist in Eure Gesichter geschrieben!

19. Mai 2010

Vor ein paar Monaten habe ich mich schon mal mit Botox beschäftigt. Dieses Zeugs ist so bedeutsam, weil es viel über die muskuläre Panzerung sagt. Beispielsweise verschwinden Kopfschmerzen, wenn man die Gesichtsmuskulatur lahmlegt.

In Amerika machen sich konservative Kommentatoren häufig über die fast durchweg extrem linken „Reichen und Schönen“ (insbesondere in Hollywood) lustig, deren Markenzeichen mittlerweile jugendlich entspannte und gleichzeitig puppenhaft tote Gesichter sind: offensichtlich sei das Botox auf ihr Gehirn geschlagen.

Neuere Forschungen zeigen, daß das tatsächlich passiert. Botox setzt die kognitiven Funktionen herab, insbesondere das Sprachverständnis.

Ein Team um David Havas von der Universität Wisconsin-Madison habe 20 Frauen vor und nach einer Botox-Behandlung einem Sprachtest unterzogen. Nach der Therapie benötigten die Frauen eine Sekunde länger, um etwa folgenden Satz zu verstehen: „Sie verabschieden sich von einem guten Freund, den sie nie wieder sehen werden.“
Eine Sekunde Verzögerung klinge zwar nicht besonders lang, sagte Havas laut Magazin, sie genüge aber, um gewisse emotionale Schwingungen in einem Gespräch nicht mitzubekommen. Nach Vermutungen der Forscher benötigt das Gehirn ein Feedback der Gesichtsmuskeln, um Emotionen steuern zu können.

Emotionen haben primär gar nichts mit dem Gehirn zu tun, sondern sind unmittelbarer Ausdruck der Bewegung der Orgonenergie in einer geschlossenen Membran. Selbst Amöben spüren Lust (Expansion) und Angst (Kontraktion gegen die Expansion). Mit der Entwicklung einer Muskulatur tritt die Wut hinzu (expansive Bewegung der Energie in die Muskulatur hinein). Reich hat die Emotion Sehnsucht als Energiefluß definiert, der in den Brustbereich und die Arme geht. Unsere Sprache bringt die Verbindung zwischen Trauer, Sehnsucht und dem Herzbereich sehr klar zum Ausdruck.

Jeder, der die Orgontherapie aus eigener Erfahrung kennt, weiß, daß Emotionen Ausdruck unseres gesamten Körpers sind. Botox und geradezu tragikomische Sätze wie „Nach Vermutungen der Forscher benötigt das Gehirn ein Feedback der Gesichtsmuskeln, um Emotionen steuern zu können“ – zeigen, wie weit wir auf dem Weg fortgeschritten sind, zu seelenlosen Barbiepuppen zu werden.

Die Universalität der Emotionen

28. Januar 2010

Reich zufolge sind die Emotionen unmittelbarer Ausdruck der Bewegung der organismischen Orgonenergie. Bewegt sie sich zur Peripherie, hat man es mit Lust zu tun, fließt sie in die Muskulatur, mit Wut, fließt sie in die Brust, mit Sehnsucht. Fließt sie gegen die normalerweise vorherrschende Expansion zum Zentrum des Organismus führt das zur Angst („Stauungsangst“), eine einfache Kontraktion („Resignation“) zur Trauer.

In den letzten Jahrzehnten hat die Humanethologie gezeigt, daß Mimik und Gestik, mit der die Emotionen zum Ausdruck gebracht werden, bei allen Menschen weitgehend gleich sind: bei Eskimos, Pygmäen, Bayern und Maoris. Nun konnte Disa Sauter (University College, London) et al. das gleiche auch für die entsprechenden Lautäußerungen nachweisen, als sie Briten mit den im Nordwesten Namibias lebenden Himba verglichen.

Unterschiede fanden die Forscher allerdings in Lautäußerungen, die Erleichterung ausdrücken sollten. Hier hatten die Himba deutliche Schwierigkeiten, die entsprechende Lautäußerung – ein Seufzen – richtig zuzuordnen. Auch bei anderen positiven Gefühlen wie sinnliche Freude und Stolz über einen Erfolg schnitten sie weniger gut ab. Die Wissenschaftler erklären dieses Ergebnis damit, daß in der Entwicklungsgeschichte der Menschheit solche positiven Gefühle hauptsächlich mit Vertretern des eigenen Volks geteilt wurden und ein Verständnis über kulturelle Grenzen weniger wichtig war.

Man sieht: die Universalität der Emotionen führt die mechanistische Wissenschaft nicht etwa zu einer tieferen, umfassenderen Funktionsebene (nämlich die Biophysik), sondern zu einer höheren, begrenzteren (die Soziologie – die sich dann mittels natürlicher Auslese in den Genen verewigt).

Es ist natürlich möglich, daß solche Mechanismen die biophysikalisch vorgegebenen Emotionen bzw. „ihre Universalität“ modifizieren können, aber das macht eben nicht ihr Wesen aus.

Ohnehin wissen wir alle aus eigener Erfahrung, daß etwa Trauer und Schrecken weitaus spontaner Ausdruck finden, tatsächlich kann man sich kaum dagegen wehren, als etwa Freude und Stolz. Dazu müssen wir nur Haustiere beobachten, die sich ständig in einem expansiven (vagotonen) Zustand befinden. Er ist die Norm bei allen Lebewesen. Vor dieser Grundfärbung sind positive Emotionen so etwas wie „monochromatische Malerei“.

Erst die Kontraktion bringt so etwas wie Dramatik und Heftigkeit ins Spiel. Man vergegenwärtige sich nur eine Affenhorde, die den ganzen Tag gemütlich vor sich hin döst, bis sich plötzlich ein Leopard nähert.


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