Posts Tagged ‘Sadismus’

Die „metrosexuelle“ Zerstörung der Genitalität

25. November 2014

Neulich beim Friseur: Als ich komme, ist gerade ein Kunde fertig. Ein muskulöser, „kerniger“ junger Mann, Marke „Sporn“, mit einer Frisur, die, wenn ich sie trüge, mir mal wieder den Kommentar einhandeln würde: „Peter, Du siehst aus wie ein Neonazi!!“ Aber dieser junge Mann: diese tuntigen Bewegungen und wie er sich mit Haarspray die streichholz-langen Haare zurechtzupft und dann die offenen grünen Stiefeletten (?), die für Travestiekünstler charakteristische Bewegung des Kopfes… Dieses gezierte geschlechtslose Ding, das da am Tresen stand, um zu bezahlen, war sicherlich nicht homosexuell, sondern ein offenbar typisches Exemplar der deutschen Jugend, deren Interesse „Musik und Mode“ ist und deren Leitbild den Namen Karl Lagerfeld trägt. Ein Leben, das sich im Horizont von Deutschland sucht den Superstar abspielt. Eine Umwelt, die fast ausschließlich von Homosexuellen geformt wurde.

Einen kleinen Einblick in das, was die kontaktlosen, von Schuldgefühlen und Selbstzweifeln zerfressenen, denaturierten „liberalen“ politisch-korrekten Wirrköpfe in der zivilisierten Welt auf sexualökonomischer Ebene angerichtet haben, thematisiert der Schriftsteller Joachim Lottmann in einem Interview, das er vor zehn
Jahren dem Stern (45/2004) anläßlich der Veröffentlichung seines Romans Die Jugend von heute gegeben hat:

Bei der heutigen Jugend sei es so, daß „extrem identitätsschwache Muttersöhnchen auf die verunsicherten, viel zu harten Töchter von alleinerziehenden Müttern“ träfen. Die Jugend leide unter „sexuellem Parkinson“, kaum noch einer erreiche „die genitale Phase“.

Damals konnte ich dieser Einschätzung nicht recht folgen, aber fünf Jahre später erschien in der Times ein Artikel über die jungen Männer in Japan, der Lottmanns Einschätzung in ein stärkeres Relief setzte: Girly men of Japan just want to have fun.

Mit 18 träumen japanische Männer davon, nach der Universität ein paar Jahre zu arbeiten und dann eine gutverdienende Frau zu heiraten, sich um den Haushalt und mögliche Kinder zu kümmern und dabei materiell gut versorgt und abgesichert zu sein – durch die treusorgende Ehefrau. Er kleidet sich modisch (teilweise „transgender“) und man könnte ihn als „metrosexuell ohne Testosteron“ bezeichnen. Es wird geschätzt, daß dreiviertel der Männer zwischen 20 und 34 derartige Tendenzen haben. Ungefähr die Hälfte der Männer in dieser Altersgruppe sind unverheiratet und von denen haben nur 20% eine Freundin. 30% hatten in ihrem Leben nie eine Freundin gehabt.

Bereits 2006 berichtete die Tagesschau über das Aufweichen des Patriarchats in Japan. Das „Land des Lächelns“ werde zunehmend zum Land des Weinens. Tränen gelten nun als gut und gesund. Früher verachtete man die Schwachen (siehe dazu Die Massenpsychologie des Buddhismus), heute lernt man, Mitgefühl zu empfinden und sich um sie zu kümmern.

Genitalität ist durch den funktionellen Gegensatz und die funktionelle Identität von Aggression und Hingabe gekennzeichnet. Panzerung bedingt, daß die eine der beiden Variationen die andere behindert. Im Patriarchat blockierte die Aggression die Hingabe, Resultat war Frauenverachtung und Sadismus. In der antiautoritären Gesellschaft von heute ist es umgekehrt und die Männer verweiblichen zunehmend.

Beides ist nicht gleichwertig, denn die „traditionelle“ Panzerungsstruktur führte wenigstens noch zur genitalen Vereinigung (oder zumindest einer Karikatur derselben) und zu Kindern, während die „neue“ Panzerungsstruktur dazu führt, daß sich japanische Soziologen zunehmend Sorgen um die demographische und wirtschaftliche Zukunft ihres Landes machen.

Sexualökonomisch sind die Scheinliberalen weitaus schlimmere Schädlinge, als es der bigotteste Katholik (bzw. traditionelle Japaner) mit seinen „Familienwerten“ jemals sein könnte!

Aber zurück nach Deutschland. 2010 schrieb der Erziehungswissenschaftler und Familientherapeut Wolfgang Bergmann in der Welt über „Jungs von heute – verweichlicht und verweiblicht“.

Kleine Männer wollen laut sein, raufen, sich beweisen und trotzdem geliebt werden. Doch dafür ist in der pädagogisch korrekten Frauenwelt von heute kaum noch Platz. Jungs werden mehr und mehr mit weiblichem Verständnis in Watte gepackt, harmonisiert und verweichlicht.

Für Erzieherinnen gelte: „Kaputte Gegenstände, überhaupt dieser unsensible Umgang mit der feinen Eigenart der Dinge – das ist typisch Junge“. Dem müsse man mit Verboten und Ermahnungen entgegentreten, aber „ganz sanft und weich“ mit Verständnis und freundlichen Anleitungen, „die alle auf dasselbe hinauslaufen: Kreativität und soziale Kompetenz. Wenn ein Kind einen Panzer mit in den Kindergarten bringt, hören sie von der Erzieherin, daß Gewalt keine Lösung sei. Das Gleiche sagen Erzieherinnen, wenn die Kleinen ihre Kämpfe austragen, irgendwas zwischen Rangeln und Hauen. Einmal ist es ernst, ein andermal wieder nicht. Aber die Erzieherinnen können das nicht auseinanderhalten. Für sie ist alles Gewalt.“ Die Männlichkeit selbst wird zu einem Problem, das überwunden werden muß!

Und man glaube nicht, daß hier irgendwo Platz für bedingungslose Liebe ist. Dieser sanfte Alptraum wird ergänzt durch einen unerbittlichen Leistungsdruck, der schon bei Kleinkindern anfängt: immer schön brav lernen und am besten schon vor der Einschulung Lesen und Schreiben beherrschen und die Grundlagen des Englischen und natürlich das kleine Einmaleins. Ich füge hinzu: Dazu wird jede spontane Bewegung umgebogen, in die richtigen Bahnen gelenkt, „sublimiert“. Nach außen hin mag das ganze sanft, weich und vor allem „antiautoritär“ wirken, aber in Wirklichkeit haben wir hier das diametrale Gegenteil dessen vor uns, wofür die Namen „A.S. Neill“ und „Summerhill“ stehen. Und man glaube ja nicht, daß diesen Wesen, den Produkten der neuen Erziehung, trotz aller Ermahnung zur „Kreativität“ auch nur ein origineller und kreativer Gedanke entspringt. So etwas ist nämlich tabu: es ist potentiell gewalttätig und könnte die Gefühle anderer verletzen. Entsprechend haben alle die gleiche angepaßte Meinung. Die Gedanken sind genauso choreographiert wie die Körper.

Ein weiterer Aspekt des ganzen ist schlichtweg das Medium, das wir zusammen gerade benutzen: der Rechner und das Weltnetz.

Dazu ein interessanter Beitrag aus einem Diskussionsforum:

Mein kleiner Cousin hat beide Elternteile, wächst in normalen Verhältnissen auf erfährt keine Gewalt zu Hause…

So jetzt kommt‘s aber, der Kleine ist mittlerweile 11 Jahre alt, aber seit er 6 ist, sitzt der vorm Rechner… Der konnte mit 7 besser mit der Tastatur umgehen als ich damals…

Heute ist er ein Junge wie viele andere bei uns…

Draußen spielen? Fehlanzeige

Handys, PCs, Spielekonsolen, Fernsehrprogramm…

Der Kleine ist verweichlicht…

Als ich 7 war hatte ich einen Gameboy Color und das wars…

Ich habe die meiste Zeit mit meinen Freunden draußen verbracht… Wir hatten zwar damals nicht die Möglichkeiten, die die Kinder der noch älteren Generationen hatten, aber wir haben das beste daraus gemacht…

Wenn‘s uns vom Baum geschlagen hat und wir ne Schürfwunde hatten, wen juckts? Weiterspielen war angesagt…

Mit 10 wurde ich dann (wagt es nicht über meine Eltern zu urteilen) bei Geburtstagsfesten meiner Verwandten mit allen zusammen in eine Raucherwohnung gesteckt… Augen haben gebrannt, könnt ihr euch vorstellen, aber ich hab mir selbst gesagt, da muß ich durch! und wenn‘s mir zuviel wurde, hab ich HÖFLICH gefragt, ob wir gehen könnten…

Hatten erst letzte Woche ein Familienfest bei dem nur 5 Leute in einer Wohnung geraucht haben, meinem kleinen Cousin haben die Augen gebrannt und er hat angefangen zu heulen, als ich raus bin mit ihm und spazieren ging, ist er in eine Pfütze gestanden und wurde dreckig + naß… Er hat wieder geheult…

Als er einen Softball (Faustgröße) an den Brustkorb bekommen hat, hat er angefangen zu weinen…

Als er mal eine Nacht bei jemand anders übernachten sollte, hat er geheult und wollte nicht dort schlafen…

Er sitzt immer noch Tag für Tag mindestens 3 Std. vor dem Rechner und zockt irgendwelche MMO’s

mMn liegt das nicht an der Erziehung, sondern an der übermäßigen Technik die wir haben, wieviele Kinder über 7 seht ihr noch draußen spielen? Vergleicht‘s mal gegen früher…

Ich bin noch eine der jüngeren Generationen, aber ich sehe wie unsere Jugend immer weiter verkorkst wird…

Dieser Tendenz wird nicht etwa entgegengetreten, sie wird noch weiter gefördert!

Wie an anderer Stelle erwähnt, ist Testosteron ein wertvoller und flüchtiger Stoff. Männlichkeit muß immer wieder neu erworben werden und sei es einfach dadurch, daß man sich mit Kraftanstrengung bewegt. Nicht ohne Grund vermännlichen Spitzensportlerinnen – und verweiblichen Medienkonsumenten.

genitalitätjungengewalt

Dr. Baker und der Mensch in der Falle (Teil 3)

3. April 2014

Schauen wir uns die Geschichte der Orgasmustheorie in der „Reichianischen Bewegung“ an:

Schon zu Lebzeiten Reichs hat Paul Ritter die Orgasmustheorie und ihren Viertakt Spannung-Ladung-Entladung-Entspannung durch das mystische (und deshalb auch sado-masochistische) „Attraktion-Fusion-Liberation“ ersetzt.

Ebenfalls sado-masochistisch ist die Form, die Charles Kelley, der Gründer von „Radix“, dem Viertakt gab: „Ladung-Spannung-Entladung-Entspannung“. So etwas entspricht wohl eher dem empfinden eines Masochisten („Spannung-Entladung“) wie es Reich in der Charakteranalyse beschrieben hat.

Ähnliches gilt für Alexander Lowen mit seinen „bioenergetischen“ Überspannunsübungen.

Außerdem behauptet Lowen, der Orgasmusreflex würde von den Beinen ausgehen, so bekäme „die zärtliche Handlung ein aggressives Element“ (Lowen: Bioenergetik, Hamburg 1979).

Um sexuell voll aufgeladen zu werden, ist es wichtig, daß die Beine geerdet sind. Das ist nur möglich, wenn sich die Füße während des Geschlechtsaktes irgendwo abstützen können. Wir empfehlen, daß derjenige, der während des Geschlechtsaktes oben ist, seine Füße gegen das Fußende des Bettes stützt, oder die Zehen in das Bett bohrt (…). Nur so bekommen Sie die nötige Erdung für den Schwung nach vorn. (Lowen: Bioenergetik für Jeden, Gauting 1979)

Das ist eine Anleitung zum Ficken und hat nichts mit der Genitalen Umarmung zu tun!

Man könnte auch auf Gerda Boysens „Biodynamische Psychologie“ verweisen, in der die „Psycho-Peristaltik“ für die Genitalfunktion steht: Genitalität wird durch Analität ersetzt!

Schauen wir uns an, was der Berliner „Reichianer“ Bernd Senf 1984 zur Analität zu sagen hatte: emotion 6:24-32.

Als erstes fällt auf, daß bei ihm die anale Phase der psychosexuellen Entwicklung „natürlich“ ist! Nach Reich ist sie jedoch nichts weiter als eine anale Fixierung, die durch die übertriebene Aufmerksamkeit, die die Eltern der Entleerungsfunktion widmen, künstlich erzeugt wird. Und was Senf weiter über „anale Erregung des Kindes“ und „die anale Lust der Tiere“ schreibt, ist genauso falsch und schlicht pervers, wie die Aussage, „die anale Lust“ würde „in unserer Gesellschaft (…) verdrängt“ werden.

Dahinter steckt die gleiche Sichtweise, die Roger Dadoun dazu gebracht hat, die Genitale Umarmung mit der Sodomie gleichzusetzen und von der Revolution der Sexualität zu sprechen!

Wie Reich es in seiner Analyse der „Kosmischen Überlagerung“ entwickelt, besteht das Problem in der Verschmelzung der beiden orgonotischen Strömungen, der Verbindung zweier energetischer Systeme. Nun, nichts schließt aus, daß diese Verbindung oder Verschmelzung, die laufend sowohl in der Tier- als auch Menschenwelt durch Überlagerung eines weiblichen und eines männlichen Organismus realisiert wird, nicht auf ganz andere Weise vollzogen werden könnte: innerhalb derselben zweigeteilten energetischen Einheit – wie bei der Masturbation; oder durch die Verbindung zweier organischer Einheiten welcher Natur immer, Mensch-Tier, wie bei der Sodomie; oder durch gleichgeschlechtliche Partner – wie bei der Homosexualität.

Reichs (sic!) Konzept der Sexualität erreicht hier den äußeresten Punkt des konkreten Vitalismus: Das fundamentale Verlangen der lebenden Materie ist nichts anderes, als die Ausübung ihrer eigentlichen Funktion. Die Sexualität vervollständigt hier ihre Revolution im etymologischen Sinn:

Eine vollständige Kehrtwendung, eine radikale Rückkehr: zurück zu ihrem Ursprung, ihrem Wesen, dem Lebendigen. (emotion 3:147f)

Dazu bleibt mir nichts anderes übrig als aus Reichs Charakteranalyse zu zitieren:

Klinische Untersuchungen lassen keinen Zweifel darüber, daß für die Zirkel emotionell Pestkranker sexueller Tratsch und Diffamierung eine Art perverser Sexualbefriedigung darstellen. Es handelt sich um einen sexuellen Lustgewinn unter Ausschluß der natürlichen Genitalfunktion. Homosexualität, Sexualverkehr mit Tieren und Perversionen anderer Art sind gerade in solchen Zirkeln häufig anzutreffen. Die Sexualfeme richtet sich in sadistischer Weise [á la Otto Mühls AAO] gegen die natürliche und nicht gegen die perverse Sexualität anderer. Sie richtet sich ferner in besonders scharfer Weise gegen die natürliche Sexualität der Kinder und Jugendlichen; dabei ist sie in merkwürdigster Weise für jede Art perverser Sexualbetätigung wie blind. (Hervorhebungen von WR)

Campina und die toten Schlüpfer

7. November 2013

Einer Studie der University of North Carolina at Chapel Hill zufolge haben Frauen, die nach den Wechseljahren unter einer „Störung mit verminderter sexueller Appetenz“ leiden (Hypoactive Sexual Desire Disorder, HSDD), eine geringere krankheitsbedingte Lebensqualität als Frauen ohne diese Störung. Sie berichteten mehr als doppelt so häufig von Gesundheitsproblemen wie etwa Rückenschmerzen, Erschöpfungszuständen und Gedächtnisproblemen. Allgemein haben sie Beschwerden, die von ihrem Schweregrad her mit denen vergleichbar sind, die mit schwerwiegenden Erkrankungen wie etwa Bluthochdruck, Diabetes, Arthritis oder Asthma einhergehen. Studien haben gezeigt, daß zwischen 9 und 26 Prozent der Frauen in den USA unter HSDD leiden.

Der „unwillentliche Libidomangel“ ist demnach genauso ernst zunehmen wie „wirklich“ schwerwiegende Erkrankungen. Reich zufolge gehen alle diese Erkrankungen („Biopathien“) auf eine energetische Kontraktion des Organismus zurück. Diese „Sympathikotonie“ wurde durch die angelernte Orgasmusangst hervorgerufen. Die damit einhergehende orgastische Impotenz hält die Kontraktion aufrecht. Aber was werden die Wissenschaftler von der University of North Carolina at Chapel Hill mit ihren Ergebnissen machen? Die Studie wurde vom Pharmakonzern Procter & Gamble Pharmaceuticals finanziert: neue Pillen, um das Elend ertragen zu können – und um es aufrechtzuerhalten….

Über die Erfahrungen und Einsichten, die ihn zur Orgasmustheorie führten schreibt Reich:

Die grausamen Charakterzüge im Zustande chronischer sexueller Unbefriegtheit wurden mir verständlich. Ich konnte diese Erscheinung bei bissigen alten Jungfrauen und asketischen Moralisten sehen. Im Gegensatz dazu fiel die Milde und Güte genital befriedigbarer Menschen auf. Ich habe nie einen befriedigungsfähigen Menschen gesehen, der sadistisch sein konnte. Trat Sadismus bei solchen auf, so war mit Sicherheit auf eine Störung zuschließen, die plötzlich einsetzte und die gewohnte Befriedigung behinderte. Auch das Verhalten der Frauen im Wechseljahrealter sprach für den Zusammenhang. Es gibt klimakterische Frauen, die keine Spur von Bissigkeit oder unrationalem Haß zeigen, und andere, die in den Wechseljahren charakterlich bösartig werden, wenn sie es nicht schon vorher waren. Man kann sich leicht überzeugen, daß sie sich durch ihr genitales Vorleben unterscheiden. Der zweite Typus wird regelmäßig von Frauen gebildet, die nie eine befriedigende Liebesbeziehung hatten und dies nun bereuen, bewußt oder unbewußt die Folgen der Sexualstauung spüren. Sie werden aus Haß und Neid die wütendsten Bekämpfer jedes Fortschritts. (Die Funktion des Orgasmus, Fischer TB, S. 121)

funktion

Religion ist Ersatz für Orgontherapie

25. September 2013

Es gibt zwei Gruppen von Religionen, die von Bedeutung sind, also Hunderte von Millionen Menschen verblöden. Auf der einen Seite haben wir Christentum und Islam, auf der anderen Hinduismus und Buddhismus (plus den chinesischen Universalismus: Taoismus/Buddhismus/Konfuzianismus). Sie leben durchweg vom Erlösungsversprechen. Im Christentum ist es das Selbstopfer, im Islam das Opfern anderer, das unmittelbar ins Paradies führt. Für die lauen Mitläufer ist das Jüngste Gericht am Ende aller Zeiten, wo der entsprechende Lohn auf sie wartet. Bei den östlichen Religionen sieht es ähnlich aus: die wenigen karmisch Auserwählten finden durch Selbstkasteiung zur Befreiung noch im Diesseits, während die Masse darum ringt, in einem etwas angenehmeren Leben wiedergeboren zu werden und sich so langsam über die Äonen hinweg karmisch vorzuarbeiten.

Die Frage ist natürlich, von was sich die Menschen eigentlich „erlösen“ wollen! Etwas überspitzt kann man sagen, daß sich im Christentum und im chinesischen Universalismus („Lebenselixier“) die Menschen vom Tod befreien wollen („das ewige Leben“), während im Hinduismus und im Islam sie von der Bürde des Lebens befreit werden wollen („das Folterrad der ewigen Widergeburt“, „Ihr liebt das Leben, wir lieben den Tod!“).

Allen gemeinsam ist, daß der Weg in die Erlösung durch die Unterdrückung der Sexualität geebnet werden soll. Entweder durch eine allgemeine Zügelung der Sexualität oder, wie im Islam, durch eine gezielte Unterdrückung der weiblichen Sexualität. Teilweise wird die Sexualität auch mißbraucht, insbesondere durch Coitus reservatus, wie im Tantra und im Taoismus.

Imgrunde dreht sich bei den Religionen immer alles um Sex. Hier scheint die „Ursünde“ verortet zu sein, von der sich die Menschen so krampfhaft befreien wollen. Was ihnen derartige Pein verursacht, ist unabgeführte (da wegen der Panzerung unabführbare!) und vor allem frustrierte Sexualenergie. Sie macht den Gedanken sowohl an den Tod als auch an das Leben unerträglich: an den Tod, weil man nie gelebt hat, und an das Leben, – weil man nie gelebt hat.

In der verkorksten Psyche des gepanzerten Menschen sind die Genitalien für die Stauung und das Toxischwerden der organismischen Energie (DOR) verantwortlich, denn ohne sie gäbe es die Malaise gar nicht. Nur der Kreuzzug gegen die Genitalien verspricht Erlösung, d.h. Befreiung vom DOR.

Die Religionen sind nichts anderes als ein fehlgeleiteter Ersatz für die Orgontherapie und werden deshalb in einer genitalen Welt restlos verschwinden. In der Orgontherapie werden systematisch jene Blockierungen beseitigt, die es der Energie im Körper verunmöglichen frei zu fließen. Am Ende der Therapie steht die orgastische Potenz, d.h. das Ende der Energiestauung und des Schalwerdens unserer Lebensenergie. Bioenergetischer Kontakt tritt an die Stelle des Ersatzkontaktes Religion. Weshalb es im übrigen auch falsch ist, in diesem Zusammenhang von „Atheismus“ zu sprechen: es geht nicht um Überwindung einer Illusion (Freud), sondern um Erfüllung eines Versprechens.

Orgastisch impotente Atheisten sind ohnehin ein Wiederspruch in sich selbst. Tatsächlich sind sie bei genauerem Hinsehen extrem gläubig. Ihr Glaube ist beispielsweise der Humanismus oder der „Antifaschismus“ oder irgendein anderer hirnrissiger Unsinn, der stets um das eine Thema kreist: die Überwindung des „egoistischen sexuellen Tiers“ im Menschen.

Natürlich gibt es auch theistische und atheistische „Satanisten“ (im weitesten Sinne), die mit all dem nichts zu tun haben wollen. Sie suhlen sich im DOR, Feiern die Frustration. Am Ende steht aber auch bei ihnen der gegen die Genitalien gerichtete Sadismus – a la de Sade. Sadeness:

Die Sexualökonomie der Cheyenne

30. Juni 2013

1927 beschrieb Reich in der damaligen stark von Freuds Todestriebtheorie („Destruktionstrieb“) geprägten psychoanalytischen Begrifflichkeit den Zusammenhang zwischen „Sexualstauung, Aggression, Destruktion und Sadismus“:

Die Intensität real unbegründeter Destruktionsantriebe, besonders die der Brutalität und des Sadismus, hängt vom jeweiligen Zustand der sexuellen Befriedigtheit beziehungsweise von der Stärke der sexuellen Stauung ab.

Diese Abhängigkeit zeigt sich dem Beobachter sowohl auf körperlichem Gebiet als auch im Bereiche der seelischen Haltungen. In Wirklichkeit sind die seelischen Haltungen und die körperlichen Erregungen natürlich nicht zu trennen.

Schon bei der akuten Neurasthenie, die durch Zersplitterung der Befriedigung entsteht und auf sexueller Stauung beruht, sehen wir ein Anschwellen der Erscheinungen destruktiver Antriebe: Reizbarkeit und Ausbrüche des Ärgers über nichtige Vorkommnisse sowie starke motorische Unruhe. Die Destruktionsantriebe sind identisch mit muskulärer motorischer Spannung. Motorische Unruhe kommt bei Neurosen in der Weise zustande, daß unbefriedigte sexuelle Erregung den Muskelapparat erfaßt; sie erscheint aber hier nicht mehr als Sexualphänomen, sondern als Zerstörungsantrieb. Die unterdrückte Sexualerregung überträgt sich auf die Muskulatur, wenn sie nicht symptomatisch gebunden wird oder als Stauungsangst erscheint.

Wir sehen, daß die motorische Unruhe, die Antriebe, zu zerstören oder zumindest den Muskelapparat zu betätigen, sowie die allgemeine Aggressivität bei sadistisch-triebhaften Charakteren um so stärker werden, je länger sie abstinent leben, und daß diese Impulse schwächer werden, wenn die Abstinenz auch nur für kurze Zeit aufgegeben wird. (Genitalität, S. 182)

Die Indianer des nordamerikanischen Kontinents waren nicht durchgehend matristisch, vielmehr gab es auch hier eher patristische, d.h. eher gepanzerte Stämme, bzw. entsprechende Traditionen, die sich aufgrund der Völkerverschiebungen infolge der Landnahme durch die Weißen ausbreiteten. Schließlich überlebten nur die patristisch geprägten Stämme, weil diese sich gegen die koloniale Aggression wehrten (James DeMeo: Saharasia).

Zu diesen gehörten die Cheyenne. Sie glaubten, was typisch für den Patrismus ist, an einen „obersten Gott“ und es gab bei ihnen eine scharfe Trennung zwischen der Sphäre des Krieges (Destruktion) und jener des Familienlebens (Prokreation). Der Anthropologe John H. Moore hat dies anhand der Kriegshäuptlinge der Cheyenne aufgezeigt.

Die Krieger, aber insbesondere ihre Anführer, lebten im zeitweisen, teilweise sogar lebenslangen, Zölibat.

Im Glauben der Cheyenne kommt die Kraft oder Energie zum Leben und zum Erfüllen jedweder Aufgabe (…) vom allerhöchsten Gott durch seine verschiedenen Vermittler – Vögel, Tiere und sakrale Gegenstände. Es ist Aufgabe des einzelnen Mannes diese allgemeine Kraft in eine spezifische Kraft für seine gewählten Aktivitäten umzuwandeln – das Sichern von Lebensmitteln, Krieg oder Fortpflanzung.

Wird die Kraft für einen Zweck verwendet, kann sie nicht für andere verwendet werden und so werden Zölibatsgelübde abgenommen, öffentlich und unverblümt, wenn eine schwere Aufgabe ansteht.

Ähnlich wird es bei entsprechenden Stammesgesellschaften in Afrika und auf dem eurasischen Kontinent ausgesehen haben. Das erklärt m.E. auch den Ursprung des Jainismus, Buddhismus und vielleicht der entsprechenden durchweg extrem sexualfeindlichen hinduistischen Guru-Linien aus der indischen Kriegerkaste. Siehe dazu meinen Aufsatz Die Massenpsychologie des Buddhismus.

Die emotionale Dynamik zwischen den Islamo-Faschisten und den westlichen Liberalen

22. Dezember 2012

Der amerikanische Orgonom Dr. Charles Konia analysiert die Beziehung zwischen den Islam-Nazis und den butterweichen Gutmenschen des Westens:

Die emotionale Dynamik zwischen den Islamo-Faschisten und den westlichen Liberalen

Die bioenergetischen Grundlagen der gegenwärtigen Sozialpolitik, Psychiatrie und Schulmedizin (Teil 2)

29. Mai 2012

In der gegenwärtigen Gesellschaft stellt sich die Situation grundsätzlich wie folgt dar:

Im ersten Funktionsschema wird beschrieben, wie die biologische Energie aufgrund der gesellschaftlichen, muskulären und „psychischen“ Panzerung (e) mit sich selbst in Konflikt gerät (b gegen a). Beispielsweise wird in der Gesellschaft gegen „unpassende“ Triebe (a) die Moral (b) mobilisiert, die aber schließlich immer mit phallischen oder analen Sadismus (d) einhergeht. Es ist schließlich immer ein: „Ich FICK dich!“ bzw. „Ich SCHEISS auf dich!“ Wenn die Leute die Kontrolle verlieren, sagen sie charakteristischerweise immer so etwas. Dieser Impuls, etwa „Polizeibrutalität“, muß wiederum gebremst werden (wieder b‘ gegen a‘), was, in diesem Beispiel, zu ungeheuerlichen Ungerechtigkeiten Polizeibeamten gegenüber führt, und immer so weiter, bis alles hoffnungslos verfahren ist.

Für die individuelle Charakterstruktur hier ein konkretes Beispiel, wie sich so etwas Schicht auf Schicht von unten nach oben fortsetzt:

Was den somatischen Bereich anbetrifft: gegen das Symptom (a) wird das Medikament (b) gerichtet, was unvermeidlich zu Nebenwirkungen (d) führt, die gegebenenfalls wieder als Symptome bekämpft werden müssen (a‘). Als Netzeffekt wird letztendlich die Energie gedrosselt (e), was, wie in Teil 1 dieses Blogeintrags dargestellt, zu einem einigermaßen stabilen Zustand führt („neurotisches Gleichgewicht“).

Die Orgonomie geht anders vor. Sie gibt den primären Trieben Raum, so daß sich, wie im zweiten Funktionsschema, der eine Trieb (b) nicht mehr gegen den anderen Trieb (a) richten muß, ohne daß es zu einer Katastrophe kommt. Insbesondere Sexualität (a) und Arbeit (b) haben abwechselnd ihren Platz im Leben.

Deshalb liegt auch ein erfülltes Sexual- und Arbeitsleben nicht etwa am Ende einer Orgontherapie, wie mystische „Reichianer“ glauben, sondern am Anfang. Das bedeutet, daß der Orgontherapeut, soweit er diese Bezeichnung verdient, alles tut, um den Patienten zu einem besseren, funktionelleren Leben zu ermutigen. Das gleiche gilt auch für den sozialen und den somatischen Bereich: Lebe jetzt, hoffe nicht auf mystische Weise auf eine zukünftige „Arbeitsdemokratie“ oder „Gesundheit“, sondern tue jetzt und hier alles, damit Demokratie, Produktivität, Lebensfreude und Gesundheit sich entfalten können. Lebe deine primären Triebe aus.

Das erklärt auch, warum die diversen „Reichianischen“ Therapien, inklusive mancher angeblicher „Orgontherapie“, vollständig nutzlos sind. Auch die grandiosen „Reichianischen“ Gesellschaftsentwürfe, egal ob Marxistisch geprägt oder nicht, sind das Papier nicht wert, auf dem sie stehen. Es ist alles purer Mystizismus! Entweder lebt man jetzt ein funktionelles Leben oder nie. Das ist Therapie und sonst nichts, das ist „gesellschaftliches Engagement“ und sonst nichts. Die Arbeitsdemokratie fängt jetzt an oder nie. „Der Weg ist das Ziel!“ Deshalb habe ich mich auch so maßlos über das Antifa-Arschloch aufgeregt. Durch eine einzige Geste hat er bewiesen, daß alles, was er vertritt, nichts weiter als eine dreckige, verkommene Lüge ist und alle seine Aktivitäten nur dazu dienen, uns noch weiter und diesmal vielleicht endgültig im Wirrwarr der Panzerung gefangen zu halten.

Die Faschisierung der Orgonomie

19. Oktober 2011

Vor zwei Jahrzehnten veröffentlichte „Franz Ferzak“ eine Satire über Reich: Wilhelm Reich. Ein außerirdischer Österreicher, der vom CIA ermordet wurde (Franz Ferzak World and Space Publications [FFWASP], Neuenhinzenhausen im Schambachtal 1991).

Er präsentierte die Theorien eines gewissen Joseph H. Carter (The Awesome Life Force), für den die Orgonenergie identisch mit einer bestimmten Art von „weichen Elektronen“ ist, die wiederum aus Photonen bestehen. Orgonenergie ist demnach nicht massefrei und kann in Photonen und diese „weichen Elektronen“ zerfallen. „DOR ist selbstverständlich nichts anderes als normale Orgonenergie oder weiche Elektronen, die eine große Zahl von harten, hochfrequenten Elektronen in sich aufgenommen haben.“ Das Licht, aus dem ja das Orgon, bzw. die „weichen Elektronen“, bestehe, entsteht durch Störungen im Äther, „die von höheren Wesen ausgelöst werden“. Diese „Logoi“ gehen dabei nach Gesetzen vor, wie Reich sie, so Ferzak, in Die kosmische Überlagerung erforscht habe.

Jenseits der Orgonenergie gibt es also noch Gott, die unsterbliche Seele, etc. und Ferzaks Haupteinwand gegen Reich ist dessen Ablehnung der Mystik. Daß die Seele nach dem Tod nicht weiterexistiert, es keine Inkarnation und Reinkarnation gibt, „dürfte der bombastischte Scheiß sein, den Reich in seinem ganzen Leben von sich gegeben hat“. Ferzak verwirft Reichs gesamte Kritik an der Mystik, da Reich sich da nicht genug ausgekannt hätte. Es sei nämlich „insgesamt“ so,

daß das Universum wie eine Pyramide aufgebaut ist. Oben sitzt Gott und alles, was weiter unten ist, ist von ihm abhängig. Selbstverständlich ist es so, daß sich z.B. höhere Wesen in niedrigere Bereiche inkarnieren oder eben verkörpern können. Solche Wesen sind z.B. die großen Künstler, Wissenschaftler, Philosophen und Führer usw. Ohne diese Jungs würde es auf der Welt absolut keinen Fortschritt geben.

Groteskerweise gibt diese unappetitliche Satire ziemlich genau die Weltsicht nicht etwa einiger, sondern so gut wie aller sogenannten „Reichianer“ wider. Seit Reichs Tod hat sich der „Reichianismus“ immer mehr in eine Anthroposophie für Arme entwickelt. Ich habe das teilweise in Reichianische Bücher illustriert. Der „Reichianismus“ erweist sich als etwas, was zwischen dem alten jenseits orientierten Mystizismus der Kirchen und dem diesseitigen biologistischen Mystizismus des Nationalsozialismus steht. Niemand hat die Bewegung, die seinen Namen trägt, besser erfaßt als Reich – als er die Anthroposophie beschrieb:

Es würde sich lohnen, auf die Soziologie der verschiedenen (…) theosophischen und anthroposophischen Strömungen (…) als gesellschaftlich bedeutsame Erscheinungen patriarchalischer Sexualökonomie genau einzugehen. Hier genüge die Feststellung, daß die mystischen Kreise bloß Konzentrationen von Tatbeständen sind, die wir in mehr diffuser, weniger greifbarer, aber deshalb nicht weniger deutlicher Art in allen Schichten der Bevölkerung finden. Zwischen dem Grade des mystisch-sentimental-sadistischen Empfindens und dem Grade der durchschnittlichen Störung des natürlich orgastischen Erlebens gibt es eine enge Beziehung. (…) Man vergleiche damit das wirklichkeitsnahe, unsentimentale, lebenskräftige Erleben der echten Revolutionäre, echter Naturforscher, gesunder Jugendlicher etc. (Massenpsychologie des Faschismus, S. 135)

Die Gegenüberstellung von „Tier“ und „Geistesmensch“ orientiert sich an der Gegenüberstellung von „sexuell“ und „geistig“ (…), die in stets gleichbleibender Weise die Grundlage der gesamten theosophischen Moralphilosophie bildet. (ebd., S. 154)

Die mystische Einstellung wirkt sich zunächst typischerweise als mächtiger Widerstand gegen die Aufdeckung des unbewußten Seelenlebens, im besonderen der verdrängten Genitalität, aus. Es ist bezeichnend, daß die mystische Abwehr weniger den prägenitalen, kindlichen, als den genitalen, natürlichen Triebregungen gilt, besonders der kindlichen Onanie. Der Kranke klammert sich an seine asketischen, moralistischen und mystischen Anschauungen, verschärft den weltanschaulichen unüberbrückbaren Gegensatz des „Moralischen“ zum „Tierischen“, d.h. Natürlichen-Sexuellen; er wehrt sich gegen seine genitale Sexualität mit Hilfe moralistischer Herabsetzung. Er wirft Unverständnis für „seelische Werte“ und „groben, niedrigen Materialismus“ vor. Kurz, wer die Argumentation der Mystiker und Faschisten in der politischen und der Charakterologen und „Geisteswissenschaftler“ in der naturwissenschaftlichen Diskussion kennt, dem klingt das alles wohlbekannt, es ist ein und dasselbe. (ebd., S. 169)

Der deutsche Faschismus versuchte es mit aller Macht, sich in den psychischen Strukturen zu verankern und legte daher das größte Gewicht auf die Erfassung der Jugend und der Kinder. Er hatte keine anderen Mittel zur Verfügung als Weckung und Pflege der Hörigkeit zur Autorität, deren Grundvoraussetzung die asketische, sexualverneinende Erziehung ist. Die natürlichen sexuellen Strebungen zum anderen Geschlecht, die von Kindheit an zur Befriedigung drängen, wurden im wesentlichen durch verstellte, abgelenkte homosexuelle und sadistische Gefühle, teils auch durch Askese ersetzt. Das gilt etwa für den sogenannten „Kameradschaftsgeist“ in den Arbeitsdienstlagern wie für die Einpflanzung des sogenannten „Geistes von Zucht und Gehorsam“. Sie hatten die Aufgabe, die Brutalität zu entfesseln und im imperialistischen Kriege nutzbar zu machen. Sadismus entstammt unbefriedigter orgastischer Sehnsucht. Die Fassade heißt „Kameradschaft“, „Ehre“, „freiwillige Disziplin“, die Kulisse birgt geheime Auflehnung, Gedrücktheit bis zur Rebellion wegen der Behinderung jedes persönlichen Lebens, insbesondere des sexuellen. (ebd., S. 179)

Der Faschismus wäre, so heißt es, Rückkehr zum Heidentum und ein Todfeind der Religion. Weit davon entfernt, ist der Faschismus der extreme Ausdruck des religiösen Mystizismus. Als solcher tritt er in besonderer sozialer Gestalt auf. Der Faschismus stützt diejenige Religiosität, die aus der sexuellen Perversion stammt, und er verwandelt den masochistischen Charakter der Leidensreligion des alten Patriarchats in eine sadistische Religion. Demzufolge versetzt er die Religion aus dem Jenseitsbereiche der Leidensphilosophie in das Diesseits des sadistischen Mordens. (ebd., S. 14f)

Reich hat hier die autoritäre Gesellschaft beschrieben, die bis etwa 1960 bestand hatte. Seitdem entwickelte sich die anti-autoritäre Gesellschaft, die in mancher Hinsicht sogar noch sexualfeindlicher ist. Die Faschisierung der Orgonomie äußert sich entsprechend natürlich etwas anders: wirr, grotesk und „alternativ“.

Das Gottesbild der Bibel

1. Oktober 2011

Mit der der Loslösung vom israelitischen Mutterboden, von der Mutter Natur, mit dem Übergang vom Matriarchat zum Patriarchat verselbständigt sich, wie Gerda Weiler orgonomisch vollkommen korrekt schreibt,

die aggressive Potenz des Menschen, die notwendig ist, um positiv die Aufgaben des Lebens anzugreifen, sie löst sich aus dem Zusammenhang des natürlichen Ablaufs von Werden und Vergehen und schlägt ins Negative um, in jene desintegrierte Aggressionsfähigkeit, die vorwiegend darauf gerichtet ist, den „Feind“ anzugreifen. (Ich verwerfe im Lande die Kriege, München 1984, S. 259f)

Die komplementäre Seite dieses Sadismus ist der Mystizismus. Der Sadismus entspricht dem Drang des Mystikers zum „Jenseits der Panzerung“ durchzubrechen bei Umgehung der Genitalfunktion.

Auch hierzu sagt Weiler orgonomisch vollkommen richtig:

Die Verzückung des Mystikers ist vergleichbar dem Erlebnis eines Menschen, den man geblendet hat, um ihn dann in die Gärten des Paradieses zu führen, daß er ihre Schönheit genieße. Er hat innere Bilder. Er hat Ahnungen. Das umfassende, ganzheitliche Wissen bleibt ihm versagt. Denn alle Erfahrung ist immer auch sinnlich. (ebd., S. 272)

Diese Entfremdung des Menschen vom „Göttlichen“ findet sich auch in der Kunst wieder. Je mehr das Patriarchat Fuß faßte, desto abstrakter wurde die künstlerische Darstellung. Die „urwüchsige“ abstrakte Kunst Afrikas ist nachweisbar nichts weiter als eine kulturelle Verfallserscheinung. Im Judentum und Islam wurde nicht nur Gott zum bildlosen absoluten Abstraktum, sondern gleichzeitig wurde jede bildnerische Kunstbetätigung tabuisiert, bis es allenfalls ungegenständliche Muster gab. Das Christentum ist dann aus dieser Entwicklung wieder ausgeschert. Im Bild Christi und Marias kann sich der Gläubige wieder mit der Gottheit identifizieren.

Heide Göttner-Abendroth hat der Identifizierung des matriarchalen Menschen mit der Gottheit im folgenden Gedicht auf wunderbare Weise Ausdruck verliehen:

die erde zittert, wo ich gehe in diesen zonen der reife, und wirft sanfte merkliche wellen
durch alle dinge vibriert es in mir, wo immer auf den driftenden schollen ich gerade bin
du bist das rätsel unter meinen füßen, der abgrund in mir, wo ich bin bist du überall
– denn Du Gaia bist Ich (Für die Musen, Frankfurt 1988, S. 36)

Im Patriarchat wird demhingegen Gott zu „dem ganz anderen“. Es ist ein entfremdeter Gott, der auf Kosten des Menschen lebt. Mit dem Selbstwertgefühl der Menschen ist es unter so einem Gott aus, es ist aus mit ihrem „Hochmut“ gegenüber Gott; „und ihr Stolz wird erniedrigt“, bis „der Herr allein wird groß sein“ (Jes 2,17f). Wir sind sein Eigentum, wir „gehören ihm wie Kinder ihrem Vater“ (Dtn 14,1) – oder wie Viehzeug ihrem Besitzer:

Jeder Ochse kennt seinen Besitzer und jeder Esel die Futterkrippe seines Herrn. Israel aber will nicht begreifen, wem es gehört. (Jes 1,3)

Der biblische Mensch sagt: „Ich habe meine Sache auf Dich gestellt“ (Jer 20,12). Der matriarchale Mensch sagt: „Ich habe meine Sache auf Mich gestellt“ (Stirner). So verkündigt Kardinal Giacomo Biffi aus Bologna 1989 in einer seiner berühmten Strafpredigten von der Kanzel herab:

Die Frau von heute ist grundsätzlich schlecht. Sie unterwirft sich nicht mehr dem Herrn mit einem ergebenen „Ich bin dein“, sondern sie schreit nur herum: „Ich gehöre mir selbst“.

Der Kardinal wurde noch bösartiger:

Frauen sind Verbündete des Todes, weil sie über ihren Leib selbst entscheiden wollen. Sie sind verdorben, alle Sünderinnen.

Im entwickelten Patriarchat existiert das Ich nicht mehr; allenfalls in Gestalt des Führers oder Gottes. Dieses „Über-Ich“ sagt, was zu tun ist. Weiler:

Der patriarchale Mensch verlernt unter der Gesetzlichkeit seiner aufgesetzten und aufgezwungenen Ordnung, in sich selbst hineinzuhorchen (…), er verlernt das Hinhorchen auf ein Du, die sensible Anpassung an die der Natur innewohnenden Ordnungsprinzipien. Er braucht nur noch eines: Gehorsam. Die eigene Verantwortung wird ihm erspart, wenn er nur dem Gesetz des patriarchalen Jahwe gehorcht.

Dies entspringt nomadischer Tradition, denn für den Nomaden Arabiens ist ganz allgemein das Fehlen jedes Ich-Bewußtseins zu konstatieren. Es herrscht Sippenbewußtsein, dessen Beziehung zum Über-Ich Nietzsche wie folgt umrissen hat: „Einstmals war das Ich in der Herde versteckt: und jetzt ist im Ich noch die Herde versteckt“ (Umwertung aller Werte, dtv, S. 299). Gleichzeitig ist dieses arabische Bewußtsein untrennbar mit dem Führerkult verknüpft. Schon Jesaja 3,6 erkannte, daß sich in einer Krise (wie z.B. die Verwüstung Arabiens) alle Männer in einer Sippe an einen einzigen klammern und sagen: „Sei du unser Anführer, bring Ordnung in dieses Chaos!“

Die patriarchale Entwicklung führte dazu, daß in der Bibel schließlich nicht mehr der wankelmütige Führer, sondern das unpersönliche göttliche Gesetz die Ordnung bringt. Dies entspricht der Verinnerlichung des Vaters, die in der individuellen Entwicklung zur Ausprägung eines Über-Ich führt, das natürlich mit der Panzerung funktionell identisch ist. Demnach ist also Gott der höchste Ausdruck von Kontakt- und Verantwortungslosigkeit, Entfremdung und Abpanzerung vom Leben, oder wie Nietzsche im Ecce Homo sagt:

Der Begriff „Gott“ erfunden als Gegensatzbegriff zum Leben – in ihm alles Schädliche, Vergiftende, Verleumderische, die ganze Todfeindschaft gegen das Leben in eine entsetzliche Einheit gebracht!

Monotheismus und Panzerung

9. September 2011

Durch die Panzerung des Organismus kommt es zu einer Zersplitterung von Wahrnehmung und Erregung. Diese Dynamik kommt beispielsweise im ständigen Widerstreit von Monotheismus und Polytheismus zum Ausdruck. Die bioenergetische Zersplitterung wird wieder aufgehoben, indem willkürlich aus den durch die Panzerung hervorgebrachten Teilstrebungen eine einzige herausgehoben wird, so daß schließlich an die Stelle von bioenergetischem Kontakt angebliche „Offenbarungen“ und Sadismus treten („Ersatzkontakt“). Um Gott „muß gerungen werden“, seine Botschaft „muß durchgesetzt werden“.

Man kann das Alte Testament als Geschichte des Abfalls Israels von der Muttergöttin lesen, zu der erst Christus zurückgekehrt ist, was sich symbolisch am katholischen Marienkult ablesen läßt. Es zeigt sich auch daran, daß im Katholizismus ein Bruch mit dem Monotheismus, der größten Errungenschaft des Alten Testaments, zu konstatieren ist. Das fängt mit der Dreieinigkeit an, woran sich ein kaum kaschierter polytheistischer Götterhimmel aus Erzengeln und Heiligen (z.B. dem „Wettergott“ Petrus) anschließt, über dem eine regelrechte „Göttermutter“ als „Muttergottes“ thront.

Was nicht heißen soll, daß der Polytheismus matriarchal ist. Eher im Gegenteil, denn wie sich vernachlässigte Kinder Puppen und Stofftieren zuwenden, müssen auch die verwaisten Kinder der Großen Mutter bei Götzen und Fetischen Zuflucht nehmen.

Im Matriarchat gab es keine männlichen Götter, sondern allenfalls den „Heros der Göttin“, wie z.B. Hera ihren Herakles hatte. Mit der zunehmenden Vergöttlichung dieser männlichen Nebenfiguren im Verlauf der Patriarchalisierung bildete sich das polytheistische Pantheon aus, z.B. der Olymp in Griechenland. Noch in den Psalmen ist der biblische Gott nur Teil einer Götterversammlung, er ist nur der höchste der Götter, der mächtigste aller Herren (Ps 82,1; 136,2f).

In einer der Urschriften der Bibel (dem „Elohisten“) wird Gott als Elohim bezeichnet, eine Pluralform von El, was einfach „Gott“ bedeutet. Bei den fanatischen Jahwisten geht aber selbst diese letzte patriarchale Toleranz verloren und es heißt: „Wer anderen Göttern opfert außer dem Herrn, muß aus Israel ausgerottet werden“ (Ex 22,19). Und Moses befiehlt: „Tötet alle von euren Leuten, die sich mit dem Baal eingelassen haben!“ (Num 25,5). Jahwe ist ein Gott, der in seinem Eifer die Kinder bis ins vierte Glied mit seinem Haß verfolgt! (Ex 20,5f). Das ist die ach so grandiose Errungenschaft des Monotheismus!

Die patriarchalen Großreligionen, die den frühpatriarchalen Pantheon ablösen, tendieren, wie Heide Göttner-Abendroth schreibt, alle zum Monotheismus.

Der Monotheismus, vielgepriesen und für eine höchste männliche Geistesfrucht gehalten, hat als Grundlage die Verabsolutierung des frühpatriarchalen Vatergottes, der neben sich keine anderen Götter mehr duldet. Alle anderen Götter, von denen dieser Vatergott letztlich stammt, werden als „heidnisch“ ausgemerzt. Monotheismen sind aber immer gekennzeichnet von Zentralismus und Fanatismus: Individuelle Glaubensregungen werden nicht mehr geduldet, was geglaubt wird, ist vorgeschrieben. Die Einhaltung der Glaubensdogmen überwacht eine eifernde Priesterkaste, welche je nach Bedarf inquisitorische Institutionen herausbildet. (…) Monotheistische Religionen sind typischerweise immer Staatsreligionen. Ihre Macht gewinnt die Priesterkaste aus der Verquickung mit der politischen Herrschaft („Thron und Altar“). Für die monarchische politische Herrschaft ist die monotheistische Staatsreligion stets ein willkommenes Instrument zur eigenen Legitimation. Alle monotheistischen Großreligionen sind daher ideologische Legitimationsreligionen für zentralistische patriarchale Herrschaft, die nach dem Motto antrat: „Ein Gott! ein Reich! ein König!“ Aus dem verabsolutierten Gott zieht sie dann das Recht, Andersdenkende und Andershandelnde zu liquidieren. (Die Göttin und ihr Heros, München 1984)

Ein Kennzeichen der monotheistischen Großreligionen ist ihre Naturferne. So griffen z.B. die Propheten Israels den kanaanitischen Baalskult nicht zuletzt deshalb an, weil er so eng mit dem Kreislauf der Natur verbunden war (Michael Grant: Das heilige Land, Bergisch Gladbach 1988, S. 44f). Dem hingegen wurzelte die Jahwe-Religion nicht in der Natur, als vielmehr einzig und allein in der Geschichte der hebräischen Nomadenvölker. Meines Erachtens liegt der Grund für diesen Unterschied zwischen Baals- und Jahwe-Religion darin, daß der jeweilige Stammesgott, von der Bibel „Gott der Väter“ genannt, der später in einem einzigen nationalen Gott aufging, die Aufgabe hatte, die Stammesgemeinschaft zu neuen Weideplätzen zu führen. Nach der Eroberung Kanaans wurde dies direkt auf den „Weg durch die Geschichte ins irdische Paradies“ übertragen. Im Unterschied dazu waren die kanaanitischen Ackerbauern an der Fruchtbarkeit und den Zyklen des Landes interessiert, was sich in ihrer Baals-Religion widergespiegelt hat. Dies ist das ganze „Geheimnis“ der jüdischen Religion.

Ganz allgemein sind die Jahreszyklen der Vegetation für die Nomaden Arabiens nur von geringer Bedeutung. So ist es auch zu erklären, warum den Muslimen in Mekka kaum Widerstand entgegenschlug, als sie die „heidnischen Fruchtbarkeitsidole“ zerstörten. Mit zunehmender Verwüstung hatte zwangsläufig die alte Fruchtbarkeitsreligion jede soziale Verankerung verloren. Auch die israelische Religion verdankt ihren Erfolg auf diese Weise direkt dem Vordringen der Wüste.

Die Männer, die sich mit der matriarchalen Welt „emanzipierten“, mußten sich gleichzeitig von der Natur „emanzipieren“, denn das Matriarchat ruhte fast ganz im natürlichen Recht, im Naturrecht. Man kann auch nicht von einer matriarchalen Religion im eigentlichen Sinne sprechen, denn die matriarchale „Religion“ war integraler Bestandteil des Lebens und insbesondere der Landwirtschaft. Sie war einfach ein Hilfsmittel, das die Lücken in der damaligen Wissenschaft ausfüllen und darüber hinaus helfen sollte, das gemeinschaftliche Leben zu organisieren. Für die Landwirtschaft der Trobriander hat Bronislaw Malinowski dies in Bezug auf ihre Magie nachgewiesen (Korallengärten und ihre Magie, Frankfurt 1981).

Demgegenüber hat die Religion des Patriarchats keinen „Sitz im Leben“. Allenfalls wurde z.B. im jüdischen Neujahr die Schöpfungsgeschichte vorgetragen, um die Gemeinde an der Schöpfungskraft Jahwes teilhaben zu lassen. Aber dies spielte sich doch in rein abstrakten Ebenen ab, während die matriarchale Religion immer konkret und „handfest“ war. Allein schon die Abstammung vom Vater und mythologisch die Schöpfung durch den Vater ist abstrakt. Bloße Worte. Die Bibel eine Wort-Wüste. Erst in Christus „ist das Wort Fleisch geworden“ (Joh 1,14) – um von den Pfaffen gleich wieder abgetötet zu werden. Mit jedem Neugeborenen wird es Fleisch – das die Pfaffen dann gleich wieder abtöten.


Folgen

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.

Schließe dich 42 Followern an