Mit ‘Persönlichkeit’ getaggte Artikel

Christine Kaufmann über das „Scheinweltfieber“

16. April 2013

Mich fasziniert die nahe Verwandtschaft zwischen der äußeren, oberflächlichen, „symptomatischen“ Persönlichkeit und dem tiefliegenden bioenergetischen Kern, der Natur des Individuums. Es gibt eine tiefgreifende Identität zwischen beiden, während der Charakter etwas Fremdes ist, das irgendwie nicht dazu gehört; etwas, das von außen aufgenommen wurde: es ist die Emotionelle Pest in uns. – Kern und Persönlichkeit: Die Einheit von äußerem Schein und innerlichstem Sein. Zum Beispiel führt das, was uns als allererstes und oberflächlichstes bei unseren Mitmenschen auffällt, ihr Augenausdruck, schnurrstracks zu den tiefsten und frühsten prä- und perinatalen Schichten ihrer individuellen Existenz. Ich erinnere nur an die Photoserien, wo Babyphotos eines Menschen mit seinen Photos im Greisenalter verglichen werden: der Ausdruck ist (wieder) identisch. Reich sprach vom unaufhebbaren Roten Faden der Persönlichkeit, den man erfühlen muß – und den man sofort sieht. „Der erste Eindruck ist der Wahrhaftigste.“

Das Äußere und das Innere sind funktionell identisch und können nur zusammen gegen die Emotionelle Pest (die „mittlere Schicht“ zwischen ihnen) ankämpfen, sie in Schranken halten. Aus diesem Grund ist es der ultimative Verrat an der Sache des Lebendigen, wenn an unserem Selbstbild manipuliert wird. Man kann einen Menschen zerstören, wenn man ständig sein Äußeres, sein Verhalten und Benehmen niedermacht: es geht unmittelbar in den Kern hinein. Es sei nur an all die Anorektikerinnen und Bulimikierinnen erinnert, die die Scheinwirklichkeit der „Supermodells“ verinnerlichten und so eine Körperschemastörung davongetragen haben. Jeder, der mit der heutigen Jugend Kontakt hat, weiß, daß sich ihr Leben nur um eines dreht: von der eigenen Gruppe anerkannt zu werden, indem man sich gibt wie alle anderen, die gleichen Markenklamotten trägt, die gleichen Interessen hat, sich an den gleichen Vorbildern aus den Massenmedien orientiert – das gleiche denkt und empfindet. Nicht dazuzugehören, d.h. nicht das eigene Wesen zu opfern und eine Persönlichkeit zu sein, wird mit sozialer Vernichtung bestraft.

Die Scheinwelt zerstört unser aller Leben. Wer kann seine eigene Existenz als Mann noch ertragen, wenn er ganz in der Phantasiewelt eines James Bond voller Abenteuer, Aufregung und Sexbomben aufgeht? Welche Frau kann sich noch wohl fühlen in ihrer Haut, wenn sie ständig mit den retuschierten Photos von überirdisch perfekten Schönheiten konfrontiert ist? Wie die bekannte Schauspielerin Christine Kunstmann in dem unten verlinkten Vlog beschreibt, ist es in Amerika sogar schon so, daß für Kinder gilt „Smile or die!“ Sie werden von ihren Eltern am Maßstab von Kinderstars gemessen. Kinder, die sich nicht so verhalten wie Kinderstars, sondern wie normale Kinder, werden mit Psychopharmaka ausgerichtet.

Es ist sogar schon so weit gekommen, daß „Tiefe“ und „Persönlichkeit“ nichts weiter als Show ist. Kaufmann verurteilt die Eitelkeit und Künstlichkeit vieler ihrer Kollegen.

Ich finde viele unserer sogenannten deutschen Stars sind so manieriert. Die immer gleichen bedeutenden Blicke und Gesten, die man sich durch die ständige Beobachtung und das Kreisen um sich selber einstudiert hat, finde ich extrem langweilig und übertrieben.

Sie selbst habe ihre eigenen Filme nie angeschaut,

weil für mich immer wichtig war, daß ich nicht vergesse, wer ich jenseits der Scheinwelt bin – welche Interessen, Ängste und Gelüste ich in Wirklichkeit habe. Das kann man besser, wenn man sich nicht in der Außenwelt verliert.

Hier diese wunderbare Frau, die den bioenergetischen Kern gegen die Emotionelle Pest verteidigt:

Wie wissenschaftlich ist die orgonomische Medizin?

9. Juni 2012

Um den Zustand eines Patienten zu bestimmen, tut der Arzt kaum mehr, als dessen Reflexe zu überprüfen. Und das gilt nicht nur für den Neurologen, der mit einem Gummihammer aufs Knie schlägt. Hausärzte der alten Schule sind mit dem Fingernagel über die Haut gestrichen, um zu sehen, wie schnell der weiße Streifen, der sich aufgrund des ausgeübten Druckes auf der Haut ausgebildet hat, verschwindet und sich die peripheren Blutgefäße wieder mit Blut füllen. Selbst „Laborwerte“ geben nur an, wie gut „die Drüsen“ funktionieren. Die Frage ist schlicht, wie schnell (oder ob überhaupt) der Organismus auf von außen kommende Störungen die Homöostase wiederherstellt. Die klassische Definition von „Selbstregulation“! Selbst in der Psychotherapie dreht sich alles um die gestörte „Selbsthomöostase“ der Patienten.

Es geht schlichtweg um eine freie oder behinderte Pulsation. Reichs Beitrag bestand nur darin, daß er einen Zusammenhang zwischen all den diversen Pulsationen sowohl im somatischen als auch im „psychischen“ Bereich sah und die Pulsation auf ein „Substrat“ zurückführte: die „bioenergetische Pulsation“. Ein Phänomen, das im übrigen auch in der Umwelt außerhalb des Menschen anzutreffen sei, was beispielsweise den Zusammenhang zwischen Krankheitsverlauf und Witterung zwanglos erklärt.

Wenn man die Frage von Gesundheit und Krankheit grundsätzlich von der Pulsation her sieht, ist es erstaunlich, sehen zu müssen, wieviel Pathologie („Nichtpulsation“) die Medizin einfach übersieht. Es stellen sich Fragen wie: Wie einfach sind die verschiedenen Muskelgruppen und Gelenke (etwa die Kopfhaut und der Kiefer) aktiv und passiv beweglich? Wie schnell reagiert die Iris auf Veränderungen der Lichtintensität? Wie einfach ist der Würgereflex auslösbar? Wie beweglich ist das Becken? etc.pp.

In der Allgemeinmedizin und Psychotherapie wird so etwas als idiosynkratrische Persönlichkeitszüge abgetan. Man hat halt „Persönlichkeit“, wenn man stets den Kiefer verkrampft. Oder der Körper „reagiert halt träge“, wenn die Iris sich bei Helligkeit nicht schnell zusammenzieht. Aus Sicht des medizinischen Orgonomen jedoch sind das Anzeichen schwerer Pathologie. Charakter selbst ist Krankheit!

Man ahnt, warum sich eine solche Auffassung vom Menschen in der Medizin nicht durchsetzen kann. Es ist nicht die Frage, ob derartige Behauptungen „zu allgemein“ gehalten sind, sich „nicht operationalisieren lassen“ und nicht ausreichend klinische Studien für „derartig weitreichende Behauptungen“ vorgelegt werden. Das Problem liegt ganz woanders: Ärzte und Psychotherapeuten behandeln Symptome, „die Niere im Zimmer 23“ bzw. „die Panikattacken von Herrn Soundso“. Es ist ungefähr so wie bei Insektenforschern, die Schmetterlinge fangen: mit einem selbst, seiner Lebensphilosophie, politischen Einstellung, Religion, etc. hat das Forschungsobjekt nichts, aber auch rein gar nichts zu tun.

Ganz anders sieht es aus, wenn man die bioenergetische Pulsation in den Mittelpunkt stellt, dann rückt nämlich unvermeidlich der wunderliche, ritalin-schluckende Chefarzt der Inneren selbst in den Fokus des Interesses, was natürlich „nicht wissenschaftlich“ wäre! Die absonderlichen ideologischen Hintergründe mancher Krankenhausträger würden plötzlich ins Zentrum der Aufmerksamkeit treten und relevant werden, was natürlich ebenfalls „nicht wissenschaftlich“ wäre. Und zahllose weitere solcher „unwissenschaftlichen“ Verwicklungen.

Klinische Forschung? Reich wollte von Anfang an immer traditionelle klinische Forschung. Sei es im „technischen Seminar“ in Wien, bei seiner „sexualökonomischen Lebensforschung“ in Skandinavien oder hinsichtlich der geplanten Orgone Energy Clinic auf Orgonon. Nichts, wirklich nichts, entspricht dem Grundimpetus der Orgonomie mehr als klinische Forschung!

Aber dazu benötigt man Geld, sehr viel Geld, qualifizierte Ärzte und anderes Personal, etc. Aus den angedeuteten Gründen gibt es das nicht. Und schon gar nicht nach der Rufmordkampagne gegen Reich, die 1947 ihren Anfang nahm und seitdem regelmäßig immer wieder von neuem aufgelegt wird.

Man kann mit Recht einwenden, daß Reich doch nicht von seinen paar Fällen in der Privatpraxis darauf schließen konnte, daß (nur als Beispiel) Kennzeichen der Schizophrenie ein Fehlen von Brustpanzerung sei. Doch in Charakteranalyse (KiWi, S. 529) schreibt er zu dieser seiner Beobachtung:

Diese Annahme wurde durch Untersuchungen bestätigt, die Dr. Elsworth Baker am Marlboro State Hospital, New Jersey, an Schizophrenen durchgeführt hat.

Baker war zu der Zeit seit zehn Jahren Chef der Frauenabteilung an der staatlichen psychiatrischen Klinik von New Jersey.

Selbstverständlich wären Wirksamkeitsnachweise orgonomischer Theorien und Methoden in kontrollierten, randomisierten Studien wünschenswert. (Schließlich traut der gepanzerte Mensch sich und seinesgleichen nicht über den Weg!) Doch aufgrund der begrenzten Ressourcen… Auch kann man der Orgonomie kaum vorhalten, daß sie den jeweils gültigen Stand der Forschung ignoriert. Ganz im Gegenteil! Seit Reichs Tod finden dessen Theorien durch unabhängige Forschungen eine Bestätigung nach der anderen. Das ist das tägliche Brot dieses Blogs.

Grundsätzlich stellt sich auch die Frage von Mechanismus gegen Funktionalismus. Der Mechanist sucht für jede einzelne Erscheinung eine je eigene Kausalkette, die er möglichst früh unterbrechen will. Der Funktionalist sieht in den Erscheinungen bestimmte Äußerungsformen umfassenderer Funktionen. Heilt man z.B. ein chronisches Darmleiden, entwickelt sich eine Gürtelrose und ist diese geheilt, kommt es plötzlich zu Asthmaanfällen und sind die medikamentös beseitigt, entwickelt sich eine unerträgliche Angst vor freien Plätzen, was eine verhaltenstherapeutische Intervention erfordert. Für den Mechanisten sind das separate Erkrankungen, deren jeweilige Genese wissenschaftlich erforscht und deren Behandlung wissenschaftlich gesichert ist. Für den Funktionalisten sind es nur oberflächliche Symptome einer reaktiven Vagotonie, der eine chronische Sympathikotonie zugrunde liegt, die letztendlich auf orgastischer Impotenz beruht.

Der eine betrachtet die Herangehensweise des anderen als jeweils imgrunde unwissenschaftlich!

Funktionelle Wissenschaft und mechanistische „Orgonomie“ (Teil 1)

9. April 2011

Betrachtet man die vorliegende spärliche Literatur zur Orgonphysik, wird man feststellen, daß sie sich an anachronistischen mechanischen Modellen orientiert. Aus der Orgonphysik wird eine Äthertheorie, mit minimalem Bezug zum Kern der Orgonomie.

Wer die Naturgesetze erforschen will, die dem kosmischen Orgon zugrundeliegen, muß die Funktion des Orgasmus genau kennen. (Der Krebs, S. 17)

Diese Aussage Reichs ist der Angelpunkt, um den sich die Orgonphysik zu drehen hat, wenn sie nicht in mechanistisches Fahrwasser geraten will. Dieser eine Drehpunkt verbindet die Orgonphysik unauflöslich mit allen anderen Bereichen der orgonomischen Wissenschaft, ob es sich nun um die soziopolitische Charakterologie, orgonometrische Untersuchungen der Sprache, den Reich-Bluttest oder um was auch immer handelt: die Orgonomie ist „Orgasmologie“.

Reichs Forschung hat sich wie folgt entwickelt (siehe Ausgewählte Schriften):

  1. die Funktion des Orgasmus und ihre Freilegung (Charakteranalyse);
  2. die Orgasmusformel;
  3. der Orgasmusreflex;
  4. das entsprechende im Mikrobiologischen bei Protozoen und Bionen: Zellteilung, Pulsation, etc.;
  5. das entsprechende im nichtlebenden Bereich: orgonotische Kreiselwelle, orgonotische Pulsation, etc.;
  6. die kosmische Überlagerung.

Dies ist der Rahmen der Orgonomie und jeder, der diesen Rahmen verläßt, verläßt ohne Ansehen der Person automatisch die Orgonomie. Beispiele für solche Übertretungen bieten z.B. die Annals of the Institute for Orgonomic Science. Das fängt bei der genitalen Funktion an und endet bei der gravitativen Überlagerung.

Was den biosozialen Aspekt der Orgonomie betrifft, verkündete Courtney F. Baker 1982 in seinem Editorial zum ersten Heft der Annals, die Orgonomie sei in erster Linie eine Wissenschaft und „keine Bewegung, um eine gesellschaftliche Veränderung hervorzubringen“. Hier wird eine Dichotomie postuliert, die für die Orgonomie einfach irrelevant ist: der menschliche Körper ist das Hauptforschungsinstrument, durch Panzerung wird dieses Instrument unbrauchbar, Panzerung ist aber primär ein gesellschaftliches Problem. Schauen wir uns an, was C.F. Bakers reine Wissenschaft uns zu bieten hat:

Im zweiten Heft unter der Rubrik „Clinical Reports“, Artikel „The Mystique of Health“, stellt C.F. Baker fest, daß es keinen spezifischen, bzw. keinen generischen („die Gattung betreffend“) Genitalen Charakter gibt, sondern daß sich die Gesundheit gemäß der individuellen „Persönlichkeit“ äußert. Reich schrieb über derartigen Unsinn:

Die sogenannte individuelle Differenzierung der Menschen ist heute im wesentlichen ein Ausdruck überwuchernder neurotischer Verhaltensweisen. (Die sexuelle Revolution, S. 29)

Nicht von ungefähr wird vom „Institut für Orgonomische Wissenschaft“ gleichzeitig auch die Charakteranalyse zerstört, wie sich anhand ihrer Auseinandersetzung mit dem schizophrenen und dem hysterischen Charakter en détail aufzeigen ließe. Aber bleiben wir beim Genitalen Charakter: Die Fähigkeit einen Orgasmus im Sinne der Orgastischen Potenz zu haben, ist gleichbedeutend mit der Fähigkeit die gesamte überschüssige („neurotisierende“) Energie zu entladen. Entweder besteht diese Fähigkeit nicht, dann haben wir einen neurotischen Charakter vor uns oder sie besteht und vor uns steht ein Wesen von der strengstens definierten Gattung „Genitaler Charakter“. (Siehe auch das 3. Kapitel von Äther, Gott und Teufel über die sich „grundsätzlich“ unterscheidenden „zwei Grundformen der Lebensexistenz“; „die große Kluft“ (6. Kapitel von Christusmord) zwischen den beiden grundverschiedenen Qualitäten neurotischer Charakter hier – genitaler Charakter dort (Charakteranalyse, S. 224-226).)

Vor mehr als 200 Jahre hat Franz Anton Mesmer in seiner Dissertation Der Einfluß der Planeten auf den menschlichen Körper davon gesprochen, das Weltall sei mit einer „psychischen Flüssigkeit“ gefüllt, in der die Planeten Gezeiten hervorrufen könnten. Später betrachtete Mesmer seinen „animalischen Magnetismus“ (eine konzeptionelle Vorform der Orgonenergie) gleichfalls als eine Art Flüssigkeit, aus deren mechanischem Verhalten man z.B. Elektrizität und Schwerkraft erklären könne. Dies war vor 200 Jahren am Beginn der mechanistischen Welterklärung und es stellte damals einen rationalen Versuch dar, eine Art Proto-Orgonomie theoretisch zu untermauern. Doch nun, nachdem Reich das Orgon schon lange entdeckt hat, und zwar einzig und allein durch die Erforschung der Funktion des Orgasmus, tritt ein „Institut für Orgonomische Wissenschaft“ mit fast den gleichen Erklärungsmustern an die Öffentlichkeit, die vor 200 Jahren Mesmer vertrat, um sich der mechanistischen Weltsicht anzupassen!

C.F. Baker erklärt in seinem Artikel über Orgonphysik in Heft 4, „Energy: An Overview“, die Gravitation entstehe dadurch, daß der „Druck des Mediums“ zwischen den Massen geringer ist, die so vom höheren äußeren Druck zusammengepreßt werden. Man vergleiche dies mit Reichs Die kosmische Überlagerung, wo ein roter Faden von der genitalen Überlagerung über die kosmische Überlagerung bei Galaxien zur Funktion der Gravitation führt, die, so Reich, „nicht das Ergebnis von Massenanziehung ist, sondern der konvergierenden Bewegung zweier Orgonenergie-Ströme“.

Wenn C.F. Baker sich wenigstens auf Descartes berufen würde, der die Gravitation mit Wirbeln im Äther erklären wollte. Stattdessen beruft er sich auf Newton, der die Gravitation auf Dichteunterschiede im Äther zurückführte. Doch in der Orgonomie ziehen sich Massen weder an, noch werden sie „zusammengedrückt“, sie folgen auch nicht, nach den Vorgaben der Platonischen Physik, den „idealen“ kürzesten Weg und beschreiben keine geraden Linien, die sich (bei gleichgroßen Massen) in der Mitte treffen, sondern ihre Flugbahnen zeigen im jeweils größeren Bezugssystem die konvergierenden Kurven der Überlagerung. Im Weltall treffen sich nur die Bahnkurven, nicht die ihnen zugehörigen Objekte. Bei der Gravitation in Erdnähe treffen sich hingegen auch die Objekte, was damit zusammenhängt, daß die irdische Orgonenergie-Hülle die Gravitationsfunktion des Planeten steuert. (Zur Reichschen Gravitationsenergie siehe Wilhelm Reichs Gravitationstheorie (Teil 4).)

Selbst wenn man auf Reichs Vorstellung zurückgreift, daß die Massen sich aufgrund des Orgonomischen Potentials anziehen (Äther, Gott und Teufel, S. 154), ist C.F. Bakers Gravitationstheorie nicht mit der Reichschen in Übereinstimmung zu bringen, denn C.F. Bakers „Ausgleich der Dichten“ folgt dem mechanischen Potential, nicht dem Orgonomischen Potential, das eigentlich eine weitere Steigerung der Dichteunterschiede verlangte (man denke nur an das Prinzip des Cloudbusting), so daß die Massen auseinandergepreßt werden müßten!

Auch Reich schreibt in Äther, Gott und Teufel, daß das Orgonenergie-Kontinuum verschiedene „Dichten“ und „Konzentrationen“ aufweist. Aber er fährt ausdrücklich fort:

Wir benutzen noch diese, der Sprache der Physik der Materie entlehnte mechanistischen Begriffe, obwohl die Orgonenergie nicht materieller Natur ist. Von daher müssen wir darauf vorbereitet sein, diese Begriffe durch andere zu ersetzen, die besser geeignet sind, die Funktionen der Orgonenergie auszudrücken. (S. 156)

Dann gehen 40 Jahre ins Land – und C.F. Baker drückt sich sogar noch mechanistischer als jener Reich aus, der provisorisch versucht hat, sich von mechanischen Modellen zu befreien, genauso wie er zur gleichen Zeit danach trachtete, sich von seinen sozialistischen Ansichten freizuschwimmen (dies gehört untrennbar zusammen). Es scheint bei Reichs Anhängern ein allgegenwärtiges Problem zu sein, daß sie nach seinem Tod ständig darum bemüht waren, Reich sozusagen post mortem in alte Vorstellungen zurückzustoßen. Man hat Angst ins ungepanzerte Freie zu treten und sucht Halt in der neurotischen Vergangenheit.

Komische Orgonenergie, Individualität, Seele

8. März 2011

In diesem Blog haben wir uns bereits eingehend mit dem „Geist“ von höheren Tieren beschäftigt, beispielsweise hier. Es ging darum zu zeigen, daß die von der mechanistischen Wissenschaft vollkommen unerwarteten großen Bewußtseinsleistungen von Tieren – unerwartet, weil die strukturellen Voraussetzungen („ausreichend Hirnsubstanz“) fehlen – darauf hinweisen, daß hier orgon-energetische Funktionen eine zentrale Rolle spielen.

Auch zeigte die Forschung etwas, was jeder weiß, der Haustiere hält: Individualität und „Persönlichkeit“ ist nicht nur dem einzelnen Menschen, sondern auch dem einzelnen Tier eigen. Nun haben Forscher der Universität Osnabrück erstmals dies auch bei genetisch identischen Nichtvertebraten gefunden: bei Blattläusen!

Wiebke Schütt und ihre Kollgen stellten fest, daß Blattläuse (die von Natur aus durchweg genetisch identisch sind!) individuelle Verhaltensmuster aufweisen, d.h. unverwechselbare „Persönlichkeiten“ sind. Blattläuse! Dazu auch noch vom Geno- und Phänotyp ununterscheidbare Klone!!

Die Verhaltensunterschiede zeigten sich in der Reaktion auf eine Bedrohung: wegkriechen, sich vom Blatt fallenlassen oder das Warnsignal ignorieren. Manche Blattläuse reagieren immer gleich, andere reagieren unvorhersehbar.

Die Wissenschaftler versuchen diese Unterschiede mit unterschiedlichen Umweltfaktore und epigenetischen Unterschieden zu erklären. Doch Veränderungen, die man an den Umständen ihrer frühen Entwicklung vornahm, hatten keinen nachvollziehbaren Einfluß auf das spätere Verhalten der Blattläuse.

Woher kommt die Eigenheit bei Lebewesen? Mechanisten scheitern an dieser Frage. Mystiker „erklären“ sie mit „früheren Leben“ – was die Frage nur verlagert. „Funktionalisten“ verweisen auf das pränatale Leben, aber das ist auch nur sozusagen „ein früheres Leben“. Selbst Embryos haben von Anfang an ihre „Eigenheiten“!

Woher dann? Die Frage ist falsch gestellt! Kann es überhaupt Wesen ohne „Eigenheit“ geben? Genauso wie sich nicht zwei Schneeflocken gleichen, obwohl sie alle aus ein und derselben Substanz kommen, können sich auch nicht zwei identische „Seelen“ aus dem Orgonenergie-Ozean herauskristallisieren. In den unendlich unterschiedlichen Eigenheiten spiegelt sich schlicht und ergreifend eine Grundcharakteristik der Orgonenergie wider: die funktionelle Identität von 1 und unendlich viel. Man denke an Reichs „Orgoneinheiten“: sie sind alle gleich und doch hat jede ihre unverwechselbare Individualität – „Vieleinigkeit“.

Der „Rote Faden“, der jeden Menschen, jedes Tier, ja jede einzelne Zelle durchwirkt und unverwechselbar macht – jeder dieser unzähligen „Roten Fäden“ führt zurück in den kosmischen Orgonenergie-Ozean. Auf entstellte Weise findet sich dieser Gedanke auch in manchen „mystischen Schulen“, insbesondere dem hinduistischen Vedanta.

Reich geht auf diesen Problemkreis (sogar sich direkt auf „Seelen“ beziehend) im Zusammenhang mit Giordano Bruno ein. Er erwähnt Brunos Konzept der Vieleinigkeit: alle Seelen sind Teil der Weltseele, doch jede ist einzig (Christusmord, Freiburg 1978, S. 200).

Der Forscher Joe Slate entdeckte bei seinen Forschungen, bei denen er das Energiefeld mit Hilfe der Kirlianfotografie des Zeigefingers von Versuchspersonen untersuchte, daß das Energiefeld charakteristisch, d.h. über die Zeit gleichbleibend, und unverwechselbar ist, ähnlich dem Fingerabdruck. Jeder Mensch habe eine „energetische Signatur“, man würde auf den Fotografien sozusagen die „Seele“ sehen.

Die Gesellschaft, bzw. die Emotionelle Pest, die sich in der Gesellschaft austobt, tut in ihrem Kampf gegen das Orgon alles, um diese Eigenheit (die eine direkte Manifestation der kosmischen Orgonenergie ist) zu zerstören. Max Stirner hat ein ganzes Buch darüber geschrieben: Der Einzige und sein Eigentum.

Sekundärtugenden

22. Januar 2011

In der Hamburger Ausgabe der heutigen (Freitag) BILD-Zeitung sind mir drei Berichte aufgestoßen:

  1. Der „Hass-Islamist“ Harry M. alias „Isa Al Khattab“ aus Pinneberg bei Hamburg bedroht auf seiner Weltseite „Islamic Hacker Union“ den Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde: der „dreckige Jude“ solle aufpassen, „daß Allah dich nicht schon im Diesseits straft mit dem Tod. Das ist keine Drohung von mir, sondern Allah dem Allmächtigen.“ Der junge Hacker ist vor einem Jahr zum Mohammedanismus konvertiert.
  2. In Köln ärgerte sich ein Autofahrer dermaßen über einen Bagger, der auf der Straße im Weg stand, daß er ausstieg und dem Baggerfahrer (49) ins Gesicht schlug. Anschließend verprügelte er einen weiteren Bauarbeiter (33) mit einer Schaufel, um danach mit seinem Handy Verstärkung zu rufen. Bis die Polizei endlich kam, drosch die zusammengerufene Bande mit Eisenstangen und Kabeln auf die anwesenden Bauarbeiter ein.
  3. In Brüssel wurden zwei Franzosen, die sich bei einem Autounfall leichte Blessuren zugezogen hatten, in einem Krankenhaus behandelt. Als die Mediziner weg waren, stahlen die Männer eine Handtasche und flüchteten dann mit einem Krankenwagen.

Der alltägliche Wahnsinn, der Zerfall der westlichen Zivilisation im Mikrobereich des Alltags. Feuerwehrleute, die angegriffen werden, wenn sie einen Brand löschen wollen. Ambulanzen, die gestohlen werden, während die Sanitäter den Notfallpatienten aus seiner Wohnung hohlen. Lehrer, die buchstäblich Angst um ihre Leben haben.

Letztendlich ist es egal, wer „die Mächtigen“ sind und was sie tun. Wichtig sind einzig und allein die Massen. Wichtig ist allein, die Charakterstruktur der überwiegenden Mehrheit der Menschen. Zivilisation ist nur möglich, wenn die Menschen einen gewissen Spannungsbogen ertragen können, sie „frustrationstolerant“ sind und ein Mindestmaß von Vernunft zeigen. Das, und allein das, machte und macht den Erfolg von Weltregionen wie Europa (inkl. seiner Ableger auf fremden Kontinenten, etwa Australien), China, Korea und Japan aus.

Durch eine Erziehung, die für derartige „Sekundärtugenden“ nichts als Verachtung übrig hat und die dazu komplementäre Masseneinwanderung von Menschen, deren Frustrationstoleranz und „Vernunft“ gegen Null tendiert, sind wir zunehmend mit Massen konfrontiert, mit denen man schlichtweg „keinen Staat mehr machen kann“.

„Reichianer“ haben auf das Geschehen eine genauso einfache wie ganz offensichtlich falsche Antwort parat: die „bürgerliche Fassade“ breche zunehmend weg und die „mittlere Schicht“ der Charakterstruktur würde zum Ausdruck kommen, d.h. Perversion und Chaos, aber das sei nur eine kathartische Übergangsperiode und letztendlich werde der rationale Kern zum Vorschein kommen.

Was für ein Quatsch! Kann jemand wirklich ernsthaft glauben, daß das Ausagieren sekundärer Triebe in irgendeiner Weise „heilsam“ ist? Glaubt wirklich jemand, außer vielleicht er ist Anhänger von Herbert Marcuse, daß aus dem Zerfall der Gesellschaft mehr erwachsen kann als – nur noch mehr Zerfall?

Wir leben gegenwärtig in einer Welt, in der jeder seine vermeintliche „Individualität“, seine „Persönlichkeit“ und seine „Identität“ ausleben will. Was dabei vollkommen unter die Räder gerät ist das, was man früher „Charakterstärke“ genannt hat: die Fähigkeit sich selbst zurückzunehmen, die eigenen Interessen hintanzusetzen, sich selbst infrage zu stellen und nach der Goldenen Regel zu leben, was vor allem Selbstkontrolle bedeutet.

Werden diese Funktionen rigide, haben wir es mit dem triebgehemmten Charakter zu tun, lösen sie sich auf, mit dem triebhaften Charakter. Beide sind unfähig sich selbst zu regulieren, doch immerhin kann der erste Rudimente der Arbeitsdemokratie aufrechterhalten, während sie in den Händen des letzteren im Chaos versinkt.

Leider glauben die antiautoritären Volksbefreier, daß in der systematischen Zerstörung der „Sekundärtugenden“ das Heil aufkeimt.

Was ist Orgontherapie? (Teil 1)

16. August 2010

Orgontherapie ist eine Behandlungsmethode für „psychische“ (emotionale), psychiatrische und psychosomatische Erkrankungen, die von den drei Psychiatern Dr. med. Wilhelm Reich (1897-1957), Dr. med. Elsworth F. Baker (1903-1985) und Dr. med. Charles Konia (geb. 1931) entwickelt wurde. (Was die Behandlung mit dem Orgonenergie-Akkumulator betrifft, finden sich hier und hier Erläuterungen.)

Die Orgontherapie läßt sich von der Atmung her vielleicht am besten einordnen. Tatsächlich kann Atmen tödlich sein. Beim „Überventilieren“ können „elektrische Strömungsempfindungen“ und gefährliche tetanische Anfälle auftreten. Sie entstehen aus der kontraktiven Reaktion des Organismus auf die ungewohnte Energiezufuhr. Bei dieser Reaktion kann die zerebrale Blutzufuhr um bis zu 30 % gedrosselt werden. Die Tetanie kann bis zum Tod führen, wenn man die Atmung nicht mehr stoppen kann.

Dem hingegen kann ein ungepanzerter Mensch so viel atmen wie er will und es passiert nichts, außer daß „schmelzende“ lustvolle Strömungsempfindungen auftreten. Die Hyperventilation ist ein biopathisches Phänomen, welches zeigt, wie der Organismus des heutigen Menschen gar nicht mehr an eine vernünftige Sauerstoffversorgung gewöhnt ist. Es handelt sich um einen allgemeinen Kontraktionszustand (Sympathikotonie), von dem die Atemsperre der wichtigste Aspekt ist.

Der Behandlungsmechanismus der Orgontherapie ist der Grundtendenz der mechanistischen Medizin genau entgegengesetzt. Beispielsweise wirken Psychopharmaka, indem sie die Atmung einschränken, damit den Energiepegel senken und so die Angst reduzieren, was ein differenzierteres Gefühlsleben und ein klareres Denken ermöglicht.

Es geht aber auch nicht um das bloße Beseitigen der Hemmungen. Orgontherapie ist mehr als bloße Katharsis. Eine „chaotische Situation“ entsteht, wenn der Therapeut die Krankheitsdynamik des Patienten nicht versteht, bzw. er keine Rücksicht auf den Aufbau der Neurose nimmt. Beispielsweise kann fehlende Panzerung ein weit größeres Problem darstellen als Panzerung. Beim Manisch Depressiven kann sie derartig desorganisiert sein, daß er hin und her geworfen wird, was im Extremfall (also beim Triebhaften Charakter) dazu führt, daß eine Therapie unmöglich ist. Jene Schizophrenen sind am schlimmsten dran, bei denen die Panzerung (außer im Kopfbereich) fehlt.

Ganz allgemein ist der hauptsächliche Fehler, den ein Orgontherapeut begehen kann, eine Fehldiagnose und eine entsprechend falsche Herangehensweise, die eine Behandlung schließlich unmöglich macht. Insbesondere kann es zu einem unheilbaren „ocular hook„ kommen, den manche „Orgontherapeuten“ massenweise in ihren Patienten hervorgerufen haben.

Ein „hook“, bzw. „Haken“, ist Baker zufolge eine Hemmung, die für den Patienten eine derartig konstituierende Bedeutung hat, daß eine Beseitigung schwierig bis unmöglich ist. Um so schlimmer ist ein Haken, der durch einen ärztlichen Kunstfehler entstanden ist, indem zu früh Energien freigesetzt wurden, die den Patienten zu überschwemmen und zu „vernichten“ drohen, weshalb er etwa im Augensegment derartig blockiert, als wäre sein Leben davon abhängig. Und vielleicht hat er dabei sogar Recht…

Um derartiges zu vermeiden, sollte stets die Charakteranalyse im Zentrum der Therapie stehen, d.h. das Auflösen erstarrter Verhaltensmuster durch ihr Bewußtmachen.

Charakteranalyse ist die Analyse der Art und Weise des Auftretens des Patienten, die ebenso auf kindliche Erlebnisse zurückgeführt werden kann, wie die Inhalte der Symptome. Im Gegensatz zum einfachen Symptom ist der komplexe Charakterzug gut rationalisiert und wird vom Patienten nicht als Fremdkörper empfunden. Aufgabe des Therapeuten ist es, aus dem Charakterzug einen solchen isolierten Fremdkörper zu machen, um ihn dann wie ein Symptom zu beseitigen.

Zuerst erfolgt Widerstandsdeutung, bevor es zu irgendeiner Sinndeutung kommen kann. Dabei ist mehr auf die Verhaltensweise des Patienten, als auf den Inhalt seiner Äußerungen zu achten, außerdem wird der negativen Übertragung besondere Beachtung geschenkt. Der Therapeut muß wie ein Archäologe Schicht für Schicht in die Vergangenheit vordringen und es vermeiden, durch zu tiefe Deutungen ein Chaos hervorzurufen. Bei dieser Deutungsarbeit hat er immer wieder vom Hauptwiderstand, dem formalen „Charakterwiderstand“ auszugehen, der den Charakter des Patienten definiert.

Der Charakterpanzer ist die Gesamtsumme der typischen („charakteristischen”) Haltungen, die der Patient als Abwehr gegen Angst entwickelt hat. Er führt zur Erstarrung und emotionaler Kontaktlosigkeit und ist mit dem Muskelpanzer funktionell identisch.

Reich schreibt:

Die Verkrampfung der Muskulatur ist die körperliche Seite des Verdrängungsvorganges und die Grundlage seiner dauernden Erhaltung. (Die Funktion des Orgasmus, S. 228)

D.h. die Panzerung ist funktionell identisch mit dem Freudschen Unbewußten.

In der „charakteranalytischen Vegetotherapie“, die Reich in den 30er Jahre entwickelt hat, werden die Emotionen nicht mehr, wie in der klassischen Charakteranalyse, allein durch Bewußtmachen der Charakterwiderstände befreit, sondern gegebenenfalls auch durch direktes Angehen der Muskelpanzerung.

An Anfang der Entwicklung seiner Vegetotherapie mußte Reich zur Behebung von Blockierungen zu Übungen Zuflucht nehmen – ohne großen Erfolg. Das brachte ihn dazu, auf diese künstlichen Maßnahmen zu verzichten und nach den Hemmungen der natürlichen Beweglichkeit zu suchen. Auf diese Weise entwickelte sich die heutige Orgontherapie. Kurioserweise sind „Reichianer“ und „neo-Reichianische“ Quacksalber aufgetreten und haben ihre „bioenergetischen“ „Übungen“ dem Publikum als „Weiterentwicklung“ der Orgontherapie angedient.

Die Einheit von Charakter- und Muskelpanzer, Reich „biopsychiatrischer“ Ansatz, wird beispielsweise anhand des „Roten Fadens“ deutlich. Im Zusammenhang mit dem Dreischichtenmodell (biologischer Kern, irrationale Mittlere Schicht, soziale Fassade) führt Elsworth F. Baker aus:

Die soziale Fassade enthält einen grundlegenden Charakterzug (manchmal mehrere), mit dessen Hilfe der Betreffende der Umwelt begegnet. Dieser Charakterzug bleibt während der ganzen Therapie bestehen und veranlaßt den Patienten, konsequent in gleicher Weise auf jedes Problem zu reagieren, das ihm begegnet. Er wird zur hauptsächlichen Charakterabwehr. Reich nennt diesen Zug den roten Faden, und man muß ihn erkennen, damit man den Betreffenden verstehen und beurteilen kann. Der grundlegende Charakterzug löst sich niemals auf; er bleibt immer ein integrierender Bestandteil der Persönlichkeit, obwohl er abgewandelt werden kann. Er kann sozial annehmbar sein – Freundlichkeit, Bescheidenheit, Zurückhaltung, Schüchternheit, Korrektheit, Rechtschaffenheit oder sozial unannehmbar – Unehrlichkeit, Verschlagenheit oder Betrügerei. (Der Mensch in der Falle, München 1980, S. 102)

Charles Konia schreibt:

Der Rote Faden kann oft als ein besonderer Charakterzug, etwa Freundlichkeit, Aufrichtigkeit, Bescheidenheit, Ernsthaftigkeit, Zurückhaltung, ständiges Drängen, Gehässigkeit, usw. beschrieben werden. Manchmal kann er auch besser als ein bestimmter Menschenschlag oder Beruf charakterisiert werden. Beispiele aus der klinischen Praxis sind „Priester“, „Rabbi“, „Gestapo-Agent“, usw. Alternativ kann er vielleicht besser als bestimmte Persönlichkeit beschrieben werden, wie etwa „Samson”, „Shirley Temple”, „Alice im Wunderland”, „Hitler”, usw. Eine weitere brauchbare Kategorie ist ein besonderes Tier etwa „Schildkröte“, „Bulldoge“, „Maus“, usw. Es ist gleichgültig, wie der Rote Faden beschrieben wird, solange er spezifisch auf den Patienten zutrifft. („Orgone Therapy: Part 15“, Journal of Orgonomy, 28(2), Fall/Winter 1994)

1937 schrieb Reich:

Der körperliche Gesamtausdruck (des Patienten) ist gewöhnlich in eine Formel zu fassen, die sich früher oder später im Verlauf der charakteranalytischen Behandlung wie von selbst ergibt. Es sind merkwürdigerweise meist Formeln und Bezeichnungen aus dem Tierreiche wie „Fuchs“, „Schwein“, „Schlange“, „Wurm“ u.ä. (Funktion des Orgasmus, S. 228)

Was nun die eher widerlichen Wesenszüge betrifft merkt Konia an:

(…) der Rote Faden kann als Ausdruck der wesensmäßigen Stärke des Patienten betrachtet werden. Da jedoch eine Stärke zur Abwehr benutzt wird, kommt es zu einer Übertreibung des normalen Funktionierens. Beispielsweise wird ein von Natur aus aggressiver Mensch auf eine widerwärtige Weise aufdringlich, usw.

Konia weist ausdrücklich darauf hin, daß das Etikettieren von Mensch nach ihrer Charakterstruktur („genital = gut = gesund“ gegen „neurotisch = schlecht = krank“) selbst ausgesprochen neurotisch und sogar pestilent ist (Emotionelle Pest).

Es erinnert an den alten kommunistischen Trick Dissidenten als „schizophren” abzutun. („Cultism in Orgonomy“, Journal of Orgonomy, 26(1), Spring/Summer 1992)

Soziopolitische Charakterologie

15. Juni 2009

Die soziopolitische Charakterologie wurde von Elsworth F. Baker entwickelt.

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In etwas modifizierter Form wird sie in Der politische Irrationalismus aus Sicht der Orgonomie beschrieben. Kurz gesagt behauptet die Orgonomie, daß der ideologische Gegensatz zwischen Liberalen („Linken“) und Konservativen auf strukturellen Unterschieden beruht, d.h. grundsätzlich unterschiedliche Charakterstrukturen vorliegen.

2007 hat eine Forschergruppe der New York University (David Amodio, et al.) festgestellt, daß bei liberal („links“) eingestellten Menschen der sogenannte anteriore cinguläre Cortex im Vorderlappen des Gehirns wesentlich aktiver ist als bei Konservativen. In dieser Gehirnregion wird gesteuert, wie wir mit Konfliktsituationen umgehen, uns auf Neues einstellen können. Beim betreffenden Versuch mußten Versuchspersonen bei Erscheinen eines Signals auf einen Knopf drücken. Nach einer Gewöhnungsphase erschien ein zweites Signal, das die Probanden veranlassen sollte, nicht mehr auf den Knopf zu drücken. Bei dieser Umstellung feuerten die Nervenzellen bei den „Liberalen“ weitaus stärker als bei den „Konservativen“. Entsprechend machten die letzteren auch mehr Fehler, d.h. drückten weiterhin auf den Knopf. Liberale können sich auf Neues besser einstellen, während Konservative am Altbewährten haften bleiben.

Es ist wirklich auffallend, daß konservative Politiker und Journalisten in den Medien als wenig schlagfertig, ungelenk, unkonzentriert, teilweise geradezu „trottelhaft“ „rüberkommen“. Man denke an Helmut Kohl, Edmund Stoiber, George W. Bush oder etwa an die stotternden Auftritte eines Gerhard Löwenthals seligen Angedenkens – und das stets schlagfertige, eloquente Auftreten ihrer Gegenspieler. Ein solches Verhalten ist unmittelbares Ergebnis grundsätzlich verschiedener Energieflüsse im Organismus. Während der Konservative buchstäblich „hirnfern“ im Bauch lebt (orgonotisches System), dreht sich beim Liberalen alles um die Versorgung des Hirns mit Orgonenergie (energetisches Orgonom).

Der grundlegende bioenergetische Unterschied zwischen „Linken“ und „Rechten“ wird durch eine Gallup-Umfrage aus dem gleichen Jahr ebenfalls beleuchtet: Konservative haben weniger psychische Probleme als „Progressive“. Ein statistisch signifikanter Unterschied, der weder mit Einkommensunterschieden noch mit irgendwelchen anderen Faktoren wegerklärt werden kann. Aus bioenergetischer Sicht ist es geradezu selbstevident, daß die, die aus dem Bauch heraus leben, weniger innerlich zerrissen sind, als jene, die „zerebral“ organisiert sind.

Jason Rentfrow von der University of Cambridge hat die geographische Verteilung der Persönlichkeitsmerkmale in den USA untersucht. Grob gesagt sind an der Ost- und Westküste die Menschen kreativer, einfallsreicher und offener als im Mittleren Westen und im Süden, wo die Leute pragmatischer, gradliniger und traditioneller eingestellt sind. Verglichen mit dem Rest des Landes, sind die Bewohner des Mittleren Westens und Südens auch nachbarschaftlicher, freundlicher und freigiebiger.

Dieser Unterschied zwischen den Küsten und dem Mittleren Westen, also „Intellekt“ hier und „Tradition“ dort, schlägt sich unmittelbar in den Wahlergebnissen nieder: die Küsten sind blau (Democrats), der Mittlere Westen und der Süden rot (Republicans).


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