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Homosexualität, Pädophilie und Genitalität

30. Juli 2014

Aus evolutionsbiologischer Sicht ist die gesellschaftliche Ablehnung von Homosexuellen rätselhaft, denn sie fallen ja als Konkurrenten beim Kampf um die Gunst des jeweils anderen Geschlechts aus und stellen auch keinerlei Belastung für die Gemeinschaft dar.

Entsprechend reagieren auch Genitale Charaktere auf Homosexualität: während der emotional („psychisch“) gesunde Mensch sich vor Pornographie ekelt, sind ihm Perversionen im allgemeinen und Homosexualität im besonderen vollkommen gleichgültig.

Demnach müßte Homophobie ein typisches Produkt von Panzerung sein. Und tatsächlich werden in dem erwähnten Artikel Forschungsergebnisse referiert, denen zufolge, genau wie Freud einst sagte, insbesondere jene homophob sind, die selbst homosexuelle Tendenzen in sich hegen. Beispielsweise reagierten bei einem entsprechenden Versuch homophobe Männer zu 54 % auf homoerotische Filme mit sexueller Erregung, während es bei (zumindest in dieser Hinsicht) psychisch gesunden Probanden nur 24 % waren.

Besonders interessant ist die Sache, wenn man sie von der soziopolitischen Charakterologie her betrachtet, wie sie von Elsworth F. Baker und Charles Konia beschrieben wird. Hier spielt das fehlgeleitete Ekelgefühl eine zentrale Rolle:

So fanden Psychologen der Cornell-Universität in Ithaca in Tests mit hundert Probanden heraus, daß Männer und Frauen mit größerer Tendenz, Ekel zu entwickeln, auch bei der Konfrontation mit homosexuellen Praktiken mehr Ekelreaktionen zeigen als für dieses Gefühl weniger empfängliche Versuchspersonen. Ekelgefühle waren bei konservativen Menschen grundsätzlich stärker ausgeprägt als bei politisch eher links stehenden, ergaben weitere Studien – was erklären könnte, weshalb in konservativen Kreisen die Ablehnung von Homosexualität größer ist.

Ekel ist per se nichts „Verwerfliches“ oder „Ungesundes“, sondern gehört zu unserer grundlegenden biologischen Ausstattung. Dieses Gefühl ist für das Überleben ähnlich wichtig wie die Angst. Aber genau wie bei der Angst bringt es die Panzerung, und die damit einhergehende Fehlsteuerung der organismischen Orgonenergie, mit sich, daß wir dieses überlebenswichtige Gefühl auch bei Dingen empfinden, wo es keinerlei rationale Funktion mehr erfüllt. Daß diese Fehlsteuerung bei Konservativen, die mehr „in ihren Gefühlen leben“, stärker ausgeprägt ist als bei eher „verkopften“ Linken ist naheliegend.

Genauso wie bei irrationalen Ängsten kann hier nur beharrliche Aufklärung weiterhelfen, um das Leben von Homosexuellen in unserer Gesellschaft langfristig erträglicher zu machen. Provokationen wie die typischen „Christopher Street Day-Paraden“ wirken hier eher kontraproduktiv. (Viele konservativ eingestellte Homosexuelle beklagen, daß ihre Gemeinschaft politisch instrumentalisiert wird und sie von Linken zynisch als „Bürgerschreck“ verheizt wird. Traditionell sind Homosexuelle Träger der Hochkultur, des guten Geschmacks und der „guten Sitten“!)

Zwar ist es löblich, daß Biologen sich in den Kampf gegen die Homophobie einreihen, aber wie das geschieht, ist mehr als fragwürdig. Nicht etwa anhand der Funktion des Orgasmus, sondern ausgerechnet anhand einer Perversion überwinden sie ihre Fixierung auf den Reproduktionserfolg. Wie aus heiterem Himmel fällt ihnen urplötzlich ein, daß Sexualität noch andere Funktionen hat als den bloßen Austausch von Genmaterial.

In Biologische Entwicklung aus orgonomischer Sicht habe ich mich zur Genüge mit dem Unsinn befaßt, den eine in dieser Hinsicht vollkommen politisierte Biologie in den letzten Jahren verzapft hat. Hier nur folgendes zur Ergänzung:

Der Neuroethologe Donald Edwards (Georgia State University, Atlanta) hat „Pseudo-Geschlechtsverkehr“ zwischen Flußkrebs-Männchen untersucht. So etwas hatte man bisher nur bei Säugetieren, insbesondere Primaten beobachten können. Von den 20 männlichen Flußkrebs-Paaren, die getestet wurden, versuchte bei 16 Paaren das eine Männchen das andere in die Rolle des Weibchens zu drängen. Bei 12 Paaren führte dies zu einer „Pseudo-Paarung“. Diese Tiere überlebten alle den Beobachtungszeitraum von 24 Stunden. Bei den restlichen 8 Paaren blieben die rivalisierenden Männchen aggressiv und die Hälfte der unterlegenen Männchen wurde vom jeweiligen Gegner sogar getötet, zerlegt und verspeist.

„Homosexualität“ bei Tieren ist also nichts weiter als eine Anpassung, um die innerartliche Gewalt zu regulieren. Der hier evident werdende Gegensatz von Aggression und Sexus unterstützt Reichs sexualökonomische Thesen.

Nun zur Pädophilie:

The Telegraph berichtet von einer Konferenz der University of Cambridge, Juli 2013, über die psychiatrische Klassifikation der diversen sexuellen „Spielarten“. Philip Tromovitch (Doshisha University, Japan) sagte: „Pädophile Interessen sind für Männer natürlich und normal. Zumindest eine beträchtliche Minderheit der normalen Männer hätte gerne Sex mit Kindern… Normale Männer fühlen sich von Kindern angeregt.”

Tom O’Carroll, ein Intensivtäter und langjähriger Kämpfer für die Legalisierung von Sex mit Kindern war anwesend und kommentierte später auf seinem Blog: „Wunderbar! Es waren einmalige Tage, an denen ich mich relativ beliebt fühlte!“

Es gäbe, so The Telegraph, in Teilen des akademischen Establishments das Bestreben, die Grenzen dessen, was an „Kindersex“ akzeptabel sei, immer weiter auszuweiten. Hier werde ein Diskurs wieder aufgegriffen, der in den 1970ern und 80ern dominierte:

Mit der Pille, der Legalisierung von Homosexualität und abnehmenden Tabus gegenüber vorehelichem Sex waren die Siebziger die Zeit einer ziemlich plötzlichen sexuellen Emanzipation. Viele Liberale durchschauten natürlich die zynische Rhetorik von PIE [eine Pädophilen-Organisation] von wegen „Kinderbefreiung“. Aber für andere auf der linken Seite war Sex von oder mit Kindern nur eine weitere repressive Grenze, die geschleift werden mußte – und der akademische Bereich war einer der wichtigsten Unterstützer.

Aus Deutschland kennen wir das von der entarteten Kinderfickerpartei, die Grünen! Wenn sie nur könnten, wie sie wollten, d.h. wenn das hinderliche gesunde Volksempfinden selbst in der eigenen ansonsten maximal degenerierten Klientel nicht wäre…

Die Demokraten im U.S. Congress kämpfen für die Bürgerrechte: alle möglichen Gruppen sollen vor „Hate Crimes“ geschützt werden, etwa Stadtstreicher und alle denkbaren ethnischen und sexuellen Minderheiten. Tatsächlich sollen alle gegenwärtig von der American Psychiatric Association aufgelisteten „Paraphilien“ so geschützt werden wie heute bereits die Homosexuellen. Es wäre nach dieser Gesetzgebung möglich, daß beispielsweise ein Exhibitionist nur eine Ordnungswidrigkeit begeht, während die Frau, vor der er sich entblößt hat und die in einem Anfall von Panik nach ihm getreten und ihn wüst beschimpft hat, in Zukunft ein Bundesgesetz bricht und dafür ins Zuchthaus kommen könnte.

Selbstverständlich werden in Zukunft auch Kinderficker geschützt werden.

Parallel sind seit Jahren Bemühungen innerhalb der American Psychiatric Association im Gange, das Werk zu vollenden, daß 1973 begann, als auf Druck der Schwulenbewegung die Homosexualität aus der Liste psychischer Krankheiten gestrichen wurde.

2003 haben während des jährlichen Treffens der American Psychiatric Association in San Francisco Charles Moser und Peggy Kleinplatz dafür plädiert, „Paraphilien“ aus dem „Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders“ (DSM-IV-TR) zu streichen. Dazu zählen sie ausdrücklich Sadomasochismus, Exhibitionismus, Fetischismus, Transvestismus, Voyeurismus und – Pädophilie! Die Situation der „Paraphilen“ heute würde jener der Homosexuellen Anfang der 70er Jahre entsprechen.

Dieser Aufruf zur „Emanzipation“ der Perversen ist nur folgerichtig, zumal die beiden Psychiater darauf hinweisen, daß es keinerlei Kriterien dafür gibt, was gesunde Sexualität eigentlich ausmacht.

Ohne Reich steht die Psychiatrie vor der Wahl zwischen Relativismus und Moralismus.

In DNP – Der Neurologe & Psychiater (10/05) präsentiert der bekannte Sexologe Volkmar Sigusch so etwas wie eine Zusammenfassung seines 2005 erschienenen Buches Neosexualitäten (Frankfurt: Campus). Trotz seines notorischen Reich-Hasses lohnt sich ein Blick auf sein Resümee der sexuellen Revolution:

Das, was einst als Lust, Rausch und Ekstase ersehnt wurde, wird seit zwei oder drei Jahrzehnten von dunklen Wolken voller Ekel, Wut, Bitterkeit, Rache, Angst und Haß überschattet: Übergriffe, AIDS, Ausbeutung, Pornographie, Kindesmißbrauch, sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz, Vergewaltigung, Abhängigkeit, etc. Hinzu komme eine Tendenz zur „Entleiblichung des Sexus“: Telefon-Sex, Partner-Treffs im Internet, „Cybersex“.

Die „sexuelle Revolution“ ist die schlimmste Katastrophe der Menschheitsgeschichte. Siehe dazu den Abschnitt „Üble Entstellungen orgonomischer Wahrheit“ in Christusmord (1978, S. 333-342).

Der „sozial-demokratische“ Abschaum im U.S. Congress ist dabei, die endgültige Zerstörung der westlichen Kultur zu besiegeln.

Zum Abschluß nochmals zu den Grünen. Woher mein abgrundtiefer Haß? Weil diese Pestratten alles terrorisieren, was gesund ist und Zukunft hat. Man lese etwa diese Stellungnahme des Deutschen Instituts für Jugend und Gesellschaft zur Verteidigung von Reorientierungstherapien von Homosexuellen. Es ist nur eine Frage der Zeit, wenn die Orgontherapie verboten wird, denn die will ja Neurosen und Perversionen heilen. Herbert Marcuse wird über Wilhelm Reich triumphieren.

Die Funktion des Orgasmus (Teil 3)

18. Juli 2014

Jürgen Hoyer und seine Kollegen von der TU Dresden konnten bei 451 Patienten, die sich einer kognitiven Verhaltenstherapie wegen Angststörungen oder Depressionen unterzogen, die folgenden aus sexualökonomischer Sicht bedeutsamen Elemente isolieren:

  • 63,2% berichteten vor Behandlungsbeginn von sexuellen Problemen (sexuelles Desinteresse, Erektionsprobleme, Anorgasmie)
  • diese Probleme besserten sich, wenn die Verhaltenstherapie erfolgreich war
  • aber auch bei jenen, die durch die Verhaltenstherapie geheilt wurden, berichteten noch 45% von sexuellen Problemen

Für Hoyer et al., und allgemein für die Psychologie und Psychiatrie, sind sexuelle Dysfunktionen bloße Begleiterscheinungen psychischer Erkrankungen. Für Reich waren sie der Kern jeder psychischen Erkrankung. Das bedeutet jedoch nicht, wie oft fälschlich Reich in den Mund gelegt wird, daß ein sozusagen „erfolgreicher Orgasmus“ die psychisch Erkrankten heilen würde. Es ist ja gerade die orgastische Impotenz, die sie krank macht, diese geht aber auf die Panzerung zurück. Mit dem Abbau der Panzerung bessert sich deshalb auch die Orgasmusfähigkeit und damit wird den neurotischen Symptomen ihre Energiequelle abgedreht. Darauf beruht jede funktionierende Therapie. Die Erhebungen von Hoyer et al. bestätigen dies erneut:

  • psychische Erkrankungen sind überdurchschnittlich oft mit groben sexuellen Problemen verbunden – ganz abgesehen vom Mangel andauernder sexueller Erfüllung („orgastische Potenz“)
  • ist die Therapie erfolgreich, d.h. wird die Panzerung zumindest teilweise abgebaut, nehmen auch die sexuellen Probleme ab – was wiederum den langfristigen Erfolg der Therapie absichert
  • da der Abbau der Panzerung und damit die verbesserte orgasmische Abfuhr nicht Ziel, sondern nur ein mehr oder weniger zufälliges Nebenprodukt der Verhaltenstherapie ist, halten sich die Erfolge in Grenzen

Siehe auch meinen Aufsatz über Biologische Entwicklung aus orgonomischer Sicht, in dem ich in einem anderen Zusammenhang auf die Beziehung von Verhaltenstherapie und Orgasmustheorie eingehe.

Reich zufolge erfüllt die Sexualität eine grundlegende bioenergetische Funktion und würde sich deshalb in den Geschlechtern gleich äußern, gäbe es nicht die Unterdrückung der weiblichen Sexualität. (Siehe dazu auch Lucky Luke und Barbie.)

Die Vorstellung, daß die sexuelle Erregung bei beiden Geschlechtern gleich abläuft, widerspricht sowohl der modernen, mechanistischen Sexualforschung (d.h. die Erforschung der pathologischen, liebe-losen Sexualität von Homo normalis), als auch der persönlichen Erfahrung der meisten Menschen.

Tom Tiegs und Paul Perrin von der University of Florida haben gezeigt, daß junge Männer zwar tatsächlich „sexueller“ sind als junge Frauen, sich die Geschlechter in dieser Hinsicht jedoch annähern, wenn es zu einer festen Beziehung kommt. Im Schutz der Partnerschaft verliert der gesellschaftliche Druck, der auf Frauen lastet, seine Kraft.

Donatella Marazziti und ihr Forscherteam von der Universität Pisa haben herausgefunden, daß bei Liebespartnern die Testosteronwerte sich einander nähern, d.h. sie sinken beim verliebten Mann und steigen bei der verliebten Frau. Die Geschlechter gleichen also ihren Sexualhormonhaushalt an, wenn sie ineinander verliebt sind.

Das hat nichts mit sexueller Aktivität an sich zu tun, da die Mitglieder der Kontrollgruppe genauso viel Sex hatten wie die Gruppe der Verliebten. Dieser Befund beweist zwar nicht Reichs Orgasmustheorie, legt aber die Antwort für das oben erläuterte Problem nahe: Sex ist nicht gleich „Sex“.

Mittels Infrarotkameras konnten Psychologen (Irv Binik et al.) an der McGill University, Montreal etwas dingfest machen, was infolge der psychologischen Zumutungen bei anderen, durchweg invasiven Meßmethoden bisher verborgen geblieben ist: Frauen werden genauso schnell sexuell erregt wie Männer. Den Versuchspersonen wurden Ausschnitte aus Pornos, Reiseberichten und Horrorfilmen vorgespielt, während Wärmebildkameras auf ihre Genitalien gerichtet waren. Beide Geschlechter fingen innerhalb von 20 Sekunden an, erregt zu werden und erreichten innerhalb von 11 oder 12 Minuten die maximale „Genitaltemperatur“. Wie in Reichs Experimenten stimmte die physiologische Erregungskurve genau mit der subjektiven Empfindung überein.

In seinen „bio-elektrischen Experimenten“ hat Reich mit dem Problem gerungen, daß die Meßinstrumente direkt mit der Haut verbunden sein mußten und dergestalt genau das hintertrieben, was gemessen werden sollte: die lustvolle Expansion des „bio-elektrischen“ Potentials. Siehe dazu Die Funktion des Orgasmus.

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Der Schwarze Faschismus und seine Bittgebete

7. Juli 2014

Dafür, daß Religion zu einem Gutteil nur Schwarzer Faschismus („Nazitum“) ist, gibt es zahllose Beispiele. Man denke nur an den Ku Klux Klan, die „Völkischen“ in Deutschland, Falun Gung oder etwa orthodoxe Juden. Beispielsweise betrachteten einflußreiche Rabbiner 2005 den Untergang von New Orleans als gerechte Strafe Gottes für Amerikas Unterstützung des Rückzugs aus dem Gaza-Streifen.

Milliarden Menschen (Buddhisten, Hindus, Juden, Moslems, Christen, etc.pp.) hängen einem derartigen magischen Kinderglauben an. Wie Reich gezeigt hat, entspringt er einer psychischen Wachstumshemmung, die unlösbar mit der Unterdrückung der kindlichen und jugendlichen Sexualität zusammenhängt. Tote Genitalien gebieren Haß und Vernichtungslust schier unvorstellbaren Ausmaßes.

Ich habe das obige, zugegeben etwas arg exotische Beispiel gewählt, weil es mir langsam aber sicher „bis hier“ steht, immer auf Moslems und ihren gottverfluchten Glauben einzudreschen. Man bemüht sich ja, originell zu sein, – aber diese Herrschaften lassen mir wirklich keine Chance :-(

Also: die übliche langsam wirklich langweilige Leier. Langweilig!

Anläßlich eines verheerenden Erdbebens in Italien 2009 sind die Krieger des Islam in einen Freudentaumel ausgebrochen und haben zu Allah gebetet, er möchte doch weiterhin für Erdbeben und andere Tragödien sorgen, um die Ungläubigen zu züchtigen.

Die süßen Freuden der Religion, die unsereinem leider verwehrt bleiben!

Im Internet schwelgen die Gotteskrieger genüßlich von der „göttlichen Bestrafung“ für „die Feinde des Islam“.

Zumindest hatten auch sie ihre dunklen Tage. Oh Allah, töte sie und mache sie zu notleidenden Flüchtlingen.

Ein anderer Dschihadist veröffentlicht die aktuelle Opferzahl unter jedem Artikel und schließt daran jeweils folgendes Gebet an:

Oh Allah, möge die Zahl der Toten weiter anwachsen. Vernichte unsere Feinde und helfe den Moslems!

Ein islamistischer Leser kommentiert:

Wir haben eine stärkere Waffe als Gewehre – unsere Gebete, die weiter die Opferzahlen nach oben treiben werden.

Unsere linksliberalen „kritischen Medien“ ergehen sich in Schreckensphantasien über die verheerenden Auswirkungen des „Kreuzzugs“ gegen den Terror und der Waffengänge gegen den Irak und Afghanistan: das würde unser Verhältnis zur islamischen Welt unrettbar zerrütten und den Terrornetzwerken neue Mitglieder zutreiben.

Die, die solche Befürchtungen hegen, begehen einen, wie Reich es nannte, klassischen „Biologischen Rechenfehler“.

Belege für die Effektivität des Krieges finden sich in den Reiseskizzen Zwischen Kairo und Kabul (Piper, 158 S.) des französische Arabisten Gilles Kepel. So notiert er über ein Treffen mit Studenten in Kairo gleich nach dem Fall Kabuls Ende 2001: „Bin Ladens Sympathiewerte sind ins Bodenlose gestürzt (…). Wehe den Besiegten!“ Araber bekunden ihm ihre Erschütterung über „die Bilder vom Freudentaumel der Muslime in Kabul nach der Befreiung von den Taliban, die Wut der Afghanen auf die arabischen Kämpfer (…) Die gesamte islamistische Bewegung sei betroffen.“

Unsere Rationalisten und Atheisten können einfach nicht verstehen, worum es geht: es geht um den Kampf gegen Allah! Genauso wie man die Germanen unterjochte, indem man ihnen bewies, daß ihre lächerlichen Idole machtlos waren, gilt es Allah als machtlosen Götzen zu demaskieren. Es ist ein Kampf der Götter.

Ja, aber die unschuldigen Opfer dieser Strategie?

Wie die Israelis während ihrer Kriege und die Amerikaner in Somalia, Irak und Afghanistan erfahren mußten, gehört es zur arabischen und allgemein zur islamischen Kriegstaktik, sich hinter Frauen und Kindern zu verstecken. Die Araber rechnen mit dem Skrupel der Europäer: „menschliche Schutzschilde“. Gleichzeitig aalt sich die linksliberale Journaille des Westens genußvoll in der Schuld des „unmenschlichen“ Westens. Die perfekte sadomasochistische Beziehung. (Ähnlich sieht es mit dem Kampf der Ukrainer gegen die großrussischen Söldner in der Ostukraine aus. Siehe hier und hier. Das Deutsch ist computergeneriert, aber die Putinsche Taktik wird deutlich.)

palifeig

Orgontherapie: Die Anwendung des funktionellen Denkens in der medizinischen Praxis (Teil XVI: Kinder und Jugendliche) (Teil 5)

5. Juli 2014

DIE ZEITSCHRIFT FÜR ORGONOMIE

Charles Konia: Orgontherapie: Die Anwendung des funktionellen Denkens in der medizinischen Praxis (Teil XVI: Kinder und Jugendliche) (Teil 5)

acologo

Fickende Gehirne

28. Mai 2014

Reich beschreibt, wie ihn 1919, beim ersten Kontakt mit der Psychoanalyse, deren Umgang mit der Sexualität abstieß.

Die Art, wie das Thema (…) behandelt wurde, klang mir sonderbar, naturfremd. Ich spürte eine Ablehnung in mir. (…) Ich hatte das Geschlechtliche anders erlebt, als ich es damals vorgetragen bekam. Das Sexuelle hatte in diesen ersten Vorträgen etwas Bizarres, Fremdartiges an sich. Eine natürliche Sexualität schien es nicht zu geben. Das Unbewußte war erfüllt von perversen Trieben allein. Die psychoanalytische Lehre leugnete zum Beispiel die Existenz einer primären vaginalen Erotik des kleinen Mädchens und ließ die weibliche Sexualität aus komplizierten Zusammensetzungen anderer Triebe hervorgehen. (Die Funktion des Orgasmus, Fischer TB, S. 26f)

Fast ein Jahrhundert später sind die Fronten noch immer dieselben. Nichts hat sich verändert. Man lese nur den Band Der „Fall“ Wilhelm Reich, mit dem Suhrkamp Reich zu dessen hundertstem Geburtstag „ehrte“. Unter anderen Tat sich Ulrike Körbitz vom „Grazer Arbeitskreis für Psychoanalyse“ hervor. Hier die Einladung zu ihrem Vortrag „Ohne Mord kein Vergnügen – Psychoanalytische Gedanken zum Orgasmus bei der Frau“:

Wie können wir uns aus Perspektive moderner psychoanalytischer und sexualwissenschaftlicher Konzepte dem Geschehen rund um den Orgasmus bei der Frau annähern? Für dieses „Abenteuer im Kopf“ wird die phasenweise heftig geführte Debatte über die hierfür „richtigeren“ körpergeographischen Orte – Klitoris oder Vagina – eine höchstens historische Rolle spielen; ebenso die der Orgasmusfähigkeit häufig zugeordneten Paradigmen einer gesunden, reifen, heterosexuell ausgerichteten Genitalität. Mein Vortrag führt statt dessen zu der Frage: Wer mordet hier wen oder was? Klärungen auf Basis von Indizien einer „erotischen Kette“ (A. Green) werden versucht und hoffentlich in der Diskussion gemeinsam vorangetrieben.

Siehe dazu das Martyrium von Marilyn Monroe, die von ihrem Psychoanalytiker Ralph Greenson, einem Schüler von Otto Fenichel, systematisch zerstört wurde. 2003 hat der Autor Mathew Smith erstmals die Tonbänder veröffentlicht, die Marilyn Monroe kurz vor ihrem Tod für Greenson besprach: „Ich hatte nie einen Orgasmus. Ich erinnere mich, wie Sie zu mir sagten: Ein Orgasmus passiert im Kopf, nicht im Becken.“ Das „Sexsymbol“ schlechthin und der verkopfte Psychiater….

In der März 2009-Ausgabe von Info Neurologie & Psychiatrie erschien ein kurzes Interview über „Erotik im Kernspin“. Was sagt die funktionelle Magnetresonanztomographie über „das Hirn beim Sex“? Interessant an dem Interview mit Prof. Dr. med. Michael Forsting vom Universitätsklinikum Essen ist zweierlei. Erstens druckt die Redaktion in der Printausgabe am Rande als Blickfänger ein Zitat, das gar nicht im Interview auftaucht: „Lust und Erregung finden nicht im Becken, sondern zwischen den Ohren statt.“ Zweitens kann Prof. Forsting die entscheidende Frage, was sich nämlich während des Orgasmus im Hirn abspielt, nur mit Verweis auf eine niederländische Studie beantworten. Mit Hilfe der Positronen-Emissions-Tomographie wurde festgestellt, „daß das zentrale Merkmal des Orgasmus die Verminderung der kortikalen Aktivität – präfrontaler Kortex/linker Temporallappen – ist. Diese ist verantwortlich für die Enthemmung – den sogenannten Kontrollverlust und die Auflösung bzw. Aufweichung der Körpergrenzen.“

Mit anderen Worten: während des Orgasmus werden die „oberen“ Funktionen des Hirns abgeschaltet! Von wegen: „Lust findet im Kopf statt“!

Und auch in anderer Hinsicht findet Reichs Orgasmustheorie Bestätigung. Prof. Forsting verweist auf die Daten anderer Arbeitsgruppen, die gezeigt hätten, „daß die zerebrale Aktivierung bei Frauen während eines vaginal induzierten Orgasmus intensiver ist als bei klitoral induziertem Orgasmus“.

Wenden wir uns dem Übersichtsartikel „Kommandozentrale Gehirn: Wo die Liebe wohnt“ in der Frankfurter Rundschau über die (2009) letzten Forschungsergebnisse in Sachen Liebe und Sexualität zu:

Bisher hätten Hirnforscher zum Thema Liebe wenig sagen können, da es nicht einfach ist, Versuchspersonen in einen entsprechenden Zustand zu versetzen. Immerhin meinen sie zu wissen, daß Emotionen im Gehirn entstehen und danach Veränderungen im Körper erzeugen. Der Ulmer Hirnforscher Manfred Spitzer:

Wir spüren die Liebe im Herzen, trotzdem spielt sie sich im Gehirn ab. Das Gehirn ist das Organ der Liebe.

Die Londoner Forscher Andreas Bartels und Semir Zeki fanden bei MRT-Untersuchungen (Magnetresonanz-Tomographie) von Verliebten, daß nur vier engbegrenzte Hirnareale das Gefühl der Liebe „hervorrufen“. Der „vordere cinguläre Kortex“ und der „Insellappen“ dienen dem Erkennen eigener und fremder Emotionen und der Verarbeitung von Sinneseindrücken. Für die erotischen Elemente des Verliebtseins seien der „Nucleus caudatus“ und der „Putamen“ verantwortlich.

Entsprechend meint die New Yorker Anthropologin Helen Fisher, die etlichen Verliebten mit Hilfe der MRT „in den Kopf geschaut hat“:

Die romantische Liebe ist eine Sucht erzeugende Droge.

Man könne, so Spitzer, romantische Liebe medikamentös mit Dopamin-Antagonisten ähnlich bekämpfen wie eine Manie oder eine Sucht. Aber natürlich sei Liebe keine Krankheit. Spitzer:

Wir können opiumsüchtig werden, weil unser Gehirn selbst opiumähnliche Stoffe herstellt und nicht umgekehrt.

Seit etwa fünf Jahren wisse man, daß Lernen und Liebe mit den gleichen Hirnarealen und mit der Ausschüttung von Dopamin verbunden sind. Spitzer:

Verliebtheit, Lernen und Glück sind sozusagen verschiedene Seiten des gleichen Funktionszusammenhangs.

Hormonell steht bei Liebe und Sexualität das Testosteron im Mittelpunkt. Es regelt nicht nur bei Männern, sondern auch bei Frauen das sexuelle Verlangen.

Erst seit kurzem weiß man, daß umgekehrt Sex auch den Testosteronspiegel erhöht.

Die biologische Basis für die längerfristige Bindung insbesondere des Mannes an die Frau sei Oxytocin, daß auch für die Mutter-Kind-Bindung sorgt. Es werde infolge von Zärtlichkeit und beim Geschlechtsakt ausgeschüttet. Deshalb habe Sex, so Spitzer, nicht nur eine reproduktive Funktion, sondern auch eine soziale Funktion: es schafft die Voraussetzung für den Familienzusammenhalt.

Soweit das, was „die moderne Naturwissenschaft“ zum Thema zu sagen hat. Auffallend ist die Fixierung auf das Gehirn. Der Körper erscheint nur als eine Art Anhängsel des Gehirns. Die Empfindungen der sich bewegenden Orgonenergie im Körper wird zur bloßen Illusion. Kein Wunder, daß diesen Leuten die eigentliche Funktion des Orgasmus unzugänglich bleibt.

For the record: Wir spüren Liebe im Herzen, weil der Solar plexus das energetische Zentrum des Organismus ist. Das Gehirn ist nur ein Koordinationsorgan.

Die Einzelergebnisse der modernen Forschung, insbesondere die Verbindung von Lernen und Liebe (d.h. die Offenheit für neue Erfahrungen), sowie die Bedeutung regelmäßigen Geschlechtsverkehrs für die hormonelle Ausgeglichenheit, sind natürlich sehr wichtig und bestätigen Reichs Orgasmustheorie, aber ohne Reichs Forschungsansatz hängen diese Forschungsergebnisse zusammenhanglos in der Luft.

Warum wird beispielsweise nicht erwähnt, daß der schulische Erfolg untrennbar mit einem erfüllten Liebesleben zusammenhängt. Man mag auf pickelige Streber verweisen, die es akademisch weit gebracht haben, aber genau sie sind für die mechano-mystische sterile Wissenschaft verantwortlich! Liebe, Arbeit und Wissen sind die Quellen unseres Leben, sie sollten es auch regieren!

Es ist beängstigend, daß Reich mit seiner Arbeit über „die elektrische Funktion von Sexualität und Angst“ uns heutigen weit voraus ist. Es ist, als wäre die Arbeit nicht 1937 erschienen, sondern würde im Jahre 2037 auf uns warten.

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Mein Hormon heißt Testosteron (Teil 2)

29. April 2014

Im 1. Teil ging es gestern u.a. darum, daß Phthalate möglicherweise die männliche Geschlechtsentwicklung beeinflussen. Forscher haben aber auch herausgefunden, daß diese Weichmacher, die in Plastikspielzeug aber auch in Körperpflegemitteln wie Parfüm, Deodorant, Nagellack und Haarspray enthalten sind, ADHS verursachen könnten. Jedenfalls fanden sie, daß je höher der Phthalat-Spiegel im Urin von Schulkindern ist, sie eine um so ausgeprägtere ADHS-Symptomatik zeigen.

Vorher wurden bereits andere Chemikalien, insbesondere Nahrungszusätze, für die besorgniserregende Zunahme von ADHS bei Kindern verantwortlich gemacht.

Heutzutage wird ADHS damit in Zusammenhang gebracht, daß das Gehirn nicht in einem ausreichenden Maße in der Lage ist, die Gedankentätigkeit vernünftig zu organisieren, stattdessen wird das Gehirn von Gedanken und Impulsen überflutet. Offenbar stören Chemikalien wie beispielsweise Phthalate die „Gehirnchemie“ in diesem Sinne.

Der Medizinische Orgonom Peter A. Crist hat ADHS mit dem Verhältnis zwischen somatischer Erregung und psychischer Wahrnehmung in Zusammenhang gebracht. Kurz gesagt überwiegt aufgrund einer nur teilweisen Panzerung die somatische Erregung und führt zu einem entsprechenden impulsiven und „wirren“ Verhalten. Mit zunehmender Panzerung wird das Verhältnis zwischen Erregung und Wahrnehmung wieder harmonischer. Crists Theorie kann hier nur sehr verkürzt widergegeben werden. Siehe Impulsivity and Its Bioenergetic Relationship to ADHD.

Das ganze erinnert frappant an eine ORANUR-Reaktion, bei der die Lebensenergie durch sekundäre Energie zunächst in „Hyperaktivität“ getrieben wird (ORANUR), um schließlich abzusterben (DOR).

Dem aufmerksamen Leser wird ein Widerspruch auffallen: Während im 1. Teil dargelegt wurde, daß Phthalate die Testosteron-Produktion in Männern senken und sie so verweiblichen, friedlicher und nachgiebiger werden, werden nun im 2. Teil die gleichen Chemikalien für Hyperaktivität verantwortlich gemacht und funktionell mit der Aggressivität des „hyperaktiven“ ORANUR in Zusammenhang gebracht.

Forschungen zeigen jedoch, daß Testosteron das in komplexen Sozialverbänden lebende Tier Mensch durchaus nicht aggressiv, sondern ganz im Gegenteil „sozial“ macht!

Menschen mit einem künstlich erhöhten Testosteronspiegel verhandeln fairer als Personen, die einen normalen Spiegel des Hormons im Blut haben. Zur dieser Erkenntnis kamen britische und Schweizer Wissenschaftler, als sie die Fairneß von Probanden untersuchten, die unter Einfluß des Geschlechtshormons standen. Das Ergebnis widerspricht der allgemeinen Annahme, daß Testosteron aggressiv und unsozial mache. Auch die Probanden waren von dem Volksglauben beeinflußt, so daß sie ungerechter handelten, wenn sie glaubten, daß sie das Männlichkeitshormon und kein Placebo erhalten hatten. Die Wissenschaftler um Christoph Eisenegger von der Universität Zürich glauben, daß das Testosteron im Zusammenhang mit dem sozialen Umfeld zu Fairness führt.

Das zeigt von neuem, daß es keinen unüberwindlichen Gegensatz zwischen Sexualität und Arbeit gibt. Jenes Hormon, das uns „geil“ macht, macht gleichzeitig auch sozial, d.h. führt zur Zusammen-Arbeit.

Dr. Baker und der Mensch in der Falle (Teil 3)

3. April 2014

Schauen wir uns die Geschichte der Orgasmustheorie in der „Reichianischen Bewegung“ an:

Schon zu Lebzeiten Reichs hat Paul Ritter die Orgasmustheorie und ihren Viertakt Spannung-Ladung-Entladung-Entspannung durch das mystische (und deshalb auch sado-masochistische) „Attraktion-Fusion-Liberation“ ersetzt.

Ebenfalls sado-masochistisch ist die Form, die Charles Kelley, der Gründer von „Radix“, dem Viertakt gab: „Ladung-Spannung-Entladung-Entspannung“. So etwas entspricht wohl eher dem empfinden eines Masochisten („Spannung-Entladung“) wie es Reich in der Charakteranalyse beschrieben hat.

Ähnliches gilt für Alexander Lowen mit seinen „bioenergetischen“ Überspannunsübungen.

Außerdem behauptet Lowen, der Orgasmusreflex würde von den Beinen ausgehen, so bekäme „die zärtliche Handlung ein aggressives Element“ (Lowen: Bioenergetik, Hamburg 1979).

Um sexuell voll aufgeladen zu werden, ist es wichtig, daß die Beine geerdet sind. Das ist nur möglich, wenn sich die Füße während des Geschlechtsaktes irgendwo abstützen können. Wir empfehlen, daß derjenige, der während des Geschlechtsaktes oben ist, seine Füße gegen das Fußende des Bettes stützt, oder die Zehen in das Bett bohrt (…). Nur so bekommen Sie die nötige Erdung für den Schwung nach vorn. (Lowen: Bioenergetik für Jeden, Gauting 1979)

Das ist eine Anleitung zum Ficken und hat nichts mit der Genitalen Umarmung zu tun!

Man könnte auch auf Gerda Boysens „Biodynamische Psychologie“ verweisen, in der die „Psycho-Peristaltik“ für die Genitalfunktion steht: Genitalität wird durch Analität ersetzt!

Schauen wir uns an, was der Berliner „Reichianer“ Bernd Senf 1984 zur Analität zu sagen hatte: emotion 6:24-32.

Als erstes fällt auf, daß bei ihm die anale Phase der psychosexuellen Entwicklung „natürlich“ ist! Nach Reich ist sie jedoch nichts weiter als eine anale Fixierung, die durch die übertriebene Aufmerksamkeit, die die Eltern der Entleerungsfunktion widmen, künstlich erzeugt wird. Und was Senf weiter über „anale Erregung des Kindes“ und „die anale Lust der Tiere“ schreibt, ist genauso falsch und schlicht pervers, wie die Aussage, „die anale Lust“ würde „in unserer Gesellschaft (…) verdrängt“ werden.

Dahinter steckt die gleiche Sichtweise, die Roger Dadoun dazu gebracht hat, die Genitale Umarmung mit der Sodomie gleichzusetzen und von der Revolution der Sexualität zu sprechen!

Wie Reich es in seiner Analyse der „Kosmischen Überlagerung“ entwickelt, besteht das Problem in der Verschmelzung der beiden orgonotischen Strömungen, der Verbindung zweier energetischer Systeme. Nun, nichts schließt aus, daß diese Verbindung oder Verschmelzung, die laufend sowohl in der Tier- als auch Menschenwelt durch Überlagerung eines weiblichen und eines männlichen Organismus realisiert wird, nicht auf ganz andere Weise vollzogen werden könnte: innerhalb derselben zweigeteilten energetischen Einheit – wie bei der Masturbation; oder durch die Verbindung zweier organischer Einheiten welcher Natur immer, Mensch-Tier, wie bei der Sodomie; oder durch gleichgeschlechtliche Partner – wie bei der Homosexualität.

Reichs (sic!) Konzept der Sexualität erreicht hier den äußeresten Punkt des konkreten Vitalismus: Das fundamentale Verlangen der lebenden Materie ist nichts anderes, als die Ausübung ihrer eigentlichen Funktion. Die Sexualität vervollständigt hier ihre Revolution im etymologischen Sinn:

Eine vollständige Kehrtwendung, eine radikale Rückkehr: zurück zu ihrem Ursprung, ihrem Wesen, dem Lebendigen. (emotion 3:147f)

Dazu bleibt mir nichts anderes übrig als aus Reichs Charakteranalyse zu zitieren:

Klinische Untersuchungen lassen keinen Zweifel darüber, daß für die Zirkel emotionell Pestkranker sexueller Tratsch und Diffamierung eine Art perverser Sexualbefriedigung darstellen. Es handelt sich um einen sexuellen Lustgewinn unter Ausschluß der natürlichen Genitalfunktion. Homosexualität, Sexualverkehr mit Tieren und Perversionen anderer Art sind gerade in solchen Zirkeln häufig anzutreffen. Die Sexualfeme richtet sich in sadistischer Weise [á la Otto Mühls AAO] gegen die natürliche und nicht gegen die perverse Sexualität anderer. Sie richtet sich ferner in besonders scharfer Weise gegen die natürliche Sexualität der Kinder und Jugendlichen; dabei ist sie in merkwürdigster Weise für jede Art perverser Sexualbetätigung wie blind. (Hervorhebungen von WR)

Queer Queen

12. Februar 2014

Wenn man eine Theorie studiert, lernt man die Grundlagen und wie man diese auf spezielle Fälle anwenden kann. Ab und an stolpert man jedoch über Dinge, die einem ein „Aha-Erlebnis“ bescheren und man erlangt einen tieferen Einblick in die „Metastruktur“ der Theorie. So ging es mir 1980, als ich in einem von Bernd A. Laskas Wilhelm Reich Blättern auf folgende Gegenüberstellung stieß:

Während Freud 1937 von der „Buntheit der Lebenserscheinungen“ sprach, die nur durch das „Zusammen- und Gegeneinanderwirken“ der „beiden Urtriebe Eros und Todestrieb“ erklärbar sei, schrieb Reich 1936: „Die sogenannte individuelle Differenzierung der Menschen ist heute im wesentlichen ein Ausdruck überwuchernder neurotischer Verhaltensweisen.“

Ich muß spontan an die Christopher Street Day-Paraden denken. Man wird nirgendwo mehr neurotische Buntheit finden. Und was sieht man, wenn man seine (meine) Homophobie überwindet und tiefer blickt? Lauter gebrochene, erniedrigte und sich selbst erniedrigende Menschenkinder. Wie mir mal ein Schwuler sagte: „Zuviel Schmerz und Angst in meinem Leben! Und jetzt auch noch diese scheiß Krankheit!“ Reich ging es darum, hinter die Masken auf die nackten „eigentlichen“ unverwechselbar individuellen Seelen zu blicken. Während Freud sich am wilden Maskenball berauschte und sich im Labyrinth der Neurosen tummelte, weil er glaubte, hier den Zugang zur Urgeschichte der Menschheit vor sich zu haben. Ein „Maskensammler“!

Je mehr eine Gesellschaft zerfällt, desto „bunter“ wird sie. Die autoritäre Gesellschaft war von einem neurotischen Gleichgewicht geprägt, was zu einer allgemeinen Uniformität führte. Mit der gescheiterten sexuellen Revolution seit Anfang der 1960er Jahre zerbrach dieses neurotische Gleichgewicht und die Welt wurde „bunt“. Das wurde mit einem dramatischen Anstieg des Angstniveaus und psychosomatischer Symptome erkauft, was nur mit dem massiven Einsatz von legalen Drogen (Psychopharmaka, Alkohol) und illegalen Drogen bewältigt werden kann. Mit der Herstellung einer genitalen Gesellschaft würde wieder eine allgemeine Uniformität Einzug halten. Kein Mensch käme auf den Gedanken sich mit bunt gefärbten Haaren oder Piercings im Gesicht zum Idioten zu machen.

Das sinnfälligste Symptom des gesellschaftlichen Zerfalls und das Hauptindiz, daß es sich um ein sexualökonomisches, d.h. charakterologisches Problem handelt, ist der anhaltende Hype um geschlechtliche Abnormitäten, die stets darauf hinauslaufen, das eigene Mann- bzw. Frausein zu verneinen und die folgerichtig in der Kastration münden. Zwar ist es nicht so, daß beispielsweise „Transvestismus“ zwangsläufig oder auch nur zu einem prozentual ins Gewicht fallenden Anteil zur Geschlechtsumwandlung führt, wie Jerome Eden im folgenden fälschlicherweise nahelegt, jedoch hat das ganze eine innere Logik, die genau darin kulminiert. (Siehe das Video am Ende dieses Beitrages! und auch hier)

Eden hat im EDEN BULLETIN (Vol. 3, No. 2, April 1976, S. 14) die Anfänge des heutigen LGBT-Kults vor 40 Jahren beschrieben und alles Notwendige dazu gesagt:

Der Schritt von der emotionalen Kastration zur tatsächlichen physischen Kastration ist logische Folge des Bankrotts der mechanistischen Psychologie und Psychiatrie bei dem Versuch mit dem Problem des Transvestismus umzugehen.

Die orthodoxe Wissenschaft hat den kranken und gequälten Menschen nichts besseres anzubieten. Sie sind durch die autoritäre Sexualverneinung, die keinen angemessenen Ausdruck von Sexualität bei Jugendlichen erlaubt, gelähmt. Gleichzeitig wird allgegenwärtig Perversion und Zügellosigkeit herangezüchtet und gefördert. (…)

Transvestitismus ist eine Krankheit wie Alkoholismus oder Asthma. Er kann von einem kompetenten medizinischen Orgontherapeuten mit hervorragenden Ergebnissen behandelt werden. Die Mehrheit der Psychiater ignorieren jedoch weiterhin Wilhelm Reichs Ansatz für emotionale Störungen und verweisen Transvestiten auf Chirurgen, um kastriert zu werden, was eine Barbarei ist, die vielleicht nur durch die ausufernde Praxis der Säuglingsbeschneidung übertroffen wird – die ebenfalls unnötig ist. Sobald ein Transvestit kastriert ist, können seine Probleme nur schlimmer werden, statt sich zu bessern. Nachdem seine Genitalien herausgeschnitten worden sind, ist das Tor zur Fähigkeit, seine sexuelle Energie (seine Lebensenergie) in einer genitalen Richtung zu entladen, für immer verriegelt.

Es gibt klinische Hinweise darauf, daß die Selbstmordrate unter kastrierten („geschlechtsumgewandelten“) Männern sehr hoch ist. Kein Wunder: jemanden zu entmannen, ist keine „Umwandlung“ seiner Sexualität, sondern deren Ausradierung. Es ist, als würde man einem ertrinkenden Mann die Schlinge des Henkers um den Hals legen.

Außerdem verurteilen wir die jungen, leicht zu beeindruckenden Kinder zur ständigen Exposition mit Film- und TV-Szenen, in denen Transvestiten als groteske Clowns dargestellt werden. Jugendliche mit einem gesunden und glücklichen Sexualleben würden bei solchen Szenen einfach traurig oder mit Abscheu ihre Köpfe schütteln. Aber wenn wir die natürlichen heterosexuellen Rechte von Kindern nicht bestätigen und perverse sexuelle Ausdrucksweisen als „Norm“ hinstellen, verewigen wir eine pandemische Krankheit. Ein gut genährter Organismus wird sich weigern, Müll zu fressen, und solchen Verzerrungen keinen Applaus zollen – wie zum Beispiel Newsweeks ekstatische Beschreibung der chirurgischen wunderbaren Wandlung als „das ultimative Abenteuer“! (…)

Wenn Homosexualität und ähnliche sexuelle Verirrungen keine (heilbaren) Krankheiten sind, dann macht Reichs Charakteranalyse, seine Orgasmustheorie, die gesamte Sexualökonomie, ja die gesamte Orgonomie, überhaupt keinen Sinn!

Und wer behauptet, daß Homosexualität keine Krankheit ist, kann, wenn er auch nur einen einzigen Gedanken zu Ende denken kann, unmöglich behaupten, daß Päderastie eine Krankheit ist. Zumal bis ins 20. Jahrhundert hinein diese beiden Perversionen als synonym galten.

Das widerspricht zwar durchweg der gängigen mit empfindlichen Strafandrohungen bewehrten Meinung, aber nur der rückgratlose Kleine Mann vertritt die „Meinung der Welt“!

Und als P.S.:

Sex im National- und Realsozialimus

26. Dezember 2013

Angesichts von Reichs Ausführungen von 1933 über die Massenpsychologie des Faschismus stellt man sich das Wesen des Nationalsozialismus als eine Art „Anti-Reichianismus“ vor. Man nehme etwa folgende Zeilen aus dem Artikel „Die Psychoanalyse des Juden Freud“ (Deutsche Volksgesundheit aus Blut und Boden, August/September 1933):

Das Leben sei [so schreibt der Nazi] „eine Schule (…) in der wir die Überwindung der Triebe zu lernen haben. Diese Aufklärung gibt dem Kranken neue Kraft, und statt der Flucht in die Krankheit wird er den Kampf mit dem Leben wieder aufnehmen. Die Neurose ist geheilt.“ Ergebnis der Psychoanalyse sei im Gegensatz dazu, „daß der um die Beherrschung des Trieblebens kämpfenden Patientenseele der letzte ethische Halt endgültig genommen und sie in die asiatische Weltanschauung ‚Genieße, denn morgen bist du tot!‘ hinabgestoßen wird“. Nach Freud „sei der Geschlechtstrieb der Grundtrieb der Seele, auf den der ganze Lebensinhalt zurückgeführt werden muß. Ekel, Scham, Moral, Ethik, Autorität, Gewissen, ja Religion, Wissensdurst, Kunstsinn entstehen nur aus der Sexualität.“ Die „schmutzige Fantasie Freuds“ deute Sexualität sogar schon „in die Kinderseele“ hinein, suggeriere, der „dauernde Trieb“ müsse Erfüllung finden: „in der Jugend durch Onanie (…), später durch Geschlechtsverkehr (gleich ob ehelich oder außerehelich), sonst würde man krank!“ (Andreas Peglau: Unpolitische Wissenschaft?, S. 473)

Um so erstaunlicher ist, daß nach dem Krieg kirchliche Kreise dem Nationalsozialismus „Freizügigkeit“ und „Unmoral“ vorwarfen, die man überwinden müsse, um das Dritte Reich wirklich hinter sich zu lassen (Peglau, S. 462). Die bürgerliche Fassade war durchbrochen worden und das Triebleben hatte sich geregt. Das sollte nun wieder gekittet werden. Jeder Versuch einer „biologischen Revolution“ war zum Scheitern verurteilt, weil der Weg zum bioenergetischen Kern durch die mittlere Schicht hindurch mußte. Daß die Kirche prinzipiell im Recht war, sollte sich zwei Jahrzehnte später zeigen, als infolge der neuen nationalsozialistischen Bewegung (ich spreche von den 68ern) erneut die Hölle durchbrach: wir leben heute in ihr.

Selbst während des Naziregimes zeigten sich Kirchenvertreter, sowohl von katholischer als auch von evangelischer Seite, enttäuscht. Von einer „entsetzlichen Verwilderung und Überreizung des Triebes“ ist da die Rede; „alle hemmenden Schranken der Tradition“ seien im Nationalsozialismus niedergetreten worden, die „Überbetonung des Sinnlich-Sexuellen“ habe „das ganze öffentliche und private Leben ergriffen“. Es wurde eine „Tendenz zur Nacktkultur“ beklagt (Peglau, S. 465f).

Ein zusätzliches Schlaglicht auf das, was hier angepangert wurde, wirft folgender Absatz in Peglaus Ausführungen, der auch meinen verstörenden Verweis auf die „68er“ rechtfertigt:

1936 verfaßte der mit „Rassefragen“ beschäftigte Arzt Walter Gmelin den Essay Bevölkerungspolitik und Frühehe. Hier wertete er Sex vor der Ehe als positiv, als „gesunde Reaktion gegen gesellschaftliche Hemmungen und gegen Moralprediger“, als Zeichen dafür, daß Menschen „im geschlechtsreifen Alter den ihnen von der Natur mitgegebenen Trieb befriedigen“. (…) Ein weiterer NS-Arzt schrieb, es sei „ein Heiliges, ein Großes um den naturgewollten, spontan auf Betätigung drängenden Geschlechtstrieb“; der Mensch, „dessen größtes individuelles Glücksempfinden im Zustandekommen des Geschlechtsaktes liegt“, sei imstande, diesen „bewußt auf die Ebene von Ewigkeitswerten zu heben“, nur „widernatürliche Scheinheiligkeit“ und „pfäffische Heuchelei“ hätten den Sexualtrieb „zu etwas Niedrigem und Gemeinen herabgewürdigt“. Zur Aufwertung des Sexualtriebs trug auch J.H. Schultz mit seiner Schrift Geschlecht-Liebe-Ehe bei, die 1942 in dritter Auflage (56.000-85.000) erschien. (…) Dagmar Herzog (Die Politisierung der Lust, 2005) bemerkt zu Schultz’ „ermutigenden, lustbejahenden Tipps zum Thema Sexualität“, daß sie „denen des NS-Gegners und linken Sexualrevolutionärs Wilhelm Reich irritierend ähnlich seien“. Tatsächlich finden sich in Aufbau und Inhalt einige Parallelen zu Reichs sexualaufklärerischen Schriften. (Peglau, S.

Aktphotos in Zeitschriften, Akte in der Malerei; bei BDM und in der Hitlerjugend ist, in Berichten der Exil-SPD, von „Promiskuität“ die Rede, eine liberale Ehegesetzgebung: die Atmosphäre im Dritten Reich war nicht durchgehend sexualverneinend. Ähnliches läßt sich über den Realsozialismus sagen. Wenn ich mir so die persönlichen Beschreibungen von und über gelernte „DDR“-Bürger anhöre, bestimmte Sex das alltägliche Leben weit mehr als im Westen. „Wir hatten ja nichts anderes, um uns zu vergnügen.“ Ich kann mich noch gut an eine Sendung im „DDR“-Fernsehen erinnern, wo der alte Professor sich über „bürgerliche Prüderie“ ereiferte, für die es in einer sozialistischen Gesellschaft keinen Platz gäbe.

Sicherlich wirkte in beiden Regimen untergründig der Einfluß Reichs fort, vor allem in personeller Hinsicht. Wichtiger ist aber folgendes: es handelte sich eben nicht um schlichtweg „reaktionäre“ oder „faschistische“, will heißen nur und ausschließlich „abgrundtief böse“ Herrschaftssysteme, sondern auch um Versuche, die alte, „reaktionäre“ Welt zu überwinden. Sowohl für den Hitlerismus als auch für den Stalinismus hat Reich zwar extrem sexualverneinende Elemente dokumentiert, daraus aber ein holzschnittartiges „Reichianisches“ Weltbild zu konstruieren und das den Leuten dann auch noch als „Orgonomie“ zu verkaufen, ist bloße Ideologie, eine neue „Heilslehre“, Wahrheitskrämerei.

Wir landen immer wieder bei den drei Schichten der menschlichen Charakterstruktur. Die Massen versuchen sich aus der verlogenen, fassadären Welt der „bürgerlichen“ Gesittung zu befreien und authentisch zu sein. Das gelingt ihnen aber nicht, weil sich zwischen die Fassade und den bioenergetischen Kern die sekundäre Schicht geschoben hat, die jede Bewegung in die richtige Richtung in ein hoffnungsloses Durcheinander münden läßt. Aufgabe des Studenten der Orgonomie ist es, nicht moralisch zu verurteilen, sondern in dem Wirrwarr von Strebungen und Gegenstrebungen Ordnung zu schaffen; das zu bekämpfen, was jetzt zu diesem Zeitpunkt kontraproduktiv ist, und vor allem das zu unterstützen, was in die richtige Richtung weist.

Es geht um die Übertragung der Charakteranalyse auf den gesellschaftlichen Bereich. Gepanzerte Gesellschaften sind genauso widersprüchlich wie gepanzerte Individuen. Es gilt jene „Ideale“ zu unterstützen, die Strebungen aus dem bioenergetischen Kern entgegenkommen, und die Emotionelle Pest, d.h. die Expansion der sekundären Schicht, zu isolieren und auszumerzen.

sexrealnational

Nationalsozialismus und Psychoanalyse

12. Dezember 2013

In den 1930er Jahren gab Reich die Zeitschrift für Politische Psychologie und Sexualökonomie heraus. Neben ihm selbst war „Karl Teschitz“ (Pseudonym des angehenden Psychoanalytikers Karl Motesiczky) der Hauptvertreter der „Politischen Psychologie“, deren Grundtext Reichs Massenpsychologie des Faschismus ist.

Reich und Motesiczky haben in ihren Büchern und Aufsätzen immer wieder hervorgehoben, daß der Nationalsozialismus eine Bewegung in die richtige Richtung war, wäre er nicht „abgebogen“. Man betrachte dazu die letzten Seiten von Reichs Die sexuelle Revolution. Kein mechanisches Freund-Feind-Denken, d.h. nicht in (dazu noch unglaublich verlogene) „antifaschistische Erstarrung“ verfallen, sondern die vorwärtsstrebenden und die rückwärtsgerichteten Elemente in jeder Bewegung aufspüren!

Die gemeinsame Arbeit von Reich und Motesiczky wird in folgendem Paragraphen aus Die Sexualität im Kulturkampf (später als Die sexuelle Revolution erschienen) zusammengefaßt:

Im Neuheidentum des deutschen Nationalsozialismus brach sich das vegetative Leben abermals Bahn. Der vegetative Wellengang wurde von der faschistischen Ideologie besser erfaßt als von der Kirche und ins Irdische herabgeholt. Die nationalsozialistische Mystik des „Blutwallens“ und der „Verbundenheit mit Blut und Boden“ bedeutet somit gegenüber der altchristlichen Anschauung von der Erbsünde einen Fortschritt; er erstickt jedoch in neuerlicher Mystifizierung und in reaktionärer Wirtschaftspolitik. Die Lebensbejahung biegt neuerdings in Lebensverneinung, wird zur Bremsung der Lebensentfaltung in der Ideologie der Askese, des Untertanentums, der Pflicht und der Rassengemeinschaft. Trotzdem kann man nicht die Sündenlehre gegen die Lehre von der „Blutwallung“ verteidigen; man muß die „Blutwallung“ vorwärtstreiben, sie zurechtbiegen.

Für die gute bürgerliche Gesellschaft stand eine Anna Freud, die 1932 Zerstörungslust, Grausamkeit, Schamlosigkeit als „Ausflüsse der infantilen Sexualregungen“ betrachtete und daraus ableitete: „Der Erzieher ist verpflichtet, die Triebbefriedigung zu stören (sic!), zu erschweren und in vielen Fällen zu verhindern“ (z.n. Andreas Peglau: Unpolitische Wissenschaft?, S. 329). So etwas, dieser abgrundtiefe Lebenshaß, diese seelische Pest, gilt nicht als Faschismus der allerübelsten Sorte!

Ausgerechnet Gustav Hans Gruber, SS-Fördermitglied, veröffentlichte 1939 im NS-Zentralblatt für Psychotherapie Sätze wie:

Das Ich entpuppte sich (…) als Instanz, die auf Identifizierung aufgebaut ist. Identifizierung mit Fremden kann aber niemals das Wesenhafte, das wirklich Persönliche, folglich auch nicht das wirklich Erstrebenswerte sein. Wo demnach das gutgepanzerte und mit allen vorzüglich funktionierenden Abwehr- und Identifizierungsmechanismen ausgestatte Ich-Mensch noch als Norm gefordert wird – dort hat man sich (…) vom Selbst abgewendet. (z.n. Peglau, S. 333)

Die Nähe zu dem Nazi-Ideologen C.G. Jung und zur mystischen Verzerrung ist unverkennbar, aber… – wer erwartet so etwas schon in einer Nazipostille?!

Peglau referiert und diskutiert Grabers daran anschließende Überlegungen wie folgt:

Resultat einer therapeutischen Haltung, die diese Abwehr fördert, wäre „ein wesenloser Roboter im Dienste der sog. Realität“. Als „Hauptaufgabe der Psychotherapie“ benannte Graber daher „im Gegensatz zu der bisherigen psychoanalytischen Auffassung“, „das Fremde (…) wie eine Wucherung zu entfernen, um dem Selbst, dem Ureigensten, Entfaltung zu ermöglichen“. Mit der bisherigen psychoanalytischen Auffassung“ dürfte er sich beziehen auf Annahmen wie der Anna Freuds, die Funktion der Erzieher sei „geglückt, wenn im Inneren des Kindes das Gewissen oder Über-Ich lebendig geworden ist“, als eine Instanz, die „die Forderungen der Außenwelt“, denen man sich zu unterwerfen habe, vertritt.

In einer Fußnote dazu zitiert Peglau eine Darstellung über die Nachkriegspsychoanalyse: „Das Überich wurde als Gewissensinstanz begriffen, die den Menschen daran erinnert, sein Selbst in seinem Handeln und Tun nicht zu verfehlen.“ Man spürt den Geist der Adenauer-Zeit, wo es darum ging, den Teufel in sich zu bändigen, an die Stelle von „Blut und Boden“ wieder die „Erbsünde“ zu setzen.

Daß Reich nichts mit dem Faschismus zu schaffen hatte, sondern sich als DER Feind Hitlers betrachtete und er es, wie Peglau dokumentiert, in vieler Hinsicht auch objektiv war, braucht nicht weiter ausgeführt zu werden. Daß er aber mit lebensfeindlichen angeblichen „Antifaschisten“ in den einen Topf geworfen wird, ist nicht hinzunehmen.

Ich habe mich dazu breit in Der Blaue Faschismus ausgelassen.

turnernazis


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