Mit ‘Sexualität’ getaggte Beiträge

Dr. Baker und der Mensch in der Falle (Teil 3)

3. April 2014

Schauen wir uns die Geschichte der Orgasmustheorie in der „Reichianischen Bewegung“ an:

Schon zu Lebzeiten Reichs hat Paul Ritter die Orgasmustheorie und ihren Viertakt Spannung-Ladung-Entladung-Entspannung durch das mystische (und deshalb auch sado-masochistische) „Attraktion-Fusion-Liberation“ ersetzt.

Ebenfalls sado-masochistisch ist die Form, die Charles Kelley, der Gründer von „Radix“, dem Viertakt gab: „Ladung-Spannung-Entladung-Entspannung“. So etwas entspricht wohl eher dem empfinden eines Masochisten („Spannung-Entladung“) wie es Reich in der Charakteranalyse beschrieben hat.

Ähnliches gilt für Alexander Lowen mit seinen „bioenergetischen“ Überspannunsübungen.

Außerdem behauptet Lowen, der Orgasmusreflex würde von den Beinen ausgehen, so bekäme „die zärtliche Handlung ein aggressives Element“ (Lowen: Bioenergetik, Hamburg 1979).

Um sexuell voll aufgeladen zu werden, ist es wichtig, daß die Beine geerdet sind. Das ist nur möglich, wenn sich die Füße während des Geschlechtsaktes irgendwo abstützen können. Wir empfehlen, daß derjenige, der während des Geschlechtsaktes oben ist, seine Füße gegen das Fußende des Bettes stützt, oder die Zehen in das Bett bohrt (…). Nur so bekommen Sie die nötige Erdung für den Schwung nach vorn. (Lowen: Bioenergetik für Jeden, Gauting 1979)

Das ist eine Anleitung zum Ficken und hat nichts mit der Genitalen Umarmung zu tun!

Man könnte auch auf Gerda Boysens „Biodynamische Psychologie“ verweisen, in der die „Psycho-Peristaltik“ für die Genitalfunktion steht: Genitalität wird durch Analität ersetzt!

Schauen wir uns an, was der Berliner „Reichianer“ Bernd Senf 1984 zur Analität zu sagen hatte: emotion 6:24-32.

Als erstes fällt auf, daß bei ihm die anale Phase der psychosexuellen Entwicklung „natürlich“ ist! Nach Reich ist sie jedoch nichts weiter als eine anale Fixierung, die durch die übertriebene Aufmerksamkeit, die die Eltern der Entleerungsfunktion widmen, künstlich erzeugt wird. Und was Senf weiter über „anale Erregung des Kindes“ und „die anale Lust der Tiere“ schreibt, ist genauso falsch und schlicht pervers, wie die Aussage, „die anale Lust“ würde „in unserer Gesellschaft (…) verdrängt“ werden.

Dahinter steckt die gleiche Sichtweise, die Roger Dadoun dazu gebracht hat, die Genitale Umarmung mit der Sodomie gleichzusetzen und von der Revolution der Sexualität zu sprechen!

Wie Reich es in seiner Analyse der „Kosmischen Überlagerung“ entwickelt, besteht das Problem in der Verschmelzung der beiden orgonotischen Strömungen, der Verbindung zweier energetischer Systeme. Nun, nichts schließt aus, daß diese Verbindung oder Verschmelzung, die laufend sowohl in der Tier- als auch Menschenwelt durch Überlagerung eines weiblichen und eines männlichen Organismus realisiert wird, nicht auf ganz andere Weise vollzogen werden könnte: innerhalb derselben zweigeteilten energetischen Einheit – wie bei der Masturbation; oder durch die Verbindung zweier organischer Einheiten welcher Natur immer, Mensch-Tier, wie bei der Sodomie; oder durch gleichgeschlechtliche Partner – wie bei der Homosexualität.

Reichs (sic!) Konzept der Sexualität erreicht hier den äußeresten Punkt des konkreten Vitalismus: Das fundamentale Verlangen der lebenden Materie ist nichts anderes, als die Ausübung ihrer eigentlichen Funktion. Die Sexualität vervollständigt hier ihre Revolution im etymologischen Sinn:

Eine vollständige Kehrtwendung, eine radikale Rückkehr: zurück zu ihrem Ursprung, ihrem Wesen, dem Lebendigen. (emotion 3:147f)

Dazu bleibt mir nichts anderes übrig als aus Reichs Charakteranalyse zu zitieren:

Klinische Untersuchungen lassen keinen Zweifel darüber, daß für die Zirkel emotionell Pestkranker sexueller Tratsch und Diffamierung eine Art perverser Sexualbefriedigung darstellen. Es handelt sich um einen sexuellen Lustgewinn unter Ausschluß der natürlichen Genitalfunktion. Homosexualität, Sexualverkehr mit Tieren und Perversionen anderer Art sind gerade in solchen Zirkeln häufig anzutreffen. Die Sexualfeme richtet sich in sadistischer Weise [á la Otto Mühls AAO] gegen die natürliche und nicht gegen die perverse Sexualität anderer. Sie richtet sich ferner in besonders scharfer Weise gegen die natürliche Sexualität der Kinder und Jugendlichen; dabei ist sie in merkwürdigster Weise für jede Art perverser Sexualbetätigung wie blind. (Hervorhebungen von WR)

Queer Queen

12. Februar 2014

Wenn man eine Theorie studiert, lernt man die Grundlagen und wie man diese auf spezielle Fälle anwenden kann. Ab und an stolpert man jedoch über Dinge, die einem ein „Aha-Erlebnis“ bescheren und man erlangt einen tieferen Einblick in die „Metastruktur“ der Theorie. So ging es mir 1980, als ich in einem von Bernd A. Laskas Wilhelm Reich Blättern auf folgende Gegenüberstellung stieß:

Während Freud 1937 von der „Buntheit der Lebenserscheinungen“ sprach, die nur durch das „Zusammen- und Gegeneinanderwirken“ der „beiden Urtriebe Eros und Todestrieb“ erklärbar sei, schrieb Reich 1936: „Die sogenannte individuelle Differenzierung der Menschen ist heute im wesentlichen ein Ausdruck überwuchernder neurotischer Verhaltensweisen.“

Ich muß spontan an die Christopher Street Day-Paraden denken. Man wird nirgendwo mehr neurotische Buntheit finden. Und was sieht man, wenn man seine (meine) Homophobie überwindet und tiefer blickt? Lauter gebrochene, erniedrigte und sich selbst erniedrigende Menschenkinder. Wie mir mal ein Schwuler sagte: „Zuviel Schmerz und Angst in meinem Leben! Und jetzt auch noch diese scheiß Krankheit!“ Reich ging es darum, hinter die Masken auf die nackten „eigentlichen“ unverwechselbar individuellen Seelen zu blicken. Während Freud sich am wilden Maskenball berauschte und sich im Labyrinth der Neurosen tummelte, weil er glaubte, hier den Zugang zur Urgeschichte der Menschheit vor sich zu haben. Ein „Maskensammler“!

Je mehr eine Gesellschaft zerfällt, desto „bunter“ wird sie. Die autoritäre Gesellschaft war von einem neurotischen Gleichgewicht geprägt, was zu einer allgemeinen Uniformität führte. Mit der gescheiterten sexuellen Revolution seit Anfang der 1960er Jahre zerbrach dieses neurotische Gleichgewicht und die Welt wurde „bunt“. Das wurde mit einem dramatischen Anstieg des Angstniveaus und psychosomatischer Symptome erkauft, was nur mit dem massiven Einsatz von legalen Drogen (Psychopharmaka, Alkohol) und illegalen Drogen bewältigt werden kann. Mit der Herstellung einer genitalen Gesellschaft würde wieder eine allgemeine Uniformität Einzug halten. Kein Mensch käme auf den Gedanken sich mit bunt gefärbten Haaren oder Piercings im Gesicht zum Idioten zu machen.

Das sinnfälligste Symptom des gesellschaftlichen Zerfalls und das Hauptindiz, daß es sich um ein sexualökonomisches, d.h. charakterologisches Problem handelt, ist der anhaltende Hype um geschlechtliche Abnormitäten, die stets darauf hinauslaufen, das eigene Mann- bzw. Frausein zu verneinen und die folgerichtig in der Kastration münden. Zwar ist es nicht so, daß beispielsweise „Transvestismus“ zwangsläufig oder auch nur zu einem prozentual ins Gewicht fallenden Anteil zur Geschlechtsumwandlung führt, wie Jerome Eden im folgenden fälschlicherweise nahelegt, jedoch hat das ganze eine innere Logik, die genau darin kulminiert. (Siehe das Video am Ende dieses Beitrages! und auch hier)

Eden hat im EDEN BULLETIN (Vol. 3, No. 2, April 1976, S. 14) die Anfänge des heutigen LGBT-Kults vor 40 Jahren beschrieben und alles Notwendige dazu gesagt:

Der Schritt von der emotionalen Kastration zur tatsächlichen physischen Kastration ist logische Folge des Bankrotts der mechanistischen Psychologie und Psychiatrie bei dem Versuch mit dem Problem des Transvestismus umzugehen.

Die orthodoxe Wissenschaft hat den kranken und gequälten Menschen nichts besseres anzubieten. Sie sind durch die autoritäre Sexualverneinung, die keinen angemessenen Ausdruck von Sexualität bei Jugendlichen erlaubt, gelähmt. Gleichzeitig wird allgegenwärtig Perversion und Zügellosigkeit herangezüchtet und gefördert. (…)

Transvestitismus ist eine Krankheit wie Alkoholismus oder Asthma. Er kann von einem kompetenten medizinischen Orgontherapeuten mit hervorragenden Ergebnissen behandelt werden. Die Mehrheit der Psychiater ignorieren jedoch weiterhin Wilhelm Reichs Ansatz für emotionale Störungen und verweisen Transvestiten auf Chirurgen, um kastriert zu werden, was eine Barbarei ist, die vielleicht nur durch die ausufernde Praxis der Säuglingsbeschneidung übertroffen wird – die ebenfalls unnötig ist. Sobald ein Transvestit kastriert ist, können seine Probleme nur schlimmer werden, statt sich zu bessern. Nachdem seine Genitalien herausgeschnitten worden sind, ist das Tor zur Fähigkeit, seine sexuelle Energie (seine Lebensenergie) in einer genitalen Richtung zu entladen, für immer verriegelt.

Es gibt klinische Hinweise darauf, daß die Selbstmordrate unter kastrierten („geschlechtsumgewandelten“) Männern sehr hoch ist. Kein Wunder: jemanden zu entmannen, ist keine „Umwandlung“ seiner Sexualität, sondern deren Ausradierung. Es ist, als würde man einem ertrinkenden Mann die Schlinge des Henkers um den Hals legen.

Außerdem verurteilen wir die jungen, leicht zu beeindruckenden Kinder zur ständigen Exposition mit Film- und TV-Szenen, in denen Transvestiten als groteske Clowns dargestellt werden. Jugendliche mit einem gesunden und glücklichen Sexualleben würden bei solchen Szenen einfach traurig oder mit Abscheu ihre Köpfe schütteln. Aber wenn wir die natürlichen heterosexuellen Rechte von Kindern nicht bestätigen und perverse sexuelle Ausdrucksweisen als „Norm“ hinstellen, verewigen wir eine pandemische Krankheit. Ein gut genährter Organismus wird sich weigern, Müll zu fressen, und solchen Verzerrungen keinen Applaus zollen – wie zum Beispiel Newsweeks ekstatische Beschreibung der chirurgischen wunderbaren Wandlung als „das ultimative Abenteuer“! (…)

Wenn Homosexualität und ähnliche sexuelle Verirrungen keine (heilbaren) Krankheiten sind, dann macht Reichs Charakteranalyse, seine Orgasmustheorie, die gesamte Sexualökonomie, ja die gesamte Orgonomie, überhaupt keinen Sinn!

Und wer behauptet, daß Homosexualität keine Krankheit ist, kann, wenn er auch nur einen einzigen Gedanken zu Ende denken kann, unmöglich behaupten, daß Päderastie eine Krankheit ist. Zumal bis ins 20. Jahrhundert hinein diese beiden Perversionen als synonym galten.

Das widerspricht zwar durchweg der gängigen mit empfindlichen Strafandrohungen bewehrten Meinung, aber nur der rückgratlose Kleine Mann vertritt die „Meinung der Welt“!

Und als P.S.:

Sex im National- und Realsozialimus

26. Dezember 2013

Angesichts von Reichs Ausführungen von 1933 über die Massenpsychologie des Faschismus stellt man sich das Wesen des Nationalsozialismus als eine Art „Anti-Reichianismus“ vor. Man nehme etwa folgende Zeilen aus dem Artikel „Die Psychoanalyse des Juden Freud“ (Deutsche Volksgesundheit aus Blut und Boden, August/September 1933):

Das Leben sei [so schreibt der Nazi] „eine Schule (…) in der wir die Überwindung der Triebe zu lernen haben. Diese Aufklärung gibt dem Kranken neue Kraft, und statt der Flucht in die Krankheit wird er den Kampf mit dem Leben wieder aufnehmen. Die Neurose ist geheilt.“ Ergebnis der Psychoanalyse sei im Gegensatz dazu, „daß der um die Beherrschung des Trieblebens kämpfenden Patientenseele der letzte ethische Halt endgültig genommen und sie in die asiatische Weltanschauung ‚Genieße, denn morgen bist du tot!‘ hinabgestoßen wird“. Nach Freud „sei der Geschlechtstrieb der Grundtrieb der Seele, auf den der ganze Lebensinhalt zurückgeführt werden muß. Ekel, Scham, Moral, Ethik, Autorität, Gewissen, ja Religion, Wissensdurst, Kunstsinn entstehen nur aus der Sexualität.“ Die „schmutzige Fantasie Freuds“ deute Sexualität sogar schon „in die Kinderseele“ hinein, suggeriere, der „dauernde Trieb“ müsse Erfüllung finden: „in der Jugend durch Onanie (…), später durch Geschlechtsverkehr (gleich ob ehelich oder außerehelich), sonst würde man krank!“ (Andreas Peglau: Unpolitische Wissenschaft?, S. 473)

Um so erstaunlicher ist, daß nach dem Krieg kirchliche Kreise dem Nationalsozialismus „Freizügigkeit“ und „Unmoral“ vorwarfen, die man überwinden müsse, um das Dritte Reich wirklich hinter sich zu lassen (Peglau, S. 462). Die bürgerliche Fassade war durchbrochen worden und das Triebleben hatte sich geregt. Das sollte nun wieder gekittet werden. Jeder Versuch einer „biologischen Revolution“ war zum Scheitern verurteilt, weil der Weg zum bioenergetischen Kern durch die mittlere Schicht hindurch mußte. Daß die Kirche prinzipiell im Recht war, sollte sich zwei Jahrzehnte später zeigen, als infolge der neuen nationalsozialistischen Bewegung (ich spreche von den 68ern) erneut die Hölle durchbrach: wir leben heute in ihr.

Selbst während des Naziregimes zeigten sich Kirchenvertreter, sowohl von katholischer als auch von evangelischer Seite, enttäuscht. Von einer „entsetzlichen Verwilderung und Überreizung des Triebes“ ist da die Rede; „alle hemmenden Schranken der Tradition“ seien im Nationalsozialismus niedergetreten worden, die „Überbetonung des Sinnlich-Sexuellen“ habe „das ganze öffentliche und private Leben ergriffen“. Es wurde eine „Tendenz zur Nacktkultur“ beklagt (Peglau, S. 465f).

Ein zusätzliches Schlaglicht auf das, was hier angepangert wurde, wirft folgender Absatz in Peglaus Ausführungen, der auch meinen verstörenden Verweis auf die „68er“ rechtfertigt:

1936 verfaßte der mit „Rassefragen“ beschäftigte Arzt Walter Gmelin den Essay Bevölkerungspolitik und Frühehe. Hier wertete er Sex vor der Ehe als positiv, als „gesunde Reaktion gegen gesellschaftliche Hemmungen und gegen Moralprediger“, als Zeichen dafür, daß Menschen „im geschlechtsreifen Alter den ihnen von der Natur mitgegebenen Trieb befriedigen“. (…) Ein weiterer NS-Arzt schrieb, es sei „ein Heiliges, ein Großes um den naturgewollten, spontan auf Betätigung drängenden Geschlechtstrieb“; der Mensch, „dessen größtes individuelles Glücksempfinden im Zustandekommen des Geschlechtsaktes liegt“, sei imstande, diesen „bewußt auf die Ebene von Ewigkeitswerten zu heben“, nur „widernatürliche Scheinheiligkeit“ und „pfäffische Heuchelei“ hätten den Sexualtrieb „zu etwas Niedrigem und Gemeinen herabgewürdigt“. Zur Aufwertung des Sexualtriebs trug auch J.H. Schultz mit seiner Schrift Geschlecht-Liebe-Ehe bei, die 1942 in dritter Auflage (56.000-85.000) erschien. (…) Dagmar Herzog (Die Politisierung der Lust, 2005) bemerkt zu Schultz’ „ermutigenden, lustbejahenden Tipps zum Thema Sexualität“, daß sie „denen des NS-Gegners und linken Sexualrevolutionärs Wilhelm Reich irritierend ähnlich seien“. Tatsächlich finden sich in Aufbau und Inhalt einige Parallelen zu Reichs sexualaufklärerischen Schriften. (Peglau, S.

Aktphotos in Zeitschriften, Akte in der Malerei; bei BDM und in der Hitlerjugend ist, in Berichten der Exil-SPD, von „Promiskuität“ die Rede, eine liberale Ehegesetzgebung: die Atmosphäre im Dritten Reich war nicht durchgehend sexualverneinend. Ähnliches läßt sich über den Realsozialismus sagen. Wenn ich mir so die persönlichen Beschreibungen von und über gelernte „DDR“-Bürger anhöre, bestimmte Sex das alltägliche Leben weit mehr als im Westen. „Wir hatten ja nichts anderes, um uns zu vergnügen.“ Ich kann mich noch gut an eine Sendung im „DDR“-Fernsehen erinnern, wo der alte Professor sich über „bürgerliche Prüderie“ ereiferte, für die es in einer sozialistischen Gesellschaft keinen Platz gäbe.

Sicherlich wirkte in beiden Regimen untergründig der Einfluß Reichs fort, vor allem in personeller Hinsicht. Wichtiger ist aber folgendes: es handelte sich eben nicht um schlichtweg „reaktionäre“ oder „faschistische“, will heißen nur und ausschließlich „abgrundtief böse“ Herrschaftssysteme, sondern auch um Versuche, die alte, „reaktionäre“ Welt zu überwinden. Sowohl für den Hitlerismus als auch für den Stalinismus hat Reich zwar extrem sexualverneinende Elemente dokumentiert, daraus aber ein holzschnittartiges „Reichianisches“ Weltbild zu konstruieren und das den Leuten dann auch noch als „Orgonomie“ zu verkaufen, ist bloße Ideologie, eine neue „Heilslehre“, Wahrheitskrämerei.

Wir landen immer wieder bei den drei Schichten der menschlichen Charakterstruktur. Die Massen versuchen sich aus der verlogenen, fassadären Welt der „bürgerlichen“ Gesittung zu befreien und authentisch zu sein. Das gelingt ihnen aber nicht, weil sich zwischen die Fassade und den bioenergetischen Kern die sekundäre Schicht geschoben hat, die jede Bewegung in die richtige Richtung in ein hoffnungsloses Durcheinander münden läßt. Aufgabe des Studenten der Orgonomie ist es, nicht moralisch zu verurteilen, sondern in dem Wirrwarr von Strebungen und Gegenstrebungen Ordnung zu schaffen; das zu bekämpfen, was jetzt zu diesem Zeitpunkt kontraproduktiv ist, und vor allem das zu unterstützen, was in die richtige Richtung weist.

Es geht um die Übertragung der Charakteranalyse auf den gesellschaftlichen Bereich. Gepanzerte Gesellschaften sind genauso widersprüchlich wie gepanzerte Individuen. Es gilt jene „Ideale“ zu unterstützen, die Strebungen aus dem bioenergetischen Kern entgegenkommen, und die Emotionelle Pest, d.h. die Expansion der sekundären Schicht, zu isolieren und auszumerzen.

sexrealnational

Nationalsozialismus und Psychoanalyse

12. Dezember 2013

In den 1930er Jahren gab Reich die Zeitschrift für Politische Psychologie und Sexualökonomie heraus. Neben ihm selbst war „Karl Teschitz“ (Pseudonym des angehenden Psychoanalytikers Karl Motesiczky) der Hauptvertreter der „Politischen Psychologie“, deren Grundtext Reichs Massenpsychologie des Faschismus ist.

Reich und Motesiczky haben in ihren Büchern und Aufsätzen immer wieder hervorgehoben, daß der Nationalsozialismus eine Bewegung in die richtige Richtung war, wäre er nicht „abgebogen“. Man betrachte dazu die letzten Seiten von Reichs Die sexuelle Revolution. Kein mechanisches Freund-Feind-Denken, d.h. nicht in (dazu noch unglaublich verlogene) „antifaschistische Erstarrung“ verfallen, sondern die vorwärtsstrebenden und die rückwärtsgerichteten Elemente in jeder Bewegung aufspüren!

Die gemeinsame Arbeit von Reich und Motesiczky wird in folgendem Paragraphen aus Die Sexualität im Kulturkampf (später als Die sexuelle Revolution erschienen) zusammengefaßt:

Im Neuheidentum des deutschen Nationalsozialismus brach sich das vegetative Leben abermals Bahn. Der vegetative Wellengang wurde von der faschistischen Ideologie besser erfaßt als von der Kirche und ins Irdische herabgeholt. Die nationalsozialistische Mystik des „Blutwallens“ und der „Verbundenheit mit Blut und Boden“ bedeutet somit gegenüber der altchristlichen Anschauung von der Erbsünde einen Fortschritt; er erstickt jedoch in neuerlicher Mystifizierung und in reaktionärer Wirtschaftspolitik. Die Lebensbejahung biegt neuerdings in Lebensverneinung, wird zur Bremsung der Lebensentfaltung in der Ideologie der Askese, des Untertanentums, der Pflicht und der Rassengemeinschaft. Trotzdem kann man nicht die Sündenlehre gegen die Lehre von der „Blutwallung“ verteidigen; man muß die „Blutwallung“ vorwärtstreiben, sie zurechtbiegen.

Für die gute bürgerliche Gesellschaft stand eine Anna Freud, die 1932 Zerstörungslust, Grausamkeit, Schamlosigkeit als „Ausflüsse der infantilen Sexualregungen“ betrachtete und daraus ableitete: „Der Erzieher ist verpflichtet, die Triebbefriedigung zu stören (sic!), zu erschweren und in vielen Fällen zu verhindern“ (z.n. Andreas Peglau: Unpolitische Wissenschaft?, S. 329). So etwas, dieser abgrundtiefe Lebenshaß, diese seelische Pest, gilt nicht als Faschismus der allerübelsten Sorte!

Ausgerechnet Gustav Hans Gruber, SS-Fördermitglied, veröffentlichte 1939 im NS-Zentralblatt für Psychotherapie Sätze wie:

Das Ich entpuppte sich (…) als Instanz, die auf Identifizierung aufgebaut ist. Identifizierung mit Fremden kann aber niemals das Wesenhafte, das wirklich Persönliche, folglich auch nicht das wirklich Erstrebenswerte sein. Wo demnach das gutgepanzerte und mit allen vorzüglich funktionierenden Abwehr- und Identifizierungsmechanismen ausgestatte Ich-Mensch noch als Norm gefordert wird – dort hat man sich (…) vom Selbst abgewendet. (z.n. Peglau, S. 333)

Die Nähe zu dem Nazi-Ideologen C.G. Jung und zur mystischen Verzerrung ist unverkennbar, aber… – wer erwartet so etwas schon in einer Nazipostille?!

Peglau referiert und diskutiert Grabers daran anschließende Überlegungen wie folgt:

Resultat einer therapeutischen Haltung, die diese Abwehr fördert, wäre „ein wesenloser Roboter im Dienste der sog. Realität“. Als „Hauptaufgabe der Psychotherapie“ benannte Graber daher „im Gegensatz zu der bisherigen psychoanalytischen Auffassung“, „das Fremde (…) wie eine Wucherung zu entfernen, um dem Selbst, dem Ureigensten, Entfaltung zu ermöglichen“. Mit der bisherigen psychoanalytischen Auffassung“ dürfte er sich beziehen auf Annahmen wie der Anna Freuds, die Funktion der Erzieher sei „geglückt, wenn im Inneren des Kindes das Gewissen oder Über-Ich lebendig geworden ist“, als eine Instanz, die „die Forderungen der Außenwelt“, denen man sich zu unterwerfen habe, vertritt.

In einer Fußnote dazu zitiert Peglau eine Darstellung über die Nachkriegspsychoanalyse: „Das Überich wurde als Gewissensinstanz begriffen, die den Menschen daran erinnert, sein Selbst in seinem Handeln und Tun nicht zu verfehlen.“ Man spürt den Geist der Adenauer-Zeit, wo es darum ging, den Teufel in sich zu bändigen, an die Stelle von „Blut und Boden“ wieder die „Erbsünde“ zu setzen.

Daß Reich nichts mit dem Faschismus zu schaffen hatte, sondern sich als DER Feind Hitlers betrachtete und er es, wie Peglau dokumentiert, in vieler Hinsicht auch objektiv war, braucht nicht weiter ausgeführt zu werden. Daß er aber mit lebensfeindlichen angeblichen „Antifaschisten“ in den einen Topf geworfen wird, ist nicht hinzunehmen.

Ich habe mich dazu breit in Der Blaue Faschismus ausgelassen.

turnernazis

Victor und Victoria Trimondi: HITLER, BUDDHA, KRISHNA (Teil 1)

16. Oktober 2013

1999 haben die Trimondis in Der Schatten des Dalai Lama ihre Abrechnung mit dem Buddhismus und der westlichen Buddhismus-Begeisterung vorgelegt. Dieses Buch über „Sexualität, Magie und Politik im tibetischen Buddhismus“ ist für jeden lesenswert, der sich für Reichs Massenpsychologie und Sexualökonomie sowie James DeMeos Saharasia-Theorie interessiert. Zum Thema siehe meinen Aufsatz Die Massenpsychologie des Buddhismus.

Diesen Faden haben die Trimondis in ihrem 2002 erschienenen 640 Seiten dicken Wälzer Hitler, Buddha, Krishna fortgeknüpft. Der Untertitel lautet „Eine unheilige Allianz vom Dritten Reich bis heute“ und verweist auf die enge Verbindung von Rechtsradikalismus (Neonazismus) und „Spiritualität“ östlicher Provenienz.

Buddhismus, insbesondere in seiner lamaistischen Version, ist trendy und hip. Zum Beispiel wird die aktuelle Mythenwelt Hollywoods (und auch die der Independent-Filme) von coolen, emotionslosen, eiskalten Helden dominiert, die wie Samurai und „Shambhala-Krieger“ auftreten. In einer mit ORANUR verpesteten, dunstigen Mischwelt aus High Tech einerseits und Mythen und Magie andererseits verwirklichen sie die Tugenden buddhistischer „Ich-Losigkeit“ vor (Hitler, Buddha, Krishna, S. 531f). Menschen, die auf diese Weise den Buddhismus leben, agieren ganz bewußt in einer Scheinwelt, in der es keine Wahrheit (= Kontakt mit der Wirklichkeit) gibt, – so daß die Aufklärungsarbeit des hier zu besprechenden Buches sich buchstäblich in „der Leere“ verlieren wird.

„Wahrheit ist nur relativ.“ Gemäß buddhistischer Philosophie ist jede vermeintliche Wirklichkeit eine bloße Illusion, die sich der Geist im Wahn, ein Ego zu sein, selbst vorspiegelt. In einer solchen Weltsicht wird unversehens die mythische Traumwelt, etwa „Shambhala“, zu einer Welt, die die gleiche Realität beanspruchen kann, wie unsere Alltagswelt (S. 524). Auf diese Weise verliert der Mensch die Orientierung in einem psychotischen Nebel. Wir haben es mit einem Weltempfinden zu tun, das perfekt in die virtuelle Cyberwelt der Postmoderne paßt.

Da eine solche unwirkliche Weltsicht immer mit Sadismus einher geht (denn nur Gewalt beschert noch so etwas wie lebendiges Empfinden), ist es kein Zufall, daß, unlösbar verbunden mit der „neuen Spiritualität“, eine faschistische Kriegerideologie in das kollektive Bewußtsein des Westens Einzug hält. Hier liegt eine gezielte geistige Vorbereitung eines neuen nationalsozialistischen Experiments im 21. Jahrhundert vor (S. 533). Dazu gehört, neben dem Leugnen jeder vom eigenen Bewußtsein unabhängigen objektiven Realität, die komplette Emotionslosigkeit, die Opferung des eigenen Ich für die Sache, eine vollständige Unterwerfung unter den Führer (Guru), der Yogi als Krieger bzw. der Krieger als Yogi (der „Samurai“ der japanischen Zen-Kultur), die Transformation von Sexualität in „Spiritualität“ und Macht, ein rassistisch geprägtes Kastensystem (helle Lichtwesen gegen dunkle Tiermenschen), kurz die Essenz der SS-Ideologie.

Es geht um die Umformung lebendiger Wesen in bloße Gefäße für „Archetypen“, „Götter“ und andere Euphemismen für das patriarchalische Über-Ich. Eine Disziplin, in die sich gegenwärtig Zigtausende Adepten „östlicher Weisheitslehren“ (Meditation, Tantra, Yoga, Zen) einfügen. Eine systematische Faschisierung, die vollkommen unbeachtet bleibt. Es geht um die allgemeine „Yoga-Kultur“: das „Höhere“ spannt das Lebendige unters Joch (= Yoga).

Zeigten die Trimondis in Der Schatten des Dalai Lama, wie sich hinter einer angeblich „friedliebenden“, „humanistischen“ und „emanzipatorisch-spirituellen“ Glaubenslehre eine totalitäre, faschistische, kriegerische, menschenverachtende Ideologie verbirgt (eine „Buddhokratie“ auf der Grundlage des nicht nur frauenverachtenden, sondern frauenzerstörenden Tantrismus), wird nun in Hitler, Buddha, Krishna deutlich, daß umgekehrt im Nationalsozialismus (teilweise auch im italienischen Faschismus) eine Denkweise zum Tragen kommt, die nicht nur mit dem Buddhismus (man denke etwa an den „Zen-Faschismus“ Japans oder den faschistischen „Shambhala-Mythos“ des Kalachakra Tantra) und dem Hinduismus (insbesondere in seinem zentralen Text, dem „Gesang Krishnas“, der Bhagavadgita) kompatibel ist, sondern ganz bewußt aus dieser „indo-arischen“ Tradition schöpfte.

Tatsächlich war der Nationalsozialismus in seiner konsequentesten Ausprägung, d.h. im „Ahnenerbe“ der SS, nichts anderes als „Buddho-Faschismus“ und zwar auf der Grundlage des, wie gesagt, nicht nur frauenverachtenden, sondern frauenzerstörenden Tantrismus. Nach dem Zweiten Weltkrieg ging dieses Denken nahtlos in die heutige NS-Esoterik der „Schwarzen Sonne“ und insbesondere in den „esoterischen Hitlerismus“ ein, der, so die Trimondis, „eher wie eine indische Lehre, welche die Nazi-Ideologie integriert, erscheint als umgekehrt wie eine Nazi-Lehre, die indische Religionsvorlagen benutzt“ (S. 431f).

Was speziell das Verhältnis zum Lamaismus betrifft weisen die Trimondis auf die

tiefe innere Affinität zwischen zwei Kulturentwürfen [hin], deren Repräsentanten sich magnetisch anzuziehen scheinen. Es sind, wie es Miguel Serrano [der Begründer des sexual-magischen, tantrischen „esoterischen Hitlerismus“] ausgedrückt hat, die „Archetypen“ und die „Gottheiten“, die hinter dem Dalai Lama und dem Kalachakra Tantra wirken, die sich den „Archetypen“ und den „Gottheiten“ des religiösen Faschismus sehr annähern und die bisweilen von den Nazi-Visionären als deckungsgleich angesehen werden. Die beiden Systeme lassen sich ohne weiteres miteinander kombinieren. (S. 519)

Das gleiche trifft auf die hinduistische Bhagavadgita zu, deren Kernaussage die Quintessenz jeder faschistischen Ideologie ist. Der Held Arjuna, der in einem dynastischen Kampf gegen seine eigene Familie antreten muß, ist hin- und hergerissen zwischen seinen weichen Emotionen und seinem natürlichen Mitgefühl auf der einen Seite und den „geoffenbarten“ harten Gesellschaftsregeln auf der anderen. Sein „höheres Selbst“, Gott Krishna, gemahnt ihn, seine metaphysische Pflicht zu tun (S. 83). Dazu paßt der folgende Gesang aus der SS-Hauszeitschrift Das Schwarze Korps von 1941: „Das Schädelzeichen an der Mütze sagt dir, wie wenig das Leben bedeutet. Mahnt dich, bereit zu sein zu jeder Stunde“ (S. 152). Das einzige, was zählt, ist die Pflicht. Diese Art von egolosen, spirituellen, „kantischen“ Handeln fordert Krishna in seiner Ermahnung des Helden Arjuna: „Mit dem Werke hast du es zu tun, niemals mit der Frucht der Werke. Sei keiner von denen, die um des Nutzens willen handeln“ (S. 86). Das bezeichnet man als „Karma-Yoga“.

Was der blauhäutige Kuhhirtenjunge Krishna mit Faschismus zu tun hat, wird durch folgendes Video deutlich:

Die japanische Ausprägung dieser Form des Yoga wird z.B. von der Zen-Ikone Daisetz Teitaro Suzuki propagiert: „Ein Samurai hat keine Seele, sondern das Schwert ist die Seele des Samurai“. Mit seinem „Schwert-Zen“ präsentiert Suzuki, den Trimondis zufolge,

eine Weltanschauung, die diese Waffe zum Drehpunkt allen Seins werden läßt. Richtet sie sich gegen die äußeren Feinde, dann wird sie als das „Schwert des Todes“ bezeichnet. Richtet sie sich gegen die eigenen Verfehlungen wie Haß, Zorn und Torheit, dann heißt sie das „Schwert des Lebens“. Das Schwert steigert sich am Ende zu einem Übersymbol der im buddhistischen Denken immer wieder auftretenden Dialektik doppelter Negation. Als „absolutes Schwert“ zerschneidet es die Zweiheit, trennt es die Trennung, tötet es den Tod. In der Überwindung aller Gegensätze wird es selbst zum Buddha Vairochana. (S. 198)

Religion ist Ersatz für Orgontherapie

25. September 2013

Es gibt zwei Gruppen von Religionen, die von Bedeutung sind, also Hunderte von Millionen Menschen verblöden. Auf der einen Seite haben wir Christentum und Islam, auf der anderen Hinduismus und Buddhismus (plus den chinesischen Universalismus: Taoismus/Buddhismus/Konfuzianismus). Sie leben durchweg vom Erlösungsversprechen. Im Christentum ist es das Selbstopfer, im Islam das Opfern anderer, das unmittelbar ins Paradies führt. Für die lauen Mitläufer ist das Jüngste Gericht am Ende aller Zeiten, wo der entsprechende Lohn auf sie wartet. Bei den östlichen Religionen sieht es ähnlich aus: die wenigen karmisch Auserwählten finden durch Selbstkasteiung zur Befreiung noch im Diesseits, während die Masse darum ringt, in einem etwas angenehmeren Leben wiedergeboren zu werden und sich so langsam über die Äonen hinweg karmisch vorzuarbeiten.

Die Frage ist natürlich, von was sich die Menschen eigentlich „erlösen“ wollen! Etwas überspitzt kann man sagen, daß sich im Christentum und im chinesischen Universalismus („Lebenselixier“) die Menschen vom Tod befreien wollen („das ewige Leben“), während im Hinduismus und im Islam sie von der Bürde des Lebens befreit werden wollen („das Folterrad der ewigen Widergeburt“, „Ihr liebt das Leben, wir lieben den Tod!“).

Allen gemeinsam ist, daß der Weg in die Erlösung durch die Unterdrückung der Sexualität geebnet werden soll. Entweder durch eine allgemeine Zügelung der Sexualität oder, wie im Islam, durch eine gezielte Unterdrückung der weiblichen Sexualität. Teilweise wird die Sexualität auch mißbraucht, insbesondere durch Coitus reservatus, wie im Tantra und im Taoismus.

Imgrunde dreht sich bei den Religionen immer alles um Sex. Hier scheint die „Ursünde“ verortet zu sein, von der sich die Menschen so krampfhaft befreien wollen. Was ihnen derartige Pein verursacht, ist unabgeführte (da wegen der Panzerung unabführbare!) und vor allem frustrierte Sexualenergie. Sie macht den Gedanken sowohl an den Tod als auch an das Leben unerträglich: an den Tod, weil man nie gelebt hat, und an das Leben, – weil man nie gelebt hat.

In der verkorksten Psyche des gepanzerten Menschen sind die Genitalien für die Stauung und das Toxischwerden der organismischen Energie (DOR) verantwortlich, denn ohne sie gäbe es die Malaise gar nicht. Nur der Kreuzzug gegen die Genitalien verspricht Erlösung, d.h. Befreiung vom DOR.

Die Religionen sind nichts anderes als ein fehlgeleiteter Ersatz für die Orgontherapie und werden deshalb in einer genitalen Welt restlos verschwinden. In der Orgontherapie werden systematisch jene Blockierungen beseitigt, die es der Energie im Körper verunmöglichen frei zu fließen. Am Ende der Therapie steht die orgastische Potenz, d.h. das Ende der Energiestauung und des Schalwerdens unserer Lebensenergie. Bioenergetischer Kontakt tritt an die Stelle des Ersatzkontaktes Religion. Weshalb es im übrigen auch falsch ist, in diesem Zusammenhang von „Atheismus“ zu sprechen: es geht nicht um Überwindung einer Illusion (Freud), sondern um Erfüllung eines Versprechens.

Orgastisch impotente Atheisten sind ohnehin ein Wiederspruch in sich selbst. Tatsächlich sind sie bei genauerem Hinsehen extrem gläubig. Ihr Glaube ist beispielsweise der Humanismus oder der „Antifaschismus“ oder irgendein anderer hirnrissiger Unsinn, der stets um das eine Thema kreist: die Überwindung des „egoistischen sexuellen Tiers“ im Menschen.

Natürlich gibt es auch theistische und atheistische „Satanisten“ (im weitesten Sinne), die mit all dem nichts zu tun haben wollen. Sie suhlen sich im DOR, Feiern die Frustration. Am Ende steht aber auch bei ihnen der gegen die Genitalien gerichtete Sadismus – a la de Sade. Sadeness:

Orgonomie als Weltanschauung

24. September 2013

Es gibt zwei Arten von „Orgonomie“, die kaum etwas mit Reichs Orgonomie zu tun haben. Die erste macht aus Reichs Beiträgen eine in sich geschlossene „Weltanschauung“, die zweite benutzt Reichs Lebenswerk als eine Art Steinbruch, wo man nach Belieben (d.h. nach den eigenen ideologischen Vorlieben) mal das und mal jenes herausklauben kann.

Dem aufmerksamen Leser dieses Blogs wird aufgefallen sein, daß die einzelnen Beiträge untereinander nicht immer harmonieren und ab und an „Widersprüche“ auftreten. Dazu ist zu sagen, daß der Student der Orgonomie die Welt immer wieder von neuem und möglichst unvoreingenommen betrachtet. Er hat keine in sich geschlossene „Weltanschauung“, d.h. er hat kein Brett vor dem Kopf. Er ist offen für alles und im guten und echten Sinne liberal.

Man nehme etwa die drei Grundtabus, auf denen die gepanzerte Gesellschaft aufgebaut ist: Sexualität, Politik und Religion. In der gegenwärtigen anti-autoritären Gesellschaft ist es nur allzu verständlich, wenn der Student der Orgonomie dem Uneingeweihten als „puritanisch“, „konservativ“ und sogar als „christlich“ erscheinen mag. Wenn sich die Umstände geändert haben, könnten wir uns durchaus im entgegengesetzten Lager wiederfinden. Außerdem entwickelt sich die Orgonomie im allgemeinen und die orgonomische Soziologie im besonderen beständig fort.

Das Mißverständnis, daß es sich bei der Orgonomie um eine „in sich geschlossene Weltanschauung“ handelt, entsteht auch dadurch, daß es etwa undenkbar ist, daß sich ein Cloudbuster-Operateur (Meteorologie, Ingenieurwesen) nicht mit Reichs sexualökonomischen Theorien auseinandersetzt (Medizin, Psychologie, Soziologie) und sich nicht fortwährend in orgontherapeutischer Behandlung befindet. Wie überall in der Wissenschaft geht es darum, die Instrumente und Geräte intakt zu halten. In der Orgonomie ist das wichtigste Instrument der menschliche Geist und Körper sowie das soziale Gefüge zwischen den Arbeitenden (Arbeitsdemokratie).

Ab und an hatte ich wirklich genug von der Orgonomie. Es waren „WTF“-Momente. Da war beispielsweise der Augenblick, als ich über die Rolle des Augenkontakts bei Menschenaffen sprach, die ihn als extrem aggressiven Akt wahrnehmen. Mein „orgonomisches“ Gegenüber reagierte heftigst: das müßten die Verhaltensforscher falsch interpretiert haben! – Es paßt nicht zur „orgonomischen“ Weltanschauung, in der beispielsweise der „tiefe Augenkontakt“ eine wesentliche Rolle spielt. Bei solchen Reaktionen denke ich mir dann: „Scheiße! In was für eine Sekte grenzdebiler Irrer bin ich hier bloß reingeraten?“ Andere Beispiele sind irrationale Reaktionen auf meine faktisch begründeten Zweifel über Giordano Bruno oder die Hexenverfolgung oder die offensichtliche Beobachtung daß es, oh Schreck, Rassenunterschiede gibt.

Ähnlich die Reaktion, als ich erwähnte, daß Malinowski seinem posthum veröffentlichten Tagebuch zufolge Probleme mit dem Rassismus der Trobriander hatte, die einen Horror vor Körpergerüchen haben und jedes Körperhaar entfernen. Und dann kommt da so ein übelst vor sich hin müffelnder (generell ist Kleidung, diese Segnung des weißen Mannes, in den Tropen unhygienisch!), ständig schwitzender, blasser und wie ein Halbaffe über und über behaarter Untermensch (ein Mitteleuropäer) wie Malinowski daher! Malinowski hat sich gerächt, indem er von „Niggern“ und, was die jungen Trobrianderinnen betraf, „Huren“ sprach. Aber erwähne das mal gegenüber einem ganz in der „orgonomischen“ Weltanschauung aufgehenden Sektierer, für den Malinowski ein orgonomischer Heiliger ist! „Blödsinn!“ Da müßte ich was mißverstanden haben, blablabla.

Für diese Leute scheint es keine objektive Wirklichkeit zu geben. Alles wird mit einer vermeintlich „orgonomischen“ Brille gesehen, ohne daß sie sich bewußt sind, daß sie eine Brille tragen. Diese Brille ist fast durchgehend rosa gefärbt: Friede, Freude, Eierkuchen.

Reich ist nicht ganz unschuldig für das Aufkommen dieser Weltanschauung, mußte er sich doch zeitlebens mit Leuten auseinandersetzen, für die der Mensch ein „sadomasochistisches Tier“ war, die Welt ein von wachsender Entropie und dem „Todestrieb“ bestimmtes Jammertal; dauerhaftes Glück sei Illusion, der Stoizismus die angemessene Geistesverfassung. Noch heute sind die arroganten Hackfressen der Reich-Hasser von diesem Gedankengut durchfurcht.

Tatsächlich hat sich die Gesellschaft aber mittlerweile grundlegend geändert. Aus der autoritären Gesellschaft wurde die anti-autoritäre Gesellschaft und an die Stelle von Sigmund Freud ist Erich Fromm getreten. Zwar spreizen sich in pseudo-intellektuellen Schmierantenblättern noch immer die Zyniker, aber der Gutmensch dominiert zusehends die Szenerie. Jetzt hat er sich sogar seinen eigenen Reich-Film gedreht: ein weicher, verletzlicher, durch und durch anti-autoritärer Reich, der nahe am Wasser gebaut hat. Aussagen Reichs, die nicht in diese Weltanschauung passen, hat Reich, dieses Weichei, dann halt aus Angst vor „McCarthy“ getätigt!

Ähnlich sieht es im Bereich der Orgonbiophysik aus. Da haben wir ein perfektes Weltsystem vor uns: der Raum ist mit einer Art Sauce (dem Orgon) gefüllt, das durch das Universum, die Atmosphäre und den menschlichen Körper fließt, wie es die „alten Weisheiten“ der Völker und verschiedene moderne Esoteriker lehren. Mein Protest, daß man die Orgonenergie nicht einfach mit dem Äther, dem Od, dem Chi und all den anderen „feinstofflichen“ Essenzen gleichsetzen kann, wird jeweils verächtlich vom Tisch gewischt. Reichs Orgon wird mit den verzerrten Wahrnehmungen von gepanzerten Menschen gleichgesetzt!

Reich war ein Wissenschaftler, kein Begründer von etwas, was die Welt nun wirklich als allerletztes braucht: eine neue Weltanschauung. Tatsächlich ist diese vermeintlich „orgonomische“ Weltanschauung derartig beschränkt, klaustrophobisch und offensichtlich falsch und schlichtweg peinlich, daß man den Kritikern der Orgonomie manchmal nur aus vollem Herzen rechtgeben kann. Tatsächlich entspricht diese „orgonomische“ Weltanschauung dem Weltbild des kleinen Mannes, der nicht etwa nach Erkenntnis sucht, sondern nach Halt und Orientierung in dieser Welt.

downwithhim

Homosexualität und die Emotionelle Pest

5. September 2013

Homosexuelle werden gehaßt und vor allem verachtet, weil sie in mancher Beziehung der Genitalität näher stehen als die „Normalen“. Das fängt schon damit an, daß bei ihnen die Sexualität nichts mit Fortpflanzung zu tun hat, also auf das aus Reichscher Sicht Wesentliche reduziert ist. Homosexuelle sind typischerweise weich, sinnlich und leben ihre Triebe. Sie sind das, was der gepanzerte Mensch am meisten fürchtet: das „sexuelle Tiere“ in sich. Gleichzeitig sind sie überdurchschnittlich kulturbeflissen und gebildet, also das, was der gepanzerte Mensch fast genauso fürchtet: sie haben ein Innenleben.

Die andere Seite der Medaille ist entsprechend der Einfluß des homosexuellen Geschmacks auf die Heterosexualität, d.h. das „Tiersein“ der Normalen, und der kaum weniger verheerende Einfluß der Homosexuellen auf das Geistesleben der Gesellschaft.

Praktisch alle, die sich um das Aussehen von Frauen (und zunehmend auch von Männern, Stichwort: „metrosexuell“) kümmern, sind homosexuell. Dazu gehören Modemacher, Visagisten und Friseure. Entsprechend verwandeln sich Frauen zusehends in jene androgynen Wesen, auf die Homosexuelle „abfahren“, wie man so schön sagt. Man denke nur an Magermodels, Kindfrauen oder herbe Wallküren: alles Wesen, denen eines abgeht – die Weiblichkeit, also das, wovor der Homosexuelle eine Todesangst hat, ansonsten wäre er ja nicht homosexuell. Der Homosexuelle beseitigt also genau das aus seiner Umwelt, was bei ihm beängstigende bioenergetische Erregungen hervorruft. Diese pestilente Reaktion führt unmittelbar dazu, daß sich die Frauen in den westlichen Kulturen zunehmend unwohl in ihrer eigenen Haut fühlen, ihre eigene Weiblichkeit ablehnen und entsprechend für echte Männer unattraktiv werden.

Verstärkt wird das ganze durch die zunehmende Dominanz der Homosexuellen in den Medien und in der Kultur. Das sind genau jene Leute, die für ein „emanzipiertes“ Frauenbild eintreten und damit auch von „geistiger Seite“ die Heterosexualität zunehmend unterminieren. Von dem Leid der Kinder, die von den derartig geprägten und indoktrinierten „Frauen“ großgezogen werden, will ich gar nicht erst anfangen! – Den Homosexuellen gelingt diese erdrückende Vorherrschaft im Medienbetrieb, weil ihre Karriere nicht durch das Aufziehen von Kindern verzögert wird. Langfristig zerstören sie das System, von dem sie parasitär leben.

homosexpest

Homosexualität bei Jugendlichen

6. März 2013

Der amerikanische Orgonom Dr. Charles Konia zur heutigen Sexualökonomie:

Homosexualität bei Jugendlichen

The Journal of Orgonomy (Vol. 39, No. 2, Fall/Winter 2005)

15. Dezember 2012

Charles Konia befaßt sich in seinem Artikel „Applied Orgonometry IV: Mysticism“ (S. 60-69) u.a. mit einem recht überzeugenden Argument gegen die von Elsworth F. Baker entwickelte „sozio-politische Charakterologie“, derzufolge Konservative („verzerrter Kontakt zum Kern“) zum Mystizismus neigen, Liberale („fehlender Kontakt zum Kern“) eher zum Mechanismus. Seit den 1960er Jahren, d.h. seit dem Aufkommen der antiautoritären Gesellschaft, hat nämlich die Linke ein auffallendes Interesse für den Mystizismus gezeigt.

Wie diesen offensichtlichen Widerspruch erklären? Bakers Formulierungen gehen nicht tief genug, d.h. der alles entscheidende bioenergetische Unterschied zwischen Konservativen und Liberalen wird nicht klar formuliert: bei Konservativen steht die Emotion und das im Solar Plexus zentrierte „orgonotische System“ im Mittelpunkt, bei Liberalen die Sensation und das im Zentralen Nervensystem zentrierte „energetische Orgonom“. Siehe dazu beispielsweise meine Ausführungen in Die beiden bioenergetischen Systeme und das Elend der modernen Welt.

Entsprechend können sich Liberale durchaus vom Ersatzkontakt „Mystizismus“ angesprochen fühlen, solange dieser ein „Head Trip“ bleibt. Während der „emotionale Rechte“ sich dem „unergründlichen Ratschluß Gottes“ unterwirft, versucht der „zerebrale Linke“, der sich zum Mystizismus hingezogen fühlt, die Welt in ihrem Innersten zu ergründen. Ein Gutteil dessen, was heute unter dem Titel „Orgonomie“ und 100 Prozent dessen, was unter dem Titel „Reichianismus“ abläuft, entspricht dieser Art von mystischer Perversion. Es ist Neurose, wenn nicht Emotionelle Pest und nichts außerdem.

Im Gegensatz zu den Mystikern der Rechten glauben die Mystiker der Linken, daß man im Diesseits Gesundheit („Ganzheit“) und Glück erlangen kann: holistische Medizin, spirituelles Wachstum, „Heilung“, etc. Typischerweise geht es um das Erlangen eines „höheren Bewußtseins“. Die Wahrheit hänge von der Sichtweise des Einzelnen ab, alles ist „relativ“. Von den etablierten Religionen, insbesondere aber von „Gott, dem Vater“ will man nichts wissen. Alles sei machbar.

Allen Arten von Mystizismus ist gemeinsam, daß sie Ersatz für sexuelle Befriedigung sind. Oder mit anderen Worten: ohne orgastische Impotenz kein Mystizismus.

koniamystik

Der Panzer verzerrt die ursprünglichen sexuellen Empfindungen und an ihre Stelle tritt der mystische Ersatzkontakt. Dieser ist antisexuell und gleichzeitig eben das: Ersatz für Sexualität. Bei den einen ist die Angst vor der Sexualität unmittelbar an die autoritäre Vaterfigur bzw. „Gott“ gebunden, bei anderen sind es pseudowissenschaftliche Theorien, die die antisexuelle Haltung rationalisieren. Man denke nur einmal daran, wie linke „Reichianer“ die Orgonomie mit Tantra, Taoismus, Yoga, Buddhismus und anderem extrem antisexuellen Theorien „erweitern“!


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